Thailand bkk-gui.de - Späte Jugend und pure Lebensfreude. In Gedenken an Bernd (a.k. Pa Nuch)

norbert

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:( Nun ist es leider soweit: diese Website ist nicht mehr. Das war vorauszusehen.
Ich habe vorsorglich den meiner Meinung nach besten Inhalt abgespeichert (das "Tagebuch") und möchte ihn nun hier verewigen.
Nachdem es sich um eine sehr lange Geschichte handelt, wird dies in mehreren postings geschehen.
Und nicht vergessen: dies ist viele Jahre her...


SOI SANUG
Kapitel 1



"soi heisst Gasse und sanug naeherungsweise Spass in der thailaendischen Variante. Es handelt sich hier um die soi 13, Sukhumvit, in Bangkok, Thailand, und um das Grab meiner spaeten Jugend.

Man kann sich ja selbst eine entsprechende Uebersetzung fuer sanug heraussuchen.

Indem man das »Tagebuch« in diesem Buch liest oder einmal in die anderen Buecher der Reihe »Bangkok fuer Singles« schaut, wird man schon wissen, worum es geht, allgemein gesprochen um Lebensfreude.


Grundsaetzlich ist zu sagen, dass diese Gasse eher kein Platz ist, an dem man Touristen findet. Hier treffen sich meist die Residents, staendig in Thailand lebende Auslaender, und mit ihnen befreundete ThailaenderInnen.

Durch die Sperrstundenverordnung gehen in Bangkok spaetestens nach 02.00 Uhr nachts die Lichter aus.

Meine Lieblingswirtin hat es mit ihrer zierlichen Gestalt immer noch geschafft, die soi sanug fuer die Nachtschwaermer in Betrieb zu halten. Deswegen ist die beste Zeit hierher zu kommen nach Mitternacht, wenn man noch einen guten Platz erwischen will, und auf alle Faelle nach 02.00 Uhr, wenn sich dann jedermann eingefunden hat.


Der Vollstaendigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass vor 22.00 Uhr hier nur Strassenhaendler und Motorrad-Taxen anzutreffen sind.

Eine Anzugsordnung gibt es zwar nicht unbedingt, aber mit Abendkleid und Smoking waere man hier overdressed, denn solange man nicht Stammkunde ist, hockt man auf Plastikschemeln. Wirst du nach einer Weile als guter Gast betrachtet, dann schleppt man dir einen Stuhl mit gepolsterter Sitzflaeche heran.


Man sollte sofort bezahlen, was ich hiermit ausdruecklich empfehle. Mir ist es schon passiert, dass sich Auslaender zu mir gesetzt haben, so taten, als waeren wir alte Freunde und dann einfach ohne zu bezahlen verschwanden, denn ich bin hier einer der wenigen, der erst zum Schluss die Rechnung verlangt. Wuerde ich das nicht machen, es kaeme keine vernuenftige Unterhaltung zustande. So schnell wie die Thailaenderin meiner Wahl nachbestellt …


Es ist ein melting-pot mit einem babylonischen Sprachgewirr, aber keine Sorge, deine Sprache wird schon auch dabei sein, so sie denn gewuenscht wird.

Und es ist eine Informationsboerse, vor allem fuer die Maedels. Wir nennen das »Isaan-Stasi«, da viele der Damen aus dem Isaan, dem Niederbayern Thailands, stammen. Es sind die huebschen, die kaffeebraunen und manchmal die verrueckten.

Triffst du eine ganz Verrueckte, Gold-Behangene, dann gruesse sie von mir, es koennte die Meine sein.


So lies denn auch meine anderen Buecher aufmerksam, denn machst du einen Fehler, dann weiss es innerhalb kuerzester Zeit die ganze Meile, die Meine und ich dann uebrigens auch.


Und meine Lieblingswirtin managt diesen Platz hier, obwohl sie selbst nur Thailaendisch und Chinesisch spricht.

Sie hat meinen vollen Respekt, und wir wollen heiraten.


Aber das ist eine andere Geschichte … Doch nun zu dieser hier:


Zum 16. Geburtstag habe ich meiner Tochter ein »tolles« Geschenk gemacht – meinte ich jedenfalls: shopping in New York City. Dort gab es damals zwei stores, die sich Alice Underground nannten und second-hand- Klamotten so um die 5 US$ herum anboten. Allerdings waren wir aber auf die Ferien in Bayern angewiesen, und offensichtlich hatten andere Vaeter denselben Gedanken gehabt, nur eben frueher als ich. Alle Fluege waren ausgebucht.

Hongkong schlug ich vor, die Nathan Road.

»Papa, Asiaten schlachten Wale«.

Ja dann. Wie waere es mit Bangkok, Thailand. In der Sukhumvit kann man vortrefflich shopping gehen, wenn der Papa mit seiner Kreditkarte dabei ist. Und ausserdem: In den thailaendischen Gewaessern gibt es keine Wale, argumentierte ich mal drauf los. Stimmt doch, oder?

Mit Hilfe eines Reisebueros buchten wir Flug und Hotel.

Bereits am ersten Abend bekam ich eine Vorahnung, was es heisst, der Entertainer einer 16-jaehrige Goere zu sein, wenn die Mutter nicht dabei ist, an die man elterliche Aufgaben sinnvoll delegieren kann.

Mutter wollte eben nicht mitkommen, weil sie vorurteilsfrei festgestellt hatte: »Thailaender popeln«. Und was ist mit den Autofahrern an der Ampel bei uns?

Merke: Komm weiblichen Wesen nicht mit Fakten.


In Bangkok also schlug ich am ersten Abend meiner sichtlich gelangweilten Tochter vor, ins »Country Road II«, soi 19, Sukhumvit, zu gehen, das ich kannte, weil ich mit meiner Frau anlaesslich eines Urlaubs schon einmal da gewesen bin.

Da es keine Alternative gab, gingen wir dorthin. Toechterchen fand die country music dort aetzend, den black soda aber geil. die Band

Nach den ersten zwei Drinks erhob sie sich ermutigt, stakste mit dem kuerzesten Minirock und den laengsten Stiefeln Muenchens, und jetzt Thailands, zum Gitarristen der Band herueber, palaverte mit ihm und stakste zurueck. Vater wurde nervoes und dachte nur: »Hoffentlich schaut keiner hin«.

Die Band wechselte ihren Stil, und aus Jonny Cash wurde Jimmy Hendrix. »All Along the Watch Tower« erklang, und nicht nur Vater, der selber eine Band hat, war fassungslos. Was da abging war mega-geil. Vater war hingerissen von der performance und das Toechterchen vom Gitarristen.

Um 02.00 Uhr wurde das Lokal geschlossen.

Vater wie Tochter hatten so einige black-labels. Vater wollte ins Hotel, Tochter etwas anderes, denn ploetzlich war sie auf dem Rueckweg verschwunden: 16-jaehrig, in Bangkok, Thailand, um halb drei Uhr morgens!

Was tun? Panik? Erst einmal ein Bier trinken und nachdenken?

Inzwischen befand ich mich auf Hoehe der Ecke soi 13, Sukhumvit, wo man ein paar Tische aufgestellt hatte, an denen man die Sperrstunde Sperrstunde sein lassen konnte. Das schien mir als location strategisch guenstig zu sein, denn hier um die Ecke lag das Hotel, und Toechterchen, so ich sie denn je wiedersehen wuerde, musste hier vorbei. Ich bestellte mir das Bier.

Gerade als ich anfing, mal in Panik zu machen, was ich eigentlich nicht konnte, da ich es nie gelernt hatte, kam ein Taxi an. Der Taxifahrer mit einem riesigen goldenen Buddha um den Hals, ein schmaechtiger Thailaender, es war der Gitarrist der Band, mit arsch-langen, roetlich gefaerbten Haaren und ein verlegen laechelndes Toechterchen stiegen aus.

Wenn Vater etwas in seinem kurzen Leben gelernt hatte, dann war es, dass man Ruhe bewahren soll, vor allem in diesem Fall mal als Alleinerziehender.

Also, ich, Joe Cool hanging around street-corners, lud die Gesellschaft zu einem Bier ein. Die Buben wollten nicht, der eine musste fahren, der andere machte auf Antialkoholiker, nachts in Thailand, und Toechterchen wollte eine Standpauke vermeiden und ins Bett.

Also bedankte ich mich bei den einen und die andere begleitete ich ins Hotel aufs Hotelzimmer. Um sicher zu sein, wo sie sich aufhaelt, um den Zimmerschluessel zu behalten und um den Schreckensstress abzubauen ging ich zurueck zur Ecke soi 13, Sukhumvit. An »meinem« Tisch sassen bereits andere Leute, zu denen ich mich setzte. Auslaender und Inlaenderinnen hatten nichts dagegen. Man unterhielt sich und fand sich sympathisch.

Ueber die Jahre habe ich hier viel erlebt, vor allem was in den Bereich Lebensfreude gehoert, die die ThailaenderInnen »sanug« nennen.

Irgendwann, nach dem aufgelaufen 100. bia Singh, Singha Bier, wahrscheinlich, begann ich von der soi sanug zu sprechen.

Und da sitze ich heute noch.


Schau halt auch mal vorbei!"


 
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Nachdem ich nun grünes Licht für die weiteren postings bekommen habe (danke kelle), kann es nun losgehen. In den kommenden Wochen (ja, es ist sehr viel) werde ich täglich einen Beitrag hier reinstellen. Viel Spass mit der Lektüre.


SOI SANUG
Kapitel 2

Tagebuch
**********



Die Koffer sind gepackt, der Laptop ist samt Zubehoer als Handgepaeck verstaut und Pass, Reiseschecks sowie Ticket haengen mir in einer Brusttasche am Hals. Bevor es zur letzten Kontrolle vor dem Verlassen der Wohnung geht, bringe ich die grossen Stuecke schon mal im Flur unter.

Als ich zurueck in mein Zimmer will, erscheinen meine beiden chinesischen Untermieter schon fertig angezogen und schnappen sich Koffer und Laptop-Tasche. Es sei ihnen eine grosse Ehre, mich zur U-Bahn-Station bringen zu koennen. Es hilft kein Widerspruch. Sie sind mit den Sachen schon vor der Wohnungstuer im Treppenhaus. Resigniert finde ich, dass es schon egal sei. Bis jetzt hatte ich noch immer etwas vergessen, und es war auch so gegangen, denke ich, obwohl ich mir wie jedes Mal ziemlich sicher bin, dass es nicht schon wieder so sein werde.

Vor der U-Bahn-Station Lehel legen »meine« Chinesen die flache rechte Hand vor ihrer Brust auf die geballte linke Faust und verbeugten sich artig.

Als ich endlich in der S8 zum Flughafen sitze, wird meine frohe Erwartung von dem Gedanken abgeloest, dass jetzt nichts mehr schief gehen duerfe, denn der »point of no return« ist ueberschritten: Es gibt kein Zurueck mehr. Alles befindet sich im Koffer bzw. in der Laptop-Tasche, und wenn ich etwas vergessen habe, kann ich es in Bangkok kaufen. Devisen habe ich ja genug und dazu meine Kreditkarte. Ein heisser Schreck durchfaehrt mich: Und wo war die?

… zusammen mit den vielen anderen nuetzlichen Dingen, die man auf einer Reise brauchen kann, wie z.B. das Notfall-Kondom, in meiner Guerteltasche. Und die liegt noch auf dem Bett in meinem Zimmer.

Es muss also ohne das gehen, beruhige ich mich wieder.

Beim Einchecken am Flughafen versichert mir die nette junge Dame von den »Emirates«, dass die Plaetze auf beiden Fluegen wunschgemaess »im Gang« reserviert seien.

Wie das Leben so spielt, habe ich einen Fensterplatz reserviert bekommen. Der Muselmane neben mir weigert sich, den Platz zu tauschen und schlaeft sofort ein, um von den Jungfrauen zu traeumen, die er im Jenseits bekommen wuerde, falls er den Mumm haette, sich und uns in die Luft zu sprengen.


Dieser Traum dauert sechs Stunden lang, und ich kann mich ebenso lang nicht von meinem Platz wegbewegen, was einen klaustrophoben Schub nach dem anderen ausloest. Schweissgebadet komme ich in Dubai an, um sofort nach dem Passieren der Immigration auf die Toilette zu gehen. Diese Idee haben aber auch alle Schwarzafrikaner und Araber.

Warum die das Pissoir nicht benutzen wird eins der vielen Raetsel bleiben, die ich vor meinem Ableben sicher nicht loesen werde, wie etwa das, warum auf einem Tandem der Mann immer vorne sitzt, oder warum ich nur linke Socken besitze.

Der Flughafen von Dubai platzt an diesem Tag aus allen Naehten, was meiner Klaustrophobie sehr entgegenkommt. Ueberall sind Menschen. Wie schon Linus von den »peanuts« gesagt hat: »I love mankind but it's people I can't stand«, empfinde ich das hier ebenso, denn zurzeit bin nur an einer Menschin interessiert, die sehnsuechtig auf mich wartet.

Na, zum Glueck, kann ich am lap-top arbeiten. Staendig ertoent es auf Arabisch ueber die Lautsprecher: »Rrrechnerrr an!«


Ab Dubai habe ich dann einen Platz »at the aisle«. Sogar der Sitz neben mir bleibt frei. Ohne Beengungsaengste kann ich mich meinem liebsten Tagtraum hingeben, naemlich mich auf die Thailaenderin meiner Wahl freuen.Souvarnabhoumi

Nun habe ich ja vorgehabt, sie schon vom Flughafen aus anzurufen, um das »gemeinsame Duschen« mit ihr zu arrangieren, aber die Telefongesellschaft AIS hat rechtzeitig zum Eintreffen in Thailand meine Handy-Nummer ge-»cancelt«.

Am Flughafen geht sonst alles reibungslos vonstatten. Die Immigration ist gut besetzt, so dass ich sofort abgefertigt werde, mein Koffer steht nach ein paar Minuten auf dem Band und ein Taxi erwartet mich schon auf der »departure«-Ebene.


Das ist uebrigens eine Empfehlung von mir: Solange es die taxi-lanes im Untergeschoss gibt, an denen es ein unuebersichtliches Gedraenge geben kann, fahre ich gleich in die Abflughalle hoch. Vor ihr kommen die Taxen mit den abfliegenden Passagieren an. Die Fahrer sind heilfroh, wenn sie gleich einen neuen Gast aufgabeln koennen. Wichtig ist nur, dass du sicherstellst, dass das Taxameter eingeschaltet wird: »Do you go by meter?«

Zwar bekomme ich im Hotel meine Monate vorher bestellte Zimmernummer nicht – wer ist schon kleinlich? – aber die Dame an der Rezeption ruft netterweise die Thailaenderin meiner Wahl an. Diese teilt mir aufgeraeumt mit, sie koenne sowieso nicht kommen, da sie auf einer kurzfristig anberaumten Geburtstagsparty sei, naemlich auf ihrer eigenen, obwohl dieses Ereignis schon vor Monaten gewesen ist. So viel zum Thema »Sehnsucht«.

Sie freue sich aber schon, wenn ich vorbeikaeme und ihr das Geschenk mitbraechte. Auf Thai-Englisch meint sie: »I need present«.


Das gemeinsame Duschen faellt somit recht einsam aus. Weil Montag ist ziehe ich mir zu Ehren des thailaendischen Koenigs das gelbe T-Shirt an und mache mich mit dem Geburtstagsgeschenk, das ich natürlich nicht vergessen habe und das aus einem Gutschein besteht, auf den Weg zu ihr.

Da ich nach dieser relativen Enttaeuschung nicht die Absicht habe, mich gross zu beeilen, gehe ich zu Fuss und verschmaehe die Angebote der Taxifahrer. Unterwegs treffe ich meinen Freund, den Schweizer, den ich ja auch nicht habe anrufen koennen. Wir begruessen uns freundschaftlich und beschliessen, erst einmal unsere Pensionskassen hochleben zu lassen.

Er fragt, was die Meine so mache. Das erzaehle ich ihm, und was sie so mit mir angestellt hat. Also kommen wir zweitens ueberein, gemeinsam auf diese Party zu gehen, um uns drittens gleich wieder abzuseilen, schliesslich gibt es ueber drei Milliarden Weiber auf dieser Welt und davon etliche und dazu noch recht attraktive in Bangkok, Thailand.


Die Thailaenderin meiner Wahl sackt das Geschenk ein, ohne sich gross zu bedanken, und riecht den Braten. Sie laesst ab sofort ihre »Pensionskasse« nicht mehr aus den Augen, so dass wir uns als es an der Zeit ist zu dritt im Taxi zur soi sanug, soi 13, Ecke Sukhumvit, begeben. Meine Lieblingswirtin scheint schon auf mich, bzw. uns, gewartet zu haben und schleppt gepolsterte Stuehle herbei. Meine Lieblingsbedienung kommt Freude strahlend auf mich zu und mit einem beherzten Griff in mein »Bermuda-Dreieck« stellt sie amuesiert fest, dass guai lek lek, also der »kleine Kerl« nicht vergessen wurde.

Spaeter gesellt sich »amigo Juan«, der Spanier, zu uns, »khon John«, der Amerikaner, laesst sich blicken, Louis, der Schweizer Philosoph, nimmt am Nebentisch Platz, Chalee (Charly), ein Thailaender, der immer noch nicht weiss, ob er nun Bub oder Madel ist, obwohl er bereits Vater ist, setzt sich neben mich. »Him or her« nennt ihn die Thailaenderin meiner Wahl. nong saao, die juengere Schwester der Meinen, die sie vergeblich zu verkuppeln versucht, erscheint ebenso wie jede Menge Thailaenderinnen, die mitbekommen haben, welch attraktiver farang wieder da ist.

Ein Strassensaenger, den ich schon laenger kenne, performt fuer ein paar Baht Songs von Sek Loso, die alte Blumenhaendlerin maak, ein pflanzliches Rauschgift kauend, verkauft den Damen Jasmin-Halsketten. Der indische Nussverkaeufer hat seinen Preis zwar nicht geaendert, aber die Portion drastisch reduziert. Das BBQ vom Strassenstand wird ab jetzt mit einer Chili-Sauce serviert.

Der Bau des Hotels auf der Ambassador-Plaza ist offensichtlich eingestellt, was den Dengue-Fieber- Muecken neuen Lebensraum verschafft, weil ueber kurz oder lang das schon vorhandenen Parkgeschoss ueberflutet sein wird.

Nun ist ab sofort diese Welt wieder meine Welt.



Kurz nach dem Morgengrauen, so gegen 15.30 Uhr klopft das Personal an die Zimmertuer: »wan nii tam hong mai khaa«.

»Soll das Zimmer gemacht werden?«

»wan nii mai tam khrap«, »nein«, kraechze ich schlaftrunken und noch reichlich alkoholisiert. Die Thailaenderin meiner Wahl seufzt wohlig und dreht sich noch einmal um - zum Glueck in meine Richtung.

»First things first«, denke ich zwar, aber alles zu seiner Zeit.

Nach dem gemeinsamen Duschen usw. bekommt das Maedchen Appetit, den sie bis dahin hat verdraengten muessen: »hiu khao«, »Ich habe Hunger«.

Dem leichten Grollen ihrer Stimme entnehme ich, dass es jetzt dafuer hoechste Zeit ist. So gegen 17.00 Uhr verlassen wir also das Zimmer.

»Good morning«, rufen uns die Zimmermaedchen froehlich im Chor zu. Ein ab jetzt alltaegliches Ritual.


Es wird allerdings kein »guter Morgen« werden, wenn die Thailaenderin meiner Wahl nicht bald etwas zu essen bekommt. Also kaufe ich bei einem Strassenhaendler vor dem Hotel ma muang priao, unreife Mango, die sehr sauer schmeckt und mit einer Mischung aus Chili, Zucker und Salz verzehrt wird. Vorerst ist die hungrige Siam- KatzeBiergarten abgefuettert.


Zum Essen gehen wir – wie von nun an fast jeden Tag – in den Biergarten, soi 7, Sukhumvit. Sie bestellt laab muu, gebratenes Schweinehackfleisch, das mit viel Zitronensaft abgeschmeckt wird und ich radna gung, breite Nudeln mit Shrimps in einer dicken Sauce, die ich mit reichlich Zucker, Limonensaft, Fischsauce und Chilipulver vollende.


