Den nachstehenden Artikel habe ich soeben per E-Mail an print@kicker.de gesendet!
Back to the Roots, Herr Infantino!
Kommentar
Vielleicht sollte Gianni Infantino endlich einmal jemand sagen, dass sein Handeln nicht im Interesse des Fußballs liegt.
Ja, die FIFA nimmt immer mehr Geld ein. Ja, neue Wettbewerbe und Vermarktungsideen lassen die Kassen klingeln. Doch Geld allein macht den Fußball nicht größer. Im Gegenteil. Es droht genau das verloren zu gehen, was diesen Sport zum beliebtesten der Welt gemacht hat. Seine Nähe zu den Menschen.
Fußball war immer ein Spiel für alle. Genau deshalb wurde er zum Volkssport. Doch diese Entwicklung gerät zunehmend in Gefahr. Die Eintrittspreise steigen, immer mehr Sitzplätze verdrängen die Stehplätze und die Stadien werden für viele Familien unbezahlbar.
Am Ende sitzen nur noch diejenigen auf den Tribünen, die sich den Stadionbesuch leisten können. Der kleine Mann bleibt draußen. Fußball wird dann kein Volkssport mehr sein, sondern ein hochkulturelles Sitzplatzseminar für Körpersprache. Stehen können die meisten dann sowieso nicht mehr.
Die Stadien werden vom Hexenkessel zur Tennishalle. Alle geschniegelt auf ihren Plätzen, höflich applaudierend nach jedem gelungenen Ballkontakt. Dazwischen verliert der Fußball das, was ihn einzigartig macht. Es sterben die Atmosphäre, die Emotionen, die Leidenschaft der Fans und ihre mitreißenden Fangesänge.
Natürlich funktioniert das Geschäftsmodell im Moment noch. Die Einschaltquoten stimmen, die Stadien sind ausverkauft und die Werbemaschine läuft auf Hochtouren. Die Kasse klingelt lauter als jede Fankurve.
Doch dieser Zustand wird nicht ewig anhalten.
Irgendwann werden die Fans mit ihrem Geldbeutel abstimmen.
Sie werden zu Hause bleiben, den Fernseher ausschalten oder sich anderen Dingen zuwenden.
Erst dann wird das große Umdenken beginnen. Doch so weit darf es gar nicht erst kommen.
Die FIFA sollte endlich erkennen, wonach sich Millionen Fußballfans sehnen. Weniger Kommerz, weniger Gigantismus und dafür wieder mehr Leidenschaft, mehr Emotionen und mehr Authentizität.
Viele von uns erinnern sich noch daran, wie unsere Liebe zum Fußball begann. Wir brauchten keine Hochglanzarenen, keine VIP-Logen und keine Milliardenverträge.
Wir Kinder kickten an jeder Straßenecke. Ein Ball genügte. Und wenn keiner da war, dann eben eine Bier- oder Coladose. Genau dort wurde die Liebe für diesen Sport geboren.
Fußball muss zurück zu seinen Wurzeln. Back to the Roots.
Der weltweite Widerstand gegen die jüngsten FIFA-Pläne zeigt deutlich, dass immer mehr Verbände und Fans eine Grenze erreicht sehen. Vielleicht sollte das auch Gianni Infantino zu denken geben.
Herr Infantino, Größe zeigt sich nicht darin, immer neue Milliarden zu erwirtschaften. Größe zeigt sich darin, rechtzeitig Platz für einen Neuanfang zu machen. Milliarden kann man zählen. Leidenschaft nicht. Wer Letzteres dem Kommerz opfert, verliert am Ende beides. Treten Sie zurück. Der Fußball wird es Ihnen danken!