Frage zum Erbrecht in Deutschland

        #1  

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Habe da mal eine Frage. Klar kann ich einfach abwarten was passiert, aber ich wäre gerne vorbereitet.

Im „Ich fühle mich Scheiße…“ Thread hatte ich ja bereits gepostet, dass mein Vater nach einer langen Krankheit gestorben sei.
Er hat bei einem Notar ein Testament gemacht und dabei mich zum Universalerben eingesetzt. Mein Bruder soll nichts, also nur den Pflichtteil bekommen.
Mein Vater besaß etwas Geld (aus dem Verkauf einer älteren Doppelhaushälfte. Davon wurde in den vergangenen 14 Monaten der Eigenanteil zu seinem Pflegeheimplatz bezahlt) und er besitzt eine kleine Eigentumswohnung.
Er hat in dem Testament verfügt, dass seine Lebensgefährtin darin lebenslanges mietfreies Wohnrecht hat.

Nun, der Bestatter sagte was, dass Testamente garnicht mehr beim Notar geöffnet werden sondern beim Nachlassgericht hinterlegt werden und alles weitere vom Nachlassgericht aus geht. Ist dem so? Demnach kommt das Nachlassgericht auf mich zu.

Es gibt halt noch einen Bruder von mir. Ich stelle mir nun vor, dass er 1/4 bekommt und ich 3/4 von allem. Muss ich ihn fragen wie er es will? Also erst mal ob er vom Geld nur 1/4 will und später wenn die Wohnung verkauft werden kann, dann vom Verkaufserlös 1/4?
Denn ich würde gerne die Wohnung schätzen lassen und meinen Bruder komplett auszahlen.
Also von dem Bargeld meinem Bruder sein ihm zustehendes 1/4 auszahlen und ihm vom Wohnungswert ebenfalls 1/4 auszahlen und mich dann im Grundbuch aleine als Wohnungseigentümer eintragen.

Kann ich das einfach so entscheiden und tun?

Worauf muss ich als nächstes warten oder was kann ich tun?
 
 
        #2  

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Wenn bereits ein notiarielles Testament vorliegt brauchst Du eigentlich nur zum Gericht um das Testament zu hinterlegen . Erbschein ist nicht nötig .
Du musst Dich als erstes mit Deinem Bruder einigen (Ihr seid eine Erbengemeinschaft ) und beim Notar die Erbengemeinschaft vertraglich mit den gewünschten Regelungen auflösen ,der Notar veranlasst dann auch ggf.die Umschreibung der Immobilien bei Gericht . Wenn keine Immos da wären könnte man das alles auch ohne Notar regeln ,bei Immos aber nur mit. Wenn Dein Bruder nur den Pflichteil hat ,ist das nach meiner Kenntnis immmer ein Geldanspruch ,da muss Du dich auch notariell mit Ihm einigen .
 
Zuletzt bearbeitet:
 
        #3  

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@Ostwind Danke. Der Bestatter sagte mir bei unserer Besprechung, dass Testamente die bei einem Notar gemacht wurden, automatisch vom Notar beim Nachlassgericht hinterlegt werden und garnicht mehr in der Notariatskanzlei vorgehalten werden. Demnach brauche ich da nichts weiter tun. Aber ich werde mal beim Notar anrufen/vorsprechen und ebenso beim Nachlassgericht.

Mir geht es nur darum, wie sollte ich den Wert der Immobilie ermitteln (lassen) so dass mein Bruder da keinen Einspruch einlegen kann so dass er mehr von mir ausbezahlt bekommt.
Leider ist der persönliche Kontakt zu meinem Bruder geradezu auf 0 herunter geregelt. Man sieht sich bei der Beerdigung, Telefoniert ein Mal um ihn über den Todesfall zu informieren und seine Beteiligung an Kranz und Schleife.
Da er sich von der Familie so abgesondert hat, hat mein Vater ja auch das Testament gemacht und ihn mehr oder weniger enterbt.
 
 
        #4  

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Nun, ich ken mich mit dem deutschen Erbrecht nicht aus, hab aber leider einschlägige Erfahrung in Erbrechtsprozessen.

Das mit der Wohnung ist ne Knacknuss und ich kann nur empfehlen, dass Du Dich mit deinem Bruder einigst.
Alles andere macht nur die Gerichte und Anwälte reich.

Wieso Knacknuss?

Zum einen gibt es keinen echten "Preis", solange die Wohnung nicht verkauft ist.
Alles andere sind Schätzungen, die von einer Seite immer bestritten werden können.

Erschwerend kommt in deinem Fall das lebenslängliche Wohnrecht hinzu, das kaum quantzifizerbar ist, da man nicht weiss, wie Lange deine "Stiefmutter" lebt.
Im Extremfall überlebt Sie dich sogar.
 
 
        #5  

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Member hat gesagt:
Erschwerend kommt in deinem Fall das lebenslängliche Wohnrecht hinzu, das kaum quantzifizerbar ist, da man nicht weiss, wie Lange deine "Stiefmutter" lebt.
Im Extremfall überlebt Sie dich sogar.
Das mit der Wohnung ist wirklich ne ganz schwierige Kiste. Da die Stiefmutter ja keine Miete zahlt, hat die Wohnung ja nur einen Wert auf dem Papier, aber nicht in der Realität, da unverkäuflich.
Im Gegenteil, es kann sogar sein, das du noch draufzahlst, da du als Besitzer ja das Hausgeld zahlen musst. Das würde ich dann aber schon der Dame aufs Auge drücken.

Du müsstest eigentlich mit deinem Bruder ausmachen, das er das Viertel der Wohnung erst ausbezahlt bekommt, wenn die Mieterin verstorben ist.
 
