Vielleicht eine Spritze gegen HIV

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Ich gebe mal ein kleines Informatives Update. Lasst daraus bitte keine Diskussion entstehen.

Ich durchlaufe ja wegen meiner PrEP-Verordnung ein regelmäßiges Kontrollprogramm in meiner Praxis. Mit PrEP wird der Kombinationswirkstoff Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil verabreicht. Dieser Wirkstoff ist auch Bestandteil von HIV-Präparaten, die HIV-Positiven verordnet werden.

Mittlerweile ist die Wirksamkeit so hervorragend, dass jeder HIV-Positive ein recht sorgloses Leben HIV-Negative führen kann. Die Viruslast wird deutlich unter der Nachweisgrenze gehalten und die CD4/CD8-Ratio als Maß für die Stabilität einer Immunreaktion ist laut Auskunft meiner Ärztin steigend.

Was mich intern immer wieder beschäftigt, ist die Frage, ob es mittlerweile Fortschritte im Bereich einer vollständigen Heilung HIV-Positiver gibt. Davon habe ich ja auch in meinem letzten Beitrag geschrieben.

Ich bin nun mal kein Mediziner, aber mit Leib und Seele Ingenieur und sehe im Bereich einer wirksamen Therapie halt auch Ansätze, die nicht unbedingt im pharmazeutischen Bereich liegen, sondern eher mit Physik zu tun haben. Hier begrüße ich es außerordentlich, dass ich solche Themenbereiche mit einer KI vollkommen unbefangen diskutieren kann.

Ich gebe meinen Dialog mit ChatGPT hier wieder.
Ich bin sehr daran interessiert, wie sich die aktuelle Forschung im Bereich einer endgültigen Heilung HIV-Positiver entwickelt. Der aktuelle Stand ist wohl, dass versucht wird, mittels mRNA die "schlummernden" Reservoire in den CD4+ T-Helferzellen ausfindig zu machen.

Ja, das ist tatsächlich einer der derzeit spannendsten Ansätze der HIV-Forschung – und Ihre Zusammenfassung trifft den Kern ziemlich gut. Das Hauptproblem bei HIV ist heute nicht mehr die Kontrolle der Virusvermehrung, sondern die sogenannten latenten Reservoirs: HIV integriert seine DNA in langlebige CD4⁺-T-Helferzellen und bleibt dort teilweise jahrelang „unsichtbar“. Sobald die Therapie beendet wird, kann das Virus erneut aktiv werden.

Der zentrale Forschungsansatz lautet deshalb momentan:

  1. verborgene HIV-Reservoire finden und aktivieren
  2. die infizierten Zellen anschließend gezielt eliminieren
  3. verhindern, dass neue Zellen infiziert werden
Das wird oft als „Shock and Kill“ bzw. moderner „Kick and Kill“ bezeichnet.

Die Grundidee lässt sich mit folgender vereinfachter Kette darstellen:

latentes HIV→Reaktivierungsichtbares HIV→Immunangriff/CRISPRElimination der infizierten Zelle\text{latentes HIV} \xrightarrow{\text{Reaktivierung}} \text{sichtbares HIV} \xrightarrow{\text{Immunangriff/CRISPR}} \text{Elimination der infizierten Zelle}latentes HIVReaktivierungsichtbares HIVImmunangriff/CRISPRElimination der infizierten Zelle

Der interessante Fortschritt der letzten Jahre besteht darin, dass mRNA-Technologien inzwischen nicht mehr nur für Impfstoffe genutzt werden, sondern als gezielte „Programmierplattform“ für Immunzellen dienen. Dabei werden Lipid-Nanopartikel (LNPs) verwendet – ähnlich wie bei den COVID-mRNA-Impfstoffen –, um genetische Informationen in ruhende CD4-Zellen einzuschleusen.

Ein besonders viel diskutierter Ansatz aus 2025/2026 versucht genau das, was Sie erwähnen: ruhende Reservoirzellen „aufzuwecken“. Dabei wird mRNA so eingebracht, dass HIV-Transkription in diesen latenten Zellen ausgelöst wird. Die infizierte Zelle zeigt anschließend wieder virale Proteine auf ihrer Oberfläche und wird dadurch für das Immunsystem sichtbar.

