Vietnam Queiser85 auf Abwegen Zwischen Singleleben und Familienurlaub Da Nang 2026

Am nächsten Morgen sind wir dann gegen 9 Uhr aufgestanden. Am Abend vorher hatte ich, während ich noch auf die Tochter von Sweeties Schwester gewartet hatte, um sie ins Hotel zu lassen, schon mal die Koffer soweit fertig gemacht. So konnten wir dann pünktlich um 11 Uhr auschecken, haben unsere Koffer aber noch an der Rezeption stehen lassen.

Sweetie und ich sind anschließend noch einmal zurück zum Vientiane Center gefahren, damit ich endlich mein Gold kaufen konnte. Dieses Mal hat auch alles problemlos funktioniert. Ich habe mir eine Goldkette gekauft und wenn ich den reinen Goldwert abziehe, lagen die Kosten für die Verarbeitung gerade einmal bei rund 25 Euro. Und die Verarbeitung ist mittlerweile wirklich vernünftig. Wenn ich da zehn Jahre zurückdenke, sah man teilweise schon deutlich, dass die Sachen irgendwie mit dem Hammer zusammengedengelt wurden. Das ist heute wesentlich besser geworden und die Ketten sehen wirklich sauber verarbeitet aus.

Danach ging es zurück zum Hotel, die anderen eingesammelt und erst einmal gemütlich essen. Wir saßen bestimmt anderthalb bis zwei Stunden dort, haben in Ruhe gegessen, gequatscht und etwas getrunken. Gegen halb vier war dann Abfahrt Richtung Vang Vieng.

Ich hatte dafür einen privaten Transfer gebucht. Mit irgendeinem Bummelbus wollte ich auf keinen Fall fahren und selbst die Sharing Vans kosten mittlerweile ungefähr 12 bis 16 Euro pro Person für die einfache Fahrt von Vientiane nach Vang Vieng. Bei sechs Personen könnt ihr euch selbst ausrechnen, wo man da landet. Mit unserem Fahrer hatte ich für die Fahrt nach Vang Vieng und später wieder zurück insgesamt 180 Dollar ausgehandelt. Das fand ich vollkommen in Ordnung. Wir hatten einen großen Bus für uns alleine, ordentlich klimatisiert, genug Platz für alle und auch fürs komplette Gepäck. Kein Stress, direkt am Hotel abgeholt und später wieder direkt am Hotel abgesetzt. Genau so mag ich das.

Die Fahrt selbst ging erstaunlich schnell. Nach weniger als zwei Stunden waren wir bereits in Vang Vieng. Ich habe davon allerdings bestimmt eine gute Stunde verschlafen und bin eigentlich erst wieder richtig wach geworden, als wir gerade in Vang Vieng reinfuhren.

Dann Check in erledigt, erst einmal aufs Zimmer und jeder hat sich ein bisschen frisch gemacht. Anschließend sind wir losgezogen und haben Vang Vieng erkundet. Erst einmal über den Nachtmarkt, ein bisschen durch die Stadt geschlendert und irgendwann ein Restaurant ausgesucht. Das Essen natürlich wieder super günstig. Nach einem ausgiebigen Abendessen sind wir gemütlich über den Nachtmarkt zurück zum Hotel gelaufen.

Dort habe ich vor dem Hotel noch in Ruhe ein Bier getrunken, war wie immer der Letzte unter der Dusche, habe mich anschließend ins Bett geworfen und damit war der Tag auch schon vorbei. Wie ihr seht, wirklich nichts besonders Spektakuläres. Nach dem ganzen Schlafmangel der letzten Tage tat so ein ruhiger Tag aber auch mal gut, um endlich richtig anzukommen.

Vang Vieng selbst hat sich seit meinem letzten Besuch, der mittlerweile, glaube ich, ungefähr sieben Jahre zurückliegt, gar nicht so wahnsinnig verändert. Ich finde nach wie vor, dass es ein wirklich schönes Fleckchen Erde ist. Natürlich gibt es Tourismus, aber längst nicht in dem Ausmaß, wie man es aus vielen Orten in Thailand kennt. Trotzdem ist eigentlich alles vorhanden, nur eben in einer etwas spärlicheren Version. In Thailand wäre ein Ort wie dieser vermutlich längst völlig überrannt und zum absoluten Touristenort geworden, mit allem, was das dann für Preise, Umfeld und Atmosphäre bedeutet. Hier hat sich für mich noch einiges von der Ursprünglichkeit erhalten und genau diese Authentizität gefällt mir. Für ein paar Tage fühle ich mich hier auf jeden Fall richtig wohl.

Am Abend hatte ich noch mit Stephan aus Bramburi in Naklua telefoniert. Wir haben ein bisschen darüber philosophiert, wo man leben könnte und wo eher nicht. Ob ich hier dauerhaft leben könnte, kann ich momentan nicht wirklich beurteilen. Dafür müsste ich einfach mal wesentlich länger hier sein. Grundsätzlich ist aber alles vorhanden, was man zum Leben braucht, und gleichzeitig hat man seine Ruhe. Für mich zumindest wesentlich eher als irgendwo im Isaan oder in einer vergleichbaren Gegend.

Wie gesagt, an diesem Tag ist nichts Spektakuläres passiert. Aber das muss ja auch nicht jeden Tag sein. Mal schauen, wie es weitergeht.

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Am ersten Morgen in Vang Vieng bin ich gegen 6 Uhr Ortszeit aufgewacht. Mein Sohn schlief auch nicht viel länger und kam irgendwann zu mir. Alle anderen schliefen noch tief und fest. Er sagte, dass er nicht mehr schlafen könne und gerne rausgehen würde. Ich konnte sowieso auch nicht mehr schlafen und dachte mir, dass wir die Zeit sinnvoll nutzen könnten. Also schaute ich mal, ob in der Nähe schon irgendeine Laundry geöffnet hatte. Laut Google sollten mehrere ab 7 Uhr öffnen und mittlerweile war es ungefähr halb sieben. Also schnell die dreckige Wäsche zusammengepackt und los.

Als ich mit allem fertig war, wurde auch Sweetie wach und fragte natürlich sofort, was wir vorhätten. Ich sagte ihr, dass ich mit meinem Sohn zur Laundry gehen wolle. Die Antwort könnt ihr euch wahrscheinlich denken. Sie kommt mit. Also gut, zu dritt los. Die erste Laundry war ungefähr zehn Minuten zu Fuß entfernt. Das Wetter war schön, es war noch früh und angenehm kühl, also perfekt für einen kleinen Spaziergang. Dort angekommen natürlich geschlossen. Also weiter zur nächsten Laundry, noch einmal ungefähr zehn Minuten entfernt. Mittlerweile war es fast halb acht und natürlich war auch diese geschlossen.

Ich sagte zu Sweetie, dass ich ein Stück weiter einen Motorradverleih gesehen hatte, der schon geöffnet war. Da ich sowieso zwei Roller mieten wollte, könnten wir genauso gut dort hingehen, die Roller holen, etwas trinken und darauf warten, dass die Laundry irgendwann aufmacht. Gerade als wir wieder aufstehen wollten, kam ein Mann und schloss den Laden neben der Laundry auf. Sweetie fragte ihn, wann die Laundry öffnen würde. Er meinte, gleich, die Frau hätte nur noch ihr Kind zur Schule gebracht. Also wieder hingesetzt und tatsächlich tauchte die besagte Dame fünf bis zehn Minuten später auf.

Sweetie natürlich sofort rein, Waschmaschinen gefüllt und los ging es. Die Waschzeit betrug ungefähr 40 Minuten. In der Zwischenzeit gingen wir zum Motorradverleih. Der Besitzer war wirklich nett, konnte ein bisschen Englisch und wir haben uns eine ganze Weile mit ihm unterhalten und auch einiges zu lachen gehabt. Wir haben dort etwas getrunken, jeder war noch einmal auf der Toilette und nebenbei zwei Roller gemietet. Für 24 Stunden kostete ein Roller umgerechnet etwas mehr als sieben Euro.

Irgendwann ging Sweetie wieder rüber zur Laundry, holte die Wäsche aus der Waschmaschine und stopfte sie in den Trockner. Der Motorradverleih lag vielleicht eine Minute zu Fuß entfernt, praktisch direkt auf der anderen Straßenseite. Danach schnappten wir uns die Roller und fuhren erst einmal zurück ins Hotel.

Dort waren mittlerweile auch die anderen wach und der Sohn von Sweeties Schwester hatte ein komplett geschwollenes Gesicht und weinte vor Schmerzen. Also den kleinen Mann zusammen mit Sweetie direkt eingepackt und ab in die Klinik. Dort wurde er untersucht, ein bisschen geschaut und gemacht und dann kam das, was hier in Asien gefühlt sehr gerne kommt. Antibiotika und Schmerzmittel.

Mir war natürlich sofort klar, dass ich davon nicht sonderlich begeistert war. Ich habe mit Sweetie darüber gesprochen, aber sie wollte davon überhaupt nichts hören und wurde ehrlich gesagt sogar ein bisschen sauer. Ihrer Meinung nach zweifle ich ständig an den Leuten und denke immer, ich wüsste alles besser. Also habe ich irgendwann nur noch okay gesagt, den kleinen Mann wieder eingepackt und wir sind zurück ins Hotel gefahren.

