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Pitcairns Reise 2012 - Teil 39 - Vietnam: In der Bucht des untertauchenden Drachens

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 04.09.2012.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Halong Bay

    In der Bucht des untertauchenden Drachen
    "Mein Name ist Bond, James Bond". Wenn du den Film Tomorrow Never Dies aus dem Jahr 1997 mit Pierce Brosman gesehen hast, ist dir die Halong Bay schon etwas vertraut. Auch Aussenaufnahmen für Indochine mit Catherine Deneuve im Jahr 1992 wurden unter anderen in der Bucht des untertauchenden Drachen gedreht, wie Vinh Ha Long übersetzt heisst. Überhaupt ist diese französische Filmproduktion geradezu ideal, sich mit der französischen Kolonialzeit und den damaligen politischen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Nahezu 2000 grosse und kleine Kalkfelsen, türkises Wasser, Dschunken mit roten Segeln, bizarre Grotten und Höhlen hat die schönste Bucht Vietnams im Golf von Tonkin zu bieten. Die Idylle wurde 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Durch die Gezeiten und das Wetter haben Wind und Wasser Grotten und Höhlen in den Stein gebildet, die teilweise, wie einige Strände auch, nur bei Ebbe betreten werden können. Viele von ihnen sind grün, also über und über mit Pflanzen bewachsen, auf den grösseren existieren teilweise dichte Dschungel. In den Grotten und Höhlen gibt es bizarr anmutende Stalaktiten und Stalagmiten. Teilweise haben die Naturkräfte regelrechte Durchgänge durch den Fels gebildet.

    Die mit 354 Km² größte Insel ist Cat Ba, auf der etwa 12'000 Insulaner vorwiegend vom Fischfang, der Austernzucht und dem zunehmenden Tourismus leben. Die höchste Elevation beträgt über 330 m. In den 1970er und -80er Jahren, flüchteten von hier zahlreiche sogenannte Boatpeople ins Exil.
    Während der Kriege gegen die Franzosen und Amerikaner, wurden einige der Inseln und grossen Höhlen darauf zu Auffanglagern für Flüchtlinge und Kranke und als Nachschubdepots ausgebaut. So existierte auf Cat Ba in einer Höhle ein Krankenhaus, in dem sich zeitweilig bis zu 300 Personen aufhielten.


    Der Halong-Spot liegt drei Fahrstunden von Hanoi entfernt und da will ich wieder einmal hin. Im Vergleich zu den Achtziger- und Neunzigerjahren, ist Halong zu einer Massentourismus-Destination geworden. Jeder Tourist der in Hanoi weilt, möchte die Bucht noch vor der Abreise in sein Besuchsprogramm hineinwürgen. Auch bei Kreuzfahrten gehört die Bucht zur absoluten Pflicht. Wer heutzutage hinfährt, kann sich auf etwas gefasst machen. Nebst vollstressigen Tagestouren, bieten Reisebüros auch zwei- und dreitätige Ausflüge an. Du kannst wählen, ob du deine unteren Extremitäten in einem Bus verenden lassen über Nacht auf einem Boot oder an Land ausstrecken willst. Unzählige Anbieter und Boote tummeln sich auf diesem lukrativen Markt. Die Organisation ist meist chaotisch und das Angebot modular buchbar. Versuche, das Beste daraus zu machen.

    Wir entscheiden uns für das Upperlevel-Eintages-Vollstressprogramm mit Update-Menu, ohne Kajaking und mit Höhlenbesichtigung zu US $ 30 pro Nase. Pünktlich um 07.30 Uhr holt uns der Minivan vor dem Hotel ab. Es dauert noch eine knappe weitere Stunde, bis der Lumpensammler alle Teilnehmenden in ihren Hotels abgeholt und wir endlich die Fahrt an die Halong Bay antreten können. Der Bus ist bis auf den allerletzten Platz besetzt, der Stauraum mit Einweg-Trinkwasserflaschen vollgestopft und ich kann meine langen Beine nirgendwo mehr hinstrecken. Noch schlimmer ist der Reiseleiter dran, der gar keinen Sitzplatz mehr findet und sich für die kommenden drei Stunden stehend zwischen Schiebetür und Sitzbänken quetschen muss. Unsere Fahrgemeinschaft ist Multikulti und Nationen aus Deutschland, der Schweiz, den Philippinen, den Niederlanden, Singapore und Vietnam sind vertreten.