»khun baa« meint sie bewundernd, »du bist verrueckt«, und ich antworte: »tuk khon ruu«, »das weiss doch jeder«.

»chai«, »So isses«, meint sie lakonisch.

Waehrend wir auf das Essen warten, erzaehlt sie mir den letzten und vorletzten Klatsch.

»Siehst du das Maedchen dort drueben an der Bar, die mit dem roten Rock? Die kommt hier seit Jahren jeden Nachmittag her, um einen farang fuer eine short-time zu finden. Am Abend geht sie dann nach Hause zu ihrer Familie, und diese denkt, dass sie von ihrer Arbeit kommt«.

»Woher weisst du das denn?«

»Ich kenne sie eben«, laechelt sie mich an, »Und ausserdem ist sie nicht so sexy wie die anderen Ladies gekleidet, wie man ins Buero geht halt«.

»Man weiss ja nie«, denke ich und merke mir schon mal das Gesicht des Maedchens, das so strebsam ist.

Nach dem vorzueglichen thailaendischen Essen verabschieden wir uns. Sie geht in ihr Appartement, wo sie ganz wichtige Dinge zu erledigen hat, und ich schleiche mich in Richtung Hotel, wo nicht weniger Wichtiges auf mich wartet, naemlich im Zweifelsfall ein Nickerchen, um meinen jet-lag abzubauen.


»Soll ich mal nachpruefen, ob das Maedchen mit dem roten Rock wirklich auf einen farang wartet?« denke ich noch so vor mich, verwerfe aber den Gedanken wieder. Was waere, wenn sie mich erwischen wuerde, nicht sie, sondern die andere, meine Nachmittags- Gastarbeiterin, der ich auch versprochen hatte, sie gleich nach meiner Ankunft in Thailand anzurufen?


So besinne ich mich denn auf mein Alter, denn eine eigenartig moralisierende Provinz-Ossi-Tante hatte einmal gemeint, ich solle mich altersgerecht verhalten, was ich allerdings mental unter der Kategorie »Schwachsinn« abgelegt habe.


So gehe ich denn zunaechst etwas einkaufen, dann in ein Internet-Cafe, um meine Emails zu checken, in der Hoffnung, dass du mir geschrieben hast und letztlich ins Hotel, um ein wenig an meinem Literatur-Nobelpreis zu arbeiten. Fuer eine short-time oder einen Bar-Besuch bleibt noch genug Zeit.


Spaeter ruft dann mein Schweizer Freund im Hotel an. Seine thailaendische Frau komme heute Abend nach Bangkok, aber es sei noch genug Zeit, die Pensionskassen hochleben zu lassen. Wir treffen uns in der Magic-Table-Bar, soi 7/1, Sukhumvit, in der wirklich ganz arme Maedchen tanzen, denn sie haben kein Hoeschen unterm Roeckchen. Wir ignorieren das geflissentlich. Man kann ja nicht jede Not lindern und diskutieren die aktuelle politische Situation in Thailand, Deutschland und natuerlich auch in der Schweiz.

Eine anatomische Besonderheit registrieren wird dann doch: »hoi mai mii moi«, »die Mueschelchen haben keine Haerchen«.

Wahrscheinlich ist es ein Isaan-Rasse-Merkmal, vermuten wir, und da wir keine Rassisten sind, gefaellt uns das, und wir spendieren den Maedchen Drinks, und ich persoenlich hoffe, dass ich mich damit ausreichend altersgerecht verhalten habe.

Wir prosten uns zu und freuen uns, dass wir das noch erleben duerfen.
 
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SOI SANUG
Kapitel 3


Um Mitternacht treffen wir unsere Damen in der soi sanug.


Streunende Hunde versuchen, ihre Population aufrecht zu erhalten, Elefanten wollen von uns gefuettert werden, Kakerlaken erinnern uns daran, dass Djin Djum sie die naechste Welt-Katastrophe ueberleben werden und Ratten, die dasselbe vorhaben, huschen unter den Tischen vorbei.

Uns ist das Wurscht, »mai pen rai«, und wir erfreuen uns am Lachen der Maedels, am leider nicht schaeumenden Singha-Bier, am djin djum, einer Art Fondue, das am Tisch zubereitet wird und an Freunden, die wir heute Nacht noch treffen werden.


Meine Lieblingswirtin laeuft wieder einmal barfuss durch die Gegend. Das weckt die ritterliche Hilfsbereitschaft in mir. Relativ ernsthaft weise ich sie daraufhin, dass das hier in der soi sanug sehr gefaehrlich sei, schliesslich gibt es immer mal wieder zerbrochenes Glas. Sie aber winkt nur laessig ab.

Wenn schon ritterlich, dann will ich aber auch erfolgreich sein. »mii rong thao luuk saao phom«, »Ich habe Schuhe meiner Tochter«, drohe ich, wobei ich so tue, als habe ich sie wirklich schon auf dem Hotelzimmer fuer sie bereit liegen.


Sie kennt meine Tochter und konnte bereits ihre Stoeckelschuhe bemerken, fuer die man einen Waffenschein benoetigt. So dauert es nicht lange, und sie zieht sich Schuhe an, die sie mir erfolgreich laechelnd mit ausgestrecktem Fuss praesentiert. Es sind so rosarote Daisy-Duck- Plastik-Ungetueme, die zurzeit angesagt sind.

Dann solle sie lieber barfuss rumlaufen, denke ich mir, laechle aber befriedigt und dankbar zurueck.


Es wird Zeit, dass ich mich um meine gesperrte Handy-Nummer kuemmere. Die Thailaenderin meiner Wahl schlaegt vor, dass sie mir dabei helfen koenne, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das auch allein hinbringe.


Nach dem »Fruehstueck«, also so gegen 17.00 Uhr, wie wir jetzt schon wissen, mache ich mich auf den Weg in die soi 25, Sukhumvit, wo ich vor etwa fuenf Jahren die AIS- Geschaeftsstelle besucht hatte.

Als ich durch die Soi Cowboy schlendere bleibe ich stark wie Odysseus und gebe nicht den Sirenen-Rufen der kurzberockten und hochbestiefelten Schoenheiten nach, die mir eine happy-hour versprechen.

In der soi 25 finde ich ein Bank-Institut vor. Niemand kennt hier die neue AIS-Adresse.


Was soll ich jetzt machen? Die Thailaenderin meiner Wahl kann ich nicht anrufen, ebenso wenig wie die Nachmittags- Gastarbeiterin. Also gehe ich zurueck ins Hotel, um meine Arbeit am Literatur-Nobelpreis wieder aufzunehmen.

Dort sitzt aber vor dem Restaurant mein Schweizer Freund mit seiner thailaendischen Frau, die er schon mindestens siebenmal nach buddhistischem Ritus hat heiraten muessen. So sagt er jedenfalls. Thailaender feiern nun mal gerne.

Er raucht hier seine letzte Zigarette vor der Abfahrt. Im Restaurant ist es ja zwischenzeitlich verboten. Er wolle bzw. muesse zurueck zu seinem Haus im Isaan. Und thailaendische Ehefrauen kontrollieren nun mal gerne, denke ich mal.

Wir lassen die Pensionskassen wieder hochleben, versprechen, uns vor meinem Abflug noch einmal in Bangkok zu treffen und sagen: »laeo popkan mai«, »Bis wir uns wieder treffen«.


Da es jetzt schon nach 19.00 Uhr ist, beschliesse ich, nochmals in die Magic-Table-Bar zu gehen, um dort die Anzugsordnung zu ueberpruefen. Eins der Maedchen von neulich erkennt mich wieder, springt vom verspiegelten Tisch herunter, um mich zu ihrem Tanzbereich zu geleiten. Ich bestelle fuer mich ein Singha-Bier, das auch hier nicht schaeumen wird, und fuer das arme Maedchen, das ihren »table-dance« wieder aufgenommen hat, einen lady-drink. Als ich mein Glas ergreife, um ihr zuzuprosten, muss ich in der Spiegel-Oberflaeche des Tisches feststellen, dass es der Etablissements- Leitung immer noch nicht moeglich gewesen ist, die Daemchen ausreichend zu bekleiden. Diesen scheint das aber wenig auszumachen, sie versuchen den Rhythmus der ohrenbetaeubenden Disco- Musik zu halten und wedeln mit ihren allzu kurzen Roeckchen.


Meine Taenzerin hockt sich vor mich hin, um ihren Drink zu ergreifen, und bevor ich erblinde stecke ich ihr etwas Geld in den noch schicklichen Bereich ihres Netzstrumpfes. Sie scheint das zu erfreuen und nimmt einen Schluck aus dem Glas und das Wedeln mit ihren Roeckchen, dem vorn fehlt, was hinten zu kurz ist, in einer erhoehten Frequenz wieder auf.

Da ich die Kleiderordnung doch nicht werde loesen koennen, und als die Zeit fortgeschritten ist, begebe ich mich in die soi sanug. Es dauert nicht lange und die Thailaenderin meiner Wahl erscheint mit ihrer nong saao, was juengere Schwester bedeutet und ganz sicher nicht stimmt.


In ihrem Dorf im Isaan ist jeder mit jedem verwandt und zusammen aufgewachsen. Es handelt sich also vermutlich um eine Cousine. Die Damen laecheln mich aufmunternd an und bestellen selbststaendig einen set, der aus Sang Som - »Whisky«, Soda-Wasser und einem Plastik- Eimer mit Eiswuerfeln besteht.


Die Bedienung bringt die Getraenke, kontrolliert beherzten Griffes mein Bermuda-Dreieck und ist es zufrieden, denn sie weiss, dass ihr ein Trinkgeld sicher sein wird.

Die Thailaenderin meiner Wahl ergreift zwischenzeitlich den Whisky, klopft kraeftig auf den Glasboden und oeffnet die Flasche mit einem gekonnten Dreh. Den ersten Schluck giesst sie als unvermeidliches Ritual auf den Strassenbelag. Der ist fuer die Geister, wie ich inzwischen weiss und wundere mich nicht mehr darueber.

Wohl wundere ich mich aber, dass sie beginnt, auf das juengere Maedchen einzureden, eindringlich, ermahnend, belehrend. Da sie die kambodianische Sprache benutzt, die ich nicht verstehe, moechte ich doch gern wissen, was sie da so mitzuteilen hat.


Nun, die nong saao hat ihren thailaendischen Ehemann verlassen und moechte jetzt einen farang heiraten. Aus diesem Grund sei sie nach Bangkok gekommen, um eben einen solchen zwecks Sicherung ihres Lebensabends und der finanziellen Unterstuetzung ihrer Familie zu treffen, und sie, als pii saao, aeltere Schwester, versuche nun, sie ueber die Eigenarten der Auslaender zu informieren, teilt mir die Thailaenderin meiner Wahl mit, die ja Expertin sein muss, da sie schon zweimal mit einem farang verheiratet war. Mich will sie allerdings nicht, weil ihr gescheiter Sohn gesagt hat: »no more papa«.

Sie nimmt die »Aufklaerung« wieder auf und beginnt irgendetwas unter Zuhilfenahme ihrer zierlichen Finger aufzuzaehlen. Nach einer Weile, als ihr die Finger auszugehen scheinen, wendet sie sich an mich und fragt irgendwie fassungslos: »Why have farang so many styles?«


Es scheint sich also um die Aufzaehlung der gaengigsten Obsessionen der farang gehandelt zu haben, und ich meine dazu nur lakonisch, das koenne daran liegen, dass wir auch viele Bier-, Wurst-, Kaese- und Brot-Sorten kennen. Ihrem Blick entnehme ich, dass sie mich fuer verrueckt haelt, und dass sie der nong saao mit einem Mal etwas ganz anderes mitzuteilen hat.


Sie wendet sich auf kambodianisch wieder der »Schwester« zu und erzaehlt und erzaehlt, wobei die Damen mich immer wieder fixieren. Der Blick der nong saao wird immer erstaunter, unglaeubiger, fassungsloser.

Der Bericht erregt auch die Aufmerksamkeit der an den Nachbartischen sitzenden Daemchen zumindest derer, die Kambodianisch verstehen, und die ruecken naeher an uns heran, um auch ja nichts zu verpassen. Auch meine Nachmittags- Gastarbeiterin, die offensichtlich mal kontrollieren will, wo ich denn so lange bleibe, gesellt sich dazu. Die meisten der Damen schauen mich erstaunt, unglaeubig, fassungslos an, doch einige auch eher interessiert. Diese Gesichter muss ich mir merken.

Sie redet offensichtlich ueber mich und meine Vorlieben. Wie auf dem Praesentierteller komme ich mir vor, und zwar nackt und bloss, aber in meinem Alter erroetet man nicht mehr. Ich beende den Unterricht und erklaere mein Hotelzimmer zum Hoersaal, denn ich habe Paedagogik studiert. Dort koenne die Unterweisung an praktischen Beispielen fortgesetzt werden.


Die Thailaenderin meiner Wahl versucht mich zu killen, die Thailaenderinnen um uns herum zeigen dafuer Verstaendnis und meine Nachmittags- Gastarbeiterin laechelt wissend.

Die anderen Damen trollen sich wieder, und ich beginne mit den Friedensverhandlungen, indem ich verspreche, den Gutschein, den sie als Geburtstagsgeschenk bekommen hat, in der soi 10, Sukhumvit, wo sich der Goldschmied befindet, moeglichst bald einzuloesen. Dafuer muesse sie mir versprechen, nicht mehr allen alles ueber mich zu erzaehlen, denn schliesslich habe ich ihr noch gar nicht die ganze Vielfalt meiner Obsessionen offenbart.

Der Hoersaal bleibe fuer sie geoeffnet.



»ruu laeo«, ruft sie erfreut, klatscht in ihre Patschhaendchen und hopst wie ein Floh auf dem Bett herum. Der Anblick gefaellt mir, denn ihre Kleiderordnung ist noch spaerlicher als die der Maedels in der bewussten Bar. Aber eigentlich ist es mir eher peinlich, zugeben zu muessen, dass ich die Sache mit dem »mobile«, nicht habe erledigen koennen.

»Ich habe es gewusst«, freut sie sich wie ein Lausbub, na, ja, Lausemadl.

Nachdem mittlerweile ganz Bangkok meine Obsessionen kennt, wird sie heute noch eins draufsetzen koennen, indem sie verkuendet, dass ich ohne sie verloren sei.

Als die Dinge, die zunaechst von Erwachsenen getan werden muessen, abgehandelt sind, machen wir uns am spaeten Nachmittag auf, AIS in der »Central Plaza« aufzusuchen.


Sie sagt immer noch »World Trade Center«, obwohl dieser Name schon vor Jahren, als der »Djordj Dabbljuh Bush« in Bangkok war, in »Central Plaza« geaendert worden ist.

Wir nehmen den skytrain, Bangkoks moderne Hochbahn. Nachdem die Oeffentlichkeit zunaechst die Befuerchtung hatte, dass dieses Befoerderungssystem nicht angenommen werden wuerde, koennen die Betreiber sich mittlerweile bestimmt nicht beschweren, denn obwohl alle paar Minuten ein Zug kommt, sind die Wagons staendig ziemlich ueberfuellt.

Um uns die Zeit zu vertreiben, machen wir mit den verschiedenen Sprachen so unsere Spaesschen.

»satanii too pai«, »next station«, erklingt es ueber die Lautsprecher im Zug. Da die Thailaender Konsonanten fuer meine Ohren kaum deutlich aussprechen, meine ich, ich verstehe eigentlich »satanii trong pai«, denn schliesslich fahre der Zug ja nur »trong pai«, geradeaus.

Ihr Blick nimmt wieder den »khun baa«-Ausdruck an. »Du bist verrueckt«, heisst das. Doch dann ertoent: »satanii too pai Chit Lom«, wo wir aussteigen muessen.

»Shit and lom (Wind) come togesser«, sinniert sie. »krai baa«, »Wer ist jetzt verrueckt?«


Wir finden AIS und kommen erfreulicherweise sofort dran. Meine alte Nummer koenne wahrscheinlich nicht mehr aktiviert werden: Ich muesse warten. Zur Verdeutlichung uebersetzt es mir die Thailaenderin meiner Wahl ins Englische: »fei dae-i«, sagt sie. Ich zeige mich erfreut, dass es so kurzfristig geht.

»prung nii wan suk«, »Tomorrow is Friday«.

»mai chai: fei dae-i«, erklaert sie mir stirnrunzelnd ob meiner schwachen Englischkenntnisse. »Nicht doch, fei dae-i«, verdeutlich sie und zeigt mir fuenf Finger. Na, wenigstens ist es nicht nur der Mittelfinger.

»kao djai: fei dae-i«, »Ich verstehe: five days«.


Mir wird klar, dass es mit der alten Nummer nichts werden wird. Also kaufe ich eine neue SIM-card, was preislich gesehen eigentlich nicht der Rede wert ist. Die Thailaenderin meiner Wahl kommt Gott-sei-Dank auf die Idee, die Daten der alten Karte auf die neue uebertragen zu lassen. Sie ist doch gescheit, »chalat laeo«.

Die freundliche Dame von AIS bitte ich, das Telefonbuch sorgfaeltig zu uebertragen, es beinhalte schliesslich die Nummer meiner mia noi, Gastarbeiterinnen.

Die Thailaenderin meiner Wahl tritt mich vors Schienbein und die AIS-Dame zeigt sich verstaendnisvoll, sowohl mir als auch ihr gegenueber.


Nachdem das geklaert ist, nehmen wir wieder den skytrain und verabschieden uns, um wichtige Dinge zu erledigen. Sie steigt in Ploenchit aus und ich fahre weiter zur Nana-station. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Biergarten, soi 7, Sukhumvit. Dort hoffe ich, meine Nachmittags- Gastarbeiterin zu finden. Endlich kann ich sie ja anrufen und so im Gewimmel dort leichter finden. Ich erreiche sie auch mit der neuen Handy- Nummer, aber sie koenne mich nicht treffen, teilt sie mir mit. Offensichtlich freut sie sich aber ueber die Kontaktaufnahme, und laesst einen ziemlichen Wortschwall ueber mich ergehen, von dem ich nichts verstehe. Abschliessend meine ich nur, dass ich sie MorgenFoodland wieder anrufen werde und beende das Gespraech eher abrupt, was in Thailand so ueblich zu sein scheint, weil man eben keine weiteren Grussformeln austauscht.

Es folgt das Uebliche: Noetiges und Unnoetiges einkaufen im Robinson, einen Happen essen im Foodland, ein wenig Matratzenpflege, die koeniglichen Nachrichten im Fernsehen verfolgen, am Nobelpreis arbeiten.


Gegen Mitternacht mache ich mich dann wieder auf zur soi sanug. Da ich gestern einem ziemlichen Rufmord ausgesetzt gewesen bin, ziehe ich mir ein neues T-shirt an, das ich selbst »designed« habe. »gae tae ruai« steht in Thai-Skript darauf, »ziemlich alt aber reich«, was mich hoffentlich erneut unwiderstehlich werden laesst.

Und wirklich, alle Maedchen, die ich auf den wenigen Metern zur soi 13, Sukhumvit, treffe, wollen mich auf der Stelle heiraten, oder etwas Aehnliches mit mir veranstalten. Wahrscheinlich haben sich auch meine Obsessionen inzwischen herumgesprochen, und die Daemchen haben Interesse an ihnen gefunden.


Die Thailaenderin meiner Wahl erscheint, im Schlepptau ihre nong saao. Man hat also vor, den Unterricht weiter zu fuehren. Fuer den T-Shirt- Spruch zeigt sie erstaunlicherweise Verstaendnis, laechelt sogar und zeigt mit ausgestreckter Hand in Richtung soi 10, wo der Goldschmied offensichtlich schon auf sie wartet.

Der Alltag, eigentlich muss es, was es mich betrifft, »Allnacht« heissen, hat mich wieder. Freunde, Ladies, Strassensaenger, Elefantentreiber, Bettler, Blumen- und Nussverkaeufer erscheinen und schleichen sich wieder. Ein ganz zuversichtlicher Strassenhaendler versucht, uns um vier Uhr morgens Haengematten anzudrehen. Als kurz vor dem Morgengrauen die Moenche erscheinen, zieht man uns die Stuehle unter den Hintern weg.

