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Pitcairns Reise 2012 - Teil 12 - Phils: Highest Point

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 02.09.2012.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast



    Highest Point Philippine Highway System, Elevation 7400 Ft
    .

    Wir reisen in einem anderen Bus vom Typ Rollender Stall mit Reissäcken, Hühnern und Ziegen 10 Stunden ohne AC weiter den Marcos Highway hinauf bis nach Baguio. Die Stadt befindet sich 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Kälteempfindliche Leute wie ich, brauchen morgens und abends bereits eine Jacke. Ich war 1977 das letzte Mal hier. Damals kannte man hier in dieser Gegend das Wort Asphalt nicht einmal dem Namen nach. Über den philippinischen Archipel herrschte Präsident Ferdinand Marcos mit seiner hübschen Gattin Imelda. Soweit ich es registrierte, ging es in der Post-Marcos-Area mit dem Land in jeder Hinsicht nur noch bergab. Eine Einzigkeit bildete vielleicht noch die Amtszeit von Präsident Fidel Ramos. Leider wurde Senator Juan Ponche Enrile ((geb. 1924) nie in das höchste Staatsamt erhoben – er hätte dem Inselstaat mit Sicherheit neue Impulse gegeben. Er war in diversen Ministerämtern in verschiedenen Regierungen eingebunden und verfügt über die notwendige Subtilität für die Befindlichkeit der philippinischen Nation. Nicht dass Enrile über alle Zweifel erhaben gewesen wäre, aber er ist auf sehr lange Distanz nebst Generalleutnant Fidel Ramos die einzige wirkliche und realistische Alternative für das Amt des Staatspräsidenten gewesen.

    Dem sollte nicht so sein und die Nation gab sich einmal mehr ihren Emotionen hin und wählte unter anderem Corazon Aquino, die Frau des ermordeten Oppositionspolitikers Senator Benigno "Ninoy" Aquino, den Erfolgschauspieler Josef Estrada oder beinahe den Schauspieler Fernando Poe Jr. Letzter wurde infolge Wahlfälschung durch die Lobby von Gloria Macapagal Arroyo übertölpelt. Betrug und Stimmenkauf sind in den Philippinen weit verbreitet. Im Moment hat der Junggeselle Benigno Simeon „Noynoy“ Aquino III das höchste Amt im Staate inne. Es handelt sich um den Sohn der seinerzeitigen Präsidentin Corazon Aquino.
    Allesamt gehören zum Club der 200 Grossgrundbesitzer im Archipel oder haben ihr Geld anderweitig auf die Halde gebracht. Kein Wunder, dass infolge Eigeninteresse die längst angekündigte und so wichtige Landreform nicht umgesetzt worden ist.
    Der Begriff Landreform oder Bodenreform bezeichnet eine Änderung der Eigentums- oder Nutzungsrechte an
    Grundstücken oder allgemein der Rechtsordnung in diesem Bereich, die meist eine gleichmässigere bzw. gerechtere Verteilung des Landbesitzes zum Ziel hat. Hierbei soll der Boden von Grossgrundbesitzenden zu Kleinbauern und landlosen Landarbeitern umverteilt werden.

    Das Gesetz zur Landreform Comprehensive Agrarian Reform (CARP) wurde nicht umgesetzt und ist erwartungsgemäss nach 20 Jahren abgelaufen.
    Der philippinische Kongress hat ein Ober- und ein Unterhaus, was dem Senat und dem Repräsentantenhaus entspricht. Erst wenn beide Häuser einem Gesetzesentwurf zustimmen, kann es verabschiedet werden. Die grössten Gegner einer Verlängerung der Landreform CARP sind nicht die Politiker im Repräsentantenhaus, sondern jene im Senat, in dem viele selbst Grossgrundbesitzer sind.

    Das Land braucht zwingend eine ganz starke Hand; vielleicht sogar vorübergehend einen neuen Diktator, eine zum Präsidenten loyal stehende Armee. Kirche und Staat müssen getrennt und der Einfluss des Klerus aufs Massivste zurückgestutzt werden. Ein Modell in Anlehnung an die Erfolgsnation Singapore würde sich auf alle Bürger positiv auswirken. Dazu braucht es mutige und fähige Politiker und ein paar Jahrzehnte Geduld. Anders dürfte es sonst nie besser werden.

