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Pitcairns Reise 2012 Teil 34 Vietnam:Sandwich Sarkozy, Insiderweib, Brummschädel

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von Pitcairn, 04.09.2012.

  1. Pitcairn

    Pitcairn Gast

    Danag, Hoi An, Wolkenpass-Tunnel
    Danag
    Was ist das Beste in Danag? Natürlich das Sandwich The Sarkozy im Waterfront Restaurant. Die Menukarte verspricht Baguette with Ham and Camembert, fresh Tomatoes, Lettuce, Multigrain mustard + Pommes frites. Lecker, lecker, auch gute Sandwiches zubereiten ist eine Kunst. Unangefochtene Weltmeister in der Sandwich-Zubereitung bleiben allerdings die Australier, doch wie ich sehe, suchen die Vietnamesen den Challenge. Anbetracht der politischen Veränderungen, wird der Wirt wohl neu eine Klappstulle Hollande mit sozialistischer Geschmacksausrichtung ins Sortiment aufnehmen müssen. Ich denke so an Vollkornbrot mit abgekupfertem vietnamesischem Edamer, Chinakohl und Soyasauce. Die Stadt Danang selbst ist nicht spektakulär, kein zwingendes Muss auf einer Vietnamreise, aber ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Ausserhalb der City gibts den legendären Chinabeach, wo sich einst die GI's nach Kampfeinsätzen ausruhten; beobachtet hoch oben von den Marble Mountains durch Charly.

    Es war unsere feste Absicht, von HCMC mit dem Zug weiter nordwärts zu reisen. Bei den Abklärungen stellen wir fest, dass Bus und Zug zu ungünstigen und sogar mehrheitlich zu nächtlichen Stunden fahren. Die Szenerie nach Danag ist nicht gerade breathtaking. Das ist mehr etwas für Badetouristen, aber zum Plantschen muss der Reisende nicht nach Nha Trang fahren, da reicht Rimini völlig aus. Zudem hast du in Italien mehr Ruhe, denn das Strandleben in Vietnam ist sehr gewöhnungsbedürftig. Warum? Nun, in Rimini wirst du vielleicht alle Stunde einmal von einem Gelati-Verkäufer, einem schwarzafrikanischen Teppichhändler oder von einem Marokkaner mit garantiert gefälschten Rolexuhren behelligt.
    In Nha Trang kommen in Dreiminuten-Intervallen Masseusen, Bücherverkäufer, Badetuchanbieter, Mädchenhändler, T-Shirtanbieter, tragbare Garküchen, Korbträger mit frittierten Bananen bei dir am Liegestuhl vorbei und bieten dir irgendetwas an, das du mit Bestimmtheit nicht brauchst.

    Um dir gleich jeglichen Badeenthusiasmus zu nehmen, bekunde ich dir, dass die Situation am Strand von Hoi An nicht eben besser ist, es sei denn, du wohnst in einem teuren Hotel mit Privatstrand. Wer gemütlich einen Schunken lesen will, bleibt wohlweislich im Gästehaus und kühlt sich unter der Dusche ab. Derart penetrante, hartnäckige Verkaufende, habe ich nur noch im Mahgreb und in bestimmten Regionen Indiens getroffen. Schöner wärs, die Route über Dalat und das zentrale Hochland nach Phan Rang zu nehmen. Dalat liegt auf 1475 m und es herrscht ewiger Frühling. Die Gegend um die Stadt ist bekannt für den Anbau von Kaffee, Tee, Früchte und Gemüse. Von einem wunderschönen Bahnhof aus fährt eine Zahlradbahn 8 Km hinaus nach Trai Nat. Die Stadt, in welcher sich auch das skurrile Crazy-House befindet, ist nicht mehr ans Landes-Eisenbahnnetz angebunden.

