Real Story Eine kleine Geschichte aus Gambia

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14.11.2014
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Die Geschichte dreht sich um einen Hotelbesitzer, den ich bei meinem ersten Besuch in Gambia, genauer in Brusubi kennengelernt habe. Er hat mir ein paar Geschichten erzählt, Tipps gegeben, und ich habe ein paar Sachen bei und mit ihm erlebt.

Um Mädels geht's hier kaum, um poppen schon gar nicht, soviel vorweg.

Zu dieser Zeit, nach meinen Aufzeichnungen bei flugstatistik.de war das Ende 2006, hatte ich von einem Holländer ein kleines Haus in Brusubi gemietet. In der Nähe, an der Küstenstraße unweit des Turntable, gab es ein kleines Hotel mit Restaurant, wo ich fast immer zum späten Frühstück aufgeschlagen bin.
So beim 3. oder 4. Mal kam ein relativ junger Schwarzer zu mir an den Tisch und stellte sich vor: David, er sei der Besitzer des Hotels. Weil ich was nettes sagen wollte, meinte ich, er hätte ein schönes Anwesen hier. Das freute ihn offensichtlich, und er bot an, mir das Hotel zu zeigen.

Bei dem Rundgang kam er auch auf's Personal zu sprechen, und dass das echt schwierig sei, was gescheites zu finden. Er hätte jetzt schon ein paar Jahre keinen Urlaub mehr gemacht, weil er niemandem die Verantwortung für den Betrieb überlassen könnte.
Bei der Gelegenheit fragte ich ihn: "David, how come you have a British Accent?" Mir war sein fast schon Oxford English aufgefallen, ganz anders als bei den anderen 'Eingeborenen' (hüstel).
Seine Antwort: "I am British!"
Ups! Wie soll man auch auf die Idee kommen, wenn man mitten in Schwarzafrika einem Schwarzen begegnet, mit dem man zwar ortsüblich englisch spricht, und der ansonsten aussieht wie alle anderen dort, dass der dann aber kein Einheimischer sein soll?!

Na ja, er hat es mir nicht übel genommen und weiter erzählt.

Eine Tages fand er einen jungen Gambier, der einen wirklich guten Eindruck machte. Zuverlässig, fleissig, nicht dumm, und David plante, ihn zu seinem Stellvertreter zu machen. So eine Art kleiner Geschäftsführer zur eigenen Entlastung. Dazu schickte er ihn sogar 2 Jahre auf eigene Kosten nach England auf eine Hotelfachschule.
Anschließend, nachdem der junge Mann alles Nötige gelernt hatte, konnte David mit seiner Familie endlich mal wieder die alte Heimat besuchen.
Nach seiner Rückkehr stellte er fest, dass sein Vertreter fleissig in die Kasse gegriffen hatte. Rausschmiss und alles wieder auf null..

Schöne Geschichte, so mitten aus dem afrikanischen Leben.

Ok, nicht ganz wie am Ende von 'Casablanca', aber David und ich haben uns ein bisschen angefreundet, und deshalb geht's hier demnächst weiter.
 
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Vor meinem Erstbesuch hatte ich mich natürlich etwas über Gambia eingelesen, und nicht nur über die Mädels. ;-)
Ich wusste also, dass es ein ziemlich armes Land ist. Und weil ich in meinem Koffer noch Platz und Gewicht übrig hatte, war ich vor dem Abflug hier noch etwas einkaufen gewesen. Ich hatte gelesen, dass auch Schulsachen dort immer knapp sind, also hatte ich eine Plastiktüte voll gemacht mit Schreib- und Malheften, Kreide, Stifte, Radiergummis, Lineale, ... Was man an einer Grundschule so braucht.