 
        #6  

Member

Member hat gesagt:
Das würde ich dann aber schon der Dame aufs Auge drücken.


Also ich würde eher dazu neigen, dem Willen meines Vaters zu entsprechen......
 
 
        #7  

Member

Das Nachlassgericht wird vermutlich eine Schätzung durch den Gutachterausschuss der Stadt veranlassen.
Das Wohnrecht wird entsprechend(Alter der Berechtigten und durchschnittliche Lebenserwartung) berücksichtigt.
Und ja, Pflichtteilanspruch ist "Nur" Geldanspruch.
 
 
        #8  

Member

@magicbiker Das mit dem Hausgeld ist im Testament geregelt. Seine Lebensgefährtin die darin wohnt hat alle Kosten zu tragen. Auch Rücklagen und sonstige Gemeinschaftsreparaturen und alles. Ich habe nichts zu bezahlen, nur kann ich die Wohnung nicht verkaufen.

Ich möchte nur einen Wert ermittelt haben den mein Bruder akzeptiert. Dann bekommt er davon seinen Teil ausbezahlt.
Denn ich werde die Wohnung vermutlich nicht verkaufen wollen wenn die Dame verstirbt oder aus zieht. Ich habe dann eine Station in Deutschland wenn ich in 4 bis 5 Jahren auf die Philippinen auswandern werde.
Da kann ich dann im Sommer immer wieder mal für 3 bis 5 Monate her kommen und habe da ne Bleibe.
 
 
        #9  

Member

@Pilo Solltest Du eine Rechtschutzversicherung besitzen, solltest Du einmal prüfen, ob diese auch eine kostenlose telefonische Beratung durch einen Fachanwalt abdeckt.

Bei meiner Rechtsschutzversicherung ist dies zumindest so und es werden auch solche Fälle abgedeckt, bei denen man sich wie bei Dir erst einmal nur informieren möchte und noch kein Rechtsstreit droht bzw. schon vorliegt.
 
Zuletzt bearbeitet:
 
        #10  

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@intruder69 wenn dem so ist, gut. Dann wäre das der Weg. Warten bis das Nachlassgericht tätig wird.
Und vor allem warten bis mein Bruder auf mich zu kommt und seine Ansprüche geltend macht.
 
 
        #11  

Member

@helgi leider nein. Keine Rechtsschutzversicherung. Und nun „mal schnell“ eine abschließen ist zu spät.

Ich denke mal, ich warte jetzt ab bis da was vom Nachlassgericht kommt.
Inzwischen schau ich mal dass ich mit der Bank einig werde und das Konto auflöse. Eine Ausfertigung des Testamentes in dem ich der Alleinerbe bin habe ich ja.
 
 
        #12  

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Member hat gesagt:
Du müsstest eigentlich mit deinem Bruder ausmachen, das er das Viertel der Wohnung erst ausbezahlt bekommt, wenn die Mieterin verstorben ist.
Das würde ich nicht, denn mit der Belastung durch das Wohnrecht ist der Wert einiges geringer als ohne Wohnrecht(also nach dem Tod der Berechtigten).
 
 
        #13  

Member

Member hat gesagt:
Das mit der Wohnung ist wirklich ne ganz schwierige Kiste. Da die Stiefmutter ja keine Miete zahlt, hat die Wohnung ja nur einen Wert auf dem Papier, aber nicht in der Realität, da unverkäuflich.
Das ist relativ Einach, muss allerdings dann einfach ein Fachmann machen. Den Wert des Wohnrechts kann man berechnen, da gibt es Kennzahlen, und wird dann vom Wert der Wohnung abgezogen. Es ist ja eine Werminderung, da kein Mieteinnahmen erzielt werden können und sie auch nicht selber genutzt werden kann. Der Erbe ist ja sowieso verpflichtet, den genauen Wert seines Erbes zu berechnen damit der Pflichteilnehmer ausgezahlt werden kann.
Wie du ganu vorgehen muss, wird dir der Nachlassverwalter schon sagen.
 
 
        #14  

Member

@gabbiano, so wie das @intruder69 geschrieben hat, wenn die Stadt kommt und den Wert ermittelt und dabei das Wohnrecht berücksichtigt wird, kann ich das als Wert annehmen und meinem Bruder davon 1/4 auszahlen. Sollte er damit nicht zufrieden sein, dann muss er klagen.
 
 
        #15  

Member

Member hat gesagt:
Das ist relativ Einach, muss allerdings dann einfach ein Fachmann machen. Den Wert des Wohnrechts kann man berechnen, da gibt es Kennzahlen, und wird dann vom Wert der Wohnung abgezogen. Es ist ja eine Werminderung, da kein Mieteinnahmen erzielt werden können und sie auch nicht selber genutzt werden kann. Der Erbe ist ja sowieso verpflichtet, den genauen Wert seines Erbes zu berechnen damit der Pflichteilnehmer ausgezahlt werden kann.
Wie du ganu vorgehen muss, wird dir der Nachlassverwalter schon sagen.
Ganz so einfach ist das nicht, und wenn verschiedene Fachleute das durchrechnen, können sie auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen.
So eine Immobilienschatzung beruht auf verschiedenen Annahmen....
Wenn man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 ausgeht, um den Wert des Wohnrechtes zu quantifizieren, die Dame aber 100 wird, dann hat Pilo dem Bruder zuviel bezahlt.
Umgekehrt genauso.
Da ist viel Platz für Meinungsverschiedenheiten, deshalb mein Rat, er solle versuchen, sich mit seinem Bruder zu einigen...
 
 
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