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Pitcairns Reise 2012 - Teil 27 Kambodscha: Historik + Siem Reap 1

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 03.09.2012.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Kambodscha 1864 - 2012
    Kambodscha hat eine bewegte Geschichte. 1864 ruft das Land Frankreich zu Hilfe, als es Siam zu erobern versucht. 1867 wird ganz Indochina, d.h. Vietnam, Laos und Kambodscha eine französische Kolonie. Hätten die Franzosen das Land nicht zu ihrem Protektorat erklärt, wäre Kambodscha mit grosser Wahrscheinlichkeit von Thailand oder Vietnam eingenommen worden.

    Während des Zweiten Weltkrieges besetzt Thailand 1940 die Nordprovinzen. Nach Ende des Krieges werden 1949 Laos und Kambodscha unabhängige Staaten, behalten jedoch die Mitgliedschaft der Union Francais, das Pendent zum britischen Commonwealth of Nations. Nach der Totalniederlage der Franzosen in Dien Bien Phu – dem Stalingrad Indochinas -, werden auf der Genfer Indochina-Konferenz 1954 die Grenzen zwischen Laos, Kambodscha und Vietnam neu definiert. 1960 erfolgt die Gründung der kommunistischen Partei im Kambodscha. Das Land wird Rückzuggebiet für vietnamesische Partisanen. Die Nachschublinie, der legendäre Ho-Chi-Minh-Pfad, führt durch Laos und Kambodscha.

    1969 bombardieren amerikanische B52-Bomber erstmals kambodschanisches Territorium. Das Land wird nicht unverschuldet in den Vietnamkrieg hineingezogen. Ein Putsch unter CIA-Beteiligung stürzt 1970 Prinz Norodom Sihanouk während einer Auslandreise und etabliert die Regierung unter dem vorherigen Premierminister und General Lon Nols. Sihanouk war den USA für ihre Ziele zu illoyal und unberechenbar geworden. Doch der neue Machthaber erweist sich als unfähig, die Probleme des Landes zu lösen und das Volk hinter sich zu vereinen. Sein Regime bricht 1975 mit dem Einmarsch der Roten Khmer unter Pol Pot und Leng Sary zusammen.

    Verkündet wird die Umsetzung eines radikal agrarsozialistischen Programms und somit des Steinzeit-Sozialismus. Das grösste Trauma in der Geschichte des Landes beginnt und dauert bis zum 7. Januar 1979. Phnom Penh wird binnen 48 Stunden geräumt. Selbst Krankenhäuser werden evakuiert. Wer nicht gehorcht, wird auf der Stelle erschossen. Angestrebt wird die bedürfnislose Gleichheit der Menschen, die Abschaffung von Geld, Post- und Kommunikationswesen. Jeder der eine Brille trägt, gilt als Intellektueller und wird ermordet. Die Regierung bricht jeglichen Kontakt zur Aussenwelt ab. Die Stadtbevölkerung wird zu harter landwirtschaftlicher Arbeit gezwungen, Familien werden getrennt. Das einzige Nahrungsmittel das nicht als Volkseigentum gilt, sind Ratten und Kröten.

    1978 greift Pol Pot den Süden von Vietnam an, um das Mekong-Delta zurückzuerobern, das einst von den Khmer bewohnt wurde. In Folge besetzen die Vietnamesen am 7.1.1979 Phnom Penh und beenden das Terrorregime von Pol Pot.Die Khmer Rouge ziehen sich in den Dschungel zurück.

    30 Jahre Bürgerkrieg und Schreckensherrschaft der Roten Khmer, machen aus Kambodscha eines der ärmsten Länder Südostasiens. Das Pariser Friedensabkommen zwischen den verschiedenen Bürgerkriegsparteien leitet unter Schutz der UNO-Truppen zu demokratischen Wahlen über. Seit 2004 ist König Norodom Sihamoni IV, der Sohn von Norodom Sihanouk, in Amt und Würden. Doch das Land kommt nicht zur Ruhe, die politischen Querelen halten weiterhin an und die Kriegsverbrecher werden nicht ausreichend zur Verantwortung gezogen.

