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Die Schienen werden knapp - Teil 3

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 29.06.2014.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Auf den Spuren der Todes-Eisenbahnstrecke von Kanchanaburi bis an die burmesische Grenze. Dritter Teil: Sangkhlaburi - Grenze

    Sangkhlaburi
    Langsam hebt sich der Nebel über dem Wasser. Im glühenden Licht der aufgehenden Sonne wird kurz das gegenüber liegende Ufer sichtbar. Die Szenerie erinnert an eine Welt kurz nach der Genesis. Tatsächlich liegt die Schöpfung dieses Gewässers noch nicht lange zurück. Der 92 Meter hohe Steinwall des Vachjiralongkorn-Staudamm ist nach dem Sohn von seiner Exzellenz Bhumibol Rama IX benannt; er staut den Mae Nam Khwae Noi zum riesigen Khao Laem Reservoir auf. Der Dammbau begann 1979 und dauerte fünf Jahre, worauf sich im Juni 1984 die Füllung des Reservoirs anschloss. Der See prägt das Gesicht des neuen Sangkhlaburi, das sich zum nördlichen Ufer erstreckt. Die ursprüngliche Stadt weiter im Südosten, wurde durch den Stausee 1984 geflutet und liegt auf seinem Grund. Noch heute sieht man die Spitze des Tempels aus dem Wasser ragen. Insgesamt wurden 10'800 Menschen umgesiedelt.



    Das neue Sangkhlaburi ist ein verschlafenes kleines Städtchen und liegt 215 Kilometer westlich von Kanchanaburi auf einer Höhe von 250 Meter ü.M., umgeben von bewachsenen Bergen und kahlen Kalkfelsen, die eigentümliche Formationen bilden. Es gibt Gummibaum- und Zuckerrohr-Plantagen sowie Reisanbau.

    Anreise mit Ö.V.
    Wir sind mit dem öffentlichen Bus von Kanchanaburi angereist. Die Fahrt kostet THB 130. Überall auf den Feldern ist der Maniok bereit zum Pflanzen oder die Setzlinge schon gesteckt. Die Landschaft ist interessant, ab und zu ein Billboard mit Königsbild, ein Wasserturm, aber nichts Spektakuläres. An jedem Stopp schreit der Busbegleiter,"Yägjängtonekap, Yägjängtonekap, Yägjäng-tooo". Was das wohl heissen mag?
    Nach mir die Sintflut - scheissegal, denkt vermutlich unser Busfahrer. In Thong Pha Phum, stellt er den Bus auf einen Parkplatz, lässt die ratlosen Passagiere desinformiert auf den Sitzen zurück und geht - essen, wie ich später feststelle.
    Ich springe ihm nach und halte ihm meine Armbanduhr unter die Nase. "Driver, you ain't goin' nowhere, before telling me what the fuck is going on". Natürlich versteht der Unwissende kein Wort, aber er begreift langsam, was ich wissen will. In Deutung seines Fingers auf dem Zifferblatt, wage ich mit Westlogik zu kombinieren, dass wir 45 Minuten Pause machen und dann mit dem gleichen Bus weiterfahren. Ich halte die Festung und Vielliebchen geht auf Pipi und anschliessend Lunch einkaufen. Als sie mit Pringles und Cola Light zurück kommt, darf auch ich meine Blase entlasten.




