So Leute, nachdem ich nun mein Fazit über Laos geschrieben habe, fehlt eigentlich noch ein ganz besonderes Kapitel dieser Reise. Und ich muss gestehen, dass mir dieses Fazit wahrscheinlich sogar schwerer fällt als das über ein ganzes Land.
Sweetie – oder wie eine Frau meine eigentlich ziemlich klaren Vorstellungen vom Leben wieder ordentlich durcheinandergebracht hat.
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Vielleicht am besten damit, wie meine Gedankenwelt überhaupt aussah, bevor ich Sweetie kennengelernt habe. Ich hatte in meinem Leben das große Glück, schon unglaublich viel erleben zu dürfen. Ich habe viele Länder bereist, unterschiedlichste Kulturen kennengelernt und darf heute Menschen auf verschiedenen Kontinenten meine Freunde nennen. Dafür bin ich wirklich dankbar. Aber was Frauen und Beziehungen anging, hatte ich irgendwann einfach die Schnauze voll.
Als ich im April nach Thailand geflogen bin, hatte ich jedenfalls nicht im Entferntesten vor, mich wieder zu verlieben. Ganz im Gegenteil! Mein Plan war eigentlich ziemlich simpel: Endlich mal wieder richtig Bangkok und Pattaya erleben, ordentlich Spaß haben, viele Frauen kennenlernen, viel vögeln und einfach den Kopf frei bekommen.

Nach der Trennung von meiner Ex-Frau, über die ihr in meinen früheren Reiseberichten ja einiges lesen konntet, hatte ich genau das bitter nötig. Die ganze Geschichte war schließlich alles andere als einfach gewesen.
Ich war damals jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich keine Beziehung mehr möchte. Und ehrlich gesagt war ich auch der Meinung, dass ich überhaupt keine mehr brauche. Und um eines gleich vorwegzunehmen: Ganz verschwunden sind diese Gedanken bis heute nicht. Auch wenn die Entwicklung mittlerweile eigentlich ziemlich eindeutig ist. Ich wollte einfach mein Leben genießen, Spaß haben und mich auf niemanden mehr emotional einlassen müssen. Und dann kam Sweetie. Na herzlichen Glückwunsch. Da hatte mein schöner Plan ja hervorragend funktioniert.
Schon bei unserem Kennenlernen im April hatte diese Frau irgendetwas an sich, das mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Dabei war damals überhaupt nichts in Richtung einer ernsthaften Beziehung geplant. Alles war vollkommen unverbindlich und überschaubar. Ich wollte weder irgendwelche Versprechungen machen noch große Zukunftspläne schmieden. Aber irgendwie blieb sie mir im Kopf.
Mittlerweile kenne ich Sweetie natürlich wesentlich besser. Wir haben unglaublich viel miteinander gesprochen und ich habe Einblicke in ihr Privatleben bekommen, die man nach einer so kurzen Bekanntschaft normalerweise gar nicht erhält. Sie hat mir auch Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählt, bei denen ich zunächst gedacht habe: Ja, genau. Erzähl das irgendeinem anderen Kasper, aber nicht mir. Ich weiß schließlich, wie manche Dinge in Asien laufen.

Allerdings habe ich inzwischen bei einigen dieser Geschichten erfahren, dass sie tatsächlich die Wahrheit gesagt hat.
Und wisst ihr was? Im Grunde genommen interessiert mich ihre Vergangenheit überhaupt nicht. Ich habe mich damals auch in meine Ex-Frau verliebt und sie wirklich geliebt. Sie hatte als Freelancer gearbeitet, überwiegend in der IBar. Sweetie hingegen war nie Freelancerin. Natürlich hatte sie hier und da mal einen Kunden, aber das war so selten, dass manche ganz normale Frau in Deutschland beim Feiern in der Disco vermutlich wesentlich mehr Männer kennengelernt hat. Für mich spielt das ohnehin keine entscheidende Rolle. Die Vergangenheit eines Menschen ist für mich nicht das, woran ich seinen Wert oder seine Ehrlichkeit messe.
