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Hue – Die alte Kaiserstadt an der entmilitarisierten Zone
Es ist immer ein komisches Gefühl in einer fremden Stadt zu landen. Ganz ohne Gefühl für Lage, Entfernungen, Tourismus und Menschenfreundlichkeit. So auch diesmal. Angekommen am Busbahnhof in Hue war mir absolut schleierhaft wo ich mich gerade befinde. Schon ging das Schlepper-Rudel auf einem los. Da heißt es wie immer, erst mal Ruhe bewahren, Gepäck holen, bloß nicht vollquatschen lassen. Sobald man alles hat, höre ich mir immer an was sie anbieten. Mit einer Karte vom Reiseführer der Stadt sollen sie mir zudem zeigen wo das Hotel liegt. Eines klang recht vielversprechend und so ging es auch schon mit dem kostenlosen PickUp-Service in die Stadt. Das Hotel lag gut und der Preis für 8 Dollar, das der Schlepper anbot ging auch klar. Dennoch, immer Zimmer zeigen lassen. In aller Ruhe setzte ich mich auf das Bett und checkte die Signalstärke vom hauseigenen Wlan. Auf einmal hieß es 15Dollar. Kurzer Hand erklärte ich ihm, dass sein Schlepper was anderes erzählte und schon gingen wir eine Etage höher. Hier hieß es 10Dollar. Nun wollte ich aber auch die 8 haben und als ich das Hotel fast schon verlassen wollte lenkte er ein. Immerhin, 2 Dollar sind 4 Bier oder einmal Mittag. Wenn man lange reist macht das viel aus.
Da es erst Mittag war und ich noch nicht zum Frühstück oder Mittag hatte, ging der nächste Weg direkt gegenüber vom Hotel in ein kleines Restaurant („cafe on thu wheels“). Langsam kenne ich ja die Preise. Ein hübsches Mädel kam aus der Küche auf mich zu, sah meinen Lonely Planet in der Hand und zeigte mir gleich, dass sie darin stehen. Meinen Hinweis, dass das der deutsche Lonely Planet sei, ignorierte sie kurzer Hand. Zielgewiss fand sie Ihren Eintrag und begann zu grinsen. Das Restaurant war gleich zweimal vorhanden. Als Reiseagentur und Bar. Mir soll es recht sein. Das heißt immerhin, sie haben schon etwas Erfahrungen beim Touren buchen und Informationsaustausch. Ich fragte, wie ich zur alten Kaiserstadt komme, dem eigentlichen Ziel dieses Aufenthaltes und schwupps saß ich bei dem hübschen Mädel auf dem Motorroller. Ich bin ja immer wieder erstaunt wie hier Moto gefahren wird. Der Verkehr ist so mörderisch. Die Straßen überfüllt, jeder fährt mehr oder weniger wie er es für richtig hält. Wir, die es anders gewöhnt sind, würden vor manchen Situationen „oh mein Goooott“ schreien und am Ende, wenn denn alles gut gegangen ist, adrenalingetränkt Lachen mit den Worten „puh, das war Knapp“. Hier, so wie meine hübsche Fahrerin, die einmal kurz vor einer Ampel eine Vollbremsung hin lag, da ein anderes Moto nicht so wie erwartet fuhr, wird das mit den Worten „Upps“ verniedlicht.
Angekommen im inneren der Zitadelle, die die Kaiserstadt umgibt, erklärte sie mir noch kurz wie ich am besten laufe und schon war ich allein. Es war früher Nachmittag. Der Anblick der Zitadelle ist echt prächtig. Zur Kaiserzeit war das sicher recht eindrucksvoll für Reisende, die hier her gelangten. Im Zentrum vor dem Eingang der Kaiserstadt thront die vietnamesische Fahne auf dem landesweit höchsten Flaggenturm. In der Zeit des Vietnam-Krieges wehte hier die Fahne des Viet-Cong, als nach der Ted-Offensive die Stadt und besonders die Zitadelle für 3 ½ Wochen vom Viet-Cong gehalten werden konnten. Es muss wie der Stachel im Fleisch für die südvietnamesische und amerikanische Armee gewesen sein.
Innerhalt der Zitadelle, wie eine Zitadelle in der Zitadelle, befindet sich die Kaiserstadt. Der Eintritt liegt bei 80.000 Dong also 4 Dollar. Die nach chinesischem Vorbild gebaute Kaiserstadt umfasst leider nicht mehr ihre komplette damalige Schönheit. Im Krieg wurden sehr viele der alten Gebäude zerstört, sodass nur noch ein Bruchteil des alten Glanzes zu sehen ist. Ein paar der Ruinen sind auch heute noch sichtbar. Andere werden aufwendig restauriert. Dennoch ist es atemberaubend was zu damaliger Zeit erschaffen wurde. Deutlich erkennt man chinesische Baumerkmale in den Gebäuden und Verzierungen. Beeindruckend sind die großen Innensäle. Um die gesamte Anlage zu umlaufen habe ich rund drei Stunden gebraucht. Zum Glück stand die Sonne extrem günstig. Grade die Bilder aus dem Abendlicht heraus sind doch sehr schön geworden.
Den Weg zurück lief ich. Mittlerweile bin ich ja recht fit was Laufen angeht. Auch in Flip-Flops. Wenn man den hinteren Ausgang der Zitadelle benutzt und das dahinter liegende Viertel besucht, bekommt man viel vom eigentlichen Leben hier zu spüren. Gerade die kleinen Straßen beeindrucken mich immer wieder. Enge Gassen auf denen aus dem nichts ein mit Planen überdachtes Restaurant mit plastischen Minihockern entsteht. Der Geruch von Gebratenen steigt einem in die Nase. Überall sitzen Menschen beim Bier, spielen mir unbekannte Spiele. Der Krach und Lärm der Motos und das Hupen ist allgegenwärtig. Und doch entspannen die Menschen fast ausschließlich auf den Straßen.
