Drei Länder in zehn Tagen: Vietnam-Kambodscha-Thailand

Phnom Penh - Teil 4: Massage, Baby?

Tags darauf wollte ich einem Massageladen in der 252. Straße einen Besuch abstatten. Den Tipp hatte ich von einem Ami. Die Massage war gar nicht so leicht zu finden und lag in einem mehrstöckigen Haus, gleich zu Beginn der Straße, wenn man von der Preah Trasak Paem Str. aus hineingeht. Der Eingang ist seitlich am Haus, das ziemlich baufällig wirkt. Wären nicht zwei Jungs am Eingang gesessen, die mich lautstark begrüßten und hineinwinkten, wäre ich wohl dran vorbei gegangen.

Mir war nicht ganz klar, was die Jungs da machten. Beide mit viel gutem Willen vielleicht gerade volljährig und eher schmächtig, sahen nicht nach Pimps oder ähnlichem aus, eher nach Handlangern. Laufkundschaft zum anwerben gab es hier im Viertel keine und Ich fragte mich, wen oder was sie hier bewachten. Ging es nur darum, evtl. Zechpreller aufzuhalten oder - der Gedanke kam mir allerdings erst später - ging es darum, zu verhindern dass die Mädels ausbüxten? Da sie zu zweit waren, entschied ich mich dafür, dass es wahrscheinlich eher eine Gang-Sache war, Revier markieren und so. Schmiere stehen, für den Fall eines Besuchs von Rivalen oder einer Razzia. Viel weiter kam ich in meinen Gedanken jedoch nicht, denn die Hausdame, die mich hinter der Tür empfangen hatte, präsentierte mir einen kleinen, sogenannten Fishbowl, also eine Gruppe von Mädels aus der ich mir meine Masseuse aussuchen sollte. Etwa zehn Damen waren anwesend, ganz unterschiedlicher Altersklasse und Kajüte. Ich entschied mich für Nr. 32, eher zierlich, ziemlich jung (20 Jahre verriet sie mir später) und mit einem außerordentlich hübschen Gesicht.

Sie führte mich in die erste Etage. Hier drinnen sah es ähnlich baufälig aus wie draußen und es war extrem heiß. In den sichtlich runtergekommenen Zimmern gab es zwar Klimaanlagen, die sogar Geräusche von sich gaben, aber kaum Kühlung brachten. Ich sah besser nicht so genau hin, andernfalls bestand die Gefahr, dass ich mir ausmalte was diese Dinger so alles an Dreck und Keimen in die Luft pusten.

Meine Nr. 32 bot mir an, mich zu duschen. Angesichts der brutalen, schwül-feuchten Hitze willigte ich natürlich ein. Das hätte ich lassen sollen. Denn waren schon die Zimmer in erbärmlichen Zustand, wurden sie von den Bädern problemlos getoppt. Wobei man hier eigentlich nicht von Badezimmern sprechen kann. Eher von dunklen, heißen Räumen mit versifftem Kachelboden, einem Wasserschlauch und einem Ablauf im Boden der zum Himmel stinkt. Ich bin schon in einigen Ecken dieser Welt herumgekommen und war dabei nicht immer auf der Sonnenseite unterwegs, aber sowas habe ich echt selten gesehen. Nicht in Afrika, nicht in China, nicht in Indien. Das hier war echt ekelhaft.

Entsprechend kurz war auch das Duschvergnügen. Ich sparte mir das abtrocknen, auch mangels Handtuch. Das übernahm Nr. 32 als ich wieder ins Zimmer trat. Danach gab es eine kurze, wenig gekonnte Massage und die Frage “Want bum bum?”. Klar wollte ich, wenn ich schon mal hier war. Außerdem hatte ich gerade meine persönliche Ekelgrenze weit ausgereizt, das sollte sich jetzt wenigstens ein bisschen auszahlen.

Hatte ich schon erwähnt, dass meine Masseuse ausgesprochen gut aussah? Und zwar wirklich gut, will sagen: Schön im klassischen Sinne. Sie hatte einen leicht europäischen Zug im Gesicht und eine für hiesige Verhältnisse sehr schmale und lange Nase. Die Figur war wie gemalt, so weit ich das in ihrem knappen Jeansröckchen und dem gelben Top beurteilen konnte und wenn sie lächelte, ging die Sonne auf. Ein unglaublich krasser Kontrast zur Umgebung. Schneewittchen mitten im Sumpf.