    Thong Pha Phum ist ein beschaulicher Ort mit eigenem Charme und auf einem Spaziergang der Hauptstrasse entlang leicht zu erkunden. Die Infrastruktur für Traveller ist brauchbar. Der Ort dient vielen Reisenden als Zwischenstopp. Er gelangt immer wieder wegen der Lijia-Höhle im nahegelegenen Khao Laem Nationalpark in die Schlagzeilen der Weltpresse. Dort wird ein unermesslicher Goldschatz von 2'500 Tonnen vermutet, den die abrückenden japanischen Besatzungstruppen zurückgelassen haben sollen. Soldaten riegelten daraufhin das Gebiet gegen Schatzsuchende ab. Das Forstamt brachte Bohrgerät; dann tauchten Archäologen und der Forstminister persönlich auf. Goldsucher und japanische Kriegsveteranen schürfen in der River-Kwai-Region seit den 1960er-Jahren nach Kriegsschätzen; sie werden angespornt durch die Sterbeworte eines Veteranen, man habe Tonnen an Kriegsbeute in den Grenzdschungeln um Kanchanaburi vergraben, um sie vor den Alliierten in Sicherheit zu bringen. Später berichtete ein Mönch von über 50 Goldtruhen, Diamanten, eine Lokomotive und Skelette von japanischen Soldaten in der Nähe der Lijia-Höhle. Gefunden wurde bis anhin nichts. Mysteriös, so sagen Zeugen, bleibe jene Wand, die in der Höhle einen Weg abblockt.
    Sofern dieser vermutete Fund als Vermögen der thailändischen Nationalbank zugeführt werden kann, dann hätte es das Schicksal mit Thailand einmal gut gemeint und seine von der Asienkrise mitgenommenen Finanzen wären saniert. Soeben fanden Beamte nach unserer Abreise einen Schachteingang, der bis zu 30 Meter ins Innere eines Hügels führte. Vier Männer hatten im Auftrag einen Tunnel ausgegraben. Die Behörden erhoben Anzeige gegen die Arbeiter wegen unbefugten Eindringens in ein naturgeschütztes Gebiet. Beschlagnahmt wurde die Ausrüstung, einschliesslich eines Stromaggregats und Lüftungskanälen. Sie mussten ihre Arbeit unverzüglich einstellen und wurden der Polizei übergeben. Nun wird die Forstverwaltung erneut die Goldhöhle in Eigenregie aufbohren. Die Story scheint nicht nur ein Gerücht zu sein.

    Weiter südlich von hier liegen die Thermalquellen von Hin Dad Springs. Nanu, sind wir denn hier auf dem Roten Platz, denke ich zuerst, als wir dort vor ein paar Tagen einen Augenschein nehmen. Es wimmelt nur so von russischen Package-Touristen ohne jegliche Englischkenntnisse, die im Zementbecken im trüben Wasser herum plantschen. Mir grault vor all den Bakterien und Mykosen, die im Wasser um die Wette schwimmen. Keine zehn Pferde können mich da reinziehen. Vielliebchen will zuerst noch ihre Kleider abstreifen und hinein hüpfen, doch als ich sie an all die hämisch grinsenden Scheidenpilze erinnere, lässt auch sie vom Vorhaben ab.

    Die Reise geht weiter. Wir fahren im Schritttempo durch den Ort, der Busbegleiter streckt den Kopf durch die offene Bustüre und schreit sich die Kehle aus dem Hals: "Sangga, Sangga, Sanggabuli". Ich verlasse mich auf meine Logik, die sagt, dass wir auf dem richtigen Approach sind. Die Szenerie wird besser und die Fahrt geht über hügeliges und kurvenreiches Gebiet weiter. Wir passieren den Kroeg Krawae-Wasserfall. Etwas später hält der Lokalbus auf der Hauptstrasse und ein kleinwüchsiger Koreaner in eigenwilliger Aufmachung mit leibeigenem Kameramann steigt in den Bus. Der noble Herr lässt sich jede Sekunde seiner Reise filmen.
    Um 15 Uhr erreichen wir nach 5 ½ Stunden Reise (inkl. Pausen) endlich Sangkhlaburi.