Am Abend buchte ich für den nächsten Tag eine Tour zur ehemaligen Demarkationslinie und der alten angrenzenden entmilitarisierten Zone (EMZ bzw. engl. DMZ).
Die Tour startete mit einem Pick-Up vom Hotel und einem sehr einfachen Frühstück. Als endlich der Bus kam, weit verspätet, fuhren wir Richtung Dong Ha. Hier schnell unseren Guide eingesammelt und dann ging die Fahrt auch los. Die Tour ging direkt entlang des alten 10km breiten Streifens der von der Küste bis zur Grenze zu Laos im Westen führt. Dieser “Streifen” war die alte Trennlinie zwischen Nord- und Süd-Vietnam. DMZ steht für “demilitarized zone”. Unser Guide war gut unterrichtet. Er erzählte viel von der Geschichte in den Wendejahren und das Leben an der DMZ. Dumm nur, dass mir das alles nicht mehr neu war. Ich hatte Tage vorher in Nha Trang ein Buch über den Vietnam-Krieg gekauft, das ich wirklich in ein paar Tagen verschlungen habe. Somit wusste ich nun selber reichlich über die Geschehnisse und die Wendepunkte.
Von der alten Demarkationslinie sieht man in der jetzigen Zeit nichts mehr. Vielmehr ist es die Erinnerung von Straßen, Brücken und Bergen die diese Linie Heute ausmacht. Nach rund zwei Stunden Fahrt hielten wir auch einer Bergkette. Hier stand die ehemalige Artillerie Festung und Aussichtsplattform der Amerikaner „the rockpile“. Auf den hohen Bergen vor unseren Augen erklärte der Guide, haben die Amerikaner ein Netz aus weitreichenden Artilleriegeschützen und Aufklärungsstationen gespannt. Die Gipfel der Berge waren nur mit großen Mühen erreichbar. Somit wurden extra Landeplattformen für Hubschrauber errichtet. Aber alles nicht mehr erkennbar. Entlang des Highway 9 fuhren wir vorbei an Bauruinen die einst bedeutende Bauten waren. An einer unscheinbar aussehenden Brücke hielten wir erneut. Die Brücke gehörte zu einem der wichtigsten Ho-Chi-Ming-Pfade über die Waffen und Personen nach Südvietnam geschafft wurden. Hier muss man wissen, dass es nicht nur einen Ho-Chi-Ming-Pfad gibt sondern mehrere. Die konkreten Routen konnten von den Amerikanern nie ausgemacht werden. Somit konzentrierten sie ihr Feuer auf die Flaschenhälse wie zum Beispiel diese Brücke. Der Guide berichtete, dass diese Brücke jeden Abend mit tausenden Helfern wieder aufgebaut wurde. Heute sieht sie sicher anders als zur Zeit des Vietnam-Krieges und doch weiß man, dass die Füße gerade über einen bedeutenden Teil der Geschichte laufen. An der Brücke selbst erinnert wie in den Bergen nichts mehr daran was sie einst für eine wichtige Rolle besaß.
Wieder im Bus hieß der nächste Anlaufpunkt „Khe Sanh combat base“. Die alte amerikanische Station lag hoch in den Bergen. Unser kleiner Tourbus schlängelte sich die schmalen Pfade hinauf. Umso höher wir in die Berge vorstießen umso schlechter wurde das Wetter. Oben angekommen begann es pünktlich zum Aussteigen aus dem Bus zu regnen. Die alte Basis dient heute als Museum mit einem Gebäude und außen mit vielerlei altem Armee-Schrott. Die Fotografien und Darstellungen im Museum selbst ähneln sehr dem „war renmaint museum“ in Saigon. Viele Bilder zeigen Fotos kurz vor oder nach dem Angriff des Viet-Cong auf diese Basis. Der Angriff muss für die Amerikaner so überraschend gekommen sein, dass sie anscheinend viel zurück lassen mussten. Eben die Reste sind auf dem Außengelände ersichtlich. Von Bomben über Panzer und Helikoptern, ja bis hin zu einem kompletten Flugzeug ist hier alles vorhanden. Auf den Bildern erkennt man glaub ich ganz deutlich in was für einem Wetter ich mich befand. Gern hätte ich mir das Areal genauer angesehen, aber durch Matsch und Nässe war dies kaum möglich.
