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Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von abstinent, 25.01.2008.

  1. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Nur fuer historisch Interessierte an der Situation damals in Cambodia:

    Hatte mal vor Jahren eine kleine historische Zusammenfassung vorbereitet, leider sind viele der damaligen Bilderlinks unbrauchbar geworden, ich werde das nach und nach ausbessern bzw. ergaenzen.

    (text copyright abstinent)

    POL POT / SALOTH SAR
    KHMER ROUGE / ROTE KHMER


    Geboren als "Saloth Sar", am 19.Mai 1925 in der cambodianischen Stadt Prek Sbauv, gehörte der besser unter seinem späteren Namen "Pol Pot" bekannte Massenmörder zu den privilegiertesten Kindern seines Landes. Sohn eines betuchten Landbesitzers mit exzellenten Verbindungen zum Königspalast und den regierenden französischen Kolonialherren. Seine Schwester und weitere Cousinen waren im königlichen Ballett engagiert. Er besuchte als junger Mensch mehrere französische Schulen, und erlangte umfangreiche Sprachkenntnisse. Er war ein sehr fauler Schüler und erreichte nicht die Abschlußprüfung.
    Trotzdem erhielt er im Alter von 24 Jahren (1949) wegen seiner väterlichen Kontakte und seiner eigenen Sprachkenntnisse ein Stipendium für die Universität in Paris (Frankreich), und zog dorthin um.
    1952 trat er der kommunistischen Partei Frankreichs bei. 1953 wurde sein Stipendium widerrufen, denn sein Studium war fruchtlos - er war völlig ohne Ehrgeiz oder dem Willen, etwas zu erlernen.
    Pol Pot kehrte er nach Cambodia zurück, und wurde Mitglied der aufkeimenden kommunistischen Partei dort.
    In der Folgezeit arbeitete Pol Pot als Privatlehrer in Phnom Penh, und führte ein Doppelleben. Tagsüber war er der nette Pauker, Abends und Nachts war er die treibende Kraft in der noch jungen , aber hochaktiven kommunistischen Untergrundbewegung Cambodias. 1954 streifte Cambodia erfolgreich die Fesseln der Kolonialzeit ab, und rief die Unabhängigkeit aus.

    Der junge Pol Pot:

    1082.jpg, Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war, 1

    Neun Jahre später (1963) war er der unumstrittene Führer der Kommunisten in Cambodia, mußte aber fliehen und richtete sich in einem vietnamesischen Kommunistencamp an der Grenze zu Vietnam mit einigen Getreuen Gefolgsleuten ein. Die vietnamesischen Gönner ließen ihm nicht viel Spielraum, und seine Existenz unter deren Schutz sagte ihm nicht zu. 2 Jahre hielt er es dort aber aus, und brütete an seinen "Verbesserungen" der kommunistischen Ideologie.
    In 1965 bestellten ihn seine kommunistischen Schutzherren nach Hanoi (Nordvietnam). Er lief den gesamten Ho-Chi-Minh-Pfad entlang nach Norden, und erreichte nach zweimonatigem Fußmarsch die nordvietnamesische Hauptstadt. Der damalige Generalsekretär "Le Duan" der dort herrschenden Kommunisten, befand sich im Krieg mit dem nichtkommunistischen südlichen Landesteil und den Amerikanern, welche Südvietnam unterstützten. Le Duan forderte Pol Pot auf, seine eigenen Pläne zu streichen, und sich weiterhin dem Befehlsjoch seines Sekretariats im Kampf gegen den Klassenfeind zu unterwerfen. Gleichzeitig verlangte er von Pol Pot, den bewaffneten Kampf vorzubereiten, sodaß dieser ihm zu einem späteren Zeitpunkt in seinem Krieg helfen kann, und eine neue Kampffront im Norden und Westen Südvietnams zu eröffnen.

    Pol Pot war sehr enttäuscht von den Nordvietnamesen, hatte sich aber nichts anmerken lassen. Kurz später verließ er Nordvietnam in Richtung China, und traf sich dort mit Regierungsvertretern der dort ebenfalls regierenden Kommunisten. Die sogenannte "Kulturrevolution" dort, und die Ideologien der Machthaber, gefielen Pol Pot so sehr, daß er anfing, seine Loyalität in deren Richtung zu verschieben.