    Der Himmel ist stark bedeckt und bedrohlich dunkel, als wir losfahren; doch unsere Hoffnung auf besseres Wetter auf dem Boot wird erhört werden. Das Verkehrsaufkommen auf der Strecke ist enorm. Ob wohl schon eine Autobahn in der Planungsphase ist? Auf halbem Weg machen wir eine Toiletten- und Kaffepause die ich dazu nutze, meine deformierten Glieder zu massieren und hochzulegen. Dem Reiseleiter scheint es nicht besser zu gehen – ich sehe ihn, wie er wie auf rohen Eiern auf die Toilette humpelt. Auf dem zweiten Teil des Halong-Tortureway, gibt der Guide wichtige organisatorische Hinweise. Ich erfahre, dass unsere Gruppe zwischen Eintages- und Mehrtagesbesuchenden aufgeteilt wird. Bei der Ankunft werden uns die Mehrtagestouristen verlassen. Beim Eintreffen erwarten uns riesige Touristenmassen und unzählige Boote am Pier. Wir müssen in der Nähe des Ticket-Offices warten, während der Guide sich um Eintrittskarten bemüht. Unser Mittagessen wird auf dem Boot serviert werden.

    Nach fünfzehn Minuten Wartezeit, erhalten wir unsere Tickets und werden einem neuen Touristenguide zugewiesen. Er fordert uns auf, ihm zu folgen, doch er achtet nicht wirklich darauf, uns alle beisammenzuhalten. Vielliebchen ist noch auf der Toilette und ich stoppe den Abmarsch. "Hey man, wait a minute, we're not yet complete. No hurries, we got plenty of time." Unsere Gruppe ist neu aufgemischt. Wir tun uns mit einem Ehepaar aus Downunder zusammen und konfiszieren auf dem zweistöckigen Boot einen Tisch; hinzu gesellt sich ein junges vietnamesischen Paar. Bis auf einen reservierten Tisch werden alle voll belegt. Die Leute müssen zusammenrücken, damit alle Platz finden. Es dauert nicht lange und wir legen ab.
    Ich traue meinen Augen nicht. Seit meinem letzten Besuch, mussten auf Geheiss der Behörden, alle Boote weiss gestrichen werden. Das hat nun zur Folge, dass es im Nebel zu Kollisionen kommt, da viele Boote ohne Radar ausgestattet sind und einander nicht mehr sehen, weiss ein Guide zu berichten. Wenn du schöne Bilder willst, kommst du nicht umhin, zuhause im Adobe Photoshop die Boote wieder auf braun umzufärben.

    Am Himmel ist nichts auszusetzen, denn das Wetter hat sich in der Zwischenzeit regeneriert und die Sonne drückt sogar zwischen den Wolken durch.
    Schon zehn Minuten später wird das Mittagessen aufgefahren. Es tut nichts zur Sache, ob jemand Basic oder Upgrade zu einem höheren Preis gebucht hat, alle bekommen das Gleiche. Dieses Mal sind wir die Geprellten, denn wir haben für eine bessere Verpflegung mehr bezahlt. Sonderrechte werden an einem Tisch mit vietnamesischen Touristen gewährt, die zusätzlich noch einen Teller Garnelen erhalten.
    Wahrscheinlich haben sie die Bedienung geschmiert. Unsere Tischgruppe interveniert und fordert Gleichbehandlung – ohne Erfolg. Immerhin wird uns zähneknirschend ein kleiner Nachservice gewährt. Das Essen schmeckt vorzüglich.

    Zwischen den kleinen Inseln gibt es schwimmende Häuser, Dörfer und Anlegestellen. Die Bewohner betreiben Fischfang und –zucht und verkaufen den Touristen Waren und Früchte.
    Wir legen an; alle Passagiere verlassen das Boot. Wer Kayaking gebucht hat, darf jetzt zu einem der nähergelegenen Felsen paddeln. In einer knappen Stunde geht es weiter. Zwei ältere Damen haben Bedenken und verzichten auf die bereits bezahlte Spritztour. Sicher sind sie im Reisebüro optimal beraten worden
    L
    . Die gutgemeinte Übertragung auf zwei junge Backpacker wird ihnen vom Betreiber verweigert. Eine grosse Diskussion kommt auf.

    Für die Weiterfahrt nehmen wir auf dem Oberdeck Platz. Bewusst haben wir dieses Mal Wert auf ein grosses Schiff gelegt, denn die Sicht von einem erhöhten Standort und die Platzverhältnisse generell, sind alleweil besser als von einer kleinen Nussschale aus. Wir geniessen die Fahrt durch die schöne Inselwelt und lassen die Felsen an uns vorbeiziehen. Nach der Rückkehr ins Unterdeck, ist der leere Tisch in der Zwischenzeit mit Souvenirs aller Art belegt worden. Nanu, denke ich, sind wir hier denn etwa auf einer Kaffeefahrt. Wehret den Anfängen!

