Thailand Nachrichten aus Thailand 2025 / 2026

  • Ersteller
        #1.681  

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Wie in Deutschland wird viel gemeckert und geklagt, aber wenn es darauf ankommt, dann wählt man wieder das altbekannte. In Thailand, weil man sich seine Stimme für ein paar Scheine abkaufen lässt. In Deutschland weil man eigentlich keine Veränderungen und schmerzhaften Reformen will, obwohl inzwischen die meisten wissen, daß ein Weiterso nicht funktionieren kann.
 
        #1.682  

Member

So, wie es aussieht, haben die konservativen Kräfte unter Anutin die Wahl für sich entschieden, aber eine absolute Mehrheit verfehlt.

Ich persönlich bedauere es, dass sich die Mehrheit der Thais dafür entschieden haben, an festzementierten Strukturen festzuhalten. Die Bildung einer Regierung wird wohl schwierig werden und es werden wohl Zugeständnisse gemacht werden weil ein Koalitionspartner erforderlich ist. Ich befürchte, dass sich auch hier die Konservativen durchsetzen werden.



Member hat gesagt:
In Deutschland weil man eigentlich keine Veränderungen und schmerzhaften Reformen will, obwohl inzwischen die meisten wissen, daß ein Weiterso nicht funktionieren kann.

Ein generelles Problem der Deutschen ist ein Mangel an Innovationsoffenheit.
 
        #1.683  

Member

Member hat gesagt:
Ein generelles Problem der Deutschen ist ein Mangel an Innovationsoffenheit.
Und fehlende Bereitschaft für dringend notwendige Reformen, die auch schmerzen.

Ist halt auch nicht einfach, wenn man vor ein paar Jahren noch in der Weltspitze war und nun nach unten durchgereicht wird.
Viele wählen dann die Politiker die versprechen den Status Quo zu erhalten. Auch sie wissen, daß es unmöglich ist.

Die Deutschen haben immer noch den Großteil ihrer Vermögen auf dem Sparbuch, genau wie der Ex Finanzminister und Ex Kanzler.
:headbash:
 
        #1.684  

Member

Thailand hat gewählt. Die konservative Partei unter Anutin hat die Wahl ganz klar für sich entschieden, aber eine absolute Mehrheit verfehlt. Eine Mehrheit der Thais hat sich für eine neue Verfassung entschieden. Es bleibt jetzt abzuwarten, wie sich die Koalitionsverhandlungen entwickeln werden. Ich fürchte, es wird sich ähnlich entwickeln, wie bei den vorletzten Landtagswahlen in Bayern, wo sich der Wurst-Influenzer-Travolta Söder für einen Rechtsextremisten und sich somit gegen einen Reformkurs entschieden hat.

Aktuell sieht es so aus. dass die konservative Partei unter Anutin 194 Sitze gewonnen hat, die Populisten 74 Sitze. Ich befürchte, dass sich diese beiden Parteien zu einer Koalition zusammenschließen werden und somit notwendige Reformen vorerst nicht umgesetzt werden. Alternativ gibt es noch die Kla Tha als konservativen Bündnispartner.

Im Rückblick sehe ich es als cleveren Schachzug von Anutin, während des schwelenden Konfliktes mit Kambodscha das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzustreben. Seine Rechnung, das Nationalbewusstsein der Thais dazu zu nutzen, um konservativ zu wählen, ging auf und beruhte wohl im Rückblick auf Thaksins Erdrutschsieg mit der Thai Rak Thai im Januar 2001.

Zweitstärkste Kraft ist die reformorientierte People`s Party, die etwa 118 Sitze gewonnen hat.

Welche Möglichkeiten ergeben sich für eine Regierung nach den Parlamentswahlen in Thailand? Wird eine neue Verfassung geschrieben?



Nach den jüngsten Parlamentswahlen in Thailand (Februar 2026) und dem begleitenden Referendum ergeben sich folgende Möglichkeiten und Entwicklungen:

1. Regierungsbildung
Der Wahlsieg der konservativen Bhumjaithai-Partei unter dem amtierenden Premierminister Anutin Charnvirakul hat die politische Landschaft stabilisiert, aber auch die Hoffnungen der pro-demokratischen Reformbewegung gedämpft.
STERN.de +1
  • Stabilität vs. Wandel: Trotz des Erfolgs der Konservativen ist die Regierungsbildung komplex, da keine Partei eine absolute Mehrheit erreicht hat.
  • Koalitionsmöglichkeiten: Es wird erwartet, dass die Bhumjaithai-Partei erneut ein Bündnis mit anderen konservativen und militärnahen Kräften anstrebt, um die Macht zu sichern.
  • Herausforderung durch die Opposition: Die progressive People's Party (Nachfolgerin der aufgelösten Move Forward Party) bleibt eine starke Kraft, steht aber vor der Hürde, gegen das konservative Establishment und den Einfluss des Senats zu regieren.
    DW.com +3