    Siem Reap
    Ich bin doch nicht blöd

    Der neue Tag beginnt mit einem Frühstück auf der Dachterrasse. Eigentlich ist alles noch gleich wie vor vierzig Jahren: Milchkaffee, Orangensaft, Baguette, zwei Eier overeasy, ohne Speck, Butter, Marmelade, nur dass ich als Tribut an das Alter aus der kleinen mitgebrachten Dose zusätzlich vier Pillen gegen Bluthochruck und besseren Herzrhythmus und Blutgerinnung einwerfen muss. Die junge Kellnerin spricht etwas Englisch und wir plaudern ein paar Takte. Ohne Zweifel sucht sie Anschluss bei einem Westler. Sie ist sichtlich enttäuscht, als sie feststellt, dass ich nicht alleine bin.


    Für kambodschanische Verhältnisse spricht unser Fahrer mit seinem schwarzen Toyota gut Englisch – allerdingst mit einem fürchterlichen Akzent, so dass ich immer nachfragen muss. Er ist pünktlich um 9.00 Uhr zur Stelle. Was in Kambodscha als veritables Auto gilt, würde der Camry bei uns nur als Schwarte durchgehen. Wir nehmen im Fond Platz und brechen zur Besichtigung der Tempelanlage von Angkor Wat auf. Vielliebchen nervt sich, dass der Fahrer nur immer mir die Türe aufmacht. Das hängt mit dem Stellenwert der Geschlechter im Lande zusammen, belehre ich sie. Hier wird den Mannsbildern noch genügend Achtung und Respekt entgegengebracht. Das ist eine kleine Kompensation zu all dem, was wir sonst im Westen leiden und erdulden müssenJ.

    Ich mache dem Fahrer verständlich, dass wir nicht jeden einzelnen Steinhaufen zu besichtigen gedenken, dass wir genügend Pausen einschalten werden und auch Zeit für die Kommunikation mit den Landsleuten einkalkulieren. Er solle auf den jeweiligen Parkplätzen warten und wir werden ihn rufen, wenn wir ihn brauchen. Wir konzentrieren uns auf die besonders ästhetischen Bauten Angkor Wat, Smiling Buddha und Ta Prohm.
    Dafür beanspruchen wir dreiviertel des ganzen Tages, denn wir versuchen den Tempeln ihre Reize in allen Ecken zu entlocken. Auch die Beobachtung der Besucher ist ebenso amusant wie die Tempelbesichtigung. Wie so oft, spielen wir das Game, Woher kommst du? Jede Nationalität hat ihre Eigenheiten. Aufgrund von Tagesrucksack, Fremdsprache oder englischem Akzent, versuchen wir die Herkunft der Touristen zu erraten.

    Eine besondere Herausforderung sind die Alleinreisenden ohne Tagesgepäck.
    Manchmal liefert eine Plastiktüte, ein Fotoapparat oder ein Kleidungsstück gewisse Indizien. Wer eine Leica oder Hasselblad mit sich herumschleppt, wird in eine besondere Schublade vorsortiert. Auch Männer mit anderen hochwertigen Fotokameras bilden eine weitere Kategorie. Doch viele Touristen schiessen ihre Erinnerungsphotos nur noch mit dem Cellularphone oder neuerdings sogar mit dem Tablet. Eine neue, eigenartige Aufnahmekultur entwickelt sich. Dieses abartige Tun heisst knipsen, nicht mehr fotografieren. Oft sind als Sujet nur die Leute drauf, vom Standort ist nicht viel auszumachen. Die Fotos könnten ebenso gut auch zuhause aufgenommen worden sein.

    Trotzdem will ich tolerant bleiben und dem modernen Zeitgeist Akzeptanz einräumen. Verstehen kann ich es aber nicht. Gerne bin ich behilflich, wenn mich Leute um ein Foto mit ihrem Apparat bitten. Weil ich eine professionelle Kamera herumschleppe, bin ich häufig auserwähltes Opfer. Die Leute projizieren damit auch gleich eine besondere Befähigung in mich hinein, Bilder mit ihrem Telephone schiessen zu können. Nicht nur Kleider, auch Kameras machen Leute. Ein weiteres Erkennungsindiz sind Männer mit Socken in den Sandalen, ferner solche in karierten Hosen, Träger von speziellen Schirmmützen und Hemden. In unserem Ratespiel kommen wir auch einen Mosaikstein weiter, wenn Leute zu Tische sitzen. Wenn ein Westler sein Fleisch vor dem Essen in kleine Stücke schneidet, ist er ganz sicher kein Europäer. Wenn in einer Reisegruppe, jeder aufs Geratewohl mit Essen und Trinken beginnt, hilft uns das beim Ausschlussverfahren. Wir wissen dann, aus welchen Ländern die Leute mit Sicherheit nicht stammen.


