Dem scheiß Wetter geschuldet klopf ich gleich den nächsten Tag hier rein ...
Tag 4 - Freitag
Apocalypse Now
Auch ich musste am nächsten Tag wieder raus, habe jedoch meinen Termin ein wenig nach hinten verschoben. Bin halt doch nicht mehr der Jüngste an der vietnamesischen Front.
Diesen Abend hatte ich Zeit für einen weiteren absoluten Muss-Besuch in Saigon: Das Apocalype Now.
Das Ding ist seit Jahren DER Mega-Schuppen in der Stadt. Hin- und wieder ein wenig schwierig reinzukommen, weil permanent überfüllt verbunden mit blöden Türstehern nach westlicher Manier. Aber als Expat hat man immer gute Chancen, meistens winken die einen gleich durch.
Das Apocalypse ist eine Mischung aus Disco, Lounge und Open Air-Bereich zum essen.
Und voll mit Freelancern.
Leider auch voll mit Dezibel einer Musik, die, wie soll ich es vorsichtig sagen, einfach nicht die meinige ist.
Anyway, ich war dort mit einigen Deutschen und Vietnamesen, die ich geschäftlich kannte, verabredet. Wieder konnte ich vom meinem strategisch gelegenen Hotel hinlaufen und danach auch wieder zurück. Aber es sollte anders kommen...
Unsere Gruppe platzierte sich zunächst in den Außenbereich und vernaschte erst mal 40 Chickenwings, runtergespült mit Bier. Ich war der einzige der Wein bestellte.
Irgendwann waren mir dann aber die permanenten Gespräche über's Business zu blöd (warum können gerade die Deutschen nicht einfach mal abschalten??) und ich klinkte mich für einen kleinen Stubendurchgang aus.
Als ich in ausreichendem Abstand zu den zappelnden Menschen auf der Tanzfläche ein Plätzchen zum Verharren und Glotzen fand, bestellte ich mir einen Red Bull mit irgendwas halt drin. Kommt cooler als ein Weinglas, dachte ich mir.
So dumm da rumstehend kam auch binnen ein paar Minuten ein richtiger Stunner auf mich zu. Kommt aus Saigon. Hat ein Kind von einem aus Singapur. Ist Single. Wohnt sonst auch in Singapur ist aber jeden Monat hier in Saigon bei ihrer Familie. Schönes elegantes schwarzes Kleid und total verschwitzt. Das lieb ich.
Und nun passierte es wieder: Sie fragte, ob wir nicht noch einen Drink woanders nehmen können, sie würde gerne ein wenig mit mir plaudern und hier sei es zu laut.
Das Glück war mit mir und ich erspähte einen aus unserer Truppe auf der Tanzfläche und bat ihn, mich bei dem Rest der Bagage zu entschuldigen. Wir sähen uns ja morgen alle wieder.
Und off I went...
Nächster Wiederholungsfaktor auf diesem Trip: Auch sie lief zielsicher auf einen Roller zu, gab mir einen Helm und los ging's.
Wieder eine total sichere Fahrweise durch die Nacht von Saigon. Meine Rolle in dieser Stadt scheint festzustehen: Roller-Beifahrer.
Wir fuhren in die Q-Bar, ein schön großer Außenbereich, der sich zu einem Drittel auf die Straße ausdehnte.
Sie redete sofort sehr vertraut mit einem der Kellner dort, weil sogar zu diesen frühen Morgenstunden nicht eine Maus mehr hätte einen Platz finden können.
Nach 3 Minuten saßen wir an einem herbeigebrachen Tisch mit zwei Stühlen. Noch weiter auf der Straße.
Wie sie mir dann sagte, war das ihr Bruder Assistant Manager hier.
Wieder tranken wir beide nur Wein. Ich sei ein komischer Deutscher, der kein Bier trinkt! Oh ja, das bin ich sehr wohl... Mich interessiert auch kein Fußball :)
Gegen später fragte ich sie, wo in dieser Megastadt sie denn wohne. DAS war das Stichwort um aufs Thema zu kommen. "Sehr, sehr weit weg" sagte sie. Mir als Gentlemen blieb da ja nix anderes übrig, als sie zu fragen, ob sie nicht bei mir übernachten wolle.
Sie wollte!
Bezahlen mussten wir gar nichts, ihr Bruder lud uns ein und sagte mir, ich würde gut zu seiner Schwester passen. Na dann...
Wieder ging's durch die Streets of Saigon zielgerichtet vor mein Hotel. Wieder parkte ein Mädel ihren Roller vor diesem und wieder marschierte ich Hand in Hand zu dem Aufzug. Zum Glück war keiner der Gards da. Doan erzählte mir am Vorabend, dass Gäste nicht so gerne gesehen seien und man ein wenig an den Typen vorbeischleichen sollte.
Und wieder hatte ich eine LKS-Nacht mit einer Vietnamesin, die wirklich Spaß an allem hatte.
Und wieder hatte ich nur einen Teil der Aktion mitzubestimmen, den Rest übernahm sie.
Der einzige "komische" Punkt war die Diskussion, warum ich denn Kondome dabei hätte. Es gäbe doch in den Hotels sonst keine. Elegante Antwort: "Oh, die sind wohl schon ne ganze Weile in meinem Kulturbeutel...."
Meine schlagfertige Gegenantwort, woher sie denn das mit dem Hotel wisse, blieb unbeantwortet. :)