    An einem grossen zentralen Pier legen alle grossen Schiffe an. Von hier aus wird Gruppe für Gruppe durch das Höhlenlabyrinth geführt.
    Zum Verweilen und Fotografieren bleibt wenig Zeit. Wohlweislich schaltet man hier am besten die Idiotenhilfe ein. Die nächste Gruppe ist uns schon auf den Fersen und ich bin immer noch am Fokussieren. Plötzlich sind meine Leute weg und ich kann sie in den Menschenmassen nicht mehr finden. Hier ist die moderne Technik nutzlos, denn die mobilen Telefonverbindungen funktionieren weder in den Höhlen noch draussen in der Bay. So laufe ich in Eigenregie durch das gigantische Höhlensystem, in der Hoffnung, meine Gruppe wiederzutreffen. Das sollte noch eine Weile dauern. Eigenartigerweise liegen die Leute hinter mir und kommen erst, als ich draussen am Pier bereits 20 Minuten gewartet haben. Auch Vielliebchen hat sich Sorgen gemacht. Ich bin nicht der Einzige der das Gefühl hat, dass die Tour nicht optimal organisiert ist. Den ganzen Tag kommt es auch immer wieder bei anderen Gruppen zu Verwirrungen zwischen Tages- und Zweitagesausflüglern.
    Trotz zunehmendem Tourismus, muss Halong nicht zur Enttäuschung werden, und kann, wenn richtig vorbereitet, zur richtigen Jahreszeit besucht, zu einem schönen Erlebnis werden. Die Monate Februar bis Mai sind für einen Besuch ideal. Früher ist es zu kalt und ab Juli kann es regnerisch und neblig werden.

    Vietnam Fazit
    Vietnam hat sich nach der Wiedervereinigung 1975 über zehn Jahre nahezu komplett nach Aussen abgeschottet. Erst nach einer schweren Wirtschaftskrise 1986, öffnet sich das Land auch gegenüber nicht-kommunistischen Staaten. Nebst zahlreichen Massnahmen, wird seither auch der Tourismus gefördert. Das Land hat sich im Verlaufe der Zeit zu einem beliebten Urlaubsziel in Südostasien entwickelt. Backpacker, Kultur- und Naturinteressierte, Kriegsveteranen und Badeurlauber besuchen das Land.

    Eine Vietnamreise ist ein Frontalangriff auf die Sinne. Zu ungewohnt ist die Geräuschkulisse, die ewig knatternden Mopeds, die teils ruppige Sprache, die intensiven Gerüche auf Märkten, das Essen und der manchmal gewöhnungsbedürftige hygienische Standard. Sogenannte Mekong-Toiletten werden oft direkt über Fischfarmen erreichtet und der Kot plumpst ins Wasser. Daran sollten Liebhaber denken, die importierte Crevetten oder Pangasius-Filet kaufen.

    Alles ist anders als im Westen - und wirkt dadurch faszinierend und rätselhaft zugleich. Permanent siehst oder erlebst du Dinge, die durch deine westliche Sichtweise nicht zu erklären sind.
    Du bist kürzlich erstmals eingereist. In dir sind Zweifel aufgekommen, ob du eventuell schon zu spät dran bist. Du vergleichst mit anderen asiatischen Nationen und hast ein eigenartiges Bauchgefühl. Auch ich habe mir seit Ende der 80er-Jahre ein eigenes Bild von Vietnam gemacht und eine subjektive Meinung gebildet.

    Ob du den Einstieg im Norden oder Süden wagst, spielt keine Rolle. Die Leute unterhalb der ehemaligen DMZ habe ich persönlich als etwas offener empfunden.

    Es ist nicht so, dass ich die Messlatte in Sachen Freundlichkeit und Herzlichkeit besonders hoch gelegt habe. Aber meine Massstäbe sind nun einmal die Philippinen, Thailand und Burma. Vietnam ist nicht das Land of Smile und du schaust nicht überall in freundliche Gesichter. Manchmal hast du das Gefühl, nicht wirklich willkommen, sondern nur geduldet zu sein. Lege deine Kohle auf den Tisch, störe mich nicht mehr und haue ab! Das hat nie jemand ausgesprochen, aber vielleicht gedacht.

    Es ist nicht so, dass sich Vietnam im Verlauf der Jahrzehnte seit 1975 selbst verloren hat. In China ist es nicht eben anders. Es ist der Menschenschlag, der überleben will und vielleicht nicht zuletzt auch deshalb, enorm profitsüchtig und materialistisch ist. Eine Individualreise ist ein nie endender Kampf. Hast du Zeit und Nerven, ist es trotzdem die beste Art, diese Nation authentisch zu erleben. Bist du in einer geführten Gruppe unterwegs, wirst du von all den Herausforderungen weniger mitbekommen. Vielleicht gefällt dir das Land, weil du noch nicht viel anderes von Asien gesehen hast. Was anzieht, ist das gute Preis-Leistungsverhältnis, die einzigartigen Landschaften und auch das Essen ist ganz in Ordnung. Sozialismus scheint hier machbar zu sein, solange man keinen Dachdecker zum Staatsratvorsitzenden kürt. Wir kommen wieder, und nicht nur deswegen, weil Hanoi praktisch vor unserer Haustüre liegt. Pitcairn



     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015