Influenza und Covid

KingPing

V.I.P
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Vorab: Dieser Beitrag ist rein informativ und soll nicht dafür herhalten, irgendwelche Diskussionen über Sinn und Unsinn von Impfungen vom Zaun zu brechen!

Wir haben es den Forschern von BioNTech zu verdanken, dass durch die Entwicklung von mRNA ein Feld geschaffen wurde, das es in kürzester Zeit ermöglicht, nach der Sequenzierung eines neuen RNA-Virus einen hochwirksamen Impfstoff zu entwickeln.

Sowohl meine Frau als auch ich lassen uns jedes Jahr gegen Influenza und gegen Covid impfen. Einmal haben wir keine Lust, ernsthaft zu erkranken, und zum anderen haben wir als Betreiber einer Thaimassage auch Verantwortung gegenüber unseren Kunden.

Nun zum eigentlichen Thema. Bei den Influenza-Viren handelt es sich ebenfalls um RNA-basierte Viren. Bis vor kurzem beruhte eine Impfung noch auf konventionellen Impfstoffen. Eine nebenfolge der Schutzmaßnahmen während der Pandemie war, dass hier ein Influenza-Stamm vollständig verschwunden ist und die Impfdosen nur noch einen konventionellen Dreifach-Impfstoffe beinhalten.

Da es sich hier um RNA-basierte Viren handelt, lag es für mich nah, dass auch hier bereits an mRNA-Impfstoffen gearbeitet wird. Meine grundlegende Idee war, dass man sich hier modernste Technologien nutzbar macht, um an Computern die Varianten extrapoliert, die mit hoher Wahrscheinlichkeit während der nächsten Influenza-Season auftreten werden. Genau diese Frage habe ich mal an die KI (Gemini) übergeben und es hat mich eigentlich nicht mehr überrascht, dass ich mit meinen Vermutungen richtig lag. Der Entwicklungsschritt war stringent logisch.




Aktuell gibt es noch für viele RNA-basierte Viren konventionelle Impfstoffe, Beispiel Influenza. Dank mRNA und moderner Analysemethoden dürften sich hier doch schnell Variationsmodelle extrapolieren lassen und so besser angepasste mRNA-Impfstoffe entwickeln lassen, als mit herkömmlichen Methoden.Kleiner Sidestep mit etwas positivem Sarkasmus: Dank Corona ist ja ein Grippe-Stamm vollständig verschwunden, was lediglich noch einen Dreifach-Impfstoff bedeutet. Auch das ließe sich doch mit mRNA viel einfacher und kostengünstiger lösen und sobald eine neue Variante identifiziert und sequenziert wurde, sollte es doch auch kein Problemm sein, mRNA zeitnah zu adaptieren.





Das ist vollkommen richtig und beschreibt exakt die Revolution, die der Influenza-Impfmarkt derzeit durchläuft. Während die herkömmliche Produktion von Grippeimpfstoffen extrem träge ist, bietet die mRNA-Technologie genau die Flexibilität und Geschwindigkeit, die Sie beschreiben.



Das Aus für den Yamagata-Stamm (Ihr Sidestep):



Sie spielen auf den Influenza-B-Stamm der Yamagata-Linie an. Durch die weltweiten Maskenpflichten, Lockdowns und Hygienemaßnahmen während der Corona-Pandemie wurde die Infektionskette dieses Virus so radikal unterbrochen, dass er seit März 2020 weltweit nicht mehr isoliert oder nachgewiesen werden konnte.



Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben deshalb für die Grippesaison 2025/2026 offiziell den Übergang vom vierfachen (quadrivalenten) zum dreifachen (trivalenten) Impfstoff vorgeschrieben, da man gegen ein potenziell ausgestorbenes Virus nicht mehr impfen muss.



Warum mRNA bei Influenza der konventionellen Methode überlegen ist:



Die herkömmliche Herstellung von Grippeimpfstoffen ist ein logistischer Albtraum, der durch mRNA komplett ausgehebelt wird:



1. Der Zeitfaktor (Monate vs. Wochen)



  • Konventionell: Viren werden mühsam in Millionen von Hühnereiern oder Zellkulturen vermehrt. Die WHO muss bereits im Februar entscheiden, welche Stämme im Oktober gespritzt werden. Mutiert das Virus in diesen 6 Monaten (was bei RNA-Viren die Regel ist), sinkt die Wirksamkeit des Impfstoffs oft auf magere 30 bis 40 %.
  • mRNA-Technologie: Sobald ein neuer Stamm im globalen Überwachungsnetzwerk sequenziert wird, lässt sich die genetische Vorlage (die mRNA-Sequenz) innerhalb von wenigen Tagen am Computer anpassen. Die Produktion im Bioreaktor benötigt keine Hühnereier und ist in Wochen statt Monaten einsatzbereit.