Im frühen Nachmittag steuerten wir von der Kampfbasis wieder zurück Richtung Dong Ha. Hier war nun Zeit für einen kleinen Mittag. Weiter ging es in den nördlichen Teil der DMZ. Da ich in Saigon aufgrund der Zeit die Cu-Chi Tunnel nicht sehen konnte, war das nächste Ziel mein eigentliches Anliegen dieser Tour. Die Vinh Moc Tunnel. Es gab eine Zeit, in der die Amerikaner ihre Bombenangriffe auf die nördliche Seite kurz über der DMZ konzentrierten. Zum einen wollten die eine Stationierung von Viet-Cong Truppen und eine mögliche Offensive unterbinden zum andern wollten sie Rückzugspunkte und Nahrungsfelder zerstören. In dieser Zeit bezahlten viele Zivilisten die hier wohnhaft waren mit dem Leben. Aus diesem Grund wurden Tunnelsystem erschaffen und ganze Städte unter die Erde verlagert. Die Vinh Moc Tunnel war die größte Tunnelanlage an der DMZ und ist die heute noch einzig erhaltene. Hier fanden bis zu 20.000 Menschen über mehrere Etagen Platz. In den Tunneln wurde wie oberhalb der Erde gelebt nur auf engstem Raum. Es gab Schulen, Krankenstationen und Konferenzräume. Das alles bei extremer Luftfeuchtigkeit, Wärme und Dunkelheit. Oberhalb der Tunnelanlagen deuten noch viele Unebenheiten im Boden auf alte Bombenkrater hin. Durch zwei dieser Tunnel bewegten wir uns. Wäre unser Guide nicht hätten wir uns in den schier endlosen Gängen verirrt. Wir bewegten uns 1,2km durch den Tunnel Nummer 3. Der Tunnel der extra für Touristen beleuchtet und ein Stück vergrößert wurde. Danach wollten wir aber auch alle wirklich sehen wie so ein Tunnel war. Drum ging es zum Tunnel Nummer 5. Er ist im ursprünglichen Zustand belassen worden. Auf 800m herrscht pure Dunkelheit. Es schallt von überall her und man kann Entfernungen nicht mehr abschätzen. Überall stolpert man über Steine und Unebenheiten. Mit dem Blitzlicht meiner Kamera versuchte ich hin und wieder ein paar Blicke zu erhaschen. Alle waren froh, als wir das Tageslicht am Ende des Tunnels sahen.
Am frühen Abend ging es direkt zurück nach Hue. Diese Tour ist mit Sicherheit nichts weltbewegendes, da bei vielen Orten nur noch die Erinnerung existiert. Dennoch war es für mich etwas Besonderes. Die Bedeutung der Landstriche über die meine Füße mich dort brachten ist weit mehr als die Unerkennbarkeit der alten Demarkationslinie.
Zurück von der Tour um die Entmilitarisierte Zone versuchte ich am Abend krampfhaft ein Ticket zu einem vernünftigen Preis nach Dong Hoi zu bekommen. Gar nicht so einfach. Ich war in ca. 10 Büro’s und die Preisspanne ging von 7 bis 25 Dollar. Oft wurde gesagt, dass man die komplette Fahrt nach Hanoi buchen müsse und in Dong Hoi einfach aussteigen soll. Das klang mir etwas suspekt. So will ich probieren direkt zum Busbahnhof zu kommen und dort zu buchen.
Die letzten zwei Tage saßen mir irgendwie in den Knochen. So verwarf ich meinen eigentlichen Plan heute den 15.09. weiter nach Dong Hoi zu reisen und schlief unfassbar lange. Bei dem derzeitigen anhaltenden Regen fiel auch eine weitere Stadtbegehung am Nachmittag aus und so widmete ich mich dem Blog. Am Abend landete ich in der „liberty bar“. Eine Bar unweit meines Hotels mit interessanten Waenden, in der ich noch einige weitere Bilder kaufte für nur 3 Dollar das Stück. Nun habe ich auch ein paar als Mitbringsel für Daheim.
Morgen aber, so bin ich fest entschlossen, geht’s weiter nach Dong Hoi, egal wie.
Eins habe ich am letzten Tag noch erlebt, dass ich erzählen muss. Einen Bus habe ich bekommen, das war unschwer. Obwohl ich das Gefühl nicht schwächer wird, dass diese Verbindung nach Dong Hoi überteuert ist. Ich zahlte 7Dollar für die Strecke Hue – Dong Hoi mit 150 km. Letztlich egal, ich will hier einfach nur noch weg. Mit ein paar Stunden Zeit davor, lief ich nochmal eine andere Strecke durch die Stadt (hier nur mit der kleinen Kamera, da die große am Ladegerät hing). Man wird ja oft von Moto-Fahrern angesprochen, erst recht wenn der eigene Blick auf eine Karte starrt um nach einer Straße zu suchen. Hier ist es mir jedoch drei Mal passiert, dass mir die Fahrer einreden wollten, sie hätten verwandte in Deutschland und ob ich ihnen nicht eine Münze für ihre Söhne, Töchter, was auch immer schenken könnte. Drei Mal in zwei Stunden ist definitiv zu viel und wohl wieder eine weitere Masche um den Leuten das Geld aus den Taschen zu ziehen.
Fazit am Ende von Hue. Die Stadt finde ich persönlich recht langweilig. Das einzig interessante ist die Zitadelle die man locker an einem Tag schafft. Den Rest kann man getrost auslassen.
Umso höher es in das nördliche Gebiet Vietnams geht, umso abenteuerlicher wird es. Der Weg nach Dong Hoi war schon ein kleines Abenteuer. Hier fuhr kein Reisebus mehr direkt hin, sondern nur ein kleiner Mini-Van. In ihm war ich der einzige Tourist umgeben von Vietnamesen. Natürlich alles wieder vollgepackt bis unter das Dach. Denn jeglicher Platz muss ja genutzt werden. Kinder bekamen keinen eigenen Platz sondern saßen (teilweise) schreiend auf Muttern‘s Schoß. Nach sehr langen vier Stunden erreichten wir das Ziel. Es war der 16.09. Eigentlich dachte ich, dass diese doch sehr untouristische Stadt vergleichsweise billiger sein muss als die anderen von Touristen überfüllten Städte. Weit gefehlt. Nachdem der “Bus” mich irgendwo rausgeschmissen hat, lief ich die restlichen Meter zu Fuß in die Richtung eines Hotels, das im Lonely Planet steht. Bei 12$ gingen die Verhandlungen los. Dann hieß es 10$. Im Vergleich zu den anderen Unterkünften die ich bis jetzt hatte war mir das einfach zu viel für diese einfache Hafenstadt. Also verließ ich den Laden auf der Suche nach ein preislich für mich attraktiveres Hotel.
