Turbulenzen und andere Unglücke - SQ321 und weitere Unglücksflieger

Den ersten Satz verstehe ich ehrlich gesagt nicht... was hat die Erfassung der Daten mit dem Ereignis zu tun?
Seiner Funktion nach ist V1 keine Geschwindigkeit sondern ein Distanzäquivalent, dessen Wert nicht mehr stimmt, wenn sich nach der Berechnung die Parameter ändern. Das ist hier der Fall.
Entweder einer der Piloten oder das Flugzeug selbst hat gebremst. Einer der Piloten muß darauf den Schub so sehr erhöht haben, daß die Verzögerungskräfte überwunden wurden und das Flugzeug trotzdem abhob.
Verzögernd und folglich distanzverkürzend wirkt sich nicht nur das Bremsen selbst aus, sondern auch die Zeit, die die Piloten von der Wahrnehmung bis zur Reaktion benötigen, sowie die Reaktionszeit des Flugzeuges selbst.

Spekulation ist, daß das Flugzeug unter der errechneten Rotationsgeschwindigkeit rotiert wurde. Die errechnete Rotationsgeschwindigkeit ist nicht der niedrigstmögliche Wert zum Abheben.

Die erfolgte Erfassung der Daten bedeutet, dass diese (alle Daten) in einen Bezug zur Zeit, und damit in einen Bezug zum Ereignis-Verlauf gesetzt werden können. In diesem Falle geht es um die erfassten Parameter der Triebwerke (Position/Bewegung der Schubhebel, Drehzahlen N1 und N2, EGT, FF, etc.) auf der Zeitachse, aus deren Verlauf Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung gezogen werden können. Im Raum steht, so entnehme ich das den bisherigen Veröffentlichungen verschiedener „Experten“ auch eine fehlerhafte Betätigung der (elektrischen) Bremsen, die nicht auf einen fehlerhaften input eines, oder beider Piloten zurückzuführen ist.
Zu V1 hast Du vollkommen Recht. Deswegen haben die Analysen der Ereignisse im Zeitverlauf die entsprechende Bedeutung. Ich bin sicher, dass es den erfahrenen Piloten nicht entgangen ist, dass die Beschleunigung nicht so verlaufen ist, wie sie zu einem sicheren Abheben notwendig wäre.
Auch die Bremsdaten werden meines Wissens im FDR erfasst. Damit kann nachgewiesen werden wann, und ggf. auf wessen input die Bremsen wirksam wurden. Oder eben, ob der Geschwindigkeitsverlust auf Schubverlust zu welchem Zeitpunkt zurückzuführen war - siehe oben.
Auch wann der Schub erhöht wurde und wie (ob über die Schubhebel oder den to/ga Schalter) dürfte erfasst sein. Wer das getan hat ist wohl ohne die CVR-Aufzeichnung dieser Phase nicht mehr nachzuweisen. Hier können nur die Aussagen der insgesamt 4 Personen im Cockpit (laut Captain Steeve) herangezogen werden. Üblicherweise wäre für diesen input wohl der „Pilot flying“ zuständig.
Die Zeit zwischen Wahrnehmung und Reaktion des/der Piloten kann ebenfalls aus dem Verlauf der Ereignisse auf der Zeitachse geschlossen werden.

Natürlich ist die Abhebegeschwindigkeit in unserer Diskussion momentan reine Spekulation. Auch diese ist dann aus den FDR Daten präzise abzulesen.
Hierzu stehen die Geschindigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt, die Steigrate und die Drucksensoren am Fahrwerk zur Verfügung.

Die Bilder des Starts lassen in Verbindung mit dem Tailstrike meines Erachtens die Annahme zu, dass die Abhebegeschwindigkeit zumindest nicht weit oberhalb der minimalen Abhebegeschwindigkeit (V-mu) gelegen hat.

Korrigiert mich gerne, wenn Ihr andere Info dazu habt.
 
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Ohne die FDR-Daten ist jede Spekulation müßig.
Man sieht, daß das Flugzeug hinter dem Pistenende abhebt, also nach etwa 4 km statt der üblichen ca. 2,3 km. Man sieht Reifenabrieb. Mehr ist erstmal nicht.
Die Annahme bei dem Reifenabrieb handelt es sich um eine Bremsblockierspur, die in eine ABS-Spur übergeht, ist streng genommen nur Interpretation, allerdings eine naheliegende.
Die Annahme, das Flugzeug wurde außerplanmäßig durch Erhöhung des Schubs beschleunigt, ist eine Schlußfolgerung aus dem Umstand, daß das Flugzeug trotz Bremsvorgangs abhob.
Insoweit lege ich mich fest.
Mehr geben die vorliegenden Informationen nicht her; man muß weitere Veröffentlichungen abwarten.

Nochmal betonen möchte ich, daß der Pilot mit einer invaliden V1 keine Entscheidungsgrundlage für Abbruch oder Fortsetzung des Starts hatte.
 
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Ohne die FDR-Daten ist jede Spekulation müßig.
Man sieht, daß das Flugzeug hinter dem Pistenende abhebt, also nach etwa 4 km statt der üblichen ca. 2,3 km. Man sieht Reifenabrieb. Mehr ist erstmal nicht.
Die Annahme bei dem Reifenabrieb handelt es sich um eine Bremsblockierspur, die in eine ABS-Spur übergeht, ist streng genommen nur Interpretation, allerdings eine naheliegende.
Die Annahme, das Flugzeug wurde außerplanmäßig durch Erhöhung des Schubs beschleunigt, ist eine Schlußfolgerung aus dem Umstand, daß das Flugzeug trotz Bremsvorgangs abhob.
Insoweit lege ich mich fest.
Mehr geben die vorliegenden Informationen nicht her; man muß weitere Veröffentlichungen abwarten.

Nochmal betonen möchte ich, daß der Pilot mit einer invaliden V1 keine Entscheidungsgrundlage für Abbruch oder Fortsetzung des Starts hatte.

Da bin ich fast vollständig bei Dir. Insbesondere, was die Spekulation angeht, bevor der Bericht des BFU nach Auslegung des FDR nicht da ist.

Meines Erachtens war für die Piloten eine Entscheidungsgrundlage zur zwingenden Fortsetzung des Starts dadurch gegeben, dass V1 nach deren Aussage bereits einmal erreicht und danach weiterer Rollweg stattgefunden hatte. Die verbleibende Strecke bis zum Ende der Startbahn musste demzufolge kürzer sein, als die berechnete ausreichende Strecke bei / für V1.
 

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