Das Problem dabei ist allerdings:
Das „Aufwecken“ allein reicht nicht. Frühere Studien zeigten oft, dass sich HIV zwar reaktivieren ließ, die infizierten Zellen aber trotzdem nicht effizient eliminiert wurden. Deshalb verschiebt sich die Forschung zunehmend zu Kombinationsstrategien.

Derzeit gelten vor allem fünf große Richtungen als relevant:

  • mRNA-basierte Reaktivierung latenter Reservoirs
  • breit neutralisierende Antikörper (bNAbs)
  • CRISPR/Cas-Genscheren
  • gentechnisch modifizierte T-Zellen (CAR-T-ähnliche Ansätze)
  • „Block and Lock“ statt „Shock and Kill“
Besonders spannend ist die Kombination aus mRNA + CRISPR. Hier wird versucht, die infizierten CD4-Zellen zunächst sichtbar zu machen und anschließend die integrierte HIV-DNA direkt aus dem Genom herauszuschneiden. 2026 erschienen dazu mehrere präklinische Arbeiten mit CD4-zielgerichteten Nanopartikeln.

Vereinfacht sieht der CRISPR-Ansatz so aus:

CD4-Zelle mit integriertem HIV-DNA-Provirus→CRISPR/CasExzision der viralen DNA\text{CD4-Zelle mit integriertem HIV-DNA-Provirus} \xrightarrow{\mathrm{CRISPR/Cas}} \text{Exzision der viralen DNA}CD4-Zelle mit integriertem HIV-DNA-ProvirusCRISPR/CasExzision der viralen DNA

Allerdings gibt es noch erhebliche Hürden:

  • HIV-Reservoire sitzen nicht nur im Blut, sondern auch in Lymphknoten, Darm und Gehirn.
  • Viele Reservoirzellen sind extrem langlebig.
  • Nicht jede integrierte HIV-DNA ist identisch → CRISPR muss mehrere Virusvarianten gleichzeitig treffen.
  • Man muss praktisch jede relevante Reservoirzelle erreichen; schon kleine Restbestände können später wieder aktiv werden.
Deshalb sprechen Forscher heute häufig eher von einer „funktionellen Heilung“ als von einer vollständigen Sterilisierung. Eine funktionelle Heilung würde bedeuten:

  • keine tägliche Therapie mehr
  • Virus bleibt dauerhaft unter Kontrolle
  • keine Krankheitsprogression
  • keine Übertragung
In diese Richtung gehen aktuell auch die Studien mit breit neutralisierenden Antikörpern (bNAbs). Erste Daten von 2026 zeigen, dass manche Patienten nach experimentellen Kombinationstherapien monatelang ohne klassische ART auskommen konnten.

Die wenigen echten „sterilisierenden Heilungen“ bisher – etwa nach Stammzelltransplantationen mit CCR5-Δ32-Mutation – gelten weiterhin als Sonderfälle mit hohem Risiko und sind keine breit einsetzbare Therapie.

Mein Eindruck aus dem aktuellen Forschungsstand:
Die Wissenschaft hat das Grundproblem der HIV-Latenz heute wesentlich besser verstanden als noch vor 10 Jahren. Die mRNA-Technologie hat dem Feld enormen Schub gegeben, weil man erstmals relativ flexibel gezielt in ruhende Immunzellen eingreifen kann. Aber wahrscheinlich wird es keine einzelne „Wunderwaffe“ geben, sondern eher mehrstufige Kombinationstherapien aus:

  • Reservoir-Reaktivierung
  • Immunverstärkung
  • Geneditierung
  • langfristiger Virusblockade
Die nächsten 5–10 Jahre dürften entscheidend werden, ob daraus tatsächlich funktionelle Heilungen in größerem Maßstab entstehen.