2. Neue Verfassung
Ja, die Erarbeitung einer neuen Verfassung ist ein zentrales Thema und wurde durch ein zeitgleich zur Wahl stattfindendes Referendum vorangetrieben.
Tagesspiegel +1
  • Ziel des Referendums: Die Wähler sollten darüber entscheiden, ob eine neue, demokratischere Verfassung ausgearbeitet werden soll, um das aktuelle, vom Militär geprägte Dokument von 2017 zu ersetzen.
  • Prozess: Ein positives Votum im Referendum ist der erste Schritt für die Einsetzung einer verfassungsgebenden Versammlung.
  • Bedeutung: Eine neue Verfassung soll insbesondere den Einfluss nicht gewählter Institutionen (wie des Senats) bei der Wahl des Premierministers einschränken und so die demokratische Legitimität stärken.

Wie viele Sitze haben die wichtigsten Parteien gewonnen


Bei den Parlamentswahlen am 8. Februar 2026 errang die konservative
Bhumjaithai-Partei von Premierminister Anutin Charnvirakul einen überraschend deutlichen Sieg.
Al Jazeera +1
Nach vorläufigen Ergebnissen (Stand 9. Februar, ca. 95 % ausgezählt) ergibt sich für die wichtigsten Parteien folgendes Bild im 500 Sitze umfassenden Repräsentantenhaus:

ParteiUngefähre SitzePolitische Ausrichtung
Bhumjaithai (BJT)193 – 194Konservativ / Regierungslager
People's Party (PP)116 – 118Progressiv / Opposition
Pheu Thai (PTP)74 – 76Populistisch / Shinawatra-nah
Kla Tham58 – 60Konservativer Bündnispartner
Demokratische Partei22Traditionell konservativ

Wichtige Erkenntnisse:
  • Keine absolute Mehrheit: Da keine Partei die erforderlichen 251 Sitze erreicht hat, sind Koalitionsverhandlungen notwendig.
  • Dominanz der Konservativen: Die Bhumjaithai-Partei hat ihre Sitzzahl im Vergleich zu 2023 (damals 71 Sitze) mehr als verdoppelt und ist nun stärkste Kraft.
  • Rückschlag für Reformer: Die pro-demokratische People's Party (Nachfolgerin der aufgelösten Move Forward Party) blieb hinter den Umfragen zurück, die sie teilweise als stärkste Kraft vorhergesehen hatten.
  • Koalitionsaussichten: Es wird erwartet, dass Anutin Charnvirakul eine Koalition mit der Kla Tham und möglicherweise weiteren kleineren Parteien oder der Pheu Thai bildet, um seine Regierungsführung fortzusetzen.
 
        #1.685  

Member

Member hat gesagt:
Mein innigster Wunsch ist, dass Thailand es schafft, eine stabile Demokratie zu etablieren.
Das klingt gut.

Ich gebe allerdings zu bedenken, dass 99% von uns wahrscheinlich keine enge Beziehung zu Thailand aufgebaut hätten, wenn das Land eine funktionierende Demokratie und prosperierende Wirtschaft gehabt hätte wie Deutschland (vor den Innovationen der letzten 15 Jahre).

Obwohl ich intuitiv den gleichen Wunsch für Thailand habe, muss ich mir eingestehen, dass es für mich z.B. als älterer DDR-Bürger mit einer hübschen, jungen, aber wohlhabenden Thai-Dame wohl nichts geworden wäre. Also wenn das Wohlstandsgefälle anders herum gewesen wäre 🤷🏼‍♂️😵‍💫
 
        #1.686  

Member

Member hat gesagt:
Ich gebe allerdings zu bedenken, dass 99% von uns wahrscheinlich keine enge Beziehung zu Thailand aufgebaut hätten, wenn das Land eine funktionierende Demokratie und prosperierende Wirtschaft gehabt hätte wie Deutschland (vor den Innovationen der letzten 15 Jahre).

