Miss Saigon
Vorweg:
Es folgt ein längerer, mir wichtiger Bericht, an dem ich lange geschrieben habe. Er enthält weder Dramen noch sexuelle Erlebnisse und auch kein happy end! Entscheidet selbst ob ihr daran teilhaben möchtet….
Nach dem Besuch des Kriegsopfermuseum lief ich auf dem Rückweg zum Hotel recht deprimiert durch die sengende Hitze. Ich hatte die Wegstrecke unterschätzt und benötigte dringend eine Dusche.
Plötzlich stand eine Straßenverkäuferin vor mir und pries mir ihre Waren an. Die Lady versuchte sich durch einen tiefen Schlapphut und langer stark abgenutzter Kleidung vor der Sonne zu schützen.
Als sie mich ansprach, fühlte ich mich belästigt und wimmelte sie ab. Ich hörte ihre Stimme wie durch Watte gedämpft, alles wirkte wie in Zeitlupe. Ich dachte ich sei wohl schon dehydriert. Ein paar Schritte weiter ärgerte ich mich über mein Verhalten. Ich gebe Geld für allen Blödsinn aus und das arme Ding hatte es sicherlich nicht leicht – seltsamerweise hatte ich noch immer ihr Lachen und ihren erwartungsvollen Blick und die Hoffnung auf ein gutes Geschäft vor meinen Augen.
Ich drehte mich um – sie war schon gut 100 Meter entfernt. Ich wollte nicht hinterherrufen, sondern lief ihr hinterher. Mir kam es vor, als beschleunigte sie ihre Schritte und dann verschwand sie in einer Gasse. Ich ärgerte mich nochmal über mein Verhalten und ging zurück ins Hotel.
Nach einer Dusche setzte ich mich auf einen Espresso in das Café neben meinem Hotel und beobachtete das Treiben auf der Straße. Plötzlich lief meine Straßenverkäuferin vorbei – sie warf mir einen kurzen Blick zu und wieder spürte ich dieses Gefühl von Zeitlupe...
Ich hob den Arm und winkte ihr zu – sie winkte zurück und kam an meinen Tisch. Dort bot sie mir ihre Waren feil. Was für ein bezauberndes Lachen und schöne Augen versteckten sich hinter der nicht gerade vorteilhaften Verkleidung – ein wirklich ungeschliffener Diamant!
Ich wählte das teuerste Produkt und gab ihr ein großzügiges Trinkgeld – belohnt wurde ich durch ein strahlendes Lächeln und echter Freude. Dann zog sie weiter. Ich sprang auf und lief hinterher. Diesmal holte ich sie ein und erwarb für meine
„angeblichen Freunde“ noch ein paar Produkte. Diesmal kam ich ihr deutlich näher und ich konnte sehen und riechen wie hart sie arbeiten musste – ihr Schweiß ging mir nicht mehr aus der Nase bzw. Kopf, überhaupt nicht unangenehm, sondern als wäre ich in ihren Intimbereich eingedrungen, es übte eine magische – vermutlich animalische – Anziehung auf mich aus.
Sie strahlte mich an und sagte in perfektem Englisch ich würde ihren schlechten Tag retten. Nachdem ich bezahlt hatte ging sie weiter und ich blickte ihr verträumt hinterher. Dann drehte sich noch einmal um und winkte mir zu, jetzt fühlte ich mich gut!
Am nächsten Tag traf ich sie auf der Straße wieder. Sie winkte mir zu und ich zurück. Sie lachte. Ich sprach sie an und fragte, ob sie mit mir einen Kaffee trinken würde. Sie wirkte überrascht und schüchtern, stimmte aber zu. Im Café bat sie mich, ob sie sich auch eine Cola bestellen dürfte – es wurden vier Cola und eine Fanta….
Nachdem wir uns bekannt gemacht hatten, wechselte nach etwas Vertrautheit ihr Charakter zu dem einer extrem selbstbewussten Frau.