    Baguio hat betreffend Vegetation gewisse Ähnlichkeit mit Europa. Es gibt Fichten und es wachsen Früchte und Gemüsesorten, wie wir sie auch kennen. Im Februar werden überall frische Orangen und Erdbeeren feilgeboten. Baguio ist der Ort mit der Sommerresidenz des philippinischen Präsidenten, es gibt Golfplätze und auch die Prominenz hat hier ihren Zweitwohnsitz. Die Fahrzeuge auf der Strasse machen einen besseren Eindruck als anderswo im Lande. Es wird diszipliniert gefahren und die Taxis schalten ohne Aufforderung den Meter ein. Jedes zweite Fahrzeug ist hier ein Offroader, selbst Taxis haben teils 4 WD.


    Von Baguio führt die in den 30erJahren gebaute Road - benannt nach dem gleichnamigen philippinischen Ingenieur Eusebius Julius Hanselma – durch die Provinzen Benguet und The great mountain province nach Bontoc. Die Erschliessung von Bodenschätzen war damals Anlass für dieses gewaltige Projekt. Die Gesamtstrecke beträgt 180 Km. Viel präziser würde die Streckenbezeichnung Mountain trail auf die gegebenen Verhältnisse zutreffen, aber lassen wir den Filipinos diesen kleinen Upgrade. Ausgebessert und verbreitert wurde dieser Trail 1931 und dann für Motorfahrzeuge freigegeben. Abgesehen von wenigen extrem prekären Stellen infolge Landslide (siehe Intro), wird die Gefahrensituation im indischen Himalaya und in Kolumbien allerdings um ein Vielfaches getoppt. Erst auf solchen Fahrten holt sich ein richtiger Travel-Junkie den allerletzten Kick, bevor er vielleicht endgültig in die Tiefe saust.

    Die Fahrt ist eine kalte Angelegenheit. Ich bekomme bereits vor der Abfahrt eine böse Vorahnung, als fliegende Händler am Dangwa-Busbahnhof in Baguio warme Socken verkaufen; für die sonst gut temperierten Philippinen, ein unübliches Bild. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wir sind wie üblich, bereits eine Stunde vor Abfahrt am Busbahnhof, in der festen Absicht, uns einen schönen Sitzplatz auszusuchen. Fehlanzeige, der Bus ist bereits vollständig belegt. Da hilft dieses Mal auch kein Päckchen Zigaretten oder Handgeld für den Schaffner. Ich muss den ganzen Bus kaufen oder auf den übernächsten Transport in zwei Stunden ausweichen.

    Auch für dieses Schüttelgefährt ohne richtige Fenster, sind die Plätze bereits zur Hälfte verkauft.
    Wir nehmen unsere Sitze in Beschlag. Ich kann mich wenden und winden wie ich will, mit meinen langen Beinen kann ich nicht sitzen. Es ist schlimmer als im Lowcoast-Carrier Cebu-Pacific Air. Dort bekomme ich meist einen Emergency-Exit Seat oder eine leere Reihe für mich. Heute hilft mir nicht einmal der günstige Fahrpreis von PHP 200 darüber hinweg. Wenn ich mich hier für sechs Stunden hinein quetsche, habe ich nach Ankunft garantiert abgestorbene Extremitäten.
    Der hochbetagte, kleinwüchsige Reisbauer auf dem Vordersitz hat beste Beinfreiheit, da er direkt vor der Ausgangstüre sitzt. Seine schmutzigen nackten Füsse und rabenschwarzen Fingernägel machen mir das heitere Beruferaten leicht. Ich tippe dem Rheumagepeinigten auf die linke Schulter, Vielliebchen übernimmt in Tagalog die diplomatischen Verhandlungen. Nach tattlo minutos bin ich releast und wir tauschen unsere Sitze – und der Oldtimer bekommt eine Handvoll Erdnüsse und eine Toblerone hinübergeschoben. Als grossgewachsener Westler habe ich andere anatomische Voraussetzungen. Maraming salamat po, Lolo! Unser Gepäck nehmen wir in den Passagierraum und kaufen einen dritten Sitzplatz. In den Laderaum unten im Bus geben wir prinzipiell nichts; zu viel wird da geklaut. Anders ist die Situation bei Direktbussen, die nicht ständig anhalten, Passagiere aufnehmen oder aussteigen lassen, Gepäck ein- und ausladen.

    Noch schlimmer ist es in Südamerika, wo die Reiseherausforderungen gegenüber Asien viel grösser sind. Dagegen sind die Philippinen noch ein Zuckerschlecken. Auf der Panamericana hatten wir die Rucksäcke immer in grossen Maissäcken getarnt. Trotzdem wurden wir auf der letzten sechsmonatigen Reise im Jahre 2008 zweimal bestohlen und einmal überfallen. Wer den Kopf beim Reisen nicht ständig bei der Sache hat, muss des Öfteren mit Verlusten zu rechnen; das muss nicht sein. Es gibt verschiedene Verhaltensweisen bei Individualtraveller, da können Gruppentouris nur den Kopf schütteln. Sollen sie halt. Wir lassen nicht mit uns diskutieren.