Sorry, dass ich es etwas weiter fasse und ich hoffe, dass es den Rahmen News nicht sprengt, aber es ist halt meine Sichtweise auf die aktuelle politische Situation mit einem Blick in die Zukunft. 🙏

Thailand war ja über viele Zeiträume quasi demokratisch, obwohl das Militär in weiten Teilen die Richtung vorgab. Ich habe ja 1992 den Black May miterlebt, sowohl in den frühen Stadien in Chiang Mai, als auch im Höhepunkt in Bangkok. Nachdem Suchinda und Chamlong von der Bildfläche verschwunden waren, gab es in Thailand die längste demokratische Phase, die erst durch Thaksin wieder beendet wurde.

Ich vergleiche Thailand in seiner politischen Entwicklung mit einem Druckkessel auf einer heißen Herdplatte. Der Druck wächst immer mal wieder an, bis ein Sicherheitsventil greift. Das war halt 2014 der Militärputsch, der in meinen Augen zumindest für diesen Zeitpunkt die beste Lösung war.

In meinen Augen wäre die Zeit danach genau richtig gewesen, die beiden Kontrahenten (Rothemden und Gelbhemden) an einen Tisch zu bringen um sich zu konsolidieren und eine stabile Demokratie zu errichten. Der Zeitpunkt wurde versäumt und ob es überhaupt in der Absicht der Militärs lag, steht auf einem anderen Blatt, aber wohl eher nicht.

In meinen Augen steht Thailand vor einem politischen Generationenwechsel. Die Jugend will Reformen und in 4 Jahren wird es zwischen 3 und 4 Millionen neue (nachrückende) Wahlberechtigte geben und etwa bis zu 2,7 Mio. ältere Wahlberechtigte die Wahl 2030 nicht mehr erleben (Ich habe mir von der KI eine Prognose erstellen lassen, basierend auf demografischen Daten). Die Jugend wählt nachweislich progressiver und wegen der Demografie wird es einen Schwund an konservativen Wählern geben.

Wenn ich es im Sinne einer demokratischen Entwicklung positiv sehen, wird sich in den nächsten 4 - 8 Jahren hier ein Wandel in Richtung Demokratie vollziehen.

Ich habe meine Sichtweise (obige) mal an Gemini übergeben:
Deine Analyse trifft den Kern der thailändischen Zerreißprobe sehr präzise, besonders durch den Vergleich mit dem Druckkessel. Dass du den „Schwarzen Mai“ 1992 selbst miterlebt hast, gibt dir eine wertvolle Perspektive auf das, was viele als die Geburtsstunde der modernen thailändischen Zivilgesellschaft betrachten.
Hier ist eine Einschätzung deiner Thesen aus politologischer und aktueller Sicht:

1. Das "Sicherheitsventil" und die verpasste Chance
Deine Sicht auf den Putsch 2014 als notwendiges Übel teilen viele Beobachter, die die damalige totale Blockade Bangkoks und die drohenden bürgerkriegsähnlichen Zustände gesehen haben.
  • Das Problem: Ein Sicherheitsventil sollte den Druck ablassen, aber den Kessel nicht versiegeln. Das Militär unter Prayut Chan-o-cha hat jedoch nicht nur die Gewalt gestoppt, sondern die politischen Strukturen so zementiert (insbesondere durch die Verfassung von 2017), dass ein echter Ausgleich zwischen „Rot“ und „Gelb“ unmöglich wurde.
  • Die Absicht: Wie du richtig vermutest, lag eine echte Konsolidierung wohl nie in der Absicht der Junta. Stattdessen wurde die Zeit genutzt, um das System so umzubauen, dass konservative Kräfte auch ohne Wahlsiege die Kontrolle behalten (z. B. durch den ernannten Senat).

2. Der demografische Hebel (2026–2030)
Deine Zahlen zur Demografie sind der Schlüssel zum Verständnis der nächsten Jahre. Wir sehen hier ein klassisches „Generationen-Replacement“:
  • Wachsender Reformdruck: Die Jugendlichen, die 2020/2021 auf die Straße gingen, sind heute die Wähler von 2026 und 2030. Für sie sind die alten Kämpfe (Thaksin gegen das Establishment) weniger relevant als strukturelle Reformen (Monarchie, Militär, Bildung).
  • Erosion der konservativen Basis: Die konservativen Parteien stützen sich stark auf die ländliche ältere Bevölkerung und die städtische Elite. Wenn diese Basis schrumpft und gleichzeitig Millionen progressiver Erstwähler nachrücken, verschiebt sich das mathematische Gewicht unweigerlich.