    Im Großen und Ganzen kann man sagen, daß der 1.China-Besuch Pol Pot`s der große Wendepunkt seiner "Karriere" war.

    Seine große Chance aber kam erst in 1970, als der cambodianische Herrscher, Prinz Norodom Sihanouk, in einem Staatsstreich die Regierungsgewalt an "Lon Nol" verlor.


    "Lon Nol" war pro-amerikanischer Antikommunist, und erlaubte den Südvietnamesischen und amerikanischen Streitkräften den ungehinderten Grenzübertritt nach Cambodia, um den über cambodianisches Territorium angreifenden Kommunisten entgegenzutreten, und fliehenden hinterherzusetzen. Es ist kein Geheimnis, daß CIA und amerikanisches Kapital dem Lon Nol bei seinem Coup zum Erfolg verhalfen. Zu dieser Zeit war den Amerikanern fast jedes Mittel recht, um die weitere Ausbreitung des Kommunismus einzudämmen.

    Prinz Norodom Sihanouk wird übrigens auch die erstmalige Benutzung der Vokabel "Khmer Rouge" in dieser Zeitphase zugerechnet.

    In der Folge alliierten sich die nordvietnamesischen Kommunisten mit denen um Pol Pot. Waffen wurden in größerer Stückzahl geliefert, Landminen und Munition, Artillerie und Sprengstoff in Hülle und Fülle. Die waffentechnische Ausbildung erfolgte ebenfalls direkt durch die Vietcong . Größere Vietcong-Einheiten operierten im Grenzgebiet auch, und im Besonderen tief im innern des cambodianischen Territoriums.
    Als die Vietcong sich hinter eigene Linien in 1972 zurückzogen, fühlte Pol Pot sich wiederum betrogen - aber seine Khmer Rouge hatten sich mittlerweile zu einer schlagkräftigen und überaus brutalen Guerillatruppe gemausert.

    Krieg mit regierungstreuen Truppen überzog das gesamte Land, und endete erst im April 1975, mit der Besetzung der Hauptstadt Phnom Penh durch die Khmer Rouge. Fast zeitgleich zogen übrigens die Vietcong in Saigon, der Hauptstadt Südvietnams ein.

    Die fast 2 Millionen Einwohner Phnom Penh´s waren zunächst fast erleichtert, und hofften, daß die schwerbewaffneten jungen Kämpfer der Khmer Rouge den jahrelangen Kriegswirren nun ein Ende setzen würden - denn schließlich waren es ja eigene Landsleute.
    Die Einwohner hatten ihre Rechnung aber ohne Pol Pot`s verwirrte Vorstellungen einer idealen kommunistischen Struktur gemacht! Binnen weniger Tage zwangen die Khmer Rouge die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt in Fußmärschen zu landwirtschaftlichen Konzentrationslägern.

    Fast das Gleiche passierte in allen anderen größeren Städten Cambodias. Als Nächstes verboten sie Zeitungen, Bücher, Schulen, Universitäten und schafften Bargeld ab. Privateigentum jeglicher Art wurde als unrechtmäßig erklärt, und die Ausübung religiöser Zeremonien und Messen wurde unter Strafe gestellt.

    Als: "Democratic Kampuchea" oder "Demokratisches Kambodscha" deklarierte er nun das Land, welches er regierte.

    Schon eine Brille auf der Nase oder ein Buch in der Hand waren damals ausreichend Grund für Bürger, in ein Konzentrations- und Folterlager gesperrt zu werden. Von diesen KZ und Foltercamps gibt es noch heute Dutzende im ganzen Land zu besichtigen.

    Jeder Fünfte Einwohner Cambodias, zusammen etwa 1,5 Millionen Menschen fiel den Khmer Rouge zum Opfer. Im Jahrhundert der Revolutionen ist die der Khmer Rouge vom Verhältnis der Opfer zur Einwohnerzahl die mörderischste Revolution überhaupt gewesen!

    Knochenlager im KZ:


    Pol Pot glaubte fest an seine selbstgesteckten Ideale, und seine Revolution bezog die Energie aus dem kürzlichen militärischen Sieg und der genetischen Überlegenheit aller Khmers. Seine chinesischen Genossen bestärkten ihn auch in seiner Ansicht, der Revolution einen größeren Sprung nach vorne verschafft zu haben. Pol Pot gelang es in dieser Phase, tausende Jugendlicher und Heranwachsender für seine Ziele zu begeistern - und diese zogen unter Absingen kommunistischer Lieder brandschatzend und mordend durchs Land, völlige Straffreiheit war ihnen garantiert. Sie zerstörten Tempel, Bibliotheken, Schulen und Kulturstätten nachhaltig.

