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Pitcairns Reise 2012 - Teil 20 - Auf den Spuren Magellans: Limasawa / Leyte

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 03.09.2012.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Auf den Spuren Magellans

    Philippines - Limasawa, Leyte

    Knackig satte Bässe dröhnen an meine Brust und drücken mir die Bauchdecke nach innen, wie weiland Steve Marriott mit seinen Humble Pie 1971 im Volkshaus in Zürich. Damals gab es keine Dezibel-Grenze und es war das Extremste, was meinen Lauschern im mittlerweile fast 60jährigen Leben jemals zugemutet wurde. Noch am nächsten Tag hatte ich Kater an den Bauchmuskeln und es dauerte einen weiteren ganzen Tag, bis der Tinitus in beiden Ohren weg war. Zurück blieb auf weitere Tage ein dumpfes Gehör, das sich Gottseidank wieder regenerierte.

    Auf den Philippinen wird noch heute keine Dezibelgrenze angewendet. Die Leute schlüpfen am liebsten in die Lautsprecherboxen hinein, so gerne mögen sie die laute Musik. Ich wage zu vermuten, dass die Filipinos vielleicht das lauteste Volk auf diesem Globus sind. Hier im Bus wird satter Technobeat abgefahren. Selbst Leute im Pensionierungsalter wippen im Takt und freuen sich an den gnadenlosen Bässen, die ihren ausgemergelten Körpern entgegen fliegen. Im Bus hängen Tweeter, diverse Midranges und natürlich unter den Sitzen die voluminösen Subwoofer, welche den ungemeinen Druck auslösen. Angetrieben wird das Ganze von einer zusätzlichen Lastwagenbatterie. Der Schaffner versucht vergeblich, Vielliebchen den Fahrpreis mitzuteilen und muss sich der Zeichensprache bedienen. Unsere Ohren flattern. Dann drückt der Fahrer auf den Pinsel und der Soundbus fährt zielgerichtet jedes Schlagloch an. Wir befinden uns mit leichtem Gepäck auf einer Exkursion von Hilongos nach Padre Burgos am Death End der grossen Insel Leyte. Von hier aus sind es nur noch 140 Km südwärts über das Wasser nach Mindanao. Diese teilweise von Muslimen bewohnte Insel nehmen wir uns ein anderes Mal wieder vor.

    Am 16. März 1521 erblickte der portugiesische Navigator Ferdinand Magellan das erste Land des später Philippinen genannten Archipels; benannt nach König Philipp II von Spanien. Am 18. März 1521 betrat er im Auftrag der spanischen Krone dessen Boden auf der Insel Hormonhon, die sein italienischer Begleiter und Reisechronist Antonio Pigafetta eine Wasserstelle guter Omen nannte, weil es dort reichlich Wasser und andere Annehmlichkeiten gab. Nach mehreren Tagen angenehmen Aufenthaltes, gelangte die aus drei Schiffen bestehende Flotte Magellans auf dem kleinen Eiland Limasawa südlich von Leyte an Land. Dort verbrachte Magellan die Karwoche des Jahres 1521 und errichtete auf einer Anhöhe das erste Kreuz der Christenheit in dem neu entdeckten Land. Die Insulaner hiessen die Ausländer, unter denen sich auch Deutsche befanden, auf das Herzlichste willkommen. Highlife war angesagt und ein Fest löste das andere ab. Magellan musste sogar zu seinem Unwillen am Karfreitag Schweinefleisch essen, um seine freundlichen Gastgeber nicht zu brüskieren.

    Der Höhepunkt der Festivitäten kam am Ostersonntag. Er fiel auf den 31. März, und an diesem Tag wurde mit grossem Aufwand die erste Heilige Messe auf asiatischem Boden zelebriert. Jedermann, mit Einschluss der Inselfürsten, erhielt die Kommunion. Eine Woche später erreichte Magellan die Siedlung Cebu - heute die zweitgrösste Stadt der Philippinen-, wo er den gesamten königlichen Hof zum Christentum bekehren konnte und damit den Grundstein für die Entstehung der einzigen katholischen Nation Asiens legte, die sich bis heute durch strenge Gläubigkeit auszeichnet. Was für ein Erfolg, was für eine Ehre und der Höhepunkt seiner Karriere.
    Zum Glück war unser Freund Magellan als erster dort. Ganz anders wäre die Geschichte der Philippinen wahrscheinlich verlaufen, wenn ihm andersgläubige Entdecker zuvorgekommen wären. Die Entwicklung des Landes hätte eine andere Richtung genommen und das Partyfolk Pinoy, hätte sich nie entfalten können.

    Leider konnte Magellan nur kurz Huldigungen entgegennehmen und seinen Ruhm geniessen. Am 27. April fand er in einer eher kleinlichen Lokalfehde vor Cebu den Tod. Einmal mehr ein Beispiel eines gebildeten, herrischen und standesbewussten Menschen, der sich mit einer Bagatelle und Eitelkeit sein ganzes Leben versaute. Nicht anders war es übrigens bei Captain James Cook auf Hawaii.