Danach erst einmal frühstücken. Das Frühstück ist im Sun San Resort inklusive und ich muss sagen, es ist wirklich eher unteres Mittelmaß. Es sieht zwar alles ganz nett aus und man kann sogar am Vortag über eine Speisekarte auswählen, was man am nächsten Morgen haben möchte, aber geschmacklich überzeugt es mich überhaupt nicht. Entweder versalzen oder ziemlich fad, dazu TK Gemüse und insgesamt einfach nichts Besonderes.

Danach wollten wir zur Blue Lagoon. Ich sagte zu Sweetie, dass sechs Personen auf zwei Rollern vielleicht doch etwas sportlich werden könnten, zumal ich selbst nun auch nicht gerade der Schlankeste bin. Mein Plan war sowieso, einen Buggy zu mieten. Also sollte sie später einfach mit dem Rest der Familie nachkommen. Mein Sohn und ich nahmen ein Taxi zum Buggyverleih und dort mietete ich einen Viersitzer für vier Stunden. Kostenpunkt 1.200.000 Kip. Für Laos natürlich nicht gerade günstig, aus europäischer Sicht aber durchaus überschaubar.

Kurz darauf rief Sweetie an. Es sei zu warm und sie wolle mit der Familie nicht auf den Rollern fahren. Sie hatte Angst, dass noch mehr Kinder krank werden. Die haben hier teilweise eine derartige Angst vor der Sonne, dass man meinen könnte, nach zwei Minuten auf dem Roller droht unmittelbar der Hitzetod. Manchmal frage ich mich wirklich, wie die ihren Alltag meistern.

Also mit dem Verleiher gesprochen. Kein Problem. Er würde sie kostenlos am Hotel abholen, schließlich hatte er sowieso einen dieser offenen Minivans mit Dach. Also fuhr der Fahrer zum Hotel, sammelte Sweetie und den Rest der Mannschaft ein und brachte alle zum Buggyverleih. Ich dachte zunächst, dass es vielleicht Diskussionen geben würde, weil wir sechs Personen waren und der Buggy offiziell nur vier Sitze hatte. Der Mann schaute einmal kurz und meinte nur: „Six people? Okay.“ Alles klar. Wir sind wieder in Asien, die Sache läuft.

So einen Buggy hatte ich bei meinem letzten Aufenthalt hier schon einmal gemietet. Die Dinger gehen keinen Schlag, sind laut wie die Sau, aber machen einfach Spaß und sind definitiv ein Erlebnis wert.

Landschaftlich ist die Gegend sowieso traumhaft. Es war zwar ziemlich staubig, aber das störte nicht wirklich. Wir fuhren über kleinere Straßen und Wege Richtung Blue Lagoon. Für die Buggys gibt es hier wohl bestimmte Routen. Ob ich tatsächlich auf einer davon unterwegs war, kann ich bis heute nicht sagen. Ich bin einfach nach Navi gefahren und habe unterwegs jede Menge andere Buggys getroffen. Also waren entweder alle richtig oder alle falsch. Gestört hat es jedenfalls niemanden.

Die Fahrt selbst war einfach richtig schön. Wir kamen durch kleine Dörfer, vorbei an winzigen Läden und Häusern und man sieht dort noch das ganz normale Leben abseits der touristischen Ecken. Genau diese Strecken gefallen mir in Asien eigentlich am besten.

Nach ungefähr 20 bis 25 Minuten kamen wir an der Blue Lagoon Nummer 1 an. Buggy abgestellt und die vielleicht 20 Meter bis zum Kassenhäuschen gelaufen. Den genauen Eintrittspreis weiß ich nicht mehr, aber er war minimal. Ich meine, wir hätten für alle sechs zusammen ungefähr 130.000 Kip bezahlt. Sweetie meinte noch, dass man uns den günstigeren einheimischen Preis berechnet hätte.

Drinnen waren natürlich erst einmal alle begeistert. Das strahlend blaue Wasser, die Fische darin, die Bäume, der ganze Urwald drumherum und die kleinen Restaurants und Hütten. Wirklich schön.

Nun musste allerdings zunächst die wesentlich schwierigere Aufgabe bewältigt werden, einen geeigneten Sitzplatz zu finden. Also über die Brücke, links geschaut, rechts geschaut, wieder zurück und ausführlich darüber philosophiert, welcher Platz denn nun der richtige sein könnte. Nachdem Position und Entfernung von Sonne und Mond, sämtliche relevanten Planetenkonstellationen, die Erdrotation und selbstverständlich auch die aktuelle Flugbahn des Todessterns mehrfach neu berechnet worden waren, fiel die Entscheidung endlich auf einen freien Platz.

Dort angekommen stellte man allerdings fest, dass offenbar irgendwo ein schwerwiegender Rechenfehler vorliegen musste. Der Todesstern befand sich wohl doch näher an der Erde als angenommen und mindestens ein Planet stand offensichtlich in der falschen Konstellation. Also alles wieder eingepackt, noch einmal über die Brücke Richtung Ausgang und anschließend links auf die andere Seite. Dort stimmten dann endlich sämtliche astronomischen Parameter. Sonne, Mond und Planeten standen offenbar richtig, der Todesstern stellte keine unmittelbare Gefahr mehr dar und wir konnten uns tatsächlich hinsetzen.

Mein Sohn konnte es kaum erwarten, endlich ins Wasser zu kommen. Er ist eine echte Wasserratte und ehrlich gesagt hatte ich selbst auch richtig Lust, ins kühle Nass zu springen. Dort gibt es Schwimmwesten und davon machten vor allem die vielen chinesischen Besucher ausgiebig Gebrauch. Gefühlt hatte jeder von ihnen eine an. Ob die tatsächlich alle nicht schwimmen können, weiß ich natürlich nicht.

Für die Kinder haben wir ebenfalls Schwimmwesten besorgt. Sweeties Tochter wollte nicht ins Wasser, weil sie inzwischen auch anfing zu kränkeln. Also bekamen mein Sohn und der Sohn von Sweeties Schwester jeweils eine Weste und dann ging es endlich rein. Ich bin direkt vom Ufer ins Wasser gesprungen. Wirklich herrlich. Schön erfrischend, aber nicht unangenehm kalt.

Wir planschten eine ganze Weile im Wasser und was machten Sweetie und die Tochter ihrer Schwester währenddessen? Dreimal dürft ihr raten, was Asiatinnen an so einem Ort wohl machen. Richtig, Fotoshooting. Mehrstündig wäre jetzt etwas übertrieben, aber eine gute Stunde dürfte die erste Runde schon gedauert haben.

Irgendwann organisierte Sweetie etwas zu essen. Von Barbecue Chicken über verschiedene laotische Sachen bis zu Getränken war alles dabei. Also erst einmal gemeinsam gegessen. Danach sprangen die Kinder wieder ins Wasser, ich setzte mich gemütlich mit einem Bier hin und Sweetie und die Tochter ihrer Schwester starteten Runde zwei des Fotoshootings.

Später bin ich noch einmal ins Wasser. Unter der Brücke durchgeschwommen und weiter zu einem Baum, von dem man aus ungefähr fünf Metern Höhe ins Wasser springen kann. Darunter hängen auch noch ein paar Schaukeln. Dort habe ich noch eine Weile mit meinem Sohn herumgechillt, bevor wir wieder raus sind. Ein bisschen trocknen lassen, noch eine frisch gemixte Wassermelone getrunken und dann ging es wieder zum Buggy.

Für den Rückweg haben wir uns richtig Zeit gelassen. Wir fuhren noch ungefähr eine gute halbe bis dreiviertel Stunde durch die Landschaft. Ich bin bewusst langsam gefahren, alle haben Bilder gemacht und ich habe mehrfach angehalten, damit wir in Ruhe Fotos machen konnten.

Irgendwann kam ein Schild zu einem Wasserfall. Ich hielt kurz an und überlegte tatsächlich, noch hinzufahren. Damit hätten wir allerdings ziemlich sicher unsere Mietzeit überschritten. Sweetie merkte außerdem sofort an, dass es viel zu warm sei und man dort womöglich auch noch irgendwo hochlaufen müsse. Darauf hatte natürlich niemand Lust. Also habe ich das einzig Logische getan, nicht widersprochen, umgedreht und bin wieder Richtung Vang Vieng gefahren.

Zum Glück hatte ich noch rechtzeitig daran gedacht, mir bei Google Maps den Standort des Buggyparkplatzes zu markieren. Sonst hätte ich den wahrscheinlich nie wiedergefunden. Die Buggys stehen nämlich nicht direkt an der eigentlichen Mietstation, weil sie dort offenbar nicht fahren dürfen.

Also noch einmal die Landschaft genossen und schließlich den Buggy abgestellt. Dort warteten bereits die Nächsten und bekamen tatsächlich direkt unseren Buggy, weil es der einzige Viersitzer war. War also ganz gut, dass wir uns den Wasserfall gespart hatten und pünktlich zurück waren.