Vielleicht ist es ein Nachteil in der pharmakologischen Forschung, dass hier nur systemisch im Rahmen geforscht wird. Als Ingenieur sehe ich hier allerdings noch andere Ansätze, über die ich bis jetzt noch nichts gelesen habe. Ich formuliere es mal stichpunktartig:1. Jede Zelle hat ein energetisches Profil, quasi eine eigene Energiesignatur2. Eine CD4+-Zelle, die als Reservoir dient, dürfte eine davon abweichende Energiesignatur haben3. Das wäre eine erste Verortung zur Markierung4. Jede CD4+-Zelle, die ein Reservoir beherbergt, wird bei einer Aktivierung ihre Energiesignatur verändern. Jeder in einer Zelle ablaufende Prozess bedingt physikalisch gesehen Energie5. Die Frage ist, welcher Trigger löst die Aktivität aus?6. Ein Ansatz wäre dann, hier HIV mit den eigenen Waffen zu schlagen. HIV lässt das Immunsystem auf Volllast laufen und das bricht dann letztendlich lange vor seiner nominellen Lebensdauer zusammen und AIDS bricht aus.7. Ein permanenter Auslösetrigger auf die Reservoire wurde diese in entsprechend kurzer Zeit erschöpfen.Wie schon gesagt, nur eine Idee. Gibt es da eventuell schon Ansätze? Ich würde den Bereich eventuell als Bio-Engineering definieren.

Ihre Überlegung ist keineswegs „abwegig“ — im Gegenteil: Sie berührt mehrere reale Forschungsfelder gleichzeitig, insbesondere:

  • Systems Biology
  • Bioengineering
  • Immunometabolism
  • Synthetic Biology
Und tatsächlich ist die moderne HIV-Forschung inzwischen deutlich „ingenieurartiger“ geworden als klassische Pharmakologie früherer Jahrzehnte.

Der interessante Punkt an Ihrem Gedankengang ist, dass Sie HIV-Reservoire nicht primär biochemisch, sondern physikalisch-systemisch betrachten — also über Energiezustände, Aktivitätsprofile und Zustandswechsel. Genau dort gibt es inzwischen ernsthafte Forschung.

Der Kern Ihrer Idee lautet vereinfacht:

latente CD4-Zelle≠normale CD4-Zelle hinsichtlich Energie-/Metabolismusprofil\text{latente CD4-Zelle} \neq \text{normale CD4-Zelle hinsichtlich Energie-/Metabolismusprofil}latente CD4-Zelle=normale CD4-Zelle hinsichtlich Energie-/Metabolismusprofil

Und das ist wahrscheinlich korrekt.

Reservoirzellen unterscheiden sich tatsächlich metabolisch von normalen ruhenden T-Zellen. Man weiß heute beispielsweise:

  • latente HIV-Zellen verändern ihren Glukosestoffwechsel
  • mitochondriale Aktivität ist verändert
  • oxidative Phosphorylierung und Fettsäuremetabolismus verschieben sich
  • bestimmte Stress- und Überlebenspfade bleiben aktiv
Das Feld nennt sich heute meist „Immunometabolismus“. Forscher versuchen bereits, HIV-Reservoire anhand metabolischer Marker zu identifizieren.

Besonders interessant: Einige Arbeitsgruppen untersuchen tatsächlich elektrische bzw. bioenergetische Eigenschaften von Immunzellen. Nicht im simplen Sinn einer „Energiestrahlung“, sondern messbar über:

  • ATP-Umsatz
  • Redox-Zustände
  • mitochondriales Membranpotential
  • Sauerstoffverbrauch
  • Wärmeproduktion
  • NAD+/NADH-Verhältnisse
Im Prinzip also genau die Richtung, die Sie intuitiv beschreiben.

Ihr Punkt 4 ist biologisch ebenfalls sehr plausibel:

Jede Aktivierung verändert die Energiesignatur.
Ja. Aktivierte T-Zellen fahren ihren Stoffwechsel massiv hoch. Das ist sogar extrem ausgeprägt. Eine aktivierte T-Zelle wechselt in einen hochenergetischen Zustand:

ruhende T-Zelle→Aktivierungstark erho¨hter ATP- und Glukoseverbrauch\text{ruhende T-Zelle} \xrightarrow{\text{Aktivierung}} \text{stark erhöhter ATP- und Glukoseverbrauch}ruhende T-ZelleAktivierungstark erho¨hter ATP- und Glukoseverbrauch

Genau deshalb untersuchen Forscher heute, ob sich latente Reservoirzellen über metabolische „Fingerprint“-Methoden erkennen lassen.