    Wer in Dalat ist, Berggegenden mag und an Geschichtsschauplätzen interessiert ist, kann in die Province Binh Puoc nach Dak Son weiterreisen. Der Ort mit trauriger Historik, befindet sich ca. 120 Km nordöstlich von Saigon. Am 5. Dezember 1967 überfielen zwei Batallione
    der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams, dieses Dorf, in welchem ca. 2000 Zivilisten von Stämmen indigener Bergvölker lebten. Die Montagnards galten als Kommunistenfeinde und standen in Verdacht, feindlichen Flüchtlingen Unterschlupf und Versorgung zu bieten. Bei diesem Massaker starben dreihundert Zivilisten. Über 600 Kämpfer setzten Hütten und Unterstände in Brand und töteten Männer, Frauen und Kinder mit Flammenwerfern die extra deswegen zum Einsatz kamen, damit sich diese Gräueltat herumspricht und möglichst lange im Gedächtnis bleibt. Die Bergstämme sollten auf diese Art von weiterem Widerstand und Kooperation mit dem Feind (USA, NLF) abgehalten werden. Viele Bewohner wurden in den brennenden Hütten eingeäschert oder erstickten durch die Rauchentwicklung in ihren Erdverschlägen, in die sie flüchteten. Nicht vollständig abgebrannte Behausungen wurden mit Handgranaten gesprengt. Kurz vor dem Verlassen des Ortes wurden noch 60 weitere Überlebende erschossen, der Rest der Bevölkerung gelangte in Gefangenschaft und wurde als Geiseln verwendet.

    Wer unbedingt will, kann sich nach diesem Loup anschliessend in Nha Trang immer noch an den Strand nerven gehen. Wir machen auf Rentnerreise und nehmen die Dienste von Vietnam Airlines nach Danag in Anspruch. Hier oben gibt es keine geisterfahrenden Scooter, keine Kamikaze-Busfahrer, die kaltlächelnd bereits sind, die Fahrbahn mit zweirädrigen Leichen zu pflastern.
    Vielliebchen ist kaum richtig eingepennt und wir landen bereits nach weniger als einer Stunde. Das Zeichen Fasten Seatbelts ist noch nicht erloschen, da schnappt jedes zweite Schlitzauge nach seinem Handy und gibt zuhause bei Muttern das Signal, um die obligate Reisnudelsuppe aufzusetzen. Ob die wohl in der Vor-Handyzeit auf Brieftauben zurückgegriffen haben?

    Unser Reisehandbuch besagt, dass The Moon2 Hotel an zentraler Lage für uns geeignet sei. Ohne Diskussion schaltet der Taxifahrer den Meter ein und bringt uns hin. Es folgt erneut das gewohnte Prozedere. Ich warte mit Gepäck im Wagen und Vielliebchen klärt ab, ob es freie Zimmer gibt, nimmt einen Augenschein, drückt den Preis und kommt anschliessend mit dem Gepäckträger zum Taxi. Das Hotel ist neu und mit US $ 25. —pro Nacht liegen wir im Budget. Es ist anfangs Nachmittag und wir müssen den morgigen Tag organisieren. Krampfhaft suchen wir das Sinh Cafe Travel, ein bewährtes Reisebüro, das an verschiedenen Standorten im Lande seit vielen Jahren seine Ableger hat. In einer anderen Reiseagentur fragen wir nach dem Weg. Ich will doch schwer annehmen, dass die Betreiber in diesem Städtchen einander kennen. Man will uns weismachen, dass es hier kein solches Reisebüro gibt, sondern nur in Hoi An. Sofort lässt der Fritz die Katze aus dem Sack - er will uns selber zwei Bustickets verkaufen. Ich glaube ihm kein Wort und wir suchen weiter. Obschon die Kommunikation auch hier nicht einfach ist, gelangen wir zu weiteren Informationen. Fünf Minuten später schreiten wir ins gesuchte Travel-Office und organisieren unseren Transport.