Mit dem kostenlosen Shuttle ging es anschließend wieder zurück ins Hotel. Dort machte sich erst einmal jeder etwas frisch. Die Kinder sprangen noch einmal in den Pool und danach machten auch sie sich fertig.

Am Abend sind wir dann mit sechs Leuten auf den beiden Rollern zu einem Restaurant gefahren. Ich weiß, jetzt gibt es wahrscheinlich wieder einige Aufschreie. Außer meinem Sohn und Sweetie hatte niemand einen Helm auf. Ja, ich weiß, was man davon halten kann und ich verstehe auch jeden, der jetzt sagt: Seid ihr wahnsinnig? Ihr habt damit auch vollkommen recht. Aber es ist hier nun einmal Asien und solche Bilder gehören hier zum ganz normalen Alltag. Für mich war es in dem Moment okay.

Auf meinem Roller saßen mein Sohn, Sweeties Tochter und ich. Auf dem anderen Roller saßen Sweetie, die Tochter ihrer Schwester und der Sohn ihrer Schwester. So fuhren wir ungefähr zehn Minuten zu einem Restaurant, das ich noch von meinem letzten Aufenthalt kannte. Der Weg dorthin war schon ein kleines Abenteuer. Über uralte, ziemlich heruntergekommene Brücken, vorbei an querstehenden Balken, über Steine und Schotter. Aber genau das gehört hier irgendwie dazu.

Als wir ankamen, stellten wir fest, dass Sweeties Tochter anfing zu fiebern. Gleichzeitig bemerkte ich, dass ich meine Tasche mit Geld und Gold im Hotel vergessen hatte. Also düste Sweetie noch einmal zurück, holte meine Tasche und gleichzeitig Medizin für ihre Tochter.

Wir hatten in der Zwischenzeit schon das Essen bestellt. Sweetie war noch keine zwei Minuten wieder da, da kam auch schon das Essen. Wir haben dann alle zusammen noch richtig gut gegessen, etwas getrunken und anschließend ging es wieder zurück ins Hotel.

Dort passierte nicht mehr viel. Der eine ging noch duschen, der andere nicht. Ich saß noch kurz draußen auf der Terrasse, ließ den Tag ein bisschen ausklingen und irgendwann ging es ab ins Bett.

Es war wirklich ein sehr, sehr schöner Tag.

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So Leute, jetzt habe ich ja etwas aufgeholt und deshalb beschlossen, den heutigen Tag auch noch direkt zu schreiben. Ich sage es gleich vorweg, wirklich spektakulär war er nicht, aber irgendwie trotzdem schön.

Sweetie und ich sind heute Morgen gegen 7 Uhr aufgewacht und haben beschlossen, eine Runde mit dem Roller durch Vang Vieng zu fahren. Morgens ist es noch angenehm und die Sonne knallt noch nicht so erbarmungslos. Außerdem mussten wir sowieso gegen 9 Uhr beim Rollerverleih sein, um die Roller zu verlängern. Also sind wir einfach ein bisschen durch die Gegend gefahren, während die anderen noch alle schliefen. Irgendwann haben wir uns einen Kaffee geholt, die Roller mit Blick auf die Berge abgestellt und sind einfach sitzen geblieben und haben unseren Kaffee getrunken. War eigentlich ein richtig schöner Start in den Morgen.

Danach ging es zum Rollerverleih. Ich hatte vorher schon mit Sweetie darüber gesprochen, dass mein Sohn heute von seiner Mutter abgeholt wird und wir an unserem letzten Tag sowieso keine riesigen Strecken mehr fahren wollten. Zwei Roller brauchten wir also eigentlich nicht mehr. Sie sah das genauso und deshalb haben wir den schwächeren zurückgegeben und den vermeintlich stärkeren behalten. Für weitere 24 Stunden waren wieder rund sieben Euro fällig und anschließend ging es zu zweit auf einem Roller zurück zum Hotel.

Mittlerweile war es ungefähr 9 Uhr und die anderen waren auch wach. Als ich den Roller abgestellt hatte und Richtung Zimmer lief, während Sweetie noch kurz an der Rezeption war, sah ich den Sohn ihrer Schwester draußen sitzen und weinen. Sein Gesicht war noch stärker geschwollen als am Vortag und offensichtlich hatte er auch deutlich mehr Schmerzen. Da war für mich Schluss. Ich rief Sweetie dazu und sagte ihr, dass das so nicht funktioniert. Mir sei jetzt auch egal, was sie oder ihre Familie davon halten, ich packe den Kleinen ein und fahre mit ihm zum Zahnarzt. Meine Vermutung war schließlich von Anfang an gewesen, dass die Schwellung möglicherweise von einem Zahn kommt.

Diesmal stimmte Sweetie mir auch direkt zu. Unsere kleine Diskussion vom Vortag tat ihr mittlerweile ohnehin leid, weil sie selbst wusste, dass das, was sie mir an den Kopf geworfen hatte, eigentlich Quatsch war. Es geht mir bei solchen Sachen ja überhaupt nicht darum, unbedingt recht haben zu wollen. Manchmal hat man einfach aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen einen anderen Blick auf bestimmte Dinge und dann sollte man zumindest mal darüber nachdenken.

Also den Kleinen eingepackt, den Zahnarzt mit den besten Bewertungen herausgesucht und ab auf den Roller. Vor uns waren drei Leute, trotzdem ging es relativ flott. Die Praxis war typisch asiatisch. Ein kleiner Laden, wie ich diese Garagenläden immer nenne. Zwar mit richtiger Tür statt Rolltor, aber ein deutsches Auto hätte man dort aufgrund der Länge wahrscheinlich schon kaum hineinstellen können. Der Behandlungsbereich war einfach mit einem Schrank vom Wartebereich abgetrennt. Vorne eine kleine Couch und ein paar Sitzgelegenheiten und fertig. So konnte natürlich auch jeder wunderbar zuschauen, was beim Patienten hinter dem Schrank gerade gemacht wurde. Asian like eben.

Die Leute vor uns waren schnell fertig, vermutlich nur Kontrollen an Zahnspangen oder ähnliche Kleinigkeiten, und dann waren wir dran. Ich ging mit hinter den Schrank. Die Zahnärztin schaute sich seinen Mund an und ich ließ Sweetie meine Vermutung übersetzen. Keine 20 Sekunden später sagte die Ärztin sinngemäß: Komm her und schau selbst.

Auf der hinteren Seite kam gerade ein neuer Zahn durch. Der Kleine ist erst zehn und entsprechend ist dort noch einiges in Bewegung. Man konnte deutlich eine entzündete, eitrig aussehende und erhabene Stelle erkennen. Die Zahnärztin erklärte, dass der Zahn noch nicht vollständig durchgebrochen sei und sich dort vermutlich Speisereste gesammelt hätten, beispielsweise durch nicht gründliches Zähneputzen. Das Ganze hatte sich dann entzündet und war offenbar die Ursache für die Schwellung.

Sie betäubte die Stelle, öffnete sie, entfernte das Sekret, reinigte alles und brachte anschließend ein Medikament ein. Das sah für mich alles vernünftig und professionell aus. Der Behandlungsstuhl und die Ausrüstung waren im Grunde genauso, wie man es von einem Zahnarzt bei uns kennt. Nur stand das Ganze eben in einem kleinen Garagenladen.

Eine Sache gefiel mir allerdings zunächst überhaupt nicht. Es wurden wieder Antibiotika und Schmerzmittel aufgeschrieben. Ich zeigte der Zahnärztin deshalb die Medikamente, die wir am Vortag von der Klinik bekommen hatten. Daraufhin erklärte sie Sweetie etwas auf Laotisch. Ich fragte anschließend natürlich, was sie gesagt hatte. Antwort: später, lass uns erst einmal gehen. Alles klar. Lao like.

Zurück im Hotel hatte der Kleine Hunger, durfte aber unmittelbar nach der Behandlung erst einmal nichts essen. Hätte ich vorher mal dran denken und ihm noch etwas geben können. Naja, musste er jetzt durch. Ich sagte Sweetie, sie solle ihn hinlegen und schlafen lassen. Das funktionierte auch und kurze Zeit später schlief er.

Danach sprach ich Sweetie noch einmal auf die Medikamente an und sie meinte nur: Sag mir erst einmal deine Meinung. Also erklärte ich ihr, dass wir jetzt zwei verschiedene Antibiotika und zusätzlich zwei Schmerzmittel hätten und ich ganz sicher nicht einfach alles gleichzeitig in den Kleinen stopfen würde. Außerdem war eines der Schmerzmittel für Erwachsene dosiert und die angegebene Menge erschien mir für ein zehnjähriges Kind viel zu hoch. Meine Meinung war deshalb, die Medikamente aus der Klinik wegzulassen und uns an die neue Verordnung beziehungsweise die für ein Kind passende Dosierung zu halten.

Sweetie grinste irgendwann nur noch und sagte: Genau das Gleiche hat die Zahnärztin auch gesagt.

Na wunderbar. Dann siehst du vielleicht, dass es mir weder ums Recht haben noch ums Besserwissen geht. Man bringt einfach seine Erfahrungen und seinen Wissensstand mit ein und versucht, eine vernünftige Lösung zu finden. Sweetie entschuldigte sich noch einmal für unsere Diskussion vom Vortag und damit war das Thema für mich erledigt.

