Der ganz normale Wahnsinn – TH-PH und zurück

Den Weg zu ihrem Haus, wo sie mit Eltern, Kindern und Schwester wohnt, machen wir zu Fuß.
Es ist nicht weit, doch ich habe diese schon oft geschilderten Szenarien im Kopf. Wir gehen durch unbeleuchtete Straßen, an manchen Ecken lungern Cliquen lokaler Halbstarker herum, und ich frage mich, ob das eine gute Idee ist, sich hier als Falang um diese Zeit aufzuhalten.

Ich trage heute zwar weder wertvollen Schmuck, noch eine teure Uhr, doch in meiner Tasche sind einige tausend Pesos. Wenn ich abends unterwegs bin teile ich mein Geld immer auf. Ein Teil befindet sich in meinem Portemonnaie, etwas in der Daumentasche, und jede meiner Hosen hat eine extra eingenähte Innentasche. Einen kleinen Stoffbeutel innen am Hosenbund, der gerade groß genug ist, um ein paar gefaltete Scheine aufzunehmen. Man sieht und fühlt diese Tasche nicht, und hier trage ich immer zusätzliche 5000 Reserve dabei.
Ich male mir also aus, wie ich das Portemonnaie bei einem Überfall abgeben muss, aber dank der Innentasche nicht die ganze Kohle verliere. Hoffentlich ist den Teenies die Knete genug und sie müssen ihre vermuteten Messer und Knarren nicht benutzen.
Als wir in ihrer Straße ankommen, die am Ende in einem von einer Mauer gesäumten kleinen Pfad endet, und sie mir erzählt, dass dort vor ein paar Tagen ein Tourist überfallen und erstochen wurde, beschließe ich, auf dem Rückweg auf jeden Fall ein Trike zu nehmen.

Sie geht schnell ins Haus, ich warte solange draußen weil sie mich nicht ihren Eltern vorstellen will, und die zwei Minuten Wartezeit werden zu einer Ewigkeit. Allerdings ist meine Sorge unbegründet. Maricel kommt wieder, wir steigen an der nächsten Ecke in ein TukTuk und verlassen unbeschadet diese dunkle Ecke von Angeles.

Ich bin eigentlich überhaupt kein ängstlicher Typ, war schon an vielen von Touristen praktisch unberührten Orten und genieße immer den möglichst direkten Kontakt mit den Locals. Hier habe ich mich zum ersten Mal unwohl und nicht sicher gefühlt. Kein gutes Gefühl. In Zukunft werde ich die Straßen abseits des Geschehens in Angeles während der dunklen Stunden meiden.
 
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Das Essen ist gut.
Ich hatte mir etwas mehr Flair vorgestellt, aber das war wohl Teil meiner romantischen Vorstellungen von dem „besonderen Dinner“.
Wir sind die einzigen Gäste im Sunset Garden Restaurant.
Die Bedienung gibt sich Mühe, die Mahlzeiten sind frisch, alles passt. Es schmeckt wirklich gut und wir haben Privatsphäre, trotzdem ist sofort jemand da, wenn wir nachbestellen wollen.
Alles in allem ein gelungener Abend.

Allerdings redet Maricel ununterbrochen.

Ich mag sie wirklich gerne. Sie ist nicht dumm, sieht gut aus und kümmert sich rührend um mich. Aber ich brauche auch mal den Moment, in dem ich ins Nichts starre. Einfach nur genießen, nichts sagen müssen, sich erfreuen an dem Augenblick ohne diesen gleich zum Thema einer Konversation machen zu müssen.

Was tue ich? Ich suche eine Begleitung, und sie bietet sich an. Ist nett, hübsch, der Sex hat spontan funktioniert und mich voll befriedigt. Ich bin mir sicher, dass sie alles geben würde, um mir die nächste Woche so angenehm wie möglich zu gestalten. Urlaub würde ihr auch gut tun und die Eltern könnten sich um die Kids kümmern. Zudem macht sie den Eindruck, dass sie sich in meiner Gegenwart auch wohl fühlt. Sie riecht gut, fühlt sich gut an und es gibt eigentlich nichts, was ich in ihrer Gegenwart zu beklagen hätte.
Außer dieses non-Stopp Gequatsche.
Das brauche ich nicht in der nächsten Woche.
Shit! Was mache ich hier?

In meinem Kopf spielen sich diverse Szenarien ab.
Bohol, mein nächstes Ziel, ist langweilig und ich brauche eine Begleitung.
Bohol ist in den Visayas, den Mädels dort eilt ihr Ruf voraus, es wäre schade, wenn ich mich festlegen würde.
Wieder siegt mein Kopf. Zum Glück ( dazu später....)

Maricel ist so lieb, wenn ich ihr das dauerhafte Gequatsche abgewöhnen könnte, wäre sie ein Fall für LKS.
 
Nach dem Essen fahren wir an die Walking Street.
Wir gehen Hand-in-Hand, doch ich sage ihr nach ein paar Minuten, dass ich gerne alleine weiter ziehen möchte. Sie zeigt (wieder einmal) Größe.