    Unterkunft suchen
    Wir laufen mit schwerem Gepäck Richtung Markt; in diese Richtung haben die Leute gezeigt, als wir uns nach dem Burmese Inn erkundigt haben. Doch da ist nichts zu finden und wir laufen bei brütender Hitze zurück in Richtung Busstation und biegen ab in die Hauptstrasse. Bald sichten wir ein passables Gästehaus, das eine akzeptable Falle macht. Es ist nicht das Gesuchte und trotz überrissener Preise (Doppel mit AC THB 1‘400) entscheiden wir uns, ein Zimmer zu prüfen. Der Besitzer sieht aus wie der thailändische Jack Sparrow; nur ein Piratenschiff ist weit und breit nicht auszumachen und Englisch spricht er erwartungsgemäss kein einziges Wort. Vermehrt realisiere ich, wie viel einfacher das Leben mit Einheimischen auf den Philippinen ist. Da kann sich nun wirklich der hinterste und letzte Tagelöhner ein bisschen auf Englisch mit Touristen verständigen. Auch die Logik dort steht unserer eigenen wesentlich näher. Ob das etwas mit dem christlichen Glauben zu tun hat? Ich werde es wohl nie mit Bestimmtheit herausfinden.
    Trotzdem mögen Vielliebchen und ich Thailand. Jede Nation hat schliesslich ihre Vor- und Nachteile. Wer bereit ist mit Kompromissen zu leben und zu reisen, fährt immer besser. Erst mit Verspätung realisiert der Mann, dass wir ein Zimmer wollen. Wir stehen mit dem ganzen Gepäck vor ihm und seine Logik funktioniert immer noch nicht nach westlichem Bedarf. Doch als ich mir an der Wand symbolisch einen Schlüssel schnappe, fällt der Penny endlich runter. Jack Sparrows asiatischer Doppelgänger vermittelt uns mit Handzeichen, dass bei ihm keine Zimmer frei sind. Wir bitten ihn, uns ein Taxi zu bestellen - das klappt. Drei Minuten später treffen zwei Motorbikes ein. Einer transportiert Vielliebchen und unseren grossen gemeinsamen Reiserucksack, der zweite Pitcairn-himself von 100 Kilogramm Lebendgewicht inklusive Knochen und 10 Kilogramm Handcarry Fotoequippement. Das fälschlicherweise als zentral bezeichnete Burmese Inn ist schätzungsweise einen Kilometer vom Markt gelegen und bei dieser Bruthitze mit schwerem Gepäck nicht ganz so einfach auf TEVA-Sandalen zu erreichen. Zugegeben, es liegt auf Fussdistanz zur Mon-Brücke, aber die brauche ich jetzt im Moment nicht.

    Als wir eintreffen, meldet sich niemand auf unser Rufen und es dauert zehn Minuten, bis etwas in den hinteren Räumen raschelt. Natürlich habe ich vor der Abreise und während der Anreise mindestens fünfmal versucht den Laden telefonisch zu kontaktieren, aber niemand bequemte sich den Hörer abzunehmen. Für THB 850 bekommen wir einen renovationsbedürftigen, am Hang abgestützten Bungalow mit AC, wackeliger Veranda und unbrauchbarer WiFi-Konnektschen. Für die Gegend ist das im Vergleich eher ein günstiger Übernachtungspreis. Das schwere Gepäck schleppe ich selber durch den ungepflegten Garten runter. Normalerweise gibt es überall einen Kuli, der einem morbiden Effendi diese Arbeit abnimmt und sich ein kleines Zubrot verdienen will.
    Ausser uns gibt es keinen einzigen Gast. Wegen politischer Probleme in Bangkok bleiben die meisten Besuchenden aus, sagt die thailändische Besitzerin chinesischer Abstammung, die langsam gesprächig wird und Sympathien für mein drolliges Vielliebchen entwickelt. Sie führt den Betrieb zusammen mit einer burmesischen Angestellten, die ihr mehr oder weniger illegal aus Burma zugelaufen ist. Der Wirtin's Ehemann ist nach zwanzig Jahren mit einer jüngeren Frau abgehauen. Das gibt es scheinbar auch in Thailand - was für eine undankbare Welt! Doch ich erkläre mich mit dem geflüchteten Kerl solidarisch, denn ich hätte es an seiner Stelle wohl auch nicht anders gemacht. Die Frau ist fast nicht auszuhalten. Immerhin hat ihr der Geplagte das Resort überlassen und sie kann sich nun damit brüsten. Was sie allerdings aus dem Laden gemacht hat ist nicht wiederholungswert.
    Es gibt keinen Grund ein zweites Mal hier einzuchecken. In besonders negativer Erinnerung werden uns die unzähligen Ameisen im Bett bleiben. Täglich wird die burmesische Hilfskraft abkommandiert und muss den Krabbeltieren mit Giftspray zu Leibe rücken. Das Bett ist stets schwarz mit den lästigen Viechern übersät und riecht die ganze Zeit nach Giftspray, so dass ich mich verkehrt auf die Matratze legen muss.