    Angkor Wat mit seinen drei Türmen gilt als Haupttempel und seine Silhouette ziert auch die Nationalflagge und die Geldscheine des Landes. Selbst ein bekanntes Bier – und nicht das schlechteste - wird unter dem Namen Angkor vertrieben. Vor den Tempeleingängen drängen sich zahlreiche Guides an die Touristen, doch wir lehnen freundlich, aber bestimmt ab. Oft hilft auch der Trick "We no spick Englisch". Doch wer die Geduld verliert, verliert auch seine Würde. Allzu Hartnäckigen drehen wir nach einer Weile langsam den Rücken zu und spazieren davon. Auf Nachlaufen, Zurufen, Ärmelzupfen, reagieren wir nicht mehr. Unseren Rundgang nehmen wir mit dem Reisehandbuch selber in Angriff. Erfahrungsgemäss wollen wir nur Kerninformationen, kleine Details lassen wir immer weg. Zu viel wird sonst die Informationsfülle das ganze Jahr hindurch. Wenn wir das Wichtigste in der Hirnrinde behalten, ist das schon mehr als genug. In meinem Daypack habe ich nicht auch noch Platz für Einsteins Hirn. Wir sind gerne allein und benötigen keinen Führer, den wir mit seinem Akzent ohnehin schlecht verstehen und der uns möglicherweise permanent zum Weitergehen drängt. Alles descha wü!

    Für Kambodscha haben wir uns für Le guide du Routard entschieden und sind Lonely Planet untreu geworden. Der Grund liegt darin, dass die letzte LP-Ausgabe zu stark veraltet war, Routard allerdings für das Jahr 2012 eine Neuauflage auf den Markt brachte. Das bedeutet, die Recherchen fanden 2011 statt und sind noch aktuell. Routard gibt es in französischer Sprache, er ist auf Individualreisende ausgerichtet und beinhaltet meist sehr brauchbare Informationen über Reiserouten und gute Esslokale. In dieser Hinsicht, haben die Franzosen die Nase vorn. Auf früheren Trips, haben wir mit anderen Reisenden, die Informationen aus den Ausgaben von LP und Routard synoptisch analysiert und sind zu dieser Erkenntnis gelangt. Alle diese Reisehandbücher haben ihre eigenen Stärken, eine einheitliche Logik und Informationen sind schnell gefunden.

    Mit diesen Produkten sind Backpacker gut bedient, es sei denn, man erwirbt eine Raubkopie. Oftmals werden von LP alte fotokopierte Ausgaben mit neuer Titelseite und Auflagedatum versehen, um Restbestände zu verhökern. Der Traveller hat dann unterwegs das Nachsehen, weil unter anderem Telefonnummern und Adressen nicht mehr aktuell sind. Wer trotzdem auf Raubkopien setzt, kann sich auch über deren Qualität nerven. Die filigrane Schrift in eingelegten Stadtplänen ist oftmals nicht gut lesbar, Seiten fallen nach mehrtägigem Gebrauch heraus. Wer ein paar Wochen auf eigene Faust durch die Gegend reist und unbedingt Papier herumschleppen will, sollte sich US $ 40 für eine Originalkopie von LP nicht lumpen lassen. Die Bücher gibt es mittlerweile auch als eBooks. Die PDF-Variante kannst du dir kostengünstig als physische Ausgabe herunterladen. Das bedeutet für den Longterm-Traveller weniger Gewicht zum herumschleppen. Achte auf einen Tablet, der dir Grafiken sauber aufbereitet und kaufe nicht den erstbilligen.

    Wenn du nicht nur Informationen nachschlagen, sondern wirklich lange und genüsslich lesen willst, zum Beispiel schöne Belletristik , dann lohnt sich die umfassende Evaluation eines E-Book-Readers. Schau dir mal die neueste Version des Sony PRS-505 näher an - der ist gar nicht so schlecht. Einen perfekten Buchersatz gibt es (noch) nicht. An die Haptik von physischen Büchern kommt heutzutage kein E-Book heran. Auch die Abspeicherung bzw. Weitergabe der elektronischen Kopie an Dritte hat noch einen Pferdefuss. Aber es ist zu befürworten, dass der klassische Buchhandel mal eins so richtig auf die Pfoten bekommt und mit einem neuen Medium konfrontiert wird. Der Bürger sei an die hirnrissigen Vorstellungen einer Buchpreisbindung in einer freien Wirtschaft erinnert. Ich bin gespannt, wie die Piratenindustrie die Herausforderung von eBooks anzugehen gedenkt.