Wir zahlen. Die Bedienung bekommt ihr Trinkgeld, und wir wissen warum. »prung nii mai maa«, »Morgen kommen wir nicht«, erklaert sie abschliessend.

Ach, ja, es sind ja Senats- Wahlen, da darf zwei Tage bzw. Naechte lang kein Alkohol verkauft werden.


heng suuai, So ein Mist aber auch.
 
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SOI SANUG
Kapitel 4


Wir entscheiden uns, heute doch einmal das Zimmer machen zu lassen, und verlassen zu einer gottesfuerchterlichen Zeit, so gegen 3 Uhr nachmittags, das Gemach, nicht ohne vorher das erledigt zu haben, wovor die MoralistInnen uns und dich schon immer eindringlich gewarnt haben.

Moral ist das mentale Kondom der Ignoranten und Intoleranten, denke ich mal und pfeife darauf, mich altersgerecht zu verhalten.

Jedenfalls laechelt mich die Thailaenderin meiner Wahl an und teilt mir ihren Beschluss mit, heute im Robinson essen zu gehen. Der Grund liegt darin, dass sie ihrer Familie Geld zukommen lassen muss, und im Robinson gibt es eben einen Schalter der »Western Union«.

In der Nacht hatte man an ihrem Haus die Wasserpumpe geklaut. Eine so aehnliche Story hatte ich zwar schon einmal gehoert, aber ich strecke ihr das Geld vor. »I borrow you«, hatte sie mich nach dem Essen angefleht. Zwar versuche ich, ihr zu erklaeren, dass ihr Englisch nicht so ganz richtig sei, aber kaum hat sie das Geld in der Hand, ist ihr Lernwille lahmgelegt.

Wir verabschieden uns nach dem Bankgeschaeft. Sie nimmt ein Motorradtaxi, um in ihr »Appartement« zu fahren, und ich habe Zeit, mich um die Nachmittags- Gastarbeiterin zu kuemmern.


Die habe ich vor Jahren im Freundeskreis der Thailaenderin meiner Wahl kennengelernt, und weil sie so erfrischend anders ist als die Meine, treffen wir uns bisweilen zu einem gemeinsamen Drink, gemeinsamen Essen und/ oder gemeinsamen Rudiralala. Sie benoetigt staendig Geld. »mai mii tang«, »Ich habe kein Geld«, begruesst sie mich dann auch, als wir uns im »Gulliver's Tavern«, soi 5, Sukhumvit, zu einem Drink treffen.


Nun ist ja meine Gutmuetigkeit fast sprichwoertlich. Wir bestellen unsere Getraenke, und ich schlage vor, wegen einer Gelduebergabe nachher ins PB-Hotel zu gehen, auch um sich dort das TV-Programm anzusehen. Sie liebt naemlich »gatuhn«, cartoons. So stimmt sie also freudig zu. PB steht uebrigens fuer Playboy, und das hat schon seinen Grund.

Wegen der Einbahnstrassen- Situation in diesem Stadtteil, und auch weil es nicht weit bis zur soi 3 ist, schlendern wir zu Fuss zum Hotel rueber. Von dem Long-Drink, den sie im Gulliver's getrunken hat, ist sie ein wenig beschwipst und erzaehlt mir fast ohne Luft zu holen, was sie so in den letzten Monaten erlebt hat. Zwar verstehe ich kaum ein Wort, aber der Gedanke, ihr irgendwie den Mund zu stopfen, manifestiert sich in meinen Gehirnwindungen,

Vor dem Hotel empfaengt uns ein schlampig uniformierter Kerl, erleichtert mich um 310 Baht und oeffnet die Hotelzimmertuer. Das Zimmer ist neu gestrichen, und so riecht es auch. Meine Nachmittags- Gastarbeiterin will sich beschweren, aber der Uniformierte kuemmert sich schon um das naechste Paerchen.

»mai pen rai«, sage ich standardmaessig. »Das macht doch nichts«, und ich suche schon mal den Cartoon- Kanal im Fernseher. Sie ist inzwischen im Badezimmer verschwunden, und bald darauf hoere ich das Geraeusch des Duschwassers.

»maa nii«, »Komm schon her«, ruft sie lachend nach mir, dem Schuechternen, und ich bin wie immer erstaunt ueber den Hygienestandard in Thailand. Gehorsam wie ich bin klettere ich zu ihr in die Wanne, und sie beginnt sofort, mich einzuseifen, wobei sie eine erstaunliche Detailkenntnis zeigt. Nun, ja, sie hat schliesslich drei SoPB-Hotelehne mit wahrscheinlich entsprechend vielen Vaetern. Ich helfe ihr auch mit der Seife.


Nach dem Duschen schalte ich erst einmal die Air-Kondition, die auf arktische Temperaturen eingestellt ist, aus. Mir ist es schon peinlich, so ohne Handtuch durch das Zimmer zu laufen, denn ueberall an den Waenden und an der Decke sind ueberdimensionale Spiegel montiert, und mein derzeitig relatives Uebergewicht ist nun mal kein erfreulicher Anblick. Wohl aber ist es die Nachmittags- Gastarbeiterin. Sie ist inzwischen auf einen mit braunem Leder gepolsterten Stuhl geklettert, der auch in einer gynaekologischen Arztpraxis stehen koennte, wohl um besser ihre »gatuhn« sehen zu koennen. Das nehme ich amuesiert zur Kenntnis. Wenigstens plappert sie jetzt nicht mehr. Wir erfreuen uns am internationalen Erfahrungsaustausch und geniessen das Fernsehprogramm.

Nach etwa zwei Stunden gibt es dann wieder das gemeinsame Duschen, und wir verabschieden uns spaeter noch vor dem Hotel nicht ohne uns versprochen zu haben, mal wieder gemeinsam einen Drink im Gulliver's zu nehmen.

Im Hotel ziehe ich mich um. Da ich wieder allein bin, waehle ich das T-Shirt, auf das ich in Thai-Skript gedruckt habe: »arom sia mai mii mia«. Das ist die Abwandlung einer Textzeile eines bekannten Songs. »Ich bin schlechter Stimmung, weil ich kein Weib habe«, habe ich daraus gemacht.


Als ich zur soi sanug rueber will, faellt mir ein, dass wegen der Wahlen zum Senat kein Alkohol verkauft werden darf. Als Auslaender habe ich dafuer wenig Verstaendnis, bin mir aber sicher, dass es schon irgendwie eine Moeglichkeit geben wird, ein alkoholisches Getraenk zu erstehen. So gehe ich denn zum Villa-Market, soi 11, Sukhumvit. Ueberall sehe ich auf dem Weg dorthin ThailaenderInnen auf der Strasse sitzen vor mehr oder weniger gefuellten Gefaessen, die aus Plastikflaschen geschnitten sind. Der Inhalt sieht verdaechtig nach Bier bzw. Whisky- Soda aus.

Klar doch, verkauft werden darf der Alkohol nicht, aber wer hat etwas vom Nicht-Trinken gesagt?

Im Villa-Market gibt es doch nichts Alkoholisches zu kaufen. Zwei Damen, die meine Not bemerken, versprechen mit Blick auf mein T-Shirt, dass ich auf ihrem Zimmer Bier bekommen koenne und wollen mich zu einem Massage-Salon schleifen. Da mein Hormonspiegel noch nicht wieder auf »Gruen« steht, sage ich freundlich ab und gehe zum Hotel zurueck. Hier treffe ich auf einen der Herren vom Sicherheitsdienst. Er zeigt sich belustigt ueber meinen T-Shirt- Spruch und liest ihn sich vor: »arom sia mai mii mia«.

»mai chai«, sage ich. »arom sia mai mii bia«. »Nicht doch: Ich bin schlechter Stimmung, weil ich kein Bier habe«.

»khun ao mai«, fragt er mich. »Willst du welches haben?«

»Na, klar«, teile ich ihm mit, »bia Singh song kuat yai«, Singha Bier, zwei grosse Flaschen - man weiss ja nie.

Er sagt mir das zu, und dass er mir das Bier auf das Zimmer bringe werde. Es dauert tatsaechlich nicht lange, und er erscheint mit dem Gerstengetraenk. Der Preis ist deutlich gestiegen, aber was soll's. Schliesslich waere es mir peinlich gewesen, der Thailaenderin meiner Wahl auch noch gestehen zu muessen, dass es mir nicht gelungen sei, etwas Alkoholisches aufzutreiben.

Waehrend ich schon mal eine Flasche aufmache, und mir ein Glas einschenke, laeutet mich die Thailaenderin meiner Wahl an. Wir koennten uns zum Essen bei den »gatoey« treffen.

An der Ecke soi 11/ 1, Sukhumvit, werkeln einige der Herren-Damen, und kochen ein hoellisch scharfes Essen.

Das liege daran, hat mir die Thailaenderin meiner Wahl erklaert, dass thailaendische Frauen praemenstruell scharfes Essen lieben. Da die gatoey, also die »Damen der zweiten Kategorie«, staendig Hormone schlucken, seien sie halt permanent auf dem Chili-Trip.

Wir essen eine Pilzsuppe und som tam, was in Muenchen einen Alarm in der Feuerwache aufgeloest haette. Man serviert dazu Bier in Cola-Glaesern. Da aber die Preise dafuer auch hier deutlich angezogen haben, gehen wir doch rueber in die soi sanug. Dort treffen wir Freunde, die alle ihre Cola-Becher in der Hand halten und schon recht aufgedreht sind.

Da die Thailaenderin meiner Wahl noi und vor allem Frau nuu, sozusagen Hinz und Kunz, kennt, die von irgendwoher Whisky besorgen, wird es ein ganz lustiger Abend.

Als der ziemlich beschwipste farang und die vor ihm hin- und hertanzende Thai-Lady auf der soi 11/ 1 zum Hotel zurueckkehren, sitzen vor dem Restaurant drei Polizisten bis an die Zaehne bewaffnet und passen mit grimmigem Blick auf, dass alle Regeln des Wahl-Vorabends eingehalten werden.

Sie zeigen sich dann aber doch belustigt ueber den T-Shirt-Spruch:

»arom sia mai mii mia«.




Da es in Bangkok gestern eigentlich keinen Alkohol gab, ist es mir schleierhaft, warum ich beim Aufwachen einen so schweren Kopf habe. Die Thailaenderin meiner Wahl hat sich in die Zudecke gerollt und zeigt nur einen Teil ihres langen, schwarz glaenzenden Haares und eine Woelbung, da wo sich ihr Hinterteil befindet. Fuer mich ist von der Zudecke keine Ecke uebrig geblieben, und da die Air-condition noch laeuft stehe ich schon mal auf, um sie auszuschalten, und um mir einen Kaffee zu machen.

»tam hong dai mai«, »Soll das Zimmer gemacht werden?« klopfen die Zimmermaedchen gnadenlos an die Tuer. Eigentlich bin ich ja nach einem Schall-Trauma, das ich bei der Bundeswehr erleiden musste, schwerhoerig, und so kann ich nicht verstehen, warum ich mitbekomme, dass die Maedels so krakeelen.

»mai dai«, »Nein«, schreie ich zurueck und bin froh, wenigsten nicht aphon zu sein, also meine Stimme noch zu haben scheine, die die Bangkokianer heute abzugeben gedenken.

Die Thailaenderin meiner Wahl ist von dem Laerm wach geworden. »kii mong laeo«, will sie heiser und schlaftrunken wissen. »Wie spaet ist es?«

»bai saam mong kwah«, »Nach drei Uhr nachmittags«.

Eigentlich habe ich vor, die Gelegenheit, da sie schon mal wach zu sein scheint, zu nutzen und meinen Anspruch auf einen Teil der Zudecke klar stellen.

Zunaechst aber trinke ich meinen Kaffee, dusche und nutze andere Gelegenheiten.

Irgendwann spaeter bekommen wir dann Hunger und beschliessen, heute wieder im Biergarten zu essen. Dort ist erstaunlich wenig los. Nur einige wenige farang und Ladies sitzen gelangweilt vor Cola- Dosen oder Wasserglaesern.

»wan nii mai mii khon«, jammert unser Lieblingskellner.

Ganz klar, meine ich. »phuu ying mai suuai ta mai mii lao«, »Die Maedels sind halt nicht schoen, wenn es keinen Alkohol gibt«.

»chai chan mai suuai«, jammert jetzt die Thailaenderin meiner Wahl. »Richtig, und ich bin auch nicht schoen«.

Ich beruhige sie, indem ich erklaere, sie sei heute ausgesprochen schoen, darueberhinaus noch sehr sexy. Da wir zum Essen keinen Alkohol trinken koennen, setzen wir uns nicht an die Bar, sondern an einen Tisch und bestellen tom yam gung, eine scharf-saure Shrimps-Suppe und wieder laab muu, gebratenes Schweinehackfleisch mit Zitronensaft auf Endiviensalat.

Ich zeige mich erstaunt, dass sie so oft laab muu isst. Es gibt doch auch noch laab gai, mit Huehnerfleisch, oder laab phed, mit Entenfleisch, erklaere ich. »mii laab luead duai, fuegt sie lachend hinzu. »Es gibt es auch noch blutig«.

Zwar verstehe ich den Zusammenhang nicht, aber ich zeige mich nicht erstaunt. Schliesslich kann man auch Tartar essen und hier im Biergarten, wo Schweizer Speisen serviert werden, sogar bestellen, erklaere ich ihr.

Diesen »khun baa- Blick«, »Du bist verrueckt«, kenne ich schon zur Genuege. Ich zeige ihr die Speisekarte, und fuer diesmal laesst sie es gut sein.

Nach unseren ueblicherweise getrennten Wegen an den Nachmittagen und den Abendstunden, verabreden wir, uns in der Karaoke-Bar in der soi 3, Sukhumvit, nicht weit weg von ihrem Zuhause, zu treffen.

Etwas vor 23 Uhr tauche ich auf und wundere mich gar nicht darueber, dass es von ihr noch nichts zu sehen, geschweige denn zu hoeren gibt, denn Puenktlichkeit ist nicht ihr Ding.

In einer Karaoke-Bar haengen die ThailaenderInnen ihren Traeumen, aber auch ihren Herz/ Schmerz - Gefuehlen nach, indem sie sich Lust und Leid von der Seele singen. Das ist fuer unsere Ohren oft gar nicht so einfach.

Es kann auch vorkommen, dass das sonst so lustige Voelkchen anfaengt zu weinen, wenn einer der oghag-, Herz/ Schmerz- Songs ihre Situation schildert.

Dagegen bin ich gefeit. Helden leiden einsam, und so will mich schon mal setzen.


Seit 18 Uhr, nach Abschluss der Wahl, gibt es keinen Alkohol-Bann mehr, aber der Wirt weigert sich, mir etwas Prozentiges zu servieren. Aus langer Erfahrung weiss ich, dass es wenig Zweck hat zu argumentieren, also stehe ich wieder auf und stelle mich vor das Lokal. Die Thailaenderin meiner Wahl erscheint dann doch nicht allzu spaet, wieder die nong saao im Schlepptau. Als ich ihr das Weigerungsverhalten des Wirtes mitteile, sagt sie nur einfach: »Dann gehen wir eben in das Nachbarlokal«.

Hier gibt es tatsaechlich wieder etwas Anstaendiges zu trinken. Essen wollen die Damen nichts, was aber nichts heisst. Nach einer Weile bestellen sie so viel, dass der Tisch mit Tellern und Schuesseln voll gestellt ist, und ich Muehe habe, einen Platz fuer mein Bierglas zu ergattern.

Die Bier- und Whisky- Flaschen werden auf einem Beistelltisch deponiert.

Die Thailaenderin meiner Wahl klaert ihre nong saao weiter auf, was bedeutet, dass die Damen mich ab und zu so eigenartig anschauen.

Nach und nach erscheinen Freunde und Bekannte aus der Umgebung, um uns zu begruessen oder Lebewohl zu sagen. Beim Abschied lassen sie aus Bequemlichkeit ihre leere Flasche auf dem Beistelltisch stehen, was meiner Rechnung Fuelle verleiht.

Zwei gatoey, die zum Lokal gehoeren, gesellen sich zu uns, und ich kann von ihren gespreizten Bewegungsablaeufen nicht genug bekommen. Bulli Herbig koennte denen wahrscheinlich so einiges abgucken.

Die Damen bestellen ihre Lieder, die Mikrophone werden gebracht, und mein Leiden beginnt, von dem ich noch nicht einmal singen kann.

Um der Nacht einen wuerdigen Abschluss zu verleihen, fahren wir mit dem Taxi in die soi sanug.

Die ueblichen Rituale beginnen erneut: Meine Lieblingsbedienung ueberprueft ihre anatomischen Kenntnisse an meinem maennlichen Koerper, die Thailaenderin meiner Wahl schuettet den ersten Schluck Whisky auf den Strassenbelag, ich erklaere der nong saao, dass ich als farang Lehrer-Qualitaeten habe, allen, die mir etwas andrehen oder wegnehmen wollen, teile ich mit, dass ich als Geldautomat »temporarily out of order« sei.


Die Lieblingsbedienung will wissen, wo wir waren. Als sie erfaehrt, dass wir in einer Karaoke-Bar waren, fragt sie scherzhaft, ob ich denn auch etwas gesungen habe. »Nein«, teile ich ihr mit, da ich die thailaendische Sprache nicht »kaeng«, solide genug, spreche. Hier schaltet sich die Thailaenderin meiner Wahl ein, die bisher hauptsaechlich ihrem Whisky-Konsum hat Aufmerksamkeit zukommen lassen.

In ihrem Dorf werde Kindern, die sprachbehindert sind, »hii muu« gegrillt vom Rost serviert, und das solle ich eben auch essen. Die Thailaender fangen an zu lachen, eine Thailaenderin zeigt sich allerdings stoerrisch, schaut mich aber interessiert an, und wir Auslaender wollen jetzt wissen, um was es hier eigentlich geht.

Nun, »hii« bedeutet, na, sagen wir, »Muschi«, »muu« bedeutet Schwein, und die stoerrische, aber mich interessierte musternde Thailaenderin heisst »muu«.

Jetzt kann man sich doch einen Reim darauf machen, oder?
 
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Dies sind nicht meine Erfahrungen, sondern die Erlebnisse von Bernd, einem Rentner aus D, der nach 42-jähriger Ehe, nach dem Tod seiner Frau, in Bangkok seine Lebensfreunde wiedergefunden hat. Er ist im Oktober 2016 verstorben und hatte eine wunderbare Website betrieben. Seinen besten Bericht, das "Tagebuch", habe ich abspeichern können, bevor die Website offline ging. Mit Erlaubnis der Moderatoren veröffentliche ich hier seine Erlebnisse. Er hatte sich voll in das Leben in Thailand integriert und konnte sich auch leidlich gut in der Landessprache verständigen. Aber vor allem hatte er keinerlei Illusionen über die Rollen, die jeder von uns spielt, wir, die wir nach TL reisen, und sie, die uns mit offenen Armen empfangen. Er hat die Lebensweisheit der Thais angenommen: wir leben heute, und die Vergangenheit sowie die Zukunft sind irrelevant. Vielleicht ein Vorbild für uns alle...

Das Forum von Bernd ist übrigens noch online, leider ist aber der erste Beitrag dieses threads, in dem sich die Links befunden hatten und in dem auch Alles erklärt wurde, im Zuge der "Übersiedlung" nach "Reiseberichte für alle" vom Mod (versehentlich?) gelöscht worden, und ich finde den Link nicht mehr.

Hier nun die Fortsetzung...
 
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SOI SANUG
Kapitel 5


"Das Problem in der heutigen Zeit ist wohl, dass man ohne bestimmte Dinge relativ hilflos geworden ist. Die eine kommt in Panik, wenn sie die Pille nicht findet, die andere wird nervoes, wenn sie die Brille, die sie auf die Stirn geschoben hat, sucht. Der eine kann ohne sein Blueberry nicht mehr existieren und der andere, naemlich ich, ist aufgeschmissen, wenn er keinen Zugang zum Internet hat.