Warum auch? Wenn ich meine eigene Vergangenheit einmal vollständig auf den Kopf stellen würde, kämen mit Sicherheit genügend Dinge zum Vorschein, auf die ich nicht unbedingt stolz sein müsste. Auch ich war in meinem Leben nicht immer redlich. Auch ich habe Fehler gemacht und Entscheidungen getroffen, die ich heute vielleicht anders treffen würde. Wer kann das nicht von sich behaupten? Deshalb finde ich es ziemlich vermessen, einen Menschen ausschließlich anhand seiner Vergangenheit beurteilen zu wollen. Für mich zählt vielmehr, wie jemand heute ist, wie er mit mir umgeht und ob ich diesem Menschen vertrauen kann.
Aber zurück zu meiner damaligen Situation. Nach der Trennung hatte ich mich eigentlich ganz gut mit meinem neuen Leben arrangiert. Ich war alleinerziehender Vater, hatte das alleinige Sorgerecht für meinen Sohn und musste meinen Alltag entsprechend organisieren. Dazu kommt, dass meine Familie mittlerweile fast vollständig verstorben ist. Bis auf zwei Tanten ist praktisch niemand mehr übrig. Die eine wohnt ungefähr vier Stunden entfernt, die andere im Nachbarort und ist mittlerweile auch schon weit über 70 Jahre alt. Ich war also mehr oder weniger zum Einzelkämpfer geworden.
Und das meine ich gar nicht negativ. Ganz im Gegenteil! Ich hatte irgendwann wieder das Gefühl, mein Leben vollständig im Griff zu haben. Ich wusste, dass ich auch alleine zurechtkomme, meinen Sohn versorgen kann und niemanden brauche, der mir dabei hilft. Darauf war ich sogar ein bisschen stolz. Ich hatte mich mit dieser Rolle nicht nur abgefunden, sondern fühlte mich darin mittlerweile richtig wohl. Und ausgerechnet in dieser Phase tauchte eine Frau auf, die meine schöne Ordnung wieder komplett durcheinanderbrachte.
Wir hatten uns erst im April kennengelernt und trotzdem habe ich sie seitdem noch zweimal besucht. Wobei gerade diese letzte Reise nach Laos für unsere Beziehung eine ganz besondere Bedeutung hatte. Denn man muss wissen, dass Laos in solchen Dingen völlig anders funktioniert als Thailand. In Thailand ist es vielerorts überhaupt nichts Besonderes, wenn eine Frau ihren ausländischen Freund mitbringt oder ihn ihrer Familie vorstellt. In Laos sieht das teilweise noch ganz anders aus. Gerade in traditionellen Familien wird nicht einfach irgendein Farang mit nach Hause gebracht und der gesamten Verwandtschaft präsentiert. Dort spielen gesellschaftliche Vorstellungen, der Ruf der Familie und die Meinung anderer Menschen häufig noch eine wesentlich größere Rolle. Man kann das nicht einfach mit unseren heutigen Verhältnissen in Deutschland vergleichen.
Als meine Ex-Frau mir erzählte, dass sie wieder nach Laos zurückgehen würde, kam mir die Idee, meine ursprünglichen Reisepläne zu ändern. Ich wollte lieber nach Laos als nach Vietnam fliegen, damit mein Sohn die Gelegenheit bekam, seine Mutter zu sehen. Das habe ich Sweetie erzählt. Sweetie war von dieser Idee zunächst ziemlich hin- und hergerissen. Einerseits freute sie sich natürlich riesig darüber, dass ich nach Laos kommen wollte. Sie wollte sogar ausdrücklich, dass ich lieber nach Laos als nach Vietnam fliege. Andererseits hatte sie erhebliche Bedenken. Nicht wegen mir persönlich, sondern wegen ihrer Familie, ihrer Freunde und der gesamten gesellschaftlichen Situation.
Dabei kannte ihre Familie mich zu diesem Zeitpunkt längst von unzähligen Videotelefonaten. Ich war dort also keineswegs ein völlig unbekannter Mensch. Trotzdem ist es natürlich etwas völlig anderes, jemanden auf dem Handy zu sehen oder ihn plötzlich persönlich vor der gesamten Familie stehen zu haben. Und genau dieser Schritt hat mich wirklich beeindruckt. Sweetie hat mir damals sinngemäß gesagt, dass sie mich liebt und mich in ihrem Leben haben möchte. Deshalb sei es ihr letztendlich egal, was andere Menschen darüber denken oder erzählen. Sie wollte, dass ich zu ihr komme. Und ich weiß, dass sie das nicht einfach nur dahingesagt hat. Sie hat es wirklich so gemeint.