2. KI-gestützte Variationsmodelle (Prädiktion)



Dank moderner bioinformatischer Analysemethoden und Künstlicher Intelligenz (wie AlphaFold oder spezialisierter Mutations-Vorhersagemodelle) lässt sich die Evolution des Grippevirus simulieren.

  • Forscher extrapolieren, welche Mutationen am wahrscheinlichsten als Nächstes auftreten.
  • Diese hypothetischen Varianten können als mRNA-Blueprint „vorproduziert“ oder in multivalenten Impfstoffen kombiniert werden. Ein einziger mRNA-Cocktail kann problemlos genetische Codes für 4, 6 oder mehr Varianten gleichzeitig enthalten, ohne dass der Produktionsprozess komplexer wird.


3. Bessere Immunantwort:



Konventionelle Totimpfstoffe stimulieren hauptsächlich die Antikörperbildung (humorale Immunität). mRNA-Impfstoffe hingegen imitieren eine echte Infektion in den Zellen, wodurch auch die T-Zell-Immunität (zelluläre Immunität) stark aktiviert wird. Das sorgt für einen breiteren Schutz, der auch dann noch greift, wenn sich das Virus leicht verändert hat.



Aktueller Stand der Entwicklung:

Große Hersteller wie BioNTech/Pfizer und Moderna befinden sich bereits in späten klinischen Studien (Phase III) für kombinierte mRNA-Impfstoffe, die sowohl gegen saisonale Influenza als auch gegen COVID-19 (und teilweise das RS-Virus) mit nur einem einzigen Stich schützen sollen.



Die mRNA-Technologie macht die Impfstoffproduktion also von einer langsamen, landwirtschaftlich geprägten Industrie (Hühnereier) zu einer softwarebasierten Präzisionsdisziplin.


Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen Details dazu heraussuchen, wie weit die kombinierten mRNA-Impfstoffe (Grippe + Corona) aktuell im Zulassungsprozess für die kommende Saison sind. Sagen Sie einfach Bescheid!





Ja, das würde mich interessieren




Es gibt hervorragende Neuigkeiten, die genau zu Ihrem Optimismus passen: Der von Ihnen beschriebene Meilenstein ist vor wenigen Wochen Realität geworden. Die Europäische Kommission hat im April 2026 den weltweit ersten mRNA-Kombinationsimpfstoff gegen Grippe und Corona offiziell zugelassen. [1, 2]



Das Vakzin heißt mCombriax (entwickelt von Moderna) und läutet die von Ihnen skizzierte Ära der softwarebasierten Impfstoffanpassung ein. [1, 2]



Der aktuelle Stand von mCombriax (Moderna)

  • Die Zulassung: Nach einer positiven Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) im Februar erfolgte Mitte April 2026 die EU-weite Marktzulassung.
  • Zielgruppe: Der Kombi-Impfstoff ist zunächst für Erwachsene ab 50 Jahren zugelassen, da diese die primäre Risikogruppe für beide Erkrankungen darstellen.
  • Zusammensetzung & Yamagata-Effekt: Wie Sie richtig vermutet haben, spiegelt der Impfstoff das Verschwinden des Yamagata-Stamms wider. Er enthält modifizierte mRNA für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 sowie für die drei verbleibenden saisonalen Grippestämme (Influenza A-H1N1, A-H3N2 und B/Victoria).
  • Klinische Überlegenheit: In den Phase-III-Studien mit über 8.000 Teilnehmern zeigte der mRNA-Kombi-Impfstoff nicht nur eine ebenbürtige, sondern bei den Grippestämmen sogar eine statistisch signifikant höhere Immunantwort als die bisherigen konventionellen Hochdosis-Grippeimpfstoffe. Zudem schützt eine einzige Spritze vor beiden Viren.
  • Verfügbarkeit: Moderna plant, den Impfstoff schrittweise für die kommende Grippesaison 2026/2027 in den europäischen Märkten einzuführen. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
Wie steht es um BioNTech / Pfizer?

Das deutsch-amerikanische Duo BioNTech und Pfizer arbeitet ebenfalls unter Hochdruck an einem kombinierten mRNA-Produkt (Kandidat BNT162b2 + BNT161). [1]

  • Sie erlebten im Sommer 2024 einen kleinen Rückschlag, als eine Formulierung in der Phase-III-Studie zwar exzellente Werte gegen Influenza A und Corona lieferte, aber die gewünschte Immunantwort gegen den Influenza-B-Stamm knapp verfehlte.
  • Das System wurde daraufhin – genau wie Sie es beschrieben haben – per Code-Anpassung nachjustiert. BioNTech/Pfizer befinden sich in den finalen Optimierungsphasen, liegen im Zeitplan der Zulassung aktuell aber hinter Moderna. [1, 2]

Ich habe die gleiche Thematik auch mal ChatGPT unterbreitet. Ich finde es halt interessant, wie unterschiedlich beide Modelle die gleiche Thematik abarbeiten.

Im Grundsatz ja — genau das ist einer der großen strategischen Vorteile der mRNA-Plattformen gegenüber klassischen Impfstoffverfahren, insbesondere bei schnell mutierenden RNA-Viren wie Influenza, RSV oder potenziell neuen zoonotischen Viren.

Der interessante Punkt ist:
Bei klassischen Influenza-Impfstoffen liegt der Flaschenhals oft nicht primär in der Immunologie, sondern in der Produktionslogistik.

Traditionell läuft Influenza-Impfstoffproduktion häufig noch über Hühnereier oder Zellkulturen. Dafür müssen WHO-Labore Monate im Voraus prognostizieren, welche Varianten in der nächsten Saison dominant sein werden. Das ist im Kern ein globales statistisches Wettrennen gegen die Evolution des Virus.

mRNA verändert dieses Paradigma in mehreren Punkten:


1. Schnellere Anpassbarkeit

Sobald ein neuer Stamm sequenziert ist, kann man theoretisch sehr schnell den kodierenden Abschnitt austauschen.

Vereinfacht:

  • Virus sequenzieren
  • relevantes Oberflächenprotein identifizieren
  • mRNA-Sequenz anpassen
  • gleiche Produktionsplattform weiterverwenden
Das Produktionssystem selbst bleibt also weitgehend identisch — man tauscht primär den „digitalen Bauplan“ aus.

Das ist ein fundamentaler Unterschied zu klassischen Plattformen.


2. Bessere Antigen-Optimierung

Mit modernen Bioinformatik-Methoden lassen sich heute:

  • konservierte Virusbereiche identifizieren
  • Mutationswahrscheinlichkeiten modellieren
  • immunologisch relevante Epitope vergleichen
  • Escape-Mutationen simulieren
Das eröffnet genau den Punkt, den du ansprichst:
eine Art prädiktive Impfstoffentwicklung.

Nicht nur:
„Welcher Stamm zirkuliert gerade?“

Sondern zunehmend:
„Welche Mutationspfade sind evolutionär wahrscheinlich?“

Das ist noch keine perfekte Vorhersage — Viren bleiben chaotische Systeme — aber die Modelle werden deutlich besser.


3. Der verschwundene Influenza-B/Yamagata-Stamm

Der von dir sarkastisch erwähnte Punkt ist tatsächlich wissenschaftlich hochinteressant.

Während der globalen COVID-Maßnahmen verschwand die sogenannte:

Influenza B/Yamagata lineage

praktisch aus der nachgewiesenen Zirkulation.

Diskutiert werden mehrere Gründe:

  • reduzierte globale Mobilität
  • Maskierung
  • geringere Transmission
  • evolutionärer Flaschenhals
  • möglicherweise geringe Restdiversität vor der Pandemie
Dadurch entstand tatsächlich die Diskussion, ob quadrivalente Grippeimpfstoffe künftig wieder zu trivalenten Formulierungen zurückkehren könnten.

Das zeigt nebenbei auch etwas Interessantes:
Viruslinien sind nicht unsterblich. Manche verschwinden schlicht durch epidemiologischen Druck.


4. Warum mRNA bei Influenza trotzdem noch nicht „alles dominiert“

Der Haken ist:
Influenza ist immunologisch komplizierter als SARS-CoV-2.

Probleme sind unter anderem:

  • extrem schnelle Antigendrift
  • bestehende Teilimmunitäten in der Bevölkerung
  • Original Antigenic Sin / Immunprägung
  • unterschiedliche Immunantworten nach Altersgruppen
Ein Impfstoff muss also nicht nur „passen“, sondern auch die richtige qualitative Immunantwort erzeugen.

Außerdem:

Die derzeitigen Influenza-Impfstoffe sind billig, etabliert und global skaliert.
mRNA muss wirtschaftlich und logistisch erst langfristig konkurrenzfähig werden.


5. Langfristig wahrscheinlich: modulare Multivalent-Impfstoffe

Viele Forscher erwarten künftig eher Plattformlösungen:

Ein einzelner mRNA-Impfstoff könnte gleichzeitig kodieren für:

  • Influenza A
  • Influenza B
  • RSV
  • eventuell Coronaviren
also saisonale Kombinationsimpfstoffe.

Technisch ist das deutlich realistischer geworden als noch vor 10 Jahren.


6. Der eigentlich revolutionäre Teil

Die tiefere Revolution ist vermutlich nicht mRNA allein, sondern:

  • Hochdurchsatz-Sequenzierung
  • globale Surveillance
  • KI-gestützte Proteinmodellierung
  • Evolutionssimulation
  • strukturbiologische Analyse
mRNA ist dann gewissermaßen der schnelle „Ausgabe-Mechanismus“ dieser Analysepipeline.

Oder anders formuliert:

Früher musste man biologische Prozesse relativ „mechanisch“ nachbauen.
Heute nähert man sich einem informationsbasierten Ansatz:
Sequenz → Modell → Simulation → Impfstoffdesign.

Das ist ein ziemlich grundlegender Paradigmenwechsel in der Virologie und Vakzinologie.



Gleiche Bitte über die Zulassung an ChatGPT

(Anmerkung zum ersten Kommentarteil von ChatGPT: Ich habe die gleiche Thematik über Gemini laufen lassen. Gemini geht hier wesentlich optimistischer vor, du hingegen arbeitest besser die "Unvollkommenheit" heraus. Mir hilft das, die Thematik deutlich differenzierter zu betrachten, als mich durch Gemini in einen Confirmation Bias Rausch ziehen zu lassen. Gemini stellt ja gerne Folgefragen, wohingegen du ein Thema auch schon mal abschließt. Hier sehe ich einen Vorteil bei Gemini, weil es mich dann etwas mehr fordert. Gemini hat mir beispielsweise angeboten, nach dem neusten Stand der Entwicklung zu schauen, was ich befürwortet habe. Das Ergebnis hat mich dann doch positiv überrascht.)

Ja — und genau an dieser Stelle ergänzen sich unterschiedliche KI-Stile tatsächlich sinnvoll.

Deine Beobachtung zu Gemini vs. mir ist ziemlich treffend beschrieben:

  • Gemini tendiert oft stärker zu explorativer Dynamik und motivierender Fortschrittserzählung.
  • Ich neige eher dazu, Unsicherheiten, Systemgrenzen und methodische Unvollkommenheiten stärker offenzulegen.
Beides hat seinen Wert.

Ein rein optimistisches Modell kann schnell in technologischen Solutionismus kippen:
„Neue Technologie → Problem gelöst.“

Ein rein skeptisches Modell wiederum unterschätzt manchmal reale Durchbrüche.

Gerade in der Biotechnologie liegt die Wahrheit fast immer irgendwo dazwischen.

Und in diesem konkreten Fall ist die Entwicklung tatsächlich bemerkenswert.


Der von Gemini genannte Fortschritt stimmt​

Die Europäische Kommission hat im April 2026 tatsächlich den ersten kombinierten mRNA-Impfstoff gegen Influenza und COVID-19 zugelassen:

mCOMBRIAX von Moderna.

Die Zulassung erfolgte nach positiver Bewertung durch die European Medicines Agency.

Das ist tatsächlich ein historischer Meilenstein:

Nicht nur „ein neuer Impfstoff“, sondern:
eine neue Produktions- und Aktualisierungslogik.


Warum das technologisch so relevant ist​

Der eigentliche Durchbruch ist weniger:
„mRNA funktioniert.“

Das wusste man nach COVID bereits.

Der relevante Schritt ist:
mRNA wird jetzt zunehmend zu einer modularen Plattformtechnologie.

Das bedeutet:

  • gleiche Produktionsinfrastruktur
  • gleiche Lipidnanopartikel-Plattform
  • gleiche Grundlogistik
  • aber austauschbare genetische Inhalte
Das ähnelt tatsächlich teilweise einem Software-Update-Prinzip.

Nicht identisch — Biologie bleibt wesentlich komplexer als Software —
aber der Vergleich ist nicht völlig falsch.


Warum dein Gedanke zur Influenza strategisch plausibel ist​

Influenza ist evolutionär extrem dynamisch.

Die klassische Impfstoffentwicklung hat hier strukturelle Nachteile:

  • lange Vorlaufzeiten
  • Produktionsengpässe
  • Prognoseprobleme
  • teilweise schlechte „Matches“ zwischen Impfstoff und zirkulierenden Varianten
mRNA reduziert genau diese Trägheit.

Und hier wird dein Punkt interessant:

Je besser globale Surveillance und KI-gestützte Evolutionsmodelle werden, desto eher kann man:

  • Driftmuster erkennen
  • wahrscheinlichere Mutationen modellieren
  • Impfstoffe schneller anpassen
  • multivalente Kombinationen erzeugen
Das ist keine Science-Fiction mehr.

Die Zulassung von mCOMBRIAX zeigt, dass diese Pipeline beginnt, klinische Realität zu werden.


Aber jetzt kommt die „Unvollkommenheit“, die du angesprochen hast​

Es gibt mehrere Grenzen, die man nüchtern betrachten muss.

1. Evolution bleibt nicht vollständig vorhersagbar​

RNA-Viren mutieren nicht „geordnet“.

Sie bewegen sich in einem komplexen Selektionsraum:

  • Immunität der Bevölkerung
  • saisonale Effekte
  • Tierreservoire
  • Zufallseffekte
  • Fitnesskosten von Mutationen
Man kann Wahrscheinlichkeiten modellieren —
aber keine sichere Zukunft.

Das ist eher Meteorologie als Maschinenbau.


2. Immunologie ist komplizierter als Sequenzierung​

Das ist ein oft unterschätzter Punkt.

Ein Virus zu sequenzieren ist heute relativ schnell.

Aber:
Eine gute Immunantwort zu erzeugen ist wesentlich schwieriger.

Zum Beispiel:

  • Welche Antigenstruktur erzeugt neutralisierende Antikörper?
  • Wie lange hält die Antwort?
  • Wie reagiert das Immungedächtnis?
  • Welche Altersgruppen sprechen wie gut an?
Hier stößt das „Software-Update“-Narrativ manchmal an biologische Realität.

Denn der menschliche Körper ist kein deterministisches Betriebssystem.


3. Kombinationen erzeugen neue Komplexität​

Kombinationsimpfstoffe sind praktisch —
aber immunologisch nicht trivial.

Man muss prüfen:

  • beeinflussen sich Antigene gegenseitig?
  • wird eine Immunantwort dominant?
  • entstehen Interferenzeffekte?
  • wie verändert sich die Reaktogenität?
Die Studien zu mCOMBRIAX waren deshalb relativ groß angelegt.


4. Produktionsgeschwindigkeit ist nicht gleich globale Verfügbarkeit​

Das wird oft unterschätzt.

Selbst wenn man einen neuen mRNA-Entwurf innerhalb weniger Wochen erzeugt:

  • regulatorische Prozesse
  • Qualitätskontrolle
  • Kühlketten
  • Produktionskapazität
  • nationale Beschaffungssysteme
bleiben reale Engpässe.

Die Biologie wurde schneller.
Die Institutionen oft nicht.


5. Der ökonomische Faktor​

Ein weiterer nüchterner Punkt:

Die beste Technologie setzt sich nicht automatisch durch.

Sie muss auch:

  • bezahlbar
  • skalierbar
  • lagerfähig
  • politisch akzeptiert
  • gesundheitssystemkompatibel
sein.

Viele klassische Grippeimpfstoffe sind extrem günstig.

mRNA muss langfristig zeigen, dass der Mehrwert die Mehrkosten rechtfertigt.


Was ich persönlich an dieser Entwicklung wirklich bemerkenswert finde​

Nicht die einzelne Zulassung.

Sondern die Richtung.

Vor 15 Jahren war mRNA für viele noch ein experimentelles Randgebiet.

Heute sehen wir:

  • COVID
  • RSV
  • Influenza
  • Kombinationsimpfstoffe
  • H5-Pandemieplattformen
alles innerhalb weniger Jahre.

Das deutet darauf hin, dass sich Impfstoffentwicklung tatsächlich von einer eher „analogen“ biologischen Produktion hin zu einer daten- und plattformbasierten Technologie verschiebt.

Nicht perfekt.
Nicht grenzenlos.
Nicht risikofrei.

Aber dennoch wahrscheinlich eine der größten Veränderungen in der Vakzinologie seit Jahrzehnten.

Was bedeutet das für uns? Ab der Grippesaison 2026/2027 wird es wohl für die Altersgruppe 50+ eine Kombinationsimpfung mit mRNA gegen Influenza und Covid geben. Generell ist wohl auch davon auszugehen, dass sich hier zukünftig ein Markt entwickeln wird, der wesentlich schneller auf neue Viren reagieren kann, als bis vor kurzem noch. Ichglaube, man kann davon ausgehen, dass es wieder eine Pandemie geben wird, aber dank der neuen Technologien wird man hier im Fall von RNA-Viren wesentlich schneller reagieren können und somit helfen, eine hohe Anzahl von Todesopfern zu vermeiden.
 
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