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4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von bambam, 03.01.2016.

  1. bambam

    bambam Member

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    4 Tage Haiti im November 2014

    Es wird nicht viele Urlauber geben, die es nach Haiti zieht. Und deshalb gibt es auch kaum Infos zu diesem Land. Für Interessierte stelle ich mein Erlebtes hier ein, hoffentlich pennt keiner beim lesen ein.

    Geschrieben hatte ich den Bericht kurz danach, vieles noch auf den Flughäfen von Santo Domingo und Punta Cana. Damals waren meine Emotionen noch frisch und ich schrieb, was ich just in dem Moment gedacht habe. Ohne Filter! Wer damit nicht leben kann, mag sich von mir aus als ein besserer Mensch fühlen, aber es bitte unterlassen mich
    zu belehren. Politische Korrektheit wie es wohl heißt mag eine feine Sache sein, Gefühle oder Emotionen sind etwas anderes.

    1.gif, 4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen, 1

    Ein paar Tage in Haiti zu verbringen hatte ich schon länger vorgenommen bzw. gewünscht.

    Warum eigentlich? Nun in Sosua hatte ich meist eher Kontakt zu Haitianerinnen, als zu den eher dicken Domiweibern. Und so habe ich auch vieles über die Schikanen der Dom-Rep gegenüber dem Nachbarland Haiti gehört. Um es kurz zu machen, würde Deutschland so mit seinem Nachbarland Polen umgehen, wäre es wohl vor irgendeinem internationalen Gericht Mode. Aber da ja die Dom-Rep für die Amis ein treuer Vasalle ist ...

    Innerhalb des letzten Jahres hatte ich mich auch in dieses Land soweit es möglich war eingelesen, viel wird über dieses Land nicht geschrieben, oft wird gewarnt. Trotzdem wollte ich versuchen, ein paar Tage in Cap-Haitien zu verbringen, dieser Ort wurde vom letzten schweren Erdbeben verschont, ist noch relativ leicht zu erreichen, und die Kriminalität soll sich in Grenzen halten.

    Von Deutschland aus war es mir nicht gelungen ein einfaches Hotel zu finden. Die wenigsten Hotels beantworteten meine Emails. Und diejenigen die antworteten lagen meist bei über 100 Dollar pro Nacht, für mich einfach zu viel. Auch per Telefon war nix zu reissen, ein Hotel über das es im Inet einiges zu lesen gab, ist wohl schon seit einigen Jahren geschlossen. Über Baddoo hatte ich noch den Tip bekommen, daß die Übernachtung im Hotel Universal mit 50 Dollar wohl schon ein Schnäppchen ist.

    Meine Reiseplanung dorthin war wohl etwas mehr als europäisch-naiv. Von Santo-Domingo fährt ein Bus von Caribe-Tours nach Cap-Haitien. Dieser hält in Santiago. Ich wollte halt einfach von Sosua nach Santiago fahren und dann in den Bus nach Cap-Haitien. Und buchen wollte ich das Ganze einen Tag vorher in Sosua.

    Nun zur Praxis. Zwei „gute Bekannte“ Mädels mit denen ich hin und wieder mal einen Plausch abgehalten hatte, meinten sofort ich solle nicht fahren. Haiti wäre zu gefährlich für mich. OK, eine bot sich als Reiseleiterin an, aber ich meinte zu ihr nur, wenn ich mich dort drüben bis auf den Schlüpfer ausrauben lasse, ist das immer noch billiger als mit dir unterwegs zu sein.

    Sosua ist ja so nicht übel, jeden Tag Sonne und Strand, preiswertes Essen im Überfluss, und jede Menge nette Mädels. Aber irgendwann wurde es mir doch zu fade, jeden Abend auf der Pedro Clisante zu verbringen, wo einem dann auch noch diese bösen Sextouristen die besten Chicas wegschnappen wollen.

    Ein „Hotelbediensteter“ kam aus Cap-Haitien, und hat wohl auch dort Familie. Ich hab ein wenig bei ihm nachgebohrt, aber so richtig kam da nix raus dabei. Auch wenn er so ein guter Kerl war bzw. ist, da was zu organisieren war er die Lehmhose einfach zu groß.

    Eine meiner Teilzeitgespielinnen kam ebenfalls aus Cap-Haitien. Sie hatte ich ebenfalls angesprochen, ob sie sich als Reiseleiterin buchen lässt, aber sie hatte Probleme mit dem Visa.

    Am Abend vor meiner geplanten Abreise kam es dann wieder anders, sie würde gern noch ihre Tasche von sich zuhause holen, um dann mit mir früh nach Haiti zu fahren. Auf ihr Visa angesprochen antwortete sie, sie wolle sich in Haiti ein neues holen. Sie war wohl schon über ein Jahr illegal in der DomRep. Irgendeine Diskussion gab es wohl noch mit einem Einreisevisum in ihre Heimat, daß habe ich nicht verstanden, muss
    ich aber wohl auch nicht.

    Ach ja und Geld wolle sie so keins dafür. Wie heißt es da immer bei Top Gear USA? Oh oh, wird böse enden. Aber was soll's, ich denk jetzt einfach mal karibisch, soll heißen nur zwei Meter bis VOR die nächste Ecke.

    Ok, Kurzzeitschatzie is also mitten in der Nacht mit nem Motogoncho in ihre Bude gedüst um ihre Klamotten zu holen, tsss und schau an, sie war schon nach einer halben Stunde mit ihrer Tasche wieder da, hätt ich ihr gar nicht zugetraut.


    Tag 1 Anreise

    Nächste Überraschung, als am Morgen der Wecker gegen fünf klingelt steht Kurzzeitschatzie ohne Zicken auf, und is auch ratzbatz abreisebereit, da war ich dann erstmal baff. Natürlich ist um die Zeit in Sosua kein Mopedtaxi zu finden, ich hatte damit auch kein Problem, deshalb war ich ja so zeitig aufgestanden, aber nun war ich ja nicht allein. Aber Glück gehabt, nach ca.500 Metern Fußmarsch kam was geknattert und fuhr uns nach Cheremenko.
    Busticket gekauft, und zwei Stunden waren wir in Santiago, wo wir natürlich kein Ticket für Cap-Haitien bekamen. Allein wäre meine Reise hier wohl beendet gewesen, weil ich überhaupt nicht kapierte was da wieder vonstatten ging. Kurzzeitschatzie erklärte mir es wohl so, daß dann wenn der Bus da ist, erstmal nachgezählt wird, was noch an freien Plätzen ist. Das wäre in dreieinhalb Stunden. Prima, der Bus ist seit ner Stunde unterwegs und die Nasen haben keinen Plan, ich mag die Caribic. Also warten. Nach ca. einer Viertelstunde sprach Schatzie mit einem Haitianer, kam dann flugs zu mir und zog mich zum Fahrkartenschalter. Zwei Tickets für den Bus nach Dajabon sollte ich kaufen, danach gängs mit dem Taptap nach Cap-Haitien. Und fix, der Bus fährt nämlich gleich.

    In Dajabon bildet sich erstmal eine Traube um den Bus, Taxi- und Motofahrer, und sonst noch irgendwelche schmierigen Typen. Aus der Traube raus haben wir dann einen weniger aufdringlichen Motofahrer gechartert. Schatzy sprach erst kurz mit ihm, dann brachte dieser uns erstmal in eine dominikanische Imbissbude wo es Reis mit ganz kleinen Hühnerbeinen aber einer ganz gut gewürzten Sosse gab. Anschließend gings zum Grenzübergang wieder per Moto.

