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UNHEILBAR-Buchauszug: Bangkok und Kanchanaburi

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte für alle" wurde erstellt von abstinent, 08.04.2007.

  1. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Die Hauptstadt und Kanchanaburi sind die Hauptschauplaetze in meinem juengst erschienen Buch, es ist auch so etwas wie ein Reise und Erlebnisbericht, eben halt in Romanform.

    Hier packe ich 'mal eine Leseprobe aus meinem Buch hinein, es hat viele Beschreibungen moeglicher Ausflugs- und Reiseziele inne und so mancher kennt es ja noch nicht.
    Wen solche fiktiven Reisebeschreibungen realer Schauplaetze nicht interessiert, der braucht ja nicht 'reinzugucken :wink:

    Hier geht es also los:

    UNHEILBAR

    Vergangenheitsbewältigung auf Reisen


    Eigentlich bin ich müde, sehr müde sogar. Die gut elf Stunden im Flugzeug von Frankfurt nach Bangkok vergingen leider nicht wie im Fluge, sondern tröpfelten eher vor sich hin, wie ein undichter Wasserkran. Die zwei Stunden in der Limousine vom Airport ins Hotel waren auch gespickt mit haarsträubenden Spurwechseln auf wirklich übervollen Strassen, sofern es nicht im Schritttempo voranging.
    Bangkok hatte mich wieder. Hier war ich letztmalig auf einer Geschäfts-reise mit gemischten Gefühlen, damals in den frühen 90-er Jahren. Mit gemischten Gefühlen deshalb, weil mich zu jener Zeit der Projektmanager des neuen Kunden unserer Firma, einem japanischer Hersteller für Autozubehörkram, nach erfolgtem Abschluss in einen Privatclub mitnahm. In diesem Privatclub kümmerte sich eine Hostess um mich, wie es noch keine Frau vor ihr auf der ganzen Welt getan hatte. Seitdem war mein heimisches Liebesleben recht nachhaltig gestört.
    Mit meiner Exfrau geschah immer weniger, und ich ertappte mich oft bei dem Gedanken, die Nacht der Nächte ein weiteres Mal zu erleben, bevor ich das Zeitliche segne. Meine ohnehin kinderlose Ehe zerbrach, und seit meiner Scheidung vor sieben Jahren habe ich nur äusserst selten die Lust auf ein weibliches Wesen verspürt – mit Ausnahme der Geisha von damals, die seither engelsgleich in allen meinen Tagträumen existiert. Niemals erzählte ich jemandem davon; sie sollte mein Geheimnis bleiben.

    Ich wollte mir nicht die Blösse geben, von einer Prostituierten befriedigt worden zu sein. Nicht auszudenken, die Schmach im Kollegenkreis.
    Dann kam der Moment, der mein restliches Leben verändern sollte. Im Rahmen einer planmässigen Vorsorgeuntersuchung diagnostizierte man mir im vergangenen Monat, dass ich mit einer deutlich reduzierten Lebenserwartung rechnen müsste. Die Diagnose tut hier nichts zur Sache, aber ich wollte nun bewusster leben und erleben – die noch verbleibende Zeit, in der ich mich halbwegs wohlfühlen konnte, aktiv nutzen.

    Alle früheren Gedanken, welche ich zum Beispiel für ,gute Vorsätze‘ opferte, warf ich nun aber über Bord. Warum sollte ich mit dem Rauchen aufhören, wenn meine Lebensuhr nun ohnehin wesentlich schneller tickt, als mich ein Lungenkrebs dahinraffen könnte. Warum sollte ich das gelegentliche Trinken und das damit verbundene Vergnügen aufgeben, wenn meine Leber theoretisch viel länger malträtiert werden könnte.
    Mit dem Ablauf meines Mindesthaltbarkeitsdatums in Sicht, gönnte ich mir nun erstmals die Erfüllung lange gehegter Wünsche. Noch vor guten vier Wochen war alles im alten Trott, mein silbergrauer Audi A 6 war ein Jahr lang mein treuer Begleiter auf allen innerdeutschen Reisen, auf denen ein Flug unrentabel war.

    Er wäre es geblieben, aber dann stand ich in einer Nacht nach einem Kinobesuch vor dem hell erleuchteten Schaufenster eines bekannten Sportwagenhändlers und jahrzehntelang unterdrückte Gefühle keimten in mir auf. So ein Nobelflitzer würde mir gut stehen, knallrot und mit dem nötigen Power unter der Haube, bis der Arzt kommt! Am nächsten Morgen stand ich dann vor dem Schreibtisch des Inhabers. Die Modalitäten hatte ich schnell hinter mich gebracht, und der Porsche liess sich fahren, als hätte er mich schon immer chauffieren wollen.

    Der frische Adrenalinstoss aber, den mir der neue fahrbare Untersatz verschaffte - der klang recht schnell wieder ab. Das Naserümpfen meiner lieben Managerkollegen daheim in der Firma konnte mir nicht entgehen. „Zweiter Frühling!“, hörte ich sie tuscheln. „Jetzt spinnt er aber komplett!“, raunten sich unsere Arbeiter zu – nur die ledigen Sekretärinnen lächelten mich nun jetzt etwas breiter an.
    Ich lebte nun aggressiver, bewusster, härter und... irgendwie viel schöner. Warum nur bedurfte es der eigentlich so verheerenden Diagnose, um mich aus meiner Spiessbürgerlethargie zu wecken?

    Am kommenden Freitag beginnt das Meeting der Führungskräfte der internationalen Kfz.-Zubehörindustrie im malaysischen Kuala Lumpur und ich erwirkte beim Direktor mühelos einen Kurzurlaub im Zusammenhang mit meinem dortigen Auftritt. Die vier Wochentage vor der Veranstaltung werden mir anstandslos genehmigt. Mein Referat über abriebsarme, hoch hitzebeständige, aber asbestfreie Bremsbeläge, wie sie meine Firma herstellt – das habe ich fertig auf der Festplatte des Laptops. Alle Spezialisten der Firma haben daran mitgearbeitet und es ist wirklich gut. Nun bin ich endlich im wohl klimatisierten Zimmer des Hyatt Erawan Hotel, einer der feinsten Adressen der Stadt.

    Das Interkontinental, in dem ich seinerzeit residierte, gibt es nicht mehr. Dort ist nun eine Grossbaustelle, auf der eine Megamall für die reicher gewordenen Thai und die ausländischen Touristen entsteht, bemerke ich während der Vorbeifahrt. Grosse, gemalte Poster zeigen eine Chrom- & Glasfassade mit einer ansprechenden Aussenarchitektur des Luxus und der Superlative. Bangkok macht’s möglich.

    Ich dusche und mache mich dann auf den Weg, die nähere Umgebung per pedes zu erkunden. Die Gehwege sind an diesem frühen Montagnachmittag nicht von vielen Passanten frequentiert. Etwas links die Strasse hinunter ist das Peninsula Plaza, ein anderes, feines Hotel der Oberklasse, und ich beobachte ein wenig das bunte Treiben auf dem Gehsteig davor. Eine Kaffeestube an der Front des Peninsula lädt zum Verweilen ein und ich folge dieser Eingebung. Es wird unmöglich sein, die Zauberfee von damals wieder zu finden, das weiss ich schon, obwohl ich oft an sie denke – aber allein der Gedanke daran hat mich schliesslich hergezogen.

    Privatclubs der Japaner sind für westliche Leute ohne japanische Begleitung so uneinnehmbar wie eine Festung. Jeder halbwegs ehrenvolle Türsteher würde hier sein mickriges Leben dafür riskieren, einem Nichtasiaten mit allen ihm gegebenen Mitteln den Zugang zu verwehren. Aber Bangkok hat ja auch noch eine Menge anderer Entertainments zu bieten, als den einen oder anderen schummerigen Privatclub in der sechsten oder siebten Etage eines Bürohauses.

