Bella Rose

Vonbock

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Vorwort:

Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte hier unter "Reiseberichte - Erlebnisberichte" einstellen soll, denn diese Geschichte ist so niemals passiert sondern fiktiv.

Das Aufgeschriebene habe ich nicht erlebt, jedenfalls nicht so erlebt.

Ein paar Erlebnisse wurden von mir kombiniert, das eine oder andere Detail ausgeschmückt, etwas dazugedichtet ...

Doch ist nicht jeder Bericht immer nur eine Wahrnehmung der Realität? Der Blickwinkel eines Foristen?
Wie würden wohl die Protagonistinnen aus unseren Berichten ihre Erfahrungen beschreiben?
Was berichten sie wohl in ihren Foren über uns?

Das Leben will, dass ich gerade nicht auf Reisen gehen kann.

So kann ich nur in meinen Gedanken reisen, einen gedichteten Bericht verfassen und hoffen, dass mir niemand meine Phantasie übel nehmen wird.
 
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In Phnom Penh laufe die Straßen entlang und denke an den Silvesterabend 2019.... meine Bekanntschaft aus der Golden Sorya Mall, die Frau mit den vielen Namen ... Bella Rose Linda Jennie und in Ihrem Pass steht Chakria, was eigentlich der schönste von all diesen Namen ist. Wir hatten eine gute Zeit miteinander, nicht nur den Silvesterabend. Was ist wohl aus ihr geworden? Werde ich sie jemals wiedersehen?

In der Street 104 halte ich an der Nana Bar inne, hier hat sie als Cashier gearbeitet. Ich überlege einzutreten.

Werde ich sie dort antreffen? Ich glaube nicht. Zuletzt habe ich Sie bei Instagram beim Versuch von Kosmetik-Direktvertrieb gesehen, auf Facebook mit Goldschmuck und einem schwarzen Freund, letzer Post vom 7. Juli, anscheinend hat sie es geschafft. Gut für sie. Ich denke an sie zurück, sie war wirklich lieb und hat mich fast nie nach Geld gefragt. Bella war anders als die anderen. Ich aber nicht, ich wollte nur meinen Spaß mit ihr.

Ich habe sowieso Durst auf ein Bier, also betrete ich die Nana Bar.

Aber kann man in einer Ladybar einfach nur ein Bier trinken? Von allen anwesenden Mädchen werde ich erwartungsvoll beobachtet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich mir die mutigste oder besoffenste oder verzweifelste an den Hals schmeißen und um einen Ladydrink bitten wird.

Da habe ich eine Idee: ich winke die Mama San zu mir, ziehe mein Telefon, suche ein Bild von IHR und sage, dass ich derjenigen einen Ladydrink ausgebe, die mir etwas über SIE erzählt.

Den Ladydrink will sich Chanda selber verdienen:
Ja, woher ich ihre Sister kenne?
Nein, ihre Sister have Problem already almost one year, not have Boyfriend
Sister stay Prey Sar

Google hilft mir auf die Sprünge: Das Prey Sar-Gefängnis, früher bekannt als S24, ist das größte von 24 kambodschanischen Gefängnissen. Es wird vom kambodschanischen Innenministerium mit Verbindungen zum Gesundheitsministerium verwaltet.

Nein, not know happens for Sister but only know Sister stay Prey Sar because Sister still call. Sometime Sister want to eat something ... buy for Sister ... clothes everything do for Sister but not have money so much.... when have money buy food for Sister can see her.

Ich bin schockiert. Wenn das wahr ist, dann steckt eine Frau mit der ich viele schöne Stunden verbracht habe, die immer lieb und gut zu mir war, die mich glücklich gemacht hat jetzt gewaltig in der Scheiße. Ich habe einmal einen Film über das Bangkok Hilton (den Knast, nicht das Hotel) gesehen und male mir aus, dass es in kambodschanischen Gefängnissen noch viel schlimmer zugehen muss. Ist es nicht meine moralische Pflicht ihr etwas Geld zukommen zu lassen, damit sie diese Hölle überlebt?

Der Abend ist für mich gelaufen. Ich tausche die WhatsApp Nummer mit Chanda aus und verspreche mich zu melden, wenn ich eine Idee habe wie ich helfen kann.

Im Hotel versuche ich mich mit viel Bier zu betäuben. Mir gehen die Geschichten durch den Kopf dass einem Bargirl keine Lüge zu dreist ist, um den Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Andererseits sind da auch die Posts auf Instagram mit dickem Goldkettchen und dem unsympathischen Boyfriend der nicht so aussah, als ob der sein Geld ehrlich oder gar mit Arbeit verdient hätte und das plötzliche Ende jeder Aktivität.

Es könnte also auch wahr sein und ich habe Angst, dass Ihr Schicksal ewiglich in meinen Gedanken spuken wird, wenn ich das Rätsel nicht aufkläre.
 