    Meine sinnlose Inspektion der Busreifen vor der Abfahrt - ich kann‘s einfach nicht lassen - ergibt drei Finken mit praktisch keinem Profil und vorne rechts einen vollständigen Slick. Gottlob herrscht trockenes Wetter. Selbst im Mittelgang auf den Notsitzen nehmen Leute Platz. Der restliche Durchgang ist mit Gepäckstücken, Reissäcken, Körben und Hühnern in gelöcherten Kartonschachteln verstellt. Ein- und Aussteigen funktioniert im hinteren Bereich nur noch durch die Fenster.
    Der Motor knattert, der Chauffeur hupt, Achsen gieren, die Leute schwatzen, die Hühner gackern, der Schaffner entfernt den Bremskeil und die Fahrt über den spektakulären Halsema Mountain Highway beginnt. Der schnaubende Motor zieht den ächzenden, überladenen Bus in kleinen Gängen die steile Strasse hoch. Gelegentlich hält er an, lässt Passagiere aus- oder einsteigen.

    Jedes Mal, wenn das Gefährt anhält, springt der Schaffner raus und wirft einen Keil unter das rechte Hinterrad. Ich realisiere, dass der Chauffeur praktisch nur die Motorbremse und Gangschaltung zum Abbremsen benutzen kann. Ohne Keil kann der Bus am Berg nicht halten. Beim Anfahren wiederholt sich das gleiche Bild. Die Kupplung schleift, der Bus fährt ganz langsam an, der Schaffner entfernt den Keil, der Bus fällt einen halben Meter zurück, der Chauffeur gibt mehr Gas, lässt die Kupplung langsam greifen, der Bus macht kontinuierlich Fahrt, der Schaffner in seinen Badelatschen keucht dem bergwärts rollenden Bus hinterher, schnappt sich den rettenden Türbügel und zieht sich in den Fahrgastraum. Ein mulmiges Gefühl kommt in mir auf und wie immer in solchen Situationen kläre ich meinen Notausstieg ab. Ich sitze glücklicherweise vor der geöffneten Bustüre und kann direkt in den Abgrund springen. Wo aber bleibt denn mein Busfallschirm? Mein Vielliebchen auf dem Hintersitz hat schlechtere Karten und muss auf ein gutes Karma hoffen.


    Die Strasse windet sich und führt über eine landschaftlich reizvolle Bergwelt, vorbei an Gemüsefelder ohne Ende, die in Terrassenform angelegt sind. Die reizvolle Szenery erinnert an Europa. Überall sattes Grün und viele Nadelbäume. Die Strecke führt über den höchsten befahrbaren Bergpass der Philippinen auf 2255 Meter über Meer. Ein Schild dokumentiert Highest Point Philippine Highway System, Elevation 7400 Ft. Auf der Strecke gibt es Ortschaften, in denen die Temperaturen in den Monaten Dezember und Januar bis unter den Gefrierpunkt sinken können. Keine Frage, dass die Leute hier in ihren Hütten überall beste Zentralheizungen und Schwedenofen eingebaut habenJ. In dieser Höhenlage solltest du dich gleich verhalten, wie wenn du in Manila ins Kino gehst. Vor der Abfahrt hältst du eine warme Jacke und Socken bereit.

    Nach zwei Stunden Fahrt gibt es in Atok den ersten Halt. Informationen werden keine abgegeben. Entweder du bist Hellseher oder frägst den Schaffner. Die meisten Reisenden sind alle hier beheimatet und wissen Bescheid. Die Fahrt geht nach zwanzig Minuten weiter. Zeit genug für ein warmes Siopau und eine Büchse Cola Light. Schon nach einer halben Stunde werden wir zu einem neuen Stopp genötigt. Nach einer halben Stunde Wartelektüre Lonely Planet switche ich meinen Tablet auf off. Es wird es mir zu bunt und ich laufe der Fahrzeugkolonne entlang um zu sehen, was passiert ist. Ein Lastwagen und ein Offroader haben in einer Kurve das Kreuzen nicht geschafft und sich mitten auf der Strasse ineinander verkeilt; sie blockieren nun beide Fahrbahnen. Der Schaden ist erheblich; mit Polieren geht das nicht mehr weg. Alle Berg- und Talfahrten sind unterbrochen und die Fahrzeuge müssen warten. Die Polizei ist mit der Unfallaufnahme beschäftigt. Erst nach einer Stunde ist die Strecke wieder frei. Pitcairn
















     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015