Mit David hatte ich ja nun jemanden, der sich vor Ort auskannte. So fragte ich ihn, ob er eine Schule kennt, die so etwas gebrauchen kann. Er kannte nicht nur, er fuhr mich auch hin. Eine kleine Schule, mitten in einem Wohngebiet abseits des Touristenrummels. Keine Ahnung, wo das genau war.
Wir wurden von der Direktorin empfangen, und ich übergab ihr die Sachen. Sie bedankte sich und brachte mich dann zu den Klassenräumen. Ich hatte keinen Plan gehabt, wie das Ganze vor sich gehen würde, aber das war eine nette Idee. Von den Klassen gab es genau drei Stück. Eine für die ganz kleinen, eine für die mittleren, und eine für die etwas älteren Schüler. Grundschule eben.

Ich wurde in jeder Klasse vorgestellt, alle waren ziemlich überfüllt mit mehreren Kindern an jedem Tisch. Man konnte sehen, dass das tatsächlich keine Privatschule für die besser gestellten war. Dort war ich richtig. Zur Begrüßung und als Dankeschön bekam ich ein kleines Lied von jeder Klasse gesungen. Das war total süß, und ich fühlte mich ziemlich gut wegen der Aktion. Gleichzeitig dachte ich, ich hätte ruhig noch etwas mehr mitbringen können. Ein bisschen Geld habe ich auch noch dagelassen, in der Hoffnung, dass es den richtigen zugute kommt.
 
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Ein bisschen Sightseeing wollte ich schon auch machen. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich mit einem Boot raus auf den Gambia River fahren könnte. Der sieht schon auf der Karte so riesig aus, gleich oberhalb der Mündung bei Banjul mehrere km breit. Aber nirgendwo fand ich ein entsprechendes Angebot.

Kleiner Einschub: Bei meinem 3. Besuch hat das dann immerhin so ähnlich geklappt. Ich bin mit meiner damaligen SLT Baratou, die hatte ich hier schon mal irgendwo erwähnt, mit der Fähre rüber nach Barra gefahren. Danach weiter zum Familienbesuch irgendwo auf der anderen Seite, am Abend zurück. Das war lustig dort. Weniger lustig, mehr abenteuerlich war die Überfahrt. Die Autofähre war ein klappriger alter Kahn, beladen bis zum Anschlag. Die Strecke, etwa 5 km direkt an der Flussmündung, war wie mitten auf dem Atlantik, mit entsprechendem Seegang. Also für eine Landratte wie mich jedenfalls. Dort ein Motorschaden und gute Nacht Marie. Da findet man dich nie wieder.

Aber zurück. Auch da hatte David einen Vorschlag. Eine Tour zur Lamin Lodge mit Bootsfahrt zwischen den Mangrovenwäldern. Die Lodge war/ist ein ziemlich rustikaler Pfahlbau direkt an einem brackigen Nebenarm des Flusses. Im Netz gibt's etliche Fotos davon.
Er wollte mich fahren, und anders als bei dem Schulbesuch haben wir einen bescheidenen Obolus für seine Dienste ausgemacht. Er war schließlich Geschäftsmann und es war auch ein Stück zu fahren.

Als ich bei ihm ankam, saßen auf der Rückbank von seinem alten Baby-Benz zu meinem Erstaunen 2 Mädels, die er mir als Zimmermädchen seines Hotels vorstellte. - Ähh, ok, wenn's der Völkerverständigung dient.
Wir fuhren dann zu viert direkt zur Lodge. Der Besitzer sollte ein Deutscher sein. Aha. Erst auf guten Straßen, das letzte Stück ein ziemlich staubiger Feldweg. Aber kein Problem für seinen 190er. Der scheint dort ziemlich beliebt zu sein, habe ich öfter gesehen.

Kurz vor der Lodge kam plötzlich ein sandfarbener VW Kübelwagen aus einem Seitenweg und setzte sich direkt vor uns. Der sah aus, als hätte Rommel ihn seinerzeit in Afrika zurückgelassen. Auf das Heckblech hatte der Besitzer in rot und auf deutsch gemalt:
4 x 4 ist für Feiglinge
Wer da wohl drin saß? Ich habe das für David übersetzt, aber er fand es nur mäßig lustig.

