Die thailändische Regierung verfolgt aufgrund der akuten Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel und das Absinken des Bodens eine mehrgleisige Strategie, die von massiven Infrastrukturprojekten bis hin zur radikalen Option einer Hauptstadtverlegung reicht.
Hier sind die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:
1. Das Projekt "Ko Khai" (Riesiger Küstenschutzwall)
Eine der am meist diskutierten Maßnahmen ist der Bau eines gigantischen Schutzwalls im Golf von Thailand.
Bangkok Post
- Konzept: Geplant ist eine Kette von künstlichen Inseln etwa einen Kilometer vor der Küste, die durch Deiche miteinander verbunden sind.
- Ziel: Diese Barriere soll nicht nur Bangkok, sondern die gesamten Zentralebenen vor Sturmfluten und dem steigenden Meeresspiegel schützen.
- Finanzierung: Das Projekt gilt als das teuerste Vorhaben in der Geschichte des Landes und soll voraussichtlich durch private Investoren über 99-jährige Konzessionen realisiert werden.
2. Modernisierung des Wassermanagements (BMA-Masterplan)
Die Bangkok Metropolitan Administration (BMA) arbeitet an einer umfassenden technischen Aufrüstung der Stadt:
- "Super-Tunnel": Bau von riesigen unterirdischen Entwässerungstunneln, um Regenwasser schneller in den Chao Phraya Fluss oder das Meer abzuleiten.
- Polder-Systeme: Einsatz von leistungsstarken Pumpstationen und Schleusen, um den Wasserstand in den städtischen Kanälen (Khlongs) künstlich niedrig zu halten.
- Sandsack-Barrieren: Als kurzfristige Lösung werden während der Monsunzeit regelmäßig kilometerlange Wälle aus Sandsäcken entlang des Flusses errichtet.
3. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Der "Climate Change Act"
Ende 2025 hat die Regierung den Entwurf für Thailands erstes umfassendes Klimaschutzgesetz vorangetrieben.
- Inhalt: Das Gesetz bündelt Instrumente wie Kohlenstoffsteuern, Emissionshandel und verpflichtende Anpassungspläne für Kommunen.
- Zweck: Es soll sicherstellen, dass Klimaschutzmaßnahmen nicht mehr fragmentiert, sondern national koordiniert umgesetzt werden.
4. Die radikale Option: Verlegung der Hauptstadt
Da Bangkok jährlich um etwa 1 bis 2 cm absinkt, wird die Diskussion über eine neue Hauptstadt immer konkreter.
- Parlamentarischer Vorstoß: Abgeordnete der Regierungspartei haben bereits die Bildung einer Kommission gefordert, um Standorte für eine "zweite Hauptstadt" oder die vollständige Verlegung von Regierungsbehörden zu prüfen.
- Vorbild: Ähnlich wie Indonesien mit Nusantara plant auch Thailand, strategisch wichtige Funktionen in höher gelegene Regionen zu verlagern, um den wirtschaftlichen Kern des Landes zu sichern.
5. Naturbasierte Lösungen
In Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der Weltbank setzt Thailand verstärkt auf "Nature-based Solutions":
World Bank
- Mangroven-Aufforstung: Wiederherstellung von Mangrovenwäldern an den Küsten von Samut Prakan und Bangkok, um die natürliche Erosion zu stoppen.
- Schwammstadt-Konzept: Schaffung von mehr Grünflächen und Parks, die bei Starkregen als temporäre Wasserspeicher dienen können.