Gleichzeitig bin ich mir aber genauso sicher, dass ihr Kopf dabei ordentlich Karussell gefahren ist. Denn wer Laos und die gesellschaftlichen Vorstellungen dort ein wenig kennt, weiß, dass solche Entscheidungen durchaus weitreichende Folgen haben können. Das erinnert mich teilweise an Deutschland vor vielen Jahrzehnten. Damals war es in manchen Gegenden schließlich ebenfalls ein riesiger gesellschaftlicher Aufreger, wenn jemand nicht regelmäßig in die Kirche ging, aus der Kirche austrat oder eine Frau ein uneheliches Kind bekam. Heute können wir über solche Vorstellungen vielleicht nur noch den Kopf schütteln. Aber in anderen Ländern spielen vergleichbare gesellschaftliche Erwartungen eben noch immer eine Rolle. Und genau deshalb war es für Sweetie meiner Meinung nach ein wirklich großer Schritt, mich offiziell in ihrem privaten und familiären Umfeld willkommen zu heißen. Für mich war das eines der deutlichsten Zeichen, dass sie es mit mir ernst meint.
Hinzu kommt noch etwas, das man bei ihrer Familie berücksichtigen muss. Sweetie hat früher für die Regierung gearbeitet und ihre Familie genießt in Pakse offensichtlich einen gewissen gesellschaftlichen Stellenwert. Das habe ich während meines Aufenthalts immer wieder bemerkt. Und bevor jetzt irgendjemand denkt, ich möchte mich damit profilieren, weil ich angeblich eine besonders tolle oder wichtige Freundin habe: Darum geht es mir überhaupt nicht! Ich schildere lediglich die Gegebenheiten, die ich selbst erlebt habe.
Wenn wir abends zusammensaßen, waren dort beispielsweise Ärzte, der Nai Ban, also der Dorfvorsteher, und auch Menschen aus der örtlichen Politik vertreten. Damit meine ich natürlich keine irgendwelchen hochrangigen Politiker, sondern Menschen, die in der lokalen Gemeinschaft entsprechende Funktionen haben. Ich möchte damit auch keineswegs einen Bauern, Arbeiter oder jemanden, der Schnecken sammelt, abwerten. Für mich ist jeder Mensch gleich viel wert, völlig unabhängig davon, welchen Beruf er ausübt oder welche gesellschaftliche Stellung er besitzt. Aber man konnte eben deutlich erkennen, dass Sweeties Familie in ihrem Umfeld einen gewissen Stellenwert hat. Und das hat mir noch einmal vor Augen geführt, welche Überwindung es sie vermutlich gekostet haben muss, mich dort ganz selbstverständlich als ihren Partner vorzustellen.
Was mich allerdings mindestens genauso beeindruckt hat, war der Umgang mit mir. Ich wurde von ihrer Familie mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die ich in dieser Form überhaupt nicht erwartet hatte. Ihre Schwester, ihr Onkel, die Kinder und auch die Freunde der Familie waren unglaublich freundlich zu mir. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, ein unerwünschter Gast zu sein oder lediglich geduldet zu werden. Ganz im Gegenteil. Teilweise hatte ich sogar den Eindruck, dass die Freunde der Familie regelrecht stolz darauf waren, mich endlich persönlich kennenzulernen. Das kam mir anfangs ehrlich gesagt ziemlich suspekt vor.

Denn eigentlich war ich doch derjenige, der sich darüber freute, dort so herzlich aufgenommen zu werden. Warum sollten die anderen stolz darauf sein, mich kennenzulernen? Aber genau so habe ich es empfunden.
Und ich kann euch sagen, dass einem eine solche Aufnahme ein verdammt gutes Gefühl gibt. Vor allem, wenn man in seinem Leben auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Der Unterschied zu meinen Erlebnissen mit der Familie meiner Ex-Frau war jedenfalls enorm. Natürlich möchte ich jetzt nicht anfangen, sämtliche Familienmitglieder miteinander zu vergleichen oder alte Geschichten wieder aufzuwärmen. Aber diese Herzlichkeit, die Selbstverständlichkeit und das Gefühl, wirklich willkommen zu sein, haben mich ausgesprochen positiv überrascht.