In der Lodge haben wir erst etwas getrunken, und uns dann mit einer Piroge zwischen den Mangroven herumschippern lassen. Wenn man sowas noch nie gesehen hat, kann man das mal machen, aber aufregend ist anders.
Preise weiß ich nicht mehr, war aber nicht teuer.

Ach, da war ja noch was. Auch wenn David vielleicht im Sinn hatte, dass ich mir eine von unseren Begleiterinnen anlachen würde, wofür auch immer, daraus wurde nichts. Eine kurze Unterhaltung mit den Mädels in der Lodge hätte es für meine Entscheidungsfindung gar nicht gebraucht. Ich hatte auch vorher im Auto schon gesehen und entschieden, dass keine der beiden für meines Vaters Sohn interessant wäre. Sorry.
 
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Außer morgens habe ich bei David auch mal zu Abend gegessen, wenn ich nicht gerade am Strip war. So bin ich eines Abends so um 9 (?) bei ihm eingelaufen. Auf der Terrasse war ein großer Tisch besetzt mit einer recht gemischten Gesellschaft. Als David mich sah, hat er mich dazu gewinkt. Ich sagte, dass ich nicht stören will und nur etwas zu essen suche. Kein Problem, es wurde noch ein Stuhl dazugestellt, und etwas von dem Curry, das seine Tante gemacht hatte, war auch noch übrig. Die Tante war aus Indien und kümmerte sich ums Restaurant.

Die Gesellschaft war interessant. Da waren 2 Dänen, die im Hotel wohnten. Die wollten vielleicht in Gambia eine Eisfabrik eröffnen. Aber kein Speiseeis. Von Gambia aus gibt/gab es wohl öfter Bootstouren zum Hochseefischen, und die brauchen wohl immer Eis, um den Fang zu kühlen. Ich fand das als Geschäftsidee, zumal in so einem Land, sagen wir mal - gewagt. Hab aber meine Klappe gehalten, was geht mich das an.
Neben weiteren Einheimischen waren da noch 2 ganz spezielle. Da war einmal der Chef der Gambia Ports Authority, also der Hafenbehörde. Er trug ein etwas vornehm wirkendes langes afrikanisches Gewand mit so einer Art Fes, also ein arabischer Bommelhut.
Der andere war der Marinechef von Gambia, also quasi ein Admiral. Später habe ich mal gehört, dass die gambische Marine aus einem alten Kanonenboot aus England bestehen soll..
Sei's drum. Beide waren direkt dem Präsidenten unterstellt. Ich kann also sagen, dass ich mit Mitgliedern der Regierung an einem Tisch gesessen habe, haha.

Einige Julbrew später wurde es noch etwas politisch. Es gab eine Diskussion über die Entwicklung Afrikas und das Verhältnis zu Europa. Naheliegend bei 4 Europäern am Tisch, wenn man GB mal großzügig zu Europa zählen will. :bae:
Auch da habe ich mich vornehm zurückgehalten, und mich auf ein paar freundliche Anmerkungen beschränkt.

Apropos Präsident: Yahya Jammeh damals muss eine ziemliche Knalltüte gewesen sein, oder er hat direkt am Bananenhandel mitverdient. Man sagt von ihm, er hätte seiner Bevölkerung geraten, gegen AIDS und andere Krankheiten möglichst viele Bananen zu essen, das würde helfen.
Vielleicht wusste er aber auch etwas, das andere nicht wissen..
 
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Mit den Geschichten rund um David bin ich durch. Aber es gab noch 1 - 2 Gelegenheiten, wo ich dem Präsidenten selbst relativ nahe gekommen bin. Wenn es keinen Protest gibt, könnte ich dazu noch was schreiben.
 
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Ich bin dem Präsidenten auch relativ Nahe gekommen. 🤦
Ich sass im Taxi, Strasse gesperrt...
Er in einem der vielen schwarzen Karossen die an uns vorbei gerauscht sind. 🙃

Super Stories von dir 👍
Danke.