Die Medikamente aus der Klinik habe ich vorsichtshalber direkt aussortiert, damit später niemand auf die Idee kommt, sie doch noch zusätzlich zu geben. Bis jetzt brauchte der Kleine nicht einmal mehr ein Schmerzmittel. Die Schwellung geht sichtbar zurück. Ich hatte vorher Bilder von seinem Gesicht gemacht und beim Vergleich sieht man bereits einen deutlichen Unterschied. Auch die Schmerzen scheinen wesentlich besser geworden zu sein.

Danach habe ich noch schnell den Koffer meines Sohnes gepackt, weil seine Mutter angekündigt hatte, ihn abzuholen. Irgendwann rief sie mich an, weil sie das Hotel nicht fand, obwohl sie sogar schon einmal mit mir hier gewesen war. Also sagte ich ihr, sie solle mir einfach ihren Standort schicken und ich würde sie mit dem Roller holen. Sie standen vielleicht drei oder vier Minuten vom Hotel entfernt an der Hauptstraße.

Ich fuhr hin und wollte eigentlich nur kurz mit dem Roller am Auto wenden und dann voraus zum Hotel fahren. Daraus wurde allerdings nichts. Kaum war ich da, ging die Autotür auf und meine ehemaligen Schwiegereltern kamen weinend heraus, hielten mich fest und redeten auf Laotisch auf mich ein. Ich verstand leider kaum etwas, aber es war ein ziemlich emotionaler Moment. Ehrlich gesagt war ich selbst den Tränen auch nicht besonders fern.

Meine Ex-Frau stand mittlerweile daneben und erklärte ihnen wohl ebenfalls, dass wir jetzt erst einmal gemeinsam zum Hotel fahren sollten. Irgendwann hatten sich alle ein bisschen beruhigt und wir fuhren los.

Am Hotel kam mein Sohn dazu und begrüßte Oma und Opa. Meine Ex-Frau umarmte mich ebenfalls, worauf ich ehrlich gesagt nicht unbedingt scharf war, aber gut. Sweetie und ihre Familie waren natürlich auch dabei. Sweetie hatte tatsächlich schon ein paar Mal mit meiner ehemaligen Schwiegermutter telefoniert. Das hatte sich einfach ergeben, wenn mein Sohn dort war, Sweetie bei mir und wir miteinander telefoniert hatten. Die beiden verstanden sich offensichtlich ziemlich gut und heute wurden sogar noch die Facebook Kontakte ausgetauscht. Ob ich das jetzt gut finden soll, weiß ich selbst noch nicht so genau.

Meine ehemalige Schwiegermutter soll allerdings wohl immer sehr positiv über mich sprechen und ihre Reaktion heute passte jedenfalls dazu. Als mein Sohn schließlich im Auto saß, stieg mein ehemaliger Schwiegervater noch einmal aus, umarmte mich erneut und setzte sich wieder ins Auto. Meine ehemalige Schwiegermutter stand dagegen immer noch draußen. Sie umarmte mich ebenfalls noch einmal und sagte mir auf Laotisch, dass sie mich sehr vermisst habe, sich unglaublich freue, mich wiederzusehen und unbedingt etwas Zeit mit mir verbringen möchte, wenn sie meinen Sohn später wieder nach Vientiane bringen.

Dann ging sie zum Auto, machte die Tür aber nicht zu und schaute mich mit Tränen in den Augen an. Schließlich stieg sie tatsächlich noch einmal aus, kam zurück und drückte mich ein weiteres Mal ganz fest. Danach setzte sie sich ins Auto. Mein ehemaliger Schwiegervater fuhr los, sie öffnete währenddessen noch einmal die Tür und schaute mit kullernden Rehaugen zu Sweetie und mir. Wir winkten, sie schloss die Tür und dann war die Situation vorbei.

Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht genau, was ich davon halten soll. Aber kaltgelassen hat mich das definitiv nicht.

Danach passierte nicht mehr sonderlich viel. Wir gingen aufs Zimmer und ruhten uns ein bisschen aus. Irgendwann schnappte ich mir noch einmal den Roller und fuhr alleine ungefähr eine Dreiviertelstunde bis Stunde durch Vang Vieng und die Umgebung. Es war warm, aber nicht unerträglich heiß. Die Sonne merkte man trotzdem ordentlich.

Dabei wäre ich beinahe noch in eine Polizeikontrolle gefahren. Ich bemerkte sie zum Glück rechtzeitig und bog vorher links in eine andere Straße ab. Ohne Helm ist man schließlich immer ein besonders hübsches Fotomotiv für die Polizei und auf diese Diskussion hatte ich nun wirklich keine Lust.

Also irgendwann zurück zum Hotel, duschen und noch etwas hingelegt. Später bin ich mit Sweetie noch einmal eine Runde durch die Stadt gefahren. Wir haben irgendwo eine Kleinigkeit getrunken und sind anschließend zurück zum Hotel. Kaum waren wir dort, fing es an wie aus Eimern zu schütten.

Irgendwann bekamen natürlich alle Hunger. Sweetie zog sich um, setzte sich trotz des strömenden Regens auf den Roller und wollte Essen holen. Ich sagte ihr mehrfach, dass ich genauso gut ein Taxi rufen könnte, aber davon wollte sie nichts wissen. Also fuhr sie tatsächlich ungefähr eine halbe Stunde durch den Regen, war noch hier und da einkaufen, im 7 Eleven und im Big C und besorgte Essen und Getränke für alle.

Sie kam komplett durchnässt zurück, wir aßen gemeinsam und anschließend meinte sie, dass sie jetzt erst einmal duschen gehe. Ich signalisierte ihr, dass ich durchaus Interesse hätte, sie dabei zu begleiten. Das wurde ohne größere Diskussion genehmigt. Also gingen wir gemeinsam duschen und natürlich blieb es nicht ausschließlich beim Duschen.

Jetzt sitze ich gerade auf dem Balkon, trinke noch ein Bier und schreibe den heutigen Tag zusammen. Im Großen und Ganzen war er wirklich nicht spektakulär. Ein krankes Kind braucht natürlich kein Mensch und das war definitiv der unschöne Teil des Tages. Trotzdem war es auf seine Art ein schöner und entspannter Tag.

Und genau das ist eigentlich das, was ich an Laos so mag. Es ist wesentlich ruhiger als die großen Städte in Thailand, ohne dabei für meinen Geschmack komplett tot zu sein, wie es mir in manchen Gegenden im Isaan vorkommt. Für mich ist das hier eine ziemlich schöne Mischung und immer wieder ein angenehmes Kontrastprogramm.

So, jetzt habe ich endlich mal aufgeholt und ihr seid alle up to date.

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Schön das du uns wieder mitnimmst ich bin schon gespannt was du zu berichten hast, aber vor allem viel Spaß und genießt den Urlaub!
Besser spät als nie, ist etwas untergegangen. Sorry ✌🏻
Vielen dank und freue mich wenn du dabei bist
 
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Muß gerade an Van Vieng von vor 20 Jahren denken... Horden von besoffenen, bekifften und unter sonstigen Opiaten stehenden amerik. Collegekids, schon nachmittags im Delirium aus dem Jeepney fliegend. Absolute Ausnahmesituation für Laos. War einfach grausam (und ich bin dem Umtrunk gegenüber durchaus nicht negativ eingestellt...)! Da hat damals glaub im Jahr drauf die Regierung massiv eingegriffen. Hat dem Städtchen scheints sehr gut getan!

Sehr schöner Bericht, Danke :-)
 
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Muß gerade an Van Vieng von vor 20 Jahren denken... Horden von besoffenen, bekifften und unter sonstigen Opiaten stehenden amerik. Collegekids, schon nachmittags im Delirium aus dem Jeepney fliegend. Absolute Ausnahmesituation für Laos. War einfach grausam (und ich bin dem Umtrunk gegenüber durchaus nicht negativ eingestellt...)! Da hat damals glaub im Jahr drauf die Regierung massiv eingegriffen. Hat dem Städtchen scheints sehr gut getan!

Sehr schöner Bericht, Danke :-)

Danke für die netten Worte✌🏻🙏🏻

Soweit ich weiß, war Vang Vieng bis vor ungefähr zehn Jahren noch eine ziemlich wilde Nummer. Als ich das letzte Mal vor etwa sieben Jahren hier war, war jedenfalls auch noch wesentlich mehr los als heute.

Ich hatte irgendwann mal gelesen, dass früher vor allem viele junge Engländer nach dem Studium als Backpacker durch Laos gereist sind und Vang Vieng dabei wohl eine der Adressen war, um sich komplett wegzubeamen. Drogen waren damals offenbar ziemlich offen verfügbar. In manchen Restaurants standen entsprechende Sachen sogar auf der Speisekarte, inklusive der berühmten „Happy Pizzas“ mit halluzinogenen Pilzen. Dazu kam das Tubing auf dem Fluss, bei dem Alkohol und Drogen wohl eine ziemlich ungünstige Kombination waren. Unter den Touristen soll es damals auch mehrere Todesfälle gegeben haben. Wenn man sich alte Videos auf YouTube anschaut, bekommt man noch einen ganz guten Eindruck davon, was hier früher teilweise los gewesen sein muss. Irgendwann hat die Regierung dann ziemlich rigoros eingegriffen und einen Großteil davon dichtgemacht.

