Die meisten dieser Dokus sind entweder auf eine bereits vorgefasste Sichtweise zugeschnitten, oder halt Scripted Reality, um die Zuschauer mit Aufenthaltsort ziemlich weit links unter der Gaußschen Glocke anzusprechen und an die Glotze zu fesseln. Anspruchsniveau Bild, Focus, Farang, Blitzbirnen, Steintisch-Travoltas und Konsorten!
Und genau deshalb entspricht es deinem Niveau jetzt hier zu pauschalisieren? Es geht konkret um eine Doku und um einen Vorwurf. Das sollte man sich zumindest mal angeschaut haben, bevor man wieder etwas von einer Gaußschen Glocke philosophiert.
Leider ist diese Pauschalisierung angebracht!
Im Rahmen des Lovemobil-Skandals, der auch schon den NDR betraf, sind ja einige interessante Fakten ans Licht gekommen.
Dazu kann ich nur die Lektuere des Artikels ...
Die Angst waechst
... empfehlen. Dort beschreibt die Professorin Sabine Rollberg, die junge Dokumentarfilmer ausbildet, wie die Oeffentlich Rechtlichen Dokumentarfilmauftraege vergeben. Der Sender moechte wissen:
Welche Kamerasprache gibt es? Wer erzählt die Geschichte? Wie ist die Dramaturgie, der Handlungsablauf? Was ist der Spannungsbogen und wie endet die Geschichte?
Diese Fragen muessen vom Dokumentarfilmer in einem etwa 20 seitigen Exposé beantwortet werden,
bevor er den Auftrag erhaelt.
Das Ergebnis der "Dokumentation" ist also vorgegeben. "Dokumentationen", die nicht die gewuenschten Ergebnisse bringen wuerden, werden also gar nicht in Auftrag gegeben.
Wenn die Auftraggeber dann nicht der Gaußschen Glocke verpflichtet sind, dann bekommt man was? ...
Die Sender verlangen im Dokumentationsbereich fast so wie bei einem Spielfilm eine detaillierte Drehplanung im Voraus. Sie wollen die Geschichte vorher lesen, sie wollen sicher sein, was sie als Endprodukt bekommen. Dies widerspricht dem Spirit des klassischen, beobachtenden Dokumentarfilms, der „die Magie des Augenblicks“ einfangen will, wie es der renommierte Filmemacher Thomas Schadt vor zwanzig Jahren formuliert hat. Die Sender beanspruchen für sich die völlige Kontrolle, sie wollen ein Produkt, wie sie es bestellt haben. In einem klassischen beobachtenden Dokumentarfilm weiß aber niemand, wie die Geschichte ausgeht.
Da sollten wir uns nicht wundern, wenn mit allerlei Tricks versucht wird, ein im Exposé versprochenes Ergebnis "dokumentarisch" zu liefern, auch wenn die Dreharbeiten nichts in Richtung des gewuenschten Ergebnisses erbracht haben.
Das ist ein Systemfehler, der auch bei dieser Doku wieder zum Tragen kam. Da wurde zwanghaft versucht, eine Verbindung zur Paedophilie herzustellen, die sich dokumentarisch nicht belegen liess.
Auch dieses Vorgehen der Sender bei der Auftragsvergabe sollte
man sich zumindest mal angeschaut haben, bevor man wieder
von einem Einzelfall ausgeht.