    Die Wirtin plaudert aus der Schule. Israelische und russische Gäste mag sie gar nicht: "Diese Nationalitäten haben ständig etwas zu meckern, zu kritisieren und sind nie zufrieden". Solche Leute fordert sie hemmungslos auf, sich eine andere Bleibe zu suchen. Wenn es einmal in Sangkhlaburi in Sachen Unterkunft etwas mehr Competition gibt, wird sie nichts mehr einzukassieren haben. Nun ja, ich bin Auslandschweizer und mir passt es hier auch nicht immer. Meine heutige diplomatische Anwandlung hält mich aber zurück auszurufen. Wir bleiben ja keine zwei Wochen. Aber ich teile die Feststellung der Wirtin betreffend den beiden Mentalitäten. Ich machte in über vierzig Jahren Reisen keine abweichende Erfahrung - auch nicht in deren Heimatländern. Gelegentlich nehme ich von Europa den Zug nach Asien und bin immer froh, wenn ich den Ural hinter mir habe und den asiatischen Teil von Russland erreiche. Gerne biege ich dann in Irkutsk Richtung Mongolei und China ab. Dann ist mir wohler und die 144 Millionen Russen vermisse ich nie. Im Moment wird ganz Thailand von diesen Iwans überschwemmt; eine Folge von Perestroika und Glasnost. Israelis sind auch überall, aber dominieren wegen der kleinen Bevölkerungsmenge von 8 Millionen nicht. Nur im Heimatland oder konzentriert in Goa, sind sie wirklich eine Plage.
    Warum müssen Norden und Süden, Osten und Westen, Weisse und Nichtweisse, sich immer wieder mit dem Anspruch gegenüber treten, einander überlegen zu sein. Wir sind doch nur Menschen und wichtiger als der Unterschied der Hautfarbe ist der Unterschied zwischen dummen und klugen Köpfen sowie zwischen guten und bösen Herzen. Bei mir ist es ganz einfach. Ich mag keine dummen Leute und solche ohne Manieren. Sonst ist es mir schnorzegal, ob sie weiss, rot, gelb oder schwarz sind.

    Nach der langen Reise haben wir Kohldampf, doch wir müssen bis um 18.00 Uhr warten, dann macht die Küche auf. Mein kulinarischer Spezialreiseführer empfiehlt den Haber im Burmese Inn wie folgt: A simple menu with reasonable prices, but a good standard of Western, Thai and Burmese food. Als ich später das Essen vor mir auf dem Teller serviert bekomme, weiss ich, dass man einem solchen Verlag die Lizenz entziehen sollte.
    Die Temperatur erreicht tagsüber 34° Celsius im Schatten. Doch die Stunden nach Mitternacht kühlen derart ab, dass du frühmorgens auf der Veranda und auf dem Motorrad eine Jacke und Socken brauchst. Ab 10 Uhr vormittags wird es dann besser. Die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung sind im fast rush in zwei Tagen abgehackt: Saphan Mon Bridge, Wang Kha Mon Village, Wat Wang Wiwekaram, Wat Phutha Kaya. Je einen halben Tag investierst du für eine Bootsfahrt und für den Drei-Pagoden-Pass. Willst du die Seele baumeln zu lassen, bist geil auf Natur und Wanderungen, bleibst du länger - hier ist ein guter Platz dafür. Du kannst Wasserfälle und Höhlen im Umland besuchen, den Dschungel erkundigen und ethnische Gemeinschaften kennenlernen.