    Genüsslich schlürfe ich meinen Cappuccino und erfreue mich an der Ansicht der bienenfleissigen Bediensteten hier, die in ihren kurzen weissen Röckchen und hellbraunen Poloshirts sehr adrett und irgendwie süss aussehen. Meine Bedienung trägt ein Namensschildchen, auf dem steht: Dao. Sie lächelt schöner, als ein Werbemodell für Zahnpasta und ich lächle verhalten zurück. Sie ist allerhöchstens 20 Jahre alt und das packt sie in eine für mich unerreichbare Liga.

    Es ist früher Nachmittag, aber wie durch ein Wunder fühle ich mich trotz der Reisestrapazen wie neugeboren. Das Lächeldoping von Dao, der Kaffee, die exotische Atmosphäre und die Erwartungshaltung an die nächste Woche... oder war es das alles zusammen?
     
  2. lex-kf

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    @ abstinent

    liest sich echt klasse

    wenn ich im mai in bkk bin, und wir uns treffen sollten würde ich dir gerne ein exemplar abkaufen

    gruss alex
     
  3. peter

    peter Junior Rookie

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    @ Absti!


    In welcher Buchhandlung in Phuket gibt es dein Buch?
    ...in Kata etwa auch?

    Gruss

    Peter
     
  4. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    @ lex

    klar, wurd' mich freuen :yes:

    @ peter

    im raume kata-karon habe ich mehrere verkaufsstellen. mani's bakery sowie mehrere von den beachseitigen supermaerkten, welche auch literatur im programm haben. meist haben die dann auch solch ein poster im fenster:

    317_posterthaibeachklein_1.jpg, UNHEILBAR-Buchauszug: Bangkok und Kanchanaburi, 1

    ciao

    abstinent
     
  5. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Ich schlendere am Hotel Erawan vorbei in Richtung der Betonhochbrücke, über die alle paar Minuten eine Art Strassenbahn herfährt, aber meine Aufmerksamkeit gilt auf einmal nur noch dem Geschehen in dem Tempelschrein zu meiner Rechten. Hier steht offensichtlich eine Götterfigur auf einem gemauerten Podest, und Hunderte von jungen Frauen beten sie an oder behängen sie mit Blumengirlanden. Räucherstäbchen in Bündeln verbreiten ein exotisches Aroma, und die Girlanden aus frischen Blüten machen das Ganze zu einem Erlebnis für die Nase. Als dann eine bisher unsichtbare Kapelle mit überirdisch klingenden Weisen dem Happening hier noch eine akustische Komponente verleiht, bleibe ich wie gebannt stehen und betrachte das Schauspiel.

    Im Uhrzeigersinn umkreisen die Gläubigen das Götterbild, das mehrere Gesichter zu haben scheint. Die Farben, der Geruch, die Klänge... alles wirkt irgendwie fantastisch, sehr exotisch - aber auch nicht unangenehm. Ich sauge alles gierig in mich auf. Im Innenbereich des Tempelschreins befinden sich auch einige Steinsitzbänke, und meine müden Knochen würden sich gerne darauf ausruhen. Aber ich schäme mich etwas, denn ich weiss nicht, was ich dort machen soll, um nicht Anderen unangenehm aufzufallen. Also beobachte ich die Szene noch eine Weile.

    „Excuse me, sir!“, mit diesen Worten spricht mich ein kleines Mädchen von der Seite an, es strahlt mich an und hält eine dieser hier häufig zu sehenden Blumengirlanden in ihrer ausgestreckten Hand: „Only ten Baht, sir.“ Und ich krame in meiner Tasche nach Kleingeld, aber ich habe nur eine blaue 50 Bahtnote als kleinsten Schein und gebe ihn der Kleinen. „Oh, sorry sir...“, sagt sie noch, während sie um die Ecke wegrennt. Na ja, den Verlust eines Euro kann ich verschmerzen – und habe auch nicht das Gefühl des Geprelltwordenseins.

    Ich gehe also in die Umzäunung des Schreins und setze mich auf eine freie Bank im Innenbereich, direkt gegenüber der funkelnden Statue. Ein nicht abreissen wollender Zustrom neuer Geschenkebringer für die Götterfigur sorgt für permanenten Nachschub an Blumengirlanden und Räucherstäbchen. Meist machen die Opfernden eine Runde um die Figur, und stoppen alle 90 Grad an einer der offensichtlich vier Gesichtsseiten des Gottes. Diesen Stop nutzen sie dann für ein kurzes Gebet, oftmals auf den Knien, und sie verneigen sich mit vor dem Gesicht zusammen gefalteten Händen davor. Nach dem Intermezzo hier stürzen sie sich wieder in den Verkehr oder gehen ihren sonstigen Tagesgeschäften nach.
    Niemand starrt mich an, niemand gibt mir durch Blicke zu verstehen, ich sei hier fehl am Platze oder gar unerwünscht. Manchmal erhasche ich ein flüchtiges Lächeln einer der zahlreichen jungen und hübschen Frauen und ich bin dankbar dafür. Dankbar für das Lächeln und auch für meinen Entschluss, endlich wieder hierher zu kommen.

    Ich fasse Mut und laufe in respektvollem Abstand einmal um den Schrein herum. Dabei fallen mir die hinteren Teile des Schreins auf. Auf der dem SOGO-Kaufhaus zugewandten Seite befindet sich ein anderer Opferschrein für Elefantenfiguren, und es stehen hier Hunderte dieser Miniaturelefanten in Reih und Glied vor einem anderen Götterbild. Grosse und kleine, geschnitzte und bemalte, hölzerne und solche aus Plastik.
    Auf der zum Erawan Hotel hin gewandten Seite ist ein gemauerter, sehr ornamentaler Baldachin, unter dem eine achtköpfige Kapelle sitzt. Die männlichen Musikanten tragen identische Kostüme, und deren Instrumente wirken auf mich wie aus einem Museum entliehen. Ich beobachte aus den Augenwinkeln, wie ein Gläubiger eine Geldsumme an einen Bediensteten überreicht, und dieser der Kapelle ein Zeichen gibt, worauf diese nach kurzer Absprache mit dem Musizieren beginnt. Mit dem Beginn der Melodie taucht, wie herbeigezaubert, eine Gruppe junger Tempeltänzerinnen auf. In wunderschönen traditionellen Kostümen wiegen sie ihre gertenschlanken Körper zu den Weisen.

    Ich fühle mich wie in einem schönen Traum, aber meine Füsse teilen mir unmissverständlich mit, das nun endlich eine Ruhephase erforderlich sei. Also setze ich mich wieder auf die immer noch freie Bank. Ich nicke fast ein, aber dann berührt mich eine kleine Hand sanft am Arm: „Sir, I looking for you, but you go away!“ Etwas vorwurfsvoll schaut mir die kleine Girlandenverkäuferin in die Augen und ich kann mir ein plötzliches Lächeln nicht verkneifen. Sie hält mir zwei 20 Bahtscheine mit der anderen Hand hin und ist fast erstaunt, als ich ihr entgegne: „You can keep the change, buy some sweets or icecream for yourself!“
    Die grossen, dunkelbraunen Augen strahlen um die Wette mit den kleinen, blütenweissen Zahnreihen. Sie setzt sich neben mich auf die Bank, und fragt mich: „Where you come from?“

    „I come from Germany“. „Oh, Jölemanny…“, quietscht sie da los. „...do You have BTS in Jölemanny?“ - „BTS, what is that?“ - „Up there, that’s BTS!“, und sie zeigt mit dem Finger nach oben. Ich verstehe, die Hochbahn heisst hier BTS. „One day I go BTS!“, sagt sie inbrünstig und voller Stolz. Ich schaue wohl etwas verwirrt drein. „Mae promised me, I can go BTS, but I sell flower many first.“ Ich verstehe nicht ganz. „Come back tomollow Khun Farang!“, ruft sie mir noch zu, und verschwindet wieder zwischen den Leuten draussen auf dem Gehsteig.
     