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    Am Grenzübergang dann wieder ein ganzer Haufen schmieriger Typen die sich als Scout anbieten, wozu über die Grenze laufen kann ich selber. Aber erstmal war warten angesagt, weil der dicke Domizöllner auch Mittag machte, die Geste vom Schatzie war auch eindeutig, ruhig bleiben, abwarten, ja keinen Stress machen. Irgendwann war der Herr dann satt, ich bekam den üblichen Zettel vom dominikanischen Finanzamt, und durfte 20 Dollar zahlen für den Ausreisestempel.

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    Über die Brücke des Rio Massaker, in dem die haitianischen Frauen ihre Wäsche waschen, gings dann schon mit einem haitianischem Moto zur haitianischen Grenzstelle.

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    Dort waren dann 5 Dollar fällig. Schatzie hat sich so verhalten, als ob sie mein Scout wäre, und schwupps war sie auch ohne irgendwelchen Kontrollen über die Grenze, und plötzlich auch wesentlich selbstsicherer.

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    Zuletzt bearbeitet: 04.01.2016
  2. bambam

    bambam Member

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    Tag 1 Anreise

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    Weiter gings auf dem Moto in den haitianischen Grenzort zur Abfahrtstelle der Taptaps. Dort waren es japanische Kleinbusse, die erst losfahren wenn sie bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Größeres Gepäck, eventuelle Fracht und der Kassierer kommen aufs Dach.

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    Bis zur Abfahrt versuchen einem unendlich viele Straßenverkäufer irgendwas durch die geöffneten Busfenster zu verkaufen, essen, trinken, Zahnpasta, Handys, Telefonkarten und natürlich auch den Klassiker - Sonnenbrillen. Viele der Händler/innen verkaufen ihre Waren aus übervollen Schubkarren heraus. Überall liegt Müll herum, es gibt Futterküchen und überall wird gebrauchtes Allerlei verkauft.

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    Die Straße ist bis Cap-Haitien ist gut ausgebaut und die Fahrt dauert vielleicht eine Stunde. Unterwegs gabs für mich wieder viel zu sehen, an allen Flüssen waschen die Frauen dort ihre Wäsche und legen diese dann zum Trocknen und Bleichen auf Sträuchern aus. Ziegen haben einen langen Stock quer zu ihrem Körper am Hals, und laufen damit teils auf der Straße herum.

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    Je näher man Cap-Haitien kommt, umso mehr Müll findet man am Straßenrand. Am Busbahnhof angekommen herscht dann ein Treiben wie auf einem Hühnerhof. Fliegende Händler, Motogonchos und ach was weis ich was alles noch für dunkle Typen scharren sich um jeden neuen Bus der da ankommt. Tja, und da ja dort die einzigen die Geld haben die Weißen sind, scharrte sich alles um den Blanc, mich. Und ich hielt halt meinen Rucksack fest vor mich, um mir so wenig wie möglich klauen zu lassen.

    Etwas abseits der Traube war dann der Bruder von Schatzie. Es wurden zwei Motos gechartert und los gings auf Hotelsuche. Am Abend vorher gab es schon ein Gespräch deswegen und es war der Name Mont Jolie gefallen. Ich meinte da, Mont Jolie könnt ihr knicken, daß ist zu teuer. Aber natürlich wurde mir erklärt, daß Mont Jolie ist nicht teuer. Nun gut, mittlerweile kenne ich die Carriben ein wenig, und deshalb habe ich aufgehört mit ihnen zu diskutieren. Also gings als erstes natürlich ins Mont Jolie um uns dort sagen zu lassen, daß die Nacht 150 US-Dollar kostet. Schatzie is dann erstmal das Gesicht eingeschlafen, und ich konnte wohl einen sarkastischen Spruch nicht unterdrücken.
    Der Bruder vom Kurzzeitschatzie unterhielt sich dann mit irgendwelchen Leuten vor dem Hotel, und die meinten den Berg hoch gibt es ein weiteres Hotel welches billiger wäre. Also los! Tja, die Insider hatten recht, hier war die Nacht schon für 125 Dollar zu haben. Irgendwie bekamen wir den Tip oder war es eine Idee vom Schatziebruder, und wir fuhren ins La Trinitie welches etwas ausserhalb liegt.

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    4 Nächte für 120 Dollar, mit diesem Preis konnte ich leben, Luxus sieht natürlich anders aus. Elektrisch Licht nur Abends wenn das Aggregat läuft, kein warmes Wasser, die Möbel allesamt sperrmülltauglich, aber am Ende war mirs egal. ICH war in Haiti. Und ich muss es leider so sagen, Haiti stinkt. Das Land ist mit seinem Müll total überlastet, und um sich von ihm zu befreien wird das ganze Plastikzeugs einfach angebrannt.

    Und Schatzie lies die Bombe platzen, sie bräuchte halt mal 300 Dollar von mir für ihr neues Visa. Und weil ich die Scheine nicht gleich auf den Tisch legte, gabs ganz großes Palaver. Irgendwie sind die dort alle gleich, wenn sie irgendwas von dir wollen erzählen sie es dir drei, viermal hintereinander, eine Gebetsmühle ist ein Scheissdreck. Nagut, sie musste dann doch akzeptieren das ich ihr was zuzahle, aber gleichmal so 300 Dollar, ich bin doch kein Ölscheich. Nervig sind solche Diskussionen aber allemal.

    Nicht weit entfernt war ein anderes Hotel wo es dann das Abendessen gab. Der Chef zeigte uns stolz zwei Zimmer, die Nacht sollte im preiswerten Abteil 80 Dollar kosten. Klar, der Laden war besser als das La Triniti, trotzdem war auch hier das Mobiliar nur irgendein Sammelsurium. Ich hab mich beim fuddern ziemlich zurück gehalten, dieses Essen war mal garnix für mich. Aber vom Schatzie kamen noch paar Brüder, und so blieb nix übrig. Die waren übrigens bescheiden, haben sich schon über ne Buddel Bier für jeden gefreut. Da merkt man dann schon, man ist in einem armen Land, da wird einfach der Löffel weiter gereicht wenn man satt ist, und der nächste löffelt im gleichen Teller einfach weiter.

     
  3. Dreamer

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    ....nicht schlecht, Dein Reisestart, aber jetzt sitz ich hier mit meiner grossen Tasse Kaffe , bin angefixt :) und es geht nicht weiter..... :)
     
  4. sukhumvit

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    Verfolge den Bericht mit Interesse und bin gespannt wie es weitergeht!
     
  5. bambam

    bambam Member

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    Tag 2 Sanssouci und Citadelle


    Am nächsten Morgen hab ich dann meiner Kurzzeitgeliebten erklärt, es geht heute nach Sansoussi und auf die Citadelle. Ok, alles kein Problem.

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    Vor zur Hauptstraße gelaufen und aufs Taptap gestiegen. Dies sind hier bunt angemalte Toyota Pickups, geschätztes Alter der Autos: 100 Jahre. Da war dann auch schon ein Familienmitglied aus Schatzies Großfamilie, der den Scout mimte. Sansoucci von Millot als auch die Citadelle sind eigentlich ganz große Geschichte von Haiti, trotzdem muss der Eintritt in Dollar entrichtet werden, ich finds beschämend.

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    Millot

    Sansoucci ist eine Ruine, dem Teil ist einem Erdbeben zum Verhängnis geworden, und "mein Scout" will mit mir betreutes fotografieren machen, bzw. zeigt auf Tafeln die da rumstehen, und vergleicht die Fotos mit der Realität. Was für eine Flasche.