    Die gesamte Wirtschaft des Landes war faktisch nicht mehr existent, und Pol Pot`s kühne Pläne - aus Cambodia ein fruchtbares und blühendes Land zu machen, scheiterten allein an der nicht oder nicht mehr vorhandenen Infrastruktur.

    Seine Methoden waren dabei oft sehr naiv, unpassend, brutal und utopisch. Ein z.B. in 1976 hastig hingekritzelter 4-Jahresplan (nach erzkommunistischem Vorbild) besagte, das die landwirtschaftliche Produktionsmenge des Landes binnen eines Jahres verdreifacht werden sollte - völlig ohne landwirtschaftliches Gerät, Dünger oder ausreichend Saatgut.
    Aber diese Pläne beinhalteten noch weitere folgenschwere Fehler, denn er zollte der geographischen und klimatischen Situation in Cambodia keinen Respekt. Säen kann man nur zum Anfang der Regenzeit in diesem Land, das nur eine trocken-heisse und eine feucht-heisse Saison kennt. Und mit umfangreichen Minenfeldern überall im Gelände, motiviert man weder Bauern noch Vieh.
    Beim Versuch, die irre hoch angesetzten Quoten für z.B. Reisernten dennoch zu erwirtschaften, wurde von den Khmer Rouge kurzerhand einfach die Menge des Anteils für den Eigenverzehr drastisch reduziert. Zehntausende von Landarbeitern starben in dieser Zeit an Unterernährung und Überarbeitung.

    In 1977 begab sich Pol Pot zu einem offiziellen Staatsbesuch nach China. Die Chinesen hatten in dieser Phase etliche bewaffnete Grenzscharmützel mit den Vietnamesen an ihrer Grenze, und erheblichste Probleme mit ihren ideologischen Genossen dort.

    Pol Pot mit seinen Khmer Rouge Führern Ieng Sary & Son Sen:

    1083.jpg, Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war, 2

    Zum Schicksal dieser beiden Mitstreiter kommen wir noch später im Text.

    China versprach ihm militärische Hilfe und Unterstützung gegen Vietnam, und auch moralische Unterstützung in den Gremien der Welt für seine radikalen Pläne.
    Gegen Ende des Jahres 1977 gab es ständig wiederaufflackernde Kampfhandlungen an der Grenze zu Vietnam, und die Vietcong als auch die Khmer Rouge lieferten sich häufige Feuergefechte. Die Kommunisten in China freuten sich darüber, und lieferten fleißig Munition, Landminen und Waffen.

    Ein erneuter und großangelegter Angriffskrieg, diesmal initiiert von den Vietcong - überschwemmte in 1978 das Land. Pol Pot sagte damals lapidar: "Wenn jeder Khmer Rouge 30 Vietnamesen tötet, dann sei der Krieg zu gewinnen!"

    Pol Pot in den späten 70er Jahren:

    317_PolPot_1.jpg, Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war, 3


    Pol Pot bat seine chinesischen Gesinnungsgenossen nun direkt um Truppenunterstützung, aber diese Hilfe wurde ihm verwehrt. Lediglich als Guerillas in entsprechenden Taktiken ausgebildet, wurden die Khmer Rouge Kampfverbände von den kriegsgewohnten Vietcong überrannt und massakriert.
    Am Weihnachtstag 1978 überrollte eine zweite Woge von weit über 100.000 Vietnamesischen Soldaten das Nachbarland, und alles fiel binnen Tagen in ihre Hände. Pol Pot blieb nichts weiter übrig, als zu fliehen. Die Vietnamesische Armee besetzte Pnom Penh am 7. Januar 1979, aber die Stadt war komplett von allen Einwohnern ein weiteres Mal verlassen worden.

    Die Vietnamesischen Besatzer setzten 1979 eine Marionettenregierung in Szene, die vorwiegend aus fahnenflüchtigen Verrätern (aus der Sicht der Cambodianer) bestand. Von diesen Herren sitzen heute noch etliche an der Macht!