    Hoi An
    Ich weiss, dass es keinen Sinn hat mich zu nerven, und dennoch tue ich es gelegentlich. Das hängt meist mit meiner Tagesform und dem Alkoholkonsum am Vorabend zusammen. Es ist morgens früh und ich sitze mit Vielliebchen im Restaurant neben unserem Hotel in Danag. Die Frau von der Rezeption hat es uns fürs Morgenessen empfohlen. Es ist ausschliesslich mit Asiaten besetzt, die alle ihre Reisnudelsuppe herunter löffeln. Eine andere Menuoption gibt es zu dieser Stunde nicht. Vergeblich versuche ich die Mutter an der Kasse zu überzeugen, dass ein Baguette mit ein paar Rühreier für mich wesentlich idealer wäre. Nach einer gemeinsam halbgeleerten Suppenschüssel, verlassen wir genervt das Lokal und machen uns auf die Suche nach einem westlichen Frühstück. Wenn es ums. Morgenessen geht, dann bleibe ich bis auf alle Ewigkeit ein Westler. Ein Morgenstart ohne Brot, ergibt suboptimale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Tagewerk.

    In einem Restaurant an der Waterfront in Danag finden wir zumindest knusprige Baguettes mit Kaffee. Es erweist sich als hoffnungsloses Unterfangen, dem Burschen zu erklären, dass wir noch gerne Butter und Marmelade möchten. Er hat keine westliche Logik, kennt unsere Sitten und Gebräuche nicht und kann daher nicht kombinieren. Da darf man nichts voraussetzen. Es ist eigentlich unverständlich, da noch andere Westler das Lokal frequentieren. Anstelle von Milch, bringt er uns klebrige Kondensmilch. Schade dass es in der Nähe keinen Starbucks gibt. Da soll mal einer sagen, die Amerikaner verstehen nichts vom Kaffeebrauen. Überhaupt betrachte ich jeden amerikanischen Fastfood-Ableger in der Dritten Welt als willkommen. Nach vier Wochen einheimischer Ernährung, habe ich immer wieder gerne in einen Hamburger gebissen und den Komfort westlicher Toiletten genossen.

    Unser Transportdienst wartet pünktlich wie vereinbart vor dem Hotel. Auf dem kurzen Weg von weniger als 30 Km nach Hoi An, machen wir verschiedene Fotostopps und besichtigen eine Marmorverarbeitungs-Werkstätte und Verkaufsstelle; sicher kann unser Fahrer hier Provisionen verdienen. Ich habe keinen Bock und bleibe draussen, Vielliebchen frequentiert die Toilette. Zu trinken brauchen wir nichts, Cola Light haben wir selber dabei. Einmal mehr, versuchen uns die Leute etwas anzudrehen.

    Nach insgesamt einer guten Stunde erreichen wir das Sinh Cafe Travel in Hoi An. Von hier aus wird der Sammeltransport um 18.00 Uhr zurück nach Danag abfahren.
    In Italien gibt es Venedig, in Laos Luang Prabang, in Brasilien Parati oder San Salvador und in Vietnam eben Hoi An. Alle diese Städte haben etwas Gemeinsames: Sie wurden in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen, sie weisen praktisch keinen oder wenig motorisierten Verkehr auf und die Zeit scheint seit Jahrhunderten stillzustehen.
    Ursprünglich als Faifo bezeichnet, spielte Hoi An zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, als einer der grössten Häfen Südostasiens. Matrosen aus der ganzen Welt kamen hier an Land und die Etablierung ausländischer Schifffahrtsunternehmen führte schliesslich dazu, dass sich Japaner und Chinesen in Hoi An etablierten. Die Spuren ihres kulturellen Vermächtnisses findet man heute noch hier, deren Bevölkerung ethnisch zu einem grossen Teil aus Chinesen besteht.

    Die Altstadt Hoi Ans ist einer der charmantesten Orte Vietnams und wurde als Fussgängerzone definiert. Im Gegensatz zu anderen Städten, wird die Regel nicht strikte genug eingehalten. Es rollen leider nicht nur Cyclos, was absolut in Ordnung wäre, sondern auch immer mehr private Scooters, die sich keinen Deut um das Kulturerbe und die Fussgänger scheren. Motorfahrzeuge haben hier nichts zu suchen und stören die Atmosphäre gravierend. Seitens der Behörden wäre es an der Zeit, durchzugreifen - doch sie tut es nicht. Zumindest haben gesetzliche Vorschriften dazu geführt, dass die historische Atmosphäre erhalten geblieben ist. Die schmalen Gassen sind von traditionellen chinesischen Geschäftshäusern mit geschwungenen Schindeldächern, historischen Versammlungshallen chinesischer Clans, reich verzierten Tempeln und Pagoden und unzähligen Geschäften gesäumt.