Und damit komme ich zu einem Thema, das bei Beziehungen zwischen Europäern und asiatischen Frauen früher oder später sowieso immer aufkommt: Geld.
Ich weiß, dass es genügend Menschen gibt, bei denen sofort sämtliche Alarmglocken angehen, sobald ein Europäer erzählt, dass er seiner asiatischen Freundin etwas kauft oder ihre Familie unterstützt. Und damit eines ganz klar ist: Ich habe Sweetie niemals regelmäßig Geld geschickt. Nicht einen einzigen Euro! Natürlich habe ich ihr Geschenke gemacht, einen Kühlschrank gekauft und während unserer gemeinsamen Zeit viele Dinge bezahlt. Na und? Für mich ist das überhaupt nichts Außergewöhnliches.
Anders war das damals bei meiner Ex-Frau. Während unserer Beziehung habe ich ihrer Familie regelmäßig Geld geschickt. Und genau diese Familie habe ich während meiner letzten Laosreise auch wieder besucht, wie ihr bereits in meinem Reisebericht lesen konntet. Das Wiedersehen war ausgesprochen emotional. Die Familie war völlig aufgewühlt und hat sich unglaublich gefreut, mich nach all der Zeit wiederzusehen. Einige Familienmitglieder haben mir sogar ganz offen gesagt, wie dumm ihre Tochter gewesen sei, mich gehen zu lassen. Und genau solche Erlebnisse zeigen mir, dass es bei diesen Beziehungen eben nicht immer nur ums Geld geht. Da entstehen schließlich auch echte menschliche Bindungen, die selbst nach einer Trennung bestehen bleiben können.
Bei Sweetie und ihrer Familie hatte ich ebenfalls zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass irgendjemand mein Geld wollte oder mich ausnutzen wollte. Ganz im Gegenteil. Die Herzlichkeit, mit der ich dort aufgenommen wurde, war für mich etwas ganz Besonderes. In diesen Ländern ist es nun einmal in vielen Beziehungen völlig normal, dass der finanziell besser gestellte Partner den anderen unterstützt. Und ich möchte wirklich jeden bitten, der solche Beziehungen grundsätzlich nur unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass eine Frau einen Mann finanziell ausnutzen könnte, auch einmal über die andere Seite nachzudenken.
Natürlich gibt es schwarze Schafe. Und selbstverständlich gibt es genügend Frauen, die ausschließlich auf das Geld eines Mannes aus sind. Das möchte ich überhaupt nicht bestreiten. Aber solche Menschen gibt es schließlich auch in Deutschland. Ich hatte in meinem Leben mehrere deutsche Freundinnen, teilweise über viele Jahre hinweg. Und selbstverständlich habe ich auch diesen Frauen Geschenke gemacht, Urlaube bezahlt, Dinge gekauft oder sie anderweitig unterstützt. Da hat doch auch niemand automatisch behauptet, dass ich ausgenutzt werde. Warum sollte also plötzlich alles anders sein, nur weil eine Frau aus Laos oder Thailand kommt? Für mich ist der grundsätzliche Unterschied gar nicht so groß. Im Gegenteil. Ich empfinde es teilweise sogar als ehrlicher, wenn von Anfang an klar ist, dass in einer Beziehung auch finanzielle Unterstützung eine Rolle spielen kann.
Natürlich spreche ich dabei nicht von irgendwelchen professionellen Scammerinnen, die gezielt Männer ausnehmen. Gerade in bestimmten Bereichen des Nachtlebens, beispielsweise in der Soi 6 in Pattaya, sollte man meiner Meinung nach schon sehr genau wissen, worauf man sich einlässt. Ich persönlich habe erhebliche Zweifel daran, dass jemand, der jahrelang in einem solchen Umfeld arbeitet, noch völlig unbefangen und ehrlich mit jeder neuen Bekanntschaft umgehen kann. Wobei ich auch hier nicht ausschließlich den Frauen die Schuld geben möchte. Denn wer finanziert dieses ganze System denn letztendlich? Wir Männer! Ohne die entsprechende Nachfrage würde dieses Geschäft schließlich gar nicht in dieser Form existieren.
