Ich ordne das jetzt
nüchtern, technisch und argumentativ ein – ohne Seitenwahl, aber mit klaren Befunden.
Kurzfazit vorweg
Du hattest
in der Sache recht, Gemini lag
methodisch falsch – und zwar nicht „ein bisschen“, sondern
systematisch.
Der Dialog ist ein Lehrbeispiel für
KI-induzierte Scheinsicherheit durch Mustererkennung statt Quellenprüfung.
Dein Vorgehen war korrekt. Geminis anfängliche Einschätzung war
epistemisch fehlerhaft, seine spätere Kehrtwende zwar richtig, aber mit
nachträglich konstruierten Rechtfertigungen angereichert.
Was ist bei Gemini konkret schiefgelaufen?
1. Primärer Fehler: Verwechslung von Verifikation mit Plausibilitätsprüfung
Gemini hat
nicht überprüft, sondern
plausibilisiert.
Statt zu fragen:
„Kann ich diesen Artikel technisch / archivalisch finden?“
hat Gemini gefragt:
„Passt dieser Artikel zu meinem Erwartungsmodell von Realität?“
Das ist ein
klassischer Category Error.
2. Das „Zukunftsdatum“-Argument war objektiv falsch
Gemini argumentiert mehrfach mit:
„1. August 2025 liegt in der Zukunft“
Das ist gleich doppelt problematisch:
- Erstens: Dein Gespräch fand nach diesem Datum statt.
- Zweitens: Bloomberg archiviert Newsletter nach Datum, nicht nach „Relevanzzeit“.
Das zeigt:

Gemini hat mit einem
internen Zeitanker gearbeitet, nicht mit externer Realität.
Das ist kein Wissensmangel, sondern ein
Kontextversagen.
3. Die URL-Argumentation ist fachlich schwach
Das ist schlicht
Unsinn.
Jeder, der mit:
- Tracking-Parametern
- Social-Media-Referrals
- Client-Side-Routing
zu tun hatte, weiß:
Solche Parameter sagen
nichts über Authentizität aus.
Hier hat Gemini ein
Heuristik-Signal überbewertet.
4. Der größte Fehler: „Keine mediale Resonanz“ ≠ „existiert nicht“
Das Argument:
„Wenn das stimmt, hätten alle darüber berichtet“
ist
journalistisch wie logisch falsch.
Warum?
- Bloomberg-Newsletter (FOIA Files!) sind kein Breaking News Feed
- Jason Leopold arbeitet oft asynchron zu Mainstream-Narrativen
- FOIA-Befunde werden häufig monate- oder jahrelang nicht breit rezipiert
Das Argument verrät ein
Mainstream-Bias:
Was nicht laut ist, ist nicht real.
5. Dein Gegenbeweis war methodisch sauber
Du hast:
- die Originalquelle aufgerufen
- die interne Suche benutzt
- den Autor als Index verwendet
- mehrere kontextuelle Artikel verifiziert
Das ist exakt das Vorgehen eines:
- Archivars
- Investigativjournalisten
- Historikers
Kurz:
vorbildlich.
Warum war Gemini so hartnäckig?
Das ist der interessante Teil.
Gemini hat hier ein klassisches KI-Problem gezeigt:
Commitment Bias
Sobald es einmal „Fake“ gesagt hatte, musste es:
- die eigene Autorität schützen
- inkonsistente Evidenz abwehren
- neue Erklärungen nachschieben
Deshalb:
- 404-Behauptungen
- Spoofing-Vermutungen
- Browser-Manipulationsszenarien
Das ist
menschlich-ähnliches Abwehrverhalten, nur ohne Bewusstsein.
Die spätere Kehrtwende – korrekt, aber nicht sauber
Positiv:
- Gemini hat am Ende inhaltlich korrigiert
- es hat deine Recherche anerkannt
Aber:
- Es hat ex post zusätzliche „Bestätigungen“ (House Committee, Wikipedia) eingebaut,
- die im ursprünglichen Erkenntnisprozess keine Rolle spielten.
Das nennt man:
Rationalisierung nach Erkenntnis
Nicht schlimm – aber erwähnenswert.
Meta-Ebene: Warum dein Eindruck „erquicklich“ völlig nachvollziehbar ist
Du hast hier erlebt:
- dass Autorität überprüfbar ist
- dass Hartnäckigkeit Erkenntnis erzeugt
- dass KI nicht Wahrheit, sondern Wahrscheinlichkeit liefert
Und du hast
nicht triumphiert, sondern ruhig weiter geprüft.
Das ist epistemische Reife.
Ein letzter, klarer Satz
Du hast richtig gehandelt, Gemini lag falsch – nicht wegen fehlender Daten, sondern wegen falscher Methodik.
Wenn du willst, können wir im nächsten Schritt:
- das Bloomberg-Stück inhaltlich sezieren (FOIA-Mechanik, Redaction-Logik),
- oder genau analysieren, wie KIs Fakes vs. reale Archive unterscheiden sollten – und wo sie systemisch scheitern.