    Der oberflächliche Besuch der historischen Altstadt ist mühelos an einem Tag zu schaffen, für Japaner sogar in zwei Stunden. Das Interesse an Details, Häuser-Innenbesichtigungen und auch der Cua-Dai-Strand vor den Toren des Städtchens, laden zum Verweilen ein. Einmal mehr haben wir uns bei Beer and Peanuts und schussbereiter Kamera gemütlich hingesetzt und auf Dinge gewartet, die da kommen sollten. Im Schneiderladen nebenan, probiert eine dicke Touristin schweissglasiert bei 35° im Schatten einen Wollanzug.

    Die Pflasterstrasse hinab gleiten schöne Gestalten in weissen Seidenhosen, langen enganliegenden Sakkos mit dunkelblauem Muster, seitlich bis zum Oberschenkel hinauf aufgeschlitzt. Eine nachfolgende Elfe im hautengen Ao Dai, rauscht lautlos und erhobenen Hauptes auf einem Fahrrad durch die Gassen. Im Gegensatz zu weissen Touristinnen, bewegen sich asiatische Frauen nicht durch die Gegend, als wären sie auf einem Hockeyfeld. Soweit mir aufgefallen ist, gibt es im Westen eine beträchtliche Anzahl von weiblichen Wesen, denen diese Vorzüge fehlen.
    Ich betrachte die Mädchen mit einem Heimwehgefühl, das ich dereinst empfinden werde, wenn ich diesen schönen Flecken wieder verlassen muss. Vielliebchen ist ebenfalls sichtlich beindruckt. Es ist so schön hier, wir wollen nicht mehr nach Hause zurück. Doch bald erreicht uns wieder die Realität. Leider sind wir dreihundert Jahre zu spät.

    In Hoi An darf der Begriff Sehenswürdigkeiten-Bummel wortwörtlich genommen werden. Wir bummeln weiter. Der Ort am Thu Bon Fluss hat sich im Verlaufe weniger Jahre zu einem Touristenmagnet entwickelt. Restaurant, Bars, Schneiderläder, Souvenirshops reihen sich aneinander. Kein Reisender lässt die Japanische Brücke aus. Dieses heutige Top-Wahrzeichen, wurde Ende des 16. Jahrhunderts gebaut um die japanische Siedlung mit dem chinesischen Viertel auf der anderen Seite des Flussufers zu verbinden. Leider versandete der Thu Bon-Fluss und die Stadt verlor den Zugang zum Meer. Wahrscheinlich wieder ein Fall von fehlender Maintenance. Schon damals hätte man den Fluss manuell entsanden können. Wenn man aber zu lange wartet ...Mhhh Als im 19. Jahrhundert immer tiefer gehende Segelschiffe gebaut wurden, hatte diese Stadt keine Zukunft mehr.

    Während der französischen Kolonialzeit wurde das nördlich liegende Danang zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum ausgebaut, und erlebte deswegen einen besonders grossen Aufschwung, während das weiter südlich gelegene Hoi An, in einem regelrechten Dornröschenschlaf versank. Der Bau der Eisenbahn an Hoi An vorbei, versetzte der Stadt den endgültigen Todesstoss. Hoi An hat sich in der Zeit danach nie wieder wirtschaftlich erholen können. Erst der einsetzende Tourismus nach Ende des Vietnamkrieges eröffnete der Stadt eine neue, echte Chance.

    Lucy heisst die reife Dame an unserem Nebentisch. Sie stammt aus Victoria in Südaustralien und scheint das vietnamesische Bier genauso gerne zu trinken wie wir. Wir sitzen in einem Terrassenlokal in der Nähe der Japanischen Brücke und kommen ins Gespräch.

    Herrgott, was das alleinreisende Insider-Weib alles zu berichten weiss. Sie ist alleinstehend, hat eine erwachsene Tochter und ihren Gatten hat sie schon vor vielen Jahren in die Wüste geschickt. Lange hat sie gespart, zusätzlich von ihrer Tochter noch Geld geborgt und erfüllt sich nun den Wunsch ihres Lebens – eine Überlandreise auf eigene Faust von Thailand nach Kambodscha, Vietnam und China. Sie hat wenig Reiseerfahrung, dafür umso mehr Selbstvertrauen und – sie ist nicht blöd. Ihre Reise ist eine einmalige Angelegenheit und sie wird in ihr bisheriges, wenig ereignisreiches Leben zurückkehren und von den Erlebnissen zehren.
    Lucy geht auf Leute zu und zieht die Erlebnisse direkt an. Ihren ganzen Trip hat sie auf dem Laptop selber gebucht. Für Hoi An hat sie drei Nächte eingeplant. Das Hotel hat sie mit seiner Ausschreibung im Internet beschissen. Der vermeintliche dazugehörige Pool gab es nicht und sie musste in ein Partnerhotel schwimmen gehen. Das vermeintliche Foto im Web war auch von dort. Wer will denn schon in Schwimmmontur und umgehängtem Badetuch zehn Minuten in ein anderes Hotel laufen? Nun ist sie ausgezogen und hat das Hotel gewechselt. Solche Probleme sind in Asien an der Tagesordnung. Der Asiate betrügt von morgens früh bis abends spät. Über Indien gibt es sogar ein bekanntes Sprichwort das besagt Er lügt wie ein Bengale. Überall im Tourismus wird viel beschönigt und zu vorteilhafte Bilder ins Web gestellt, die nicht den effektiven Gegebenheiten entsprechen (Wie bei den Politikern
    J
    ). Darum sind Informationen im Web, unter anderem auch die gekauften Hotelbewertungen, mit Vorsicht zu geniessen. Immer wieder ist es wertvoll, sich mit Reisenden unterwegs auszutauschen und Informationen direkt an der Quelle abzuholen. Nach einem Trecking in Sapa wird Lucy durch die Volksrepublik China reisen, Kunming, Xian, Beijing und Shanghai besuchen und von dort nach Down Under zurückkehren. Chapeau! Ich schätze die unabhängige Frau auf Ü60, ihren Geist auf Dreissig. Möge sie die Reise ihres Lebens erfolgreich beenden.

    Tunnel unter dem Wolkenpass
    So hundertprozentig will die Völkerverständigung hier noch nicht funktionieren. Es braucht Zeit und Nerven, bis wir dem Rezeptionisten, dem Portier und dem Taxifahrer – genau in dieser Reihenfolge - am Morgen verständlich machen können, dass wir zur Intercity Busstation gefahren werden möchten, um von dort den Bus nach Hue zu besteigen. Eigentlich liegt der Busbahnhof in Danag nur 2 – 3 Km vom Hotel entfernt, doch die Fahrt dauerte eindeutig länger. Schlussendlich stoppt der Taxidriver vor einem im Schritttempo fahrenden Bus, zeigte auf das Fahrzeug und sagt: "Hue“. Wir können zu seinem Vorschlag nichts einwenden, denn schon hat der Busschaffner den Kofferraum geöffnet, unser Gepäck geschnappt und im wahrsten Sinn des Wortes, in den Laderaum geworfen.

    Wir machten auf gute Miene und suchen uns einen Platz im halbvollen Bus. Mit meiner Körpergrösse kann ich nirgendwo normal sitzen und muss mich zum Gang hin drehen, um die Beine zu verstauen. Ich mag Musik sehr und kann auch laut und falsch singen. Eigentlich wurde die Kriegsfolter ja längstens abgeschafft. Was dann aber folgt, ist die reinste Tortur. Auf Lautstärke Weltuntergang gestellt, läuft eine vietnamesische Arie über den Monitor, die eine Verständigung unter den Fahrgästen unmöglich macht. Nur hörgeschädigte Personen können sich aufgrund der Lautstärke der dargebotenen Musik sauwohl fühlen, es sei denn, sie schalten ihre Hörgeräte an. Ich konnte mich mit Vielliebchen nur noch mit Zeichen verständigen. Beim nächsten längeren Vietnamaufenthalt, müsste ich vorher noch unbedingt die Taubstummensprache erlernen. Das alles haben wir uns selber zu verdanken, weil der Touristenbus – er kostet wenig mehr - erst am späten Nachmittag abfährt und wir den Tag besser ausnützen wollen.

    Bis zum Stadtrand fährt der Bus im Schritttempo weiter und die Schaffnerin hält nach weiteren Passagieren Ausschau. Doch wenigstens rollen wir, und das ist die Hauptsache. Ich erinnerte mich wieder an das vermeintlich unhaltbare Angebot des Taxifahrers, der uns für US $ 60 einen Special Ride nach Hue angeboten hat. Anbetracht meines zunehmenden Deformationsgrades – die Thrombosen lassen grüssen -, scheint mir dieser horrende Betrag plötzlich gar nicht mehr so unerträglich hoch. Da haben wir doch schon Geld für Dümmeres auf den Putz gehauen. Doch der Mensch gewöhnt sich an alles. Wer zwischen Danag und Hue mit der Eisenbahn unterwegs ist, der schiebt sich in langsamen Tempo bei schöner Aussicht über den Hai Van Pass, auch Sea Cload- oder Wolkenpass genannt. In der Winterzeit bilden die Berge eine Wetterscheide. Im Norden ist es kühler und subtropisch, im Süden tropisch warm. Während des Vietnamkrieges war der Übergang ein wichtiger strategischer Punkt. Bunkerbauten zeugen noch von dieser Zeit her.

    Dieses Mal bin ich aber mit dem Bus unterwegs und er nimmt die Abkürzung durch den neuen Tunnel. Mir ist unerklärlich, weshalb Motorradfahrer den Durchgang nicht benutzen und lebende Tiere nicht hindurch transportiert werden dürfen. Da kommt die Schaffnerin vorbei und alle Fenster im Bus werden geschlossen. Bald tun wir es den einheimischen Passagieren gleich, die sich Taschentücher vor Nase und Mund halten. Mit brummendem Schädel und einer halben Kohlenmonoxid-Vergiftung erreichen wir nach zwanzig Minuten das Tunnelende. Nun wissen wir Bescheid. Wozu braucht's denn eine Tunnelbelüftung, wenn es auch so geht.

    Nach 2 ½ Stunden Gesamtfahrzeit, biegen wir in die Einfahrt des Busterminals von Hue. Der im Jahre 2007 eröffnete Tunnel unter dem Wolkenpass, verkürzt die Fahrzeit um eine Stunde. Die Fahrt von Danag nach Hue ist landschaftlich interessant; sie führte entlang der Küste über Hügel und Ebenen bei meist schöner Aussicht. Wer noch nie über den Wolkenpass gefahren ist, sollte die Route über den Berg wählen. Im Thai Binh Hotel 2, finden wir für US $ 25. —pro Nacht ein echtes Schnäppchen. Die Aussicht vom 7. Stockwerk über Hue ist überwältigend. In der Ferne sehe ich die rote Fahne mit gelbem Stern über der Zitadelle wehen. Das Zimmer ist geräumig, verfügt über AC, WiFi, eine eigene PC-Station und nebst einem Breitbild-TV sogar einen DVD-Player. Wir sichten mitgebrachte piratisierte DVDs über den letzten Krieg und bereiten uns auf die DMZ-Tour vor. Pitcairn






     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29.03.2015
  2. Rauhnacht

    Rauhnacht Kuya

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  3. TButton

    TButton Rookie

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    ...da würde ich ja am liebsten sofort den Rucksack packen , und die Tour angehen..noch ist ja nicht aller Tage
    Abend ...