  6. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Ich verspüre Hunger, das Erawan und die tollen, vielfach preisgekrönten Restaurants dort, sie sind ganz nah, aber mich packt nun das Entdeckerfieber. Ich erklimme eine Fussgängerbrücke über die Hauptstrasse. Sie heisst Rama 1, später Sukhumvit und soll mehrere hundert Kilometer lang sein. Das muss sie wohl auch, denn das Verkehrsaufkommen ist schier erdrückend. Die Gipfelhöhe der Brücke scheint bei knapp zehn Metern zu liegen, erst ganz dicht unter dem BTS-Bauwerk führt diese die Passanten auf die andere Seite. Für alte und gebrechliche Leute ist es unmöglich, hier die Strassenseite zu wechseln. Städteplanung gibt’s nur für aktive Sportler hier in Bangkok, wie es den Anschein hat.

    Oben auf der Brücke sitzt an jedem Aufgang je ein Bettler, und artig verneigen sie sich vor jedem Passanten. Viele Thai werfen eine kleine Münze in die als Becher hingehaltenen, aufgeschnittenen Plastikgetränkeflaschen. Ich finde ein Fünfbahtstück in der Tasche, dass ich im Vorübergehen in den Becher werfe, den mir ein alter Mann mit zittriger Hand hinhält. Er sieht mich nicht direkt an, aber ich glaube zu spüren, wie er mir noch lange nachschaut, während ich die Treppe hinuntergehe.

    Der riesige Komplex einer Shoppingmall lockt mit klimatisierten Räumlichkeiten nicht weit von meinem neuen Standpunkt entfernt. Central World Plaza heisst er, und ich gehe hinein. Der reine Zufall will es, dass drei deutsche Touristen die gleiche Rolltreppe benutzen, und ich höre zwangsläufig ihr Gespräch mit. Zwanglos berichten sie von der tollen Massage nach der Badewannensache, und der Dickste der drei grölt: „Nachdem ich ihr den zweiten Schuss verpasst hatte, ging nix mehr – kein Bumsen war mehr drin!“, worauf ein Anderer meinte: „Heut’ Abend klappt’s bestimmt wieder, ich geb’ dir meinen Blasebalg von gestern!“
    Die sprachen ganz ungeniert über ihre Erlebnisse bei den Prostituierten und hatten offensichtlich alle ihren Spass gehabt. Ich würde gern mehr erfahren, aber da musste zunächst einmal ein Plan aufgestellt werden. Ich esse in einem Steakrestaurant einen riesigen Salatteller und deren ,Surf & Turf Special‘. Lobster und Filetsteak, meine Leib- und Magenspeise, internationaler Standardfrass vieler gestresster Manager. Für die exotischere Thailändische Küche fehlt mir heute ganz einfach der Mut.
    Nach dem Mahl gönne ich mir noch einen Irish Coffee, was meinen Tischnachbarn, einen waschechten Iren, auf den Plan ruft.
    In breitestem irischem Dialekt hob er sein Bier und toastet mir irgendetwas zu. Ich grinse und erwidere den Trinkergruss halbherzig. „Watcha doing this neck of the woods?“, fragt er, was soviel heisst wie: Was machen Sie in diesem lausigen Nest? „Business“, ist meine etwas lapidare Antwort.
    „Don’t forget the fun in this city!“, warf er zu mir herüber und setzte sich in Bewegung herüber zu mir an den Tisch, aber nicht ohne vorher das Riesenglas Bier in einem Zuge leerzutrinken. Ich wittere Lunte, hier kann ich die benötigten Informationen bekommen.

    „Please sit down“, sage ich ihm, mit einer einladenden Handbewegung auf den Stuhl gegenüber weisend „..which are the hotspots today?“. Und er beschwert sich über die ID-Card Alterskontrolle bei den Mädchen in der Thermae, die neuen Öffnungszeiten der Bars und A Go-Go’s und die gestiegenen Preise der Freelancer in den Discos ,Angel‘ und ,Hollywood‘. Ich merke mir alle Namen, so gut wie es geht, und komme nicht umhin, ihm ein Bier zu bestellen, denn er schielt laufend nach dem Kellner.

    Roger, so heisst der Guteste, erzählt mir dann seine Lebensgeschichte - oder genauer gesagt: Er beginnt damit. Just zu diesem Zeitpunkt bekomme ich glücklicherweise eine belanglose SMS auf mein Handy, wie mir das akustische Signal verrät, ich nutzte die sich nun bietende Gelegenheit, um ein kurzes Gespräch vorzutäuschen.
    „I pity you business freaks“, sagt Roger mit einem breiten Lächeln. Ich kann nun ausweichen und den Monolog abbrechen, zahle schnell die Rechnung, verabschiede mich brav und gehe meines Weges.

    Die Namen der Bars und Plätze, die Roger genannt hatte, habe ich mir vorsorglich ins Sprachmemo des Handys aufgesagt. Etwas weitere Recherche wird nun nötig sein. Dafür hatte ich die Vokabel-Munition für einen Taxifahrer, denn ohne diese hätte ich mich bestimmt nicht in eines der berüchtigten Bangkoker Taxis gesetzt. Zur Thermae soll es nun gehen, der Fahrer nickt, schaltet den Taximeter ein und fährt los. Es ist mittlerweile Abend, die Armbanduhr zeigt 20:25 Uhr. Siedendheiss fällt mir ein, dass ich meine Breitling am Handgelenk unbedingt noch gegen ein billiges Modell eintauschen sollte, denn... man weiss ja nie!
     
  7. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Nach einiger Kutschiererei zeigt das Taximeter in rot leuchtenden Digitalziffern 89 Baht und wir halten vor einem Hotel mit einem Lokal im Untergeschoss. ,Thermae‘ steht an einer Tafel angeschlagen, auf geht’s.

    Meine Ernüchterung kennt kaum Grenzen, als ich dann in dem schummrigen Souterrainladen die Schwingtüre aufmache. Ein dumpfer Geruch aus abgestandenem Qualm mischt sich mit Resten von Billigparfüm und dem Aroma verschütteter Getränke. Gähnende Leere, ausser mir nur vier weitere Personen anwesend, nicht eine einzige Frau, abgesehen einmal von der stark geschminkten Omi am vorderen Thekenrand.

    Komische Innenarchitektur, denke ich, während ich staunend ins Innere trete. Eine geschwungene Inseltheke ohne Ausschank in der Mitte, links und rechts Sitzgruppen im Dinerstil, und eine Jukebox im hinteren, linken Bereich. Das hier soll wahrhaftig die sagenumwobene Aufrissbude sein? Da hatte ja jede Bushaltestelle, die wir auf der Taxifahrt passierten, nach meinem Dafürhalten mehr an attraktiver Weiblichkeit zu bieten!
    Die Schanktheke befand sich in einer Nische links neben dem Eingang, aber ich mache auf dem Absatz kehrt, als sich ein uniformierter Kellner zielstrebig in meine Richtung aufmacht. Ich gehe also zurück auf die Strasse und versuche, mich zu orientieren. Das Bauwerk über meinem Kopf sieht genauso aus, wie die BTS in der Nähe meines Hotels, ein Strassenschild etwas weiter verrät mir dann auch, dass ich wieder auf der Sukhumvit war. Seltsam, der Taxifahrer war unterwegs mehrfach in verschiedene Haupt- und Seitenstrassen abgebogen - dabei bin ich jetzt immer noch auf der gleichen Strasse.
    Weiter rechts sehe ich etliche Marktstände, und ich schlendere dorthin. Im Scheine nackter Glühbirnen bieten hier die Händler Hemden, Krawatten und andere Sachen an. Ich erstehe an einem dieser Stände eine Billiguhr für 400 Baht. Der Markt zieht sich weiter hin, und ich folge ihm über mehrere Strassenkreuzungen hinweg. Fast permanent sprechen mich irgendwelche Schlepper an und wollen mir Girls, Boys oder was auch immer anbieten. Ich lehne ihre Angebote rigoros ab, denn die Schlepper sind international immer die schlechtesten Ratgeber.

    Eine lange Treppe führt vom Gehsteig zur BTS Station nach oben, und ich erspähe ein Schild: NANA steht dort angeschlagen, und ich erinnere mich noch, dass Roger diesen Namen mehrfach im Zusammenhang mit Vergnügen genannt hatte. Ich war also gar nicht so verkehrt hier.