    Neben einigen Reisen nach Bangkok und Peking verbrachte Pol Pot die nächsten 18 Jahre in den unzugänglichen Dschungeln im nördlichen Cambodia. Treue Gefolgsleute und die Reste seiner Guerilla-Armee beschützten ihn nach Süden. Die Thai-Army sorgte in seinem unmittelbaren Norden für eine relative Sicherheit für ihn.

    Bis weit in die 90er Jahre hinein gab er Lehrgänge für junge Anhänger der Khmer Rouge, die in zahllosen Guerrilla-Attacken, vorwiegend im nördlichen Cambodia, immer wieder durch Mord und Totschlag von sich reden machten.

    Auszüge aus Zeitungen betreffend KR-Aktivitäten der Jahre 1993 bis 1998:

    http://www.camnet.com.kh/cambodia.daily/Fifth_Anniversary/Page_50.htm

    Im Jahre 1996 kündigte ihm sein enger Freund, Gefolgsmann, Schwager und Außenminister, der Ieng Sary die Freundschaft, und wechselte zum erklärten Klassenfeind und Kriegsgegner über.
    Tausende der verbliebenen Khmer Rouge folgten diesem Beispiel.
    Der legendäre, einbeinige General Ta Mok (genannt: "Der Schlächter"), Kommandeur aller verbliebenen Khmer Rouge, verhaftete Pol Pot, nachdem dieser einige von Ta Mok`s Offizieren hinrichten ließ.

    Ta Mok, "Der Schlächter":

    1084.jpg, Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war, 4

    Verhaftung des Pol Pot durch Ta Mok`s Khmer Rouge:

    1085.jpg, Pol Pot / Khmer Rouge, was damals war, 5

    Kurz vor seiner eigenen Verhaftung, machte Pol Pot nochmal Schlagzeilen - denn er ordnete die Hinrichtung seines Freundes und Mitstreiters Son Sen nebst dessen gesamter Familie, Kinder und Enkel an. Die Hinrichtung erfolgte übrigens mittels LKW, der über die Köpfe der gefesselten Opfer hin und herfahren mußte.

    Am 15. April 1998 lauschte er in der Gefangenschaft sitzend, dem Radiosender "Voice of America" (oder übersetzt: "DIE STIMME AMERIKAS"), der ihm unmißverständlich mitteilte, das Ta Mok ihn den Amerikanern ausliefern möchte, um ihn vor ein Kriegsverbrechergericht zu bringen.

    Pol Pot erwähnte seiner Frau gegenüber, das er sich nun schwach fühlen würde. Er legte sich hin und war gegen 10 Uhr bereits tot.
    Der Report besagt Herzschwäche, aber auch ein Selbstmord ist nicht auszuschließen. Sein Tod hat, genau wie sein Leben - viele Fragen unbeantwortet gelassen.

    Sein Leichnam wurde vor Ort verbrannt.


    Ta Mok wurde kurze Zeit später inhaftiert, aber zwei der weiteren führenden Kher Rouge, Nuon Chea und Khieu Samphan leben unbehelligt in Pailin, der rechtsfrei wirkenden Zone im Grenzgebiet zu Thailand. Ob sie sich jemals dem UN-Tribunal stellen, ist sehr fraglich.
    Ein paar allerletzte, den Khmer Rouge zuzurechnenden Kampfhandlungen gab es nordwestlich von Siem Reap im Februar des Jahres 2000, und in der Nähe der Ortschaft Stung Treng an der laotischen Grenze in 2001.

    Nun herrscht ein relativer Frieden im Land. Ich habe es bereist, und es gefällt mir. Die Menschen dort sind freundlich und aufgeschlossen. Narben des 30 jährigen Bürgerkrieges gibt es überall zu sehen, und viele Kriegsversehrte. Die Beseitigung der Landminen, denen noch heute pro Jahr Hunderte von Menschen zum Opfer fallen, wird noch Jahrzehnte dauern.


    Fotocredits: AP, BBC, CJR, telegraaf

    Quellen:
    Augenzeugen
    David Chandler (Prof. Georgetown U:( "Brother Number One" A political biography of Pol Pot
    CNN
    BBC
    AFP
    time
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28.11.2011
  2. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Sorry Jungs, wenn euch solch eine Sache als zu droege oder schulmeisterisch erscheint. Ich habe die Fakten seinerzeit nur mal recherchiert und zusammengetragen, als zahlreiche Cambodiatrips mich immer wieder mit dieser Sache indirekt und auch direkt konfrontierten.