Aber zurück zu Sweetie. Und eines möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben: Sweetie hat von mir noch nie Geld überwiesen bekommen. Nicht einen einzigen Euro! Natürlich habe ich während unserer gemeinsamen Zeit vieles bezahlt. Aber genauso hat Sweetie von unserem allerersten Treffen bis heute unglaublich viel selbst bezahlt. Ob beim Essen, bei gemeinsamen Unternehmungen oder anderen Dingen – sie hat immer wieder ganz selbstverständlich die Rechnung übernommen. Es war also keineswegs so, dass ich ständig alles bezahlt hätte und Sweetie sich von mir aushalten ließ. Ganz im Gegenteil! Und genau das gehört für mich zu einem ehrlichen Gesamtbild dieser Frau.
Niemand hat mich zu irgendwelchen Ausgaben gezwungen. Und vor allem hatte ich weder bei ihr noch bei ihrer Familie jemals das Gefühl, dass es ausschließlich um mein Geld geht. Ganz im Gegenteil! Ich habe die Familie als ausgesprochen herzlich und aufrichtig erlebt. Niemand hat ständig irgendwelche Forderungen gestellt oder versucht, mich zu etwas zu überreden. Und auch die Dinge, die ich gekauft oder bezahlt habe, waren für mich persönlich vollkommen überschaubar. Ein Kühlschrank und ein paar Geschenke sind für mich keine Beträge, wegen denen ich mir den Kopf zerbrechen müsste. Natürlich ist das immer eine Frage der eigenen finanziellen Möglichkeiten. Niemand sollte Geld ausgeben, das er eigentlich selbst dringend benötigt. Aber wenn ich mir etwas leisten kann und einem Menschen, den ich liebe, damit eine Freude mache oder seinen Alltag erleichtere, warum sollte ich das dann nicht tun?
Ich möchte allerdings auch nicht behaupten, dass ich in die Zukunft schauen könnte. Ich habe schließlich keine Glaskugel. Niemand kann mir garantieren, dass eine Beziehung für immer hält. Das kann einem in Deutschland genauso wenig jemand versprechen wie in Laos oder Thailand. Aber nur aus Angst vor einer möglichen Enttäuschung auf jede Beziehung zu verzichten, kann schließlich auch nicht die Lösung sein. Und genau diese Erkenntnis musste ich mir selbst erst wieder eingestehen. Denn obwohl ich nach meiner Trennung eigentlich fest entschlossen war, keine Beziehung mehr einzugehen, hat sich meine Einstellung mittlerweile verändert. Ich habe mich wieder verliebt. Und zwar richtig. Das muss ich mir mittlerweile selbst eingestehen.
Allerdings möchte ich Sweetie hier auch nicht als irgendeinen Engel darstellen, der keinerlei Fehler hat. Denn das wäre schlichtweg gelogen. Diese Frau hat nämlich ordentlich Feuer im Hintern! Und damit meine ich nicht nur ihre positiven Eigenschaften.

Sweetie kann ausgesprochen temperamentvoll sein. Wer meinen Reisebericht aufmerksam verfolgt hat, erinnert sich vielleicht noch an die Geschichte mit der Polizei und dem Rauchen am Flughafen. Da konnte man bereits einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie sie reagieren kann, wenn ihr etwas überhaupt nicht passt. Und ich kann euch versichern: Das war kein Einzelfall.
Manchmal reichen wirklich absolute Kleinigkeiten aus, damit sie innerhalb kürzester Zeit völlig aus der Haut fährt. Dann wird sie richtig sauer und ist in diesem Moment auch nicht unbedingt besonders zugänglich für vernünftige Argumente. Allerdings kommt meistens relativ schnell die Einsicht. Dann tut es ihr wieder leid, sie entschuldigt sich teilweise hundertmal und erklärt mir, dass sie selbst nicht genau weiß, warum sie in manchen Situationen so heftig reagiert. Das ist sicherlich nicht immer einfach. Und wer mit einer solchen Frau zusammenleben möchte, muss damit auch umgehen können.
Aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass man nicht jede Situation durch Diskussionen verbessern kann. Ich habe viele Jahre in Asien verbracht, Afrika bereist, in Deutschland gelebt und beruflich mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun gehabt. Gerade durch meine langjährige Tätigkeit im Vertrieb habe ich unglaublich viele verschiedene Charaktere kennengelernt. Und irgendwann lernt man dabei etwas ziemlich Wichtiges: Manchmal ist es wesentlich klüger, sich einfach seinen Teil zu denken und die Schnauze zu halten.