Unweit der nächsten Kreuzung fand ich ein Schild auf dem stand “wir sprechen auch Deutsch”. Das interessierte mich. Ich ging an das Café heran und ein vietnamesischer Mann kam auf mich zu. Nachdem ich im englischen angefangen habe, sprach er auf einmal deutsch. Vielleicht sah er, dass ich interessiert zu dem Schild schaute, vielleicht hörte er auch meinen Dialekt wenn ich Englisch rede. Er erzählte mir, dass er damals in der DDR lebte und in der Nähe von Dresden Fahrzeug und Maschinenbau gelernt hat. Mir lag jedoch brennend eine andere Frage auf der Zunge. Er war der Mensch der mir helfen konnte. Ein Hotel! Wo finde ich ein Hotel zu einem humanen Preis. Er führte mich in ein etwas heruntergekommenes Haus. Oben wurden vier Zimmer vermietet und für 7$ war ich dabei. Meine bis dahin schlechteste Herberge aber so lang wollte ich mich ja dann doch nicht in Dong Hoi aufhalten. Am Abend schlenderte ich noch etwas am Meer entlang und genoss den Blick auf die Halbinsel und die faszinierend leuchtende Brücke. Hier am Wasser verbringen die Menschen viel Zeit und Zeit scheinen einige echt im Überfluss zu haben. Auch bis in die späte Nacht sitzen Menschen in den Parks. Wenn man sich hier nieder lässt sieht man allerhand befremdliches. Brett-Spiele die ich nie vorher sah. Alte Menschen die Fit wie ein Turnschuh an einem vorbei rennen. Gackernde Frauen im langen Schlafanzug die an einem vorbei gehen. Solche Momente würde ich gern festhalten, doch im Abendlicht ist auch das Fotografieren nicht mehr ganz einfach.
Am nächsten Morgen stand mein eigentliches Ziel in der Umgebung an. Dong Hoi diente ja nur als Ausgangsbasis. Das Ziel hieß Pham Nha Nationalpark und lag 30km von Dong Hoi. Um dorthin zu gelangen mietete ich mir kurzer Hand einen Motorroller. Ich, der noch nie in seinem Leben ein Motorrad gefahren ist, wollte gleich man in Vietnam, bei dem außerordentlichen Verkehr, seine Fahrkünste testen. Aber ich dachte mir, auf dem Fahrrad bin ich eigentlich ganz fit, so ein unterschiedlicher Balance-Akt kann das ja nicht sein. Witziger Weise fand ich nur eine Motovermietung und die war in dem Hotel, welches ich vorher aufgrund des Preises ausschlug. Die gute Dame kam gleich erst mal mit der Frage um die Ecke, wo ich denn nun nächtige. Ich erklärte es ihr, denn einen wirklichen Namen hatte meine Unterkunft nicht. Sie erklärte mir hingegen, dass das mehr für Vietnamesen gedacht ist und sie könnte nochmals mit dem Preis etwas runtergehen, denn es gibt ja auch noch ein Mehrbettzimmer (Dorm-Room). Bei 7$ war sie nun ebenfalls, sogar mit Frühstück. Die Frage, ob der Dorm über Nacht entstanden ist ersparte ich mir! Ich sagte zu und checkte drüben kurzer Hand aus und in einem vollkommen leeren Dorm ein. Nicht zuletzt weil ich hier gleich das Moto holen konnte.
Es war immer noch sehr früh am Morgen des 17.09 als ich mich auf dem privaten Moto der Tochter meiner Hotelbesitzerin Richtung Highway 1 zum Nationalpark Phong Nha machte. Ich hatte eine irgendwie handgemalte Karte, den Helm und die Zündschlüssel in die Hand gedrückt bekommen. Ob ich das Ding überhaupt fahren durfte oder kann interessierte niemanden. Naja die Tochter war schon etwas besorgt um ihr gutes Stück aber ich versprach ihr gut damit umzugehen. Die ersten paar Meter waren schon befremdlich. Immerhin bin ich noch nie in meinem Leben Roller gefahren! Doch im Laufe der Zeit ging es besser und besser. An der ersten Tankstelle, das Ding war nicht mal ansatzweise betankt, scharrten sich gleich 5 Vietnamesen um mich als ich den Tank nicht fand. Aber gemeinsam zu 6. Lösten wir das Problem und es gab großes Gelächter. Denn ha! Auf Anhieb fanden sie das Ding auch nicht. Zurück auf der Straße düste ich zum Highway und diesen entlang Richtung Norden. Der Verkehr hielt sich in den Morgenstunden in Grenzen und ich konnte die Schönheit der Landschaft genießen. Die gründen Reisfelder in denen sich die Sonne im Wasser spiegelt. Die Berge die als Silhouette im Nebel zu erkennen waren. Ein leichtes Free-Rider Gefühl kam in mir auf nur eben mit einer komischen Mühle unterm Hintern.
Nach etwas über einer Stunde fahrt war das Ziel in Sicht. Ich war etwas langsamer unterwegs, da ich an interessanten Stellen hielt und hier und da ein paar Fotos schoss. Schon von weitem kündigt sich der Nationalpark mit seinem Namen in Form eines großen Schildes hoch oben auf einem zerklüfteten Fels an. Nach weiteren 30 Minuten und vielen Fragen fand ich auch die Fährstation zur ersten Höhle. Hier im Umland gibt es zig Höhlen. Zwei davon sind mein Ziel am heutigen Tag. Die Pham Nga Höhle und die Paradise Höhle. Der Preis für die Pham Nga zog ganz schön rein mit 400.000Dong. Das Problem war, dass man nicht auf dem Landweg zur Pham Nga Höhle kommt sondern nur mit einem Boot. Die Boote lassen sie sich natürlich teuer bezahlen. Auf dem Wasserweg ging es nun rund 40Minuten zum Eingang der Höhle. Im Inneren offenbart sich die schiere Größe der Höhle. Interessante Felsstrukturen die das Wasser über Jahrhunderte hinein gezaubert hat werden mit farbigen Licht aus- oder angeleuchtet. So bekommt das ganze nochmal einen sehr magischen Schein. Problem an Höhlen ist immer, dass hier eine Kamera ohne Stativ recht wenig nützt um das was man sieht auch genauso festhalten zu können wie man es sieht. Das Fotografieren mit einem Blitzlicht gibt den Schein meiner Meinung nur mager wieder.