    Denke auch, ich habe versucht das sachlich darzustellen, obwohl mir zeitweilig beim nachlesen und auch schreiben ein Kloss im Hals sass.

    Kommunisten killten im Namen ihrer Weltanschauung rund 100 Millionen Menschen im letzten Jahrhundert, aber damit duerfte nun fast schon Schluss sein. Ein paar sogenannte Guerilleros in Suedamerika und ein paar Afrikaner versuchen derzeit noch mit Waffengewalt ihre Nachbarn zu "belehren" - aber der wetweite Exodus dieser Weltanschauung wird mittlerweile auch von denen selbst nicht mehr dementiert.

    Na ja, vielleicht habe ich mit dem Schrieb die eine oder andere Informationsluecke schliessen koennen. Das heutige Cambodia ist ein friedliebendes Land und sicher eine Reise wert.

    Ich schreibe (wie viele) uebrigens deshalb immer Cambodia und nicht Kambodscha, weil erstens sich das jetzige Land selber so in allen internationalen Gremien und Vertretungen nennt - und zweitens aus Respekt vor dem Wunsch der Buerger dort, bei denen man mit den Begriffen "Kamputchea und Kambodscha" boese Erinnerungen wachruft.

    ciao

    abstinent
     
  3. Super geschrieben,nun weiß ich wenigstens was damals dort wirklich für sauereien abgingen!!
     
  4. Bono Vox

    Bono Vox V.I.P.

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    @abstinent

    Sehr gut zusammengestellte Geschichte! Grauenhaft was Menschen
    anrichten können!

    Wenn ich hier so etwas Lesen muss..... :shake:
     
  5. Jekeee

    Jekeee Senior Member

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    Danke für den kurzen Überblick , Absti.

    Kaum zu glauben, wieviel Unheil und Armut diese kommunistischen Ideologien über einzelne Völker und die Menschheit brachten...
     
  6. FranzX

    FranzX Junior Experte

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    @ abstinent,

    gut aufbereitet! Jeder der nach Kambodscha kommt sollte sich die Mühe machen und die Killing Fields und das S21 zu besuchen. Sicher ein deprimierender Tag, aber danach kann man wirklich abschätzen, wie die Khmer in Wirklichkeit sind. Man soll sich dabei nicht von ein paar Abzockern blenden lassen, denn überall wo es Tourismus gibt, wird man Abzocker vorfinden. Wer sich aber einmal ein Stück abseits der Touristenpfade bewegt, wird sehr schnell ein anderes Kambodscha kennenlernen.
     
  7. zapatus

    zapatus Junior Rookie

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    Gedankt!

    Möchte mich auch für den gut aufbereiteten Artikel bedanken! Da ich im April nach Cambodia reise und jetzt noch ein wenig von der Geschichte mitbekommen habe.....
     
  8. NOKSUKOU

    NOKSUKOU Senior Experte

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    Klasse Geschichts Unterricht ! Und hab wieder was dazu gelernt :yes:


    MfG
     
  9. Sausa

    Sausa Sergeant at Arms

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    @Absti

    danke für die kurze Einführung in die Geschichte, jetzt weiß ich wenigstens warum mir immer so mulmig zumute ist
    wenn ich mich nordwestlich von Siem Reap rumtreibe. :shock:

    cu Sausa
     
  10. barangPP

    barangPP Junior Member

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  11. domingo

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    KLasse Geschichtsunterricht hier- ganz ohne Ironie
     
  12. Liki

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    @ barangPP

    Klar, Absti hat hier einen tollen Bericht eingestellt aber warum musst du diesen grossen Post zitieren? Wenn das jeder auch so tut, brauchen wir ein Abkühlungspray für das Mausrad...
    Mach es doch das nächste mal kürzer, einfacher und übersichtlicher. Danke.
    :wink:
     
  13. barangPP

    barangPP Junior Member

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    Hi Liki,

    danke für die Belehrung. Habe leider nicht die "Vorschau" benutzt, sonst wäre das nicht passiert!
     