    Besichtigungstour
    Die beiden Motorbikefahrer buchen wir gleich für eine Besichtigungstour am nächsten Morgen. Vielliebchen hat die Forderungen noch um die Hälfte runtergedrückt und wir sind jetzt auf Einheimischenniveau. Als Longterm-Traveller können wir schliesslich unsere sauer erwirtschafteten Kröten nicht verplempern.
    Es gibt wenig Touristen und viel zu viele Fahrer. Für die Jünglinge des Ortes scheinen Servicedienste mit dem Scooter - hierzulande eben Motorbike genannt - die einzige Verdienstquelle zu sein. An besser frequentierten Orten wie beispielsweise der Markt, die Busstation, die Hauptstrasse hängen sie herum und schlagen sich die Zeit tot. Trotz Massenarbeitslosigkeit erscheinen die Boys anderntags nicht wie vereinbart um 9.00 Uhr im Gästehaus. Was solls, wir haben ein unbeschränktes Zeitbudget. Die Brücke liegt auf Fussdistanz und wir machen uns gemütlich zu Fuss auf den Weg. Wir haben Jacke und Socken eingepackt, denn die Temperaturen sind hier oben für thailändische Verhältnisse frühmorgens äusserst kühl, vor allem in den Monaten November bis Januar. Tagsüber präsentiert sich das Wetter heiss und dunstig. Temperaturunterschiede von 30° Celsius sind hier ganz normal.
    Im Nu erreichen wir die 1984 gebaute Mon-Brücke und sichern uns einen Platz draussen vor dem kleinen Kaffee. Der Besitzer hats geschnallt und weiss, was kapitalstarke Westler zum verspäteten Hahnenschrei bedürfen. Der Tag ist gerettet. Der Cappuccino kann wahrlich mit Starbucks konkurrieren. Zusammen mit anderen Touristen aus Kanada, Tschechien und Südkorea geniessen wir die Stille des magischen frühen Morgens und die schöne Aussicht auf die einst längste Holzbrücke des Landes; sie überspannt einen Ausläufer des Sees hinüber zum Mon-Dorf. Wie lang sie einst war, konnte ich nicht herausfinden. Ich bekam die unterschiedlichsten Angaben. Selber schätze ich sie auf 400 Meter. Als längste Holzbrücke der Welt gilt die Horrai-Brücke in Shimada, Präfektur Shizuoka in Japan, welche 897 Meter lang ist.
    Die Saphan-Mon-Brücke, so die korrekte Bezeichnung, ist ein beliebtes Touristenziel und es sind nur Fussgänger zugelassen. Nun ist sie kaputt und in zwei Teile getrennt. Bei starken Regenfällen und starker Strömung am 28. Juli 2013 drückte schwimmendes Unkraut und Strandgut derart schwer auf die Stelzen der Brücke, dass ein Teil von 70 Metern zusammenkrachte.
    Seither wurde von Einheimischen und Freiwilligen nebenher eine schwimmende Behelfsbrücke erstellt. Es ist verwunderlich, dass die Leute hier nach einem halben Jahr nicht die Energie und Initiative aufbringen, die Hauptbrücke - eine wichtige Sehenswürdigkeit und ein Touristenmagnet - zu reparieren. Ein beträchtlicher Teil der Leute sind eh alle arbeitslos und hätten ausreichend Zeit. Bambus gibt es genügend und er kann im Dschungel kostenlos geschnitten, getrocknet und anschliessend verbaut werden. Was es noch braucht ist einen fähigen Leader und Koordinator. Wahrscheinlich muss der Messias aus dem Westen rekrutiert werden. Das ist praktisch, denn es werden ihm von der Entwicklungshilfe sicher auch noch gleich Geldmittel mitgegeben.



    Die Landschaft ist staubtrocken, fast ohne Farbe, die Luft tagsüber dunstig.
    Die Witzfigur aus Korea mit seiner Entourage treffen wir erneut bei Filmaufnahmen auf dem Behelfssteg neben der kaputten Saphan-Mon-Brücke. Jetzt lässt er sich sogar von zwei thailändischen Banausen mit je einer Canon 5D MK III filmen.
    Im Moment gibt er ein Interview. Ich beobachte die Helfer eine Weile und merke, dass sie mit der Kameratechnik nicht vertraut sind und unnötige Aufnahmezeit verbraten; denn sie finden die Unterbruchtaste nicht.



    Auf der Mon-Side - auch als Wangka bekannt - warten Motorbike-Taxifahrer auf Kunden. Nach kurzer Preisverhandlung einigen wir uns für eine Sightseeing-Tour. Die Mon-Siedlung ist gewissermassen dreigeteilt: Oben an der Route 323 liegt das neue Orts-Zentrum mit Schule, Busbahnhof, Bank und einigen Geschäften. An den hügeligen Hängen entlang des Seeufers und rund um die berühmte Holzbrücke finden sich Wohnhäuser und Resorts, meist mit Blick über den Stausee.
    Und schliesslich gibt es die Mon-Gemeinde auf der anderen Seeseite.
    Viele Dorfbewohner sprechen Mon als ihre erste Sprache und verstehen kein Thai. Mit Englisch versuchst du es besser gar nicht. Als nach der Fertigstellung der Staumauer die ursprüngliche Mon-Siedlung unter der Wasseroberfläche des Khao Laem Reservoirs verschwand, sicherte der religiöse und politische Führer der Mon, Abt Luang Po Uttama, seiner Gemeinde Landrechte am Ufer des neuen Stausees, wo eine neue Siedlung entstand. Seit 1984 ist sie mit dem Rest von Sangkhlaburi durch die lange Holzbrücke verbunden. Am Fuss der Brücke auf der Thai-Seite, gibt es eine Siedlung mit auf dem Wasser schwimmenden Häusern. No doubt, die cleveren Flüchtlinge haben mit der humanitären Masche eine Marktlücke mit Verdienstmöglichkeiten gefunden.