Ganz verschwunden scheint die Szene allerdings bis heute nicht zu sein, nur ist sie meiner Wahrnehmung nach auf einen Bruchteil von früher zusammengeschrumpft. Bei unserer Ankunft im Hotel war beispielsweise eine Gruppe junger Thailänder dort, bei denen zumindest ziemlich offensichtlich irgendetwas im Spiel war. Einer von ihnen ist irgendwann zusammengeklappt und hat stark gezittert. Laufen funktionierte kaum noch, trotzdem haben die anderen ihn noch irgendwie in den Pool verfrachtet. Die Musik lief die halbe Nacht und am nächsten Morgen, als wir gegen sechs oder sieben Uhr aufstanden, immer noch. Eine der Frauen aus der Gruppe schrie ohnehin gefühlt permanent herum. Als wir später zurückkamen, herrschte irgendwann Ruhe und wenig später waren sie zum Glück ausgecheckt.

Ich denke deshalb, dass Vang Vieng in dieser Hinsicht immer noch eine gewisse Szene hat und für manche vielleicht auch weiterhin eine Art Insiderziel ist. Mit dem Vang Vieng von früher scheint das aber kaum noch vergleichbar zu sein. Als normaler Tourist bekommt man davon heute zumindest nach meinem Eindruck fast nichts mehr mit.
 
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Und schon hänge ich wieder hinterher. Naja, versuchen wir mal, etwas aufzuholen.

Am nächsten Morgen ging es für uns alle zurück nach Vientiane. Sweetie und ich sind gegen 7 Uhr aufgewacht, haben uns fertig gemacht und wollten noch den Roller zurückbringen. Vorher drehten wir allerdings noch eine kleine Runde durch Vang Vieng und kauften etwas zu essen für die alle. Das brachten wir erst einmal zurück ins Hotel und machten uns anschließend wieder auf den Weg zum Rollerverleih.

Dort haben wir uns noch ein bisschen mit dem wirklich netten Vermieter unterhalten. Ich sagte zu Sweetie, sie solle ihn doch einfach mal fragen, ob er uns zurück zum Hotel fahren könnte. Ich war mir ziemlich sicher, dass er das gemacht hätte. Sie winkte allerdings nur ab. Und wenn dich eine Asiatin kopfschüttelnd anschaut, dann stelle das besser nicht infrage. Akzeptiere es einfach, es sei denn, du möchtest, dass die Hölle ausbricht. Also schön die Klappe gehalten, irgendwann verabschiedet und die ungefähr zehn bis zwölf Minuten Fußweg zum Hotel angetreten.

Mittlerweile knallte die Sonne schon wieder ordentlich und auf dem Weg gab es kaum Schatten. Also schlug ich vor, einfach ein Taxi zu nehmen. Sweetie meinte daraufhin, dass sie etwas enttäuscht sei, weil der Vermieter uns nicht zurückgefahren hätte. Ich fragte sie, ob sie ihn denn überhaupt gefragt hätte und ob er Nein gesagt hätte. Nein, gefragt hatte sie ihn nicht. Aber er hätte doch schließlich gewusst, dass wir wieder zum Hotel müssten.

Alles klar. Da sind wir wieder bei der manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen laotischen Logik. Aber gut, mir egal, die paar Minuten Sonne werde ich schon überleben. Also weiter Richtung Hotel gestiefelt, noch einen kurzen Zwischenstopp im Big C eingelegt und anschließend die letzten paar hundert Meter zurückgelegt.

Im Hotel haben wir dann alle gemeinsam gefrühstückt. Unser privater Transfer war für 11:30 Uhr bestellt und um 11 Uhr mussten wir auschecken. Gegen 11:10 oder 11:15 Uhr standen wir mit unserem Gepäck an der Rezeption und siehe da, unser Fahrer wartete bereits auf uns.

Ich muss sagen, der Mann war wirklich absolut zuverlässig. Schon auf der Hinfahrt war er eine Viertelstunde zu früh gewesen. So etwas bin ich aus Asien eigentlich überhaupt nicht gewohnt. Ich muss den Kontakt bei Gelegenheit mal heraussuchen und kann ihn gerne hier reinstellen. Der Bus war praktisch nagelneu, hatte meiner Erinnerung nach gerade einmal ungefähr 12.000 Kilometer auf dem Tacho, Lederausstattung und war insgesamt wirklich ein richtig schönes Transportmittel.

Diesmal habe ich während der Fahrt auch nicht geschlafen, sondern mir die Landschaft angeschaut. Und die ist wirklich atemberaubend schön. Eigentlich müsste man hier irgendwann einmal in der etwas kühleren Jahreszeit ein paar Tage mit dem Roller unterwegs sein. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine richtig schöne Tour wäre.

Die Fahrt verging jedenfalls wie im Flug. Nach nicht einmal einer Stunde und 40 Minuten waren wir bereits an unserem neuen Hotel in Vientiane angekommen.

Ich hatte das Riverside gebucht und muss sagen, wirklich ein tolles kleines Hotel. Sehr guter Service, modern und hochwertig eingerichtet. Natürlich kein Fünfsternehotel, aber wirklich schön gemacht. Ich hatte mich für die Suite entschieden, die gerade einmal zehn Euro Aufpreis kostete. Insgesamt habe ich über Trip.com 45 Euro für die Nacht bezahlt.

Die Familie war völlig aus dem Häuschen. Alle fanden das Zimmer toll und besonders die Badewanne hatte es ihnen natürlich angetan.

Da vom Frühstück noch einiges an Essen übrig war, sagte ich zu Sweetie, sie solle doch einfach mit ihrer Familie in Ruhe essen. Jeder könne duschen, sich etwas ausruhen und die Zeit genießen. Ich würde mir derweil auch ein bisschen Zeit für mich nehmen, eine Runde um den Block laufen, irgendwo gemütlich etwas essen und ein Bier trinken. Danach würde ich wiederkommen.

Gesagt, getan. Eigentlich wollte ich zunächst in ein deutsches Wirtshaus, das ich bei Google Maps gefunden hatte. Laut Internet sollte es geöffnet sein, tatsächlich war es allerdings geschlossen und sah auch nicht unbedingt so aus, als würde es in absehbarer Zeit wieder öffnen.

Also bin ich weitergelaufen und schließlich erneut im Khop Chai Deu gelandet. Das Restaurant hatte mir ja schon bei unserem ersten Besuch gefallen.

Diesmal bestellte ich ein halbes Hähnchen mit Pommes. Auf die Pommes kamen noch Knoblauch, schwarzer Pfeffer und etwas Kaffirlimette, wobei ich Letztere eigentlich gar nicht besonders mag.

Bei der Bestellung gab es allerdings erst einmal eine kleine Diskussion. Die Kellnerin erklärte mir, dass man das Hähnchen entweder nur im Ganzen bestellen könne oder als Menü. Das Menü bestand aus einem halben Hähnchen mit Papayasalat und Sticky Rice. Darauf hatte ich allerdings keine Lust. Also versuchte ich ihr verständlich zu machen, dass sie den Salat und den Reis einfach weglassen und mir stattdessen Pommes bringen solle.

Nach einigem Hin und Her verstand sie schließlich, was ich wollte, erklärte mir aber ausdrücklich, dass das trotzdem genauso viel kosten würde wie das ursprüngliche Menü. Ich sagte ihr, dass das überhaupt kein Problem sei.

Später habe ich dann aus Spaß einmal nachgerechnet. Hätte ich den Preis für das ganze Hähnchen halbiert und die Pommes separat dazugerechnet, wäre ich ungefähr 15% teurer gewesen. Von wegen teurer. Das war sogar ein gutes Geschäft.

Dazu gab es noch drei Bier und ich saß einfach gemütlich dort und genoss die Ruhe.

Irgendwann rief Sweetie an und sagte, dass das Taxi gegen 17 Uhr kommen würde. Also bezahlte ich und machte mich auf den Rückweg zum Hotel.

Dort sammelten wir alle ein und gingen nach unten. Unser Taxi stand bereits vor der Tür. Der Fahrer war mittlerweile so etwas wie unser privater Taxifahrer in Vientiane geworden. Das hatte sich eigentlich ganz zufällig ergeben. Bei einer unserer ersten Fahrten hatte Sweetie sich mit ihm unterhalten und dabei festgestellt, dass er ebenfalls aus Pakse stammt. Also wurden kurzerhand Telefonnummern ausgetauscht und seitdem haben wir ihn einfach angerufen, wenn wir ein Taxi brauchten.

Das funktionierte wirklich hervorragend und die Preise waren ebenfalls super. Im Schnitt lagen wir bei ungefähr 50.000 Kip pro Fahrt.

Dann hieß es erst einmal Abschied nehmen. Die anderen fuhren zum Bahnhof und Sweetie und ich gingen wieder hoch auf unser Zimmer. Zum ersten Mal in diesem Urlaub waren wir jetzt tatsächlich ganz alleine.