Nicht jede Provokation braucht eine Antwort. Nicht jeder Wutausbruch muss zu einer Grundsatzdiskussion werden. Und nicht jede Meinungsverschiedenheit ist es wert, daraus einen riesigen Streit entstehen zu lassen.
Wenn ich merke, dass Sweetie gerade wieder auf 180 ist, lasse ich sie eben erst einmal. Meistens beruhigt sich die Situation von ganz alleine. Und anschließend kann man wieder ganz normal miteinander reden. Natürlich muss jeder selbst wissen, wie viel Temperament er in einer Beziehung akzeptieren möchte. Für mich ist das jedenfalls nichts, womit ich grundsätzlich nicht umgehen könnte. Denn ich weiß auch, dass Sweetie ein guter Mensch ist. Daran habe ich mittlerweile keinen Zweifel mehr. Sie hat ihre Marotten, ihre Eigenheiten und ihre schwierigen Seiten. Aber die habe ich schließlich genauso. Und wahrscheinlich könnte jeder von euch problemlos eine ganze Liste mit Dingen aufschreiben, die den eigenen Partner gelegentlich zur Weißglut treiben.
Niemand ist perfekt. Und ich suche auch keine perfekte Frau. Ich möchte einen Menschen an meiner Seite haben, bei dem ich mich wohlfühle, dem ich vertrauen kann und mit dem ich gerne meine Zeit verbringe. Genau dieses Gefühl habe ich bei Sweetie. Die vergangenen Monate und insbesondere unsere gemeinsame Zeit in Laos haben mir gezeigt, dass zwischen uns mittlerweile wesentlich mehr entstanden ist als eine nette Urlaubsbekanntschaft. Ich habe nicht nur sie besser kennengelernt, sondern auch ihr privates Umfeld, ihre Familie, ihre Freunde und einen großen Teil ihres Alltags. Und gerade das war mir wichtig.
Denn eine Frau im Urlaub kennenzulernen und gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen, ist schließlich etwas völlig anderes, als Einblicke in ihr tatsächliches Leben zu bekommen. Natürlich ist auch das noch keine Garantie für irgendetwas. Aber es ist für mich eine wesentlich bessere Grundlage, als sich ausschließlich auf ein paar schöne gemeinsame Urlaubstage zu verlassen. Was mich dabei besonders freut, ist die Tatsache, dass ich mich in ihrem Umfeld so wohlgefühlt habe. Ich hatte nie den Eindruck, mich verstellen oder irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Ich konnte einfach ich selbst sein. Und ich hatte das Gefühl, dass genau das auch akzeptiert wurde. Das ist für mich inzwischen unglaublich viel wert.
Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nicht so tun, als hätte ich plötzlich sämtliche Zweifel und Bedenken über Bord geworfen. Dafür habe ich in meinem Leben einfach schon zu viel erlebt. Natürlich bleibt irgendwo immer die Angst, wieder enttäuscht zu werden oder etwas zu verlieren, das einem wichtig geworden ist. Gerade wenn man sich nach einer schwierigen Trennung mühsam wieder ein eigenständiges Leben aufgebaut hat, überlegt man sich schon sehr genau, ob man dieses Gleichgewicht erneut verändern möchte. Aber irgendwann muss man sich eben auch entscheiden. Möchte man sein Leben dauerhaft als Einzelkämpfer verbringen, weil man damit gut zurechtkommt? Oder ist man bereit, noch einmal das Risiko einzugehen, sich auf einen anderen Menschen einzulassen? Und genau diese Frage habe ich mir in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt.
Mittlerweile bin ich zu einer Entscheidung gekommen. Ich möchte mich auf Sweetie einlassen. Nicht halbherzig und auch nicht mit dem ständigen Hintergedanken, dass ohnehin alles irgendwann schiefgehen könnte. Sondern ganz bewusst. Ich weiß, dass ich diese Frau liebe. Ich weiß, dass ich gerne mit ihr zusammen bin. Ich weiß, dass ich mich bei ihr und ihrer Familie wohlfühle. Und ich weiß auch, dass sie mich in ihrem Leben haben möchte. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich gar nicht verlangen. Deshalb habe ich für mich beschlossen, dass ich mich nicht länger hinter meiner früheren Überzeugung verstecken möchte, grundsätzlich keine Beziehung mehr zu brauchen. Ich bin nicht mehr Single. So einfach ist das.