Mein Hotel in Bangkok, das Business Inn, bietet so ziemlich alle Annehmlichkeiten, die einem das Leben als Tourist ertraeglich machen, aber keinen hot-spot. So muss ich denn in ein Internet-Cafe gehen. Das kostet 1 Baht pro Minute, hat aber den Nachteil, dass es, wenn ich ausserdem meinen Lap-Top benutzen will, ziemlich teuer wird. Den Vorteil will ich auch nicht verschweigen. Falls die Thailaenderin meiner Wahl mich mal anruft, und ich gerade mit der Nachmittags- Gastarbeiterin cartoons anschaue, kann ich immer behaupten, dass ich gerade im Internet-Cafe das europaeische Fernsehprogramm checke.


Die Thailaenderin meiner Wahl hat so gegen 16 Uhr schon mindestens ein Auge geoeffnet als ich ihr erklaere, dass wir nach den ueblichen Verrichtungen, die meist mit einem gemeinsamen Duschen beginnen oder enden, zum Essen ins Old-German-Beerhouse, soi 11, Sukhumvit, gehen werden, da ich dort einen freien Internetzugang habe.

Sie kennt das schon und nimmt es gelassen zu Kenntnis, meint allerdings: »no time for work«, dreht sich um und zeigt mir ihren Ruecken. Das kenne ich allerdings auch schon und mache meine Trickkiste auf.

Was sie nun gar nicht leiden kann ist, wenn ich ihr mit spitzen Fingernaegeln das Rueckgrat entlang kratze. Sie ist sofort hellwach, jammert: »kan«, »das krabbelt«, versucht sich mit ihren Krallen durch Kratzen Erleichterung zu verschaffen und schreit gleich darauf: »ao iik«, »mach weiter«.

Das mache ich natuerlich nicht, denn ich habe ja etwas vor und kommentiere ihre Aktivitaeten nur mit: »ap naam dii kwaa«, »duschen ist besser«.

Dazu kommt es ja dann auch. Wir kleiden uns dann spaeter an und gehen ins besagte Lokal. Waehrend ich mich schon mal im Internet anmelde, bestellt sie: Glasnudelsalat mit Shrimps und kao tom muu, Reissuppe mit Schweinefleisch, fuer sich, was ein ziemlich sicherer Hinweis darauf ist, dass der letzte Whisky wohl doch zu viel war.


Obwohl es sich hier bei diesem Lokal um eine germanische Enklave handelt, koennte ich sie wohl kaum dazu bewegen, etwas von dem deutschen Essen zu kosten.

Zwar versichern wir uns gegenseitig mit dem Frage-/ Antwort-Spiel: »aroi mai«, »schmeckt's« - »aroi«, dass es schmeckt, aber daran, dass wir das Essen ziemlich vollstaendig auf dem Teller lassen, ergibt sich, dass dem ganz offensichtlich nicht so ist. Mein Salat ist einfach nur sauer, und ihre Suppe bleibt ungewuerzt, weil es uns erstens nicht gelingt, den Ober wieder an den Tisch zu rufen, und zweitens, weil er, als ich ihn persoenlich an der Theke abhole und zum Tisch geleite, es nicht rechtzeitig schafft, den Wuerz-Set, der nun einmal zu einer kao tom gehoert und aus Fischsauce, Zucker, Zitronensaft oder Essig, Chilipulver besteht, an den Tisch zu bringen. Sie verabschiedet sich relativ missmutig von mir, um ihrer Wege zu gehen, und ich bleibe noch etwas ueber eine Stunde im Internet.


Zurzeit beschaeftige ich mit dem Thema »Gewichtskontrolle«, denn ich muss abnehmen. So surfe ich dann mittels google.de durch die Welt der Diaeten und denke belustigt an die Thailaenderin meiner Wahl, der bisweilen auch der Guertel zu eng wird. Sie ist felsenfest davon ueberzeugt, dass Meeresgetier dick mache, und dass das beim Schweinefleisch nicht der Fall sei. So bestelle ich dann meistens »talee«, sea-food oder aehnliches und sie Gerichte mit Schweinefleisch. Den meisten Erfolg beim Abnehmen sieht sie aber daran, dass sie den Whisky nicht mit Sodawasser mischt. So besteht ihr »set« in der soi sanug neben dem Plastikeimer voller Eiswuerfel, aus Trinkwasser, Whisky und zwei Glaesern. Dann trinkt sie zunaechst einen kleinen Schluck Whisky pur und einen groesseren von dem Trinkwasser. Vermutlich verwechselt sie aber gelegentlich die Dosierungen, denn es kann schon vorkommen, dass sie Whisky nachbestellt, aber noch immer Wasser in der Flasche ist.

Sodawasser gilt uebrigens als Alkohol. Nach 02.00 Uhr nachts darf nichts Prozentiges mehr ausgeschenkt werden. Praktischerweise werden dann die Bier- und Whiskyflaschen in Zeitungspapier eingewickelt serviert und eben die Sodawasser-Flaschen auch.

Um dem weiteren Verlauf des Abends Gestalt zu geben, habe ich vor, mal wieder im Biergarten vorbei zu schauen, wer von meinen KumpelsThe Tunnel da ist, was der weibliche Nachwuchs so macht und ob ich vielleicht die Nachmittags- Gastarbeiterin treffe. Anrufen will ich sie nicht, denn falls sie bei sich zu Hause ist, muss ich dann stundenlang warten und kann in der Zwischenzeit kaum etwas unternehmen.


Vorsichtshalber gehe ich erst in mal im »Tunnel« vorbeischauen. Dabei handelt es ich um eine klang soi, Nebengasse, die die soi 5 mit der soi 7 am Biergarten vorbei verbindet. Mitunter sitzt die Thailaenderin meiner Wahl mit ihren Thaifreunden hier, um bei einem Bier die neuesten Isaan-Stasi- Nachrichten auszutauschen.

Der Weg fuehrt mich an einem relativ neuen Lokal vorbei, dass sich »Country-Road« nennt und aufgemacht hat, nachdem in der soi 19 das Gebaeude, in dem sich das »Country-Road II« befunden hatte, abgerissen worden ist. »Jambalaya« erklingt gerade, und da muss ich doch einfach mal reinschauen. Kaum bin ich durch die Tuer und habe mich noch nicht an die Dunkelheit im Inneren des Lokals gewoehnt, als mich ein freudiger Aufschrei begruesst. »papa«, schallt es ueber die Verstaerkeranlage. khun Bob, der sich Buffalo nennt und einer der besten Gitarristen ist, die ich kenne, verlaesst sein Platz auf der Buehne, um mich willkommen zu heissen. Die Gitarre noch um den Hals haengend umarmt er mich, und ich erwidere die Umklammerung. Er waere ja beinahe mein Schwiegersohn geworden. Aber das ist eine fruehere Geschichte.

Er begibt sich wieder auf die Buehne, und ich schnappe mir eine attraktive Bedienung, die ich noch von dem alten Lokal her kenne und bestelle fuer sie und mich die Getraenke. Waehrend wir uns so betrachten, wie die Jahre doch einen Menschen veraendern koennen, komme ich nicht umhin festzustellen, dass sie entweder etwas zugenommen hat, oder dass ihre Bluse zu eng ausgefallen ist. Falls es Uebergewicht ist, sitzt es bei ihr an der richtigen Stelle. Ich sage es ihr, sie freut sich sehr darueber, und wir plaudern ueber die alten Zeiten.


Die Thailaenderin meiner Wahl ruft spaeter an. Ich teile ihr mit, wo ich mich befinde. Wir treffen uns vor dem Biergarten und schlendern gemeinsam in die soi sanug, wo wir alte Freunde treffen und neue kennenlernen werden.

Bleibt nur noch zu erwaehnen, dass es in der soi 13 keine Toilette gibt. Man muss in die »Buesche«. Fuer Maenner ist das kein so grosses Problem, fuer die Maedels schon. Die Thailaenderin meiner Wahl will da ihre eigene Methode zeigen und etwas angeheitert meint sie: »tam buun«, »Ich werde zu Buddha beten«. Um das zu demonstrieren, hockt sie sich mit ihrem kurzen Roeckchen auf die Strasse, faltet die Patschhaendchen wie zum Gebet und verbeugt sich andaechtig. Natuerlich lasse ich einen lauten Protestschrei los. Erstens damit sie ihr Geschaeft nicht vor allen Leuten verrichtet, und zweitens, weil sie fast von einem Taxi ueberfahren worden waere.



Ihr »mobile« meldet sich staendig. Zwar weiss ich nicht, um was es bei den Gespraechen geht, aber ich bin ganz beruhigt, da es offensichtlich keine Nebenbuhler sind, denn sie staucht die Anrufer auf Kambodianisch zusammen. Jedenfalls hoert es sich fuer mich so an.

Die Zimmermaedchen wollen schon wieder wissen, ob das Bett gemacht werden soll, und draussen auf der Strasse versucht ein Mikrofon bewaffneter Obsthaendler seine Ware loszuwerden. Eine Hektik ist das wieder so am fruehen Morgen.

Also, an dem sind wir eigentlich erst ins Bett gekommen, und jetzt ist es schon wieder nach 16.00 Uhr.


Heute gehen wir mal ins Foodland, soi 5, Sukhumvit, essen. »tuuk lae dii« steht ueber der Speisekarte und das bedeutet »preiswert aber gut«, und es stimmt tatsaechlich. Es gibt eine gut gemischte Auswahl an farang- und Thai-food. Am liebsten setzen wir uns gegenueber den Koechinnen an die Theke, um ihnen auf die Finger zu schauen. Wir haben beide Interesse daran, von denen etwas zu lernen. Sie will demnaechst heiraten, aber Gott-sei-Dank nicht mich, und bei mir ist es reiner Ueberlebenswille.

Waehrend des Essens nervt sie mich schon wieder, weil ich ihr doch zum Geburtstag versprochen hatte, in der soi 10 etwas Gueldenes zu kaufen. Ich habe Zeit, teile ich ihr mit, denn so lange ich mein Versprechen noch nicht eingeloest habe, strenge sie sich wenigstens an. Das kommentiert sie mit einem vergnuegten Lachen. Wir geniessen unser Thai Essen und bewundern die geschickten Bewegungsablaeufe der kochenden Frauen. Um sie von dem Gold-Thema abzulenken, erklaere ich ihr einige der farang- Rezepte und sie revanchiert sich mit den thailaendischen Varianten.

Besser sei es allerdings, moeglichst schnell etwas zu kaufen, denn der Goldpreis steige taeglich, meint sie abschliessend mit dem deutlichen HinweisDendrobien darauf, dass das Thema noch lange nicht abgeschlossen ist. Das sei wie mit dem Benzin, sage ich. Staendig werde es teurer, aber das mache mir nichts aus, denn ich tanke sowieso immer nur fuer 50 Euro.

Sie rammt mir lachend ihren Ellbogen in die Rippen, und unsere Wege trennen sich hier wieder.


Da ich schon mal im Foodland bin, gehe ich rueber zum Blumenstand, um einige Rispen der Dendrobien zu kaufen. 30 Baht kostet hier ein Strauss dieser violettrot-weissen Orchideen, die ich auf dem Hotelzimmer in einer Vase, die ich aus einer abgeschnittenen Plastikflasche herstelle, arrangieren werde. Ein wenig Romantik kann nicht schaden, obwohl sie an Blumen nur interessiert waere, falls sie aus reinem Thai-Gold bestuenden. Anderes Gold, zum Beispiel aus Schweizer Herstellung, ist fuer sie uebrigens »not real«. Davon ist sie unerschuetterlich ueberzeugt.

Dazu muss man halt wissen, dass Gold fuer sie nicht nur Schmuck oder Statussymbol, sondern auch Lebensversicherung bzw. Depot- Guthaben ist. Der Goldschmied verkauft sein Gold zu einem festen Preis, den er mit Kreide draussen am Fenster wie an der Boerse notiert, ohne dass das Design den Preis beeinflusst. Allerdings sind die Stuecke mit seinem Stempel versehen, und die Damen koennen sie bei ihm wieder zu Bargeld machen oder umtauschen, gegen einen entsprechenden Abschlag, freilich. Deswegen gehen auf dem Gebiet der Sukhumvit auch so viele Goldstuecke »verloren«, wenn der farang wieder zuhause ist.

In der soi 11 geselle ich mich dann zu den Damen, die an einer Art Rampe sitzen, auf farang- Fang sind, die Passanten beobachten und ihr Gehabe kommentieren, um etwas zu flirten und um meine Thai- Kenntnisse aufzupolieren.

Das waere im Land der Leitkultur doch voellig unmoeglich, dass sich ein aelterer Mensch so auffuehrt. »Hat das Altenheim heute wieder Ausgang?« koennte es dann heissen, oder noch schwachsinniger: »Verhalte dich gefaelligst altersgerecht«.


Dieser Gedanke laesst mich ueberlegen, wie ich denn meinen Lebensabend, der wie immer heute schon beginnt, designe. Dazu bedarf es professioneller Hilfe.

Von der soi 11 aus gehe ich etwas frueher ueber die soi 11/ 1 zur soi sanug, denn erstens moechte ich den an der Ecke werkelnden gatoey nicht in die Arme laufen. Er/ sie/ es kommt nach Mitternacht und hat heute Geburtstag, und das koennte fuer mich sehr teuer werden. Und zweitens sitzt vor der soi 13 eine »moo duu«, eine Wahrsagerin, die ich schon immer mal aufsuchen wollte. Da die Thailaenderin meiner Wahl noch nicht gekommen ist, gehe ich gleich zur moo duu. Wir begruessen uns freundschaftlich, denn wir kennen uns schon lange. Gluecklicherweise ist ihr Klientenplatz mal frei. Ich setze mich also und sie fragt mich, wie es mir denn so ginge. Das sollte sie eigentlich wissen, witzle ich, sie laesst das aber kalt. Sie legt ihre Tarot- Karten auf den Tisch und ich 100 Baht, und fort fuehrt sie mich in eine verheissungsvolle Zukunft.


Aus den Augenwinkeln heraus bemerke ich, wie die Thailaenderin meiner Wahl angekommt, an unserer Ecke in der soi sanug Platz nimmt und staendig fragend interessiert herueberschaut. Auch ich habe die Gabe der Prophezeiung, und ich kann voraussagen, dass sie mich nachher nerven wird, um zu erfahren, was die »moo duu« mir denn so erzaehlt habe.

Genauso kommt es dann auch. Ich fuehre ein glueckliches Leben, habe die Dame gewahrsagt, werde immer ueber ausreichende Geldmittel verfuegen, um nach Thailand zu kommen. Ich werde keinesfalls wieder heiraten, der Thailaenderin meiner Wahl dieses Mal etwas Goldenes zum Geburtstag schenken und mir jetzt ein Bier und ihr einen set Whisky bestellen.

Mit diesen Zukunftsaussichten koennen wir beide leben.Business Inn Hotel

Der Rueckweg zum Hotel ist laenger als gewohnt, denn die Thailaenderin meiner Wahl nutzt die gesamte Buergersteigbreite aus. Die gatoey haben zu meinem Glueck ihren Essensstand schon geschlossen, und um den Abend zu beenden bzw. den Morgen zu begruessen, setzen wir uns noch an einen Tisch vor dem Restaurant des Hotels, um einen letzten Schluck zu nehmen und mit den so neugierigen Service-Maedchen zu ratschen. Denen muss die Thailaenderin meiner Wahl doch gleich mitteilen, dass ich versprochen habe, mit ihr in die soi sip, soi 10, zu gehen. Die Maedels verstehen den Hinweis und betrachten fast neidisch meine schon jetzt so Gold bestueckte Begleiterin.

»khun pen paeng«, »Du bist teuer«, und in Abwandlung des Foodland- Spruches freut sie sich: »chai«, ja, »expensive but good«.

Na, wo sie Recht hat, hat sie Recht,


… wenn sie nur nicht tang kii kiat, so faul waere!"
 
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SOi SANUG
Kapitel 6


Zum »Fruehstuecken« gehen wir am spaeten Nachmittag ins Robinson. Hier muss man mit »coupons« bezahlen, und man darf dann spaeter ja nicht vergessen, die unverbrauchten zurueckzuwechseln, denn coupons gelten nur fuer diesen einen Tag.

Sie nimmt sich – um ihr Gewicht zu halten – Schweinefleisch mit gekochtem Ei und viel Knoblauch, und ich aus demselben Grund Reis mit vegetarischen Beilagen. Hier wird dann wieder eines der bei uns so beliebten Wortspiele faellig. »ao fag«, »ich moechte fag«, was so klingt, als wolle ich etwas anderes. »djing looh«, »Doch nicht wirklich, oder«, laechelt sie mich schelmisch an.

fag tong ist ein goldgelber Kuerbis, bei uns am Viktualien-Markt als Hokkaido zu bekommen, der mit Kokosmilch- Creme und Chili angemacht wird, und den ich sehr gern esse. Dazu habe ich noch ein zweites topping bestellt, das aus grossen, geduensteten gruenen Chili- Schoten besteht, die allerdings sehr mild schmecken.


Im Robinson lohnt sich das Essen wirklich, falls man auf sein Budget achten muss, allerdings scheinen die Essenstaende ihre Kosten dadurch niedrig zu halten, dass sie die Speisen fast immer kalt servieren, den Reis freilich nicht, denn den holen sie aus so einer Art Dampfkochtopf.

Kurios finde ich ja, dass Asiaten gemeinhin keinen Reis kochen koennen. Meine bereits erwaehnten Gast- Chinesen haben extra einen rice- steamer um den halben Globus geschleppt, damit sie in Germany nicht verhungern. Reis im Topf zu kochen endet bei Asiaten in grossen und kleinen Katastrophen. Entweder er brennt an, oder sie stecken die Kueche beinahe in Brand, weil sie vergessen, die Herdplatte auszuschalten.

Das erzaehle ich der Thailaenderin meiner Wahl. Sie hat wieder ihren »khun-baa- Blick« und meint, sie muesse sich um Geldueberweisungen kuemmern.


Wenn ich die Begriffe tang oder tong, Geld oder Gold, hoere, versuche ich, mich schnellstens aus dem Staub zu machen. Mitfuehlenderweise frage ich sie allerdings, ob man denn schon wieder eine Wasserpumpe geklaut habe. Sie holt tief Luft und erzaehlt, jedoch nicht ohne einen gewissen Stolz im Unterton ihrer Stimme, dass sie die Einzige aus der Familie sei, die sich um alles kuemmert. Ihre Mutter passe zwar auf ihre Soehne auf, ruehre aber sonst keinen Finger. Ihr Vater ist eher am Alkohol interessiert als am Wasser, mit dem er die Blumen in ihrem Garten giessen soll. Dafuer hat er sowieso kein Verstaendnis, denn diese Gewaechse kann man nicht essen. Damit das Haus sauber gehalten wird, muss sie eine fremde Person bezahlen, und ihre Geschwister liegen ihr auch staendig auf der Tasche.

naam djai, Wasser-Herz, nennen das die Thailaender, was mit Grosszuegigkeit uebersetzt werden kann. Wenn man hat, muss man geben, bzw. wenn man etwas bekommen hat, wie zum Beispiel das Leben von den Eltern, dann muss man sich dafuer revanchieren.

Ihre juengere Schwester ist gerade in Bangkok, um sich einen farang zwecks Verehelichung zu ergattern. Die habe jetzt wenigstens Verstaendnis fuer ihre Situation, weil sie mitbekommt, wie schwer sie doch arbeiten muesse.


Zwar habe ich die ganze Zeit mitfuehlend- verstaendnisvoll gelauscht, aber jetzt fange ich doch an, herzhaft zu lachen. Was ist denn das fuer eine Arbeit? Um Mitternacht den farang treffen, eine Flasche Sang Som- Whisky, mindestens, zu trinken, sich zweimal etwas zu essen zu bestellen, ebenfalls mindestens, Freundinnen auf meine Kosten einladen zu koennen, am fruehen Morgen in einem Hotelzimmer ins Bett zu gehen, um sofort einzuschlafen, spaeter mitzuteilen: »no time for work«, dann zu duschen und zum Essen eingeladen zu werden, um schliesslich einen freien Tag zu haben? Da muss sie auch lachen: »som nam naa, erklaert sie mir mit einem entwaffnenden Laecheln, »Selbst schuld«, und trollt sich.