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Geld macht nicht glücklich, aber der Mangel an Geld macht extrem unglücklich.

Eigentlich führe ich ein relativ glückliches Leben. Die meisten Frauen, denen ich in Südostasien begegnet bin, hatten nicht so viel Glück in ihrem Leben. Und manchen von diesen Frauen habe ich hier und da ein wenig geholfen in ihrem unglücklichen Leben. Der eine spendet für Kinder in Afrika, ich für gefallene Mädchen in Asien ... oder indirekt an deren Kinder.

Ich denke an die Geschichten von der Villa im Issan, dem Geländewagen, dem neuesten Iphone etc, alles aus den Zuwendungen diverser Liebhaber finanziert und halte das für den Traum hunderttausender Mädchen der jedoch so selten in Erfüllung geht wie ein 6er im Lotto und selbst die Mädchen die gesponsert werden kommen so meistens mehr schlecht als recht über die Runden.

Ich habe schöne Erinnerungen an meine Zeit mit Bella und wenn sie jetzt wirklich im Knast sitzt, dann will ich ihr helfen. Zumindest ein wenig.

In meinem Hotel liegt Werbung für eine Tour zum Tuol-Sleng-Genozid-Museum (S21). Die Gräuel der Vergangenheit reizen mich nicht aber warum nicht zum Prey Sar-Gefängnis S24? Authentisches contemporary Elend fern der üblichen Touristenpfade; das klingt für mich interessant!

Ich kontaktiere Chanda. Sie sagt sie will ihrer Sister helfen und sicher meint sie damit, dass ich ihr Geld geben soll. Ich schlage stattdessen vor, Bella gemeinsam zu besuchen um ihr zu helfen. Ob sie auf diesen Vorschlag wohl eingehen wird?

Und dann geht mir noch durch den Kopf, ob sich Chanda von mir bumsen lässt? Bella hat immer großen Wert darauf gelegt dass sie als Cashier und nicht als Bargirl gearbeitet hat. Ihre Auslöse in der Bar waren 15$ und nicht 10$. Natürlich hat sie auch mein Geld niemals abgelehnt. Aber ich solle bloß nicht denken, sie sei eine Prostituierte! Ich bin neugierig, was ich über Chanda von ihr erfahren kann und was Chanda über mich von Bella gehört hat. Hat sie mich bei ihren Sisters als Boyfriend oder Freier dargestellt? Und gibt es Hemmungen mit dem Typen von der Sister zu ficken? Ich habe jedenfalls keine Hemmungen.
 
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Also mit Chanda verabredet, die im Pyjama bekleidet an unserem Treffpunkt erscheint. Ich dachte immer Pyjama trägt Mann zuhause oder im Bett aber in Kambodscha geht Frau damit tagsüber auf die Straße und ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich Chanda wirklich bumsen will.

Wir gehen zum Markt. Was es hier alles zu kaufen gibt: noch lebende Fische, tote Fische deren Vorderhälfte schon verkauft wurde, tote Hühner, Schnecken… Überall Fliegen und ich überlege mich in Kambodscha nur noch vegetarisch zu ernähren.
Auf dem Boden, halb im Straßendreck liegen aufgeschnittene und getrocknete Fische für die sich nicht nur die Fliegen interessieren, sondern die Chanda kaufen möchte. 10$ das Kilo, noch ein Paar Würste dazu, ich zahle 50$. Weiter zum nächsten Stand mit getrockneten Fleischstücken. Chanda verhandelt und die Verkäuferin klettert aufs Dach um von dort einen Korb mit Fleisch zu holen was dort oben in der Sonne dörrt. Eine weitere Schwere Tüte wird verpackt und ich zahle 40$. Dann bestehe ich noch auf eine Tüte Mandarinen, Vitamine sind wichtig!

Mit dem Tuktuk eine Stunde durch Phnom Penh. Am Stadtrand von der Hauptstraße ab auf einen Schotterweg und plötzlich ein unscheinbares Tor: Correctional Centre 2
 
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Was war passiert: Bella hatte in einer Bar als Cashier gearbeitet. Aus der Bar im Erdgeschoss, dem Hotel im Obergeschoss und Kondomen die bei einer Angestellten gefunden wurden folgte der Vorwurf der Zuhälterei und weil die von der Polizei geforderten 20.000$ nicht bezahlt werden konnten ist sie eingefahren.

Sie hätte zwar die Verantwortung auf ihren Boss schieben können, wäre aber auch dann nicht ohne Haftstrafe davon gekommen und wer kümmert sich solange um ihren Sohn? Also hat sie die Sache auf ihre Kappe genommen und ihr Boss bzw. wurde sie auch als Sister bezeichnet kümmert sich um ihn, solange sie einsitzt.
 
Es war das erste Mal in meinem Leben dass ich ein Gefängnis besucht habe und es war anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Ab 14 Uhr war Besuchszeit und es hatte sich bereits eine kleine Warteschlange gebildet. Alle hatten irgend etwas zum Essen dabei.

Dann ging das Tor auf, beim Wachposten registriert, Handy abgegeben, das Essen wurde überprüft, die mitgebrachten Kosmetika durften nicht mit hinein genommen und warteten beim Handy. Ich habe beobachtet wie die einheimischen Besucher dem Wachpersonal mehr oder weniger Diskret etwas Geld zugesteckt haben, von mir als Barang wurde das aber wohl nicht erwartet. An der Wand hing ein Plakat was alles draußen bleiben musste aber gefilzt wurde niemand.

Dann war ich auf dem Gefängnis-Gelände und wusste irgendwie nicht so recht, wo ich nun hin sollte. Einige Häftlinge (an der Kleidung zu erkennen) waren unterwegs, haben die Anlage gereinigt andere ein neues Gebäude errichtet. Irgenwie bin ich dann den anderen Besuchern zum Besucherraum gefolgt. Dort ein breiter Tisch, auf der einen Seite die Häftlinge, auf der anderen die Besucher. Essen und etwas Geld wurden übergeben, ein enger Kontakt war nicht erwünscht aber Händchen halten wurde toleriert.

Nun habe ich Bella zum ersten Mal seit 2 Jahren wieder gesehen und es hat sie sichtlich berührt, dass ich sie nicht vergessen habe ich war auch berührt, sogar die Wärterin war berührt. Bella hat abgenommen, das Essen ist wohl wirklich ein Problem.

Auf dem Rückweg hat Chanda dann noch einigen der Häftlinge die sauber gemacht haben etwas von meinem Kleingeld zugesteckt und dann mit dem Tuktuk wieder zurück in die Innenstadt.

Später sollte ich erfahren, dass der Entzug der Internet / Smartphone-Kommunikation ein ganz wesentlicher Teil des Gefängnis-Regimes ist. Smartphones sind strengstens verboten, wobei manchmal wohl eines hineingeschmuggelt wird und der Besitzer dieses dann gegen Geld verleiht. Dabei besteht allerdings die Gefahr einer erheblichen Haftverlängerung, sollte man dabei erwischt werden. Überhaupt kann man mit Geld alles im Gefängnis regeln: besserer Platz zum schlafen, bessere Dusche, besseres Essen (50$ im Monat), sogar (hetero) sexuelle Kontakte waren gegen Bezahlung möglich.
 
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Am Abend hat mich die Musik ins Ponytails gelockt wo ich dann der Cashier Dame mein Herz ausgeschüttet habe und der ich sofort die Approbation zur Psychotherapeutin erteilen würde.

Heute ist dort außerdem das Joker Game. Ich habe darüber gelesen dass es das schon im legendären Walkabaut gab und mein Interesse war geweckt.. In einer versiegelten Vitrine sind Spielkarten abgepinnt, etwa die Hälfte auf und die andere Hälfte verdeckt. Jeder Gast kann Lose zu einem Dollar kaufen. Die Hälfte davon geht in den Jackpot. Der Jackpot ist heute bei 987 $ . Für 3 Lose gibt es ein Freibier, ich rechne mir aus dass mich das Los bei meinem Durst effektiv 42 Cent kostet und decke mich ein. Die anderen Gäste auch. Alle Lose kommen in eine Trommel und wessen Los gezogen wird der darf eine Spielkarte umdrehen. Der Joker gewinnt den Jackpot, König 100$ Barguthaben, Dame 50$, Bube einen Abend Freibier, Trostpreis eine Mahlzeit im Restaurant nebenan.

Mein Los wird gezogen. Ich decke auf. Es ist der Joker!

Soll ich jetzt die 987$ einstecken und nach Hause gehen? Nein! Zum ersten Mal in meinem Leben läute ich in einer Bar die Glocke!

Ich überlege was ich machen soll. Wahrscheinlich sind noch mindestens 800$ übrig aber wozu?

Da kommt mir eine Idee und ich bitte um das Mikrofon. Die Blicke richten sich auf mich und in schlechten Englisch sage ich:

Today I visit a girl I meet four years ago in a bar same this. Visit her in Prey Sar because she had bad luck same other girl working here.

You believe in destiny?

I do. I go this bar I never go before. I play the Joker Game as I heard about in legendary old Walkabout. And I get the Joker!

Please use the money left from my jackpot to support my girl in Prey Sar, buy her food, help her with money. I leave the money in the bar and I believe of honest and solidarity of bargirls.

Tatsächlich kreischen einige Mädchen, von den männlichen Gästen erntete ich ehrlichen Applaus. Über diesen Abend wurde später noch viel im Ponytails erzählt.
 
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