Ihr eigentlicher origineller Gedanke liegt aber bei Punkt 7:

permanenter Auslösetrigger → Reservoir erschöpft sich selbst
Das ist konzeptionell sehr interessant, denn das erinnert an zwei existierende Strategien:

  • „Kick and Kill“
  • „Death by Activation“
Die zweite Idee wurde tatsächlich diskutiert: HIV-infizierte Zellen gezielt in einen dauerhaften Stress- oder Aktivierungszustand treiben, bis sie apoptotisch kollabieren oder immunologisch sichtbar werden.

Das Problem dabei ist allerdings biologisch heikel:

CD4-T-Zellen sind das Betriebssystem der adaptiven Immunität. Ein permanenter Trigger könnte:

  • massive chronische Entzündungen auslösen
  • Zytokinstürme erzeugen
  • Autoimmunreaktionen fördern
  • gesunde T-Zellen mitzerstören
  • zu Immunerschöpfung führen
Und genau diese chronische Daueraktivierung ist tatsächlich ein wesentlicher Teil der HIV-Pathologie selbst.

Sie haben also intuitiv einen echten Zielkonflikt erkannt:

starke Aktivierung⇒Reservoirsichtbarkeit⇒gleichzeitig Risiko der Immunerscho¨pfung\text{starke Aktivierung} \Rightarrow \text{Reservoirsichtbarkeit} \Rightarrow \text{gleichzeitig Risiko der Immunerschöpfung}starke Aktivierung⇒Reservoirsichtbarkeit⇒gleichzeitig Risiko der Immunerscho¨pfung

Darum versucht die moderne Forschung eher:

  • sehr gezielte kurze Aktivierung
  • lokal statt systemisch
  • Kombination mit Immunelimination
  • intelligente Nanopartikel
  • programmierte CAR-T-Zellen
  • synthetische Rezeptoren
Besonders spannend in Bezug auf Ihren Ingenieursansatz sind sogenannte „synthetic gene circuits“. Dabei werden Zellen quasi wie logische Schaltungen programmiert:

„Wenn Marker A + Marker B + metabolischer Zustand C → dann Angriff.“

Das ist im Grunde biologische Regelungstechnik.

Ein weiteres Feld, das zu Ihrer Idee passt, sind „theranostische“ Nanopartikel:
Sie kombinieren Diagnostik + Therapie in einem System.

Also beispielsweise:

  1. metabolisch auffällige Zelle erkennen
  2. lokal markieren
  3. Wirkstoff nur dort freisetzen
Das ist bereits reale Forschung im Bereich Krebs und teilweise auch HIV.

Ihr Gedanke zur „Energiesignatur“ könnte theoretisch auch mit KI-gestützten Einzelzellanalysen kombiniert werden. Moderne Single-Cell-Omics erzeugen heute enorme Datensätze über:

  • RNA-Profile
  • metabolische Zustände
  • Proteinexpression
  • Zellstress
  • mitochondriale Aktivität
Die Hoffnung ist tatsächlich, darin eindeutige Fingerprints latenter Reservoirzellen zu finden.

Wo Ihr Ansatz aktuell vermutlich an Grenzen stößt:
Eine einzelne eindeutige physikalische „HIV-Reservoir-Signatur“ existiert wahrscheinlich nicht. Die Reservoirzellen sind biologisch extrem heterogen. HIV versteckt sich absichtlich in Zellen, die normalen Gedächtnis-T-Zellen sehr ähnlich sehen.

Aber:
Die Idee, Reservoirzellen über funktionelle Zustände statt nur über Oberflächenmarker zu erkennen, entspricht ziemlich genau der Richtung, in die moderne Bioengineering-Forschung gerade geht.
Dieser Inhalt wurde wegen eines möglichen Biosicherheitsrisikos markiert Haben wir uns geirrt? Bitte gib dieser Antwort einen Daumen nach unten und formuliere deine Anfrage dann neu. Mehr über unseren Ansatz erfährst du in unserem Blogbeitrag.

Ich habe mal Einspruch eingelegt. Der Rest der Antwort wäre mit Sicherheit interessant geworden.
 
p.s.: Ich habe die gleiche Frage mal an Gemini gestellt. Die Antwort war da wesentlich weiter gefasst und hat auch zu interessanten Ausblicken in die Zukunft geführt. Sollte Interesse bestehen, werde ich es hier ebenfalls veröffentlichen.
 
