Auf Boracay hatte ich die Gelegenheit, zwei sehr unterschiedliche Interpretationen eines
„Ceviche“-ähnlichen Gerichts zu probieren – und genau dieser Vergleich machte den Reiz aus.
In einem der Nachbarrestaurants wurde eine eher klassische Variante serviert. Auffallend war hier vor allem die Zurückhaltung: deutlich weniger Limette, kaum Schärfe durch Chili, insgesamt viel reduzierter Gurke für frische im Geschmack. Der Thunfisch wurde sehr fein geschnitten und bewusst sparsam eingesetzt. Was zunächst nach wenig klang, entpuppte sich als durchdachtes Konzept. In Kombination mit einem wirklich guten, knusprigen Baguette entstand ein stimmiges Gesamtbild. Jeder Bissen war ausgewogen, fast schon elegant. Man nahm sich automatisch Zeit – 15 bis 20 Minuten, die sich wie ein kleiner Genussmoment anfühlten. Dazu kam eine Präsentation, die visuell überzeugte: sauber angerichtet, appetitlich, fast schon eine kleine Augenweide.
Ganz anders die philippinische Variante, das Kilawin.
Von vor Kräftiger, direkter, aromatisch deutlich intensiver. Essig, Limette, Kokosmilch und vor allem der präsente Ingwer sorgten für ein lebendiges, vielschichtiges Geschmacksprofil. Hier ging es weniger um Zurückhaltung, sondern um Ausdruck. Allerdings hatte das auch seinen Preis: Der Thunfisch trat geschmacklich zeitweise in den Hintergrund, und durch die intensiven Aromen war das Gericht fast zu schnell gegessen – in wenigen Minuten war die Schale leer. Fast schade, denn als Appetizer hätte man sich gewünscht, diesen Eindruck etwas länger auszukosten.
Beide Varianten haben ihren Reiz: Die klassische Version überzeugt durch Präzision, Balance und Präsentation, während das Kilawin mit Charakter, Intensität und lokaler Identität punktet. Zwei Ansätze, die zeigen, wie unterschiedlich ein scheinbar einfaches Gericht interpretiert werden kann.
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