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    Als nächstes stand der Aufstieg zur Citadelle auf dem Programm, bzw. ich plante das es so weiter geht. Nun hatte ich vorher in meinem Reiseleiter schon gelesen, daß der Aufstieg kein Spaziergang ist, also wieder mal eine Sache um dem inneren Schweinehund ordentlich den dicken Finger zu zeigen. Für Kurzzeitschatzie hatte ich bereits gesehen das man an der ersten Serpentine ein Hottehüh chartern kann, sagte aber erstmal nix.

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    Aber meine beiden “Freunde” hatten da natürlich ganz andere Vorstellungen, und wollten den Berg mit Motorädern erklimmen. Und während wir da eine anfangs dezente Diskussion führten, kamen immer mehr Leute und diskutierten mit, einige davon waren Motogonchos, die anderen hofften wohl sich einfach mit “wichtigen Tips” ein paar Gourdes verdienen zu können. Ich hab einfach alle an der Ecke dort stehen lassen und bin 50 Meter weiter gelaufen. Dort hab ich den beiden nochmals klar gemacht, daß ich dort hoch laufe, notfalls auch ohne sie. Mein Superscout meinte, daß wäre unmöglich weil es 7 Kilometer wären. Und es verging keine Minute, und es war wieder eine Traube Menschen um uns, diesmal sogar größer als beim ersten Mal. Und jeder hat irgendwas gegackert, was ich eh nicht verstand. OK, finito hier endete meine Geduld, und ich bin einfach losgelaufen. Sollen doch alle machen was se wollen, ich hab mir das jetzt lange genug mit den Kaspern angeschaut.

    Nach ca. 100 Metern hatte mich dann Kurzzeitschatzie und mein fragwürdiger Scout wieder eingeholt. Ein Motogoncho, der Hartnäckigste, fuhr noch mindestens 300 Meter neben uns her, bevor er sich verabschiedete. Mein “Bye” an ihn muss wohl sehr befreiend geklungen haben, da Schatzie sehr lachen musste und mein Bye nachäffte. Und an der ersten Serpentine dann zeigte ich Schatzie die Pferde. Aha, dachte sie wohl, wir wollen mit Pferden hoch und begann eine Diskussion mit dem ersten Goucho. 500 Gourdes sollte ein Pferd kosten, 1000 wollten sie für zwei. Und es begann wieder ein grande Palaver und wieder bildete sich um uns eine Traube, furchtbar. Ich gab Schatzie 500 Gourdes, und sagte ihr sie solle sich ein Pferd aussuchen, und bin weiter gezogen.

    Der Weg war ganz schön steil, ich frage mich heute noch wie die damals tonnenschwere Kanonen und das ganze Baumaterial für die vier Meter dicken Mauern der Citadelle hoch bekommen haben. Hin und wieder kreuzt die Straße einen Bach, hab ich mir beim ersten Mal nur das Gesicht etwas benetzt, war es eine Stunde später dann schon der gesamte Oberkörper ohne Rücksicht auf meine Klamotten. So nach ca. einer halben Stunde kam Kurzzeitschatzie per Pferdchen. Der Goucho, hatte gegenüber mir sicher noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, aber der Typ war wie aus Sperrholz, nur Haut und Knochen und hat ein Tempo vorgelegt, da hatte ich keine Chance.

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    Zwei Kilometer vor der Citadelle befindet sich noch einmal ein Touri-Stützpunkt. Ich war fertig wie ne Mütze, aber natürlich konnte ich nicht zugeben, daß ich mich ein klitzekleines Bisschen verschätzt hatte. Aber ich war soweit gekommen, jetzt pack ich den Rest auch ohne fremde Hilfe! Aber es gab Wasser zu kaufen, daß war gut. Denn so verlockend wie das Bachwasser war, ich hab mir nicht getraut davon zu trinken. Die UN-Blauhelmtruppen haben die Cholera nach Haiti gebracht.

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  6. schmaeh

    schmaeh Junior Member

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    Interessantes Ziel und schön geschrieben. Macht neugierig auf mehr. Kannst Du die Spanische Sprache?
     
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  7. bambam

    bambam Member

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    Tag 2

    Ich weis nicht, wie mein Scout da hoch gekommen ist, aber die Nase stand auch plötzlich wieder neben mir. Nun gut, auf gehts die letzten zwei Kilometer dann bin ich der Held. So dachte ich. Ungefähr auf der Hälfte deplazierte mich ein junges Mädchen, sie trug zwei Einschweißpaletten mit Getränken nach oben. Aber sie lief nicht nur schneller als ich, sie kürzte auch noch die Serpentine ab. Ich schleppte mich mit vorletzter Kraft dahin, und erklärte meinem Scout in einem lustigen Gemisch aus deutsch, spanisch, französisch und englisch das dies hier seine Geschichte ist, hier die Wurzeln seines Landes liegen.

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    Trotzalledem, ich habs gepackt! Sieg!

    Der Besuch der Citadelle lohnt sich. Wirklich! Nicht nur das das Gelände frei von Müll ist, daß komplette Gebäude ist noch gut erhalten. Und Kanonen als auch die Kugeln sind auch noch sauber aufgeschlichtet. Die Franzosen kamen ja damals nicht. Teilweise sind auch noch die hölzernen Lafetten erhalten. Natürlich bietet die Citadelle auch einen herrlichen Ausblick. Die Natur der Hispaniola finde ich immer wieder herrlich, auch wenn hier in Haiti nicht so viele Bäume stehen, weil ja überwiegend mit Holzkohle gekocht wird.

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    Der Abstieg von uns dreien war dann unspektakulär und ging ziemlich schnell vonstatten. Auf dem ersten Stück bis zum Touri-Stützpunkt habe ich noch an einem Stand gehalten, wo eine alte Frau Puppen verkauft hat, meine Mitläufer hatten erst fragende, dann lachende Gesichter als ich für drei Dollar eine Voodoo-Puppe gekauft habe, hoffentlich funktioniert sie auch.

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    Nach der Touri-Station gings dann mit Motogonchos weiter bergab. Hier wurde es mir dann auch noch einmal Bange. Als LKW-Fahrer gebe ich eigentlich immer Obacht um eine “kalte Bremse” zu haben, sprich ich bremse soviel wie möglich mit dem Motor. Tja und was machen diese Vollpfosten mit einem garantiert überladenem Motorad auf einer 5km langen Abfahrt mit unzähligen Serpentinen? Schalten den Motor aus und quälen das Schleifzeugs bis es glüht. Oh oh, könnte die erste Bewährungsprobe fürs Voodoo-Püppchen sein, daß will sich doch hoffentlich auch nicht weh tun.

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    Ich war dann heilfroh, als wir dann am Tap tap ankamen und es auf dem alten Pickup relativ “sicher” zurück nach Cap-Haitien ging.

    Dort war dann erstmal Kassensturz. Es war ein Sonntag, und Euros kann man in Haiti wohl nur auf der Bank tauschen. Mit Dollars ist es wesentlich einfacher. Die nimmt jeder, teilweise sogar lieber als die einheimischen Gourdes. Und auf Hispaniola pflegen alle Mädels einen etwas anderen Umgang mit Geld. Egal ob Domi oder Haiti. Sie sind da nicht so “zamnehmerisch” wie ich und geben gern Almosen oder handeln da teilweise nicht, sondern legen die geforderte Kohle einfach auf den Tisch. Auch Kurzzeitschatzie machte da keine Ausnahme. Deshalb waren Dollars und Gourdes halt alle, die Visakarte urlaubte sicherheitshalber in der Domrep, und Euros kann ich erst morgen tauschen, Schatzie wir sind pleite! Ich zeigte ihr also mein umgedrehtes Portemonnaie und sagte “finito”. Sie fands ganz lustig, ich nicht ganz so.

    Und auf einmal war sie weg. Ich hab sie unten noch ein Moto rufen hören, aber ich lag auf dem Bett und wollte mich eigentlich nur von den Strapazen meiner Wanderung erholen. Es dauerte nicht lange, und ich hab ja eh gerüsselt, da war Schatzie wieder mit so dre/vier übereinander steckbaren Töpfen da, und es gab Abendessen. Ich hatte mich ja schon auf fasten eingestellt. Wo hat sie das jetzt her? Ganz einfach, von ihrer Schwester. Noch ein paar Getränke vom Hotel und wir waren komplett. Sag mal einer, Kurzzeitschatzie kann nix organisieren. Auch wenn ich nicht viel gegessen hab, es war halt wieder Reis mit kleinen Hühnerteilen, und für meinen Geschmack ungewürzt. Ihre Schwester kam dann später auch noch, und sie saßen da noch ewig, haben gequatscht und immer wieder mal gefuttert bis alles weg war. Ich wollte dann nur noch pennen, der Marsch forderte seinen Tribut.

     
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  8. bambam

    bambam Member

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    @schmaeh

    Leider nein, Muttersprache sächsich und einzige Fremdsprache deutsch. Ich hatte mir vor dem Urlaub für den Google-Translator noch spanisch, französisch und kreol als Offlinesprache geladen. Hat mir sehr geholfen.
     
  9. schmaeh

    schmaeh Junior Member

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    Chapeau! Das hast du gut gemacht.Danke für den informativen Bericht.
     
  10. bambam

    bambam Member

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    Tag 3 Labadee

    Früh kam schon vom Teilzeitschatzie der Vorschlag, heute Labadee zu besuchen. Vielleicht weil es wirklich schön ist, oder vielleicht weil sie Angst hatte, ich mach wieder so eine verrückte Sache wie gestern. Prima, Labadee stand auch bei mir auf der Liste, und so waren wir uns einig.

    Aber erstmal gabs ein anderes Erlebnis. Ein lustiges. Ich stehe früh auf dem Balkon und gegenüber des Hotels ist eine Schule. Und im ganzen Umkreis bin ich der einzige Weiße, und das auch wohl für die nächste Zeit. Und damit wohl eine Seltenheit. Naja, und viele Kinder rufen mich halt mit dem Namen “Blanc” und winken dazu freundlich. Nix schlimmes. Eigentlich grins ich zurück oder winke mal, oder ich ruf beim winken auch mal nett ein “Noir”. Aber hier standen auf einmal mindestens 30 Kinder vor dem Hotel und riefen Blanc, Blanc und winkten. Irgendwie war das wie Zoo. Und mir wars ehrlich gesagt peinlich, daß hat Kurzzeitschatzie umso mehr gefallen und sie hat sich herrlich amüsiert. Naja, und ich musste dann schon noch paarmal von meinem Stuhl aufstehen und zurück winken. Und die Kinder haben unten jedes Mal sich laut gefreut.

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    Aber dann mussten wir rein nach Cap-Haitien und Geld tauschen. Und für ne Hispaniolanerin war der Weg natürlich zu weit, um ihn zu laufen. Also gabs ne längere Diskussion mit einem Motogoncho und er fuhr uns tatsächlich für ein paar Münzen, Peso und Gourdes gut gemischt, bis zu Bank. Dort wartete auch schon mein Freund der Superscout auf uns. Erstmal war anstehen vor der Bank angesagt, dann anstehen in der Bank, dann werden die Scheine wohl gut fünfmal gezählt, und auf Gültigkeit geprüft, nervig. Nachdem wir dann wieder flüssig waren, gings mit Mopeds in irgendeine Nebenstraße wo einige Pickups standen, die Abfahrtstelle für Tap taps nach Labadee. Hatten die Taps bisher wenigstens ein Dach und wenigstens den Anschein eines Polsters auf dem man sitzen kann, war hier nix. Nur ein dickes Holzbrett um alle Bordwände, fertig. Und nach dem losfahren konnte man hören, Auspuff war auch keiner da. Kurzzeitschatzy wollte mir eigentlich den Platz vorn neben dem Fahrer zuweisen, aber nix da! Ich will die Fahrt voll auskosten, und bin natürlich mit hinten auf die Pritsche geklettert. Und was tut mein Superscout? Zieht sich ne Arbeitsschutzbrille auf, als er auf der Pritsche sitzt. Das ich da vor lachen nicht gleich wieder runter gefallen bin! Von Straße konnte man eigentlich nicht sprechen was wir da langfuhren, es war mehr ein Feldweg. Aber es war auch nicht allzuweit. Vor engeren Kurven wird jedes Mal gehupt wegen der Vorfahrt, und wenn der Gegenverkehr keinen genauso kaputten Auspuff oder ebenso lautes Radio wie unser Gefährt hat, hört er dies auch. Naja, sicherlich.

    71.jpg, 4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen, 2

    In Labadee erkundigte sich dann mein cleverer Scout bei der Sicherheitstruppe wie man ins Ressourt kommt. Tja das ist ganz einfach, nämlich garnisch. Wieder einmal hatte ich mehr Infos als er. Ein Bombenmann! Eventuell hätte ich als Ausländer die Möglichkeit gehabt, das Ressourt zu besuchen, aber ich hatte nicht die Bohne Lust, dieses auch Royal Iland genannte Stück Nicht-Haiti zu besuchen. Also waren wir zu früh ausgestiegen. Ärgerlich für meine zwei fußkranken Blackys. An einem etwas kleinerem Zugang zum Ressourt mussten sie es natürlich auch ein zweites Mal mit dem Zutritt versuchen, aber auch hier sah es schlecht für sie aus. Und während wir da so um den Zaun wo oben noch Stacheldraht drauf war, drumrum liefen, erklärte ich den Beiden wieder in meinem lustigen Kauderwelsch, daß das da drüben nicht Haiti sondern die United States sind, also so leasingtechnisch halt. Über diese Ecke hatte ich einiges bereits im TV gesehen und mich auch belesen. Und eigentlich geplant den Besuchern dieses Disneylands ein paar Bananen zu zuwerfen, irgendwie will sich der Ossi ja mal revanchieren. Aber natürlich hab ich die Früchte vergessen, vielleicht besser so. Ne Zwangsjacke bei der Wärme ist sicher nicht der Bringer.

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    Der Weg endet dann an einer Bucht, dort sieht man dann die großen Kreuzfahrtschiffe draussen vor Anker liegen. Ansonsten gibts halt dort einen haitianischen Verpflegungspunkt, und ein paar Taxiboote. Und auf der anderen Seite des Zauns ist die Anlegestelle für die Rettungsboote der Kreuzfahrer. Auf unserer Seite gab es Fisch mit frittierter Kochbanane, sicher eine leckere Sache wenn man sowas mag. Ich entschied mich für eine Diät. In das Dorf Labadee gelangt man dann mit den Taxibooten. Wir haben eins dort gechartert und uns auch rüber fahren lassen. Eine Fahrt die wieder nach meinem Geschmack war. Wir unterwegs im 100-jährigem bunten Holzboot mit Wellblechdach und ca. 10 cm Wasser im Boot, und drüben die Kreuzfahrer im unsinkbaren Rettungsboot, angeschnallt und mit Rettungsschwimmweste. Draussen waren dann ein paar Kajakfahrer, wohl vom “Disneyland” aus gestartet. Leider ließ sich mein Bootsführer nicht dazu überreden da mal was zu rammen, nicht mal einen, Schade.

    73.jpg, 4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen, 4

    In Labadee bekamen wir dann eine Führung durch den Ort, der auch wunderschön ist. Aus meiner Sicht. Klar gibts da auch Ecken mit Müll, und keine gepflasterten Gehwege, dafür kann man zusehen wie sich die Leute im Bach gegenseitig abseifen. Hier wurde uns auch ein Hotel gezeigt, der Hauptraum wunderschön auf alt getrimmt, die Zimmer erschienen mir zwar etwas muffig, aber für 25 Dollar isses OK.

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  11. bambam

    bambam Member

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    Tag 3 Labadee

    Mit dem Boot ging es dann noch in eine Bucht neben Labadee, Dhaloo Beach. Ich weis nicht, ob man da auch übernachten könnte, oder ob es nur eine Bar ist, auf jeden Fall ist es ein wunderschönes Fleckchen Erde. Und nirgendwo Touristen.

    77.jpg, 4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen, 1

    Auf einem Pickup gings dann wieder nach Hause. Is schon Wahnsinn was alles auf so eine Toyotapritsche passt, neben 15 Personen, auch noch einige Leergutkisten von Coca Cola und etliche Holzschnitzereien und ein paar Sack Holzkohle.

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    In Cap-Haitien führte mich mein Scout dann zu einem Denkmal, ich nehme mal an es war das Memorial of the Battle of Vertières in Cap-Haitien. Und als wir die ersten Treppenstufen hochsteigen, steht ein Kerl von der Bank auf und ruft irgend etwas. Mein Scout geht hin und diskutiert mit ihm, daß Palavern in Haiti Volkssport ist, hatte ich ja mittlerweile gelernt. Nun, während des Gesprächs, der Typ war auch sehr laut beim Kommunizieren, hörte ich schon mehrfach das Wort “Blanc”. Na mal sehen was mir jetzt schönes widerfährt. Superscout kommt dann zu mir und fragt mich nach “Cash for cleaning”, und zeigt auf den Kerl, als ob dieser hier der Besenschwinger sei. Ich dachte mein Schwein pfeift. Wo man hinschaut liegt Plastikmüll herum, egal ob Wasserflaschen oder alte Plastikbeutel und wer weis was sonst noch für Zeugs, und ich soll hier löhnen?

    Meine Geste war eindeutig, zuerst mit dem Finger auf mich gezeigt, ICH?? Dann nur den Zeigefinger geschüttelt, NEVER!! Hier siehts aus wie aufm Recyclinghof in der Stoßzeit und ich soll dem Bimbo dort Geld fürs Fegen geben? Ja seid ihr alle noch ganz sauber?

    Ok, es war sicher nicht schlecht das hier ausser mir keiner deutsch konnte. Ich hatte auch irgendwo gelesen, daß die Haitianer findige Kerlchen sind, wenn drum geht den Weißen etwas Knete aus dem Kreuz zu leiern, andere haben ja kein Geld. Aber das war mir einfach zu dreist und zu fett. Mein intelligenter Scout ist natürlich auch noch so nett und trampelt wieder hin zu dem Kerl und diskutiert mit ihm das es nix gibt. So langsam begann die Sicherung in meinem Kopf Temperatur anzunehmen. Ein Pfiff und ein Winken mit dem Arm von mir und Scouti trollte sich wieder zu mir. Mit mir brauchte er nicht diskutieren, ich winkte ab als er es versuchte. Und das Denkmal mit dem dazu gehörigem vermüllten Rasenteil war auch zu Ende begutachtet. Also wollten wir weiter. Und wieder fing der Besenschwinger irgendwas zu uns rüber zu rufen, und Scouti lief wieder zu ihm. Bums, daß war zuviel für meine Kopfsicherung.

    Ich hab einfach nur laut häähhh gerufen, meinem Scout gewunken und nochmal mit ordentlich Fon gerufen das er den Halbaffen jetzt endlich stehen lassen soll, und hier jetzt endlich Schluß, Ende, Finito ist! Das Ganze in einer gar nicht netten Tonart, und auch mit reichlich Handfuchteleien. Ok, daß hat dann Eindruck gemacht, er trollte sich zu uns mit abgesenktem Kopf und Schatzie lachte nur wieder und meinte Finito. Das ich da so rigoros durchzog schien sie arg zu belustigen.

    Es ging dann weiter durch die Stadt, und irgendwo gab es Bananen. Da schlug ich dann zu, und kaufte eine ordentliche Staude. Endlich mal essen, daß auch mir schmeckt. Im Hotel kam dann bald ihr Bruder und brachte schlechte Nachrichten. Die erste Planung war gewesen, morgen wieder zurück zu fahren. Aber die Straße nach Dajabon wäre gesperrt, wegen Manifestation. Wie ich später herausfand, wegen Demonstrationen halt. Ja gut, daß Hotel war eh noch einen Tag bezahlt, und das Zentrum von Cap-Haitien hatte ich mir ja auch noch nicht angeschaut, also alles kein Problem. Fahren wir halt einen Tag später.

    Das nächste Problem war für mich eher: Wie bekomme ich diese Flachzange von Scout los? Der Typ is aber mal so richtig zu garnix zu gebrauchen, kostet nur Geld, Nerven und Zeit.

    Aber als es drum ging, morgen die Stadt zu besuchen, war er hellauf begeistert, und es hat eine längere Palaverei gedauert, bis er kapierte das er echt zu gut für mich ist. Kurzeitschatzie hat mich dann noch nach einer Entlohnung für ihn angehauen. Ich hab die 20 Dollar echt als Entsorgungskosten angesehen. Scheiss auf die Kohle, Hauptsache ich hab den Typen los!

    Das Abendessen kam dann wieder von ihrer Schwester, diesmal gabs irgendeine Art von lauwarmen Spaghetti. Ich weis nicht was da so noch alles drin und dran war ausser roter Sosse, ich hab nur das halbe Ei oben drauf stibitzt und gut war es für mich. Ausserdem hatte ich ja noch die Bananen. Nicht das ich Spaghetti nicht mag, ich hab auch keine Vorurteile gegen das Gekochte von Teilzeitschatzieschwester, aber ich mag sie halt nicht kalt oder lauwarm. Aber wieder einmal sass der ganze Clan so lange zu Tisch bis alles ratzeputz weg war.

    Schatzie hatte mich dann angehauen, wie es denn mit etwas Geld für das Essen ihrer Schwester wäre. Da wir die getauschten Gourdes wieder fast alle aufgebraucht hatten, und wir ja morgen noch einen Tag in Haiti sind, sagte ich, machen wir morgen, wir müssen ja nochmal Geld tauschen.
     
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  12. bambam

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    Tag 4 Cap-Haitien

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    Am nächsten Morgen wo ich meine Habseligkeiten für den Tag und den Bankbesuch ordne, fehlen 20 Dollar. Soviel Geld, daß ich mich täuschen konnte hatte ich nicht mehr. Die Euros haben gepasst, aber ich hatte nochmal 120 Dollar auf der Bank geordert, und sechs Scheine zu 20 Dollar bekommen, 20 Dollar Entsorgungskosten für den Scout macht 100, und ich zählte nur noch 4 Scheine. Ich muss sagen ich war sehr entäuscht vom Teilzeitschatzie, weil sie bis jetzt ne ehrliche Haut war. Auch schon als ich sie in Sosua mit aufs Zimmer genommen hatte, brauchte ich bei ihr nie Fotoapparat oder irgendwas wegräumen. Wozu sie das Geld genommen hatte, war mir auch klar, sie hat es ihrer Schwester gegeben. Aber was tun? Gibt sie es zu? Wenn nicht, was ich annehme steht Stress an! Das brauche ich heute auch nicht. Also werd ich ab heute meine Kohle ständig an mir tragen, dann wird sie schon merken das ichs mitbekommen habe. Im Laufe des Tages, hab ich mir dann auch überlegt, Mensch ich hab dem Scout 20 Dollar für nix gegeben, und wenn ich es mal so sehe, sie hat wenigstens Essen gekocht, und sie da dann mit paar Gourdes abzuspeisen, is auch blöd. Soviel Geld sind 20 Dollar auch nicht, da fällt am Ende auch nicht viel als Geschenk ab, also Schwamm drüber. Du weist auch nicht was die zwei Weiber ausgemacht haben, vielleicht hat die Schwester auch so ihre Nöte, und dann noch mein rigoroses Verhalten beim Besenmann wegen weniger als einem Euro. Aber mal sehen ob Schatzie heute abend nochmal nachfragt wegen der Schwesterentlohnung. Ich nehms vornweg, sie hat es nicht.

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    Auf dem Weg zur Hauptstraße begegneten uns wieder jede Menge Schulkinder, und damit gabs wieder das lustige Blanc-wink-Spiel. Und an der Hauptstraße wurde wieder ein Motogoncho gechartert, der uns zur Bank brachte. Dort gabs dann das unlustige Anstehen -und-Geldzähl-Spiel. Und jetzt war Zeit für Sightseeing in Cap-Haitien. Aus meinem Reiseguide hatte ich hierzu zwei Seiten herausgerissen, eigentlich ist es nicht meine Art Büchern so zu zusetzen, aber so kam ich halt mit meiner Bauchtasche aus und konnte den Rucksack im Hotel lassen.

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    Die Straßenbenennung in Cap-Haitien kann man schon genial nennen. Alle Straßen von Ost nach West tragen Zahlen, alle von Norden nach Süden parallel zum Meeresufer verlaufenden Straßen haben einen Buchstaben verkauft bekommen. Somit ist die Rue1 die erste Straße Richtung Dajabon, und die Rue A der Boulevard de Mer, sprich die Uferstraße.

    Der Name Boulevard de Mer klingt zwar recht vielversprechend, ist aber überwiegend ein Industriegebiet. Vorn auf der Rue 24 gibt’s dann die üblichen Nippes für Touristen, natürlich möchte jeder „Geschäftsinhaber“ das man seinen Laden besucht, auch wenn jeder Laden identisch den selben Kram anbietet wie die anderen auch. Die von meinem Reisebuch empfohlene Stadtbegehung beginnt am Hotel Roi Christophe. Auch wenn man kein Zimmer dort gebucht hat, darf man es besuchen, klar es hat ja auch ein Restaurant. Obwohl ich nur nen klitzekleinen Stadtplan aus dem Guide hatte, kam ich prima zurecht. Schatzie verstand die Welt nicht, ich bin das Erste mal in dieser Stadt und komme zurecht. „Cap-haitien is very simple, that is wonderful.” konnte ich ihr da nur antworten.

    Der Places d'Armes wird momentan leider saniert, um das Ganze Areal ist ein Wellblechzaun. So sehr wie ich mich für die Haitianer freue, daß sie paar Unzen übrig haben um die Plätze ihrer Geschichte in Schuß halten zu können, das muss man doch nicht machen wenn ich da bin! Die Cathedrale de Notre-Dame hab ich mir dann geschenkt, gegenüber dem Original wirkt sie doch mehr wie eine Dorfkirche.

    82.jpg, 4 Tage Haiti im November 2014, für Lesepuristen, 4

    Auf dem Weg zum Marche de Fer kam dann erstmal eine Bäckerei dazwischen. Das Angebot war nicht unbedingt gut, aber egal ein paar Teile im europäischem Touch gab es. Und der eine Fehlkauf, Blätterteig mit irgendwelchem Fleischzeugs innendrin schmeckte meinem Schatzie vorzüglich.

    Der Marche de Fer ist dann so etwas, was ich sehen will! Das ist Haiti pur, no Filter! Auf Holzkohleöfen kochen Frauen in riesigen Alupötten Essen, daneben wird Holzkohle oder Reis lose aus Säcken verkauft. Fischverkäufer wedeln den ganzen Tag mit Zweigen um wenigstens ein klein wenig die Millionen von Fliegen zu verscheuchen. Das ganze Viertel rund um die Markthalle ist ein riesiger Basar, wo es auch wirklich alles gibt. Händler/innen die keinen Stand haben bieten ihre Waren auf einer Plane zu ebener Erde an, wer nicht einmal so einen Platz ergattert hat, verkauft halt aus der Schubkarre oder einem Bauchladen. Und durch dieses ganze Gewusel versucht auch noch ein alter Mack-Laster die Entladestelle für seinen Überseecontainer zu finden, Ich kann das Ganze dort gesehene nicht wiedergeben, es waren einfach zu viele Eindrücke.

    Nach dieser lohnenswerten Tour wollte ich dann noch Fort Picolet besuchen. Aber diese Ruine ist etwas auswärts, sodaß man mit haitianischer Begleitung der Ort nur mit Kolbenkraft erreichbar ist. Und da das Moto nicht bis vor Ort fahren kann, und es dann auch noch einen Berg hochging, musste ich diese Tour abbrechen, Teilzeitschatzie wäre mir sonst zerbrochen. Auf der Rückfahrt sah ich dann noch irgendein Denkmal mit nem Haufen alter Kanonen. Aber da da auch schon wieder ein “Besenmann” rumstand, hab ich auf die Besichtigung verzichtet.

    Am späten Nachmittag waren wir bereits wieder im Hotel, und ich erklärte Schatzie das ich noch nie Zuckerrohr gegessen habe, es aber mal probieren möchte. Da hat sie es vor lachen bald zerlegt, daß konnte sie garnicht begreifen. Aber nett wie ich bin, hab ich ihr erklärt das es bei uns kein Zuckerrohr gibt, und wir den Zucker aus Rüben gewinnen. Also gings los, und gerade mal 100 Meter vom Hotel entfernt, stand ein Zuckerrohrverkäufer mit seiner Schubkarre und schälte sowie schnitt uns eine Stange für wenig Geld. Zuhause dann noch eine Plastiktüte in den Abfallbehälter und das große Knabbern konnte losgehen, ich fands lecker.

    Abends kam dann wieder Bruderherz vom Teilzeitschatzie, diesmal wieder mit schlechten Nachrichten. Der Grenzübergang bzw. die Straße nach Dajabon sei immer noch gesperrt wegen Manifestation, und das voraussichtlich die ganze Woche. Schon wegen der Sprachbarrierre konnte ich das Ganze garnicht checken was da wirklich los sei. Sie erzählte auch etwas von einem Chamion, also Lkw und machte zog den Finger unter der Nase durch, sprich das Zeichen für Drogen.

    Ok, alles schön und gut, aber ich muss zurück. Ich glaub kaum, daß der Flieger auf mich wartet. Ausserdem, wer sagt mir denn, daß die mir hier nicht ne Räuberflinte auftischen, weil das Visum fürs Teilzeitschatzie noch nicht da ist? Kurz und gut, ich fahre morgen erklärte ich. Ich komm schon durch, und wenn die Grenze zu ist, geh ich halt wie ein Haitianer durch den Fluß, irgendwas geht schon. Eigenartigerweise gab es diesmal kein grande Palaver, sondern meine Entscheidung wurde akzeptiert. Vielleicht war der Verweis aufs Flugzeug ein Grund dafür, oder sie hatten gecheckt das ich eh nicht diskutiere.
     
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  13. bambam

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    Tag 4+1 Heimreise

    Früh gings dann mit dem Moto wieder zum Busbahnhof, bzw. das Teil was sich dafür hält. Dort war dann großes Treffen der Kurzzeitschatziefamilie. Und die wollten alle mit. Also ihr Bruder, irgendein Freund vom Bruder, ihre Schwester und der Sohn der Schwester. Wieso das auf einmal? Nun, der Sohn der Schwester sollte auch in die Dominikanische Republik fahren um in Santo Domingo zu arbeiten. Äähhh, der da? Arbeiten? Ich nannte ihn auch gleich Ninjo, sprich den Jungen. Nun wurde mir erklärt, der Junge sei schon zwanzig Jahre alt. Häähhh, der? Ich fands keine gute Idee, aber ich glaub kaum das da wohl jetzt jemand auf mich hört. Dieses Muttersöhnchen is doch in Santo Domingo das blanke Kanonenfutter.

    Irgendwie gings aber noch nicht so richtig los, obwohl ja der Bus schon da stand. Die einzelnen Familienmitglieder telefonierten immer wieder, mal wollten wir mit dem Bus fahren, mal mit einem anderen Kleinbus. Und ich sah traurig einem gelben Bus von Caribe-Tours hinterher, der gerade auf der Straße vorbei fuhr. Natürlich schwirrten auch noch jede Menge Händler mit rum, die einem laufend irgendwelches Zeugs unter die Nase hielten. Nach einiger Zeit tuckerte dann ein Moto an, und brachte eine Frau. Auf diese warteten wir wohl, weil diese das mit den Visas klären würde. Natürlich war der Bus mittlerweile proppenvoll. Ich sass dann auf einem Holzbrett im Gang zwischen den Sitzen, blöd nur das der Gang schmäler als ich selbst war.

    Kaum das der Bus losgefahren war, fing einer der Fahrgäste an laut zu erzählen. Zuerst dachte ich ja, es handelt sich um den Busschamanen der da irgendein Unterhaltungsprogramm abspult, aber irgendwann hielt er dann ein kleines Päckchen bedeutungsvoll in der Hand. Ich hörte auch das Wort Bergkristall und vernahm wohl auch einige Krankheiten. Nachdem ich begriffen hatte, was da für ein Scharlatan wieder sein Unwesen treibt, zog es mir natürlich die Mundwinkel nach oben. Umso erstaunter war ich, als dann doch irgendwelche Leute den Kram kauften. Weiter gings dann mit irgendeiner besonderen Seife, die sicher auch eine lebensverlängernde Wirkung hatte. Der Renner war allerdings seine Zahnpasta. Diese war zwar irgendein Produkt aus dem Supermarkt, aber laut seinem lauten reden wohl die Revolution der Zahnpflege.

    In der Zwischenzeit waren wir auf den Bus von Caribe-Tours aufgelaufen, der nicht mehr weiter fuhr. Clever wie Dominikaner nun mal sind, hat er nicht auf freier Strecke angehalten sondern mitten in der einzigen Baustelle weit und breit.

    Nach einigen Kilometern war auch dann für unseren Bus erstmal Schluß. Quer über die Straße lagen ein paar Steine und einige größere Äste. Das war also die Manifestation. Einige Fahrgäste stiegen aus und palaverten mit den Demonstranten. Dabei wurden die Äste mal von der Fahrbahn geworfen und dann wieder auf die Straße gelegt. Inachdem es ein paarmal so hin und her ging, öffnete sich doch das “Barrikädchen” und der Bus durfte passieren. Ich nehme mal an, daß hier mit ein paar Dollar die Demonstranten zu einer Pause überredet wurden.

    Nach 500 Metern war dann das nächste Hindernis, vom Baustil her genauso grazil wie das Erste. Hier einigten sich die Parteien schneller und es ging weiter.

    Nach ein paar Kilometern stand dann die nächste Barrikade an, bei dieser hatten sich die Erbauer schon etwas mehr Mühe gegeben. Ein Pickup hat wohl das Hindernis gerade noch so geschafft, das Heck das Autos dürfte aber beim überfahren der Steine fast einen halben Meter hoch gesprungen sein. Für den Bus war hier Schluß. Aber sofort fanden sich hinter dem Bus ein paar Motogoncho, die sich anboten uns nach Dajabon zu fahren.

    Nach der üblichen Preisverhandlung gings dann los. Da auch andere Buspassagiere diese Möglichkeit nutzten, kam so ein ganz schöner Pulk zusammen. Die Fahrt ging runter von der Straße und nur noch über irgendwelche Pisten. Und natürlich alles volle Lotte. Ich hab mich mehrfach schon irgendwo in der Botanik rumliegen sehen, ein Motorad mit 125 ccm, drei Personen mit Gepäck und das auf staubigen Trampelpfaden mit gut über 80km/h, sowas kann nicht gut gehen. Hin und wieder standen Leute da, bremsten uns und wollten diskutieren. Teilzeitschatzie lies jedes Mal einen Spruch, gab einen Geldschein und die ganze Rotte durfte passieren. So oft wie mir ihr loser Umgang mit Geld nicht gepasst hatte, momentan hatte ich nichts dagegen einzuwenden. Es war jetzt nicht unbedingt die beste Zeit, über ein paar Cent zu diskutieren.

    Nach einer Zeit war dann der Pfad zu Ende, eine Brücke über einen Bach war nicht mehr existent. Hier mussten wir absteigen, liefen über eine Baumstammbrücke und die Mopeds fuhren ein paar Meter weiter unten durch den Bach. Oben wurden dann wieder Fahrzeuge und Mitfahrer zusammen gefügt, warum alles so hektisch sein musste, verstand ich nicht. Jedenfalls hatten wir jetzt die Reisetasche vom Schwesternbub auf dem Moto, und die halt die Tasche meiner Gefährtin. Wurde der Weg etwas breiter begannen die Motogonchos Rennen zu fahren, jeder wollte halt mal der Erste sein. Nach einiger Zeit kamen wir wieder auf die Straße, blöderweise genau vor einer großen brennenden Barrikade. Und sofort begannen die Demonstranten auf uns zu zurennen. Einem Vermummten fehlten vielleicht noch fünf Meter bis zu mir, in der Hand eine Plastikflasche. Ich weis nicht was darin war, Säure? Benzin? Oder wollte er mir das Ding einfach nur so auf die Birne hauen? Ach was war ich froh, daß der Motogoncho endlich wieder Gas gab, als auch das Hinterrad wieder auf dem Asphalt der Straße war.

    Auf der Straße gings dann erst einmal wieder ein Stück zurück. Hier sah man dann auch ein ausgebranntes Taptap quer auf der Straße stehen und jede Menge Glasscherben. So langsam kapierte auch ich, daß hier nicht unbedingt Karneval gefeiert wird. Von der Straße gings dann wieder irgendwelche Feldwege und Trampelpfade entlang, natürlich immer noch volles Rohr als ob jemand hinter uns her war.

    Ich weis auch nicht wie lang wir letztendlich unterwegs waren, für mich war es eine Ewigkeit, und für mein Gesäss schon zwei. Erst die Busreise auf dem Holzbrettchen, dann die Fahrt zu dritt auf einem Moped wo der Gepäckträger nix besseres zu tun hat, als einem weh tun zu wollen, ach was war ich froh, als wir endlich den Grenzübergang erreichten.

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    Jetzt düste Teilzeitschatzie mit einem Moto davon, um sich um die Visas zu kümmern, OK. Das sie da auch nicht gleich nach zehn Minuten wieder da ist war mir eigentlich klar. In der Zwischenzeit trank ich halt was, schaute mal nach der Uhrzeit auf dem Handy oder fotografierte mit meiner Billigknipse, eine bessere hatte ich wegen der haitianischen Kleptomanieseuche mir nicht getraut mitzunehmen.

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    Aber bei jedem elektronischem Teil was ich aus meinem Rucksack holte, fragte mich der Bub der Schwester ob ich es ihm nicht schenken wolle. So belustigte mich der Typ immer wieder aufs neue, hoffentlich haben sie ihn in Santo Domingo nicht schon aufgearbeitet. Ein anderer Typ war auch goldig, ich sollte unbedingt seine gebrauchte Kettensäge kaufen. Wär sicher lustig, wenn ich das Teil als Handgepäck am Airport deklariere.

    Nach einer erneuten Ewigkeit kam dann Teilzeitschatzie wieder zurück. Und hatte schlechte Nachrichten. Die neuen Visas gebe es erst morgen. Jetzt mischten sich in das Gespräch auch wieder die ganze Klicke der Geldwechsler und Händler mit ein. Und alle wussten natürlich Rat. Schatzie war daraufhin wieder am telefonieren, und so hieß es einmal kurz, heute nachmittag bekommen wir Visa. Aber auch diese Hoffnung löste sich bald in Wohlgefallen auf und es hieß wieder morgen.

    Nun hatte ich aber einerseits keinen Bock meinen Urlaub an so einer öden Ecke zu verbringen. Andererseits tat mir gerade meine Kurzzeitromanze schon leid, und mittlerweile hatte ich sie wohl auch ein wenig lieb gewonnen. Das muss wohl so sein, wenn man ein paar Tage gemeinsam auf Achse ist.

    Aber wie schon mal geschrieben, ein klein wenig kenne ich das Land. Und deshalb stand für mich damals schon fest, daß es nicht hundertprozentig feststeht, daß wir am nächsten Tag gemeinsam in die Domrep einreisen.

    Aber Teilzeitschatzies Problem war, daß ich es nicht alleine bis nach Sosua schaff. Was? Ich fahr mit dem Laster durch halb Europa, und hier soll ich es nicht schaffen mit dem Bus einmal umzusteigen? Na also!

    Also hab ich mich wie schon mal auf der Hispaniola frei gekauft. Sprich ich gab Teilzeitschatzie Geld, damit sie dort übernachten konnte, und auch noch Geld für Essen und Transport hat. Viel Kohle hatte ich eh nicht mehr.

    Der Abschied ging dann schnell, zusammen noch die Papiere beim haitianischen Zoll gemacht, und dann gings für mich Richtung Brücke über den Rio Massaker. Aber in den vier Tagen hatte ich das Mädel doch etwas mehr in Herz geschlossen als mir lieb war. Ich dachte dann nach der Verabschiedung nur nicht umdrehen, und kam mir ziemlich herzlos vor. Aber was solls, helfen kann ich hier eh nicht mehr.

    Auf dominkanischer Seite durfte ich dann wieder die üblichen Zettel für deren Finanzamt ausfüllen und einige Dollar für die Einreise bezahlen bevor ich den Einreisestempel erhielt.

    Ich mag die Dominikanische Republik nicht wirklich, hauptsächlich wegen ihres Umgangs mit Haiti. Aber jetzt kam sie mir wie das gelobte Land vor, es war als wenn ich eine Reise in die Vergangenheit beendet hätte. Noch dazu erhielt ich mal von Domis eine kompetente Antwort als ich nach der Busstation von Caribe Tours fragte. Dort angekommen, habe ich erstmal in der Nähe Geld gewechselt und mir dann das Ticket nach Santiago geholt. Bis der Bus kam, gings an eine Imbissbude, selten hat eine eiskalte Coke mir so geschmeckt wie dort.

    Kaum das der Bus aus Dajabon raus war, kam auch schon die erste von einigen Militär- und Polizeikontrollen. Die Jungs sehen schon martialisch aus, in ihrer vollen Kampfmontur. Und das alles nur um illegale Haitis zu suchen.

    Der Umstieg in Santiago war dann auch kein Problem, trotzdem kam ich erst recht spät in Sosua an, schade denn eigentlich hatte ich mich totalen Heißhunger auf schönes Steak aus dem Germania. Aber das habe ich dann am nächsten Tag nachgeholt.

    “Haiti ist ein einzigartiges Land, das unter die Haut geht und wohl kaum einen Besucher gleichgültig lassen wird.”
    So steht es in meinem Reiseführer und deckt sich voll mit dem von mir Erlebtem. Ob ich das Land noch einmal besuchen werde oder möchte? Ja und nein.


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  14. Liggi

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    Super Bericht von einem fast weissen Fleck auf der Landkarte. Danke.
     
  15. Dreamer

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    Super jepp Klasse Bericht, kann mich nur anschliesen, mal die _Realität Vorort mitlesen zu können Thanks dafür... und noch was von Kurzzeitschatzi gehört ????
     
  16. peacy

    peacy Senior Member

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    Super Bericht! Danke!

    Dein Schreibstil gefällt mir, hat Spaß gemacht zu lesen.
     
  17. Vollpfosten

    Vollpfosten Experte

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    Dass ich in einem Thailand-Forum mal einen Reisebericht aus meinem „Traumland“ Haiti lesen darf hätte ich auch nicht gedacht. Großen Respekt dafür und vielen Dank.

    Vieles kommt mir von meinen Reisen bekannt vor, aber z.B. deine Ausreise-Aktion war schon megakrass. Entspannter Urlaub geht anders, aber solche Erinnerungen kann einem keiner nehmen, und man hat für später ganz viel Erzählstoff.

    Hast Du nicht auch Pics von Deinem Kurzzeitschatzi ? Wie sieht es nach deiner Einschätzung mit Möglichkeiten für einen „Blanc“ aus, dort Frauen klarzumachen ?
     
  18. Yodrak

    Yodrak Administrator
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    Da sieht man mal wieder wie breit das Spektrum an Reiseberichten hier ist! :super: Bambam!
     
  19. bambam

    bambam Member

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    @ Dreamer
    Eine ihrer Freundinnen hat mir in Sosua erzählt, sie wäre nach zwei oder drei Tagen vergeblichen wartens wieder nach Cap Haitien zurück gefahren.

    @Vollpfosten
    Haiti ist angeblich das Afrika der Caribic, somit solltest du dich dort heimisch fühlen. :D
    Bilder von dem Mädel möchte ich keine veröffentlichen. Sosua ist ein hartes Pflaster, die Mädels sind alle vernetzt, und ich weis nicht was dort noch für Flachzangen rumspringen.

    Mädels klarmachen. Wenn du in Badoo oder Tagged schaust wieviele Chicas sich aus diesem verhältnismäßig kleinem Land dort tummeln, da muss ja fast schon was gehen.
    Eine Disko die ich in Cap Haitien gesehen hatte, war allerdings nur noch eine Ruine. Ich selbst hab in der Richtung überhaupt nicht geschaut, da ich versorgt war. Schließlich musst ich ja meine Zuwendungen fürs Visa wieder rausholen. 8cool)

    Am Ende war ich ja auch nur ein paar Kilometer drin, aber das Elend wo so viele Menschen nach dem nun schon viele Jahre zurück liegendem Erdbeben immer noch in Zelten wohnen, wollte ich mir nicht antun. Zumal es ja dort dann auch nicht unbedingt ungefährlich ist.
     
  20. redweed

    redweed Senior Member

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    Toll. Danke.