Wieder draußen ging ich graden Schrittes zurück zum Boot. Unterwegs wird man ca 5000 angesprochen ob man etwas essen oder trinken möchte. Kurz vorm Boot schrie meine nette Bootsdame mir irgendwas zu, was ich gar nicht deuten konnte entgegen. Erst als ich näher kam verstand ich. Hier gab es gleich eine weitere Höhle über der Pham Nga. Also wieder zurück bis ich die Stufen sah. Ab hier wurde es schrecklich. Es war warm (wie immer in Vietnam), es war sehr feucht und vor mir lagen 600 Treppenstufen (wie ich später erfuhr). Ein kleiner Gewaltaufstieg mit extrem schöner Aussicht, bei dem ich mich die ganze Zeit fragte, ob sich diese Höhle auch lohnen würde. Vorweg, es lohnt sich! Oben angekommen begann schon die erste Verkäuferin zu schmunzeln. Mein Körper lechzte nach Zucker, darum erst mal eine überteuerte Cola. Aber hier galt es Notlage zu mildern. Das Innere der Höhle sieht noch beeindruckender aus als das der ca. 500m weiter unten Liegenden. Die Lichteffekte sind ähnlich aber die Größe ist absolut atemberaubend. Ich versuchte einige Bilder ohne Blitzlicht zu schießen und denke ein paar davon sind sicher absehbar.
Nach rund 2h war ich durch mit den Höhlen. Mit meiner Boots-Capitäns-Dame ging es zurück zum „Fährhafen“. Vorbei am Nationalpark mit den grünen Bergkuppen, vorbei an kleinen Dörfern mit beschäftigten Fischern und vielen kleinen Eigenheiten. Das wirklich schöne war, dass ich allein auf meinen Boot war, welches sicher Platz für 20 Personen bat. Aber irgendwie hatte ich Glück und so konnte ich backbord wie steuerbord heraus ungehindert Fotos schießen.
Zurück auf dem Motorbike ließ ich mir glaub ich 5mal erklären wie ich zur Paradise-Höhle komme. Leider hatten alle fünf Personen unterschiedliche Wege für mich, sodass ich versuchte einen für mich sichereren aber längeren Weg einzuschlagen. Auf der handgezeichneten Karte vom Hotel waren leider keine Entfernungen erkennbar. So dachte ich, ein halber Tank müsste eigentlich reichen, so Pi mal Daumen. Fataler Fehler! Ich fuhr also,.. und fuhr und fuhr und irgendwie kam ich immer weiter in das Hinterland. Ich war recht sicher, dass ich auf der richtigen Straßen bin aber eben ohne jegliches Maß für Entfernung. Irgendwann neigte sich die Tachonadel in einen Bereich der mir Sorgen bereitete. Hier war wirklich Hinterland. Keine Dörfer und erst recht keine Tankstellen. So musste ich schweren Herzens leider umdrehen. Ich weiß bis heute nicht ob ich die falsche Straße genommen habe oder ob die Höhle wirklich noch kam. Vielleicht übersah ich sie auch, denn sie soll ja wirklich sehr untouristisch sein. Jedenfalls, wer kann sollte dahin fahren! Die Höhle ist die bis jetzt größte zugängliche Trockenhöhle der Welt. Es gibt zwar eine weitere, welche jedoch noch nicht „einfach so“ begehbar ist. Für mich ging es nun wieder Richtung Dong Hoi, doch zuerst mit Stopp an einer Tankstelle! Es war knapp, aber der Sprit hatte gereicht.
(PS: mit meiner Erfahrung heute würde ich jedem raten direkt zu versuchen im Nationalpark zu nächtigen. Es geht wohl über Homestay's.)
Für den nächsten Tag stand nicht viel auf dem Programm. Ich besorgte mir ein Busticket für meinen nächsten Stopp Ninh Binh. Hier musste ich nun wirklich den vollen Preis bis nach Hanoi zahlen. Niemand ließ mit sich verhandeln. Ich sag ja, Dong Hoi, warum auch immer, ist teuer! Den Rest des Tages schlenderte ich durch die Halbinsel, entlang der Resorts und der total überteuerten Restaurants, weiter über die Innenstadt. So klein ist die Stadt gar nicht wie sie auf den ersten Schein zu sein scheint. Ich hatte viel Zeit um reichlich von der Stadt zu sehen. Mein Fazit: ich würde hier nicht wieder Halt machen. Denn wenn Höhlenbesuch, dann direkt vor Ort!
Hier im Norden in Ninh Binh, kurz unter Hanoi, gab es unzählige Kalksteinerhebungen mit unendlich viel Grün. Dieselben Erhebungen, die es auch in der Halong Bay gibt, eben nur ohne Wasser. Das war mein Ziel. Es war der 19.09.. Lösungswege konnten somit ein Tagesausflug von Hanoi oder ein Zwischenstopp in Ninh Binh sein. Da ich keine Lust auf die Tagesausflüge hatte, entschied ich mich für letzteres. Mal wieder hatte ich alles richtig gemacht. Zwar war ich etwas mürrisch als der Nachtbus mich um 4Uhr morgens an einer unbekannten Stelle in einer mir fremden Stadt raus warf, aber gut, Vietnam halt. Langsam schockt mich so was auch nicht mehr wirklich. Trotzdem sind das Momente wo man kurz wirklich Nerven braucht. Man stelle sich das so vor. Ein dunkler Bus, alles schläft. Man selber döst oder schläft ebenfalls. Der Bus hält, wie so oft irgendwo, nicht erkennbar warum. Einer der Gehilfen stupst einen an und sagt leise mehrfach in Folge „Ninh Binh, .. Ninh Binh“. Verschlafen begreift man, hier muss ich raus. Das Zeug zusammengesucht und von der Schlafpritsche gerutscht. Kaum steht man in der frischen Morgenluft liegt das Gepäck schon auf der Straße, wenige Sekunden später setzt der Bus wieder in Bewegung. Kurz beten, dass sie das komplette Gepäck rausgeworfen haben. Der Blick schweift über den Rucksack, die Gedanken kreisen. Alles da. Einmal durchatmen!
Eine schlecht beleuchtete Straße im Nirgendwo. Ich hab keinen Schimmer wo ich gerade stehe. Ein Blick auf die Stadtkarte im Reiseführer. Worte wie „ich müsste hier sein“ denke ich laut. Noch zwei Stunden bis die ersten Geschäfte und Unterkünfte wieder öffnen. Nun, was bleibt zu tun? Ich für mein Teil gehe so was pragmatisch an. So hieß das für mich: Kopfhörer rein, Musik an, (mit Musik geht alles leichter) und versuchen in das Viertel zu laufen wo die meisten Bars und Unterkünfte sind. Mit Glück hat noch eine Bar offen.
Grad als ich 200 Meter gelaufen bin hielt ein Moto neben mir. Ein scheinbar hell-wacher Fahrer bot mir eine Unterkunft für 6$. Das Angebot konnte ich nicht ausschlagen. Im Hotel angekommen wollte ich wach bleiben und wirklich früh starten, doch der Schlaf und das flauschige Bett zogen mich in ihren Bann.
Immer noch sehr frühen Morgen, nach 4 Stunden Schlaf, ging es mit einem gemieteten Moto Richtung Trang An. Trang An ist ein Gebiet der besagten Kalksteinerhebungen, welches mit Flüssen und Höhlen durchzogen ist. Hier um Ninh Binh gibt es zwei solcher Gebiete: Trang An und Tam Coc. Mein Hotel empfahl mir Trang An, da es nicht so überlaufen sei.
Es war gerade mal 9Uhr und ich war der erste auf dem Fluss. So hatte ich mir das vorgestellt! Überall liest man ja, dass diese Flussfahrten jeglichen Charme verlieren wenn es hier so voll ist, dass die kleinen Boote sich aneinander reihen. Was man dort sieht und wahrnimmt kann ich kaum beschreiben. Die Natur zeigt sich hier in wahrer Schönheit. Eine wahrhaft romantischere Umgebung sah ich selten. Überall stehen die großen dumpfen Kalksteinerhebungen umgeben von schmalen Flüssen. Das Fluss- und Regen-Wasser suchte sich seinen Weg über Jahrhunderte und brach unendlich viele Höhlen in das Gestein. Durch einige davon ging es. Platzangst war hier fehl am Platz. Die Höhe der Höhlen war oftmals so gering, dass wir uns tief ins Boot setzen mussten. Ansonsten gäbe es dicke Beulen am Kopf. In der Länge von meist um die 200 Meter war es nass, schwülwarm, sehr dunkel und sagenhaft Eindrucksvoll. Leider gelang es mir nicht mit der Kamera diese Schönheit festzuhalten. Das Blitzlicht nahm irgendwie den ganzen Glanz. Insgesamt dauerte die Fahrt etwas mehr als 2 Stunden. Auf dem Rückweg sah ich noch eine sonderbare Rudertechnik. Hier wurde abwechselnd mit den Füßen gerudert. „Tretboot etwas anderer Art“ dachte ich. Will mal wissen wie lang die für so etwas trainieren müssen um das drauf zu haben!
Wieder draußen, der Tag war noch jung, ging es weiter. Nächster Halt war die größte Tempelanlage in Vietnam: Bai Dinh. Schon von weiten sieht man den Turm dieser Pagode. Es ist eine sehr schöne Pagode, die immer noch im Ausbau ist und ganz ehrlich: Wenn man diese gesehen hat, kann man sich jede weitere schenken. Hier, oben auf der höchsten Plattform dieser Pagode fühlt man sich mitten drin im Vietnam. Der Blick schweift über die Reisfelder die am Horizont von garstigen Kalksteinen eingehüllt werden. Wasserbüffel helfen Bauern beim Pflügen der Felder und überall diese Ruhe und die Harmonie. Einfach traumhaft. Hier und da musste ich noch nebenbei Modell stehen für oder besser mit jungen Chinesinen.
Beim Abstieg und vorbei an unzähligen Buddha’s, die die seitlichen Gänge der Pagode säumten, traf ich gerade am unteren Tor ein als dieses einen neuen Eingangstor-Flügel bekam. Für mich führte der Weg weiter, weiter Richtung Tam Coc. Ich wollte nun doch schon sehen, was ich nicht sah! Als ich ankam war klar: Alles richtig gemacht. Tam Coc war überlaufen und bei weiten nicht so eindrucksvoll die Trang An. Aber es war schon sehr amüsant, denn ich erkundete nun mit dem Moto bis an Stellen an denen es wirklich nicht mehr weiter ging. Hier und da winkten mir die Menschen auf den Flüssen in ihren kleinen Booten zu. Irgendwie und vor allem irgendwo gelangte ich noch zu einer abgelegenen Pagode, die in einem Felsen erbaut wurde. Leider habe ich den Namen vergessen. Aber an die unzähligen Fledermäuse an der Decke erinnre ich mich, die ich mit meiner Stirnlampe gut ärgern konnte.
Am frühen Abend kam ich zum Hotel zurück. Meine ersten Gedanken waren „scheiße, wieder zu viel getankt“. Etwas später wollte ich endlich eine „bia hoi“ Bar sehen. Nachdem ich erfolglos der Wegbeschreibung vom Hotelservice gefolgt bin fuhr dieser mich im zweiten Anlauf direkt dahin. Kostenlos! Feine Sache dachte ich. Überhaupt war der Service im Hotel echt gut. Wenn das Hotel zwar nicht das schönste war aber das Personal und die Preise für Moto, Essen und Getränke machen das wieder wett. Wo waren wir. Achja „bia hoi“. Hierbei handelt es sich um lokales Bier das aus dem Fass gezapft wird. Die Preise sind für ein Glas um die 5000Dong (25Cent). Hier gab es auch größere Gläser zu 10000Dong. Etwas später kamen zwei Vietnamesen. Sie bestellten einen Pitcher. So was wollte ich auch haben. Also zeigte ich dem leider nicht des englisch mächtigen Personals den Pitcher, ging zur Preiskarte die an einer Wand hing und zeigte mit dem Finger auf und ab. Preisanfrage der anderen Art. Der Pitcher kam 25.000Dong, also knapp einen Euro. Unfassbar. Das waren mindesten 1,5L Bier. Meine neuen Freunde einen Tisch weiter boten mir noch was zu „knabbern“ an. Ein Stück Fleisch eingewickelt in einem Blatt. Keine Ahnung was das war, aber man konnte es essen. Erdnüsse würde ich dennoch vorziehen. Schade, dass im Norden von Vietnam so wenige Leute Englisch sprechen. Am Ende meines zweiten Pitchers, grade als ich zahlen wollte, wollte mich doch glatt die Bedienung übers Ohr hauen. Anscheinend waren sie sicher, dass ich zu viel getrunken hätte, aber meine mathematischen Fähigkeiten kann ich auch im Alkohol ausüben. Nach 10 Minuten Diskussion ging ich recht zornig. Dabei war das bis dahin eine wirklich gute „bia hoi“ Bar.
Grade sitze ich etwas verkatert im Zug nach Hanoi und ich kann wieder was von meiner Todo-Liste streichen: Zugfahren in Vietnam. Auf geht’s nach Hanoi!
Hanoi, was für eine Stadt. Hier bin ich wirklich hängen geblieben. Diese Stadt hat bei mir so viele verschiedene Eindrücke hinterlassen. Gute wie schlechte.
Als ich mit dem Zug aus Ninh Binh am 20.09.2012 angekommen war, freute ich mich doch sehr, dass ich in meinem imaginären Zeitplan einen Tag gut gemacht habe. Hier konnte ich noch nicht ahnen wie sehr ich in dieser Stadt versumpfen würde. Aber alles ging gehabt seinen Weg. Vom Bahnhof nahm ich ein Moto zur Innenstadt (40.000Dong). Ich hatte eine ungefähre Ahnung wo ich hin wollte. Natürlich musste ich wieder handeln. Langsam, nach fast 4 Wochen, fiel das ganz schön zur Last, da man wirklich alles handeln muss. Vom Zimmerpreis über Bus- und Touren-Preise zu allen möglichen Utensilien die man möchte oder benötigt. Einfach alles, manchmal sogar Essen und Getränke.
Auf dem Moto konnte ich schon leicht erahnen in was für ein Chaos sich hier der Verkehr verzettelt. Unzählige Motos quetschen sich durch die engen Gassen der Innenstadt. Durchgehendes Gehupe von links und rechts. Von Verkehrsregeln weit und breit keine Spur. Hier tendieren alle mehr so zu Richtlinien wie man irgendwie zu fahren hat. Hanoi ist laut und überfüllt!
Die ersten drei Tage hielt ich im Hanoi Backpacker Hostel Einzug. Ein relativ teures Hostel, das Schlafsäle anbietet mit einem Bettpreis von 10 Dollar. Den ersten Abend ging es auf Erkundungstour durch die Altstadt. Es begann grade dunkel zu werden und ich genoss das rege Treiben an den Straßenständen, den Bia Hoi Ecken und Restaurants. Über mir hingen, ähnlich wie in Hoi An, viele zumeist rot leuchtende Lampions, die die Straßenatmosphäre noch gemütlicher machten. Nach zwei Stunden Altstadtfeeling wollte auch ich mal das Bia Hoi hier testen. Glücklicherweise hatte ich keine 10 Meter vom Hostel den billigsten Stand (der sich auch noch als wahrer bester entpuppen sollte). Ein „Bia Hoi corner“ ist schnell erklärt. Es handelt sich um einen kleinen oder mittelgroßen Straßenverkauf der ein oder mehrere Fässer Bier auf Lager hat, dazu kleine Plastikhocker auf denen die Damen und Herren Platz nehmen dürfen (Achtung sie sind sehr tief). Das ganze belagert dann je nach Anzahl der Personen mehr oder weniger eine komplette Kreuzung. Nicht selten kommt auch mal die Polizei und „bittet“ mit der Autorität einer kommunistischen Exekutive um Räumung der Kreuzung. Gleichzeitig ist es aber auch die leichteste Art hier Menschen kennen zu lernen. Dadurch, dass es keine Tische gibt und alle sich mehr ineinander quetschen gibt es für gesellschaftlichen Smalltalk kein Entkommen. Am ersten Abend hatte ich das Glück Andy aus England und Mike und Anna aus den Staaten kennen zu lernen. Mit ihnen vergingen die Stunden und die Biere wie im Flug. Irgendwann später landeten wir in einem Irish-Pub. Wie so oft passte auch hier das Sprichwort „same same but different“. Was ich unter Bar verstand, entpuppt sich hier als Disco mit irischen Flair und den dazugehörigen Getränken. Ich weiß nicht wie lange wir dort waren, ich verlor jedenfalls den Rest „meiner Bande“ und ging irgendwann allein zurück. Zum Glück (und das ist eine wirklich wichtige Sache) hatte ich mir im Hostel eine Stadtkarte geben lassen. Die Straßen von Hanoi sind der Horror in der Nacht. Alles sieht gleich aus und es gibt zig kleine Straßen und Gassen. Am Hostel fand ich Andy, der in unserer Etage mit 3 Mädels flirtete. Es waren ebenfalls Engländerinnen und eine konnte sogar deutsch sprechen. Jedoch mehr so, dass ich aus dem Lachen nicht mehr heraus kam. Aber sie nahm es mir nicht krum. Es klang wirklich sehr süß. Sie hatte eine Betonung die ich noch nie vorher gehört hatte. Ich hoffe mein Englisch klingt nicht genauso. Aber egal! Früh um vier, dann wenn der Heißhunger nach den Bieren einsetzt, probierten wir noch unseren ersten vietnamesischen Döner und gingen anschließend schlafen. Hanoi ist unfassbar gesellig!
Der zweite Tag brach an. Das Frühstück wurde glatt verschlafen. Mit leichtem Kater und natürlich in meinen Schlumpf-Flip-Flops ging es durch die Stadt. Weit kam ich nicht. Schon bei meiner ersten Station, dem Lenin-Park mit der hübschen Leninstatur, sprachen mich zwei Mädels an. Spenden für das Rote Kreuz sammelten sie. Ich weiß bis heute noch nicht ob das Touri-Nepp oder echt war. Die Damen hatten jedenfalls Ausweise und eingeschweißte Karten auf denen erklärt war, um was es hier ging. Je in verschiedenen Sprachen. Wenn das Nepp war, war es zumindest ein wirklich guter! Eines der Mädels fand ich ganz bezaubernd und sie mich anscheinend auch, sodass sie mir kurzer Hand anbot, mir Hanoi zu zeigen. Haa!!!, dachte ich, nichts in Vietnam ist kostenlos, das hatte ich gelernt. Doch sie wollte wirklich kein Geld. Mein Erstaunen schien sie etwas zu beleidigen. Also gut. Aufs Moto und ab ging es. Vom Ho-Chi-Minh Mausoleum (Ho, der leider gerade auf Auslandsreise in Russland zur Aufbereitung ist) zum Literatur Tempel inmitten der Stadt, einmal um den Stadtsee Hoan Kiem mit Überqueren (aber zu Fuß) der markanten roten chinesischen Brücke zum Ngoc Son Tempel bis zur äußeren Long Bien Brücke am Altstadt-Rand. Meine Begleiterin mit dem Namen Thao löste sogar mein bis dahin anhaltendes Problem mit den Lao-Kip. Es gab bis hier (für mich) keine Möglichkeit meine restlichen Kip aus Laos in eine andere Währung einzutauschen. Sie fand schnell eine, nennen wir es mal Bude in der ich schnell diese Währung zu einem guten Tauschkurs loswurde. Mit Thao verbrachte ich den kompletten Tag bis in den frühen Abend. Der Tag war wirklich gut gewesen aber ich war dennoch zwiegespalten. Ich wusste nicht was ihre Absichten waren. Ich bin einfach zu lang durch Vietnam gereist um einen rosa-roten Film vor mir zu haben. Ich ließ es darauf ankommen. Wir verabredeten uns für den Abend. Sie schlug Karaoke vor. In einem privatisierten Gebäude mit einzelnen schalldichten Räumen fanden wir uns am Abend wieder. Die Preise waren horrend hoch und ich versuchte Thao zu erklären, dass ich mir hier nicht mal ein Bier leisten könne. Doch irgendwie standen ein Shake und eine Schale voll mit Früchten vor mir. Ich bestellte nichts und so entstand am Ende ein riesen Gezeter für Dinge die ich zahlen sollte aber gar nicht bestellte. Nach rund zwei Stunden befand ich mich wieder am Ausgangspunkt, mein Hostel. Ich verabschiedete mich höflich und konnte schon von weitem Andy’s Gesicht sehen, der mich lachend mit den Worten „what happened“ empfing. Auf den Schock kam das Bier gelegen und ich diente zur Unterhaltung der anderen. So ist das halt.. Hanoi ist Vietnam!
Der Abend endete dennoch gut. An sich verlaufen die Abende hier mehr oder weniger nach einem Schema. Zuerst döst man im Hostel bis der frühe Abend anbricht (vom Sightseeing mal abgesehen), dann in der Altstadt irgendwo gemütlich essen, weiter im Bia Hoi Corner bis das Bier leer ist oder eine Traube aus Menschen zu einer Party will und schlussendlich findet man sich in einer Diskothek wieder. So auch wir. Diesmal war es die Flow-Bar. Hier erklang für mich endlich mal Musik. Dubstep und DnB soweit das Ohr hören kann. Die Flow-Bar sollte ich noch oftmals besuchen, sehr oft. Hanoi ist Party!
Für den nächsten Tag orderte ich ein Ticket nach Halong City für einen Abstecher in der Halong Bucht.