    Die Läden hier hatten fast alle noch geöffnet, und ich betrete einen kleinen Supermarkt. Die Aircondition auf Maximalleistung verschlägt einem nahezu den Atem, wenn man den Raum hier betritt. Ich kaufe ein Paket Kaugummi und dann noch eine Schachtel Zigaretten. Auf meine Frage: „Where is the Nana?“, ernte ich nur ein wenn auch nicht unfreundliches, doch verständnisloses Lächeln der Kassiererin, aber ein anderer Kunde hilft aus und erklärt mir freundlich, dass diese Gegend Nana genannt wird – aber das wohl von mir gesuchte Entertainmentviertel sich in der Soi 4 befinden soll.

    Soi 4, Soi heisst wohl Strasse, und ich erinnere mich an etliche Strassenschilder mit dieser Bezeichnung. Die Nummern wurden in meiner Laufrichtung kleiner, sind hier auf dieser Seite aber ungerade. Ich schliesse daraus, dass ich auf der falschen Seite der Sukhumvit bin und suche nach einer Möglichkeit, die Strasse zu überqueren.

    Eine weitere Brückenkletterpartie folgt etwas später und ich befinde mich auf der geraden Seite. An einem grossen Luxushotel vorbei gehe ich weiter in die Richtung und finde die Soi 4 recht einfach. Hier herrscht ein sehr reger Fussgängerverkehr und etliche Passanten beiderlei Geschlechts streben in diese Seitenstrasse hinein. Manche kommen mir mit leicht geschürzten jungen Mädchen an der Hand entgegen und ich fühle mein Herz höher schlagen. Schon nach ein paar Metern zweigt nach links auf eine Art Hinterhofplatz eine Zufahrt ab und Hunderte von Neonreklamen bemühen sich nach Kräften, im Innenhofbereich die Dunkelheit der Nacht zu erschlagen und ein bunt kreischendes Leben ins Rampenlicht und in das Interesse der Kunden zu rücken.

    Nana Plaza, ich bin endlich dort! Um jetzt bloss nichts verkehrt zu machen, setze ich mich einfach in eine der Open Air-Bars im Eingangsbereich und bestelle mir eine Coca-Cola. Das wirre Treiben hier hatte keine für mich erkennbaren festen Regeln. Von meinem leicht erhöhten Platz aus kann ich sehr gut den Innenhof überblicken. Ringförmig drumherum gibt es Bars auf drei Etagen. Unzählige Bars und ihre Belegschaft warten hier auf zahlende Kunden und Unmengen an Bargirls harren geduldig ihrer nächtlichen Freier.

    Ein Eldorado für den Einen, ein Sündenbabel für den Anderen. Meine Augen schweifen umher und registrieren die Sachlage, aber mein Verstand will damit nicht recht Schritt halten. Als Topanalyst meiner Firma verfüge ich, so sagt man mir nach, über ausserordentlich wache analytische Fähigkeiten. Warum aber versagen die hier so sehr? Rätsel über Rätsel. Schräg gegenüber führt eine Rolltreppe in die erste Etage hoch, offensichtlich eine Einbahnstrasse für jeden, der dort hochfährt – denn ich sehe diese Leute nicht wieder zurückkommen.
     
  8. salas

    salas V.I.P.

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    @ lex-kf,
    in Bangkok kannst es dir in der Buchhandlung im Nanahotel kaufen.
     
  9. Leebanon

    Leebanon Senior Member

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    nicht schlecht,

    mal ne andere Frage,
    gibts das Teil auch als Hörbuch ?

    klar kann ich lesen, aber so ein mp3 Teil auf den ipot oder das Handy,
    und dann ablaufen lassen, während man sich sonnt,
    ist schon bequemer :yes:
     
  10. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    @ salas

    richtig, gut aufgepasst - danke :tu:

    ausserdem z.b. auch beim otto in der suk 20 (zeitungs & delikatessenlaedchen vorne), german beerhouse suk 11 und diversen bookazine und asiabook-stores (nicht alle)

    @ leebanon

    hab ich bisher nicht vorgesehen, ist aber sicher eine gute idee fuer spaetere realisation. erstmal will ich den buchvertrieb auch in europa unter dach und fach haben. je ein distributor (verteiler) in D, CH & A steht bereits. naehere info dazu im werbethread unter UNHEILBAR, wenn es soweit ist. in thailand habe ich nun 60+ verkaufsstellen direkt bestueckt (plus etliche weitere ueber den grosshandel bzw. buchvertrieb)

    ciao

    abstinent
     
  11. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Vereinzelt verlassen Männer aller Altersstufen nach wie vor mit kleinen hübschen Dingern an der Hand diesen Innenhof, meist steigen sie gleich vor der Zufahrt in eine der bereitstehenden Taxen und fahren los. Offenbar befinden sich hier keine geeigneten Räumlichkeiten, in denen die Mädchen und ihre Kunden ihrem Geschäft oder ihrem Vergnügen nachgehen können. Man geht gemeinsam ins Hotel des Freiers. Mir stellt sich nun die Frage, ob das in meinem Hotel auch so geht.

    Meine Coke ist leergetrunken und ich habe meinen ersten Eindruck gewinnen können. Hier kann es nicht schwer sein, eine geeignete Person für die Befriedigung der Körperlust zu finden. Ich stürze mich also ins Gewühl. Zunächst laufe ich links an den Innenhofbars vorbei, stolpere fast über einen Liliputaner, der hier uniformiert den Schlepper einer A-Go-Go mimt. Ich gehe in die Bar, wo eine Gruppe hübscher Bikinimädels einladend die Vorhänge im Eingang zur Seite hält. Es ist innen recht dunkel, aber die Augen gewöhnen sich schnell an die reduzierten Lichtverhältnisse. Eine Servicelady mit Taschenlampe ergreift behutsam meine Hand und geleitet mich zu einer etwas höher gelegenen Sitzgruppe im hinteren Bereich der Bar. Auf der Showbühne tanzen einige Dutzend Bikinigirls und spähen in die Runde. Vielleicht lässt sich ja für diese ein Blickkontakt mit einem potentiellen Kunden ermöglichen.

    Ich möchte einen Whisky bestellen und frage in Englisch nach der Getränkekarte. Nur wenige Plätze scheinen in der Bar besetzt zu sein und bei jedem Mann halten sich ein bis zwei der Bikinigirls auf. Der DJ wechselt die Scheibe und die Mädchen an den vertikalen Chromstangen auf der Bühne rücken einen Platz weiter. Direkt vor mir kommt eine Neue in das Rampenlicht. Sie hat einen geradezu perfekten Körper, lange Haare und ein traumhaftes Lächeln, wie man es wohl nur in Asien findet.

    Die laminierte Getränkekarte hat unter anderem Johnny Walker gelistet und ich bestelle mir die Black Label Version mit Coke. Die hübsche Tänzerin hat eine runde Plakette am Bündchen ihres Bikinihöschens befestigt, Nummer 77 steht darauf. Ich ertappe mich dabei, wie ich sie mit den Augen ausziehe. Sie zeigt toll gerundete Brüste, die nicht sehr gross, aber vielversprechend fest aussehen. Die flache Bauchdecke ist toll definiert, und sie hat schlanke Fesseln mit zierlich kleinen Füssen daran. Erst später sehe ich das Hinterteil und meine Augen treten fast aus den Höhlen! Ein perfekt gerundeter Popo, Pogrübchen und eine fantastisch gute, allgemeine Heckansicht, die ihre verführerische Absicht nicht verfehlt.

    Meine Wahl wäre damit schon gefallen, aber das ,gewusst wie‘ ist nun die anzugehende Hürde. Ich schaue unauffällig zu den anderen Gästen hinüber, und sehe, wie diese ihre Mädchen abtatschen, teilweise sogar mit der Hand unter dem ohnehin klitzekleinen Bikini! Wie kann ich nun meine Absichten in die Wege leiten? Ich bekomme meinen Drink – und die Rettung scheint nahe. „You like Girl?“, fragt mich die Serviermaus und ich bejahe diese Frage mit einem leichten Kopfnicken. Sie geht zur Bühne und wechselt ein paar Worte mit meiner Nummer 77. Diese grinst nun lasziv, strahlt mich an, und wiegt den wohlgeformten Körper noch etwas wilder zum Rhythmus der Musik. Was nun passiert, ist mir schleierhaft, aber ich bin sehr neugierig.