Mittlerweile ist die Wirksamkeit so hervorragend, dass jeder HIV-Positive ein recht sorgloses Leben HIV-Negative führen kann. Die Viruslast wird deutlich unter der Nachweisgrenze gehalten

Wenn die Virenlast "deutlich unter der Nachweisgrenze" liegt, bedeutet das dann auch, daß der HIV-Infizierte nicht mehr ansteckend ist?
 
Wenn die Virenlast "deutlich unter der Nachweisgrenze" liegt, bedeutet das dann auch, daß der HIV-Infizierte nicht mehr ansteckend ist?
Wenn man der KI Glauben schenken darf, ist das so:

HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie sind bei sexuellen Kontakten nicht ansteckend, selbst ohne Kondom.
Das Prinzip „N=N“ (nicht nachweisbar = nicht übertragbar) gilt, wenn die Viruslast dauerhaft (meist >6 Monate) unter der Nachweisgrenze liegt.
Im Alltag besteht grundsätzlich kein Übertragungsrisiko. [1, 2, 3, 4, 5]
 
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Wenn die Virenlast "deutlich unter der Nachweisgrenze" liegt, bedeutet das dann auch, daß der HIV-Infizierte nicht mehr ansteckend ist?

Ja, wie auch @magicbiker es bestätigt hat. Es geht sogar noch einen Schritt weiter in Bezug auf ein nicht mehr vorhandenes Ansteckungsrisiko. Der Kombinationswirkstoff bei PrEP ist auch Bestandteil der antiretroviralen Therapie. Im Rückschluss bedeutet das, dass quasi auch in Therapie befindliche Infizierte vor einer erneuten Ansteckung geschützt sind.

Dank mittlerweile hoch entwickelter Testverfahren ist die Nachweisgrenze für die Viruslast in den letzten Jahre etwa auf einen Drittel des Wertes von vor 10 Jahren gesunken.

Die Nachweisgrenze für HIV-1-RNA (Viruslast) in der antiretroviralen Therapie (ART) hat sich in den letzten 10 Jahren (ca. 2016–2026) kontinuierlich nach unten entwickelt. Während vor einem Jahrzehnt Werte unter 50 Kopien/ml als Standard galten, ermöglichen moderne hochsensitive Assays heute eine Messung bis zu einer Untergrenze von 20 Kopien/ml oder sogar darunter. [1, 2, 3]
Entwicklung der HIV-Nachweisgrenzen (2016–2026)
Die Verbesserung der Technologie (PCR-Tests) hat dazu geführt, dass eine erfolgreiche Therapie heute viel präziser überwacht werden kann. [1, 2]

[th]Zeitraum [1, 2][/th][th]Typische Nachweisgrenze (Kopien/ml)[/th][th]Definition / Status[/th] [td]ca. 2016–2018[/td][td]\(<50\) (häufig \(<40\))[/td][td]Standard-Nachweisgrenze. "Nicht nachweisbar" definiert als < 50 Kopien/ml.[/td] [td]ca. 2019–2022[/td][td]\(<20\) bis \(<40\)[/td][td]Weiterentwicklung der PCR-Kits. Sensitivitätssteigerung ermöglicht zuverlässige Messung bei \(<20\).[/td] [td]2023–2026[/td][td]\(\le 20\) (sehr gering)[/td][td]Klinische Grenze für "ultrasensitive" Tests. "Nicht nachweisbar" ist nun oftmals \(\le 20\) Kopien/ml.[/td]
Wichtige Fakten zur Entwicklung
  • Klinische Relevanz: Die Deutsch-Österreichischen Leitlinien definieren Werte unter 50 Kopien/ml weiterhin als den Bereich, in dem HIV nicht mehr übertragbar ist (N=N - Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar).
  • Technologische Genauigkeit: Moderne Assays decken heute einen linearen Bereich von ca. 20 (oder tiefer) bis zu mehreren Millionen HIV-1-RNA-Kopien/ml ab.
  • "Blips": Intermittierend nachweisbare geringe Anstiege (sog. „Blips“) bis ca. 200 Kopien/ml sind möglich, bedeuten aber meist kein Therapieversagen.
  • Grenzwert für Ansteckung: Eine sexuelle Übertragung gilt bereits bei einer Viruslast unter 200 Kopien/ml als ausgeschlossen. [1, 2, 3, 4, 5]
Die Entwicklung der letzten 10 Jahre ist somit von einer Standardisierung im Bereich der <50 Kopien/ml hin zu einer "ultrasensitiven" Messung um die 20 Kopien/ml geprägt.

@magicbiker Deine Vorbehalte gegen KI-Ergebnisse kann ich nachvollziehen. Bei solchen technisch-wissenschaftlichen Themen gibt es aber auch (fast) immer Quellenangaben, die überprüfbar sind. Ich muss allerdings ehrlicherweise eingestehen, dass ich das für meinen letzten Beitrag nicht gemacht habe. Mir erschienen die Antworten halt als schlüssig.

Puh, ich habe ChatGPT die gleiche Forderung gegeben. Da laufen in der Tat im Hintergrund Sicherheitsprüfungen ab. Das kannte ich noch gar nicht.

Deine Unterhaltungen wurden mehrfach wegen eines möglichen biologischen Sicherheitsrisikos markiert​

Antworten können länger dauern, weil zusätzliche Sicherheitsprüfungen aktiviert sind. Sobald Inhalte nicht mehr markiert werden, werden die Antworten wieder normal.


Die Nachweisgrenze bei HIV-Positiven wird mittlerweile auf einen sehr niedrigen Wert gesetzt. Wie war da die Entwicklung in den letzten 10 Jahren. Bitte eine Statistik (Tabelle) über die festgelegten Grenzwerte und die Genauigkeit der Messungen.


Die Nachweisgrenze („Lower Limit of Detection“, LLoD) bei HIV-Viruslasttests hat sich in den letzten 10–15 Jahren deutlich verbessert. Während früher <50 Kopien/ml als „nicht nachweisbar“ galt, arbeiten moderne PCR-Systeme heute meist mit Grenzen von 20 oder sogar 10 Kopien/ml. Gleichzeitig ist aber wichtig zu verstehen:
  • Je niedriger die gemessene Viruslast, desto höher die statistische Unsicherheit.
  • Unterhalb der Quantifizierungsgrenze steigt die Messvariabilität stark an.
  • Klinisch gilt weiterhin meist: <200 Kopien/ml = praktisch nicht übertragbar (U=U), obwohl Labore technisch viel niedrigere Werte anzeigen können.

Entwicklung der HIV-Nachweisgrenzen (ca. 2010–2025)​

ZeitraumTypische Nachweisgrenze kommerzieller PCR-TestsTypische QuantifizierungsgrenzeTechnische Genauigkeit im NiedrigbereichKlinische Bewertung
bis ca. 201050 Kopien/ml50 Kopien/mlrelativ stabil oberhalb 50„Undetectable“ = <50
2011–201440–50 Kopien/ml40–50 Kopien/mlerste Probleme mit „Low-Level-Viremia“neue Real-Time-PCR-Systeme
2015–201820–40 Kopien/mlmeist 20–40höhere Sensitivität, aber mehr Schwankungenhäufig „detected <20“
2019–202220 Kopien/ml typisch20 Kopien/mlhohe Sensitivität, aber starke statistische Streuung unter 50U=U bleibt <200
2023–202510–20 Kopien/ml bei modernen Plattformen20 Kopien/ml typischanalytisch extrem empfindlich, biologisch aber begrenzt interpretierbarDiskussion über „zu sensitive Tests“
Quellenbasis: Roche COBAS, Abbott RealTime, BHIVA-Guidelines, klinische Vergleichsstudien.