Als wir oben waren, fiel mir ein, dass @Pillo mir einmal von einer Bar in Vientiane erzählt hatte, deren Besitzerin er auch persönlich kennt. Ich werde die Bar hier bewusst nicht beim Namen nennen. Wenn er möchte, kann er das ja selbst tun.

Also schrieb ich ihm und bat ihn, mir noch einmal den Standort zu schicken, weil ich die Nachricht bei WhatsApp irgendwie nicht mehr finden konnte. Er schickte mir den Standort und schrieb dazu, dass die Besitzerin noch nicht da sei. Er hätte gerade mit ihr geschrieben und ich solle noch ein bisschen warten.

Mittlerweile standen Sweetie und ich allerdings schon wieder vor dem Hotel. Also schlug ich ihr vor, einfach um die Ecke zu gehen. Dort hatte ich einen wirklich schönen Biergarten gesehen, in dem wir uns gemütlich hinsetzen könnten.

Gesagt, getan. Wir waren fast die einzigen Gäste, aber der Laden war wirklich schön angelegt. Überall Blumen und Pflanzen, sodass man fast das Gefühl hatte, mitten im Urwald zu sitzen. Der Service war hervorragend und die Preise absolut in Ordnung.

Ich bestellte mir ein Bier und Sweetie noch einen Som Tam, also einen Papayasalat. Wir saßen gemütlich zusammen, unterhielten uns und genossen einfach die Zeit.

Irgendwann gab Sweetie mir dann ziemlich unmissverständlich zu verstehen, dass es doch eigentlich ganz schön wäre, jetzt wieder aufs Zimmer zu gehen. Schließlich seien wir zum ersten Mal während dieses Urlaubs wirklich alleine.

Nun ja, dieser Argumentation konnte und wollte ich natürlich nicht widersprechen. Also ging es relativ zeitnah zurück ins Hotel.

Dort wollten wir erst einmal gemeinsam duschen. Allerdings muss ich an dieser Stelle etwas Kritik am Hotel loswerden. Die Duscharmatur an der Badewanne war eine absolute Katastrophe. Ich habe selten eine derart bescheuerte Konstruktion gesehen.

Nachdem ich eine Weile erfolglos versucht hatte, das Ding zum Funktionieren zu bringen, rief ich an der Rezeption an. Ein Mitarbeiter kam hoch, schaute sich die Sache an und bekam es ebenfalls nicht hin. Daraufhin kam ein zweiter Mitarbeiter, der mir schließlich erklärte, wie das Ganze funktionieren sollte. Allerdings funktionierte es selbst danach nur teilweise.

Für ein ansonsten wirklich schönes und hochwertig ausgestattetes Hotel war diese Armatur einfach nur beschämend.

Naja, irgendwie haben wir es dann doch geschafft, zu duschen. Anschließend ließen wir uns noch die Badewanne volllaufen und den Rest des Abends könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

Leider habe ich es dadurch nicht mehr in die besagte Bar geschafft. Aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Irgendwann bekam ich dann doch wieder etwas Hunger und Sweetie meinte ebenfalls, dass sie noch eine Kleinigkeit essen könnte. Also zog ich noch einmal los zum Big C, um ein paar Snacks und Getränke zu besorgen.

Unterwegs kaufte ich mir auch noch einen Roti, diesen thailändischen Crêpe, den man an den kleinen Straßenständen bekommt.

Auf dem Weg hatte mich zuvor ein Bettler angesprochen. Er war wirklich freundlich, aber zunächst hatte ich abgewunken. Als ich dann im Big C war, dachte ich mir allerdings, dass ich ihm doch eine Kleinigkeit mitbringen könnte. Also kaufte ich eine große Flasche Wasser und eine Tüte Chips. Das Wechselgeld von 15.000 Kip steckte ich ebenfalls noch in die Tüte.

Auf dem Rückweg saß er immer noch dort. Als er mich sah, fragte er nicht noch einmal nach etwas, sondern begrüßte mich einfach freundlich mit einem Wai, also mit vor der Brust zusammengelegten Händen.

Ich stellte ihm die Tüte hin und er war völlig aus dem Häuschen. Er verneigte sich mehrfach bis zum Boden und redete dabei auf Laotisch auf mich ein. Leider verstand ich kein Wort, außer dass immer wieder „Farang“ vorkam.

Das ging tatsächlich so lange weiter, bis ich an der nächsten Straßenkreuzung links um die Ecke bog. Er saß immer noch dort, verneigte sich und bedankte sich offenbar immer wieder.

Zurück auf dem Zimmer haben Sweetie und ich dann noch unsere Kleinigkeiten gegessen, ein bisschen geredet, gelacht und irgendwann sind wir schließlich eingeschlafen.

Für den nächsten Morgen hatten wir uns vorgenommen, gegen 8 Uhr aufzustehen und noch gemütlich das Frühstücksbuffet zu genießen. Unser Taxi zum Flughafen war bereits für 9:30 Uhr bestellt, denn um 11:40 Uhr sollte unser Flug von Vientiane nach Pakse gehen.

Damit war auch dieser Tag vorbei. Wieder einmal nichts wahnsinnig Spektakuläres, aber ein wirklich schöner Tag. Und vor allem tat es auch mal gut, ein paar Stunden ganz alleine mit Sweetie verbringen zu können.

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Am nächsten Morgen sind wir dann gegen 8:20 Uhr runter zum Frühstück. Der Speisesaal war natürlich nicht riesig und auch das Buffet war eher überschaubar, schließlich handelt es sich um ein kleines Hotel. Aber ich muss sagen, das Frühstück war wirklich richtig gut. Selbst Sweetie war begeistert. Es gab überwiegend einheimische Gerichte, dazu die üblichen Würstchen, Spiegeleier, Rührei und gekochte Eier, wie man es eben kennt. Der Kaffee war gut, lediglich der Instant-Saft war nicht so mein Fall. Wir bestellten uns beide noch die täglich wechselnde Nudelsuppe, die im Frühstück enthalten war, aber separat bestellt werden musste. Dazu gab es ein paar einheimische Leckereien und am Ende waren wir uns beide einig, dass das Frühstück wirklich gelungen war. Satt waren wir jedenfalls mehr als genug.

Anschließend ging es wieder hoch aufs Zimmer, Koffer geschnappt und ab nach unten. Wie erwartet stand unser mittlerweile schon zum Stammtaxifahrer gewordener Fahrer bereits vor dem Hotel. Der nette Mitarbeiter, der einem auch immer die Tür aufhielt, sah uns mit den Koffern und kam sofort angelaufen, um das Gepäck zum Taxi zu bringen. Ich erledigte währenddessen den Check-out. Man bat mich noch, einen Moment zu warten, da das Zimmer kurz kontrolliert werden müsse. Ich sagte, dass ich draußen warten würde, schließlich konnte ich dort noch gemütlich eine rauchen. Irgendwann sah ich durch die Scheibe, wie der Mitarbeiter zu mir schaute. Als er merkte, dass ich ihn ebenfalls sah, winkte er und zeigte den Daumen nach oben. Alles klar, Zimmer in Ordnung, wir können los.

Kurz vor 10 Uhr waren wir am Flughafen in Vientiane. Also mehr als pünktlich, denn das Boarding sollte um 11:10 Uhr beginnen und der Abflug war für 11:40 Uhr vorgesehen. Die Kofferaufgabe ging erwartungsgemäß schnell. An so einem kleinen Flughafen ist ja nicht sonderlich viel los und nach ungefähr zwei Minuten Wartezeit waren wir unser Gepäck bereits los.

Danach setzten Sweetie und ich uns noch ein bisschen hin. Irgendwann sagte ich ihr, dass ich noch schnell eine rauchen gehe. Am Flughafen in Vientiane herrscht allerdings praktisch überall Rauchverbot. Irgendwo außerhalb soll es wohl eine Raucherecke geben, aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, danach zu suchen. Also bin ich einfach ein paar Meter den Gang hochgelaufen, wo sowieso nichts mehr kam, und habe mir dort eine Zigarette angezündet.

Das war allerdings keine besonders brillante Idee. Es dauerte nicht lange, bis zwei Polizisten vor mir standen. Mir war sofort klar, worauf das hinauslaufen würde. Jetzt wird kassiert.

Die beiden nahmen mich mit in ihr kleines Polizeihäuschen, das ich jetzt einfach mal als Kassenhäuschen bezeichne. Ich muss allerdings sagen, sie waren beide ausgesprochen freundlich und der Umgang war völlig entspannt. Sie wollten natürlich meinen Reisepass sehen. Ich erklärte ihnen, dass ich weder meinen Pass noch Geld bei mir hätte, weil alles bei meiner Freundin sei, die drinnen am Flughafen wartet.

Dann kam die große Überraschung. Einer der beiden erklärte mir, dass er gerne 100 Dollar von mir hätte.

Da musste ich erst einmal schlucken. Ich erklärte ihm noch einmal, dass ich überhaupt nichts bei mir hätte und alles bei meiner Freundin sei.

Zwischendurch musste ich etwas schmunzeln, weil ich mir die Pistolen der beiden Polizisten genauer anschaute. Da ich mich mit Waffen ein bisschen auskenne, fiel mir auf, dass es sich um uralte Modelle handelte, auch die Munition war aus Kriegszeiten. Solche Konstruktionen kenne ich eigentlich nur von sehr alten Waffen. Jedenfalls sah das Ganze für mich aus, als wären die Pistolen schon seit Jahrzehnten im Dienst.

Irgendwann erklärte ich den beiden, dass meine Freundin Laotin sei. Daraufhin schien die Sache plötzlich etwas interessanter zu werden. Also rief ich Sweetie an und bat sie, zu mir zu kommen.

Das Polizeihäuschen hatte von außen getönte Scheiben. Als ich Sweetie kommen sah, zeigte ich einem der beiden Polizisten, der selbst etwas kräftiger gebaut war, dass sie dort vorne sei. Er schaute Sweetie an, dann mich, dann wieder Sweetie und meinte nur grinsend: „Oh, Bro!“ Dazu gab es einen Daumen nach oben.

Ich musste lachen. Offenbar fand er meine Freundin ziemlich hübsch. Wie gesagt, menschlich waren die beiden wirklich nett.

Dann kam Sweetie herein und es begann eine längere Diskussion auf Laotisch. Ich verstand natürlich kein Wort. Irgendwann sah ich, wie sie ihre Tasche öffnete und dachte mir: Alles klar, jetzt wird das Schmiergeld ausgepackt.

Aber Sweetie wäre nicht Sweetie, wenn sie nicht auch bei so etwas versuchen würde, den Preis möglichst weit nach unten zu drücken.

Sie bot den beiden zunächst einen deutlich kleineren Betrag an. Damit waren die natürlich überhaupt nicht einverstanden. Es wurde weiterdiskutiert, Sweetie wurde langsam etwas ungehalten und irgendwann merkte man auch den Polizisten an, dass sie offenbar keine große Lust mehr hatten, sich mit ihr anzulegen.

Am Ende einigten sie sich tatsächlich auf jeweils 100.000 Kip, also insgesamt 200.000 Kip. Bei meinem Wechselkurs sind das gerade einmal knapp acht Euro. Von den ursprünglich geforderten 100 Dollar war also nicht mehr besonders viel übrig.

Damit war die Sache allerdings noch nicht ganz erledigt. Wie ich später erfuhr, wollten die Polizisten das Geld nicht in ihrem Häuschen entgegennehmen, sondern Sweetie sollte es ihnen draußen geben. Darauf hatte sie nun überhaupt keine Lust. Sie machte ihnen wohl ziemlich deutlich klar, was sie davon hielt, und verwies auch darauf, dass in dem Bereich, in dem ich geraucht hatte, kein entsprechendes Verbotsschild zu sehen gewesen sei.

Was sie sonst noch alles erzählt hat, weiß ich nicht. Aber selbst ohne ein Wort zu verstehen, konnte man deutlich erkennen, dass sie sich von den beiden nicht besonders beeindrucken ließ. Da merkte man dann doch, dass sie viele Jahre für das Government in Laos gearbeitet hat.

Irgendwann war die Diskussion jedenfalls beendet und wir durften gehen.

Auf dem Rückweg war ich mir allerdings noch nicht ganz sicher, was mich jetzt erwarten würde. Würde ich einen gewaltigen Anschiss bekommen oder war alles in Ordnung? Das war in diesem Moment tatsächlich meine größte Sorge.

Kaum waren wir wieder im Flughafen und außer Sichtweite der Polizisten, fing Sweetie allerdings an, sich kaputtzulachen. Sie fand die ganze Geschichte offensichtlich ziemlich amüsant. Ich bedankte mich bei ihr und damit war das Thema erledigt.

Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zum Abflugbereich. Die Beschilderung am Flughafen fand ich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Wir mussten zu Gate 6 und es gab Schilder mit „Departure“ und „Departure Lounge“. Also folgte ich zunächst dem Schild „Departure“, obwohl ich eigentlich wusste, dass wir eine Etage höher mussten. Irgendwann wurde aus „Departure“ plötzlich „International Departure“. Da war klar, dass wir falsch waren.

Also wieder zurück und eine Mitarbeiterin am Check-in gefragt, ob wir zur „Departure Lounge“ müssten. Ja, genau dort sollten wir hin. Alles klar, also hoch.

Dort folgte die übliche Sicherheitskontrolle. Zunächst wurden Reisepass und Ticket kontrolliert. Der Beamte saß hinter einem verglasten Schalter, ähnlich wie bei der Immigration, stempelte unser Ticket ab und ließ uns weiter.

Bei der eigentlichen Sicherheitskontrolle wurde mir dann noch mein Feuerzeug abgenommen. Da fiel mir wieder ein, dass mir das bei früheren Flügen innerhalb von Laos auch schon passiert war. Irgendwie hatte ich das komplett verdrängt. Natürlich habe ich mich wieder ein bisschen darüber geärgert, aber was will man machen? Ist halt so. Für den Rückflug würde das jedenfalls wieder lustig werden.

Danach warteten wir noch ungefähr eine Dreiviertelstunde, bis endlich das Boarding begann. Das ging dann allerdings alles gewohnt schnell. Ticket kontrolliert, Treppe runter und ab Richtung Flugzeug.

Unten stand eine Mitarbeiterin, die Regenschirme verteilte, weil man ungefähr 150 Meter über das Vorfeld bis zur Maschine laufen musste. Wir verzichteten darauf und liefen die paar Meter einfach so. Dann die Flugzeugtreppe hoch, Plätze gesucht und hingesetzt.

Wie das an solchen kleinen Flughäfen eben ist, ging anschließend alles ziemlich zügig. Wir starteten pünktlich und landeten sogar ungefähr eine Viertelstunde früher als geplant.

An Bord gab es noch einen kleinen Snack, bestehend aus einer Flasche Wasser und ein paar Trockenfrüchten. Kaum hatte man sich richtig hingesetzt, war der Flug gefühlt auch schon wieder vorbei.

In Pakse angekommen, war ich dann zum ersten Mal auf dem dortigen Flughafen. Der ist tatsächlich noch einmal deutlich kleiner als der in Vientiane, was allerdings auch nicht besonders überraschend ist. Es gibt gerade einmal ein einziges Gepäckband. Wir warteten ungefähr zehn Minuten und schon kamen unsere Koffer. Alles völlig unkompliziert.

Hier muss ich noch sagen, das es der erste Flug für Sweetie war.
Entsprechen erstaunt war sie wie schnell und einfach das ging.
Im Gegensatz zu ihrer ständigen Bus Fahrerei.

Für Pakse hatte ich bereits im Vorfeld einen Mietwagen organisiert. Dazu muss ich allerdings eine kleine Vorgeschichte erzählen.

Ich hatte Sweetie schon von Deutschland aus gebeten, sich einmal nach Mietwagenpreisen in Pakse zu erkundigen. Irgendwann erzählte sie mir beiläufig, dass sie mit einem Bekannten gesprochen hätte, der bei einer Autovermietung arbeitet. Der Preis sollte bei ungefähr 45 Dollar pro Tag liegen.

Das hatte ich später allerdings nicht mehr wirklich auf dem Schirm.

Als ich mit unserem Hotel in Pakse Kontakt hatte, fragte ich dort ebenfalls nach einem Mietwagenangebot. Das Angebot lag bei 50 Dollar pro Tag. Ich zeigte Sweetie die Nachricht und sie meinte, das sei ohnehin dieselbe Firma und alles wäre in Ordnung.

Also fragte ich sie ausdrücklich, ob ich den Wagen buchen solle. Ihre Antwort war sinngemäß: Ja, mach, wie du möchtest.

Gesagt, getan. Ich buchte den Mietwagen über das Hotel.

Erst später stellte sich heraus, dass Sweetie darüber ziemlich sauer war. Schließlich hatte sie bereits mit ihrem Bekannten gesprochen und ich hatte jetzt einfach etwas über das Hotel organisiert. Dass ich mich an die ursprünglich genannten 45 Dollar überhaupt nicht mehr erinnert hatte, machte die Sache natürlich nicht unbedingt besser.

Naja, shit happens.

Kurz vor unserer Ankunft hatte das Hotel mir noch geschrieben, dass ein Fahrer am Flughafen auf mich warten würde und ich ihnen bitte meinen Namen mitteilen solle.

Also stand ich nach der Gepäckausgabe am Flughafen und suchte nach jemandem mit einem Schild, auf dem mein Name stand.

Sweetie fragte mich irgendwann, was ich denn da eigentlich mache. Ich erklärte ihr, dass ich unseren Fahrer suche.

Sie fing an zu lachen und meinte nur, sie hätte ihn doch längst am Telefon. Ich solle mal schauen, dort hinten würde er stehen.

Und siehe da, es war tatsächlich ihr Bekannter von der Autovermietung.

Also Gepäck eingeladen und losgefahren. Da mir am Flughafen in Vientiane mein Feuerzeug abgenommen worden war, hatte ich mittlerweile schon ziemlichen Bedarf nach einer Zigarette. Wir hielten deshalb kurz an einem kleinen Tante-Emma-Laden, ich kaufte ein Feuerzeug, rauchte erst einmal eine und dann ging es weiter zum Hotel.

Dort wurde der Mietvertrag fertig gemacht und plötzlich musste ich doch etwas staunen.

Auf einmal kostete der Wagen nur noch 43 Dollar pro Tag. Und die ganze Sache lief jetzt direkt über die Autovermietung und nicht mehr über das Hotel.

Sweetie grinste mich nur an und zwinkerte mir zu.

Da hatte sie also tatsächlich wieder irgendetwas gedeichselt. Obwohl sie vorher ziemlich sauer auf mich gewesen war, hatte sie sich offenbar trotzdem noch einmal darum gekümmert. Ich muss sagen, da war ich schon ein bisschen stolz auf sie.

Am Ende hatten wir dadurch ungefähr 30 bis 40 Dollar gespart. Für uns vielleicht kein Vermögen, aber hier in Laos kann man damit durchaus etwas anfangen.

Der Mietwagen selbst ist ein relativ neuer Kia, welches Modell genau, müsste ich noch einmal nachschauen. Jedenfalls ist er in einem guten Zustand, fährt sich angenehm und macht insgesamt einen vernünftigen Eindruck.

Während ich im Hotel eincheckte, fuhr Sweetie noch schnell Geld wechseln. Das hatten wir vorher nämlich vergessen und wir hatten nicht mehr genügend Kip dabei, um den Mietwagen wie vereinbart bar zu bezahlen.

Als sie zurückkam, bezahlte sie ihren Bekannten und es gab gleich die nächste positive Überraschung. Die ursprünglich schriftlich über WhatsApp vereinbarte Kaution von 350 Dollar musste ich ebenfalls nicht hinterlegen.

Also alles tipptopp. Günstigerer Mietpreis, keine Kaution und ein vernünftiges Auto. Was will man mehr?

Danach gingen wir erst einmal kurz aufs Zimmer, duschten, machten uns frisch und fuhren anschließend zu Sweeties Familie.

Darauf hatte ich mich tatsächlich schon richtig gefreut. Die Kinder kannte ich mittlerweile natürlich schon, aber ich war auch sehr gespannt darauf, ihre Schwester und deren Mann endlich persönlich kennenzulernen. Mit beiden hatte ich schon öfter über Video telefoniert, wenn ich mit Sweetie gesprochen hatte.

Durch die Videotelefonate wusste ich auch, dass das Haus ziemlich groß sein musste. Und ich muss sagen, mein Eindruck hatte mich nicht getäuscht. Es ist wirklich ein großes, schönes Haus. Natürlich alles ein bisschen lao-like, aber für laotische Verhältnisse durchaus beeindruckend.

Zur Familie gehören außerdem jede Menge Katzen und zwei Hunde. Der eine ist einfach nur komplett durchgeknallt, allerdings auf eine ausgesprochen liebenswerte Art. Ich nenne ihn jetzt einfach mal Ding Dong. Der Name passt perfekt.

Der andere Hund ist dagegen offenbar der selbst ernannte Sicherheitschef des Hauses. Er soll schon mehrere Leute gebissen haben und trägt deshalb ständig eine Art Maulkorb. Entsprechend respektvoll wollte ich ihm zunächst begegnen. Ich wusste allerdings, dass er normalerweise neben dem Haus angekettet ist.

Als wir vorfuhren, stand tatsächlich die ganze Familie auf der Terrasse und wartete auf uns. Die Schwester, ihr Mann, die Kinder und sogar den kranken Vater hatten sie in seinen Rollstuhl gesetzt und nach draußen gebracht, damit er uns ebenfalls begrüßen konnte.

Das fand ich wirklich schön.

Ich wurde natürlich sofort empfangen, als wäre der König persönlich angereist. Die Schwester hatte offenbar schon jedem erzählt, dass jetzt der Farang zu Besuch kommt. Entsprechend klingelten ständig irgendwelche Telefone und Freunde meldeten sich, die ebenfalls vorbeikommen wollten.

Es dauerte nicht lange, bis das erste Bier auf dem Tisch stand. Sweetie fing an zu kochen wie eine Verrückte und nach und nach trudelten immer mehr Leute ein.

Irgendwann saßen wir dann in einer wirklich interessanten Runde zusammen. Unter anderem waren Ärzte dabei, der Nai Ban und noch einige andere Leute. Insgesamt war das schon eine ziemlich gehobene Gesellschaft, gleichzeitig aber völlig locker und ausgelassen.

Es wurde gelacht, erzählt, gegessen und natürlich auch das eine oder andere Bier getrunken. Die Stimmung war wirklich hervorragend.

Irgendwann war das Bier alle und der Mann von Sweeties Schwester schnappte sich kurzerhand den Roller, um noch einen weiteren Kasten zu besorgen. Am Ende hatten wir mit ungefähr sechs Leuten rund anderthalb Kästen vernichtet.

Ich weiß, jetzt werden wahrscheinlich wieder einige aufschreien, aber ich bin später trotzdem noch selbst zurück zum Hotel gefahren. Wir sind halt in Laos. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt auch noch topfit, wobei das natürlich nichts darüber aussagt, ob man nach Alkohol noch fahrtüchtig ist.

Nebenbei beschäftigte mich immer wieder die Sache mit den beiden Hunden.

Ding Dong war irgendwann angekettet worden, weil er wirklich jedem auf die Nerven ging und permanent um Essen bettelte. Der angeblich gefährliche Hund dagegen lief mit seiner Maulkorbkonstruktion frei herum.

Wobei man dazu sagen muss, dass es kein klassischer Maulkorb war. Das Ding war vorne offen und verhinderte im Grunde nur, dass er seinen Unterkiefer weit genug öffnen konnte, um richtig zuzubeißen.

Irgendwann nahm ich mir einen Fleischspieß und ging zu ihm hinüber.

Sweetie sprang natürlich sofort auf und rief: „Nein, nein, nein!“

Aber ich komme eigentlich mit Hunden ziemlich gut klar und wollte einfach mal schauen, wie er reagiert. Also machte ich kleine Fleischstücke vom Spieß ab und gab sie ihm vorsichtig ins Maul, da er es ja nicht besonders weit öffnen konnte.

Und siehe da, kurze Zeit später saß der angeblich so gefährliche Hund neben mir und ließ sich streicheln.

Irgendwann lag er sogar auf dem Rücken, teilweise auf meinen Füßen, und genoss es offensichtlich, ausgiebig gekrault zu werden.

Ich fragte Sweetie schließlich, ob man ihm dieses Ding nicht einfach abnehmen könnte. Sie meinte sofort, auf gar keinen Fall. Alle hätten Angst vor ihm, weil er angeblich jeden beißen würde.

Das konnte ich in diesem Moment ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen. Der Hund lag völlig entspannt bei mir und freute sich seines Lebens.

Natürlich kann es sein, dass er in bestimmten Situationen aggressiv reagiert oder tatsächlich schon Leute gebissen hat. Das kann ich überhaupt nicht beurteilen. Aber mir gegenüber war er bis dahin wirklich ein absolut lieber Hund.

Als irgendwann alle Gäste gegangen waren und nur noch die Familie da war, nahm ich ihm schließlich die Maulkorbkonstruktion ab.

Und was passierte?

Nichts.

Er biss mich nicht, knurrte nicht und zeigte auch sonst keinerlei Aggression. Im Gegenteil, er blieb die ganze Zeit bei mir liegen, ließ sich weiter kraulen und legte mir irgendwann sogar seine Pfote aufs Bein.

Sweetie und die Familie konnten es kaum glauben. Sie erzählten immer wieder, dass er normalerweise jeden beißen würde.

Keine Ahnung, vielleicht hatte ich einfach Glück oder wir beide konnten uns aus irgendeinem Grund besonders gut leiden. Jedenfalls war er an diesem Abend mein neuer bester Freund.

Überhaupt war es ein wirklich schöner Abend. Viel gegessen, viel getrunken, unglaublich viel gelacht und einfach eine richtig angenehme, familiäre Atmosphäre.

Genau solche Abende sind es, die ich in Asien so liebe und die ich ehrlich gesagt schon eine ganze Weile nicht mehr in dieser Form erlebt hatte. Keine große Veranstaltung, kein besonderes Programm, sondern einfach mit netten Menschen zusammensitzen, gemeinsam essen, trinken und Spaß haben.

Irgendwann verabschiedeten wir uns dann und fuhren zurück zum Hotel.

Dort ging es noch schnell unter die Dusche und anschließend ziemlich direkt ins Bett. Wir waren beide müde und schliefen auch recht schnell ein.

Den Wecker stellten wir auf 9 Uhr, denn am nächsten Morgen, womit wir dann auch schon beim heutigen Tag wären, wollten wir erst einmal gemütlich frühstücken gehen.

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Eine kleine Ergänzung habe ich doch noch vergessen. Mir fällt nach dem Schreiben oft wieder etwas ein, was ich eigentlich noch erzählen wollte. 😁


Als wir das Polizeihäuschen verließen, ging Sweetie vor mir her. Plötzlich tippte mir der etwas kräftigere Polizist, der vorhin schon mit seinem „Oh, Bro!“ und dem Daumen nach oben aufgefallen war, auf die Schulter. