Kuba Wie ist die momentane Lage in Cuba?

Kuba 2026 - die vierte

Ich bin seit einer Woche zurück aus Havana. Aufenthalt waren 2,5 Wochen.

Der große Unterschied zu vorherigen Aufenthalten zum Jahreswechsel, Ostern und Pfingsten ist: jetzt ist wirklich kaum noch Strom da.
Spricht der Kubaner von apagon, also Stromabschaltung, so habe ich in meinem Sprachgebrauch nun das Wort Stromstoß eingebracht. War vorher mal für vier Stunden der Strom weg, so können wir jetzt froh sein, wenn vier Stunden Strom überhaupt mal da ist. Es ist wie Stromstöße bei einer Reanimation. Es fühlt sich an wie wiederbelebende Stromstöße in das sonst triste Leben. Ist Strom da, bricht Aktivität aus, denn für ein paar Stunden kann gekocht gewaschen und sonstiges Elektrisches gemacht werden.
Ich hoffe, die Stromstöße halten den Patienten hier weiter am Leben.
Bemerkenswert: die Kubaner stecken das alles weg. Klar wird ständig lamentiert, jedoch das machen die ja immer.

Strom weg:
das verändert das Straßenbild abends / nachts dahingehend, dass viele Leute vor der Tür sitzen, weil es draußen kühler ist als drinnen, und herumpalavern. Discoboxen werden aufgestellt. Schlafen? Ohne Ventilator? Nicht daran zu denken wegen der Hitze Aus meiner Sicht ein positiver Effekt, kehrt doch das Sozialleben zurück in der öffentlichen Raum. Ich habe Menschen im Hauseingang auf dem Boden schlafen sehen, weil es dort kühler ist. Auch Hängematten werden benutzt.

Strom weg - Kultur weg

Bin ich die letzten Jahre auch gerne wegen Kultur und Musik nach Kuba gekommen, so ist jetzt hier tote Hose. Es gibt ein paar Bastionen, die die Flagge / die Instrumente hochhalten. Jedoch gibt es kaum Publikum. Gestern ein Trova-Konzert in der Casa de la Musca Tun Tun. Es waren sieben Gäste da, wobei der Großteil Freunde der Musiker waren.
Die FAC hat geschlossen. (Da liefen viele alleinstehende Mädels herum)
Andere Konzerte werden abgesagt oder finden nicht statt, weil die Musiker keine Transportmöglichkeit haben.
Cesar Jazz Club: stilvoll (teuer) restauriertes Gebäude nahe am Kreuzfahrt-Anleger, Zielgruppe ricos=Reiche, top Musiker, 4 Gäste :-(


Flashes:

Müll
Ich fahre zur Casa Musica Miramar.
Eine Kreuzung vor dem bekannten Musikschuppen ist die Straße auf voller Länge und Breite voll mit Müll. Der Taxifahrer zögerte erst, traute sich dann dadurch zu fahren. So sehen zur Zeit Kultur- und Touri-Hotspots aus.

In einer Nebenstrasse vom Prado wird neben dem nächtlichen Töpfe klopfen mal aus Übermut Müll angezündet. Feuerwehr? Hat keinen Sprit für sowas.....
Nachtrag: auf einmal ist der Müll weg! Die Ecken sind gesäubert. Militärtrupps mit Besen und Schaufeln haben die Müllkippen, die an fast jeder zweiten Ecke existierten, beseitigt. Jetzt hängen da Schilder: 30.000 Peso multa/Strafe. Und erfreulicherweise, was es vorher nicht gab, hängt da die Adresse der nächsten offiziellen Müllabladestelle, die ein paar Strassen weiter ist.


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Fliegen, Fliegen, Fliegen.....
Durch die Müllberge und obendrauf sintflutartiger Regen wimmelt aus von grünen Fliegen. Sitze ich im Restaurant in der Nähe vom Müllberg, esse also nicht alleine. Da hilft auch nicht der grossdimensionierte Ventilator, der die Serviette wegpustet.

Chicas:
Unmengen
Von Blanca --> Mestiza --> Chocolata --> Negra
Eine Feststellung? Je dunkler, desto größer Clitoris :-)

Abwasser
Seit langem (mehr als zwei Jahre) sind in der Ecke, wo ich regelmäßig wohne , die Abwasserkanäle verstopft. An Gullideckeln, auch an irgendwelchen Stellen auf der Straße, steigt das Abwasser hoch. Es bilden sich grüne Algenränder. Mücken flitzen über die Oberfläche. Es stinkt auf der Straße. Die Kubaner nehmen es gelassen hin.

Fahre ich bald wieder hin?
Ja klar, nach der Invasion.
Welche Invasion?
Invasion der Touristen: wenn das Regime dann endlich umgefallen ist, das Leben für die Kubaner neu beginnt und neugierige Touristen in das Land einfallen.

Militärische Invasion? Ich wüsste nicht, was ausländisches Militär dort erobern sollte. Materielles gibt es nichts zu verteidigen, weil nichts mehr da ist. Material zum Verteidigen ist vermutlich auch nichts Einsatzfähiges da.

Was mich erfreut hat zu sehen: trotz der miesen Lage wird an vielen Stellen neu eröffnet, repariert, geputzt. Und es gibt wieder viel mehr Jugendliche auf der Straße, in Gruppen, denn die Handys sind leer und der Datenverkehr ist auch zusammengebrochen.
 
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Wenn ich bescheiden mal Fragen dürfte in welcher Ecke du in Havanna wohnst? Ich bin auch öfter mal dort meistens 2-3 Monate am Stück. Die Stromversorgung zwischen Prado und Galiano soll noch besser sein als in Vieja. Wie war deine Wahrnehmung mit den Abschaltungen, gibt es Bereiche die noch bisschen besser dran sind?
 
Schade das es auf Kuba gerade nicht so gut für einen Touristischen Urlaub aus sieht. Steht eigentlich weit oben auf meiner to do Urlaubsliste aber sehe da zur Zeit von ab, nur läuft mir mit meinen 62 Jahren die Zeit davon. Hoffentlich ändert sich da in absehbarer Zeit etwas, vermute das sich da nichts bewegendes ändern wird und dieser Zustand recht lange so bleibt. Gibt es da Hoffnung?
 
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