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No direction home

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 29.03.2015.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Pitcairn auf seiner ungewöhnlichen Individualreise quer durch Bangladesch.

    Ich erliege der magischen Faszination der Gegensätze zwischen Lachen und Weinen, Sanftheit und Gewalt, Bewunderung und Entsetzen, arm und reich, schön und hässlich. Das Phänomenale hierzulande ist, dass ständig etwas passiert. Bangla vermittelt mir Bilder, die ich so nicht erwartet hätte. Selbst der passionierte Katastrophentourist findet seine begehrte Armutsromantik. Hier wird dir das ständige Überleben vor Augen geführt. Eine Mischung aus Faszination und Erschrecken begleitet dich den ganzen Tag.
    Vergleichbares triffst du nur noch in gewissen Ländern Afrikas.
    Wie klein und unbedeutend sind unsere Sorgen im Vergleich mit diesen Menschen. Mit Ferien hat eine Reise hierzulande nichts gemeinsam. Ausschlafen kannst du nie. Täglich reisst dich der Ruf des Muezzins um 04.45 Uhr von der abgenutzten Schaumstoffmatratze. Du riechst den Kardamom, Frittiertes und Räucherstäbchen, erliegst dem Zauber der brennenden Petrollämpchen in der Nacht. Ich werde reichlich beschenkt mit Erlebnissen und Geschichten. Es sind weder Kulturgüter, noch Landschaften, die sich stark in mein Gedächtnis einprägen. Vielmehr ist es die grenzenlose Menge von Menschen, der Lärm, das Verkehrsbild, die bittere Armut, die allesbestimmende Religion. Wer Bangla am Ende seiner Reise nicht schwer bepackt mit Geschichten und anderen Unglaublichkeiten verlässt, der war wohl auf einer organisierten Packagetour. In diesem Land ist es jedem ein Bedürfnis, Kontakt mit Fremden aufzunehmen. Du musst Toleranz zeigen, wenn dir wildfremde Banglas die Hand entgegenstrecken und dich einhundert Mal pro Tag in tiefem Brustton lautstark fragen: "HOWAREYOU? What's your country?" Ich hoffe, dass ich mich stets anständig und angemessen verhalten habe.
    Heucheln und lügen tue ich nicht, aber vielleicht sage ich nicht immer alles. Das ist besser so. Bangladeschis ohne Auslanderfahrung können unsere westliche Denkweise nicht nachvollziehen - und meine eigene schon gar nicht; damit haben selbst Seitengescheitelte aus dem Westen ihre heile Mühe. Umgekehrt ist natürlich auch gefahren.
    Bangla ist anders. Wenn Indien kein anderes Land, sondern ein anderer Planet sein soll, dann ist Bangla ein anderes Sonnensystem. Ich hoffe, eines Tages die Geheimnisse dieses Landes zu entschlüsseln. Vieles bleibt mir ein Rätsel. Die erste Zeile der Nationalhymne von Bangladesch erwähnt: "Amar sonar bangla, ami tomay bhalobashi – Mein goldenes Bengalen, ich liebe dich."
    Das ist aus unserer Sicht vielleicht für ein solches Drecksloch etwas zu hoch gegriffen. Für die Bengalen ist es ihre Heimat. Und Heimat bleibt Heimat, wie eine Mutter eben für ihre Kinder immer eine Mutter bleibt. Verwöhnte Samsonite-Traveller wünschen diese Nation zum Teufel. Ich habe mich zu einer Reise in dieses touristisch noch unerschlossene Land inspirieren lassen. Meines Erachtens ist Bangladesch allemal eine Reise wert, auch wenn unterwegs sein, von vielen Strapazen begleitet ist. Die Verkehrinfrastruktur ist schlecht, die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, Missverständnisse gibt es permanent und die Schlitzohren bescheissen dich 24 Stunden am Tag. Seit ich dieses Land nun besser kenne, bringe ich für die vielseitigen Probleme sogar Verständnis auf. In dieser Gesellschaft ist es Bürgern gar nicht anders möglich, ohne Gewalt und Betrug zu überleben.
    Wenn du mich im Rückblick fragst, was ein Bangladesch-Tourist keinesfalls verpassen sollte, kommen mir drei Highlights in den Sinn: Old Dhaka, den Goldenen Buddha-Tempel, Buddha Dhatu Zadi, in Rangamati in den Chittagong Hill Tracts und generell das Unterwegssein mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch das Land. Mit beseeltem Portemonnaie kehre ich zurück. Die Reise über lange Distanz hat mich keine US $ 1200 gekostet. Zuhause bleiben, wäre teurer gewesen. Es ist kein Gerücht, dass man hier in Bangladesch in Sachen Reisebudget ein Schnäppchen schlagen kann. Wer in einen öffentlichen Bus gezwängt und in der Deckklasse mit einem Seelenverkäufer reist, wer sich die Haare auf dem Trottoir schneiden lässt, seine Mahlzeiten in Gassenküchen und Local-Restaurants einnimmt, wer mit anderen zusammen ein Zimmer in einem verwanzten Hotel mit kaltem Wasser und Trittklo teilt, gibt lächerlich wenig Geld aus. Die Frage ist nur, ob du es derart primitiv haben willst und dir nichts anders leisten möchtest. Auf welche Art du auch reist, solange du nicht mit einer Package-Tour unterwegs bist, ist alles okay. Eine Reise durch Bangladesch ist eine Lebenserfahrung.
    Wenn du als Individualreisender in Bangladesch klarkommst, sind alle anderen Länder dieser Erde leicht zu schaffen.
    Unterwegssein hierzulande ist ein täglicher Combat, fast ein bisschen Grundausbildung in der Traveller-Fremdenlegion. Seele, Geist und Körper sind Grossbelastungen ausgesetzt. Alle zehn Minuten ist ein neues Hindernis zu überwinden und Problem zu lösen.
    Dennoch lässt sich das Land bereisen, wenn du flexibel bist und deine eigenen Wertevorstellungen zu Hause lässt. Ich stimme mit dem Schriftsteller Rudyard Kipling überein, wenn er empfiehlt, den Osten nicht gegen den Westen abzuwägen. Es ist nicht relevant, was wir Langschweine davon halten. In den Sorgen der Menschen gibt es nichts Gemeinsames. Immer wollen wir Weisse etwas bemessen und einordnen. Ich gehöre selber dazu und kann nicht ganz aus meiner Haut raus. Finde dich damit ab, dass in Bangladesch Wahnsinn auf Irrsinn trifft. Es wird sich hier auf alle Ewigkeit nie etwas ändern. Maschallah!