    Sehenswert ist die einzigartige Tempelanlage Wat Wang Wiwekaram, die indischen, burmesischen und thailändischen Baustil kombiniert. Es ist das spirituelle Zentrum der Mon-Gemeinschaft in Thailand. Auf der linken Seite der T-Kreuzung ist die Chedi Luang Phaw Uttama, die im Stil des Mahabodhi Chedi in Bodhgaya, Indien errichtet ist. Nachts wird die mit 6 Kilogramm Gold bedeckte Aussenseite beleuchtet.
    Nur Männer dürfen nach oben klettern. Im gleichen Hof befinden sich eine ältere Chedi und ein Kunsthandwerksmarkt.
    Der Tempel war das Haus des angesehenen Mönchs Luang Phaw Uttama, geboren 1910 in Burma. Im Jahr 1949 floh er in Begleitung weiterer 60 Mon-Familien nach Thailand um dem Bürgerkrieg zu entkommen und wurde ein Eckpfeiler der Mon-Community. Er starb im Jahr 2006 im Srirat-Krankenhaus in Bangkok im Alter von 97 Jahren an einer Lungenentzündung; seine Arztrechnungen wurden in Würdigung seiner Verdienste von der Königin beglichen. Er wurde nie kremiert und seine sterblichen Überreste werden in einem grossen Schrein aufbewahrt.

    Atmosphäre Burmas fühlen
    Sangkhlaburi ist ein idyllischer Ort und du fühlst die Atmosphäre Burmas. Es liegt abseits der beaten tracks und ist dadurch ideal, die andere Seite von Thailand kennenzulernen. Ein Traveller bemerkt zu mir, dass hier noch das echte Thailand zu finden sei, was das auch immer bedeuten soll. Der Ort ist auch den städtischen Thais bekannt, die oft aus Bangkok hierher kommen um ein entspanntes Wochenende zu verbringen. Oft mieten sich die Leute einen schwimmenden Bungalow.
    Doch die Idylle trügt. Gewalt ist hier nicht ganz unbekannt, und den Marktbereich in der Mitte der Stadt erforschst du besser nicht, wenn er geschlossen ist. Die Mon-Brücke gilt als Jugendtreff und es kommt gelegentlich zu Zusammenstössen zwischen den rivalisierenden Mon- und Thai-Jugendlichen.

    Die Menschen tragen teils den traditionellen Longyi und schminken sich das Gesicht mir einer cremigen Paste. Die Gepflogenheit, vor allem bei Frauen, sich das Gesicht zu bemalen, ist stark verbreitet und verwandt mit dem weltweit ausgeübten Schminken. Dieses wird in Burma - oder eben hier in der Grenzregion - auf eine sehr eigene Weise von Mädchen, Frauen und vereinzelt auch Knaben praktiziert.
    Die aus einer Baumrinde gewonnene Paste nennt sich Tanaka. Dazu wird weisses Pigment und duftendes Sandelholz vermischt. Wenn irgendwo vermerkt ist, dass es sich um eine Sandelholzpaste handle, ist das inkorrekt, genauso wie es sich nicht primär um einen Sonnenschutz handelt. Vielfach werden nur kleine Partien auf den Wangen und dem Nasenrücken aufgemalt. Das Nachtleben im Ort beschränkt sich auf ein Bier im Gästehaus und auf das Shopping im 7Eleven.