  14. Hölschi

    Hölschi Member

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    Ja Absti hat es auf den Punkt gebracht . Sehr klarer und interessanter Bericht . Und hätte Pol Pot in der Schule aufgepasst wäre aus ihm vielleicht ein " anständiger Mensch "geworden .
    Wer sich noch weiter mit der akuelleren Geschichte Kambodscha beschäftigen möchte , der sollte das im Zusammenhang mit ganz ehemals Indochina machen . Als Lesestoff kann ich das Buch :
    Der Tod im Reisfeld von Peter Scholl Latour empfehlen .
    Das Buch ist zwar schon alt (ca 1980 aufgelegt ) und unter dem Eindruck des Kalten Krieges geschrieben .Aber die persönlichen Erlebnisse des Autors geben dem Buch Autensität , Spannung und Witz .
     
  15. rio0815

    rio0815 Junior Experte

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    So isses, PSL lesen lohnt sich !

    WIKI hat auch ganz brauchbare Artikel darüber.

    :D
     
  16. Sabailand

    Sabailand Member

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    in den vier Wänden
    Das schlimme war, dass die westliche Welt davon so gut wie gar nicht Notiz genommen hatte.
    Es wurde einfach totgeschwiegen. Und die UN hat lange Jahre Pol Pot als offiziellen Führer des Landes angesehen.
    Hin und wieder kamen Berichte aus dem Land. Ich kann mich erinnern, dass eine Famile, namens AIM, mit Hilfe von Missionaren(?) rausgekommen ist und darüber ein Buch geschrieben hatte, was mir in den 80ern in die Hände gekommen ist.

    Erst im Winter 1984 (!) gab es in den Medien verstärkt ( ja täglich ) Berichte über die Flüchtlngssituation an der Grenze zu Thailand. Dort war dann Trockenzeit und die Vietnamesen konnten die Lager, die sich auf der Höhe von Aranyaprathet befanden ( noch auf kambodschanischer Seite ) massiv beschiessen. In dem "Winter" sind sie dann abgebrochenworden und die Thais haben nördlich von ThaPraya - sehr zum ledwesen der dort lebenden Thai Landbevölkerung - Camps neu errichtet. Es entstanden in dem Jahr vier Camps, die zusammengefasst als SITE 2 "Berühmtheit" erlangten und zeitwesie weit über 120.000 Flüchtlinge beherbergten.

    Dort arbeiteten dann ehemals hohe Regierungsangestellte, sofern sie das Pol Pot Regime und die Flucht überlebt hatten, als Ärzte. Ich durfte sie während meiner Tätigkeit damals kennenlernen, und auch ihre Geschichten.
    Dramatisch.

    Sicher zu empfehlen und ein Muss für Cambodia-Interessierte, ist der Film
    von Roland Joffe "KILLING FIELDS - SCHREIENDES LAND". Beruhend auf den Tagebüchern und Erfahrungen des amerikanischen Reporters Sidney Schanberg. ( in Thailand - Aranyaprathet, Phuket, Bangkok und PhangNga - gedreht. z.B. ist das Gerichtsgebäude in Phuket City die Botschaft im Film ).
    Traurig ist auch die Tatsache, das der Schauspieler Haing S. Ngor, der DithPran den Kambodschanischen Reporter verkörpert, 1996 erschossen wurde. Wohl, wie spekuliert wird, von Sympathisanten der Khmer Rouge.

    Es gab an der Thai-Cambodian Grenze, nördlich von Trat ein anderes weit kleineres Flüchtlingslager. Es war das Lager für die geflüchteten Khmer Rouge. Fast niemand wusste davon, besonders wurde den Flüchtlngen in SITE 2 nichts davon gesagt.
    Es wurde aufgemacht, da es in dem nordlichen Camps zu einem Rache-Blutbad gekommen ist, nachdem die Behörden dort auch Khmer Rouge unterbringen wollten.
     