Ein geschäftstüchtiges Schneewittchen. Sie rief 100 auf. Dollar. Letztlich einigten wir uns auf die Hälfte. Als Komplettpreis mit Massage und Zimmer. Die Verständigung war recht müsahm, ihr Englisch fast nicht vorhanden. Vermutlich war ich der erste Westler seit langer Zeit in diesem Haus.

Vielleicht lag es auch an diesen Verständigungschwierigkeiten dass sie überrascht war, dass für mich zu “Bum-Bum” auch noch ein paar andere Dinge gehören. Nix exotisches, eher so das übliche Vorspiel. Das sei aber nicht im Preis enthalten, das koste 10 Dollar Extra. Ich weiß dass mir in solchen Situationen sehr schnell die Lust vergeht und ich wollte mir diese Geschichte jetzt nicht ganz versauen, deshalb willigte ich ein.

Um es kurz zu machen: Die Sache lief insgesamt eher so mittel und bezog ihren Reiz vor allem aus ihrer Schönheit. Optiknummer wurde man dazu wohl sagen. Das Mädel aus der Bar war jedenfalls besser. Deshalb und vor allem auch wegen der extrem abgefuckten Umgebung und dem schlechten Gefühl im Nachhinein bezüglich der Jungs am Eingang besteht hier keinerlei Wiederholungsgefahr. Ein Erlebnis war es dennoch.

Die Alternativen sind in Phnom Penh im Übrigen auch durchaus da. Die erwähnten Bars sind sicher erste Anlaufstelle. Im Vergleich zu Patty hatte ich das Gefühl, dass es dort wesentlich entspannter und weniger abgezockt zugeht. Allerdings ist auch deutlich weniger los. Eine der wenigen Ausnahmen war während meines Besuchs die Cyrcee Secret Bar in der 49. Straße. Sie war bei meinem Besuch dort (unter der Woche, ca. gegen 8 Uhr Abends) propevoll und zwar sowohl mit Mädels als auch mit Westlern im mittleren Alter. Mann-Frau Verhältnis ca. 1:2. Stimmung gut, lohnt sicher einen Besuch.

Anders als in Saigon zuvor oder allgemein in den meisten Ländern, scheinen in Kambodscha Online-Dating, bzw. Dating-Apps nur begrenzt gut zu funktionieren. Badoo war zwar voll mit interessanten Profilen, so richtig was ergeben hat sich aber nicht. Muss aber auch einräumen dass ich es mangels Interesse auch nur halbherzig probiert habe. WeChat hingegen nahezu tot und tinder vor allem mit Expats und Touristinnen gespickt. Eine solche traf ich übrigens am gleichen Abend im berühmten Foreign Correspondents Club, aber das ist eine andere Geschichte… ;-)
 
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@Herr B. :
Was du da für ein Pensum vorlegst für 10 Tage - wäre mir zu heftig - das ist Stress!

Nochmals vielen Dank & Grüße

sharky

Wie man es nimmt... Für mich ist das kein Stress, ich bin auf Reisen gerne viel in Bewegung bekomme eigentlich meistens nach zwei bis drei Tagen an einem Ort die berühmten "Hummeln im Hintern". :-)

Danke für das Lob!
 
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Phnom Penh - Teil 5: Ein Abend am Fluß

Eine Sache hatte ich noch auf der Liste: Den berühmten Foreign Correspondents’ Club. Hier trafen sich zu Zeiten des Vietnam-Krieges und in den Jahren danach Journalisten und Informanten, Reisende, Abenteurer und Geschäftemacher. Heute ist das Haus im Kolonialstil vor allem ein Hotel mit Bar, Restaurant und einem sensationellen Blick auf den Fluss. Und einer Menge Expats und Reisender.