Sie sagte bspw. sie sei nicht arm, sie hätte nur weniger Geld als andere. Aber daran arbeite sie…
Die Zeit mit ihr verging wie im Fluge. Wir sprachen über Gott und die Welt. Mit der vierten Cola wollte ich ihr den Geschmack von Spezi nahebringen. Ich bestellte zusätzlich eine Fanta und erklärte ihr den deutschen Ursprung von Fanta – danach taufte sie mich auf den Namen Mr. Fantasy – ich sie auf Miss Saigon…
Dann die entscheidende Frage ob sie mit mir am Abend Essen gehen wollte. Sie lehnte sofort ab, und sagte selbstbewusst sie würde nicht mit mir ins Hotel kommen. Ich konnte die Situation retten in dem ich ihr erklärte, dass Essen sei im Hotel furchtbar, ich meine natürlich ein Restaurant....
Sie grinste und zeigte mir ihre Faust, was wohl zu bedeuten hatte – „Du kleiner Schlawiner“. Diese Geste ist wohl ihr Markenzeichen und bekam ich noch öfter zu sehen - geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf!
Sie fragte mich ob ich ein richtiges Date mit ihr wollte – das bejahte ich. Sie antwortet sie müsse es sich überlegen, ich sei am ersten Tag nicht freundlich gewesen. Ups, das saß!
Bis 19:30 Uhr wollte sie sich entscheiden und dann evtl. vor meinem Hotel warten. Ich stimmte zu. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich wie ein Teenager mit der Planung dieses Abends. Ich suchte nach einem netten Restaurant und entschied mich für einen guten - aber nicht zu teuren Italiener – Truffle & Co sollte es werden.
Ich dachte, wenn sie Cola liebt, ist sie der westlichen Küche sicher aufgeschlossen. Ich wollte nichts dem Zufall überlassen, also ging ich vorher vorbei. Es war nicht einfach einen Tisch zu bekommen, aber drei Packungen Toblerone öffneten nicht nur das Reservierungsbuch, sondern auch das Herz der Filialleiterin… Ich durfte mir den Tisch aussuchen und sagte es sei ein wichtiges Date für Mr. und Mrs. Fantasy. Ich bestellte vorab eine Flasche Wein um sie nicht mit den Preisen zu konfrontieren.
Dann ging ich zurück ins Hotel, stylte mich, packte ihr meine kleine Kühltasche mit 2 Dosen Cola und Fanta, Haribo, Schokolade und den Pralinen von meinem Lufthansa Flug. Die Zeit wollte nicht vergehen. Also schrieb ich ihr noch ein kleines Kärtchen und packte meine restlichen Dollar dazu. Das wollte ich ihr am Ende unauffällig zustecken.
Es war endlich 19:15 Uhr. Ich wartete und wartete vor dem Hotel. Plötzlich stand sie vor mir! Sie hatte wunderschöne lange schwarze Haare, trug einen Jeansrock und eine weiße Bluse. Als ich wie ein Italiener pfiff – zeigte sie mir wieder grinsend ihre Faust!
Ich fragte, ob sie mit einem italienischen Restaurant einverstanden wäre – sie strahlte mich an und sagte sie würde Pizza lieben! Wir zogen los, nach wenigen 100 Metern erreichten wir das Restaurant. Ihr Selbstbewusstsein verflog genau in diesem Moment, ich musste sie regelrecht ins Restaurant schieben.
Wow, der Tisch war mit Blumen und Kerzen geschmückt und wir wurden mit Mr. und Mrs. Fantasy begrüßt. Sie bekam das alles nicht mit. Sie fühlte sich deplatziert und murmelte immer wieder sie sei nur eine „simple Lady, oder „farming Lady“. Alle anderen Frauen seien viel hübscher und würden nicht verstehen, warum ich mit ihr ausgehen würde.
Erst nach 15 Minuten und unzähligen Komplimenten beruhigte sie sich und begann zu lachen als die Filialleiterin ihr wohl auf Vietnamesisch beschrieb, welchen Aufwand ich betrieben hatte.
Dann hauchte sie ein „thank you so much, I feel like a princess“ Sie strahlte mich an und konnte sich nicht entscheiden welche Pizza sie bestellen wollte. Ich übernahm und bestellte einfach beide – sie könne den Rest für ihre Tochter mitnehmen. Sie lachte und sagte vermutlich würde es vorher ihr Hund fressen.
Ich bestellte mir schwarzes Risotto.
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Von dem Wein nippte sie nur – sie wolle die Kontrolle behalten sagte sie mir – sorgte aber dafür, dass mein Glas immer voll war…
Dann übergab ich ihr meine Geschenke. Als sie die Lufthansa Pralinen öffnete zeigte sie mir wieder grinsend ihre Faust – ein rotes Schokoladenherz strahlte aus der Packung.
Als sie zur Toilette ging, packte ich die vorbereitete Karte unauffällig in die Kühltasche und gab der Bedienung und Filialleiterin vorab einen großzügigen Tip, damit wir nicht verscheucht würden. Es warteten einige Menschen auf einen freiwerdenden Tisch.
Wir lachten viel und verbrachten einen wirklich tollen Abend und gingen als vorletzte aus dem Restaurant. Ich fragte, wie sie nach Hause käme. Sie antwortete eine Freundin würde sie mit dem Scooter abholen und würde schon seit 2,5 Stunden vor meinem Hotel auf sie warten. Die Fahrt dauere über 30 Minuten….
Trotzdem gingen wir noch drei Mal um den Block. Sie sagte ich solle nicht länger so verkrampft meine Hand in der Tasche halten, sie wisse, dass ich eine Erektion hätte – das wäre für sie doch ein Kompliment!
Als ich die Hand aus der Tasche nahm, lachte sie sich fast tot und stellte fest, dass es wirklich ein großes Kompliment sei….
Sie sagte mir sie hätte noch nie einen so schönen Abend mit einem Mann verbracht und fühlte sich zum ersten Mal seit ihrer Trennung wieder lebendig.
Ich hatte das Gefühl wir waren zwei offene Pulverfässer – ein kleiner Funke hätte gereicht, um ein riesiges Feuerwerk zu starten!
Aber nun wurde ihre Freundin langsam ungeduldig und begann zu hupen. Wir verabschiedeten uns und sie versprach mir morgen noch Goodbye zu sagen, bevor ich an den Flughafen fahren würde.
Ich ging alleine zurück ins Hotelzimmer und machte kein Auge zu.
Dann packte ich meine Koffer ging früh in die Lobby um auszuchecken. Ich hoffte sie nochmals wiederzusehen.
Sie wartete bereits vor dem Hotel. Mit ihrer Mutter und ihrer Tochter. Sie war über meine Karte verärgert und wollte mir unbedingt das Geld zurückgeben. Mutter und Tochter versuchten sie zu beruhigen. Ich sagte das Geld sei nicht für sie, sondern für ihre Familie, nur die Cola und Pralinen seien für sie gedacht.
Ihre erst 9 jährige Tochter bedankte sich ganz artig für die vielen Süßigkeiten bei mir und sagte ihre Mutter hätte die ganze Nacht geweint weil sie verliebt sei. Ihre Oma lachte sich über diesen Spruch fast tot und Miss Saigon wurde noch wütender!
Ich sagte ich hätte auch die ganze Nacht geweint – jetzt grinste sie mich mit ihrer geballten Faust wieder an….
Sie wollte sich aber erst beruhigen, nachdem ich das Geld zurücknahm. Dann packte ich noch meine restlichen vietnamesischen Dong dazu und gab sie einfach ihrer Mutter und stieg ins Taxi. Miss Saigon kam in Panik und reichte mir noch schnell einen Brief und bedankte sich unzählige Male für die schöne Zeit.
Sie winkte mir noch lange nach. Als ich den Brief im Flugzeug las, kamen mir die Tränen…
Wir werden uns wohl niemals wiedersehen – wir haben auch schlicht vergessen unsere Telefonnummern auszutauschen. Vermutlich besser so!
Aber ich denke wir beide werden uns noch lange an diesen Abend zurückerinnern, mir geht sie jedenfalls nicht aus dem Kopf…
Mein Flug ging nach Phnom Penh - Fortsetzung folgt...