Kein Problem. Ich sei im Urlaub und soll Spaß haben. Sie würde gerne Teil dieses Spaßes sein aber versteht auch, wenn ich „Single time“ möchte. Ihre Schicht beginnt um 6.00h. Wenn sie jetzt nach Hause geht kann sie noch schlafen, und wenn ich möchte, könnte ich sie ja wieder besuchen. Sie arbeitet ab 6.00 Uhr im Vodoo.

Ich gebe ihr einen fürstlichen Lohn für ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit, ihr offenes Wesen und ihre (hoffentlich) aussichtsreiche Zukunft, und verabschiede mich.

Ich habe niemals wieder von Maricel gehört.

In dem ganzen Zirkus und Drama in der Bar-Girl, Freelancer, „what ever“ Szene, war Maricel eines der ehrlichsten, offensten und liebevollsten Mädels, die ich kennen lernen durfte. Ich wünsche ihr alle Gute für die Zukunft, und alles Gute für ihre Familie und ihre zwei Töchter.

Es tut mir leid, dass ich sie nicht aus diesem Kreis befreien konnte. Das Potential war da. Wir waren für eine kurze Zeit Seelenverwandte.

Selten habe ich als Tourist im Rotlichtbezirk Thailands oder der Philippinen nach so kurzer Zeit solch eine Nähe zu einer eigentlich fremden Person verspürt. Diese Erinnerungen bleiben und legen die Messlatte für Zukünftiges höher…
Bis ich nach Bohol fuhr, denn dort traf ich……..
 
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Der Abend ohne Maricel lässt sich schnell zusammenfassen.
Ich war fertig, brauchte meinen Schlaf.

Ich hopste noch ein bissel rum. Ein paar Drinks hier und da ohne wirkliche Ambitionen. Die richtige Stimmung wollte nicht aufkommen. In meinem Kopf klingelte schon der Wecker am nächsten Morgen.

Ich gehe früh alleine ins Bett, um halbwegs fit für den nächsten Tag zu sein....
 
Zuletzt bearbeitet:
Mein Flug ist schon gebucht.
Ich nehme ein Trike nach Dau zum Bus Terminal. Von dort fährt ein Air Condition Bus nach Manila.
Von Manila geht es dann mit Cebu Pacific nach Tagbilaran.
Je näher wir dem Bus Terminal kommen, desto schlimmer wird der Verkehr. Falls man es Verkehr nennen kann. Die meiste Zeit stehen wir auf den letzten Kilometern, nur um ab und zu ein paar Meter zu machen. Eigentlich gibt es hier eine Busspur, doch so wirklich kümmern sich die anderen Verkehrsteilnehmer nicht darum.
Glücklicherweise habe ich mit Stau gerechnet, so dass ich (noch) nicht wirklich nervös werde.

Ich mache diese Strecke gerade zum ersten Mal, doch Dank der schnellen Antworten hier im Forum (in diesem Fall von Nixus_Minimax, Guender, misterkevin und ollithai) habe ich zeitlich gut vorgeplant. Die Diskussion mit dem Taxifahrer in Pasay am Busterminal ist etwas lästig, aber schließlich einigen wir uns. Ich weiß nicht mehr genau, wie vielich dem Mann gezahlt habe; es war sicherlich klar mehr als nötig und weniger als Touristenpreis.

Als ich am Flughafen ankomme checke ich ein, und schlage mir die verbleibende Zeit bis zum Abflug mit people watching tot – ein fantastischer Zeitvertreib. Gerade an Orten, an denen Menschen verschiedenster Herkunft, teilweise im Zeitmangel und völlig desorientiert herumlaufen, kann ich mich auf diese Art prächtig amüsieren.
Aber irgendwann heißt es einsteigen, Abflug, und mit nicht besonders viel Verspätung geht es Richtung Tagbilaran / Bohol.
 
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Es geht auf jeden Fall weiter. Leider habe ich zur Zeit so viel zu tun, da bleibt kaum Zeit zum Schreiben. Und etwas Privatleben habe ich auch noch.
Aber sobald es beruflich weniger wird, knüpfe ich genau da an, wo die Geschichte bisher endete.
 
Oh Mann. Hatte schon vergessen, das ich hier mal etwas gestartet hatte. Das Leben hat viel Aufregendes geliefert seitdem. Aber diese Geschichte lässt sich südlich fortführen. Ich bemühe mich, allerdings ohne Stress und Zeitdruck.

Danke, dass du mich erinnert hast.
 
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bin gerade auf deinen Bericht gestoßen und habe sofort abonniert.
Der Bericht ist ja schon zwei Jahre alt und aus Zeitmangel nicht mehr fortgeführt worden. Später hätte ich durchaus wieder Zeit gehabt, jedoch völlig aus den Augen verloren, dass hier ein unvollendetes Stück liegt.
AndyFfm hat das Ding aus der Versenkung geholt, und ich sollte wirklich weiter schreiben. Die Erinnerungen sind nach wie vor lebendig.

Ich verspreche nichts, da ich zur Zeit wieder an multiplen "Baustellen" tätig bin und meine Zeit etwas limitiert ist, behalte den Bericht aber im Hinterkopf und füge etwas hinzu, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
In den letzen drei Wochen habe ich nicht einmal selbst im Forum gelesen...
 
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