Was daraus wird, weiß natürlich niemand. Vielleicht werden die nächsten gemeinsamen Wochen über Weihnachten und Silvester wieder neue Erkenntnisse bringen. Vielleicht wird sich unsere Beziehung in den kommenden Monaten noch einmal ganz anders entwickeln. Vielleicht sitzen wir aber auch in 20 Jahren irgendwo gemeinsam auf einer Terrasse in Asien und lachen darüber, wie kompliziert wir uns am Anfang alles gemacht haben. Wer weiß das schon? Und genau das ist doch irgendwo auch das Schöne an der Liebe. Man kann nicht alles planen, nicht alles berechnen und schon gar nicht jede mögliche Enttäuschung im Voraus ausschließen. Man muss manchmal einfach bereit sein, sich auf etwas einzulassen.
Unabhängig davon, ob die Frau nun aus Deutschland, Laos, Thailand oder irgendeinem anderen Land dieser Welt kommt. Für mich spielt ihre Nationalität dabei letztendlich überhaupt keine Rolle. Entscheidend ist der Mensch. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit Sweetie einen Menschen kennengelernt habe, der es wert ist, dieses Risiko noch einmal einzugehen. Natürlich wird nicht jeder Tag perfekt sein. Natürlich werden wir uns auch einmal streiten. Und mit ihrem Temperament wird es vermutlich auch in Zukunft gelegentlich ordentlich krachen.

Aber das gehört nun einmal dazu. Ich möchte keine Frau, die mir ständig nach dem Mund redet oder sich vollkommen verstellt, nur um mir zu gefallen. Ich möchte eine Frau mit Charakter, eigenen Vorstellungen und einer eigenen Persönlichkeit. Und davon hat Sweetie nun wirklich mehr als genug.
Wenn ich heute auf unsere erste Begegnung im April zurückblicke, muss ich jedenfalls schon ein bisschen über mich selbst lachen. Da fliegt einer nach Thailand, weil er nach einer schwierigen Trennung endlich wieder seine Ruhe haben möchte. Er will feiern, Spaß haben, Frauen kennenlernen und auf gar keinen Fall wieder eine Beziehung eingehen. Und ein paar Monate später sitzt derselbe Kerl in Deutschland, vermisst eine Frau in Laos und schreibt einen halben Roman darüber, warum er sich doch wieder verliebt hat. Manchmal hat das Leben wirklich einen ziemlich eigenartigen Humor.
Aber genau so ist es nun einmal gekommen. Ich bereue weder unser Kennenlernen noch meine Entscheidung, sie erneut zu besuchen und schließlich auch nach Laos zu reisen. Ganz im Gegenteil. Gerade diese letzte Reise hat mir unglaublich viel gegeben. Nicht nur, weil ich wieder wunderschöne Orte gesehen und tolle Dinge erlebt habe, sondern weil ich einen Menschen und dessen Umfeld auf eine Art kennenlernen durfte, die mir vorher so nicht möglich gewesen wäre. Und dafür bin ich wirklich dankbar.
Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Ich weiß nicht, wo wir in einem Jahr stehen werden. Und ich weiß erst recht nicht, wie unser Leben in zehn oder zwanzig Jahren aussehen könnte. Aber eines weiß ich ganz sicher: Ich habe für mich entschieden, dass ich diese Beziehung möchte und dass ich bereit bin, mich wieder auf einen Menschen einzulassen. Was daraus wird, steht in den Sternen. Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass man nicht alles vorher wissen kann. Denn sonst wäre das Leben wahrscheinlich nur halb so interessant.
In diesem Sinne bin ich gespannt, was die Zukunft mit Sweetie noch für mich bereithält. Aus einer Reise, bei der ich eigentlich nur Spaß haben und den Kopf freibekommen wollte, ist etwas entstanden, womit ich selbst am allerwenigsten gerechnet hätte. Und manchmal sind genau das die schönsten Überraschungen im Leben.