Witzig, genau das ist mir auch einmal passiert. Ich war im Taxi auf der Küstenstraße unterwegs zum Supermarkt, etwas fürs Frühstück einkaufen. Damals wohnte ich bei einem Deutschen zu Hause, der eine Kneipe in Kerr Serign hatte. (*)
Zuerst kam ein Jeep oder sowas mit viel Radau auf dem Dach. Danach sind alle Autos sofort von der Straße runter gefahren. Dann dauerte es bestimmt noch 15 - 20 min, bis die Wagenkolonne des Präsidenten vorbei kam, dann durften alle weiterfahren.

Die andere Gelegenheit war, als ich mit Baratou am Strip abends zum Essen war. Das war da an der Ecke, wo jetzt lt. Google Maps das Hard Rock Café ist. Früher war das ein libanesisches Restaurant, Ali Baba?? Dort war die ganze Zeit der Teufel los, mit Polizei und Militär auf der Straße, die zu den Hotels am Meer runter führt.
Der Präsident, also Yahya Jammeh, sollte dort angeblich zu einer Konferenz mit mehreren westafrikanischen Staatschefs ins Hotel Kairaba eingeladen haben. Das war damals wohl das Tophotel dort. Deshalb also der ganze Aufriss.

Nach dem Essen dachte ich mir, das schaue ich mir doch mal aus der Nähe an. Die Straße war nicht gesperrt, trotz der vielen Uniformträger überall. Als ich mit meiner Maus an der Hand an einem der Jeeps vorbei ging, hat mir der Typ da drin sogar den Daumen hoch gezeigt. Ich dachte, die sind ja locker drauf. Daraufhin habe ich mal einen der Soldaten angequatscht, der auf der Pritsche eines Pick-Ups neben einem schweren MG stand. Er war zwar nicht sehr gesprächig, aber auch nicht unfreundlich.

Am Eingang vom Kairaba, nachdem das bisher so gut gelaufen war, dachte ich, Frechheit siegt, und wir sind da einfach durch marschiert. Den Uniformierten am Tor kurz zugenickt, das war's. Sieht man mir ja nicht an der Nasenspitze an, ob ich da Gast bin oder nicht. Gleich dahinter war ein großes flaches Gebäude. Eine Tür stand offen, und im Licht da drinnen konnte man eine größere Ansammlung von Menschen sitzen sehen. Das musste die Konferenz sein. Also frech auf die Tür zugesteuert, da wurden wir aber von einem Offizier angehalten. Er war ganz höflich, aber klare Ansage, wir dürften da nicht rein. Ok, bis dahin also und nicht weiter.
Immerhin hat er mir bestätigt, dass der Präsident und seine Gäste da drinnen waren. So konnte ich wenigstens von draußen mal einen Blick auf die Bande erlauchte Gesellschaft werfen.


*) Zu dem könnte ich auch noch etwas schreiben, er hat mir u. a. eine irre Geschichte aus seinem Leben erzählt.
 
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Also dann noch etwas zu Bernd, dem deutschen Expat, den ich in seiner Kneipe kennengelernt habe. Das muss 2007/2008 gewesen sein. Er betrieb zusammen mit seiner Frau 'Rosie's 777', ein kleines Restaurant mit Bar in Kerr Serign, auf der Landseite der Küstenstraße. Dort war ich mehr oder weniger zufällig gelandet, einige Blocks entfernt vom Strip. Ich war spät abends in meinem Appartment angekommen, rundherum alles ziemlich dunkel, nur die Straße runter noch Licht.
Ein Treffpunkt vor allem für europäische Expats. Normale Touristen verirrten sich wohl eher selten dahin. Ich fand's dort ganz angenehm, das Essen war ok, und man fand jemanden zum quatschen. Vor allem freitagabends brummte der Laden. Da gab es den 'Friday Special', ein günstiges Hauptgericht wie Hühnchen mit Pommes für 90 Dalasi. Da waren damals keine 3 Euro.

Mit Bernd habe ich mich ein paar Mal unterhalten, und für meinen nächsten Besuch schlug er mir vor, bei ihm zu wohnen. Er hatte ein 180 qm Appartment um die Ecke, ein Zimmer dauervermietet, eins war noch frei. Das habe ich dann gemacht, für 10 € die Nacht mit Familienanschluss.

Bei einer dieser Gelegenheiten, ich glaube nach dem Frühstück, hat er mir dann etwas von seiner Lebensgeschichte erzählt. Ziemlich irre und man muss auch nicht alles glauben, aber immerhin unterhaltsam.

Bernds Familie kam soweit ich weiß aus der Nähe von Trier. Irgendwie hatte es ihn zur französischen Fremdenlegion verschlagen. Auch keine übliche Lebensplanung, da muss schon irgendetwas schräg gelaufen sein.
Seine Einheit war in Nordafrika eingesetzt, hab vergessen wo. Eines Tages wurde ein Trupp unter Führung eines Offiziers in ein Dorf geschickt, wo sich angeblich irgendwelche Rebellen/Terroristen aufhalten sollten. Auftrag: Säuberung.
Im Dorf war aber keiner mehr, nur eine alte Frau und ein kleines Kind. Der Offizier befahl deren Liquidierung. Dadurch kam es zu Streitigkeiten zwischen dem und seinen Leuten, die das nicht wollten. Die Sache eskalierte soweit, dass Bernd den Offizier im Streit erschossen hat. Die Gruppe hat ihn erstmal gedeckt, aber musste dadurch natürlich fliehen.

In Frankreich wurde er deshalb zum Tode verureilt, und er konnte natürlich nicht zurück nach Europa. Später heiratete er eine Französin - oder war er damals schon mit der verheiratet? Ich weiß nicht mehr. Deren Familie hatte einigen Einfluss in Frankreich, und nach Jahren wurde er schließlich rehabilitiert. Dadurch konnte er schließlich wieder nach Hause zurück.

Soweit die Geschichte. Wie gesagt, davon kann jeder halten, was er will. Aber bei einem Kaffee am Frühstückstisch irgendwo in Afrika ganz lustig.
 
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Später kam Bernd dann wieder als Expat nach Gambia. Dort traf er auch seine neue Frau, Rosie, Afrikanerin. Die war eigentlich ganz umgänglich, aber bei denen zu Hause habe ich auch die andere Seite der Mädels kennengelernt.

Ich saß mit Bernd im Wohnzimmer. Außer Rosie war noch die Freundin des anderen Deutschen anwesend, der das dauervermietete Zimmer hatte. Er Reporter und immer lange beruflich unterwegs, so auch zu der Zeit, sie auch eine Einheimische.
Es gab eine Diskussion zwischen Rosie und der anderen, irgendwas mit Wäschewaschen oder etwas ähnlich trivialem. Das ganze eskalierte dann aber, und zwar dermaßen wie ich es live noch nie erlebt hatte.
Die Diskussion wurde immer lauter und heftiger, und schließlich schrien die beiden sich minutenlang so an, dass ich das schlimmste befürchtete. Es blieb dann zum Glück bei Worten. Die beiden waren aber wie Löwinnen, die sich im Stehen anbrüllen, und man zeitweise befürchten musste, dass sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen.

Bernd hielt sich da komplett raus, ich sowieso. Wir saßen ganz still, und haben uns nicht mal getraut, zum Kaffee oder der Zigarette zu greifen, bis die beiden sich wieder eingekriegt hatten. Atmen ging gerade so. So ähnlich wie wenn man im Busch ganz ruhig hinter einem Baum hockt, und hofft, dass die Raubtiere davor nicht auf einen aufmerksam werden.