Beim Weggehen ruft sie mir schelmisch zu: »A clever lady must not work too hot«.

Sie meint natuerlich hard, hat aber Schwierigkeiten mit der Aussprache.

Begeistert schaue ich ihr noch hinterher, wie sie mit ihrem kurzen Roeckchen in eleganten Slalom- Bewegungen den Tischen und Stuehlen im food-center ausweicht. »Wo will die denn noch abnehmen?« frage ich mich und gehe die uebrigen gebliebenen coupons zurueckwechseln.


Auf dem Hotelzimmer mache ich zunaechst ein Nickerchen, weil ich ja auch so ein anstrengendes Leben fuehren muss, schreibe noch etwas an dem neuen Buch ueber das Thema »Wie halte ich mein Gewicht«. Das fuehrt natuerlich dazu, dass mein Unterbewusstsein sich auf kulinarische Reise begibt und meinem Wach- Organismus mitteilt, dass er schon lange kein kao pad gung mehr in der Thermae gegessen habe.


Die Thermae ist frueher, wie schon bei so vielen anderen farang, das Hauptquartier gewesen. chicken- farm hat man sie, als sie noch bis morgens frueh um 06.00 Uhr geoeffnet war, genannt, weil sich in ihr vor allem nach 02.00 Uhr morgens, wenn alles andere geschlossen war, Huehner ohne Ende tummelten. Heute ist es aber eher ein deprimierender Eindruck, wenn man wie einst so hoffungsfroh durch die Eingangstuer in dieses Kellerlokal tritt. Einige wenige juengere chicken sitzen da gelangweilt herum und koennen noch nicht einmal von der alten Zeit traeumen, weil sie da noch im Isaan mit den Buben fruehpubertaer gespielt haben.

Wenigstens hat mich »mein« Ober nicht vergessen. »my friend«, nennt er mich. »One Heinecken, kao pad gung«, weiss er, wie ich es hier immer bestelle, und fuehrt mich an einen freien Tisch, was frueher bei dem damaligen Gedraenge immer aussichtslos erschien, jetzt aber ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt werden kann.

kao pad gung ist gebratener Reis mit Shrimps, der mir in der Thermae besonders gut schmeckt, vielleicht weil sich die Kueche direkt neben der von Maennlein und Weiblein gemeinsam aufgesuchten Toilette befindet.


Gemeinhin trinke ich in Thailand nur einheimisches, wie z.B. Singha- Bier. Doch gehoert das »Horny-ken« fuer mich in der Thermae einfach zum Lokalkolorit, und ich will ja auch nicht, dass »mein« Ober sich umgewoehnen muss. Waehrend ich auf die Bestellung warte, mustere ich die Daemchen, und die mustern mich relativ uninteressiert zurueck. Da bin ich fuer sie wahrscheinlich doch in einer falschen Altersklasse, und ich habe halt mein T-Shirt »alt, aber reich« nicht an.

Die Rechnung begleiche ich sofort und geniesse das Essen und in Gedanken noch ein wenig die fruehere Atmosphaere.

Bevor ich mich in die soi sanug begebe, kaufe ich noch die Standardsachen ein: Trinkwasser und Kondome. Die Thailaenderin meiner Wahl ruft mich an, sie sei schon mit dem Motorradtaxi unterwegs, und ich muss mich sputen.


Der Abend verlaeuft unspektakulaer, wenn man mal davon absieht, dass ein farang- Maedchen am Nachbartisch aus irgendwelchen Gruenden vom Stuhl faellt und auf dem Ruecken liegend vergeblich versucht, wieder aufzustehen. Die Thailaenderin meiner Wahl zeigt sich koestlich amuesiert, weil der farang- Partner sich nicht um das Maedchen, sondern um die auch aus dem Gleichgewicht geratene Whisky-Flasche gekuemmert hat. Dann fangen zwei Thai- Weiber an unserem Tisch Streit miteinander an. Es gehe um Maenner und Geld, erklaert mir die Thailaenderin meiner Wahl, also wie gesagt nichts Spektakulaeres.

Als ich mich spaeter selbst etwas unsicher erhebe, um auf die »Toilette« zu gehen, haelt die Thailaenderin meiner Wahl vorsichtshalber ihre Whisky- Flasche fest. »chalat laeo«, sie ist schon intelligent, wobei man weiss, dass Intelligenz Anwendung von Wissen ist.



Was fuer mich zwingend zu einem Aufenthalt in Bangkok gehoert ist ein Besuch der PanTip- Plaza. Hier gibt es so ziemlich alles, was zur digitalen Ausstattung eines modern lebenden Menschen gezaehlt werden muss: Computer- Zubehoer und Porno- DVDs.

Dies Vorhaben teile ich der Thailaenderin meiner Wahl mit. Sie zeigt zunaechst wenig Interesse dafuer, mir aber wieder ihr in die Bettdecke eingemummeltes Hinterteil. Nach dem gemeinsamen Duschen fordert sie mich auf, ihr eine DVD mitzubringen. Natuerlich weiss ich doch gleich, was sie meint, einen Porno-Film naemlich.

Zurzeit ist sie auf dem Trip, ihre juengere Schwester in die Welt der Obsessionen der farang einzufuehren. Dabei ist ihr der Gedanke gekommen, dies mittels einer DVD anschaulich zu gestalten. Unter uns gesagt ist das nur die halbe Wahrheit, denn ich habe mal aus einem ihrer Nebensaetze entnommen, dass sie gern zuhoert, wenn »phuu ying roong«, die Maedels bei bevoelkerungspolitischen Aktivitaeten ihre Anteilnahme akustisch untermalen.


Wir gehen wieder in den Biergarten, bestellen tom yam gung und radna muu, naam duem, Trinkwasser und naam makuea theet, Tomatensaft. Fuer Alkoholisches bleibt uns, wie wir aus Erfahrung wissen, noch genuegend Zeit.PanTip- Plaza

Wir trennen uns wieder, und ich fahre mit dem skytrain bis zur Station Ratchathewi, und gehe zur PanTip- Plaza etwa 10 Minuten zu Fuss. Diese ist ein etwa fuenf Stockwerk hohes, offen angelegtes Gebaeude, das heisst, es gibt einen grossen Innenhof und auf den einzelnen Stockwerken Galerien mit hunderten von Geschaeften.

Da ich mich zwischenzeitlich auskenne, gehe ich gleich in den ersten Stock, was bei Thailaendern wie bei Amerikanern second floor heisst und eigentlich fuer uns schon der zweite ist, weil es auch ein Zwischengeschoss gibt. An den Buben vorbei, die mir verlockend: »Have sexy DVD, Sir« zuraunen, schlaengele ich mich zu meinem Software- Laden rueber.

Eigentlich ist der Verkauf von Raubkopien und Pornos verboten, das gilt aber offensichtlich nur waehrend der gelegentlich stattfindenden Razzien, und ich erwerbe die Software doch lediglich zu Testzwecken, was gar nicht mal so falsch ist, denn zuhause stellt sich oft genug heraus, dass ich eben doch nur eine 30-Tage- Version erstanden habe.


Auf die Scheiben muss man etwa 20 Minuten warten. Diese Zeit nutze ich fuer meinen Lieblingsnachtisch »durian in sticky rice«.

Durian ist eine Stinkefrucht, an der sich die Geister scheiden. Die einen koennen sie nicht ausstehen, wie zum Beispiel Mitglieder des Hotel- Managements, weil sie das Mitnehmen der Frucht auf die Zimmer verbieten, die anderen sind ganz geil danach, wie zum Beispiel ich. Den Begriff »geil« habe ich bewusst gewaehlt, weil man der Durian- Frucht Aphrodisiaka - Wirkung nachsagt. Also bei mir wirkt das natuerliche Roborans, denn ich bin Oberschlesier.

Und so gestaerkt, mache ich mich auf den Weg zurueck zum Laden, der mich ganz sicher wieder an einem Juengling vorbeifuehrt, der mir »Have Porno- movie, Sir« anbietet. Ganz klar finde ich einen, und der geleitet mich in einen Nebenraum mit so einer Art Tresor, in dem sich jede Menge Hoehepunkte filmischen Schaffens befinden.

»Want farang- lady«, fragt der Bursche mich, jetzt schon, ohne »Sir« zu verwenden, denn als Kunden hat er mich ja schon geangelt. »mai chai ao phu ying nippun«, nicht doch, ich wolle japanische Maedchen, mache ich ihm klar und darueber hinaus muessten die Maedchen na, ja: »roong«, Laute von sich geben, weil mein »fan«, meine staendige Begleiterin, das so mag.


Auch er bekommt diesen »khun baa«- Blick, sucht etwa 20 Scheiben raus und ueberlaesst sie mir zur Auswahl und mich nicht mehr aus den Augen. Mit einem seiner Kollegen tuschelt er, was doch die farang fuer sonderbare Wuensche haben, »so many styles«, wie die Thailaenderin meiner Wahl das vor Tagen schon verwundert nachgefragt hatte.

Spaeter erstehe ich dann noch einige Blanko- DVD »double layer«, um mir im Hotel doch gleich eine Kopie zu erstellen, rein aus inter- kulturellem Interesse natuerlich.

Dann bekomme ich den Anruf von der Thailaenderin meiner Wahl. Sie habe Hunger. Wenn wundert es, denn es ist bereits dunkel geworden. Wir koennten uns doch eigentlich gleich in der Karaoke, soi 3, treffen. So soll es sein.


Nach Dusche und Klamotten- Wechsel im Hotel fahre ich mit dem Taxi in ihr Territorium. Sie sitzt schon vor einem Glas Wasser, einem Glas Whisky und drei Gerichten. Aus Erfahrung weiss ich, dass es noch mehr werden, denn es kommen ja noch einige Nachbarn vorbei, um Hallo zu sagen, ein wenig hier zu kosten, dort zu probieren und mehr oder weniger Whisky zu konsumieren. Auch darf das Absingen der oghag-, Herz/ Schmerz- Lieder nicht fehlen.

Also bestelle ich nur ein Singha- Bier und koste mich ebenfalls durch das kulinarische Angebot. Ein Gericht faellt gleich aus, denn es handelt sich dabei um som tam, dem Isaan- Nationalgericht. »papaya pok pok«, nennt sie es. Es ist hoellisch scharf, was mir eigentlich nichts ausmacht, aber es werden darin kleine Krabben zermanscht, von denen man nicht weiss, ob sie bei der Verarbeitung noch lebten, oder wie lange sie schon tot in der Hitze gelegen haben. Ein Gericht ist so sauer, dass saemtliche Schliessmuskeln verkrampfen, bleibt nur noch das, welches nach gegrilltem Fleisch aussieht. Ich probiere, kann es nicht zuordnen, denn es schmeckt bitter, ein wenig Leber- artig, also frage ich, was es denn sei. »guai muu«, Schweinepenis, sagt sie froehlich. Jetzt bekomme ich den »khun baa«- Blick. »mii hii muu duai mai«, gibt es das Gegenstueck von einem weiblich Schwein auch. »mii«, teilt sie aufgedreht mit, weil sie denkt, ich sei jetzt entsetzt. Sie habe es schon bestellt. Voellig ungeruehrt, cool sozusagen, nehme ich noch etwas zum Reis auf meinen Teller und einen grossen Schluck Singha- Bier. Spaeter erfahre ich dann, dass es sich um Schweinezunge gehandelt hat. Nun, ich habe es ueberlebt.


Die Whisky- Flasche ist geleert, was die Nachbarn dazu veranlasst, sich zu trollen. Wir warten auf die noong saao, die juengere Schwester, die uns hier bedient hat und fahren mit dem Taxi zur soi sanug, um unser Nachtleben etwas verlottern zu lassen.

Die DVD habe ich gekauft, fange ich ein Gespraech wie jedes andere an und mache den beiden Damen den Vorschlag, es uns doch nachher auf dem Hotelzimmer etwas gemuetlicher zu machen, etwas weniger Aufwendiges anzuziehen und uns den etwa zwei Stunden dauernden Film gemeinsam anzusehen. Die Damen haben jetzt beide den »khun baa«- Blick drauf.

Die Thailaenderin meiner Wahl knurrt: »noong saao kii ai«, die juengere Schwester sei sehr schuechtern, ich erwidere mit Hinblick auf ihre Gold- Wuensche: »khun pen kii ao«, du bist gierig, was sie herausplatzen laesst: »khun na mai ai«, und du bist schamlos.

So isses, und wir prosten uns zu.



Die Zimmermaedchen betrachten unseren ungewoehnlichen Tag- Nacht- Rhythmus mit Erstaunen und aufmerksam. Daran, dass wir sie gegen 16.00 Uhr immer noch froehlich mit »good morning« begruessen, haben sie sich schon gewoehnt. Doch merkt man ihnen an, dass sie schon ein wenig mehr darueber wissen wollen, was ich und warum ich es so treibe.

Die Thailaenderin meiner Wahl hat mich bereits verlassen, denn sie muss ein Geschenk fuer ihren Sohn einkaufen, der heute Geburtstag hat. Dass er sich hunderte von Kilometern entfernt an der kambodianischen Grenze befindet ist da ganz unerheblich. So verlasse ich denn zur gewohnten Zeit allein das Zimmer und gehe die Treppe hinunter. Die Maedchen, etwa sieben an der Zahl, sitzen im Vorraum und haben auf einem Beistelltisch jede Menge Suessigkeiten liegen. Eine von ihnen schaelt eine Mango und schneidet sie in Streifen.

Sie fragt mich dann auch: »ao ganom mai khaa«, »Willst du etwas Suesses haben?« und hindert mich so, mit einem einfachen »good morning« an ihr vorueber zu gehen. »mai ao khap«, moechte ich nicht und mache den hoffnungsvollen Versuch, das Weite zu gewinnen.

»phuu ying yuu tii nai«, »Wo ist dein Maedchen?« kommt dann schon die naechste Frage. »pai laeo«, sie sei schon gegangen, was auch bedeuten koennte, dass sie mich verlassen hat. Die Maedchen ruecken naeher an mich heran, und dann prasseln die Fragen nur so. Ob ich, wir oder sie jetzt verheiratet seien, ob ich, wir oder sie jetzt Kinder haben, usw. Ich versuche, alles so weit wie moeglich wahrheitsgemaess zu beantworten und wundere mich dann schon ein wenig, dass ich auch gefragt werde, ob wir schon lange zusammen sind, denn ich komme seit Jahren in das Hotel, allerdings hat in dieser Zeit die Thailaenderin meiner Wahl schon zweimal gewechselt.


Wie hat das Gerhart Polt ausgedrueckt? »Ansehnlich sind die Thailaenderinnen schon, aber nicht haltbar«, oder so aehnlich.

Mit »haltbar« hat er so was von Recht, eine jede wollte unbedingt einen anderen heiraten. Jetzt kann ich einmal sagen: »som nam naa«, »Selbst schuld«, denn wenn ich sie jetzt treffe, dann muss ich erfahren, dass die Ehemaenner schon laengst wieder ueber alle Berge sind, und ich sitze immer noch in der soi sanug und behaenge die derzeitige Thailaenderin meiner Wahl mit Gold, was den Verflossenen dann maechtig stinkt.

Ach, ja, in die soi 10 zum Goldschmied muss ja auch noch.


Auf die anderen wollen die Stuben-Maedels offensichtlich hinaus. So erzaehle ich denn, dass die erste mich verlassen hat, um einen Schweizer zu heiraten. Dasselbe passierte mit der naechsten, die einen Norweger ehelichte, und die jetzige werde mich demnaechst auch verlassen, weil ein Englaender vorhat, mit ihr den Familienstand zu wechseln. Die Maedchen schauen mich alle irgendwie mitleidig an, wie ungerecht doch mit mir umgegangen wird, nur die huebscheste von ihnen hat einen aufmerksamen Gesichtsausdruck bekommen. Die wird mich doch nicht als Opfer aussuchen und sich in das von ihr frisch gemachte Bett legen wollen?

Zum Glueck duerfen die Damen nichts mit den Hotelgaesten anfangen, aber von der Bettkante schupsen wuerde ich sie sicher nicht. So laechle ich ihr zuversichtlich und den anderen hoeflich zu und beende das Verhoer mit einem beherzten Schritt durch die Hoteltuer.


Der Anblick der Suessigkeiten hat einen Pawlow'schen bedingten Reflex bei mir ausgeloest, welcher ein Hungergefuehl bewirkt. Ein Anruf der Thailaenderin meiner Wahl ergibt, dass sie noch ins »Big C« wolle, was dauern kann. So verabreden wir denn, dass wir dieses Mal getrennt eine Kleinigkeit essen werden, um dann spaeter in der soi sanug gemeinsam zu speisen.

Das gefaellt mir allerdings nicht, denn ich esse ungern allein, aber: »What can I do?« wuerde sie fragen. Was kann ich machen? Nun, ich kann in den Biergarten gehen, und nach der Nachmittags- Gastarbeiterin schauen, was ich auch tue. Die ist aber offensichtlich nicht da, dafuer steht aber ein Weib so ganz nach meinen Nachmittagswuenschen auf der soi 7 und laechelt mir zu.


Im Land der Leitkultur ist es doch fuer einen relativ gut gelaunt dreinschauenden Menschen in meinem Alter unmoeglich, jemanden in der Oeffentlichkeit anzusprechen, um zu fragen, ob man schon etwas gegessen habe, aber im Land des Laechelns ist das sogar ueblich. Also gehe ich auf sie zu, ich laechle unsicher und sie unwiderstehlich: »kin kao laeo rue yang«, »Hast du schon etwas gegessen, ja oder nein?« Das kann schon eine relativ gefaehrliche Frage sein, denn im Regelfall ist es so, dass frau noch nicht gegessen hat, und man dann selbst vor einer etwas peinlichen Situation stehen koennte, falls man schon satt ist.


Jetzt laeuft doch alles wie geschmiert. Die Dame hat freilich noch nicht gegessen, und ich lade sie in das sea-food- Restaurant an der Ecke soi 5 ein. Ein notwendige taktische Massnahme ist das schon, denn da wir, die Thailaenderin meiner Wahl und ich, fast taeglich im Biergarten sind, kennen viele uns und alle sie. Falls ich also mit einer anderen Schoenheit flirte, speise, gegebenenfalls noch gemeinsam verschwinde, dann kommt die Isaan- Stasi auf Hochtouren. Jetzt befinden wir uns aber im Gewimmel auf der Sukhumvit und in dem Restaurant auf verhaeltnismaessig neutralem Boden.

Auf dem Weg dorthin machen wir uns schon einmal miteinander bekannt. Sie nennt mir ihren Namen und ich ihr den meinen. Woher ich komme wird auch geklaert. Sie ist aus der Naehe von Chiang Rai, was ich mir habe denken koennen, da sie eine europaeisch weisse Haut hat, sie habe keinen Ehemann oder sonstigen Liebhaber, natuerlich nicht, aber dafuer eine siebenjaehrige Tochter. Na, zum Glueck, denn ich verkehre nie wieder mit einem weiblichen Wesen, das nicht Mutter ist. Die jungen Dinger spinnen alle, so jedenfalls lautet mein wohl genaehrtes Vorurteil als gelernter Weiberfeind.


Im Lokal bekommen wir einen schoenen Fensterplatz, und ich setze mich neben sie. Sie bestellt eine tom yam gung, was daraufhin deutet, dass sie nicht unverschaemt ist, denn ich habe schon erlebt, dass sich das Daemchen den teuersten Fisch bestellt hat. Und ich bestelle mir Meeresfruechte mit Cashew- Kernen. Scherzhaft meine ich so in etwa, dass das Tinte in den Fueller bringe, und sie legt verstaendnisvoll laechelnd ihre Hand auf meinen Oberschenkel, ziemlich nahe an das Bermuda- Dreieck. Wir sprechen ueber thailaendisches Essen, um warm zu werden. Im Verlauf des Gespraeches frage ich sie gar nicht mal so hinterlistig, ob sie zum Nachtisch farang mag. Das Wort bedeutet gemeinhin Auslaender europaeischer Abstammung ist aber auch der Name einer Frucht, der Guave naemlich. Ihr Laecheln verstaerkt sich in Richtung absolutes Verstaendnis fuer meine Wuensche, ihre Hand taucht im Bermuda- Dreieck unter und ich spuere ihren sanft pruefenden Griff, und das in aller Oeffentlichkeit am Fenster eines ebenerdigen Lokals.


So, jetzt wird es Zeit, ihr die Situation zu erklaeren. Noch bevor die Gerichte serviert werden, weiss sie, dass ich eine feste Beziehung habe, die mir allerdings nachmittags Zeit laesst, die ich gern einmal mit ihr nutzen wuerde. Wir tauschen unsere Telefonnummern aus. Das Essen wird serviert, ihre Haende befinden sich beide wieder ueber der Tischplatte, und sie isst mit grossem Appetit. Wir versichern uns gegenseitig, dass alles »aroi maak«, sehr schmackhaft, ist. Ihre tom yam sieht lecker aus, schon allein wegen der riesengrossen Gambas. Sie legt mir eine davon auf meinen Teller, und ich schaufele ihr meine Strohpilze auf den Reis, da ich weiss, dass die Damen diese sehr gern moegen.

Dieser Austausch der besten Leckerbissen ist bei Liebenden unumgaenglich, auch wenn die Zuneigung zeitlich begrenzt wird. Aber das ist sie ja immer.


Der Ewigkeitsaspekt der Liebe ist ein nicht einzuhaltender Vorsatz, also versuchen wir alle es doch gar nicht erst und geniessen den Augenblick wie thailaendisches Essen. »Carpe diem« sagt der Lateiner und der Oberschlesier berichtigt: »carpe noctem« (Nutze den Tag bzw, nutze die Nacht).

Da die Zeit jetzt mit dem kulinarischen Exkurs allzu weit fortgeschritten ist, verabschieden wir uns nunmehr sehr vertraut wirkend mit einem »hom noi djub noi«, mit einem thailaendischen Kuss, der unseren Schickimicki- Bussis sehr nahe kommt. ThailaenderInnen knutschen nicht, sondern sie schnueffeln. Dieser Schnueffelkuss wird als sehr romantisch und liebevoll empfunden. Waehrend sie im »Tunnel«, der Verbindungsgasse zwischen soi 5 und soi 7 in Richtung Biergarten verschwindet, schaue ich ihrem elegant wirkenden Schreiten aufmerksam nach.


Den weiteren Nachmittag verplempere ich mit Einkaufen, Schreiben, ein Nickerchen machen und Fernsehen. Dann gehe ich mal kurz in die Magic-Table- Bar, werde dort von meiner »Taenzerin« stuermisch begruesst und stelle fest, dass sie »beim Friseur« war.

Gegen Mitternacht schlendere ich zur soi sanug rueber, nehme mir vor, bei naechster Gelegenheit mal einen der jetzt an der Ecke soi 11/1 werkelnden gatoey zu fragen, ob er nicht auch mal Hunger hat und setze mich auf einen freien Platz an die Ecke zur Sukhumvit. Waehrend ich noch allein bin, die Ruhe geniessen und der bunten Karawane auf dem Buergersteig meine Aufmerksamkeit schenken will, wird diese von dem nervenden Krakeelen eines besoffenen Deutschen abgelenkt, der lautstark einem netten Schweizer die politische Welt-Lage aus der Sicht des Ewig- Gestrigen erklaert.

So bin ich denn »stolz«, Deutscher zu sein, und du weisst jetzt, warum ich mit Fremden nur Englisch bzw. Thailaendisch spreche und behaupte, Europaeer zu sein.
 
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Oh, dann hab ich dir Unrecht getan, sorry. Das Forum wird noch länger on sein, weil es ein kostenloses Angebot ist. Dort finden sich viele interessante Beiträge sowie auch ein Foto von "Pa Nuch".
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Soi SANUG
Kapitel 7

Das Leben ist schoen, und es wird im Alter noch schoener, denn man ist jetzt weitestgehend frei von Fremdbestimmung. Ich, der aeltere Mensch, geniesse das schon sehr vor allem, weil ich keinen oder keine mehr in meiner Naehe dulden muss, der oder die sich zur moralischen Instanz aufschwingt. Klar werde ich immer aelter, aber ich bin nicht alt. Das jedenfalls bilde ich mir ein, und die Thailaenderin meiner Wahl kommentiert das bisweilen schon mit einem Protestschrei, wenn ich nicht genug von ihr bekommen kann. Fuer sie ist das Zusammensein mit mir ja »tham ngaan«, »work«, und wie jeder Arbeitnehmer besteht sie auf einer Pausenregelung, die bei ihr recht grosszuegig ausgelegt wird jedenfalls immer dann, wenn ihr Whisky- Konsum so respektabel wie gestern Nacht ausgefallen ist.

Wie jeder Arbeitgeber regele ich das ueber das Entgelt: »Wenn du nicht willst, dann will ich auch nicht – rueber zum Goldschmied gehen«.

Das ist fies, ich weiss, ausbeuterisch und Ausnutzung eines Abhaengigkeitsverhaeltnisses, aber sie kommentiert das froehlich mit ihrem »khun baa«, »Du bist verrueckt« und kommt in die Gaenge, denn einer der kategorischen Imperative der ThailaenderInnen ist: sanug, Spass haben, und den biete ich ihr reichlich durch Thai- Essen in guten Restaurants und durch staendig gesicherten Whisky- Nachschub, was sich ihr Thai- Lover, so sie denn einen hat, nie leisten koennte, und durch meine Maennlichkeit, die sie, jetzt mal rein koerperlich gesehen, eher belustigt zur Kenntnis nimmt.

»lek-lek« bemerkt sie. »Ziemlich klein« bzw. »kleiner Elefant«, »chang noi«. Was muss sie nicht schon alles zu Gesicht bekommen haben?

Aber warum schreit sie dann immer »khun tham djep chan«, »Du tust mir weh«, wenn ich mal zu »weit« gehe?

»chai lek-lek tae kajan«, »Ja, klein, aber fleissig«. »chai kajan maak« laechelt sie versoehnlich, »Ja, sehr fleissig«.

Nett ist an dieser Stelle auch die Geschichte: Neulich sinnierte sie ueber die anatomischen Unterschiede der mehr oder weniger eindrucksvollen Maennlichkeit. Am Nachbartisch sass ein mediterraner Europaeer mit einer ausdrucksvoll langen Nase. Ich deutete verstohlen auf ihn und belehrte sie: »Wie die Nase des Mannes so sein Johannes«.

»mai chai«, frohlockte sie, »Nicht doch«, »I look him«, »Ich habe ihn schon gesehen«.Beergarden

Nach Beendigung der Tarifverhandlung gehen wir wieder in den Biergarten, um zu essen. Dort sitzt gleich vorn am Eingang meine neueste Bekanntschaft. Wir begruessen uns mit gegenseitigem Laecheln und der Versicherung, dass es uns gut gehe. Der Blick der Thailaenderin meiner Wahl wird argwoehnisch. Zunaechst nehmen wir aber Platz und bestellen unser Essen, was sie erst einmal vom unvermeidlichen Thema abbringt. Dann aber platzt sie heraus: »khun pai short-time maa«, »Du bist fremdgegangen«. Natuerlich nicht, wie wir wissen, und der Versuch ist eh nicht strafbar. »mai chai«, »Aber nicht doch«.

Ich laechle zur neuesten Bekanntschaft aufmunternd rueber, und sie laechelt etwas unsicher zurueck, denn sie weiss ja, dass jetzt ueber sie gesprochen wird.

Mein Gestaendnis faellt kurz aus, indem ich ihr beichte, dass ich die Dame zum Essen eingeladen habe, weil sie selbst mich allein gelassen hat. Das kann sie so akzeptieren, denn erstens weiss sie, dass ich ungern allein esse und zweitens werden die Speisen serviert: krapao thalee, Meeresfruechte mit Thai- Basilikum und radna muu, breite Nudeln mit Schweinefleisch in dicker Sauce, die sie sofort mit reichlich Chili-Pulver, Zucker, Zitronensaft und Fischsauce aufpeppt. Dadurch ist sie so abgelenkt, dass sie das Thema »Fremdgehen« vorerst ad acta legt, was sie schon machen kann, weil ich selbst es so schnell nicht aufgeben werde.


Das ist halt bei uns Herdentieren so, dass wir Maennchen nicht nur einen Horizont akzeptieren koennen. Die Angelegenheit wird aber bei ihr nicht durch moralische Entruestung provoziert, sondern durch den Argwohn, ich koennte unser »Arbeitsverhaeltnis« vorzeitig beenden. Wir muessen doch noch in die soi 10!

Hinzu kommt jetzt aber eine aeltere und in diesem Fall leider auch unattraktive Thailaenderin, die sich zu uns an den Tisch setzt. Waehrend ich meine Meeresfruechte mit dem duftenden Kraeuteraroma geniesse, weiss ich schon was kommt, naemlich ein ausgiebiges Palaver, dass zwar auf Kambodianisch gefuehrt wird, dessen Inhalt mir aber bekannt ist.

Es handelt sich um eine pii saao, eine aeltere Schwester. Mit der hat die Meine in ihrem Heimatdorf vor Jahren Streit gehabt. Es ging dabei um Mann, Geld oder wahrscheinlich um beides, jedenfalls ist die pii saao damals mit Mann, Geld oder wahrscheinlich mit beidem abgehauen. Nun da die nong saao, die juengere Schwester, jetzt offensichtlich wohlhabend geworden ist, denn sie besitzt ein Steinhaus, das ihr ein farang hingestellt hat, Grundstuecke fuer den Reisanbau und jede Menge goldener Klunker, die sie auch reichlich zur Schau stellt. Die andere hat jetzt keinen Mann, kein Geld und keine goldenen Klunker mehr und will unbedingt in das Steinhaus der Thailaenderin meiner Wahl ziehen, die aber ist, wie man wissen sollte, ausgesprochen clever und weigert sich.


Die Teller sind nicht vollstaendig geleert, denn gegessen wird nur so viel, wie benoetigt wird, um die Zeit bis zur naechsten Speisung zu ueberleben, und ich unterbreche die Auseinandersetzung abrupt, indem ich zahle. Jede Wette, dass die pii saao bei naechster Gelegenheit wieder auftauchen wird?

Die pii saao bleibt sitzen, wir verabschieden uns voneinander, und ich halte noch einmal Ausschau nach der neuesten Bekanntschaft, kann sie aber nicht mehr ausmachen. Nun, wozu wurde das »mobile« auf den Markt gebracht? Bei Gelegenheit wird frau sich schon melden.

Allmaehlich muss ich daran denken, fuer Mitbringsel zu sorgen, denn wie bei Weihnachts- bzw. Geburtstagsgeschenken warte ich nicht bis zum letzten Druecker. So gehe ich also von der soi 7 in Richtung soi 19, um einen jungen Thailaender zu treffen, der ambulant selbstgemachte Kerzen anbietet, die aus einem transparenten Wachs bestehen, das er in ein Glas gegossen hat. Eingebettet darin sind kleine bunte Herzchen oder Figuerchen. Schoen putzig und kitschig sind diese Kunstwerke, aber der junge Mann ist taubstumm, und er traegt so ein ueberwaeltigendes Laecheln zur Schau, dass ich mir schon lange vorgenommen habe, ihm etwas abzukaufen. Abgesehen mal davon kenne ich schon einige, denen so etwas gefallen koennte, denn nicht alle haben einen so einseitigen Geschmack wie ich.


Tatsaechlich treffe ich ihn auf der Sukhumvit. Ich erstehe 3 Stueck von den Unikaten fuer 100 Baht. Zwar versuche ich zu handeln, aber das stellt sich als aussichtslos heraus, denn er kann mich weder hoeren, noch kann er sprechen. So laecheln wir beide uns nur mehr oder weniger verstaendnisvoll an, und ich weiss, dass er jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchen wird, mir noch weitere Stuecke anzudrehen.

Ein thailaendischer Verkaeufer vergisst selten einen Kunden, und darueber heraus ist er sehr optimistisch, selbst wenn voellig klar ist, dass man etwas nur einmal gebrauchen kann. So kommt denn auch mit schoener Regelmaessigkeit eine Verkaeuferin auf mich zu, die Plakate anbietet, auf denen thailaendische Fruechte dargestellt sind. Vor Jahren habe ich ihr so ein Exemplar abgekauft und ihr schon wiederholt erklaert, dass ich nur eins gebrauchen kann, dennoch gibt sie es nicht auf, mir dasselbe Stueck immer und immer wieder anzubieten.


Nach Mitternacht dann in der soi sanug laesst mich die Meine relativ lange alleine. Hat sie mir das Biergarten-Gestaendnis vielleicht doch nicht abgenommen. Als sie dann mit ziemlicher Verspaetung mit einem Taxi vorfaehrt drehe ich einfach den Spiess um. Ich schnueffle sie in der Nackengegend ab – was sie uebrigens sehr gern hat – und beschuldige sie ebenfalls: »khun pai short-time maa«, »Du bist fremdgegangen«.

Normalerweise wuerden wir uns jetzt liebevoll kappeln, aber sie bleibt ungewohnt ernst. Ihre pii saao, die wir im Biergarten getroffen hatten, habe sie in ihrem Zimmer besucht und sie nachhaltig ueberreden wollen, sie doch in ihr Steinhaus aufzunehmen.

Verstaendnisvoll ergreife ich ihre Hand, streichle zaertlich ihre Wange und laechle sie aufmunternd an. Die Geraeusche um uns herum verstummen, und fuer eine Weile scheinen wir allein in diesem Universum zu sein. Ich bekomme den starken Wunsch, diese Situation, diesen Ort nie wieder verlassen zu wollen …

… bis sie verkuendet: »ao Whisky«, im uebertragenen Sinne »Wo bleibt der Whisky?«.

Im Weltall muss es Thailaenderinnen und Whisky geben, sonst waeren die Ausserirdischen doch schon laengst hier.


Als erstes habe ich den Fernseher eingeschaltet vor allem, weil es eine gute Methode ist, eine Thailaenderin wach zu bekommen. Der Sender, den ich hier im Hotel favorisiere, ist »Fashion TV«, nicht wegen der staksenden, ausdruckslos trampelnden, duerren Weiber, sondern wegen der Hintergrundmusik, weil ich kein Radio auf dem Zimmer habe.

Die Thailaenderin meiner Wahl oeffnet tatsaechlich ihre mandelfoermigen Augen. »tham ngaan sii«, was als Befehl bedeutet, dass ich noch etwas am Computer arbeiten soll, waehrend sie weiter vom Goldschmied in der soi 10 traeumen kann. Da wir nicht in Zeitnot sind, und sie noch keinen Hunger hat, setze ich mich brav an dieses Geraet hier, um zu berichten, was einem so bluehen kann, wenn man mit einer »Verrueckten« zusammen ist, die man noch nicht einmal liebt, bzw. nicht lieben darf.

»kwaam rak djep«, »Liebe schmerzt«, sagt sie zu diesem Thema offensichtlich aus Erfahrung heraus, und »you cannot buy love«. Das sehe ich als Mann allerdings anders und habe sie einmal gefragt, ob sie nicht doch ein klein wenig Liebe zulassen koennte. Sie schaute mich pruefend an, und meinte mit Nachdruck in Thai- Englisch: »love you nid noi but long-time«, »Ich liebe dich ein bisschen, aber fuer eine lange Zeit«, worauf ich erwiderte: »love you maak maak but only for a short time«, »Ich liebe dich sehr, aber nur fuer eine kurze Zeit«.

Ihre Lieblingsantwort liess nicht lange auf sich warten: »khun baa« und nach einer Weile fuegte sie mit Nachdruck hinzu: »I love you – pay«.

Dennoch wallt in mir bisweilen schon ein Gefuehl auf, dass ich ihr mitzuteilen gedenke: »rak khun mod hua djai«, saeusle ich dann. »Ich liebe dich von ganzen Herzen«.

»Sssick!?« zischt sie und greift mir an die Stirn, »Du bist wohl krank!?«.


Dann beginnt der Tag doch, seinen normalen Verlauf zu nehmen. Nach dem gemeinsamen Duschen meldet sich ihr Hunger und wir gehen, da der Nachmittag schon fortgeschritten ist, ins »Suda« in die soi 14. Das Lokal offeriert den Gaesten eine eindrucksvolle Speisekarte mit leckerem Thai- Essen. Deswegen ist es sehr bekannt bei den Einheimischen und den Residents, den staendig in Bangkok lebenden Auslaendern, und am spaeteren Abend kann es vorkommen, dass man keinen Platz mehr findet. Touristen verirren sich eher selten hierher, denn das Restaurant liegt in so einer Art Hinterhof.

Bei der Fuelle an Menue- Vorschlaegen ueberlasse ich ihr die Auswahl. Fuer mich bestellt sie Kraeuter- gewuerztes Huehnerfleisch, das in Bambusblaettern serviert wird und nimmt sich etwas Schweinernes, dem kraeftig Ingwer beigemischt ist. Die Wirtin macht wie immer ihre Runde, um ein wenig mit den Gaesten zu plaudern, und um die Komplimente einzuheimsen. Ich lobe das Design ihrer neuen Speisekarte, was sie freut. Worauf sie uns als Gaeste erkennt, die schon der Oefteren da waren, was uns freut.

Nach dem Essen verabreden wir, uns um Mitternacht in der soi sanug zu treffen. Wir trennen uns.

Mein Ziel ist eine junge Thailaenderin, die vor ein paar Tagen auf der Sukhumvit einen Stand aufgemacht hat und DVDs verkauft. Gutherzig wie ich nun einmal bin habe ich vor, ihren Umsatz anzukurbeln.

Ich habe sie vor Jahren kennen gelernt, als ich mit einem Thailaender, der eigentlich vorhatte, meine Tochter zu beschmusen, zusammen nach Nakluea, was in der Naehe von Pattaya liegt, gefahren bin. Er wollte wohl ein wenig angeben, und hat diese Fahrt vorgeschlagen, um mir sein neues Auto vorzustellen. Unterwegs, als er auf Hoehe der Asoke an einer Ampel halten musste, ist ploetzlich eine Thailaenderin bei ihm eingestiegen, was offensichtlich nicht nur mich verbluefft hat. In Nakluea haben sie mich dann in einem Strassencafe allein gelassen. Allerdings kam sie noch einmal zurueck. Sie habe ihre Zigaretten vergessen, gab sie zur Erklaerung an, schnappte sie sich, und ich konnte einen Hotelschluessel in ihrer Hand entdecken.

Als wir uns dann wieder getroffen haben, konnte ich bemerken, dass das Maedel zufrieden gelaechelt hat. Etwa neun Monate spaeter hat er mir dann erzaehlt, er sei Vater geworden, und ich habe Eins und Eins zusammengezaehlt.

Des Oefteren habe ich sie auf der Sukhumvit getroffen. Mal hat sie mich ueberschwaenglich begruesst, mal so getan, als ob sie mich nicht kennen wuerde, bisweilen sogar heftig ihren Unmut gezeigt, wenn ich sie allzu vertraut angesprochen habe. Viel spaeter erst sah ich sie dann zu zweit dastehen, die eineiigen Zwillinge.

An ihrem Stand angekommen, frage ich sie erst einmal hoeflich, wie es denn ihrer Tochter ginge, um sicher zu gehen. »Gut«, sagt sie, freut sich offensichtlich mich wiederzusehen, und ich kann bemerken, dass sich auf ihrem suessen, thailaendischen Naeschen Schweissperlen gebildet haben, weil es heute ziemlich warm ist. »djamug naa rak«, charmiere ich, »Eine suesse Nase hast du«. Sie nimmt das Kompliment laechelnd entgegen und will wissen, ob ich ihr denn eine DVD abkaufen wolle. Klar, deswegen sei ich ja auch gekommen, aber es soll eine »sexy DVD« sein.

Sie nimmt diesen Wunsch ganz professionell entgegen und fragt »farang, nippun, thai«, »auslaendisch, japanisch, thailaendisch?«. »Lesbien«, ist mein Wunsch. Den »khun baa«- Blick hat sie also auch drauf, und sie verschwindet im Getuemmel der Passanten fuer eine Weile und kehrt mit Plastiktueten zurueck, die prall gefuellt sind.


Der Porno- Verkauf ist in Thailand verboten, und ab und zu kommt es zu einer Razzia auf der Sukhumvit, aber nur an einem einzigen Stand, so dass die Vermutung aufkommt, dass der Verkaeufer etwas nicht beachtet hat. Dagegen kann man mitunter beobachten, wie ein Polizist sich an einen Stand setzt und interessiert das sexy Angebot prueft, so dass die Vermutung aufkommt, dass der Verkaeufer etwas beachtet.

»Six for five hundred«, laechelt sie mich an, aber mir reicht eine Scheibe. 100 Baht verlangt sie dafuer, ich gebe ihr 500 und sie mir das Wechselgeld. Mit dem 500 Baht- Schein klopft sie auffordernd auf die ausgelegte Ware offensichtlich, um diese aufzufordern, sich ein Beispiel zu nehmen und sich auch so gut und so schnell zu verkaufen.

Bevor ich zur soi sanug gehe, schaue ich mal schnell auf der Nana Entertainment Plaza, soi 4, vorbei, den Schrecken jedes Feuerwehr - Hauptmanns, denn wenn es hier einmal brennen sollte, dann hat keiner eine Chance: kein Kunde, keine Performerin um rauszukommen, und keine Feuerwehrmann um reinzukommen, denn es handelt sich um so eine Art voll gebauten Hinterhof, der keine backdoors hat, dafuer ist aber die Einfahrt viel zu eng fuer groessere Fahrzeuge.

Im ersten Stock befindet sich hinten links die Casanova- Bar, fuer mich so eine Art Kult- Schuppen. Hier gibt es die langbeinigen gatoey, die sich vor dem Lokal stylen oder stylen lassen.

Ein wenig nervig ist, dass sie alle einen belagern, damit sie einen Drink spendiert bekommen. Nun, zum einen ist das ihr Job, und zum anderen kenne ich Cindy, die fast schon zum Inventar gehoert, so lange besuche ich »him or her« schon. Sie verscheucht die anderen »ladies«, und wir begruessen uns herzlich, nehmen einen Drink zusammen und plaudern ueber alte Zeiten. Natuerlich fragt sie mich, ob ich nicht mit ihr »nach oben« gehen moechte. Meine Antwort ist seit Jahren dieselbe und sie nimmt sie laechelnd entgegen. Wir verabschieden uns wieder, und ich verspreche, wie immer, das naechste Mal wieder bei ihr vorbeizuschauen.


Gemaechlich schlendere ich zur soi 13. »mai mii krai«, es ist noch niemand da. So setze ich mich denn und lasse mir ein Bier bringen. Meine Lieblingsbedienung ist nicht gekommen, da sich ihr »fan«, ihre Langzeitbeziehung, wieder hat blicken lassen. Nach und nach kommen der Spanier, der Schweizer, der Oberpfaelzer, der my very best friend- American, der Schwede, der Oesterreicher und jede Menge Damen und Daemchen wie jede Nacht zur einer lustigen Runde zusammen. Ein Ostdeutscher, der sich letztes Jahr hier in Bangkok niedergelassen hat und sich bemueht Englisch und Thailaendisch zu lernen, setzt sich zu uns. Waehrend des Gespraechs mit ihm kann ich dann schon bemerken, dass er Fortschritte macht und ich lobe ihn dafuer.

Mir bleibt es unverstaendlich, dass viele Auslaender nach Thailand kommen, hier arbeiten oder ihren Lebensabend verbringen wollen, es aber nicht fuer noetig finden, Thailaendisch zu lernen. Allerdings amuesiert es mich, dass er beklagt, in seinem Appartement keinen Nagel in die Wand schlagen zu koennen, denn es wurde eine falsche Zementmischung verwendet. Er war halt vom Bau. Da gibt es doch andere Moeglichkeiten, etwas aufzuhaengen.


Die Thailaenderin meiner Wahl laesst mich ueber eine Stunde warten, ich werde langsam sauer, doch also sie mit ihrer nong saao erscheint entschuldigt sie sich ehrlich wirkend. Es handele sich um graeng djai. Sie hat mich nicht anrufen wollen, um zur Karaoke- Bar zu kommen, weil an diesem Abend so viele an ihrem Tisch sassen, dass es mich eine Stange Geld gekostet haette.

Bei graeng djai handelt sich um eine thailaendische Tugend, die in Respekt, bzw. Ruecksichtnahme besteht. Diese Begriffe sind uns schon auch bekannt, haben aber fuer die Thailaender einen viel hoeheren Stellenwert. So kann es schon vorkommen, dass eine Thailaenderin wider besseres Wissen zustimmt, auf den Gebrauch eines Kondoms zu verzichten, nur um ja nicht respektlos zu erscheinen.

Das koennte der Thailaenderin meiner Wahl nicht passieren, denn sie ist clever.

»naenon waa«, sagt sie, »Aber sicher doch«, »chan ruu rueang«, und sie rollt ihr Zungen- »R« auf kambodianische Weise. »Ich kenne doch die Zusammenhaenge«.

Intelligente Weiber koennen ein Graeuel sein, aber sie laechelt mich entwaffnend an, oeffnet die Whisky- Flasche mit dem gekonnten Dreh und serviert den ersten Schluck den Geistern der soi sanug.

Ein intelligentes Weib kann eine Freude sein.
 
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SOI SANUG
Kapitel 8


Bedauerlicherweise geht so viel verloren.

Damit meine ich jetzt mal nicht das Materielle, sondern die Erinnerungen an die Erlebnisse der Nacht. Zwar versuche ich, das, was wir so an Interessantem, Erfreulichem, Amuesantem und Dramatischem erleben, in einem kleinen Notizbuch zu protokollieren, aber am naechsten Tag kann ich es nicht mehr lesen. Beim aelteren Menschen hapert es nach ein paar Bierchen halt an der Feinmotorik.

Die Thailaenderin meiner Wahl schlaeft noch, waehrend ich wach liege und versuche, die Geschehnisse der letzten Stunden vor dem mueden geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Letztlich kann ich mich noch nicht einmal mehr daran erinnern, ob ich ueberhaupt bezahlt habe. So stehe ich denn erst einmal auf und mache mir einen Kaffee, um mich in Schwung zu bringen und beschliesse, hinterher zu duschen, vor allem mich zu rasieren. Sie liebt nun einmal meine Bartstoppeln ueberhaupt nicht, weil sie beim Nahkampf als stoerend empfunden werden, und weil sie diese fuer ihre nicht vorhandenen Pickel verantwortlich macht.


Thailaender haben gemeinhin keinen Bartwuchs, und es faellt ihr schwer, sich an die Auspraegung dieses maennlichen sekundaeren Geschlechtsmerkmals zu gewoehnen. Da ist das bei mir mit ihren weiblichen Auspraegungen schon ganz anders.

Auf dem Weg zum Badezimmer sehe ich ihre Waesche auf dem Boden verstreut liegen. Es ist schon erstaunlich wie wenig sie benoetigt, um sich zu bekleiden und wie viel sie dafuer ausgeben musste. Das alles koennte in ein Tetrapack passen, und ich wundere mich wie zierlich sie in Wirklichkeit ist, wobei sonst mein Empfinden ist, dass sie sich mit mir auf Augenhoehe befindet. Das muss an ihrer grossen Klappe liegen, aber auch an ihren Stoeckelschuhen mit den waffenscheinpflichtigen Pfennigabsaetzen, was wahrscheinlich heute »Centabsaetze« heissen muss.


Nach dem Duschen und dem Kaffee sind meine Lebensgeister wieder in Alarmbereitschaft und der Organismus in Habachtstellung. Doch wie bekommt man so ein noch tief schlafendes asiatisches Tigerkaetzchen heute wach, ohne dass sie grollt und sich gleich wieder rumdreht. Ganz einfach: »wan nii pai soi sip«, »Heute gehen wir in die soi 10«, sage ich in einer vernehmlichen Lautstaerke, denn ich habe vor Tagen schon versprochen, ihr etwas Gueldenes fuer den Gutschein zu kaufen, den ich ihr zum Geburtstag geschenkt habe. Ihre Augen oeffnen sich, eine Moment scheint sie zu ueberlegen, ob ich sie nicht doch nur wieder tratzeln will, dann sieht sie, dass ich als schon geduschter Adam vor ihr stehe, sie springt aus dem Bett und mir als thailaendische Eva an den Hals: »pai soi sip, pai soi sip«, jubelt sie, und verschwindet im hong naam, im Bad.

Als sie wieder aus dem Badezimmer kommt weise ich daraufhin, dass Dankbarkeit angebracht waere, die sie dann mit einer Begeisterung zeigt, die bei weitem nicht an den Enthusiasmus herankommt, den sie bei der Aussicht zum Goldschmied zu gehen aufgebracht hat.


Heute wollen wir im Restaurant an der Ecke soi 5 essen. Dort gibt es »thalee«, Schmackhaftes aus dem Meer. Natuerlich waere sie viel lieber gleich in die soi sip mit mir gegangen, bevor ich es mir anders ueberlege, aber was wuerde ihr das nuetzen, wenn sie auf dem Weg dahin verhungert.

Sie bestellt cutiao muu, Nudelsuppe mit Schweinefleisch- Einlage und ich plaa mueg, Tintenfisch mit Gemuesestreifen. Waehrend ich mit ihr das Essen geniesse, scheint sie mit ihren Gedanken woanders zu sein, ich weiss auch wo, denn sie laesst ueber die Haelfte zurueckgehen. Einmal kann ich ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Wir kosten ja immer gegenseitig unsere Auswahl, also bediene ich mich an ihrer Nudelsuppe. Praemenstruell bedingte Schaerfe kann ich dazu nur sagen, und der Chili steigt mir dermassen in die Nase, dass ich niesen muss. Das loest Unmut bei ihr aus. In Thailand wird es als sehr unfein empfunden, wenn man sich bei Tisch die Nase putzt. Zwar weiss ich das, aber was haette ich machen koennen. Soll sie halt nicht so verrueckt wuerzen.


Sie habe nicht gewusst, um welchen Chili es sich gehandelt habe. In ihrer Stadt werde fuer teures Geld ein Chili verkauft, von dem man nur ein wenig benoetigt, um eine ausreichende Schaerfe zu erreichen. Hier bekomme sie aber den billigen, muesse deswegen nachwuerzen, was dann erstens fuer das Restaurant auch teurer wird und zweitens aufs selbe herauskommt, lacht sie dann wieder.


Gesaettigt gehen wir dann zur soi 10 rueber, und sie treibt mich an, denn sie ist jetzt erwartungsfroh ungeduldig. Bevor wir eintreten mache ich sie nochmals darauf aufmerksam, dass ich ihr ha – ha – ha – ha zugesagt habe: ha pahn – ha roi – ha sip – ha, 5.555 Baht, denn der an der Schaufensterscheibe notierte Goldpreis steht bei ueber 14,000 Baht. Vor ein paar Jahren noch, als ich ihr zum ersten Mal etwas gekauft habe, stand eine 8 vor dem Komma. Fuer einen Ring duerfte es aber reichen.

Im Laden befinden sich mindestens 7 Verkaeufer hinter dem Tresen, was daraufhin deutet, dass die Rendite gar nicht so schlecht sein muss. Auf dem Fussboden doesen zwei Hunde. Wir sind im Augenblick die einzigen Kunden. Wir wenden uns gleich an den chinesischen Chef, der uns schwach laechelnd begruesst, als ich ihn mit Blick auf die Koeter frage, ob er eine neue security- guard habe, um ihn mit diesem small-talk in eine kundenfreundliche Stimmung zu bringen.

Die Thailaenderin meiner Wahl beginnt aber sofort das Verkaufsgespraech, sie wolle eine Halskette haben. Da schalte ich mich doch gleich mal ein: »ha – ha – ha – ha«, raune ich ihr zu. Das Laecheln des Chinesen wird noch schwaecher, da er offensichtlich versteht, was der farang khon kii niao, der geizige Auslaender, da von sich gegeben hat: »no have«, doch versucht er zu vermitteln, das Mindeste, was er bei Halsketten anbieten koenne, liege bei 7.200. Nun, dann soll er eben »lod noi dai« sagen, »man kann mit dem Preis etwas runtergehen«, oder wir gehen wieder.


Wortreich schildert er mir, dass der Goldpreis so hoch liege, dass die Geschaefte so schlecht gehen, und dass er keinesfalls einen guenstigeren Preis machen koenne, weil er doch noch etwas verdienen muesse.

Ich schaue auf den mit Brillis uebersaeten Ring an seiner Hand und kann meine Traenen nur mit Muehe zurueckhalten. Trotzdem bleibe ich hart. Aus dem Portemonnaie nestle ich 5.550 Baht gebe sie der Thailaenderin meiner Wahl. Der Anblick der Scheine laesst beide doch verhandlungsbereiter werden, vor allem als sie dann mitteilt, dass sie auch etwas drauflegen werde. Darauf wird dann das Palaver auf Thai weitergefuehrt, und ich beschaeftige mich anderweitig, indem ich dem weiblichen Personal zulaechle, was aehnlich schwach wie der Chef zuruecklaechelt.


Sie ersteht eine Halskette mit modernem Design, bezahlt etwas, was ich gar nicht wissen will, und der Chinese packt das Stueck in eine billige rote Plastikschachtel. Wieder auf der Strasse muss ich ihr helfen, die Neuerwerbung gleich um den Hals zu legen, schliesslich soll der Rest der Welt sehen, wie so ein Goldstueck meinem Schmuckstueck zu mehr Glanz verhilft.

Da das jetzt abgehakt ist, verabschiedet sie sich von mir, denn sie muss die Kette schleunigst den Mitbewohnern in ihrer community praesentieren. Ich gehe einen anderen Chinesen aufsuchen, der in der Naehe der soi 15 in so einer Art Garage, die er »Underground Superstore« nennt, alles Moegliche anbietet, darunter auch second-hand- Buecher auf Deutsch und Briefmarken, die er allerdings etwas teurer als in der Post verkauft.

Wenn man protestiert, was ich natuerlich immer tue, dann schildert er wortreich, dass der Briefmarkenpreis so hoch liege, dass die Geschaefte so schlecht gehen, und dass er keinesfalls einen guenstigeren Preis machen koenne, weil er doch noch etwas verdienen muesse.

Wieder den Traenen nahe kaufe ich zwei Postkarten mit den entsprechenden Briefmarken, um meine chinesischen Untermieter in Muenchen zu gruessen, denn auch ich muss Kundenfreundlichkeit beweisen, weil sie mir ja Miete zahlen, die sie als zu hoch empfinden.

Wortreich habe ich ihnen geschildert, dass der Mietpreis im Lehel so hoch liege, dass die Zinsen sich so schlecht entwickelt haben, und dass ich keinesfalls einen guenstigeren Preis machen koenne, weil ich doch noch etwas uebrig behalten muesse. Ich habe sie zu Traenen geruehrt und um sie zu troesten, gruesse ich sie jetzt halt aus Thailand, wo ich mich aufhalten muss, weil ich mir in Deutschland wegen der hohen Kosten nichts mehr leisten kann.


Um Mitternacht sitze ich allein in der soi sanug. Neben mir hat eine ansehnliche Thailaenderin Platz genommen. Um mir die Zeit zu vertreiben, fange ich ein Gespraech mit ihr an und verabrede mich mit ihr zu einer short-time fuer Morgen Nachmittag, Wir tauschen unsere Telefonnummern aus. Die Isaan- Stasi informiert die Thailaenderin meiner Wahl sofort, als sie eine Stunde zu spaet auf der Bildflaeche erscheint. Sie nimmt es gelassen, denn sie hat jetzt ja ihre Halskette.

»laeo tae khun«, up to you, sagt sie offensichtlich ohne grosses Interesse und zeigt allen ihren Hals.

Ja, wenn es erlaubt wird, dann macht doch eine short- time ueberhaupt keinen Spass mehr!



Heute gibt sie kund, dass sie mich tagsueber nicht verlassen werde. Dann war also ihre Interesselosigkeit gestern Nacht nur gespielt?

Nun, sei's drum, dann mache ich halt den Fernseher an, vor dem sie immer zur Bewegungslosigkeit erstarrt, wenn ihre Lieblingsseifenoper kommt, und gehe fuer eine Stunde in ein Internet- Cafe.

Der Mensch denkt, Buddha lenkt, der Mensch dachte, na, und so weiter.

Als ob sie den Braten riechen wuerde, cremt sie sich nach dem Duschen ein. »hom mai«, fragt sie mich scheinheilig, »Rieche ich gut?«

Das kann man wohl sagen. Kosmetika mag ich ueberhaupt nicht, und zum Glueck stinkt sie nicht nach dem, was die chemische Industrie so zusammen mischt und dabei behauptet, man bzw. frau wuerde unwiderstehlich attraktiv, sondern sie sendet dezent Pheromone ueber das Riechzentrum in meinen maennlichen Schaedel, die das bewirken, was den Bestand der Mensch letztlich sichert.

Da der Sinn des Lebens auch in der Arterhaltung liegt, ergebe ich mich denn meinem Schicksal, weise sie aber daraufhin, dass es aus Gruenden der Gewichtskontrolle besser sei, wenn sie mir ein wenig Arbeit abnehmen wuerde. Es ist, wie ich bei der Artillerie als »Ein-Stern-Rot« oft befohlen habe, Stellungswechsel angesagt.


Waehrend wir so kommunizieren, dass die Spanische Reitschule in Wien ihre Freude daran haette, aber es den Moralisten die Nase gelb vor Neid verfaerben wuerde, klingelt ihr Handy. Obwohl sie staendig versichert, das mobile vor dem Spiel des Lebens auszuschalten, kommt es nie dazu und sie geht ran. Eine ihrer besten Freundinnen ist dran, der sie sofort erzaehlt, was sie gerade macht. Sie haelt mir den Hoerer hin, und artig bestaetige ich den Sachverhalt. Dann palavern die Damen ueber Goldkauf, die Obsessionen und den Geiz der farang, ob sie schon gegessen haben und was die einzelnen Mitglieder der Familie so veranstalten.

Eigentlich muesste ich mir bloed vorkommen, aber was ist schon eine Gelegenheit, wenn man sie nicht ausnutzt?

Obwohl der Nachmittag schon ziemlich fortgeschritten ist, hat sie noch keinen Hunger, so bleiben wir noch eine Weile auf dem Bett liegen, und sie erzaehlt mir aus ihrem Leben und von ihren Plaenen. Erstaunlicherweise kommt sie auf ihre Gedanken ueber die Zukunft zu sprechen. Bisher war ich immer der Meinung, dass thailaendischen Damen Wenn-dann- Bedingungen weitestgehend unbekannt sind.

Dann fassen wir aber doch die naehere Zukunft ins Auge, da der Hunger sich meldet: »hiu khao«, »Ich habe Hunger«, und wir gehen zu Yee Long, einem Restaurant an der Ecke soi 15 und Sukhumvit.

Ein ausgesprochen duenner Chinese betreibt hier mit seiner Familie ein Restaurant mit sehr leckeren, asiatischen Gerichten. Gewoehnlich ist sein Laden immer geschlossen, wenn wir essen gehen wollen, aber heute passt es gerade mal. Wir nehmen Platz an einem der Holztische. Der Chef schlurft zu uns herueber und offeriert uns zunaechst einmal tiefgefrorene Reinigungstuecher und eine Schachtel mit Servietten. Das ist wenigsten einmal etwas anderes, denn gewoehnlich bekommt man ein Rolle Klopapier auf den Tisch gestellt. Er nimmt die Bestellung auf: Ente mit gruenen Bohnen und rotem Ingwer und eine Art Curry mit Strohpilzen, Enten- und Krabbenfleisch. Das Essen ist hier wirklich ausgezeichnet. Leider haben die Fliegen das auch schon mitbekommen.

Hinterher heisst es dann: »gep tang duai khrap«, »Wir moechten zahlen«. Der Chef schlurft wieder heran und bringt gleich »mai yim fan«, die Zahnstocher mit. Seine Preisgestaltung ist zwar auf den ersten Blick nicht allzu transparent, aber dann doch wieder uebersichtlich, denn ich vermute, dass er fuer jedes Gericht einheitlich 100 Baht berechnet.


Die Sonne ist schon untergegangen, und wir gehen in die klang soi, die Gasse neben dem Biergarten, weil es endlich an der Zeit fuer ein »early-morning-beer« ist, denn zum Essen haben wir nur naam plao, Wasser getrunken.

Wir nehmen auf roten Plastikschemeln Platz, und da die Thailaenderin meiner Wahl hier Stammgast ist, bedient sie uns selber. Auf so einer Art Tresen stehen grosse glaeserne Behaelter, in denen sich ein hochprozentiges Getraenk befindet. yaa daeng ist es, ein wahrscheinlich bei Mondenschein in einem Hinterhof selbstgebranntes Gesoeff, das die Daemchen aus kleinen Schnapsglaesern trinken bevor sie sich an den Hals eines mehr oder weniger unsympathischen farang werfen. Was hat die Thailaenderin meiner Wahl doch fuer ein Glueck, dass ich so ein »Sympath« bin, denn sie kann zum Beispiel immer nachbestellen, ohne dass sie mich fragen muss. So holt sie uns dann selbststaendig noch eine Flasche Bier, als es an der Zeit ist.


Jetzt nach dem Essen und dem zweiten Bier merke ich, dass mir etwas fehlt, naemlich mein gewohntes Nickerchen. Also schlage ich vor, dass wir wieder ins Hotel zurueckkehren. Davon will sie aber nichts wissen, denn sie argwoehnt, wahrscheinlich ziemlich berechtigt, dass es nicht beim Schlaefchen bleibt, und zweitens ist sie ziemlich aufgedreht, weil sich zu uns einige Damen mit dem eindrucksvollen Zungen- »R« gesellt haben, die offensichtlich noch nicht ueber die Gold- Story informiert worden sind.

Wir verabreden, uns um Mitternacht in der soi sanug zu treffen. Sie bleibt sitzen und fummelt schon an ihrem behaengten Hals herum, und der aeltere Mensch uebernimmt den Matratzen- Horchdienst im Hotel.

Kurz vor Mitternacht gehe ich dann zur soi 13 herueber. Die ansehnliche Thailaenderin von gestern Nacht sitzt schon da. Zunaechst bestelle ich ein Bier und dann geselle ich mich zu ihr. Wir hatten uns zwar fuer eine short-time verabredet, aber ich konnte mich leider nicht frei machen, entschuldige ich mich. Sie nimmt das gelassen, haut mich aber wegen Geld an, sie habe Hunger. Da werde ich doch voruebergehend von einer Hoer- Schwaeche geplagt, und ich setze mich an einen anderen Tisch auf der gegenueberliegen Strassenseite.


Die Thailaenderin meiner Wahl laesst mich Gott-sei-Dank nicht allzu lang alleine sitzen. Ein frueherer »fan« von ihr, der aus den USA stammt, kommt vorbei, und man plaudert ueber vergangene Zeiten. An diesem Gespraech beteilige ich mich nicht. Die ansehnliche Thailaenderin setzt sich zu uns an den Nebentisch offensichtlich, um mich an mein Versprechen zu erinnern. Das ehemalige Liebespaar freut sich ueber gemeinsam Erlebtes, und ich habe jetzt gnadenlos vor, ein zukuenftiges Liebespaar entstehen zu lassen.

Zunaechst kaufe ich bei einem Strassenhaendler zwei geduenstete Maiskolben, um fuer etwas Gemeinsamkeit zu sorgen. Ich biete sie der Thailaenderin meiner Wahl an, doch die will nicht, weil sie zu beschaeftigt ist, einen schon bestehenden Kontakt aufrecht zu erhalten. Der Amerikaner will auch nicht, ja noch nicht einmal Platz nehmen. Dann lege ich eben die duftenden gekoernten Scheiben auf den Tisch der Nachbarin. Die laechelt mich an und greift herzhaft zu. Also hat sie doch Hunger. Unauffaellig verstecke ich 40 Baht in meiner Handflaeche, beuge mich zu der anderen rueber und sage: »yindii thi dai rudjag khun«, »Ich bin erfreut dich kennen zu lernen«, und gebe ihr die Hand. Sie ergreift meine Hand und freut sich ueber die Ueberraschung. 40 Baht sind hier gut fuer ein leckeres und reichhaltiges Abendessen.


Der amerikanisch-thailaendische Erfahrungsaustausch ist immer noch in vollem Gange, so dass ich die Zeit nutzen kann, meiner Nachbarin in den Ausschnitt zu schauen. »Einen schoenen Buddha hast du da«, sage ich und erfreue mich an ihrer sich ausgepraegt woelbenden Weiblichkeit.

Der Amerikaner trollt sich, und die Thailaenderin meiner Wahl uebernimmt wieder das Ruder.

Der ewig-gestrige, krakeelende Deutsche ist heute ruhig, weil sich keiner an seinen Tisch setzt. Nach und nach fuellen sich die anderen Tische. My very best friend- American erscheint und setzt sich an einen fuer mich strategisch guenstigen Platz zwischen der ansehnlichen Thailaenderin und mir. So kann ich ihr zulaecheln und ihren Buddha bewundern, waehrend ich einen amerikanisch-deutschen Erfahrungsaustausch beginne. Je munterer ich wieder werde, desto schlaefriger wird my very best friend, und der schlummert dann auch tatsaechlich ein. Er hatte heute offensichtlich auch noch keinen »nap« gehabt.

Zwei junge Burschen, die schon sehr angetrunken sind, tauchen auf und beginnen mit den anwesenden Ladies zu flirten. Ich bin ausgesprochen froh, dass sie nicht an unserem Tisch Platz genommen haben, denn hier sitzen bereits einige uns bekannte Damen. Da habe ich aber die Rechnung ohne die Thailaenderin meiner Wahl gemacht. Sie wird schon ganz wepsig und ploetzlich steht sie auf, stoeckelt zu den jungen Burschen rueber und beginnt ebenfalls unbarmherzig mit ihnen zu schaekern. Ziemlich erfolgreich, wie sich herausstellt, denn die Jungen kommen tatsaechlich zu uns an den Tisch. Man begruesst sich verhalten. Sie seien Belgier, erzaehlen sie mir, die hier in Sued/ Ost- Asien arbeiten, Thai und Kambodianisch sprechen, in Bangkok auf Urlaub sind und heute lautstark die Sau rauslassen wollen.


Die Thailaenderin meiner Wahl hat die Zeit genutzt, ihre juengere Schwester anzurufen. Die erscheint dann prompt und die jungen Burschen aendern ihre Zielansprache. Jetzt wird geflirtet, was das Zeug haelt. Eine Thailaenderin, die sich noch an mein T-Shirt erinnert, schreit: »papa gae tai ruai«, Papa, ziemlich alt aber reich«, will zu mir auf den Schoss klettern, was ich verhindern kann. Einer der Belgier hat sich die Fuesse der nong saao geschnappt und massiert jetzt an ihnen offensichtlich den Bereich, der zustaendig fuer den Fluss der Hormone ist, denn sie haelt geniesserisch laechelnd still und lispelt wiederholt srull-srull, was der kambodianische Ausdruck fuer sanug ist.

Die Thailaenderin meiner Wahl kuemmert sich um den anderen Belgier, um beide daran zu hindern, zu frueh nach Hause zu gehen, denn ihre Absicht ist klar: Die Schwester muss an den Mann gebracht werden, denn es gibt mit denen auch keine Sprachprobleme. Sie bestellt noch einen Whisky-set, um auch die nong saao bei Laune zu halten. Ich schaue bei der ansehnlichen Thailaenderin immer mal wieder nach dem Buddha, und die freut sich ueber die Anteilnahme.

Die Verhandlungen hinsichtlich der Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Beziehungen gestalten sich erfreulich, zumal die Thailaenderin, die mir auf den Schoss klettern wollte, erfolgreich ihre Fuesse bei dem zweiten Belgier untergebracht hat. Der massiert auch den richtigen Punkt, weil die Dame nicht mehr nach dem Papa schreit, und die Thailaenderin meiner Wahl kann sich wieder um mich kuemmern, denn die in Augenscheinnahme des Buddhas dauert immer laenger, was ihr verdaechtig vorkommen muss.


Da man mir nichts massiert, und ich eigentlich genug Bier habe, will der aeltere Mensch ins Bett. Da protestiert die Ganz-Andere aber heftigst. Ihr Auftrag ist noch nicht erfuellt, also muss ich noch ein Singha trinken. heng suai, so ein Mist aber auch.

Nach und nach leeren sich die Tische wieder, nur bei uns wird noch leidenschaftlich gebaggert. Endlich reicht es den Herren Belgiern auch, sie halten ein vorbeifahrendes Taxi an und klettern mit den beiden Damen, deren Fuesse sie so erfolgreich massiert haben, auf den Ruecksitz. Na, das wird ja schoen eng werden.

Die Thailaenderin meiner Wahl laechelt ihr »ich habe es geschafft«- Laecheln, und hat meine Rolle bei dem Flirten kaum mitbekommen und my very best friend pennt immer noch und hat die ganze Baggerei verschlafen.
 
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Freut mich, dass das hier so großen Anklang findet. Die Website von Bernd war wirklich einzigartig. Hätte ich sie früher entdeckt, hätte ich ihn vielleicht noch treffen können, als ich vor ca. einem Jahr in TL war. C'est la vie..


SOI SANUG
Kapitel 9


Sie hat es sich im Bad bequem gemacht, da faellt ploetzlich das Licht aus. Ein lautes Protestgeschrei ertoent, weil sie annimmt, ich wolle sie mal wieder aergern. Gut, das kann schon vorkommen, wenn sie zu lange »thront«.

»bangthi khun puup laeo«, »Wahrscheinlich hast du mal wieder gepubst«, schreie ich durch die geschlossene Klotuer zurueck.

Meine Antwort bezieht sich auf eine Begebenheit vor Jahren, als sie mich strahlend informiert hatte: »ao puup«, »Ich moechte pupsen«, was sie dann auch vernehmlich bewerkstelligte. In diesem Moment fiel im gesamten Viertel das Licht aus, weil ein Bagger ein stromfuehrendes Kabel erwischt hatte.


Heute betrifft es aber nur das Hotel, und ich suche meine Taschenlampe heraus. Nach einer Weile hoere ich das Wasser im Bad nicht mehr plaetschern. Sie tritt noch nicht ganz trocken hinter den Ohren aus der Dusche, das unvermeidliche Handtuch ueber der Brust zusammengewickelt, in das spotlight der Taschenlampe.

Im Dunkeln ist Tasten keine Schande, weiss ich seit der Pubertaet, als ich zu den ersten Parties einen Kurzschluss-Stecker mitgebracht hatte. Die Taschenlampe mache ich aus und will der Thailaenderin meiner Wahl beweisen, dass ich ausgebildeter Einzelkaempfer bin. Aber es stellt sich schnell heraus, dass der gegen eine kambodianische Nahkaempferin kaum Chancen hat. Als das Licht wieder angeht, bin ich froh, dass sich keiner meiner Freunde von den Moralisten im Zimmer befindet, wahrscheinlich wuerde er erblinden, denn als Beutestueck kann ich nur ihr Handtuch vorweisen.


Sie selbst ist aber dann im hellen Schein der Deckenlampe nicht mehr so ganz bei der Sache, denn sie hat Hunger.

Nun war das letzte Bier von gestern Nacht doch zu viel gewesen, und ich will eine khao tom essen. Die leckerste fuer mich gibt es gleich hier im Restaurant.

Auf dem Nachttisch steht eine Speisekarte. Die schnappe ich mir und bestelle per Telefon eine Reissuppe mit shrimps und krapao thalee, dazu naam ma praao, frische Kokosnuss. Wir ziehen uns etwas an, und bringen das Schlachtfeld wieder in Ordnung. Nach etwa 20 Minuten klopft der Hotel-Boy an der Zimmertuer und bringt auf einem Tablett das Gewuenschte, kassiert den Rechnungsbetrag und freut sich ueber das Trinkgeld.


In Thailand habe ich mir angewoehnt, als Trinkgeld immer 20 Baht zu geben. Es wird nicht immer eins erwartet, und die Thailaender geben kaum. Sie nehmen lieber, so wie die Thailaenderin meiner Wahl, die sich schon manchmal darueber beschwert, dass ich ihr nicht immer gleich etwas gebe, sondern es immer spannend machen will, indem ich die Uebergabe oder was auch immer herauszoegere.

Das liege daran, erklaere ich ihr, dass fuer sie »get« gleich »forget« ist. Hat sie etwas bekommen, dann vergisst sie das gleich wieder und ihr faellt ein neuer Wunsch ein.

»chai«, faucht sie mich an. »So isses«.


Wir stellen das Essen auf das Bett, denn auf dem kleinen Tisch steht mein Laptop, und ich bin zu faul, ihn wegzuraeumen. Damit wir unsere Kleidung nicht bekleckern, entledigen wir uns dieser wieder. Sie setzt sich im Schneidersitz hin, und … was soll ich den Moralisten sagen? Vielleicht, dass ich das nicht kann und mich auf die Bettkante setzen muss? Sie stoert ihre Haltung kein bisschen, mich uebrigens auch nicht, aber aus dem Badezimmer kommt sie immer schamhaft in ihr Handtuch gehuellt.

»krai baa«, »Wer ist nun verrueckt?«


Wir wuerzen unser Essen gekonnt auf thailaendische Schaerfe. Sie isst mit grossem Appetit, wobei ihr die langen schwarz- glaenzenden Haare etwas im Wege sind, weil sie sich in dieser Stellung vornueberbeugen muss. Sie schaufelt die Muscheln in meine Suppe. »khun chop kin hoi«, »Du isst Muscheln doch gern«, laechelt sie mich zweideutig an.

Dieses Stichwort kann ich nicht aufnehmen, denn sie kleidet sich an, um in ihr Appartement zu gehen und nach der kleinen Schwester zu schauen. Das koennte sie freilich auch per Telefon erledigen, aber was soll's. Ich bin ja auch ganz gern alleine, denn ich habe mich schon lange nicht mehr bei meiner Nachmittags- Gastarbeiterin gemeldet. Diese schaut zwar bisweilen in der soi sanug vorbei, setzt sich aber nur dann zu mir, wenn die Thailaenderin meiner Wahl noch nicht gekommen ist.

Also aktiviere ich mein Handy und rufe sie an. Sie sei noch zuhause koenne aber gleich in die soi 5 kommen. Das kann schon eine Weile dauern.


Bevor ich das Hotelzimmer verlasse ueberpruefe ich den Inhalt meines Geldbeutels. Die Quittungen vom Foodland, Robinson und Leader Price schmeisse ich zunaechst einmal weg. Dann sortiere ich die einzelnen Geldscheine, 20er, 50er usw. so, dass das Bild des Koenigs oben liegt. Thailaender lieben ihren Koenig fast kindlich und behandeln auch das Geld mit seinem Bild mit grossem Respekt. Die Thailaenderin meiner Wahl achtet auf so etwas, und einmal hat sie sich einen 1.000 Baht- Schein lange mit Ehrfurcht angesehen und schliesslich verzueckt gehaucht: »I love king«.


Gut sortiert begebe ich mich in die soi 5, wo ich die Nachmittags- Gastarbeiterin nicht ausmachen kann. Nach etwa 20 Minuten rufe ich sie an, wo sie denn bleibe. »chan yuu tii Gulliver's«, »Ich bin im Gulliver's Tavern«. Das haette ich mir auch denken koennen, denn das ist auch so ein Kontaktschuppen.

An den Tuerstehern vorbei, die mich militaerisch gruessen – woher kennen die meinen frueheren Dienstgrad? – betrete ich das Lokal. Es ist gut besetzt und ich sehe keine Moeglichkeit sie auszumachen, aber da winkt sie mir schon aus dem Hintergrund der Bar zu. Sie hat eine Freundin dabei und sich etwas bestellt. Und wer soll das bezahlen?


Das ist schnell geklaert, ich begleiche die Rechnung. Wir schlendern diesmal zum Penthouse- Hotel herueber, im dunklen Hof mit den verhaengten Parkplaetzen erwartet uns ein Mitarbeiter. Sie palavert mit ihm, wobei ich nur short- time verstehe und saam roi sip Baht, 310 Baht. Das Zimmer ist sauber und wieder mit den Spiegeln an allen moeglichen Stellen versehen, allerdings fehlt der »check-for-free«- Stuhl, auf den sie sonst immer so gern klettert. Ihr scheint es aber nichts auszumachen, und offenkundig ist sie hier auch zuhause. Das Programm laeuft ab wie gespult: duschen, sich vergnuegen, Cartoon schauen.


Waehrend wir noch beim Spiel des Lebens sind meldet sich mein Handy. Die Thailaenderin meiner Wahl will wissen, ob ich nicht ins Karaoke, soi 3, kommen moechte. »In 30 Minuten«, sage ich, und widme mich wieder der internationalen Verstaendigung. Die wird ploetzlich hastig vorangetrieben. »arai na?«, »Was ist? Was soll die Eile?«

Sie hat meine Aussage mit den 30 Minuten ernst genommen. Seit wann haben Thailaenderinnen einen Sinn fuer Puenktlichkeit? »cha cha mii welaa«, »Langsam. Wir haben Zeit«.

Wir geniessen diese Art des Zeitvertreibs, schauen uns noch einige cartoons an, duschen, bekleiden uns wieder, verlassen das Hotel und verabschieden uns voneinander.


Es ist nicht weit zur Karaoke- Bar rueber. Zwar habe ich mich verspaetet, aber das wird nicht registriert. Die Meine sitzt allein an einem Tisch, auf dem Essen steht, von dem das halbe Lokal satt werden koennte. Sie habe halt Hunger gehabt, teilt sie mir schwach laechelnd mit. Na, wenigstens ist fuer auch noch etwas uebrig geblieben. Hilfe bekommen wir dann auch von einer tom, die vorbeischaut.

tom sind Frauen, die sich als Maenner fuehlen, und auch ein Leben als solche fuehren: heiraten, fremdgehen, Kneipen lieben und Fussball. Sie sind sozusagen das Gegenstueck zu den gatoey, den Frauen der zweiten Kategorie.

Sie bleibt allerdings nicht lange, denn ihre Frau komme gleich nach Hause, erklaert er/ sie. Kurze Zeit spaeter bekommt die Thailaenderin meiner Wahl einen Handy- Anruf. Sie weist entruestet einen Vorwurf zurueck und beendet das Gespraech mit einem Schmunzeln. Die Frau des tom hat angerufen und sich erkundigt, ob noch eine andere Frau im Spiel gewesen sei, erklaert sie mir. »phuu ying kii hueng phuu ying«, eine Frau ist auf eine Frau wegen einer Frau eifersuechtig, lacht sie.


Wir beschliessen noch mal in der soi sanug vorbeizuschauen und fahren mit dem Taxi hin. Meine Lieblingsbedienung ist heute mal wieder da, aber selber mehr als bedient. Ihr »tiger« ist mit farang- Freunden nach Cha Am gefahren. »I wait him so long«, lallt sie und greift nach der wohl-geleerten Whisky- Flasche.

Die Meine, die gerade noch die Speisekarte rauf und runter gegessen hatte, erleichtert mich um 20 Baht. Sie brauche noch SomTam, weil das Gericht hier so aroi, schmackhaft, sei.

Na, wenn das keine Begruendung ist?


Die Thailaenderin meiner Wahl kommt noch einmal auf das Thema »tom« zurueck und erzaehlt mir von einer Bekannten, die tom ist. Sie arbeitet im Strassenbau, und die Meine demonstriert, wie diese manchmal die Spitzhacke schwingt, dass sie dabei Pumps traegt, glaube ich ihr allerdings nicht. Sie hat sechs eigene Kinder und ist verheiratet, freut sie sich und greift ebenfalls nach dem Whisky.

Am Nebentisch nimmt ein Finnlaender Platz. »Are you ok?«, fragt sie ihn, und als der nicht gleich antwortet, hakt sie nach: »Are you gay?«

»Yes«, kommt dann die Antwort, sie klatscht in die Haende und freut sich schelmisch, dass er auf ihr Wortspiel hereingefallen ist.
 
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