Ich kam am späten Nachmittag, nachdem ich mich im Hotel etwas gesammelt und danach bei einem Stadtbummel wieder auf andere Gedanken gekommen war. Ich nahm Platz in der 1.Etage am Fenster. Dort sitzt man auf hohen Stühlen, die Getränke vor sich auf der breiten Betonbrüstung des Balkons, mit perfektem Ausblick. Kurz nach mir kam eine blonde Frau und setzte sich ein paar Stühle weiter hin. Wir tauschten ein paar Blicke aus, dann wand sie sich ihrem Buch zu. Ich recherchierte auf meinem Handy die Busreise nach Siem Reap für den nächsten Tag. Nach einer Weile trafen sich wieder einmal unsere Blicke und sie blies die Backen auf : “Hot, huh?!”, sagte sie und fächelte sich mit einem gefalteten Stadtplan Luft zu. Das Gespräch war eröffnet. Nachdem wir ein paar Sätze über zwei leere Stühle hinweg gewechselt hatten, fragte ich sie ob sie sich nicht neben mich setzen möchte, das würde das Gespräch erleichtern. Was es tat… :-)

Sie hieß Jessica und wie sich heraustellte, war sie 37, kam aus Australien, war frisch geschieden, hatte einen 10-jährigen Sohn und war zum ersten Mal seit einer Ewigkeit alleine auf Reisen. Interessanterweise hatte sie sich nahezu die gleiche Reiseroute ausgedacht wie ich, nur in umgekehrter Richtung. Für das Gespräch war das natürlich ideal, wir konnten prima Reisetipps austauschen und dann langsam auf persönlichere Themen zu sprechen kommen. Nach einer guten Stunde hatten wir entschieden, dass wir heute Abend noch zusammen essen und dann ausgehen würden. Das Naga World Casino sowie das “Heart of Darkness” standen auf dem Programm. Zuvor wollte sie aber noch kurz ins Hotel um sich frisch zumachen.

Jessica hatte kein Handy. Sie mache “digital Detox” sagte sie, aber ich könne sie ja einfach in ihrem Hotel abholen. Sie schrieb mir ihren Namen, ihre Zimmernummer und den Namen des Hotels auf einen kleinen Fresszettel, den sie aus ihrem Reiseführer herausgerissen hatte. Irgendwie süß und ein bisschen teeny-mäßig. Sie musste selbst darüber schmunzeln.

Ich war gut eineinhalb Stunden später in ihrem Hotel, aber bis wir tatsächlich los kamen, sollte es noch eine Weile dauern. Wir verbrachten dann doch eine etwas längere Zeit in Ihrem Hotelzimmer und sind später nur noch mal kurz raus, um etwas zu essen und einen Drink zu nehmen. Unser eigentlich geplantes Programm fiel flach. Ich war nicht traurig drum… :-)
 
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So, muss mich erstmal entschuldigen, dass hier so lange nichts ging. Beruflich und privat war in den letzten Wochen einiges los, deshalb komme ich jetzt erst dazu, hier weiterzumachen. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja....

Von Phnom Penh nach Siem Reap:

Am nächsten Morgen ging es für mich weiter. Die nächste Etappe stand an: Siem Reap und die Tempel von Angkor. Ich nahm wieder einen Bus von Giant Ibis. Zum einen wegen der guten Erfahrung bei der Anreise, zum anderen aus Bequemlichkeit. Der Halt der Busse lag ja direkt vor meinem Hotel.

Die Fahrt war ereignislos. Kein Grenzübergang, keine nervtötenden Mitreisenden, keine mysteriösen Russinen. Dafür haufenweise Backpacker wie aus dem Bilderbuch. Eine ganze Armee davon und alle sahen sie gleich aus. In Kleidung, mit der sie zuhause nicht mal zum Briefkasten laufen würden, aber ausgestattet mit einer Attitüde die mich immer an verwöhnte Kinder im Vergnügungspark erinnert.

Egal, ich schaute aus dem Fenster und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Wieder einmal fiel mir auf, was ich schon auf der Reise von Saigon nach Phnom Penh beobachtet hatte. Kambodscha wirkte im Vergleich zu Vietnam um Vieles ursprünglicher. Die Häuser, die Straßen, die Landschaft - das alles war viel weniger geordnet und deutlich roher. Mit wenigen Worten: Hier in Kambodscha gab es deutlich weniger Beton.

In Siem Reap angekommen bezog ich erstmal ein Hotel, dass ich denjenigen unter euch, die auf leicht außergewöhnliche Zimmer stehen nur wärmstens empfehlen kann. Es nennt sich “Terrasse des Elephants” und liegt mitten im Herzen des Backpacker-Areals. Schaut euch ruhig mal die Bewertungen und Bilder auf trip-advisor oder einem Portal eurer Wahl an, es lohnt sich. Die Zimmer sind der Realität zwar etwas dunkler als auf den Fotos, aber alleine die ziemlich abgefahrenen Badezimmer sind ein Besuch wert.

