Member
Member hat gesagt:Das ist in kurzen Sätzen nicht zu erklären, da spielten einige persönliche Erlebnisse ausserhalb Kenias durchaus eine Rolle. Das werde ich bei Gelegenheit mal ausführlich zu Papier bringen.
Grundsätzlich: was hat jemand, der seit über 20 Jahren als Jung- ... besser Altgeselle in D lebt, mit seinen seit gestern 61 Lenzen zu verlieren? Ich habe ein einträgliches Auskommen, werde eine eher niedrige Rente beziehen und fühle mich in D einfach nicht mehr wohl. Dazu kam, dass ich mich halt in meinem ersten Kenia-Urlaub verknallt habe. So lag es an mir, zu entscheiden, das gegebene hinzunehmen oder alternativ darüber nachzudenken, ob ich so weitermachen und in 10 Jahren mit Kissen unter den Ellenbogen im Fenster vor mich hinschimmeln will oder aber mich endlich mal überwinde, diesen Scheiss Kopf mal wirklich abzuschalten und einfach mir selbst, meinen Empfindungen zuzuhören und Neues zuzulassen. Wann noch, wenn nicht jetzt, zumal ich bisher ja erstaunlicherweise hier nur positive Erfahrungen hier gemacht habe.
Habe ich finanziell etwas zu verlieren? Nicht wirklich, da ich bis heute nichts investiere, was mir wirklich weh tut. Und mental? Jepp, kann passieren, ist dann halt zuerst ne Wunde, die weh tut, später lediglich ne Narbe mehr, die ab und zu mal juckt! So what!
Ich bin heute gelassener, ausgeglichener, fühle mich wesentlich wohler in meiner ollen Pelle! Also gilt: Arsch nochmal hoch und durch, mit allen Höhen und Tiefen!
Kulturelle Unterschiede: Grundsätzlich bin ich erst einmal Gast in diesem Land, also isses mein Job, mich zu adaptieren! Das gelingt mir erstaunlich gut... ging mir aber schon immer so, egal, wohin mich meine vielen Motorradtouren geführt haben (ich habe in den letzten 20 Jahren nahezu alles bereist, was man, ohne Wasser zu überqueren, von D aus erreichen kann).
Bildungsniveau: mmmh, manchmal nicht einfach, Suzanne hatte leider niemals die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, was aber nichts mit Intelligenz zu tun hat. Sie ist extrem wissbegierig und lernt pausenlos dazu (manchmal bewundere ich sie, diese schnelle Auffassungsgabe habe ich heute nicht mehr unbedingt). Tiefgehendere Gespräche über Politik, Technik, Economy in Kenya u.ä. führe ich eher mit Locals, die ich inzwischen zu guten Freunden zählen kann... gestern erst mit einem Israeli, der heute kenianischer Staatsbürger ist, in über 3h über das Zusammenleben der verschiedenen Religionen hier, deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Dazu sitze ich manchmal spät abends mit unserer grossen Tochter zusammen und wir quatschen über alles mögliche, was die Welt bewegt oder auch nicht.
Erst heute hatte ich ein längeres Gespräch mit meinem Mopedschrauber über Ruto und seine Politik.
Ob ich es jemals schaffe, das wirklich letzte kleine Türchen gedanklich endgültig hinter mir abzuschließen, weiss ich bis heute nicht ... aber ich arbeite permanent daran.
Guter Bericht. Wenn ich fragen darf, wie viel kostet Sie das monatliche Leben dort? Meine Rente beträgt nämlich nur etwas über 1000 Pfund.