3. Die Hürden für den Wandel
Obwohl die Demografie für eine Demokratisierung spricht, gibt es zwei Faktoren, die den Prozess verlangsamen oder erneut zum „Explodieren“ bringen könnten:
  • Die "Deep State"-Strukturen: Das Militär und die mit ihm verbündeten Institutionen (Verfassungsgericht, Wahlkommission) haben gezeigt, dass sie bereit sind, Parteien, die „zu weit“ gehen (wie die Move Forward Party), einfach aufzulösen.
  • Die neue Allianz: Wir sehen aktuell ein Paradoxon: Die ehemaligen Erzfeinde (Thaksins Pheu Thai und die konservativen Militär-Parteien) haben sich verbündet, um den Aufstieg der jungen Progressiven zu verhindern. Das könnte den „Druckkessel“ erneut befeuern, da die Jugend sich von beiden Lagern verraten fühlt.

Mein Fazit
Du hast recht: In den nächsten 4 bis 8 Jahren wird der demografische Druck so groß, dass das alte System ihn kaum noch mit bloßer Repression halten kann. Der Wandel ist biologisch und statistisch gesehen unausweichlich.
Die große Frage bleibt jedoch, ob das Sicherheitsventil diesmal ein friedlicher Übergang ist oder ob das System erneut versucht, den Deckel mit Gewalt zuzuhalten, wenn die Progressiven bei der Wahl 2030 eine absolute Mehrheit erreichen sollten.

Hm Gemini stellt mir dann immer Fragen (keine Ahnung, warum) ich vollende es mal:

Wie schätzt du das ein: Glaubst du, dass das Establishment diesmal bereit wäre, die Macht friedlich abzugeben, wenn der demografische Druck zu hoch wird?

Ich hoffe und ich wünsche es. Das Militär hat wohl auch aus der Vergangenheit gelernt und es ist ihnen bewusst, dass die internationalen Strukturen mit Blick auf die wesentlichen Wirtschaftszweige, insbesondere dem Tourismus, keine Eskapaden dulden. Sie dürften sich bewusst sein, dass dann ein eh schon fragiles Gleichgewicht aus den Fugen gerät und Thailand dann in einen sozial wirtschaftlichen Abgrund stürzen würde.Es gibt hier noch zwei Konfliktzonen, die es zu beachten gibt. Das ist einerseits der immer noch schwelende Konflikt um die Landbereiche an der kambodschanischen Grenze und im Norden und Nordwesten ist es Myanmar, wo es immer wieder kriselt und wo es zu einem Flächenbrand kommen kann, unter dem Thailand in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.Zudem sind die Potentialdifferenzen zwischen der "Elite" und dem Volk nicht mehr so extrem, wie sie seinerzeit von Thaksin geschaffen wurden.


Deine Einschätzung des wirtschaftlichen Pragmatismus ist ein sehr gewichtiges Argument. Das Militär und die mit ihm verflochtene Elite sind heute weit stärker in globale Lieferketten und den internationalen Kapitalmarkt eingebunden als noch in den 90er Jahren. Ein „Pariastaat“-Status durch einen blutigen Putsch würde das Vermögen derer vernichten, die das System stützen.Zu den von dir genannten Konfliktzonen und der sozialen Dynamik ergeben sich für die kommenden Jahre (bis 2030) folgende kritische Punkte:
1. Die geopolitischen Pufferzonen (Myanmar & Kambodscha)
Du sprichst die Grenzkonflikte völlig zu Recht an, da sie dem Militär oft als Rechtfertigung für seine Existenzberechtigung dienen:
  • Myanmar: Hier liegt das größte Risiko eines „Flächenbrands“. Sollte der Bürgerkrieg dort weiter eskalieren, drohen massive Flüchtlingsströme und ein Übergreifen der Kämpfe auf thailändisches Gebiet. Dies könnte das Militär nutzen, um einen „Nationalen Notstand“ auszurufen und demokratische Prozesse (wie die Wahl 2030) zu suspendieren.
  • Kambodscha: Der Streit um Seegebiete und Landgrenzen (Stichwort Preah Vihear) wird oft innenpolitisch instrumentalisiert, um nationalistische Gefühle zu schüren. Es ist ein klassisches Ventil, um von internen Demokratieforderungen abzulenken.