    Wenn mir jemand drei Minuten auf eine Herzklappe sitzt, empfinde ich das als etwas lange, wenn ich zehn Wochen eine schöne Individualreise durch Bangladesch mache, ist es eher kurz. Es ist nicht falsch, wenn du zum vornherein zwölf Wochen budgetierst. Die Welt wird nicht allein in Büchern, Internetforen und im Facebook abgehalten; sie findet hier Draussen statt. Packe deinen Rucksack, ziehe los und lasse dir meine Beobachtungen bestätigen. Der Klimawandel schlägt hier in Südasien voll durch. Das Land wird den Menschen buchstäblich unter dem Hintern weggespült. Wir essen zuhause Toast mit wildem Räucherlachs aus Schottland und trinken Dom Perignon zu US$ 120 die Flasche und hier haben die meisten nicht einmal genug Dhal Bat und sauberes Wasser. Es ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit, was da gegenüber armen Ländern abläuft. Und natürlich ist es nicht hinnehmbar, wenn einige Menschen unermesslich reich werden und ganz viele mit weniger als einem US-Dollar am Tag vegetieren müssen. Ko bolo! Das ist ja unglaublich!
    Du fragst, ob ich mich schuldig fühle? Sicher, im Sinne einer emotionalen Betroffenheit. Doch ich weiss auch genau, dass die Völker ausserhalb der westlichen Hemisphäre noch schonungsloser mit der Umwelt umgehen würden, wenn sie in der Lage wären, ihren Wohlstand beliebig zu steigern. Es ist ihnen kolossal gleichgültig, ob andere Hemisphären darunter leiden. Da gibt es keine Moral und wenig Verantwortungsbewusstsein. Auf internationalen Konferenzen wird von Diplomaten alles schöngeredet und zuhause bleibt alles beim Status quo. Mit besserer Bildung ist die Problematik allein nicht zu lösen. Da braucht es schon Genmanipulationen oder eine Neokolonisation. Die Mentalität ist eben anders, genauso, wie die Leute keinen Respekt vor der Kreatur haben. Dieser Charakterdefekt fängt übrigens schon in Südeuropa an. Westliche Altruisten machen sich heutzutage zumindest Gedanken und versuchen, das Übel punktuell zu lindern. Hilfseinsätze vor Ort erachte ich dazu am effizientesten. Überweist aber um Gottes Willen keine Geldmittel. Wenn die westlichen Fachteams ihre Projekte nicht selber durchziehen und anschliessend selber überwachen, ist jeder gespendete Dollar ein verlorener Dollar. Jedes Volk hat sein eigenes Schicksal, und ein starkes Volk zieht sich selber aus dem Dreck. Doch eine Chance hat Bangla allemal verdient.

    "How long you think you gonna carry on travelling?", fragte mich ein Kumpel in Nordafrika vor über vierzig Jahren. Irgendwie bemerkte er meine innere Kraft, den Drang, zwingend unterwegs sein zu müssen, noch bevor sich der Antrieb im eigenen Bewusstsein manifestierte. Doch meine Zeit als Individualreisender begann de facto bereits im zarten Alter von 11 Jahren. Es waren Fahrradtouren und regionale Mehrtagestrekks bei den Pfadfindern. Ich wurde bei Bahnstation X auf dem Lande aus dem Zug geworfen und musste mit der Wanderkarte über mehrere Tage selber den Weg bis zum vorgegebenen Ziel finden. Ich übernachtete mit meinen Kameraden auf Bauernhöfen. Wir trugen Uniform und waren für die Bauernmädchen mit strengen Flechtzöpfen und weissen Kniestrümpfen eine Attraktion - die Welt sprang von Schwarz-Weiss auf Farbe um. Mit 10 Jahren fuhr ich mit dem Fahrrad zum Zelten in die Südschweiz (Tessin), mit 13 bereits mit der militärischen Paraorganisation von Baden Powell in die Toskana und war dort mit meiner Gruppe mehrheitlich alleine auf mich abgestellt. Ab 16 trampte ich periodisch per Anhalter durch ganz Westeuropa, dann folgten die Länder hinter dem eisernen Vorhang, es folgte der Maghreb und seither bin ich in der Tat mit brausender, kaum zu zügelnder Obsession durch alle Kontinente gedonnert. Heute sind eine beachtliche Anzahl von Destinationen abgehakt. Machu Picchu, Salto Anghel, Masoala-Peninsula, die Grand Canons, die Victoria Falls, Iguassu, Rapa Nui sind längst kalter Kaffee und legendäre Strecken wie die Panamericana, der Amazonas von der Quelle bis zur Mündung, die Transafrica oder Transsib mehrmals abgefahren und der Camino Santiago zweimal abgelaufen. Wenn irgendwo eine Bahn auf Schienen rollte, war ich drin. Kein Schicksalsschlag kann mir eine erfolgreich abgeschlossene Reise entreissen - sie ist im Kasten und ich zehre von ihr auf alle Ewigkeit. Der Impuls der mich durch die Welt hetzt, ist genau derselbe wie bei Menschen, die es ins Kloster treibt: die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung. Auf meiner Bucket List stehen noch extraordinäre Destinationen wie die Trobrianden, klitzekleine Inselchen rund um den Globus wie Palau und Yap, die Batanes oder São Tomé und Príncipe und last but not least - Pitcairn, die Insel der Bounty-Meuterer. Heute sind es fünfzig Jahre später und ich bin immer noch unterwegs. Im zarten Alter von 11 Jahren erstmals aufgebrochen und mit 62 noch immer nicht angekommen. Der grosse Zanahari hat mir dieses Lebensprogramm auf den Arsch tätowiert. Was hat sich der Kerl dort oben für mich wohl noch alles ausgedacht. Warum lässt er mich nicht zur Ruhe kommen. Der Pfiff einer Schiffssirene, das Rattern eines losfahrenden Zuges - noch immer richten sich meine Nackenhaare auf und meine Füsse setzen sich in Bewegung. Das Tuckern eines warmlaufenden Dieselmotors, das Dröhnen eines Düsenjets, das Bild von vollbepackten Fusspilgern, kreisenden Zugvögeln, die Atmosphäre in einem Bahnhof, ja und schon verspüre ich wieder die alte Schauder, der Mund wird trocken und der Blick träumerisch, die Handflächen feucht und der Magen erhebt sich bis in den Brustkasten. Wenn der letzte Bus zur Abfahrt hupt, stehe ich mit meinem Rucksack bereit. Anders gesagt, es wird nicht besser mit mir. Einmal ein Traveller, immer ein Traveller. "Yeah, I'am still on the same run. No direction home."

    Joy Bangla, joy Bangla, möge der Schatten Allahs nie von dir weichen.

    Pitcairn
    Traveller + Triebschreiber


    Pitcairn, seit 40 Jahren auf der endlosen Reise.

    Pitcairn hat mit seinem vierköpfigen Reiseteam Bangladesch in den Monaten Oktober - Dezember 2014 individuell bereist. Der Bericht ist ein Auszug aus der über zweihundertseitigen Globalversion Ein Land im fortgeschrittenen Zerfall. Die Publikation im Forum wird in den kommenden Monaten erfolgen.
     
  2. sgni

    sgni Rookie

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    Danke! Leicht narzisstisch aber so impulsiv dass ich mit halbem Auge schon auf skyscanner.de war. Von allen Stories im Forum bist du der Einzige den ich tatsächlich mal gerne in Natura erleben würde. Was macht Vielliebchen eigentlich während deiner Reisen? Hält sie die Farm in Schuss?