Ansonsten erschien mir Siem Reap, zumindest was das Nightlife angeht relativ tot zu sein. Einzig Touristen sind in den zahlreichen Bars zu sehen, wer es also auf die Damenwelt abgesehen hat muss sich an die Backpackerinnen halten. Apps und Online sind sicher auch eine Option wie überall, habe ich aber ehrlich gesagt nicht selbst probiert. Hier und da ein Schnack mit Bedienungen oder Verkäuferinnen reichten mir nach den Erlebnissen der letzten Tage vollkommen.

Kulturell allerdings ist Siem Reap eine Reise wert. Und das nicht nur wegen der nahegelegenen Tempelanlagen, auch die Stadt selbst hat einige kleine Attraktionen. Empfehlen kann ich zum Beispiel den örtlichen Zirkus Phare. Ein Projekt, das eigentlich Straßenkindern eine Perspektive bieten soll, aber akrobatisch auf einem Niveau ist, dass den gepfefferten Eintrittspreis absolut rechtfertigt. Der Zirkus hat ein eigenes kleines Areal nicht weit weg vom Zentrum. Dort gibt es auch ein Restaurant und eine kleine Bar. Es lohnt sich also etwas früher hin zu gehen und einen Drink zu nehmen oder zu essen.

Ich habe bei meinem Besuch genau das getan und saß wenig später gestärkt und beseelt von zwei Longdrinks im Zirkuszelt und wartete auf die Vorstellung. Außer mir nur einige sehr wenige wohlhabenden Khmer-Familien und zahlreiche Backpacker in den üblichen Gruppenkonstellationen. Will sagen: Immer vier bis fünf Mädels, Anfang 20, gerne sommersprossig und mit krebsroten Schultern, schlechten Tattoos und im unvorteilhaftem Schlabber Chic, der Backpaper-Uniform: Billige, weite Stoffhosen mit Ornamentmuster, Unterhemd und Stofftasche vom Souvenirshop. Dazu Bier aus Dosen. Dann die Pärchen. Erste große gemeinsame Reise. Wenn man das gemeinsam durchlebt hat und danach noch so verliebt ist wie zuvor, dann stehen Kinder ins Haus. Und die erste eigene Wohnung, vielleicht auch gleich der Hausbau. Er wird nie wieder so frei sein wie jetzt, sie nie wieder so glücklich… Furchtbar solche Gedanken. Und anmaßend. Was weiß ich schon über diese Leute? An diesem Punkt habe ich mich kurz ein bisschen alt gefühlt. Nicht lange, denn die Show hat mich sehr schnell alle negativen Gedanken vergessen lassen. Die Jungs (und das eine Mädel) haben Sachen gemacht, die muss man sich selbst ansehen. Vier Mann übereinander, jeder steht auf den Schultern des anderen. Einige Meter entfernt noch mal vier Jungs ebenfalls übereinander. Kommt ein weiterer, klettert auf den einen menschlichen Turm und springt von der Schulter des Obersten quer durch den Raum zu dem zweiten menschlichen Turm. Landet auf den Schultern des obersten Kerls und klettert wieder runter als wäre es das Normalste auf der Welt. Und das war erst das Aufwärmprogramm.

Also, wenn ihr dort seid: Hingehen!

Was mir an Siem Reap allerdings negativ auffiel und nach kürzester Zeit echt genervt hat, war die dortige Preispolitik. Ich verstehe dass man in Touristengegenden versucht das Maximum herauszuholen, aber es gibt ein Grenze. Ich hab nix dagegen, mehr zu zahlen als die Einheimischen, auch wenn es deutlich mehr ist. Ich zahle auch gerne mal Preise wie hier in Deutschland wenn es sein muss. Wenn ich aber im Laden stehe, mir eine Tüte getrocknete Mangos kaufen will und der Verkäufer mich auf meine Frage was das denn koste, erst mustert und dann sagt “8 Dollars”, fühl ich mich ein bisschen verarscht.

Dementsprechend hab es nicht allzu lange in Siem Reap ausgehalten. Was vielleicht auch an meinem nächsten Reiseziel lag: Pattaya!
 