    Beim nächsten Musikwechsel kommt sie zu mir und eine Kollegin, die vorher irgendwo herumsass, nimmt nun den leer gewordenen Platz an der Chromstange für sie ein. Das Eis gilt es hier nicht mehr zu brechen; es scheint ein ungeschriebenes Gesetz für das nun folgende Ritual zu geben. Das Problem bestand nur darin, dass mir dieses Gesetz nicht so geläufig war. Sie heisse Nat, sagt sie mir mit hingehaltener Hand – und sie setzt sich neben mich auf die Polsterbank. Sie riecht gut, und ich sauge mehrfach eine Lunge voll von diesem Aphrodisiac ein.

    „Would you like to buy your lady a drink?“ Mit diesen Worten bringt sich die Serviermaus wieder in Erinnerung. „Yes, sure!“, sagte ich, und sehe Nat fragend an. Sie bestellt sich irgendwas und sieht mich dann mit ihren magisch dunklen Augen lächelnd an. Die nun folgende Konversation ist der Auftakt des Rituals. Woher ich komme, will sie wissen, wie ich heisse und wie lange ich denn bliebe. Ich lüge mir ein paar passende Antworten zurecht und bekomme Spass an diesem Spiel.

    Der Einsatz dieses Spiels beträgt zunächst 500 Baht, direkt zahlbar an das Etablissement. Dafür steht mir die Lady dann weiterhin zur Verfügung. Drinks gehen natürlich extra, aber sie scheint gar nicht auf so viele Drinks erpicht zu sein, denn sie nuckelt nur sehr zaghaft an ihrem Orangensaft. Ihre Hand legt sich inmitten des Gespräches wie zufällig auf meinen Oberschenkel, und diese vertraute Geste, wohl tausendfach einstudiert, ist Step zwei im Ritual.

    Ich spüre eine Art Elektrizität von ihrer Hand ausgehen, und kann eine gewisse Nervosität nicht verhehlen. Sie geht los, um sich umzuziehen, als ob sie damit signalisiere, dass der Aufbruch nun unmittelbar bevor steht. Ich entlasse ein Bikini-Barmädchen und erhalte nur kurz später eine adrette junge Frau, bekleidet mit Jeans mit kesser, weisser Bluse zurück. Der Tausch erscheint mir sehr gut gelungen, denn mit dem knappen Bikini wäre das sicher problematisch - zumindest ausserhalb dieser Bar.

    Nats Augen kleben an mir, wenn ich mal zur Bühne herüberschaue – und sie versucht sich im Small Talk. Aus Ayutthaya kommt sie und sie verdiene sich hier ihr Studium. Ich höre nur mit einem Ohr hin, empfinde den Klang ihrer niedlich kieksigen Stimme aber als extrem angenehm. Nun ist es wohl an mir, den dritten Schritt zu unternehmen – und ich frage sie, ob sie Lust hat, mit mir noch woanders hinzugehen. Sie will, so zahle ich... und wir brechen auf.

    Wohin ich denn will, fragt sie interessiert, und ich fasele irgendetwas vom Park und vom Spazierengehen, sie weiss Rat und dirigiert den Taxifahrer in eine Richtung zu einem ihr bekannten Ziel. Hier sind wir in einem kleinen, aber wohl gepflegten und beleuchteten Park, direkt neben einer Shoppingmall namens Emporium, wie mir der protzig wirkende Beton-, Chrom- und Glasklotz neben dem Eingang zum Park mit einer Aufschrift verrät. Wir machen eine Runde um den Teich und sie nimmt meine Hand ganz vorsichtig in die ihre. Nicht ungeschickt baut sie meine Unsicherheit ab und ich lege während unseres Rundganges schon nach ein paar Minuten meinen Arm vertraut um ihre kleinen Schultern. Wirklich bequem, so eine kleine Frau. Haben alle Vorzüge einer Hochgewachsenen, aber es ist alles müheloser, einfacher und halt bequemer.

    „Would You like me to stay ,long time‘ or ,short time‘?“, fragt Nat mich dann und ich schaue wohl irritiert drein. „Short time is about two Hours, long time is until morning!“, folgt die Erklärung auf dem Fusse. Ich brauche mir dieses Angebot nicht besonders lange zu überlegen: „Long Time is O.K.“, entgegne ich erwartungsvoll.


    *
     
  12. abstinent

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    Dao hilft noch ihrer älteren Schwester Pan beim Durchzählen der Kasseneinnahmen im Coffeeshop. Den zwölfstündigen Arbeitstag hatten sie hinter sich gebracht und nun bereiten die Beiden den nächsten Werktag vor. Kaffeebecherstapel werden bereitgestellt, Filter ausgewechselt, Wassertanks gefüllt und viel gespült. Es ist eine Knochenarbeit, die nach Geschäftsschluss um 20:00 Uhr noch ansteht. Pan macht das sonst ganz alleine, nur in den Spitzenzeiten beschäftigt sie noch zwei Aushilfen, aber nun war sie über Daos Mithilfe mehr als nur erfreut.
    Dao arbeitet hier in den derzeitigen Semesterferien, sie verdient sich so die zu Beginn des neuen Semesters fällige Studiengebühr für die Uni.

    Eines Tages will sie die Erste in ihrem Familienclan sein, deren Foto von der Graduationsfeier stolz an allen Wänden aller Behausungen des Familienclans hängt. Sie hat noch vier Semester vor sich bis zu ihrem Ziel, aber sowohl ihre Professoren als auch die Kommilitonen sind sich sicher, dass Dao es packt. Die Fakultät der Ramkhamhaeng Universität für Management und Business Administration gilt als alt eingesessen und geniesst einen exzellenten Ruf bei potentiellen Arbeitgebern.

    In Daos und Pans Heimatort Phi Mai, in der Nähe der Stadt Nakhon Ratchasima, im Volksmund auch einfach Korat genannt, gibt es wenig Arbeit und viele hungrige Mäuler zu stopfen. Ackerbau und Viehzucht sind weit verbreitet und die Lebenswege von Mädchen scheinen hier vorprogrammiert zu sein. Früh geschwängert von der Schule gewiesen, mit etwas Glück sogar geheiratet, aber vom Ehemann verlassen werden, mit Kind und ohne Ausbildung vor dem Dilemma stehen, dass sowohl das Kind, als auch die Alten des Clans versorgt werden müssen.
    Dao und Pan haben noch zwei ältere Brüder. Der eine lebt und arbeitet als Minibusfahrer im Süden des Königreiches, in Hat Yai – der andere betreibt eine kleine Autowerkstatt in einer Kleinstadt in der Nähe der laotischen Grenze. Beide haben je eine Familie gegründet und mit dieser neue Wurzeln in ihren jeweiligen Wohnorten geschlagen.

    Pan und Dao haben ihre Eltern recht früh verloren. Der Vater, ein Captain der thailändischen Armee verstarb an den Folgen eines Verkehrsunfalls – die Mutter erlag acht Monate später ihrem Gram. Das war vor Jahren, und niemand im Heimatort hätte einen Pfifferling auf die Zukunft der Töchter gewettet. Dass die beiden ihren Weg gehen werden, das hatte ihnen niemand prophezeit – aber sie haben es Allen gezeigt!

    Pan verliess die Highschool mit sechzehn Jahren, nach der dritten Klasse und bewarb sich um einen Job in einem Hotel in Korat, den sie auch bekam. Über ein Jahr lang schaffte sie es, als einfaches Zimmermädchen ein dürftiges Einkommen zu erwirtschaften und sich selbst als auch Dao damit über Wasser zu halten. Dao lebte damals weiter im elterlichen Haus und pflegte nebenher noch die 79-jährige Grossmutter und eine bettlägerige Grosstante.

    Pan wurde dann ein neuer, besser bezahlter Job im Coffeeshop des Hotels angeboten und sie freute sich damals über das zusätzliche Einkommen, das sie sich dort erarbeiten konnte. Obendrein gab es einen Anteil an der Trinkgeldkasse und die angespannte wirtschaftliche Situation wurde dadurch etwas erträglicher und rosiger.