    Hier ist meine ungeschönte Meinung über das kulinarische Angebot in Sangkhlaburi. Das Essen steht unter Influenz der burmesischen Küche. Ich habe in meinem Leben verschiedentlich Burma an allen Ecken und Enden besucht und wiederkehrend kulinarische Tiefschläge eingesteckt. Nein, wirklich, dass Essen dort hat mir nie geschmeckt und wirkte auf irgend eine Art etwas ölig. Am grässlichsten sind die Suppen frühmorgens - ich brachte das Zeugs nie ganz herunter. Ich definierte die Küche Burmas in Anlehnung an die Geographie halbwegs als ein Ding zwischen Thailand und Indien. Freunde, die ebenfalls Burma bereisten, waren über meine Haltung verwundert. Ich fand heraus, dass sie in besseren Unterkünften praktisch nur Thaifood gegessen hatten. Auch selbst mein Gaumen konnte im Fünfsterne Strand Hotel in Rangoon ausreichend befriedigt werden.
    Wir haben verschiedene Lokale in Sangkhlaburi getestet und ich zensiere als Hobbykoch und Pseudo-Gastrobewerter mit erhöhten Ansprüchen, das Essen hier im Grenzland zu Burma als geniessbar, aber keinesfalls als gut. Die Mon sind bekannt und berüchtigt für ihre Curry-Speisen. Wenn du trotzdem das Experiment wagen und einmal in einem Mon-Restaurant essen willst, dann erinnere dich an das Wort Dangoon für Danke. Mit Bestimmtheit kann ich in dieser von McDonalds leider (noch) nicht erschlossenen Region, meinen Lesenden das Magnum-Eis von Nestlé im 7Eleven empfehlen. Da könnt ihr nichts falsch machen. Brauchst du unbedingt etwas Warmes in den Bauch, kaufst du auf dem Markt gekochten Reis und Eier. Ich kann hören was ihr Öko-Fuzzies jetzt gerade sagt: "Du blöder Hund, geh doch zurück nach Pattaya."

    Longtail-Bootsfahrt
    In der nächtlichen Dauerschlacht gegen die schwarzen Ameisen bin ich als erfolgreicher Killer hervorgegangen. Ich bin dankbar für den neuen Tag - die Morgendämmerung ist geradezu magisch. Eine Longtail-Bootsfahrt führt uns zu den Überresten des bei der Flutung versunkenen alten Tempels Wat Sam Prasok, dessen Spitze aus dem Wasser ragt. Irgendwo da unten am Grund liegt auch ein Teil der alten Trasse der ehemaligen Todesbahn. Der Schiffsführer berichtet, dass sie in der Trockenzeit noch auszumachen ist. Rund um den See befinden sich Gärten unmittelbar in der Uferzone, die während der Regenzeit überschwemmt sind.
    Auf dem See schwimmen wellblechbedeckte Häuser mit kleinen Gärten, Fischzuchtanlagen und Bambusvorräten.

    Drei-Pagoden-Pass
    Am Nachmittag nehmen wir einen Songthaew und fahren zum dreissig Kilometer entfernten Drei Pagoden-Pass hoch. Die grünen Sammelfahrzeuge starten stündlich vom Busbahnhof und verlangen THB 30 für den 30 Minutentrip. Vom Halteplatz in der nahegelegenen Siedlung müssen wir noch zehn Minuten durch die Bruthitze laufen. Der Pass ist flach und hat nichts Identisches, was Mitteleuropäer gemeinhin unter einem Gebirgsübergang verstehen. Da ist nichts von Serpentinen, steilen Felsen und herabstürzenden Bergbächen.
    Auf der thailändischen Seite stehen drei verwitterte Chedis in kargem Bergland.
    Auf der anderen Seite der Grenze, in Myanmar, kämpfen immer wieder Rebellen gegen Regierungstruppen. Über diesen kleinen Grenzübergang finden burmesische Produkte den Weg zum thailändischen Markt. Wenn die Lage ruhig ist, dürfen Touristen die Grenze passieren, den Marktflecken Payathonzu aber nicht verlassen. Dann deponierst du beim Zöllner deinen Pass, wackelst ein bisschen auf dem Grenzmarkt herum und gehst nach einer Stunde wieder zurück. Das Immigration Office in Sangkhlaburi gibt Auskunft über die aktuelle Lage. Wer Burma bzw. Myanmar länger bereisen will, muss über einen offiziellen Übergang einreisen. Burma hat sich mittlerweile dem Tourismus gegenüber stärker geöffnet und erlaubt, an bestimmten Orten auch die Einreise auf dem Landweg.

    Direkt hinter der Tafel sichten wir ein altes Stück der ehemaligen Eisenbahnverbindung. Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum wir als Eisenbahnfetischisten hierher gereist sind. Bis 1946 ging die Eisenbahn hier durch, danach liess man die Schienen demontieren und die Trasse verlottern. Auch mit dem Fluten des Stausees ging ein gutes Stück Eisenbahnstrecke verlustig.
    Es existieren Bestrebungen, im Zuge der Trans-Asian-Railway, die Gesamtstrecke wieder aufzubauen, um die Länder Südostasiens an das internationale Schienennetz anzuschliessen, wobei deren Gesamtlösung bisher über verschiedene Planungsstadien nicht hinausgekommen ist. Selbst wenn irgend einmal die Wiederherstellung der Bahnverbindung Bangkok - Rangoon Wirklichkeit werden sollte - heaven knows - die genau gleiche Streckenführung wird nie mehr realisierbar sein, sonst müssten die Behörden den Stausee auspumpen; doch Thailand hat wohl wichtigere Herausforderungen anzugehen.