    491 Jahre später sind auch wir auf dem Weg nach Limasawa. Eine Galeere war uns zu teuer, das Timing mit dem öffentlichen Boot nicht genehm. Es gibt täglich nur eine Passage hin und am nächsten Tag zurück. Auf dem Eiland gibt es praktisch nur Fischer und fast keine Infrastruktur. Auf dem philippinischen Archipel findet sich aber immer ein Schiff das zur nächsten Insel fährt. Wir entschieden uns für einen Special Ride und charterten ein Auslegerboot. Die Distanz von Padre Burgos zur Insel beträgt 10 Kilometer und ist mit einer kleinen Bangka mit Dieselmotor in einer Stunde zu schaffen. Unglaublich wie dieser Motor lärmt. Die Insel ist dicht mit Kokosbäumen bewaldet und das Wasser um das Eiland herum ist grün und türkisblau. Das Bild erinnerte mich an die Iles du Salut in Französisch Guyana (Film Papillon). Am Inselhauptort Triana gingen wir fürs Mittagessen an Land. Leider war die einzige Eatery auf der Insel nicht on duty und wir mussten uns in einem Sari-Sari-Store mit Skyflakes, das sind Cracker, und Mineralwasser begnügen. Wir cruisten weiter um die Insel herum zur Barangay Magallianes. Von dort führt ein schöner Weg zu einer Gedenkstätte mit Ausstellung. Gegen eine kleine Donation wurden uns exklusiv die Tore geöffnet. Dort sind die Szenen von Magellans Aufenthalt in Bildern und Figuren festgehalten. Auch was vom Originalkreuz übrig geblieben ist und befindet sich dort. Zum Platz der ersten heiligen Messe führen 450 Stufen auf einen hohen Punkt. Wir haben zuerst wegen der elenden Steisserei geflucht, doch mit zunehmender Höhe machte uns ein kühler Wind den Aufstieg angenehmer. Periodisch hielten wir inne und genossen die immer besser werdende Aussicht. Irgendwann erreichen wir den Kulminationspunkt.

    An oberster Stelle befindet sich ein grosses Kreuz zur Erinnerung und Andacht an den grossen Moment.

    Vor nicht allzu langer Zeit hat die (ehemalige) philippinische Staatspräsidentin Gloria Aroyo Macapagal mit dem Provinzgouverneur diese Stätte besucht. Die Einheimischen berichten, dass sie sämtliche Distanzen mit dem Hubschrauber zurückgelegt haben. Es muss ein besonderes Erlebnis sein, diese Insel in geringer Höhe zu überfliegen. Unterdessen ist die Präsidentin abgewählt, an einem Knochenleiden schwer erkrankt und steht wegen Wahlmanipulation unter Hausarrest; Benigno "Noynoy“ Aquino III, der Sohn der früheren Staatspräsidentin Corazon Aquino sel., regiert den Archipel. Möge der Noch-Junggeselle eine glückliche Hand haben.

    Unsere Rückfahrt ist wegen der unruhigen See beschwerlich. Der Dieselmotor kämpft mit voller Leistung gegen die aufkommende Strömung an. Auf dem Festland warten wir eine volle Stunde, bis die Sitzplätze des Überlandbusses besetzt sind.
    Auf der Rückfahrt müssen wir noch ein weiteres Mal den Bus wechseln. Was solls, wir sind nicht in Eile. Bei strahlender Abendsonne und offenem Busfenster knattern wir langsam nordwärts; dieses Mal ohne dröhnenden Sound. Ich blicke auf grüne Reisfelder, die Kokospalmen, die Stille der Bäume, auf ein Mädchen das mit einem Kranz Sampaguitas um den Hals barfuss aus der Schule zurückkehrt und mir zuwinkt, die blauen Kingfisher auf den Telefonmasten. Häufig sind die Wunder einer Reise nur die kleinen Dinge, die nicht im Lonely Planet stehen: Versteckte Winkel, Sonnenuntergänge, Begegnungen mit Menschen, überraschende Szenen.
    Ich übergebe alles dem Staunen. Wer das erleben und mit ansehen kann, den beschleicht ein ungeheures Glücksgefühl und der erlebt die Philippinen auf authentische Weise. Trotz aller herben Kritik mag ich dieses Land und seine Menschen - ich bin gerne hier. Nicht allein die Schönheit dieser Bilder vermag zu faszinieren, es ist auch ein Gefühl von Frieden, von Leichtigkeit, von Einverstandensein. Ich bin ein Reisender ohne Heimat, ohne andere Berufung. Ich nehme nur noch auf, jeden Augenblick, jeden Atemzug, bis zur Erschöpfung. Ang bayan kong Pilipinas. Pitcairn














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    Bayan ko / My Country
    José Alejandrino (1870–1951


    Ang bayan kong Pilipinas,
    Lupain ng ginto't bulaklák.
    Pag-ibig ang sa kaniyang palad
    Nag-alay ng ganda't dilág.
    At sa kaniyang yumi at ganda,
    Dayuhan ay nahalina.
    Bayan ko, binihag ka,
    Nasadlak sa dusa.

    Ibon mang may layang lumipad,
    Kulungin mo at umiiyak!
    Bayan pa kayáng sakdál dilág,
    Ang 'dì magnasang makaalpás?
    Pilipinas kong minumutya
    Pugad ng luhà ko't dalita
    Aking adhika
    Makita kang sakdál laya!


    --------------------------------------------------------------
    My country, the Philippines,
    land of gold and flowers.
    Love is in her palms
    that offered beauty and splendour.
    And, for her refinement and beauty,
    foreigners were enticed.
    My country, thou wast enslaved,
    mired in suffering.

    Even birds that are free to fly–
    cage them and they shall cry!
    How much more for country so beautiful;
    would she not yearn to be free?
    My Philippines that I treasure,
    cradle of my tears and suffering
    My dream
    is to see thee truly free

    [/TABLE]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015