Ich hoffe, daß bezüglich Powerbanks nicht auch erst ein größeres Unglück passieren muß, bis man entsprechend reagiert.
Mir geht das auch so. In Bezug auf neu eingeführte Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen bin ich nicht auf dem aktuellen Stand und ich habe deshalb mal eine entsprechende Frage an Claude gestellt:
In Bezug auf Powerbanks und Akkus in Handys, welche Sicherheitsvorkehrungen sind da mittlerweile umgesetzt worden, falls es in einer Kabine während eines Fluges zu einem Vorfall kommt, im schlimmsten Fall ein lokales Feuer in einem Gepäckfach ausbricht?
Vorbeugung und Früherkennung
- Nur im Handgepäck: Ein Brand im Frachtraum ist schwer zu entdecken und zu löschen. Powerbanks und lose Ersatzakkus gehören deshalb in die Kabine, wo die Crew sofort eingreifen kann. aerointernational
- Neue ICAO-Regeln seit März 2026: Sie behandeln Powerbanks erstmals als eigene Kategorie, getrennt von Ersatzbatterien. Pro Person sind höchstens zwei Powerbanks erlaubt, und ein Aufladen an Bord ist untersagt. theaviationhub travelpowerpro
- Nicht ins Gepäckfach: Viele Airlines schreiben vor, die Powerbank in der Sitztasche, am Körper oder im Gepäck unter dem Sitz aufzubewahren. So bemerken Passagier und Crew Rauch oder Hitze sofort und ein Brand beginnt nicht unbeobachtet im geschlossenen Fach. macwelt
- Lufthansa Group: Dort dürfen Powerbanks seit dem 15. Januar 2026 an Bord weder genutzt noch geladen werden. Andere Airlines wie Emirates, ANA und JAL haben ähnliche Verbote eingeführt. Das Ladeverbot für die Powerbank selbst ist bei der ICAO verbindlich, die Nutzung zum Laden anderer Geräte nur eine starke Empfehlung. macwelt studioeins
- Kapazitätsgrenzen: Bis 100 Wh ist erlaubt, zwischen 100 und 160 Wh nur mit Erlaubnis der Airline, darüber verboten. Beschädigte oder aufgeblähte Akkus dürfen nicht mit an Bord. macwelt
Wenn es brennt
- Kühlen statt ersticken: Die FAA nennt als primäre Reaktion große Mengen Wasser, um den Akku zu kühlen und die Flammen zu unterdrücken. Das Prinzip ist, dem Akku Wärme zu entziehen, weil er beim thermischen Durchgehen seinen eigenen Sauerstoff mitbringt. Üblich ist, das Gerät mit Wasser oder anderen nicht brennbaren Flüssigkeiten zu kühlen und anschließend vollständig einzutauchen. paddleyourownkanoo
- Feuerlöscher und Containment-Beutel: Crews haben Löscher und thermische Containment-Beutel an Bord. Die Beutel isolieren ein überhitztes Gerät. Die FAA sieht sie eher als Ergänzung denn als Hauptmittel. airgazette
- Beispiel: Am 21. August 2026 brannte ein Laptop im Gang einer American-Airlines-Maschine. Die Crew hatte ihn nach etwa fünf Minuten in einem Containment-Beutel, der Flug landete sicher. theaviationhub
- Ein Brand im Gepäckfach ist deshalb ein Sonderfall, weil man schlechter herankommt und er später auffällt. Das ist der Grund für die Regeln zur Aufbewahrung.
Einordnung
Die Behörden halten das Gefahrenpotenzial nicht für beherrscht, sondern für beherrschbar, solange die Geräte in der Kabine bleiben. Die FAA zählte 97 verifizierte Vorfälle mit Rauch, Feuer oder extremer Hitze im Jahr 2025, nach 89 im Vorjahr. Eine Quelle nennt für 2025 nur 93 Fälle, die Zahl ist also nicht ganz einheitlich. Eine bauliche Lösung wie ein feuerfestes Fach gibt es nach meinem Stand nicht. Der Schutz besteht aus Vorschriften und Crew-Training.
theaviationhub
Die Details unterscheiden sich je nach Airline und Land. Vor dem Flug lohnt sich ein Blick in die Regeln deiner Fluggesellschaft.
Sources:
Dabei muß man sich ja auch vor Augen halten, daß all die Sicherheitsvorschriften sozusagen "mit Blut geschrieben" sind. D.h. jeweils nach Unglücken wurden entsprechende Sicherheitslücken geschlossen.
Es gibt wohl kaum eine Branche, in der Unglücksfälle so dermaßen akribisch untersucht werden, wie in der Aviation Industry. Ich hatte einen Projekteinsatz bei den Systemingenieuren der Lufthansa Technik in Frankfurt. Jeder einzelne Vorfall wird dort erfasst, das geht von der Auswertung der Logbücher nach einem Flug bis hin zu den Checks, die standardmäßig durchgeführt werden. Es besteht ein sehr enger Kontakt zu den Herstellern, Airbus, Boeing und Co. Dort laufen aller Meldungen zusammen und dort wird dann in der Regel auch entschieden, wie weiter vorgegangen wird.
Ein Beispiel aus der Praxis, betroffen waren Flieger aus der A320-Familie von Airbus. Direkt hinter dem Cockpit gibt es eine Bordtoilette. Unter dem Cockpit gibt es das Aviation Bay Compartment, wo die ganzen Computer für den Flugbetrieb untergebracht sind. Das Problem war Wasser aus der Toilette, das durchsickern und zu Störungen im System führen konnte. Die Häufigkeit der Vorfälle hat Airbus dazu veranlasst, hier eine Maßnahme umzusetzen und zwar eine Drainage einzubauen, die das Problem beseitigte. Das Problem hatte keine große Dringlichkeit und es oblag den Airlines, diese Maßnahme umzusetzen. Bei der Lufthansa wurden diese Empfehlungen umgesetzt und es gab einen entsprechenden Eintrag in den SRMs (Structural Repair Manuals) und den AMMs (Aircraft Maintanance Manuals), die dann entsprechend der ATA-Chapter (Air Transportation Association) zugewiesen und mit dem Vermerk 'post mod' eingetragen werden.
Die schärfste Anweisung, die hier ausgesprochen werden kann, ist die AD, Airworthiness Directive, die absolut verpflichtend ist.
Ich hoffe, das dieser kleine Einblick hilfreich ist.