Ein anderes Mal erzählte Bernd mir von einem Nebenverdienst, den er sich durch seine Besuche zu Hause in Deutschland verschaffte. Dort kaufte er 2 oder 3 ausrangierte kleine Fensterbusse, die aber noch fuhren. In Gambia waren die als Buschtaxi, sog. Gelli-Gelli, sehr gefragt, und er konnte sie mit Gewinn verkaufen. Dazu ist er mit denen mit ein paar Bekannten runter nach Spanien, rüber nach Marokko, und dann noch durch die westliche Sahara über den Senegal bis nach Gambia gefahren.
Das klang alles sehr abenteuerlich. Als er mich fragte, ob ich auch Lust zu so einer Tour hätte, war das schon ziemlich verlockend. Ich hab's dann auf mangelnde Zeit geschoben, dass das nicht ginge. Letztlich war ich wohl zu feige für sowas.
 
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Zum Abschluss noch etwas zu den Mädels in Gambia. Beim ersten Mal, als ich bei Bernd wohnte, war ich noch mit Baratou zusammen. Das lief alles eigentlich ganz smooth, auch mit Rosie verstand sie sich ganz gut. Als ich ihr danach mein nächstes Kommen per Email ankündigte, bekam ich zur Antwort, dass sie zu der Zeit jemanden im benachbarten Ausland besuchen müsse, ich weiß nicht mehr wo.

Das war schon merkwürdig und auch schade, hat mich aber nicht von meinem Besuch abgehalten. Zumal da in Rosie's 777 eine neue schnucklige Bedienung arbeitete, Alima, 24. Auch von ihr gibt's hier irgendwo ein Foto. Die saß zufällig gleich am ersten Abend nach meiner Rückkehr dort in der Kneipe auf meinem Schoß. Keine Ahnung, wie das nun wieder passiert war. :dog:
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Rosie ihre Finger dabei im Spiel hatte. Schließlich hatte ich die Sache mit Baratou gleich brühwarm erzählt.

So wurde Alima nun zu meiner SLT. Allerdings passierte noch was schräges. Gleich am nächsten Tag ging ich mit Alima zur Voodoo Beach Bar, etwas chillen. Da wo ich Baratou als Azubi kennengelernt hatte. Blöde Idee? Aber die war ja nicht da, sondern im Ausland. So hatte sie es mir geschrieben.
Wir hatten es uns gerade auf den Liegestühlen bequem gemacht, wer steht da vor uns? .... Ach du Sch..... Wenn Blicke töten könnten..
Immerhin gab's kein Geschrei oder ähnliches. Kurzer unfreundlicher Meinungsaustasch, aber Worte waren da sinnlos. Der Drops war gelutscht.
Alima wollte ganz schnell weg, und so kam es dann auch. Damit war das Kapitel Baratou final abgeschlossen.

Das Kapitel Alima hatte gerade erst angefangen. Sie war etwas crazy, obwohl ich nicht mehr genau weiß, was da los war. Sie war aber auch lieb und sexy, und so lief das eigentlich ganz gut mit uns. Sie musste nachmittags um 4 in der Kneipe anfangen, so hatte ich reichlich Tages- und Abendfreizeit. Nach Feierabend nahm ich sie mit, oder sie kam zu mir zu Bernds Appartment, und blieb da bis zum nächsten Tag.

Allerdings war da am nächsten oder übernächsten Tag noch eine andere Bedienung bei Bernd, alter Verwalter. Die war auf der Zehnerskala etwa eine 8,5. Aber da ging nix mehr. Zu spät. Wenn ich die Mädels getauscht hätte, hätte ich garantiert nicht bei Bernd zu Hause bleiben können. Das hätte einen Riesenärger gegeben, und die Kneipe hätte ich mir auch abschminken können. Das war es mir nicht wert.

Mit Bernd war ich ab und zu abends weg. Ich glaube, der war ganz froh, dass er mal mit jemand anderem als den üblichen Typen dort reden konnte. Mal hatten wir einen Skatabend in der Kneipe eines anderen Expats, oder wir waren im Brittania an der Hauptstraße einen verlöten und Nutten gucken. Nur gucken! An dem Abend waren wir beide blau, aber als ich Bernd zum Auto wanken sah, hab ich ihn gefragt, ob ich fahren soll. Ich war wohl etwas weniger blau. Immerhin habe ich es unfallfrei bis zu ihm in den Hof geschafft. War ein lustiger Abend.
 