  17. rio0815

    rio0815 Junior Experte

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    Der Schauspieler wurde ermordet, aber den echten Reporter gibt es ja noch.
    Dieser hat ein sehr gutes Interview anlässlich des 30jährigen "Jubiläums" der Machtergreifung der Khmer Rouge gegeben:

    »Meine Generation ist verschwunden«

    Dith Pran

    Der US-amerikanische Krieg gegen Vietnam war auch für das benachbarte Kambodscha verheerend. Nach den jahrelangen Flächenbombardements durch die US-Armee, der Militärdiktatur und dem Guerillakrieg übernahmen am 17. April 1975 die Roten Khmer die Macht. Vier Jahre dauerte ihr Terrorregime. Auch Dith Pran litt unter Zwangsarbeit und Hunger und wurde Zeuge des wahllosen Tötens der Roten Khmer. Im Jahr 1979 gelang ihm die Flucht. Anders als zwei Millionen Kambodschaner überlebte Dith Pran die »Killing Fields«. Durch den gleichnamigen Film wurde seine Geschichte einem Millionenpublikum bekannt. Er lebt heute in den USA, arbeitet als Journalist für die New York Times und leitet das Dith Pran Holocaust Awareness Project. Mit ihm sprach Markus Ströhlein.

    Wie werden Sie den 17. April 2005, den 30. Jahrestag des Beginns der Herrschaft der Roten Khmer, verbringen?

    Der 17. April ist ein Sonntag. Das ist für mich als Journalist ein ganz normaler Arbeitstag. Ich möchte mein Leben nicht mehr an den Geschehnissen ausrichten. Das bedeutet natürlich nicht im Geringsten, dass sie mir gleichgültig sind. Zwei Millionen Menschen wurden umgebracht. Diese Menschen, die unglaublich gelitten haben und schließlich getötet wurden, brauchen Gerechtigkeit. Das muss der Welt gesagt werden. So etwas darf nie wieder geschehen. Nicht in Kambodscha und nirgends auf der Welt. Man muss auch zukünftigen Generationen vermitteln, dass es zu jeder Zeit Formen des Genozids geben kann.

    Inwiefern dient das Dith Pran Holocaust Awareness Project dazu, Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen zu verbreiten?

    Ich halte Vorträge an Schulen und Universitäten. Ich versuche, Schülern und Studenten die Schreckensherrschaft der Roten Khmer zu erläutern. Meine Geschichte stößt auf großes Interesse. Ich beginne immer mit dem Film »Killing Fields«. Wenn die Leute den Film gesehen haben, ergeben sich die Fragen von selbst. Der Film scheint das Bedürfnis nach Bildern zu erfüllen. Mit Worten allein lassen sich die »killing fields« nur schwer beschreiben.

    Für den Großteil der Welt wird der 17. April ein ganz normaler Tag sein. Gibt es überhaupt noch ein politisches Interesse an der Geschichte und der jetzigen Situation Kambodschas, oder ist das Land von der politischen Weltkarte verschwunden?

    Glücklicherweise halten die Vereinten Nationen den Kontakt zur kambodschanischen Regierung aufrecht. In der Weltgemeinschaft empfindet man eine gewisse Verpflichtung, den Menschen in Kambodscha Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Natürlich dauert dies wegen der mittlerweile anderen Schwerpunkte in der Weltpolitik lange.

    Wie sieht die Arbeit des Dith Pran Holocaust Awareness Project im Hinblick auf die gerichtliche Verfolgung der Roten Khmer aus?

    Wir sehen es als unsere Aufgabe zu verdeutlichen, dass die Opfer der Roten Khmer immer noch auf Gerechtigkeit warten. Wir werden nicht aufgeben. Ich bin mir sicher, dass ich noch den Tag erlebe, an dem die Täter verurteilt werden. Auch ich möchte wissen, warum die Roten Khmer so viele Menschen getötet haben. Das ist für mich immer noch unverständlich.

    Sie haben also die Hoffnung, dass die führenden Köpfe der Roten Khmer vor Gericht gestellt werden?

    Ja, ich habe Hoffnung. Auch die kambodschanische Regierung, die selbst mit den Roten Khmern verstrickt war, versteht, dass es in ihrem Interesse ist, deren Führer zu verurteilen. Selbstverständlich sitzen in der Regierung ehemalige Rote Khmer. Aber die barbarischen Zeiten sind vorbei.

    Welche Führungskader der Roten Khmer sind noch am Leben und könnten vor Gericht gestellt werden?