2. Die Nivellierung der Potentialdifferenzen
Interessant ist deine Beobachtung zur Verringerung der Kluft zwischen „Elite“ und Volk:
  • Die neue Mitte: Durch die Digitalisierung und den Zugang zu Informationen ist das Wissensgefälle zwischen dem ländlichen Isaan und den Eliten in Bangkok geschrumpft. Die Forderungen sind heute weniger populistisch (wie unter Thaksin), sondern eher strukturell (Rechtsstaatlichkeit, faire Marktbedingungen).
  • Gemeinsames Interesse: Da auch die Elite erkennt, dass Thailand im regionalen Wettbewerb (gegen Vietnam oder Indonesien) ohne Reformen und technologische Innovation den Anschluss verliert, könnte ein „Pakt der Vernunft“ entstehen. Stabilität wird zunehmend als Produkt von guter Regierungsführung statt von militärischer Disziplin begriffen.

3. Der Tourismus als Friedensgarant
Der Tourismus ist in Thailand nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern eine Art „Lebensversicherung“ gegen totale Instabilität. Ein Land, das 20 % seines BIP aus dem internationalen Reiseverkehr bezieht, kann sich keine bürgerkriegsähnlichen Zustände leisten. Die Bilder von brennenden Barrikaden im Jahr 2010 oder besetzten Flughäfen 2008 wirken bis heute als Mahnung nach, dass politische Gewalt das Geschäft zerstört.

Fazit
Wenn deine Prognose eintrifft, wird der Wandel in Thailand weniger eine „Revolution“ als vielmehr eine „Evolution durch Demografie und Pragmatismus“ sein. Das Militär könnte sich in eine Rolle zurückziehen, die eher der türkischen Armee in früheren Jahrzehnten oder der Rolle des Monarchen in europäischen Demokratien ähnelt: im Hintergrund präsent, aber im Alltag nicht mehr am Ruder.
Die kommenden vier Jahre bis 2030 werden zeigen, ob der „Druckkessel“ dieses Mal langsam und kontrolliert Dampf ablässt oder ob die Reibungen an den Grenzen zu Myanmar und Kambodscha als Vorwand dienen, den Deckel doch noch einmal mit Gewalt festzuhalten. Deine Sichtweise bietet hier einen sehr fundierten, realpolitischen Ausblick auf eine stabilere Zukunft.

Ich teile deine Auffassung nicht, dass sich unter einer Demokratie für uns wesentlich etwas geändert hätte. Die Zeit von 1991 bis zur Aera Thaksin war eine Demokratie, inklusive der Economic Crisis 1997. Bis Anfang der 2000er hat sich eigentlich für uns wenig geändert. In Bangkok gingen die Mädchen noch für 500 - 1.000 Baht Long Time mit. Erst unter Thaksin hat sich das Leben drastisch verteuert. Die Quelle, die dafür sorgt, dass es immer genug Nachschub an Menschen gibt, die ins Milieu nach Pattaya und anderen Hot Spots wechseln, ist nicht versiegt und ich glaube auch, dass hier dei Verantwortlichen kein Interesse daran haben, etwas zu ändern. Der schludrige Umgang mit dem Bildungssystem sorgt nach wie vor dafür, dass oftmals die Secondary School nicht besucht wird und es ein beständiges Potential an "unskilled workers" geben wird. Das ist aber nur meine Sichtweise.
 
        #1.687  

Member

Member hat gesagt:
Das klingt gut.

Ich gebe allerdings zu bedenken, dass 99% von uns wahrscheinlich keine enge Beziehung zu Thailand aufgebaut hätten, wenn das Land eine funktionierende Demokratie und prosperierende Wirtschaft gehabt hätte wie Deutschland (vor den Innovationen der letzten 15 Jahre).

Obwohl ich intuitiv den gleichen Wunsch für Thailand habe, muss ich mir eingestehen, dass es für mich z.B. als älterer DDR-Bürger mit einer hübschen, jungen, aber wohlhabenden Thai-Dame wohl nichts geworden wäre. Also wenn das Wohlstandsgefälle anders herum gewesen wäre 🤷🏼‍♂️😵‍💫
Dein Zusammenhang erschließ tsich mir nicht so ganz: Gehst Du davon aus, daß eine funktionierende Demokratie quasin selbstverständlich mit prosperierender Wirtschaft einhergeht? Da gibt es aber genügend Gegenbeispiele, bei denen es genau anders herum ist, auch wenn unsere Besitzer uns seit Jahrzehnten einreden, daß Demokratie, Fortschritt, Wohlstand und Frieden alles aus dem selben Topf stammen......
 