    Der Fahrer karrt uns von einem Tempel zum nächsten. Ich verlasse mich nicht gern auf mein Bauchgefühl, aber irgendwie ist mir der Kerl nicht besonders sympathisch. Wir ordern ihn jeweils zum Parkplatz auf der Ausgangsseite, wo er im Schatten geduldig wartet. Verschiedentlich machen wir Halt um etwas zu trinken. Als ich den Guide einlade, sich zu uns zu gesellen, lehnt er dankend ab. Schade, ich hätte ihn gerne noch etwas interviewt und aus der Reserve geholt. Als wir von Ta Prohm zum Parkplatz laufen, kommen uns die Pauschaltouristen aus dem gestrigen Van mit ihrem Guide entgegen. Sie haben nur drei Tage Zeit. Zwei gehen für die Hin- und Rückfahrt drauf und ein einziger bleibt für die Besichtigung der ganzen Tempelanlage. Sie werden heute Abend nach einem Besichtigungsmarathon gerädert ins Bett fallen. Wie kann man sich so etwas antun?! Sicher werden die beiden Deutschen dann an der Volkshochschule zuhause zwanzig Jahre lang Vorträge über Kultur und Zauber von Angkor Wat haltenJ.

    Allein die einzelnen Zu- und Ausgangswege zu bestimmten Tempeln, empfinden wir bei dieser Hitze endlos lang. Das Durchschreiten der Tempelanlagen, zum Beispiel von Smiling Buddha, ist ein ständiges Auf und Ab; für Gehbehinderte und Fusskranke ein absolutes NoGo.
    Wer Angkor umfassend besichtigen will, benötigt drei Tage. Tickets kosten für einen Tag und Person US $ 20.--, für drei Tage 40.--. Tempelenthusiasten können sogar ein Siebentage-Ticket lösen. Die Billette gelten für das gesamte Areal von Angkor Wat und sie werden an den Eingangstoren zum Park verkauft. Sie sind nicht übertragbar. Nachdem Touristen oft gegaunert und Tickets zu erneuten Verwendung an Dritte weitergegeben haben – Kambodschaner haben freien Zutritt -, wird nun ein Foto auf die Eintrittskarte geprintet. Wie beim Zoll auf internationalen Flughäfen, stehst du hier an der Kasse vor die Kamera. Lass dich nicht übers Ohr hauen. Fahrer und Guides müssen keinen Eintritt bezahlen – weder für sich selbst, noch für ihr Fahrzeug.


    Nach sechs Stunden Tempeltour und Touristen-Ratequiz haben wir genug. Der Driver schlägt vor, uns ins Fishing Village am Tonle Sap zu fahren. Doch wir lehnen strikte ab, als wir erfahren, dass Touristen dafür erneut US $ 20 abgeknöpft werden. Das kann nichts Authentisches sein und ist sicher nur auf Abriss ausgerichtet. In früheren Jahren bin ich mit dem Boot von Phnom Penh nach Siem Reap gereist und habe solche Dörfer zur Genüge gesehen. Den Driver ordern wir an, uns ins Gästehaus zu fahren und uns nach zwei Stunden für den Sonnenuntergang über Angkor Wat wieder abzuholen.

    Vielliebchen pennt ein bisschen und ich befriedige meine Leidenschaft als Triebschreiber, um die Gedankenbilder des Tages ins Netbook zu tippen.
    Um 17.30 Uhr ist kein Fahrer da. Ein Tuktuk-Coolie meldet sich, er sei von Mister Night – so nennt sich der Fahrer - beordert worden, uns mit seinem Vehikel hinzufahren. Sein Auftraggeber sei leider verhindert; und wir könnten direkt mit ihm abrechnen. Wir lehnen konsequent ab. Nicht weil wir einen Transport mit einem Tuktuk als unter unserer Würde erachten, sondern weil wir einen mündlichen Vertrag mit Mister Night abgeschlossen haben und eine Tagespauschale für ihn und sein Auto bezahlen.

    Nach zahlreichen vergeblichen Statements, versucht der Tuktuk-Fahrer seinen Auftraggeber telefonisch zu erreichen. Natürlich liegt es auf der Hand, dass unser zuständiger Fahrer, einen anderen lukrativeren Auftrag parallel abwickelt. Wir sind in Asien, und da wird von morgens früh bis abends spät versucht, Geld zu machen. Zum Glück haben wir noch nicht bezahlt und sind am längeren Hebel. Eines der Grundprinzipien beim individuellen Reisen ist, niemals zum Voraus zu bezahlen. Lediglich bei Mehrtagestouren, ist die Hälfte bei Reiseantritt fällig, den Rest nach der Ankunft. So hat man immer noch einen Trumpf in der Hand.