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Ganz ohne Stress geht's praktisch nie, so auch bei Alima. Wir waren an einem ihrer Arbeitstage mittags unterwegs in Serekunda. Sie wollte zum Friseur, neue Haarteile kaufen. Das ist so ein Ding bei den schwarzen Mädels, das machen viele, wenn sie es sich leisten können.
Bei jungen Mädchen sehen z. B. kleine Zöpfchen, die in alle Richtungen stehen, ja noch süß aus. Je älter sie dann werden, desto unzufriedener werden sie wohl mit ihren Krusselhaaren. Da kommt dann sowas, oder gleich eine Perücke.

Wie nicht anders zu erwarten, dauerte die Aktion ewig. Dann schleppte sie mich noch zu irgendwelchen Leuten, bei denen sie wohl gewohnt hat. Ich habe es als Einblick in den afrikanischen Alltag verbucht, wusste aber nicht wirklich, was ich da sollte.
Zwischendurch habe ich Alima immer mal wieder gesagt, dass sie sich beeilen muss, sonst schafft sie es nicht rechtzeitig zur Arbeit. Aber was ist schon Zeit in Afrika. Alles andere ist wichtiger, als irgendwo pünktlich anzukommen.

So kam es wie es kommen musste, wir waren mit dem Taxi eine gute halbe Std zu spät in der Kneipe, ich fuhr gleich weiter zu Bernds Appartment. Kurz danach stand Alima vor mir im Zimmer: Rosie hatte sie rausgeschmissen. Das war nicht das erste Mal, dass sie zu spät kam, und da hatte es Rosie gereicht.

Natürlich habe ich gleich versucht, Rosie umzustimmen, aber die war echt sauer. Nichts zu machen.

Etwas später habe ich dann nochmal mit Bernd und Rosie gesprochen. Sagte, dass ich mich mitverantwortlich fühle, wenn Alima ihren Job verliert, weil sie mit mir unterwegs war. Außerdem könnte ich dann auch nicht mehr bei ihnen wohnen, weil ich mich deswegen schlecht fühlen würde. Das war natürlich ziemlich übertrieben. In Wirklichkeit fühlte ich mich nicht wirklich verantwortlich, wollte aber für Alima tun was möglich war.
Anyway, viel Gerede hin und her, und es sah lange auch nicht wirklich gut aus für Alimas Job. Ich vermute, dass Bernd dann nochmal mit seiner Frau geredet hat, und dass letztlich meine quasi-Erpressung dazu geführt hat, dass Rosie dann doch nachgegeben hat.

Auch wenn danach erstmal alles wieder in Ordnung schien - ich bin sicher, dass es irgendwann nach meiner Abreise wieder geknallt hat.

Aber davon bekam ich nichts mehr mit. Das war mein bisher letzter Besuch in Gambia. Mich hat's danach erstmal mehr Richtung SOA gezogen. Mit Bernd hatte ich noch sporadisch Kontakt. Sein Plan war, nicht auf Dauer in Gambia zu bleiben, sondern mit Rosie an die Küste im Süden Marokkos zu ziehen. U. a., weil es dort keine Malaria gibt.
Daraus wurde aber nichts. Als ich das letzte Mal mit Bernd Kontakt hatte, waren sie zurück in D. Bernd brauchte eine Dialyse wegen seiner Nieren. Beim nächsten Mal konnte ich ihn nicht mehr erreichen. Sein FB Account existiert noch, aber kein Update mehr seit 2015.
Ich fürchte, er hat's nicht geschafft.

Manchmal war er sein bester Kunde in seiner eigenen Kneipe. Whisky-Cola war sein Ding. Rosie hat oft mit ihm geschimpft deshalb, aber was willst du machen. Vielleicht hatte er seinem Körper zu viel zugemutet. Ich hoffe, es geht ihm besser, da wo er jetzt ist.
 
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