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Oha! Da es offenbar tatsächlich noch Leute gibt, die diesen Thread lesen, will ich jetzt endlich diesen Reisebericht auch noch offiziell zu Ende bringen. Ein letzte Etappe fehlt ja noch!

Letzte Etappe: Land Nummer 3 - Thailand

Wie schon auf den beiden vorangegangenen Stationen nahm ich wieder den Bus. Wie ich finde, eine sehr angenehme Art zu reisen. Relativ flexibel, günstig und dennoch angenehm. Vor allem aber sieht man ein bisschen was von der Gegend.

Das Ticket für den Bus hatte ich bereits einige Tage zuvor in einem Reisebüro vor Ort gebucht. Zusammen mit dem Ticket für den Zirkus (siehe weiter oben). Giant Ibis gab es dieses Mal nicht, bzw. das Büro verkaufte zumindest nicht deren Tickets. So wich ich auf eine andere Firma aus, deren Namen ich leider vergessen habe - was nicht weiter schlimm ist, im Vergleich zu GIANT IBIS war der Anbieter auch eher zum vergessen…. Bus soweit okay, aber Personal ziemlich desinteressiert, keine Infos, nix. Aber ging auch so.

Der Weg von Siem Reap zur Grenze ziemlich ereignislos. An der Grenze angekommen hielt der Bus, lud uns aus und da standen wir dann: Eine Horde Langnasen (90% Backpacker), von nix ne Ahnung. Um uns rum großer Trubel, wie an Grenzübergängen halt so üblich. Auf meine Frage an den Busfahrer, wie es nun weiter gehe, erntete ich nur ein unverständliches Gemurmel und ein relativ unwirsches Winken in eine grobe Richtung - vom Bus weg…. Na toll.

Ich schnappte mir meinen Koffer und latschte drauf los, einfach dem Strom der Karren und mit allerlei Zeug bepackten Einheimischen hinterher. Kaum war ich losgestiefelt setzte sich auch der Backpacker-Tross in Bewegung und lief mir hinten drein. Offenbar war meine Außenwirkung deutlich souveräner als meine Ortskenntnis.

Es dauerte eine ganze Weile bis wir zur wirklichen Grenze kamen, dort dann das übliche Spiel von Ein- und Ausreise. Dieses Mal ohne jede Fremdorganisation und mit deutlich mehr Fußmarsch. Für Langnasen gibt es einen eigenen Grenzübergang (die Treppe hoch) und nachdem ich den passiert hatte, stand ich wieder auf der Straße. Kein Bus zu sehen. Ich lief weiter. Plötzlich hörte ich einen Pfiff von Weitem, sah drei Jungs winken. Als ich näher kam, bemerkte ich, dass einer von den beiden ganz offensichtlich kein Asiate war. Es stellte sich raus, dass das meine Reisegruppe für den Weg nach Pattaya sein sollte. Zwei Jungs vom Busunternehmen und ein Kerl Mitte 20, aus Istanbul. Zum ersten Mal auf dem Weg nach Pattaya und total aufgekratzt. Er kannte kein anderes Thema. Nach etwas Small-Talk stellte sich auch heraus, dass der Rest der Backpacker-Meute mit dem Bus weiter nach Bangkok fahren sollte und wir mit einem Van direkt ins Seebad. Es fehlte aber noch ein Fahrgast: Er tauchte wenig später auf. Keine 20, Kambodschaner, gutes Englisch und auf Einladung eines “Freundes” auf dem Weg nach Pattaya. Wie ich später seinen Telefonaten entnehmen konnte, war der Freund englischsprachig, deutlich älter und konnte es kaum erwarten, dass wir endlich in Pattaya ankamen.

Das war aber gar nicht so einfach. Unser Fahrer hatte nämlich mal sowas von keine Eile. Die erste Stunde unserer Reise lief in etwa so ab:

Nach 5 Minuten: Fahrer fährt rechts ran und kauft bei einem Straßenstand ein undefinierbares Elektrogerät in einer weißen Pappschachtel. Dann fährt er maximal zehn Meter weit, steigt wieder aus und unterschreibt an einem weiteren Straßenstand in einem blauen Buch. Wir fahren weiter.