    Die prominenteste Figur ist Khieu Samphan, der Präsident des Regimes der Roten Khmer. Daneben gibt es natürlich noch eine recht große Zahl nicht so bekannter Personen. Der Regierung und dem kambodschanischen Dokumentationszentrum sind aufgrund der Aktenlage alle wichtigen Personen bekannt. Ieng Sary, der Außenminister der Roten Khmer, gehört auch zum Kreis ihrer prominenten Vertreter. Solche Leute müssen vor ein Gericht. Sie müssen sich für ihre Taten rechtfertigen. Ich habe so viele Verwandte verloren. Ich habe drei Brüder und eine Schwester samt ihrer Familien verloren. Meine Eltern wurden ermordet, mehrere Onkel, mehrere Cousinen und Cousins. Und viele meiner Freunde. Meine Generation ist verschwunden.

    Wann waren Sie zum letzten Mal in Kambodscha?

    Zum letzten Mal war ich 1993 dort. Ich bin auch 1989 in Kambodscha gewesen, noch unter dem provietnamesischen Regime von Hun Sen. Es waren noch vietnamesische Truppen im Land. Damals wurde ich von Hun Sen empfangen. Natürlich war das ein politisches Spiel von ihm. Er wollte mir demonstrieren, dass sein Regime nicht die Fortsetzung der Politik Pol Pots betrieb. Er hat mich damals sehr wohlwollend empfangen, und wir haben einige Gespräche geführt. Aber ich bin kein Politiker. Ich sehe mich als Botschafter, der die Wahrheit über die Verbrechen der Roten Khmer verbreitet. Die politische und juristische Arbeit überlasse ich anderen. Nach 30 Jahren hat auch das Regime von Hun Sen verstanden, dass es der Welt und den Menschen in Kambodscha zeigen muss, dass es ihm mit der juristischen Verfolgung der Roten Khmer Ernst ist.

    Gibt es in Kambodscha derzeit politische Kräfte, die in der Lage wären, das Land wirklich zu demokratisieren und die soziale Situation der Menschen langfristig zu verbessern?

    Ich denke, die Regierung hat einige Schritte unternommen. Aber wie die meisten Länder der Dritten Welt hat auch Kambodscha ein riesiges Korruptionsproblem. Anstrengungen, zu demokratisieren und die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln, gibt es dennoch. Es gibt Versuche, das Verkehrs- und Kommunikationssystem aufzubauen. Außerdem hat man mittlerweile verstanden, dass der Tourismus sich zum stärksten Wirtschaftsfaktor für Kambodscha entwickeln könnte. Deshalb hat die Regierung das Land geöffnet und vor allem französischen Unternehmern erlaubt, im Tourismussektor einzusteigen. Ich habe immer noch Verwandte in Kambodscha. Ihre Berichte geben Anlass zur Hoffnung. Die junge Generation ist sehr westlich orientiert und möchte Demokratie. Natürlich ist die derzeitige Regierung in dieser Hinsicht alles andere als perfekt. Kambodscha ist erst seit 1993 eine Demokratie. Kambodscha macht immer noch seine ersten Schritte, das muss man akzeptieren. Die Roten Khmer haben Kambodscha zerstört. Heute ist das Land zwar immer noch arm. Aber es ist tausendmal besser als unter Pol Pot. Man braucht eben Geduld.

    Gibt es für den Massenmord der Roten Khmer ein eigenes Wort in der kambodschanischen Landessprache?

    Es gibt kein spezielles Wort für den kambodschanischen Genozid. Ein Wort, das den Schrecken dieser Zeit symbolisiert, ist »Angkar«. Es wurde als Begriff von den Roten Khmern eingeführt und bedeutet »die Organisation«. Es gab dieses Wort vorher nicht. In der Zeit der Roten Khmer war alles Eigentum von »Angkar«, also Eigentum der Partei oder des Politbüros. Kinder gehörten »Angkar«. Menschen gehörten »Angkar«. Alles gehörte »Angkar«. Wie gesagt, ein eigenes Wort für den Genozid gibt es nicht. Aber jedes Kind in Kambodscha weiß, was die »killing fields« sind. Kambodscha ist voller Reisfelder. Die Roten Khmer haben die Reisfelder in »killing fields« verwandelt.



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  18. JackEastin

    JackEastin Senior Member

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    Sehr interessant. Das sowas damals wie heute möglich ist, sieht man an Ruanda 1994 oder im Moment im Kongo. Es wird sich meiner Meinung nach auch zumindest in Afrika nichts ändern. Meine Meinung!

    JACK