    Der Sohn des Hoteliers war allerdings ein notorischer Playboy und er hatte ein grosses Interesse an Pan. Nach monatelangem erfolglosem Werben um ihre Gunst überkam es ihn eines Abends und er lauerte ihr auf dem Nachhauseweg auf. Sie widersetzte sich der Vergewaltigung nach Kräften, aber sie war dem jungen, athletischen Mann hoffnungslos unterlegen. Er schlug nach vollzogener Tat wie in Rage auf sie ein, und Pan‘s Narben, die sie sich dabei im Gesicht, am Hals und an den Armen zuzog, zeugen noch heute von dieser Horrornacht für sie.
     
  13. abstinent

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    Normalerweise wäre in Thailand der Vergewaltiger als Sohn einer hoch angesehenen Persönlichkeit ganz einfach davongekommen, aber sein Vater bekam Wind von der Sache und besuchte schon am nächsten Morgen das lokale Krankenhaus, in das man Pan eingeliefert hatte. Er sorgte für die beste Pflege sowie ein Einzelzimmer und gab der Krankenhausverwaltung zu verstehen, dass er alle anfallenden Kosten restlos übernimmt. Zu Pan sagte er damals, dass sie ein sehr tapferes Mädchen sei und dass er sich persönlich um sie kümmern wird.
    Pan verlor fast die Sehfähigkeit auf einem Auge, und ihr Gesicht war zunächst ziemlich entstellt. Erst nach mehreren rekonstruktiven Operationen waren von den tiefen Narben nur noch ein paar feine Linien bei genauem Hinsehen zu entdecken. Khun Nampetch, der Hotelier, hielt sein Versprechen ihr gegenüber. Von regelmässigen Besuchen abgesehen, steckte er ihr auch immer wieder Geldbeträge für den Lebensunterhalt zu. Er versprach weiterhin, sich auch in Zukunft um sie zu sorgen.

    Khun Nampetch war ein sehr gläubiger Buddhist und verbannte seinerzeit seinen Sohn in eine entfernte Provinz an der burmesischen Grenze, wo dieser seitdem ein kleines, billiges Einfachsthotel führen musste.

    Der Wohltäter hatte einen Freund, der in Bangkok mit grossem Erfolg eine kleine Kette von Coffeeshops betrieb. Dieses Unternehmen expandierte fast ununterbrochen und als es Franchisen zu erwerben gab, machte Khun Nampetch Nägel mit Köpfen. Er erwarb für eine Riesensumme Geldes den Coffeeshop vor dem Peninsula Plaza. Mit seiner chauffierten Luxuslimousine holte er die inzwischen wieder zu Hause wohnende Pan ab und fuhr mit ihr gemeinsam nach Bangkok.
    Die Überraschung war unendlich gross, als sie vor dem Coffeeshop standen, und er ihr die Schlüssel dafür in die Hand drückte. „Geh hinein, und fühle dich wohl hier, das ist nun dein Geschäft“, sagte er ihr mit einem breiten Lächeln im Gesicht, und sie konnte ihr Glück erst gar nicht fassen. So ein schöner Coffeeshop, viel schöner als der in Korat! Zwölf Tische mit je vier Stühlen im klimatisierten Innenbereich und obendrein noch fünf Tische vor dem Geschäft auf einer kleinen Terrasse. Und alles war ganz neu gestrichen und dezent schick möbliert worden, es roch drinnen sogar immer noch ganz leicht nach frischer Farbe.

    Khun Nampetch erklärte ihr sehr ausführlich die etwas komplizierte Situation mit dem zunächst zehnjährigen Pachtvertrag, als auch mit dem Franchising und was da noch alles zu beachten sei. Sein Freund, der Franchisegeber, kam etwas später hinzu und nahm Pan den Kopfschmerz; er erklärte die Situation etwas vereinfacht – und Pan verstand.
    Khun Bunlung’s Coffeeshops waren allesamt nur in besten Lagen positioniert, und er reduzierte gerade die direkt von ihm bewirtschafteten Betriebe auf eine Handvoll. Alle anderen sowie alle Neueröffnungen laufen bei ihm nun über die Franchise-Schiene. Khun Bunlung’s Tochter Nim war früher die Managerin exakt dieses Shops gewesen und sie würde in den nächsten drei Monaten Pan alles erklären und sie in den Betrieb einführen. Nicht weit von hier, in einer Seitenstrasse, nur 500 Meter entfernt, besass Khun Bunlung ein Appartementhaus und ganz zufällig wardort noch ein hübsches Zimmer für Pan frei. In Pans Kopf schwirrte alles wirr umher. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte oder wie sie sich bedanken könnte.
     
  14. abstinent

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    Auf dem Rückweg nach Korat schossen ihr noch tausend Fragen durch den Kopf, aber als die schwere Limousine die Berge bei Saraburi hinauffuhr, schlummerte sie bereits ein und schwebte sachte in die Traumwelt hinüber. Erst auf der ungeteerten Zufahrtsstrasse zum Haus in Phi Mai wurde sie wieder wach. Khun Nampetch verabschiedete sich von ihr und teilte ihr dabei noch mit, dass die Limousine am nächsten Morgen um acht Uhr früh vorbeikommt, um sie ein weiteres Mal nach Bangkok zu bringen.
    Aufgeregt erzählte sie ihrer kleinen Schwester, was vorgefallen war und Dao hatte Tränen in den Augen. Einerseits, weil nun ihre Schwester wohl weit weg in Bangkok wohnen würde – und andererseits, weil auch sie das Glück für Pan nicht fassen konnte. Zufällig waren gerade Schulferien auf der High School. Dao hatte Zeit und begleitete Pan am folgenden Morgen nach Bangkok, um ihr neues Lebensumfeld zu sehen.

    Das war Daos erste Fahrt in einem solch tollen Automobil und der Chauffeur freute sich, dass er nun dem Audiosystem etwas fetzigere Songs entlocken durfte. Sein Chef mochte nämlich ausschliesslich religiöse und klassische Thaimusik, für die er sich nicht recht begeistern konnte.
    Khun Bunlung’s Tochter Nim war schon im Shop, als die Beiden eintrafen. Trotz der unterschiedlichen Herkunft und des ganz und gar nicht gleichen sozialen Ranges verstanden sich Nim und Pan auf Anhieb, was in Thailand recht ungewöhnlich ist. Sie sollten dann in der Folge auch noch gute Freundinnen werden. Dao half damals ein wenig mit und bekam von Nim eine Uniform, was sie mit Stolz erfüllte.

    Das kleine Appartement ist immer noch das Gleiche, und Pan hat sich dort sehr wohnlich und nett eingerichtet. Das grosse Bett teilte sie sich mit Dao, wenn diese in der Stadt weilte. Und Dao kam nach Bangkok, wann immer es ihr die Schule erlaubte.
    Mit erfolgreichem Highschool-Abschluss war der Weg für Dao in die Universität geebnet. Und so kam es, dass die beiden Waisenmädchen nun wieder zusammen wohnten. Pan als erfolgreiche Geschäftsfrau, und Dao als zweitbeste Studentin ihres Semesters. Doch nun waren sie beide müde und verriegelten den Laden gegen 21:30 Uhr endgültig für diesen Tag. Sie hakten sich unter und gingen den kurzen Weg nach Hause.


    *


    Die Taxifahrt zum Hyatt dauerte rund eine halbe Stunde, denn trotz der fortgeschrittenen Zeit war die Sukhumvit eine einzige Staumeile. Ich wundere mich, dass so viele Leute in dieser Stadt noch so spät unterwegs sind. Der Taxifahrer will die Auffahrt zum Hotel hochfahren, aber ich gebe ihm zu verstehen, dass ich an der Strasse aussteigen möchte.
    Ein Bellboy sieht mich mit meiner Begleitung und erkennt sofort die Situation. Im Laufschritt kommt er die Auffahrt heruntergerannt. „Sir, excuse me...“, beginnt er zögerlich und erklärt dann gestenreich mit vielen Worten, dass es der Politik des Hauses widerspräche, weibliche Begleitpersonen mit auf das Hotelzimmer zu nehmen.

