Motorrad Mae Hong Son Schleife im Oktober 2023

Tag 3: Fahrt nach Mae Hong Son
Dritter Teil


Von Soppong zum Ban Luk Khao Lam View Point sind es nur 15 km auf angenehm kurviger Strecke zu fahren. Die Aussicht am View Point war spektakulaer:

Anhang anzeigen ban_luk_khao_lam_1.jpg Anhang anzeigen ban_luk_khao_lam_2.jpg Anhang anzeigen ban_luk_khao_lam_3.jpg Anhang anzeigen ban_luk_khao_lam_4.jpg Anhang anzeigen ban_luk_khao_lam_5.jpg

Nur leider war es affenheiss und es gab so gut wie keinen Schatten. Am View Point gab es die ueblichen Staende fuer Speiss und Trank, aber kaum etwas, wo man sich zum Essen haette hinsetzen koennen. Das war mit Ausnahme des Doi Inthanon am Wochenende auch der einzige Punkt, wo ich einem Reisebus begegnet bin. Anscheinend ist die Mae Hong Son Loop in der zweiten Oktoberhaelfte noch nicht so stark frequentiert. Nachdem ich die Aussicht ausgiebig genossen hatte, machte ich mich auf den letzten Fahrabschnitt zu meinen Quartier in Mae Hong Son. Das waren noch einmal gut 50 km, davon die ersten 35 km wieder angenehm kurvenreich. Leider war es inzwischen weit nach Mittag und ich wurde wieder muede. Zu Hause war es schliesslich schon weit nach Mitternacht und ich wurde den Jetlag erst nach dem Ende der Rundreise in Chiang Mai wieder los. Wenn ich die Schleife noch einmal fahren sollte, dann mit Sicherheit erst nach mindestens 10 Tagen Zeitanpassung.

Ziemlich erschoepft bin ich dann im Crossroads House etwas ausserhalb Mae Hong Sons angekommen.

Anhang anzeigen crossroads_house_1.jpg

Die Einfahrt kannte ich schon vom Buchungsportal Booking. Nachdem ich mein Motorrad abgestellt hatte, wollte ich mich ins Haus zwecks Registrierung begeben, als ploetzlich hinter mir jemand rief "This way, Mister, come here and get your key". Ich drehte mich um traute meinen Augen nicht. Das sollte die Rezeption sein:

Anhang anzeigen crossroads_house_2.jpg

Ich wusste zwar, dass man im Crossroads House auch einzelne Betten im Gemeinschaftszimmer buchen konnte, aber das war dann doch etwas unkonventioneller als erwartet.
Anyway, ich bekam mein Zimmer zugewiesen (ich hatte natuerlich das komplette Zimmer gebucht) und machte mich erst einmal frisch. Gluecklicherweise war alles sauber und selbst im eigenen Bad funktionierte alles einwandfrei. Der Grund, weshalb ich mich fuer das Crossroads House entschieden hatte, waren die vielen Reviews, die die Gastgeberin fuer ihr Geschick lobten, alle Gaeste (meist Motorradfahrer) beim gemeinsamen Kochen zusammenzubringen. Darauf hatte ich mich als Alleinreisender gefreut. Leider folgte gleich beim naechsten Gang zur Rezeption die zweite Ueberraschung: Waehrend meines Aufenthalts wuerde es kein gemeinsames Kochen geben, denn just am Tag meiner Anreise begann in Mae Hong Son ein dreitaegiges Festival bis zu Lent. Na prima!

Meine Enttaeuschung wehrte aber nicht so lange, denn die Gastgeberin lud alle Interessierten ein, mit ihr aufs Festival zu gehen, dort lokale Spezialitaeten zu probieren und einige kulturelle Darbietungen anzuschauen. Dieses Angebot wurde von allen angenommen. Auf dem Weg zum Festival gab es dann fuer mich eine weitere Ueberraschung. Ich habe zum ersten Mal seit bestimmt 50 Jahren wieder Gluehwuermchen gesehen und das massenhaft. Es war magisch!
 
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Schöner Bericht, tolle Landschaft und gute Tipps.
Steht bei mir auch auf dem Programm die Gegend. Sicher auch mit Scouter und eher kurze Etappen.
Weil du deine Vorliebe fuer Scooter erwaehnst, nur eine kleine Anmerkung. Ich hatte mir auf Ko Samui und auch in Luang Prabang mal diese kleinen 120 cc Scooter fuer Tagesausfluege ausgeliehen. Die sind klein, leicht, wendig und verbrauchen wenig Sprit. Die haben aber auch einige wesentliche Nachteile:

Zum einen sind sie, billig wie sie sind, sehr beliebt bei Touristen, auch solchen, die nicht mal die entsprechende Fahrerlaubnis haben. Demzufolge werden Touristen auf den kleinen Rollern gern mal von der Polizei kontrolliert. Wenn du dann keinen Helm aufhast, was ich sowieso nicht empfehlen wuerde, oder keine gueltige internationale Fahrerlaubnis hast, must du zahlen. Die Strafe bringt dich nicht um und du darfst auch weiterfahren (!! Strafzettel aufheben, weil der dir weitere Strafen am gleichen Tag ersparen kann), aber ich spare mir solche Kontrollen lieber. Ich habe jetzt nicht genau nachgezaehlt, aber ich bin ingesamt auf dem Loop und den Ausfluegen durch 7 bis 8 Kontrollpunkte der Polizei gefahren und mit dem grossen Roller - zumal mit fuer Touristen ungewoehnlichem Gepaeck (;-)) - immer durchgewunken worden.

Die kleinen Scooter sind eigentlich auch untermotorisiert fuer die Bergstrecken, die zu bewaeltigen sind. Da wirst du viele Anstiege erleben, auf die sich so ein Roller nur mit letzter Kraft hochquaelen kann. Ausserdem kann man kaum Gepaeck mitnehmen. Der Hubraum und die Groesse des Fahrzeugs beeinflussen in Thailands ungeschriebenen Verkehrregeln auch die Vorfahrt bzw. den Respekt, der dir als Verkehrsteilnehmer entgegen gebracht wird. Weil bei Kollisionen der Groessere immer gewinnt, wird um die Groesseren herum auch immer vorsichtiger gefahren. ;-)

Schliesslich muss man bedenken, dass die kleinen Scooter keine Sitze haben, die fuers Touring geeignet sind. Das bedeutet, dass man eigentlich kuerzere Teilstrecken planen muss, was eine laengere Rundreise bei gleichem beschraenktem Gepaeck bedeutet. Ich wuerde als Mindestmotorisierung fuer die Mae Hong Son Loop 200 cc empfehlen, wobei man natuerlich auch schon Erfahrung mit groesseren Bikes haben sollte. Fuer jemanden, der doch lieber mit den kleinen Rollern faehrt, empfiehlt sich wahrscheinlich statt der kompletten Schleife eine Teilstrecke zu fahren. Es gibt einige, die so unterwegs sind.
 
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Der Sitzkomfort der Honda Forza ist fuer mich absolute Spitze. Ich bin mit so einer schon einmal an einem Tag um den Ontariosee gefahren. Das sind mehr als 600 km.
Auf diesem Bild, das die weisse Forza auf dem Parkplatz meines Guesthouses Pai Nam Now zeigt, kann man den Sitz sehr gut sehen:

Anhang anzeigen pai_nam_now_parking.jpg
 
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ABO !!
da lese ich gerne mit, ich bin die Schleife letztes Jahr im April gefahren. Dank Corona war dort nichts los, keine Touris mit 125ccm Roller, keine MiniVan´s und Busse. Einfach nur top der Mae Hong Soon Loop, der gehört für jeden Motorradfan auf seine To do Liste.
Es war uebrigens dein Bericht Mae Hong Son Loop im April 2022 , der mich ueberzeugt hatte, dass trotz meiner Handicaps die Schleife noch fuer mich machbar war.
Vielen Dank dafuer noch nachtraeglich!
 
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Tag 4: "Ruhetag" in Mae Hong Son mit Ausfluegen

Nach einem schoenen Abend auf dem Festival in Mae Hong Son mit der lockeren Gruppe der jungen Guesthouse Bewohner, wo immer wieder Einzelne oder kleine Grueppchen mal ihrer eigenen Wege gingen um dann spaeter wieder zur Gruppe zu stossen, fanden sich am naechsten Morgen immer wieder Einige, die einen Ausflug fuer sich geplant hatten und nach Interessenten Ausschau hielten, die sich ihnen anschliessen wuerden. Ich schloss mich einer Italienerin und einem Jordanier an, die nach Ban Rak Tai (Mae Aw), einem chinesisch gepraegten Ort an der Grenze zu Myanmar, fahren wollten. Das war dann auch gleichzeitig der noerdlichste Punkt meiner Reise.

Ban Rak Tai ist etwa 45 km bzw. eine Stunde Fahrzeit vom Crossroads House entfernt. Die Strecke fuehrt zunaechst entlang der 128 bis zur 4001, ueber die man das Ziel erreicht. Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck vermitteln. Die Fahrt dorthin war wunderschoen.

Anhang anzeigen ban_rak_tai_1.jpg

Reisfelder, kleine Doerfer, gute Strassen, wenig Verkehr. Herz, was willst du mehr?
Der Ort Ban Rak Tai ist allerdings sehr touristisch gepraegt:

Anhang anzeigen ban_rak_tai_2.jpg Anhang anzeigen ban_rak_tai_3.jpg Anhang anzeigen ban_rak_tai_4.jpg

Geschaeftstuechtige Postkartenidylle, aber nicht unangenehm. Gut um einen Kaffee am See zu schluerfen und mal kurz durch die Laeden zu schlendern. Dann sollte es noch kurz an die Grenze zu Myanmar gehen. Da gibt es in Ban Rak Tai zwei Moeglichkeiten. Eine Strasse mit offiziellem Grenzuebergang und eine andere, die nur bis zur Grenze fuehrt, aber nicht weiter. Wir entschieden uns fuer den Grenzuebergang. Dort gab es ein voellig relaxtes Hin und Her der lokalen Bevoelkerung, das von wohlwollenden thailaendischen Grenzbeamten kontrolliert wurde. Wir konnten problemlos an den offenen Schlagbaum herantreten und Bilder machen.

Anhang anzeigen ban_rak_tai_5.jpg

Anschliessend machten wir uns auf den Rueckweg, der wieder entlang gruener und gelber Reisfelder verlief. Wenn die Reispflanzen gelb sind, dann kann geerntet werden, hat man uns erklaert.

Anhang anzeigen ban_rak_tai_6.jpg Anhang anzeigen ban_rak_tai_7.jpg

Das war wirklich ein sehr schoener Ausflug. Am spaeten Nachmittag sammelten sich im Crossroads House wieder einzelne Grueppchen, die zu Wasserfaellen in der Naehe aufbrachen. Ich hatte aber genug vom Fahren fuer diesen Tag. Spaeter kam dann noch ein weiterer jugendlicher Bewohner und verkuendete er wolle noch kurz unter einem Wasserfall im Dschungel, 10 Minuten entfernt, ein Duschbad nehmen. Ich habe mich ihm kurzerhand angeschlossen und so ging es auf in den Dschungel, wobei der Kollege dort schon seit einigen Monaten logierte und sich auskannte. Zunaechst erwarteten wir eigentlich die Anderen dort anzutreffen, aber die hatten offensichtlich einen anderen Wasserfall im Sinn. Es gibt dort schliesslich mehrere. So waren wir also allein Dschungel und das war ein echtes Erlebnis. Der Weg zum Wasserfall war nur ein Trampelpfad, der stellenweise kaum auszumachen war.

Anhang anzeigen dschungel_1.jpg

Auf dem Rueckweg wurde es dann zunehmend dunkel, was zum Dschungelerlebnis zusaetzlich beitrug:

Anhang anzeigen dschungel_2.jpg Anhang anzeigen dschungel_3.jpg

Am Abend ging es dann wieder mit der Gruppe zum Festival.
 
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Tag 5: Mae Hong Son nach Mae Sariang
Abstecher zum Huay Pu Keng Dorf der Kayan


Heute sollte es nach Mae Sariang weiter gehen. Leider hatte ich es am Vorabend wegen des unerwarteten Dschungelausflugs versaeumt meine Hemden zu waschen. Die Waesche uebernehme ich immer selbst. Da lasse ich niemanden ran. Die sind leicht zu waschen und trocknen normalerweise auch sehr schnell. Deshalb habe ich meine Waesche dann am fruehen Morgen noch schnell gewaschen und aufgehaengt in der Erwartung, dass die eine Stunde spaeter trocken sein wuerden. Aber Pustekuchen! Die Waesche wurde und wurde nicht trocken. Die Luftfeuchtigkeit war viel zu hoch. Total nass wollte ich die aber auch nicht einpacken. Also hiess es warten. So kam ich erst kurz vor 11 Uhr weg. Eine Verzoegerung, die sich raechen sollte.

Zunaechst schien aber alles in Ordnung. Mein Abstecher ins Dorf der Kayan wuerde schon kurz nach Fahrtbeginn erfolgen. Davor hatte ich wieder an einer guten Tankstelle an der 108 vollgetankt. Knapp 8 km nach Abfahrt bog ich schon auf die 3018 nach Huay Pu Keng ab. Diese 10 km Strecke unterschied sich anfangs kaum von den anderen Strassen, die ich so im Norden Thailands befahren hatte, aber je naeher ich zum Ziel kam, um so mehr schien sich die Vegetation die Strasse "zurueckzuholen":

Anhang anzeigen side_road_1.jpg

Auch die gerade beseitigten Erdrutsche und der Zustand der Haenge waren nicht gerade vertrauenserweckend.

Anhang anzeigen land_slide.jpg

Man merkte, dass man jwd war.
(Fuer Nicht-Berliner: Gesprochen jott we de = janz weit draussen)
Die Strasse endete dann an einem Fluss mit starker Stroemung, auf dessen Gegenseite das Dorf lag. Wie in alten Zeiten musste man nach dem Faehrmann ueber den Fluss rufen. Der war nicht gerade erfreut, zumal nur ein Einzelreisender auch nur ein duerftiges Geschaeft versprach. Trotzdem stoerte mein wiederholtes Rufen sein Nickerchen und er liess sich erweichen.

Anhang anzeigen river_crossing_1.jpg Anhang anzeigen river_crossing_2.jpg

Ehrlich gesagt war ich froh, dass ich allein war, denn in einer Gruppe mit Touristen, die vielleicht staendig Selfies mit den Longneck Frauen machen, waere ich mir vorgekommen wie im falschen Film.
Ich weiss immer noch nicht, wie ich meinen Besuch im Longneck Dorf bewerten soll. Ich hatte dieses Dorf ausgewaehlt, weil es in voller Eigenregie arbeiten soll, d.h. keine Showeinlagen, nur einfaches Dorfleben. Aber schon der Eintrittspreis von 200 Baht, zusaetzlich zur 20 Baht Faehrgebuehr, hinterlaesst Fragen. Wer wird wohl dieses Geld bekommen? Von einfachem Dorfleben war auch nicht allzu viel zu sehen. Alles schien auf die besuchenden Touristen ausgerichtet zu sein.

Anhang anzeigen village.jpg Anhang anzeigen weaving_1.jpg

Es gab viele Verkaufsstaende fuer handgefertigte Souveniers, die durchaus ansprechend waren. Man konnte den Weberinnen bei der Arbeit zuschauen, sowohl solchen mit dem Halsschmuck als auch solchen ohne. Den Halsschmuck zu tragen, soll dort eine individuelle Entscheidung der Frauen sein.

Anhang anzeigen weaving_2.jpg

Ich habe mich in Huay Pu Keng aber nicht wohl gefuehlt. Ich war ein Fremdkoerper, der zwar mehr am Leben der Bewohner interessiert war, als an ihrem auffaelligen Aeusseren, aber mehr als mich respektvoll und freundlich zunickend im Hintergrund zu halten konnte und wollte ich nicht tun. Ich haette mich gern mit den Bewohnern ueber ihr Schicksal, ueber ihre Flucht nach Thailand vor 30 Jahren und ueber das Leben, das sie seitdem ziemlich isoliert in Thailand fristen, unterhalten. Aber vor mir waren schon Tausende Besucher dort und ich wollte niemanden in eine Rolle draengen, die nur meine Neugier befriedigt haette. Deshalb war ich auch nur relativ kurz im Dorf.

Auf dem Rueckweg fiel mir dann aber ein Schal auf, der meiner Frau sehr gut stehen wuerde. Die Verkaeuferin war mir schon auf dem Hinweg aufgefallen, weil sie eine grosse Traurigkeit und gleichzeitig eine grosse Wuerde ausstrahlte. Jetzt, wo ich den Schal von ihr gekauft hatte, deutete ich an, ob es okay sei, ein Foto von ihr zu machen. Dieses Bild laesst mich nicht mehr los. Jedes mal, wenn ich es mir anschaue, schlaegt es mich in seinen Bann. Hier ist es:

Anhang anzeigen encounter.jpg

Mit sehr zwiespaeltigen Gefuehlen beendete ich meinen Abstecher nach Huay Pu Keng und fuhr zurueck zur 108. Es war inzwischen wieder sehr heiss geworden. Nach nur ein paar weiteren Kilometern auf der 108 machte ich noch einmal einen kurzen Fotostop am Pha Bong Viewpoint.

Anhang anzeigen pha_bong_viewpoint.jpg

Jetzt wurde es aber Zeit weiter zu fahren. Es lagen noch rund 145 km Fahrt bis Mae Sariang vor mir. Die haetten eigentlich sehr angenehm sein sollen. Die Strecke war angenehm kurvig bei sehr maessigem Verkehr und guten Strassen, aber ich war in keiner guten Verfassung so eine lange Strecke am Stueck zu fahren. Es war heiss, ich war wieder muede und das staendige Schwingen von einer Kurve fast direkt in die naechste fuehrte mich fast in einen Trancezustand. Ich kam an einen Punkt, wo ich sofort eine Pause machen musste, nur wo? Es reihten sich Kurve an Kurve. So beschloss ich an einer vielleicht 50 Meter langen Geraden am Strassenrand anzuhalten und einen Powernap zu machen. Einen richtigen Seitenstreifen gab es zwar nicht, aber ich konnte nicht mehr weiter.

Anhang anzeigen ditch.jpg

Nach gut 20 Minuten ging es dann wieder weiter. Leider hatte ich insgesamt viel Zeit verloren und an diesem schwuel-heissen Tag blieb es ab dem spaeten Nachmittag nicht mehr trocken. Es erwischte mich etwas mehr als eine Stunde vor Mae Sariang in einer bergigen Region mit vielen Kurven und ohne Moeglichkeit anzuhalten. Innerhalb von Sekunden war ich klatschnass. Gluecklicherweise war es immer noch warm, so dass ich beschloss im stroemenden Regen ohne Raingear weiterzufahren. Kurz vor Mae Sariang gab es dann noch eine grosse Baustelle, wo Baufahrzeuge die Strasse so richtig eingesaut hatten. Da im Regen durchzufahren erforderte hoechste Konzentration. Begossen wie ein Pudel habe ich es noch eine knappe Stunde vor Einbruch der Dunkelheit ins Hotel geschafft.
 
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Es ehrt dich, mit welcher Rücksicht du dich in diesem besonderen Dorf verhalten hast!
Na ja, das hab ich ja nicht zwecks Selbstdarstellung geschrieben. Ich wollte nur vermeiden, dass der Eindruck entsteht Huay Pu Keng waere ein unproblematisches Ziel fuer einen unbeschwerten Ausflug.
Das ist aber meine Sicht der Dinge. Vielleicht kann man das auch anders sehen. Ich hatte schliesslich auch normale Begegnungen dort. Ein Bild von einer solchen Begegnung hatte ich vorher schon gepostet:


Da hatte ich erst den kleinen Jungen allein fotografiert, wie er beinahe vornueber faellt. Das Bild hatte ich der Mutter gezeigt, die sich dann vor Lachen kaum halten konnte. So ist dieses Bild entstanden. Die ganze Interaktion hatte nichts mit ihrem Longneck Schmuck sondern ausschliesslich mit Situationskomik zu tun.

Das Bild mit der Weberin ohne Longneck Schmuck in meinem letzten Beitrag ist aehnlich natuerlich, weil es ein schmollendes Maedchen zeigt mit ihrer Mutter, die auf ihr Schmollen reagiert. Ich musste, genau wie die Mutter, ueber die Bockigkeit des Maedels schmunzeln. Aber es ist schwierig, ungezwungene Aufnahmen zu machen. Im naechsten Bild war z.B. der Verkaufsstand verwaist und ich wollte ein Bild von den angebotenen Souveniers machen. Das klappte aber nicht, weil sofort eine Longneck Verkaeuferin in den Raum trat. Also machte ich das Foto mit ihr, ich konnte sie schliesslich nicht wegschicken. Es wurde also ein ziemlich typisches Touristenfoto aus einem Longneck Dorf:

Anhang anzeigen selling_1.jpg

Gluecklicherweise fing gerade ein Kleinkind im Hintergrund an zu plaerren. Meine Bemerkung "Oh, I guess somebody's not happy here" hatte dann die Situation aufgelockert:

Anhang anzeigen selling_2.jpg

Trotzdem blieb bei mir immer ein Zwiespalt der Gefuehle zurueck. Ich weiss, dass einige Besucher des Dorfs das Erlebnis verstoerend fanden. Wenn man sich mal ansieht, was da auf tripadivsor teilweise an Bildern gepostet wird, kann ich das nachvollziehen, obwohl ich das gluecklicherweise nicht selbst gesehen habe.

https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g297928-d2191569-Reviews-Huay_Pu_Keng_Karenni_Village-Mae_Hong_Son_Mae_Hong_Son_Province.html#/media-atf/2191569/?albumid=-160
 
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Danke @AndreasDU !

Der von dir verlinkte Artikel geht aber nicht speziell auf Huay Pu Keng ein. Das ist schade, weil gerade dieses Dorf versucht, von dem Schaudorf-Konzept wegzukommen:

In 2008, this village was criticized by UNHCR as a “show village” where the local tribes performed a stereotypical role and where tourists only came to see Karenni people confined in a ”human zoo”.[6] As tourism is still one of the important economic sources for Karenni people in Huay Pu Keng. they are looking for a sustainable way to present their unique culture in the same way they always have while also fostering meaningful encounters with visitors, namely through community-based tourism (CBT).[7] Huay Pu Keng is the first and currently the only Karenni village in Thailand that made the transition towards community-based tourism.

aus dem englischsprachigen Wikipedia Artikel Huay Pu Keng - Wikipedia.

Nach meinen Erfahrungen dort haben sie diese Transformation noch nicht abgeschlossen, um es mal diplomatisch zu sagen.
 
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Tag 6: "Mae Sariang zum Fuss des Doi Inthanon

Nach der Regenfahrt am Vortag verhiess die Wettervorhersage fuer die Fahrt zum Doi Inthanon nichts gutes. Es sollte in Mae Sariang den ganzen Tag ohne Unterlass regnen. Nur zwischen 9 und 10 Uhr sollte es leicht regnen, ansonsten Starkregen. Damit war das Zeitfenster vorgegeben. Es war auch klar, dass ich in voller Regenmontur losfahren musste. Das war nicht gut, denn ich hatte Lederhandschuhe mit, die ich nur mit Muehe hatte trocknen koennen und fuer die ich dringend Gummihandschuhe zum Ueberziehen brauchte. Also vorher nochmal auf zum 7-11 und die groessten Latexhandschuhe gekauft, die verfuegbar waren: Groesse M, Mehrfachpackung. Gluecklicherweisse ist es mir gelungen, nach vielen Versuchen mit zerreisendem Latex fuer jeden Lederhandschuh einen funktionierenden Regenschutz aufzuziehen. Also konnte ich puenktlich von meinem Quartier "Above the Sea" starten.

Anhang anzeigen above_the_sea.jpg

Die Fahrt fuehrte zunaechst durch ein festlich (Lent) geschmuecktes, aber triefend nasses Mae Sariang auf die Ausfallstrasse zur 108, die mich zum Ziel fuehren sollte. Der Regen war wie vorhergesagt tatsaechlich leicht. Die Strassen waren zwar nass, aber grossteils sauber. Nur an Stellen, wo mal ein Fahrzeug von einem Feldweg auf die Strasse gefahren war, musste man aufpassen. Aber da das meist lokaler Verkehr ist, hielt die Verschmutzung nicht lange an. Die Fahrtbedingungen waren also besser als befuerchtet. Ausserdem wurde der Regen leichter und leichter und hoerte nach knapp einer Stunde ganz auf. Nicht einmal eine halbe Stunde spaeter wurde dann sogar der Fahrbahnbelag wieder trocken und Bo Kaeo Pine Garden war erreicht.

Anhang anzeigen bo_kaeo_pine_garden.jpg

Was fuer Bewohner der brandenburgischen Streusandbuechse ein alltaeglicher Anblick ist, scheint fuer Thais eine Attraktion zu sein: Ein Kiefernwaeldchen - Monokultur. Dort soll es ganz in der Naehe auch einen schoenen Nationalpark geben, aber in Regenkluft stand mir nicht der Sinn danach und es war auch unklar, wie lange das Wetter halten wuerde. Also bin ich sofort weitergefahren. Auch den Op Luang Nationalpark habe ich aus dem gleichen Grund ohne Stop durchfahren. Das war schade, denn dort wollte ich eigentlich einen kleinen Abstecher machen und ein wenig wandern. So kam ich dann endlich zu der Stelle, wo der Mae Chaem Fluss, vom Doi Inthanon kommend, auf die 108 stoesst.

Anhang anzeigen mae_chaem_river_1.jpg Anhang anzeigen mae_chaem_river_2.jpg

Kurze Zeit spaeter gab es eine Moeglichkeit von der Strasse auf einen Rastplatz ohne Bewirtschaft abzubiegen. Der wurde von Einheimischen auch als Picknickplatz und zum Angeln frequentiert. Da das Wetter zu halten schien, entledigte ich mich meines Regenschutzes. Das war eine gute Entscheidung, denn es wurde fortan waermer und waermer. Damit hatte ich die Regenepisode fuer die Rundreise hinter mir gelassen. Bald schwenkte die 108 auch von Sued- auf WNW-Richtung um. Ich hatte den suedlichsten Punkt der Mae Hong Son Schleife hinter mir gelassen. Nach einer kurzen Pause im naechsten Ort im Caffee Ons, wo es sehr guten Kaffee gab, ging es auf eher langweiliger Strecke die letzten 25 km auf der 108 bis zum Abzweig 1009 Richtung Doi Inthanon.

Anhang anzeigen coffee_stop.jpg

Das Ziel des heutigen Tages war ein Homestay am Fusse des Doi Inthanon. Den hatte ich gewaehlt, weil ich am naechsten Tag schon sehr zeitig aufbrechen wollte um zum Sonnenaufgang auf dem Doi Inthanon zu sein. Da braucht man wirkliche Nachtruhe, die ich dort auch fand. Leider hatte ich mir nach Ankunft dort noch einmal etwas Ruhe goennen wollen, was aber dazu fuehrte, dass ich den Grossteil des Nachmittags verschlafen habe. Als ich wieder aufwachte war es zu spaet noch gross etwas zu unternehmen. Ich blieb also auf der zum Homestay gehoerenden Farm und hielt meine Eindruecke mit der Kamera fest.

Anhang anzeigen farm_1.jpg Anhang anzeigen farm_2.jpg

Damit ging der vorletzte Tag meiner Rundreise etwas unspektakulaer zu Ende.
 
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