5 Minuten später: Fahrer fährt recht ran und kauft sich einen Kaffee. Wir fahren weiter

Wieder 5 Minuten später: Fahrer fährt rechts ran und kauft sich einen Fruchtspieß. Wir fahren weiter.

Etwa 10 Minuten später: Fahrer fährt rechts ran und nimmt zwei neue Fahrgäste auf. Wir fahren weiter.

5 Minuten später: Fahrer fährt rechts ran und kauft sich eine Tüte Popcorn. Wir fahren weiter.

Kurz darauf: Fahrer fährt auf einen Parkplatz. Wir machen Pause.

Danach sind wir dann aber relativ zügig durchgefahren. Und wurden in Patttaya direkt vor die Hoteltür kutschiert. Was in meinem Fall nicht ganz einfach war, hatte ich mir doch ein Hotel ein bisschen abseits der Second Road gesucht, das nur nach einigem Hin und Her zu finden war. Nennt sich “Chada Thai House” der Laden und ist ein Tipp. Relativ ruhig und in meinem Fall 25 Euro pro Nacht für ein Zimmer mit Balkon. Würde ich jederzeit wieder buchen.

Die Details über Pattaya spar ich mir jetzt an dieser Stelle, ich denke dazu gibt es genug Infos hier im Forum. Deshalb nur die Dinge die ich bei diesem Besuch als besonders empfunden habe:

Beach Road:
Die Beach Road erschien mir wesentlich ruhiger. Deutlich mehr Polizeipräsenz und weniger Freelancer. Die aber dafür durchweg hübsch und offenbar jünger als ich es bei meinen bisherigen Besuchen wahrgenommen habe. Insgesamt erscheint mir der Anteil der Normal-Touris aber immer mehr zuzunehmen, in ganz Patty - vor allem aber Abends an der Beach Road. Auch nach wie vor sehr beliebt: Inder und Araber die in großen Gruppen entlang schlendern und lange Augen machen. Aber das ist ja nicht wirklich was Neues.

Windmill:
Man mag es kaum glauben, aber ich war noch nie in der Windmill. Deshalb war für mich bei diesem Besuch klar: Das ist jetzt einfach mal fällig. Ich bin mit relativ wenig Erwartung hin und war schlichtweg begeistert. Es war tatsächlich die einzige AGoGo in der richtig was los war, proppevoll und gute Stimmung. Innerhalb kürzester Zeit habe ich mir auch eine ausgeguckt, die aus der Masse herausstach. Etwas größere Titten, eher europäische Gesichtszüge, nicht ganz der zierliche Typ - aber auch nicht pummelig. Nannte sich Bee und hat nach zwei Ladydrinks und ein bisschen Small-Talk ihre Nummer rausgerückt. Ohne dass ich danach gefragt hatte, direkt nachdem sie mein Gesichtsausdruck bemerkte nachdem Sie die Barfine und ihren LT-Tarif genannt hatte. Ich bin dann irgendwann noch ein bisschen um die Häuser gezogen und wir haben uns später im Hotel getroffen. Sie wirkte dort noch mehr wie das Mädchen von nebenan. Sie war echt süß und hübsch und alles, aber die Chemie die noch in der Gogo geherrscht hatte, wollte sich irgendwie nicht mehr einstellen. Was mit ein Grund war, dass ich Abends wieder dort aufschlug. Deswegen, entgegen aller Unkenrufe: Windmill kann man machen.


Pattaya insgesamt: Ich werde schlicht nicht richtig warm mit dem Ort. Für ein paar Tage okay und das schiere Überangebot ist sicher auch sehenswert, aber das richtige “Feeling” kommt bei mir nie auf. Wirklich cool finde ich es eigentlich nur in einer ruhigen Bar am Anfang einer Seitenstraße kurz vor der Walking Street. Wenn ich dort bin ist außer der Wirtin (um die 50) und ihren zwei bis drei Freundinnen (gleich alt) nie jemand da. Die Frauen gucken ihre Seifenopern, ich trinke meinen Sangsom-Coke (der dort fast nix kostet) und alles ist sehr sehr relaxed. Nach ein, zwei Stunden wird das natürlich auch irgendwann langweilig, aber ehrlich gesagt ist die Bar für mich eine feste Anlaufstelle.

So, und damit hat diese Geschichte auch endlich ein Ende gefunden. Was länge währt und so….

-FIN-
 
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