    Wir lassen den Tuktukfahrer stehen und spazieren ins Zentrum. Er findet uns später in einem Terrassenrestaurant in der Pub-Street und hält mir sein Cellularphone an die Löffel – Mister Night möchte mich sprechen. "I am not interested talking to him", mache ich mehrfach klar. Da gibt es nichts zu besprechen, nichts zu verhandeln, sondern einzig und allein vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen. Die übrigen Restaurantgäste fangen an sich zu wundern, was bei uns los ist. Meine Stimme ist etwas lauter geworden – Würde hin oder her. Es dauert zwanzig Minuten, dann fährt unser schwarzer Camry vor, allerdings mit einem unbekannten Fahrer am Steuer, ohne jegliche Englischkenntnisse. Wir verlangen von ihm, dass er uns zu Mister Night fährt. Der Fahrer nickt und nach fünf Minuten steigt ein weiterer unbekannter Mann zu und nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Er spricht wenig Englisch und macht uns verständlich, dass er der neu zugeteilte Guide sei.

    Wir sind nicht einverstanden, denn wir haben mit Mister Night ein klares, unmissverständliches Agreement vereinbart. Davon gedenken wir nicht abzurücken. Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt. Ich toleriere nicht zwei fremde Männer in einem Taxi. Auf der ganzen Welt habe ich Leute wieder aussteigen lassen, die sich ungefragt mit einer lapidaren Bemerkung auf den Beifahrersitz setzten. "It's only my brother" oder so ähnlich, Meine Reaktion war immer die gleiche: "Get outta here, or I gonna leave the car. No discussion at all, you understand!" Da nehme ich in Kauf, dass ich plötzlich alleine mit meinem Gepäck auf der Hauptstrasse stehe. Tatsächlich ist mir das in meinen frühen Reisejahren zum Beispiel einmal in Istanbul passiert. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Dank meinen Prinzipien bin ich die letzten vierzig Reisejahre relativ unbeschadet über die Runden gekommen. Die bald einbrechende Nacht ist ein weiterer Faktor zu unseren Ungunsten. Wir steigen aus und geben den Leuten zu verstehen, dass wir Mister Night morgens um Punkt 08.00 Uhr in unserem Gästehaus zu einer Aussprache erwarten.
    Ich bereite ein Tadelsgespräch nach bester Gustav-Käser-Manier vor.

    Anderntags um 08.00 ist Mister Night nicht da. Duckmäuserisch kommt er mit einer Viertelstunde Verspätung zu uns ins Dachrestaurant angeschlichen; wir sind gerade am Morgenessen. Mit ruhiger Stimme bitte ich ihn, Platz zu nehmen. Dann hole ich aus und beginne emotionslos meine Fragen an ihn zu richten: "Herr Night, wir haben für gestern mit Ihnen eine Pauschale von US $ 30. —vereinbart. Dafür erklärten Sie sich bereit, uns persönlich einen ganzen Tag nach unseren Wünschen herumzuchauffieren und als Guide zu dienen. Was gestern passiert ist wissen Sie. Ist es richtig, dass Sie uns anstelle ihres Fahrzeugs ein Tuktuk senden?"
    "Nein" antwortet er mit duckmäuserischer Stimme. "Ist es richtig, dass Sie nicht persönlich als Fahrer und Guide wie vereinbart zur Verfügung stehen." Nein".
    "Ist Ihnen bewusst, dass Sie uns um den Sonnenuntergang von Angkor Wat" gebracht haben". "Yes, sorry for that". Ich erwarte von Ihnen, dass Sie den Preis reduzieren. "Ja". "Ich gebe Ihnen US $ 20. —". "Ok".

    Vielliebchen überreicht ihm das Geld. Ich gebe Night die Hand und entlasse ihn aus dem Gespräch. Mehr gibt es nicht dazu zu sagen. Eine einfache Standpauke genügt in diesem Fall. Einmal mehr ist es uns nicht um die paar Dollars, aber ums Prinzip gegangen. Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen.

    Diesen Lebensgrundsatz werde ich einmal von Vielliebchen auf meinem chinesischen Grabstein eingravieren lassen. I do not like being taken for a fool. Pitcairn

















     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015
  2. Rauhnacht

    Rauhnacht Kuya

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    Auftragsmorde & Schutzgelderpressung
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    Auf der Durchreise


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