Tag 18
Weiter geht's;: Pim hatte also dem Personal jedem seine 1k Baht Trinkgeld gegeben und kam wieder zur Liege zurück. Ich hatte die Szene von Weitem beobachtet. Das hatte sie wirklich gut und unauffällig gemacht, so wie ich es ihr gesagt hatte. Und das Personal war auch wirklich sehr respektvoll ihr gegenüber. So hat mir das gefallen.
Ich Trottel habe mir doch wirklich eingebildet, die denken, dass sie meine Frau oder wenigstens meine Verlobte ist. Aber die werden schon ganz genau gewusst haben, was sie ist. Die sehen das ja tagaus, tagein, über Jahre hinweg. Die wissen ganz genau, was los ist.
Auch die Zimmerfrau wusste es mit Sicherheit, obwohl sie immer gütig mit mir gelächelt hat. Ich hatte ihr ja gesagt: „Ich kann nicht alle retten. Aber eine kann ich retten – und werde sie retten.“ Und ich denke, ihrem Verhalten mir gegenüber nach zu urteilen, hatte sie mir das auch geglaubt und es mir angerechnet.
Pim lag auf ihrer Liege, und ich habe mich – wie meistens – zu ihr rüber zwischen ihre Beine gelegt, mit dem Kopf auf ihren Bauch. Sie hat mir dann immer mit ihren Nägeln den Kopf gekrault. Da vergeh ich… Es gibt nichts Schöneres für mich.
Ich habe dann angefangen, ihr von meinen Überlegungen in der Nacht zu erzählen. Das Erste war, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, die Therapie abzubrechen und ganz zu ihr nach Thailand zu kommen und mich auf ihre Kräuter zu verlassen. Ich hatte in der Zwischenzeit eine Menge darüber gelesen. Irgendwie ist da schon was dran, denke ich. Die Asiaten sind ja auch nicht blöd. Und ihre Kräuterheilkunde und Akupunktur usw. sind ja schon Jahrtausende alt. Während wir im Westen noch in Höhlen gewohnt haben, haben die das schon praktiziert.
Sie hat es sehr positiv aufgenommen und gesagt, wenn ich das mache, wird sie alles dafür tun, dass ich wieder gesund werde. Und sie kennt auch einige Leute, die sich damit richtig gut auskennen. So eine Art Medizinmänner halt.
Okay, ich habe gesagt, ich warte die nächste Chemotherapie und das Gespräch mit dem Professor ab, und dann sehen wir weiter.
Mein zweites Anliegen war ihre Wohnung. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht will, dass sie weiterhin so lebt. Das ist kein Zustand. Wir werden uns morgen ein paar Wohnungen ansehen und dann eine schöne für sie mieten. Da standen ihr wieder die Tränen in den Augen, und sie sagte: „Willst du das wirklich für mich tun, Tilak?“
Ja, na klar will ich das für dich tun. Du bist meine Frau, und du bist für mich sehr wertvoll. Außer meinem Sohn bist du alles, was ich auf der Welt habe.
Sie hat meinen Kopf an ihren Bauch gedrückt und gesagt: „Thank you, my Tilak.“ Also Punkt zwei war auch erledigt.
Dann kam noch der letzte Punkt. Ich habe ihr gesagt, dass sie von mir jeden Monat 50k Baht zum Leben bekommt – immer am 1. des Monats. Aber nur unter der Bedingung, dass sie nicht komplett aufhört zu arbeiten und den ganzen lieben langen Tag nur herumgammelt. Sie kann weniger arbeiten und auch nicht mehr jeden Tag, wenn sie will – aber weiterhin arbeiten. Bis ich dann wieder da bin. Ab dann ist sie nur noch für mich da und muss nicht mehr arbeiten gehen. Ich bin dann Arbeit genug für sie.
Sie hat gelacht und sich sehr gefreut. Sie hat gesagt, noch niemals in ihrem Leben hätte ein Mann so etwas alles für sie getan. Und sie hätte sich niemals träumen lassen, dass es jemals so einen Mann für sie geben würde.
Mich geküsst und bedankt und geküsst und bedankt.
Ich habe zu ihr dann gesagt, was ich ihr schon einmal gesagt hatte:
„Bedanke dich nicht bei mir. Bedanke dich bei dir selbst, dass du so ein guter Mensch bist und so ein großes Herz hast.“ Punkt 3 war also somit auch abgehakt und erledigt.
Ich fühlte mich richtig gut, und sie sich auch.
Das Leben kann doch eigentlich so schön und einfach sein. Man muss halt nur dabei sein.
Fortsetzung folgt