    Ich stutze, und just in diesem Moment höre ich, wie sich nach kurzem Aufquietschen von Autoreifen auf der gegenüberliegenden Fahrbahn ein Pickuptruck rücklings mit einem lauten Knall in einen stehenden Bus bohrt. Doch meine Aufmerksamkeit gilt dem Bellboy, denn Unfälle scheinen hier auf der Hauptstrasse an der Tagesordnung zu sein.
    Er kenne einen Ausweg, sagt der Bellboy, und bittet mich, ihm zu folgen. Durch dunkle Wege und über eine Hintertreppe kommen wir auf die Ebene mit Pool und Dachgarten, so etwa in Höhe der zweiten Etage. Für das Türchen hier hat der Bellboy einen Schlüssel und wir schlüpfen unerkannt ins Hotel, ungesehen von Rezeptionisten und Sicherheitsleuten im Untergeschoss. Es zeigt sich als sehr vorteilhaft, dass ich meine Zimmer-Keycard eingesteckt hatte, sonst wäre nun guter Rat teuer.

    Etwas teurer als gedacht ist auch der ,Service‘ des Bellboys, der sich den zunächst zugesteckten 500 Baht - Schein auffällig lange in seiner Hand ansieht. Ich verstehe das Signal und verdoppele die ,Belohnung‘. „Thank you, sir! Have a good night, sir!“, sagt er erfreut und verschwindet in einem Servicelift. Nat und ich fahren nach oben in mein Zimmer.
     
  15. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Die Einrichtung des Hotelzimmers scheint einen gewissen Eindruck auf sie zu machen. Ganz vorsichtig berührt sie die kleinen Statuen und Steinfiguren, die hier der Raumdekoration das I-Tüpfelchen aufsetzen. Besonders angetan ist sie von einer Hamilton Bronzefigur, die einen Cowboy auf einem scheuenden Pferd darstellt. Ich lächle in mich hinein, denn Kopien exakt dieser Figur verschenkten wir auf meinen Wunsch hin vor Jahren an unsere internationalen Kunden zum Weihnachtsfest. Es ist wohl die bekannteste aller Hamilton-Darstellungen figürlicher Kunst. Tausendfach kopiert, aber immer wieder blickheischend interessant.

    Ich öffne die wohlsortierte Minibar und frage sie, was sie trinken möchte. „Nam som, na ka!“, kommt die Antwort und ich stutze. Sie erkennt ihren Irrtum, kommt wieselflink herüber, fasst mich an beiden Händen an, zieht mich sanft zu sich hinunter und haucht mir einen Kuss auf den Mund. Dann macht sie sich am Inhalt des Kühlschrankes zu schaffen. Orangensaft ist ihre Wahl, ich begnüge mich zunächst mit einer Coke, schiele aber zu der Batterie von kleinen Whiskyflaschen in einem Fach der Einbauwand. Johnny Walker gibt es da, Jack Daniels, und noch sechs Marken, deren Etiketten mir nicht bekannt sind. Ach, was soll’s, ich greife nach dem Jack Daniels und mixe mir einen herzhaften Schluck in meine Coke. Ich bin sehr nervös, möchte das aber gerne vor der Kleinen kaschieren. Ob ich es zustande bringe, ob es klappt? Werde ich Manns genug sein können, um mit dieser bildhübschen, jungen Frau ein Spielchen zu spielen, welches ich fast schon verlernt hatte?

    Sie sitzt auf der Bettkante und lächelt mich an. Ich bin froh, dass sie nun nicht mehr so gesprächig ist. Wenn wir jetzt in intensiven Smalltalk verfallen, dann würde ich vielleicht die Kurve nicht mehr kriegen. Ich setze mich zu ihr, nehme allen Mut zusammen und lege ihr meinen Arm um die Schultern. Ich drehe meinen Kopf zu ihr hin und halte meine Nase ganz dicht an ihr Haar. Meine Lungen saugen diesen Wohlgeruch ein weiteres Mal ganz bewusst ein. Sie schliesst die Augen und vermittelt mir somit das Gefühl, dass sie den Moment ebenfalls geniesst.
    Ich nestle etwas an der Konsole im Nachttisch und wünsche etwas Audiountermalung. Was würde ich nun für meine heimische CD-Sammlung geben. Vielleicht ein wenig Phil Collins, Foreigner, Scorpions... ein paar Balladen, das wäre es nun. Ich erwische einen lokalen Sender, der etwas von Mariah Carey spielt – ist auch O.K.

    Nat hat sich in der Zwischenzeit auf das Bett fallen lassen, rücklings liegt sie nun da, mit geschlossenen Augen. Ich nähere mich und küsse sie sanft auf die Stirne. Ihre Lippen verziehen sich leicht zu einem Lächeln, ich bebe. Ich umfasse eine Brust mit der rechten Hand und küsse weiter. Sie umfasst mich, die Augen immer noch geschlossen, zieht mich an sich heran, drückt mich leicht. Das Signal verstehe ich!
    Ich drehe mich auf ihre Seite und beginne vorsichtig mit dem Entkleiden. Mit der Bluse war es ganz einfach, und beim Küssen ihrer noch im BH versteckten Brüste spüre ich, dass da auch eine Menge Schaumgummi vorhanden ist. Sehr stümperhaft bastele ich an den rückwärtigen Häkchen und es dauert mir entschieden zu lange.
    Aber dann sind meine Bemühungen von Erfolg gekrönt und ich lege den Oberkörper dieser schönen Frau gänzlich frei. Ihre Brüste sind zwar recht klein, aber sehr formschön und fest. Der dunkelbraune Vorhof und die Nippel stehen in schönem Kontrast zu der samtigen Haut, die den ganzen Körper wie ein Seidengewand einzuhüllen scheint.
     
  16. Hölschi

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    Ich weiß schon wie es ausgeht . :mrgreen:
    Ist eine tolle Geschichte ,in der sich wohl jeder, der Locations kennt, schnell mit identifiziert oder infiziert :hehe: . Mir ging es auf jeden Fall so und innerhalb weniger Nächte hatte ich das Buch durch .

    Danke Absti für das tolle Buch
     
  17. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    @ hoelschi
    16.gif, UNHEILBAR-Buchauszug: Bangkok und Kanchanaburi, 1

    danke fuer den netten kommentar (auch den in meinem weblog), freut mich wirklich, dass dir mein buch gefallen hat.

    hier ist uebrigend der weblog, wenn noch jemand einen kommentar zu meinem buch hat:

    http://www.flf-book.de/Benutzer/UNHEILBAR.htm

    ciao

    abstinent
     
  18. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Ich küsse die Brüste und ihren Bauch, während ich mich an ihrer Jeans zu schaffen mache. Sehr gekonnt leistet sie passive Hilfe und hebt ihr Becken genauso, wie ich das brauche, um die enge Hose auszuziehen. Etwas überrascht bin ich vom Design des Schlüpfers, ein Schulmädchen-modell mit vielen Smileys.
    Mein Herz macht einen spürbaren Hüpfer, als ich ihre Schambehaarung sehe. Ganz spärlich haben sich ein paar Haare in einer schönen geraden Linie angesiedelt, pechschwarz und ganz weich, wie mir meine Fingerspitzen vermelden.

    In meiner Hose tut sich etwas, und längst vergessen geglaubte Gefühle steigen in mir auf. Ich bin völlig irritiert, als sie plötzlich und überraschend aufspringt, sich von der Kommode ein Handtuch schnappt und im Badezimmer verschwindet.
    „Shower first!“, ruft sie noch, um mich etwas zu beruhigen. Ich höre, wie die Dusche läuft und denke, ich sollte mir auch eine Waschung genehmigen. Ich ziehe mich aus, nehme einen der beiden Hotelbademäntel vom Haken und warte auf ihre Rückkehr. Sie braucht wirklich nicht lange und kommt bald in das grosse Badehandtuch gewickelt, wieder zurück ins Zimmer.

    Nun bin ich an der Reihe - ich brause kalt und kann die zusätzliche Belebung gebrauchen. Nur mit einem Bademantel bekleidet gehe ich ins Zimmer zurück. Sie hat es abgedunkelt, aber nicht ganz. Die kleine Lampe auf dem Schreibtisch spendet genug Licht, um alles im Zimmer erkennen zu können. Keine schlechte Idee, wirkt irgendwie sogar romantisch. Das Radio plärrt weiterhin Easy Listening - Lovesongs, Klasse!
    Sie liegt bereits unter der Decke und lächelt wieder so süss, dass es mir fast den Atem nimmt. Ich krabble unter die Decke und komme mir mit dem Bademantel blöd vor, denn sie ist unbekleidet. Der Bademantel fliegt in eine Zimmerecke und ich drücke den geschmeidigen, nackten Körper Nats an mich. Sie ergreift nun die Initiative, streift mir ein Kondom über - und verschafft mir ein unvergleichlich schönes Erlebnis.
    Mit meiner Körperflüssigkeit weicht auch die allerletzte Energie von mir.
    Danach fühle ich mich wie gerädert. Alle Kraft ist von mir gewichen, weitere Reserven können nicht mehr mobilisiert werden. Wie ferngesteuert dusche ich noch einmal, diesmal mit ihr zusammen. Sie ist sehr behutsam und seift mich ein, ich wehre mich nicht, sondern geniesse es vielmehr. Ich würde sie auch gerne abseifen, aber mir fehlt ganz einfach die Kraft dazu.
    Während ich mir die Zähne putze, beobachte ich sie im Spiegel, und was ich da sehe gefällt mir sehr gut. Die sexy Pogrübchen waren mir ja schon vor Stunden in der Bar aufgefallen.

    Zum Glück habe ich das Melatonin nicht, wie schon so oft bei Reisen, daheim vergessen, und so gönne ich mir eine drei Milligramm starke Tablette, in der Hoffnung, dass es mir wieder so gut hilft, den Jetlag und das sich bemerkbar machende Schlafdefizit zu überbrücken.
    Sie schmiegt sich unter der Decke nackt an mich und ich falle umgehend in einen komaähnlichen Schlaf.



    *

    6:00 Uhr in der Frühe zeigte die Digitaluhr unbarmherzig mit aufgeregtem Piepsen, als der neue Tag für Pan und Dao begann. Heute werden neue Blumengestecke für die Tischdekorationen angefertigt, und somit muss das Aufstehen etwas früher als üblich erfolgen. Der grosse Schnittblumenmarkt am Chao Phya, der durch Bangkok fliesst, schliesst seine Pforten bereits um 8:00 Uhr morgens, nachdem die Händler und die Verkäufer dort die ganze Nacht hindurch Frischblumen aus dem gesamten Königreich feilgeboten und verkauft haben.

    Mit dem Taxi kommen sie zu dieser Zeit noch zügig voran, ihr Ziel ist die Gegend bei der Brücke namens Saphan Putt (Memorial Bridge). Man begegnet hier auch immer noch ein paar übrig gebliebenen Touristen von der letzten Nacht, meist junge Männer, die in den kleinen Chinesenclubs der Umgebung noch bis in die Morgenstunden gefeiert haben. Auf dem Markt finden sich auch Garküchen und ein Anbieter für westliches Frühstück, der meist dicht von Touristen umlagert ist.
     
  19. abstinent

    abstinent V.I.P.

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    Die Augenweide des Angebotes auf dem Markt entschädigt die Beiden ein wenig für das vorzeitige Beenden der Nachtruhe. Jeden Dienstag ist Blumentag und Pan lässt es sich nicht nehmen, die Blumen selbst auszu-suchen und die Arrangements für die Tischdekoration mit grösster Sorgfalt vorzunehmen. Ein grosses Gesteck für den Thekenbereich, ein mittleres für das Fach im Wandschrank unter dem kleinen Haustempel, und je ein kleines für jeden einzelnen der Gästetische. Dao geht dabei der Gast von gestern Abend nicht aus dem Kopf. Ein Farang, wahrscheinlich Europäer, gepflegt und gut gekleidet, so um die Mitte vierzig. Er hatte so etwas Melancholisches an sich, und Dao erinnert sich noch gut, wie lange er interessiert das Blumengesteck auf dem Tisch angeschaut hatte.

    Viele Stammgäste mochten die persönliche Note, die Pan diesem Coffeeshop unzweifelhaft verlieh. Dao arbeitete sehr gern für ihre Schwester und sie gab sich die allergrösste Mühe, sie nicht zu enttäuschen. Ihre grosse Liebe und Zuneigung für Pan verlieh Dao die Kraft und auch die Energie, die sie für ihr Studium und die Mitarbeit im Geschäft benötigte.

    Heute gibt es Orchideen in mehreren Lilatönen im Sortiment, und Pan kann schon beim blossen Hinsehen erkennen, dass eine solche Kombination ein geschmackvolles Gesteck ergeben könnte. Der Einkauf geschieht heute auf dem Markt recht flink und schon bald wird ein neues Taxi herangewunken. Die Rispen waren vom Händler sorgfältig in Kartonagen verpackt worden, denn so etwas gehört in Thailand zwingend mit zum Service, und auch das Verladen in den Kofferraum des Taxis wurde von zwei jungen Mitarbeitern des Blumengrosshändlers im Handumdrehen erledigt. Pan war hier eine gern gesehene Stammkundin, ihre immer freundliche Art hatte sie schnell beliebt werden lassen.

    Schon zu dieser frühen Stunde ziehen behinderte Menschen bettelnd durch die Strassen Bangkoks. Oftmals sind sie zu Zweit unterwegs und haben einen tragbaren Lautsprecher mit integriertem Verstärker dabei. Ein solches Team, bestehend aus einem offensichtlich blinden Sänger und seiner behinderten Gefährtin versperrt den Beiden momentan den Weg zum Taxi. Doch niemand drängt zur Eile. Gemächlich schlurfen die Strassenmusikanten an ihnen vorbei und der blinde Sänger, ein Senior in seinen 60-ern bedankt sich mit einem Kopfnicken bei dem ihm verborgen bleibenden Spender der zwei zehn Baht-Münzen, die mit deutlich hörbarem Geräusch im blechernen Bettelbecher seiner Gefährtin landen, und er erhebt erneut seine brüchige Stimme, um eine alte thailändische Volksweise zum Besten zu geben.

    Pans Grosszügigkeit, ihr buddhistischer Glaube und auch ihre eigene Geschichte haben schon bei vielen blinden Bettlern ein Kopfnicken oder Lächeln hervorgezaubert. Unter Buddhisten fällt so etwas in die Rubrik: Eine gute Tat, ein sicherer Pluspunkt für das nächste Leben.
    Zurück im Coffeeshop machen sich die Geschwister dann sogleich an die Arbeit. Zwei Tische werden schnell zusammengerückt und sie basteln wieselflink aus den Orchideenrispen wunderschöne Tischgestecke.
    Meisterhaftes japanisches Ikebana und traditionelle holländische Blumenbinderkünste scheinen hier vereint zu sein und die fertigen Gestecke sehen wirklich aus, wie kleine Kunstwerke.

    *

    Ein kleiner Schlitz in den schweren, nicht ganz zugezogenen Hotelfenstervorhängen weckt mich etwas unsanft – denn die Sonne ist brutal hell. Ich räkele mich und spüre die kleine Person neben mir. Nat schläft noch und ich beschliesse, sie schlafen zu lassen.

    Ich dusche ausgiebig in dem geräumigen Badezimmer und rasiere mich erst einmal gründlich. Ich fühle mich sehr wohl, denn ich habe die in mich selbst gesetzten Erwartungen erfüllt, und ein angenehmes Erfolgserlebnis zu verbuchen gehabt! In den Bademantel gehüllt, trete ich hinaus auf den Balkon. Unter mir erstreckt sich ein herrlich gepflegter Garten, dessen Anblick ich geniesse. Ich zünde mir eine Zigarette an und inhaliere den ach so schädlichen Rauch genüsslich tief.
     
  20. Smiley

    Smiley Gast

    Super zu lesen.Werd mir in Kürze gleich mal das Buch besorgen. :tu: