(Fortsetzung)
Bewaffnet mit meinem neuen T(ouristen)-Shirt ging es ab zur sündigen Meile Pattayas. Von Martl hatte ich bis dahin noch nichts wieder gehört und damit war die Abendgestaltung weiterhin vollkommen offen. Wie mittlerweile jeden Abend bestieg ich bereits gegen 22:30 Uhr den Bahtbus, um zur WS hinunter zu fahren und mich auf den Weg zu meiner Lieblingsbar zu machen. Diese Routine tat mir gut und es war
Same, same... but different!
Heute war auf einmal
alles anders. Alles, was ich an den vorangegangenen Tagen noch so moniert hatte und als unangenehm empfand, war wie von Geisterhand einfach verschwunden. Ich kam an der Bar an, schaute in die Runde, erblickte meine liebste Kae, zu der ich mich gleich hinsetzte nebst Begrüßung der anderen Anwesenden.
Und auf einmal war sie ganz anders. Keine Ahnung, ob mein tagelanges Einreden auf sie endlich gewirkt hatte, oder der nächtliche Streit in der WS um 3 Lebensjahre und die damit verbundenen Implikationen einen Sinneswandel auslösten. Aber um reinen Zufall handelte es sich nicht, denn die Unterschiede waren frappierend. Damit war auch der erste sichtbare Erfolg vorhanden von vier Tagen Überzeugungsarbeit am Bargirl in Punkto "wie behandele ich klappstuhl". Der eine fragt nach Blowjobs und anderen Sachen, ich lege eben solche Dinge fest.

Soll keiner behaupten, ich hätte keine Strategie!
Schon beim Hinsetzen konnte ich zum ersten Mal eine direkte Reaktion auf mein Kommen wahrnehmen. Wurde in den letzten Tagen immer nur ein verschüchtertes, freundliches Lächeln gezeigt und nach dem Getränkewunsch gefragt, hatte Kae dieses mal ein ehrliches Grinsen im Gesicht und freute sich gar, ihre Sitzposition verändernd und Haltung annehmend. Diesen Unterschied erkennt man auf einen Kilometer Entfernung, selbst im Land des Lächelns, als Kombination aus Miene und Körpersprache. Noch bevor ich nach einem Getränk gefragt wurde, gab es ein Paar Informationen über den abgelaufenen Tag. Sie hatte sich nicht etwa ins Bett begeben, sondern ging noch einige Stunden einkaufen, nachdem ich sie am Nachmittag entlassen hatte. Vielleicht erlangte sie dadurch die gute Laune. Irgendwann musste ich sogar eingreifen, um an mein wohlverdientes Bier zu kommen, so verändert war auf einmal die Lage.
Um irgendwelchen Verdächtigungen von Leserseite vorzubeugen, hatte ich Ning oder Kae natürlich unlängst davon in Kenntnis gesetzt, dass es keinen Weg für Kontakt über meine Abreise hinaus geben würde. Das war eine vollkommen unantastbare Aussage, die ich mehrfach als Argument pro Ehrlichkeit in den Raum stellte nach dem Motto "Ich werde keinen Kontakt aufrecht erhalten, also könnt ihr ruhig den Bullshit aussparen".
Von diesem
überraschenden Willkommen hangelten wir uns hinüber zur Abendgestaltung. Ich wusste, dass dieses mein letzter Abend der Ausgelassenheit sei und mit oder ohne Martl würde ich heute noch ein anderes Girl zum Abschied mitnehmen wollen. Jedoch lud ich Kae für den kommenden Abend ein, der aufgrund meiner Abreisezeit am Morgen nur sehr kurz werden konnte. Insgesamt war ich mit ihr doch zufrieden gewesen und sie hatte sich stets an Bargirlverhältnissen gemessen sehr korrekt mir gegenüber verhalten. Nicht zuletzt war sie mir von allen Damen in der Umgebung immer noch am weitaus sympathischsten und deshalb wollte ich den Abend im guten Restaurant vor der Abreise noch einmal mit ihr verbringen. Fairer Deal, fand ich, auch als ein kleines Dankeschön vielleicht.
Sie sagte zu, allerdings ohne mich darüber im Unklaren zu lassen, dass sie heute Nacht mit ihrer Kollegin in die Disko losziehen würde, um sich einen Customer zu suchen. Als vor Erstaunen über diese vollkommen ungewohnte und freizügige Nachricht meine Kinnlade wohl fast den Tresen berührte, fügte sie schmerzlos hinzu: "I'm working", und hatte damit ein für alle Male begriffen, was ich eigentlich die ganze Zeit wollte. Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich besser verstanden als in diesem, in dem mir die Verabredung für morgen Abend mitteilte, dass sie sich nicht mehr in der Pflicht fühle, sich eine Ausrede einfallen lassen zu müssen, um mich ruhig zu stellen. Für sie war das ein enormer Fortschritt und ging Hand in Hand mit dem, was ich vorher schon wahrgenommen hatte.

Heute war alles anders. Nein,
alles war besser.
Martl meldete sich dann doch noch gegen Mitternacht und teilte mir mit, nach einem Nickerchen wieder einsatzbereit zu sein. Er schlug vor, die WS wieder unsicher zu machen, was natürlich auch mein Plan gewesen war. Da bin ich dabei! 8)
Ein Teil der anderen Girls und ich machten noch eine kleine Abschiedsfeier, zu der ich ihnen eine Flasche Thai-Whisky schenkte, der dort sehr beliebt zu sein schien. Zwar war ich wohl einer der unkreativsten und am wenigsten an Auslöse interessierten Kunden, die jemals ihre Bar besucht hatten, aber selbst die Mamasan, welche vorher kein Wort mit mir gewechselt hatte, gab mir noch einen Drink aus an dem Abend auf das Wiedersehen. Zumindest schien ich kein ganz schlechter Kunde gewesen zu sein trotz meiner Ladydrink-Konfusion in der Frühphase.
Der letzte Blick mit Wehmut zurück in die Bar. Es war same, same. Die Mädels spielen mit dem Handy und ich machte mich auf den Weg zum Treffpunkt, der Marine Disko.
Ich hatte in den letzten Tagen verstärkt über das Essen berichtet und füge den kleinen Teil mit den für Anfänger interessanten Infos hier schnell ein. Und zwar befinden sich überall an den touristischen Strecken mobile Essensstände in verschiedener Ausprägung und mit unterschiedlicher Speisekarte. Es ist eigentlich unmöglich, in Pattaya an den größeren Straßen entlang zu gehen und dabei nicht ständig in Versuchung zu geraten, sich etwas Essbares mitzunehmen. Ihr müsst Euch nicht um die Verpflegung zu jeglicher Stunde Gedanken machen, denn die Thais sorgen schon für alles Notwendige. Nur eine kleine Auswahl umfasst:
Donuts und andere Leckereien aus dem Süßwarenbereich liebevoll angerichtet. Leider bei über 30°C in der Mittagszeit nur ohne Schokoüberzug zu empfehlen.
Lecker trockener Tintenfisch. Fand sich nicht auf meiner Speisekarte, lässt sich jedoch an sehr vielen Essensständen erwerben. Habe niemals einen Käufer gesehen.
Der wohl häufigste Wagen dürfte der Obstverkaufsstand sein. Hier wird u.a. Wassermelone verkauft, die vor dem Verzehr in Stücke auf der Schale geschnitten wird und in einer Plastiktüte zum Transport liegt. Die Thais selbst essen lieber die Mangos, hatte ich das Gefühl. Hier noch etwas gelber Schmuck.
Schön geschmückt war auch dieser häufig anzutreffende Wagen mit den verschiedensten Spießen, die auf dem Wagen gegrillt werden. Manchmal glaubte ich, meine Begleitungen wüssten selbst nicht, was da alles offeriert wird. Es ist jedenfalls ein buntes Allerlei an Spießen im Programm.
Nicht zuletzt erwähnenswert dieser Obstladen direkt vor meinem Hotel. Die Früchte sahen alle sehr frisch aus, es duftete vollkommen wirr nach den unterschiedlichsten Früchten und die Thais geben sich wirklich sehr viel Mühe bei der Präsentation der Ware. Teilweise hatte ich die Früchte in meinem Leben zuvor noch nicht gesehen. Ich finde, man kann sich das ruhig einmal angucken.