Das, was ich von Paraguay gesehen habe war jetzt nicht wirklich überzeugend. Ich bin gespannt, ob Die Mannschaft richtig eingestellt in dieses Spiel geht.
Und natürlich bin ich gespannt, ob der Bundestrainer etwas an der Aufstellung anpasst.
Ich glaube nicht, dass Nagelsmann die Startelf verändern wird!
Aus meiner Sicht wäre das auch nicht sinnvoll.
Gerade in der Defensive fehlt es noch an Automatismen.
Jede personelle Veränderung könnte dazu führen, dass die ohnehin nicht gefestigte Abwehr noch unsicherer wird.
Ich hatte bereits vor dem Spiel gegen Ecuador darauf hingewiesen, dass das Zusammenspiel der Mannschaft noch deutliches Entwicklungspotenzial hat.
Das letzte Gruppenspiel wurde aus meiner Sicht bewusst genutzt, um insbesondere das Defensivverhalten und die Abstimmung in der Viererkette weiter zu verbessern.
Dass dies notwendig war, hat das Spiel eindrucksvoll gezeigt.
Die Defizite waren sogar noch größer, als ich sie erwartet hatte.
Warum solche grundlegenden Abläufe erst während einer Weltmeisterschaft einstudiert werden müssen, bleibt mit allerdings ein Rätsel.
Insbesondere dann, wenn der Trainerstab dafür fast zwei Jahre Zeit hatte?
Ich kann mich jedenfalls an keine deutsche Nationalmannschaft bei einer WM erinnern, deren Defensivverhalten derart instabil wirkte.
Und auch wenn ich mit dieser Einschätzung bei einigen anecken werde, spreche ich Manuel Neuer von der Schuld an den beiden Gegentoren weitgehend frei.
Ich weiß aus den bisherigen Diskussionen, dass mich einige deshalb für inkompetent halten werden.
Das ist ihr gutes Recht.
Allerdings habe ich 36 Jahre lang nahezu täglich einen Ball am Fuß gehabt.
Fußball war der größte Teil meines Lebens.
Deshalb beurteile ich solche Situationen nicht nur anhand der Fernsehbilder, sondern auch aus eigener Erfahrung auf dem Platz.
Gerade beim Torwart wird oft vorschnell geurteilt. Sobald der Ball im Netz zappelt, ist der Keeper der Schuldige.
Dass ihm die eigene Abwehr einmal die Sicht und einmal den Weg zum Ball versperrt hat, wird dabei häufig übersehen.
Wenn ein Torhüter durch die eigenen Mitspieler blockiert wird, ist ein Ball schlicht unhaltbar.
Manche scheitern allerdings bereits an der richtigen Spielbeobachtung.
Unabhängig davon gehe ich davon aus, dass dieselbe Mannschaft am Montag ein völlig anderes Gesicht zeigen wird.
Nicht wegen anderer Spieler, sondern weil sie taktisch anders eingestellt sein wird.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass anschließend wieder von der klassischen deutschen Turniermannschaft gesprochen wird, die sich von Spiel zu Spiel steigert.
Was mir allerdings weiterhin fehlt, ist ein echter Regisseur im Mittelfeld.
Ich weiß, die Zeiten von Günter Netzer oder Wolfgang Overath sind längst vorbei und der moderne Fußball stellt andere Anforderungen.
Trotzdem braucht jede Mannschaft einen Spieler, an dem sich die anderen aufrichten können.
Jemanden, der das Spiel lenkt, Verantwortung übernimmt und seine Mitspieler mitreißt.
Ich habe den bis dato - bei der Deutschen Elf - nicht gefunden?
Außerdem würde ich mir wünschen, dass Deutschland häufiger aus der zweiten Reihe den Abschluss sucht.
Selbst wenn ein Schuss einmal deutlich am Tor vorbeigeht, zwingt das den Gegner dazu, sich auf mehr als nur das Kombinationsspiel bis in den Strafraum einzustellen.
Das macht eine Mannschaft deutlich schwerer auszurechnen.
Wirtz und Musiala verfügen über die technischen Fähigkeiten, sowohl mit präzisen Pässen als auch mit Distanzschüssen Akzente zu setzen.
Dieses ständige "Klein-Klein" durch die Mitte wirkt auf mich oft zu vorhersehbar.
Mit mehr Mut zu Fernschüssen und schnellen Verlagerungen würde das deutsche Spiel deutlich variabler und somit gefährlicher werden.
Unterm Strich überwiegt bei mir der Optimismus.
Die Qualität ist vorhanden.
Wenn die Mannschaft ihre Defensivprobleme in den Griff bekommt und offensiv variabler agiert, steht einem erfolgreichen Turnierverlauf nur Frankreich im Wege.
Freuen wir uns auf ein gutes Spiel und hoffentlich den Einzug ins Achtelfinale.