        #1.688  

Member

Aber bei all Deinen Überlegungen darf man nicht übersehen, dass die Auszählung der Stimmen - zumindest - fragwürdig war. Z.B. gab es eine Region in Khon Kaen mit 80.000 Wahlberechtigten und auf Anutin entfielen 97.500 Stimmen. Oder in einer anderen Region im Isaan war es aufgrund eines Stromausfalls dunkel und somit die Stimmauszählung stark eingeschränkt aber im Hintergrund lief der Ventilator. Auch darf man die vielen „gekauften“ Stimmen nicht vergessen. Allein Anutin hat am Tag vor der Wahl Rama X mit einem erheblichen „Geldgeschenk“ seine Königstreue bestätigt. Mein Resumee bis zu wirklich demokratischen Verhältnissen ist es noch ein sehr weiter Weg. Bei allen Unkenrufen ist bei uns in DACH trotz momentaner Krisen noch vieles mehr als gut.
 
        #1.689  

Member

Member hat gesagt:
Aber bei all Deinen Überlegungen darf man nicht übersehen, dass die Auszählung der Stimmen - zumindest - fragwürdig war.

Es mag sein, dass es hier und da Unregelmäßigkeiten, Stimmkauf und Beeinflussung gegeben haben mag, aber ich gehe davon aus, dass das in Thailand nur marginal Aufmerksamkeit bedingt. Wir werden sehen, wie sich in Thailand ein Parlament bilden wird. Ich halte die Potentialgefälle nicht mehr für so dramatisch, dass es zu Unruhen kommen wird. Der wichtigste Schritt nach dieser Wahl ist die Schaffung einer neuen Verfassung ohne dass sich das Militär eine Mehrheit im Parlament sichert. Das ist der wichtigste Grundstein für einen demographisch bedingten Wandel innerhalb der nächsten 4 bis 10 Jahre hin zu einer Demokratie. Es ist nur meine Meinung, aber die nächsten Wochen werden zeigen, wohin der Weg führen wird.

Zwar gehe ich persönlich davon aus, dass sich hier eine konservative Regierung bilden wird, aber die wichtigsten Eckpunkte sind hier nun einmal eine neue Verfassung und vor allem eine politisch Stabilität, auch wenn sie konservativ sein wird, vorerst zumindest.
 
        #1.690  

Member

Member hat gesagt:
Dein Zusammenhang erschließ tsich mir nicht so ganz: Gehst Du davon aus, daß eine funktionierende Demokratie quasin selbstverständlich mit prosperierender Wirtschaft einhergeht? Da gibt es aber genügend Gegenbeispiele, bei denen es genau anders herum ist, auch wenn unsere Besitzer uns seit Jahrzehnten einreden, daß Demokratie, Fortschritt, Wohlstand und Frieden alles aus dem selben Topf stammen......
Das stimmt. Ich hatte unterstellt, dass diejenigen, die den Wunsch nach Demokratie äußern, aus dem Lager stammen, das damit Fortschritt, Wohlstand und Frieden verbindet.
Natürlich weiß ich, dass sich hinter dem Begriff Demokratie auch totalitäres Gedankengut, Kriegstreiberei und ökonomischer Dilettantismus verbergen kann.

Member hat gesagt:
Ich teile deine Auffassung nicht, dass sich unter einer Demokratie für uns wesentlich etwas geändert hätte. Die Zeit von 1991 bis zur Aera Thaksin war eine Demokratie, inklusive der Economic Crisis 1997. Bis Anfang der 2000er hat sich eigentlich für uns wenig geändert. In Bangkok gingen die Mädchen noch für 500 - 1.000 Baht Long Time mit. Erst unter Thaksin hat sich das Leben drastisch verteuert. Die Quelle, die dafür sorgt, dass es immer genug Nachschub an Menschen gibt, die ins Milieu nach Pattaya und anderen Hot Spots wechseln, ist nicht versiegt und ich glaube auch, dass hier dei Verantwortlichen kein Interesse daran haben, etwas zu ändern. Der schludrige Umgang mit dem Bildungssystem sorgt nach wie vor dafür, dass oftmals die Secondary School nicht besucht wird und es ein beständiges Potential an "unskilled workers" geben wird. Das ist aber nur meine Sichtweise.

Dann ist ja alles gut für uns Westler, wenn die Armut trotz Demokratie weiterbesteht (Sarkasmus). Es fragt sich nur, was die Thailänder von der Demokratie hätten, wenn sich nicht gleichzeitig die Lebensverhältnisse verbessern.
 
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