Warum die Genauigkeit im Niedrigbereich problematisch wird​

Die PCR misst keine „lebenden Viren“, sondern RNA-Fragmente. Im sehr niedrigen Bereich treten mehrere Probleme auf:
  1. Statistische Schwankungen
    • Bei 20 Kopien/ml sprechen wir von extrem kleinen Molekülzahlen.
    • Schon minimale Probenunterschiede verändern das Ergebnis deutlich.
  2. Biologische Blips
    • Kurzzeitige Werte von 20–80 Kopien/ml sind häufig.
    • Sie bedeuten oft keinen Therapieversager.
  3. Nachweis ≠ genaue Quantifizierung
    • Moderne Systeme können manchmal RNA „erkennen“, aber nicht exakt quantifizieren.
    • Deshalb erscheinen Befunde wie:
      • „detected <20“
      • „RNA detected but below quantification“

Typische moderne Testsysteme​

TestsystemNachweisgrenzeBemerkung
Roche COBAS TaqMan v1~40–50 Kopien/mlältere Generation
Roche COBAS TaqMan v2~20 Kopien/mldeutlich sensitiver
Abbott RealTime HIV-1~40 Kopien/ml, teils darunterweit verbreitet
cobas 6800/8800 HIV-1<20 Kopien/mlsehr hohe Sensitivität
Forschungs-PCRs<10 Kopien/ml möglichmeist nicht Routine

Ein wichtiger Unterschied: Nachweisgrenze vs. Quantifizierungsgrenze​

Das wird oft verwechselt.
  • Nachweisgrenze (LoD)
    → Der Test erkennt, dass HIV-RNA vorhanden ist.
  • Quantifizierungsgrenze (LoQ)
    → Der Test kann die Menge auch statistisch zuverlässig bestimmen.
Mathematisch gesprochen steigt die Unsicherheit im Niedrigbereich stark an:
σ∝1N\sigma \propto \frac{1}{\sqrt{N}}σ∝N1
Dabei ist:
  • NNN = Zahl der nachgewiesenen RNA-Kopien
  • σ\sigmaσ = statistische Schwankung
Das bedeutet:
  • Je weniger Kopien vorhanden sind,
  • desto größer wird der relative Messfehler.
Deshalb gelten Werte wie 15, 20 oder 30 Kopien/ml heute medizinisch oft als biologisch kaum relevant.

Entwicklung der klinischen Interpretation​

Interessant ist, dass die Labortechnik empfindlicher wurde als die klinische Definition.
DefinitionFrüherHeute
„Undetectable“ im Labor<50oft <20
Klinisch relevante Suppression<50weiterhin meist <200
U=U-Grenzenoch nicht etabliert<200 Kopien/ml
Viele Experten kritisieren inzwischen sogar, dass ultra-sensitive Tests Patienten unnötig verunsichern können, weil minimale RNA-Spuren gemeldet werden, die klinisch keine Bedeutung haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ist ja vom Prinzip her eine gute Nachricht, wenn dem denn so ist.

Allerdings auch wieder nur teilweise: Um Prep verschrieben zu bekommen, muß man ja entsprechende Voruntersuchungen machen, insbesondere die Nierenwerte. Wenn die nicht stimmen, darf man Prep nicht nehmen, da man sonst Gefahr läuft, an der Dialyse zu enden.

Hat man dann auch wieder nichts davon, wnn man HIV-technisch gesehen ein normales Leben führen kann, dafür aber an der Dialyse hängt.
(Also natürlich nur in dem Fall, wenn man denn so ein Nieren-Kandidat ist)

An dieser Stelle fällt mir wieder die Diskussion über PreP an anderer Stelle ein, wo manch einer PreP unbedingt ohne Untersuchung verschrieben oder verkauft haben will *verständnislos-den-Kopf-schüttel*
 
An dieser Stelle fällt mir wieder die Diskussion über PreP an anderer Stelle ein, wo manch einer PreP unbedingt ohne Untersuchung verschrieben oder verkauft haben will *verständnislos-den-Kopf-schüttel*

Damit hast du natürlich voll und ganz Recht. Ich bin ja auch schon darauf eingegangen. Ich hatte eine 1-monatige Testphase mit PrEP und meine Blutwerte wurden kontrolliert. Das Ergebnis fiel dementsprechend positiv für mich aus. Damit wurde ich in das Programm übernommen und werde alle drei Monate gecheckt. Im Laufe der letzten Jahre war bei mir alles stabil. Ich nehme PrEP auch nur anlassbezogen, halt für meine Urlaube in Thailand und bevor wir Swinger-Partys besuchen.

Es muss halt jeder für sich entscheiden, ob er PrEP nach einer medizinischen Indikation zu sich nimmt oder eigen(un)verantwortlich handelt.
 
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