    Schluss
    Die Geschehnisse rund um die Eisenbahnlinie machten insbesondere die Brücke am Kwai und den Hellfire Pass zu einer Legende. Ereignisse von weltgeschichtlicher Relevanz vermischen sich mit den persönlichen Erlebnissen und Geschichten der versklavten Arbeiter. Die Zeit hat die von Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs verursachten Narben in der Landschaft inzwischen geheilt. Alles ist friedlich. Doch in der Erinnerung der Überlebenden sind die grausamen Monate und Jahre in Gefangenschaft längst nicht ausgelöscht.

    1945 diente der Schienenweg den Söhnen Nippons nicht mehr als Nachschublinie sondern als Fluchtweg für ihre Truppen. Dem Sieger obliegt das Recht auf Rache. Die triumphierenden Alliierten zwangen die Japaner, jeden begrabenen toten Kriegsgefangenen entlang der Bahnlinien zu exhumieren und in Militärfriedhöfe in Kanchanaburi umzubetten.
    Bei einem Bomberangriff im April 1945 wurde auch die hölzerne Kwai-Brücke völlig und die daneben liegende Stahlbrücke teilweise zerstört. Die Stahlkonstruktion wurde 1946 nach Ende des Krieges von einer japanischen Firma wieder aufgebaut; ein symbolischer Akt der Kriegsreparation. Aus Angst vor einer neuerlichen Invasion wurde nach dem Krieg die Zugverbindung nach Myanmar gekappt und das Metall verhökert.

    Die Tage der noch lebenden POWs sind gezählt. Wer nicht schon während des Krieges von den Mikados totgeschlagen wurde, hat sich mittlerweile aus Altersgründen von seinem irdenen Dasein abgemeldet. An ihrer Stelle kommen heutzutage die Nachkommen – mittlerweile auch schon um die Sechzig – nach Thailand, um die dramatische Familiengeschichte zu erkundigen. Für sie bietet das Thailand-Burma Railway Centre in Kanchanaburi eine Art Pilgerreise an - zu Orten, wo die Väter leiden mussten und starben.

    Der Streckenabschnitt vom Abzweig der thailändischen Südstrecke bis nach Nam Tok wurde nach dessen Sanierung in Etappen schliesslich erneut in Betrieb genommen: Am 24. Juni 1949 der Abschnitt Nong Pla Duk – Kanchanaburi – also bis zur berühmten Brücke, am 1. April 1952 der Abschnitt Kanchanaburi – Wang Pho und am 1. Juli 1958 der Abschnitt von Wang Pho bis zur Endstation Nam Tok.
    Im Jahr 2003 wurde die Bahnstrecke um 1,4 Kilometer von Nam Tok bis zur heutigen Endstation Nam Tok Sai Yok Noi - in den offiziellen Fahrplänen nur Nam Tok genannt - verlängert. Hier besteht für Touristen ein besserer Zugang zu den bekannten Wasserfällen. Die nunmehr 130 Kilometer lange Bahnstrecke dient heute schwergewichtig dem Tourismus, es verkehren täglich mehrere Züge über die gesamte Länge.

    No direction home
    Voll beladen mit Eindrücken, Erlebnissen und Erinnerungen nehmen wir den Reisebus zurück an unseren Stützpunkt in Pattaya. Ich schulde der Welt einen neuen Reisebericht.
    Ein französisches Sprichwort besagt: Si jeunesse savait, si vieillesse pouvait.
    Wenn die Jugend bloss wüsste und das Alter nur könnte. Aber mit Sechzig bin ich in der einmaligen Lage, sowohl zu wissen, als auch zu können. Fantastisch!
    Bald folgt die nächste Reise. Es zählt schliesslich nur, was gewesen ist, und nicht, was hätte sein können.
    Auf Wiederlesen!

    Gegenstände verlieren an Wert, du schreibst sie ab. Erlebnisse sind unvergänglich!


    Pitcairn, seit über 40 Jahren auf der endlosen Reise.



































     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015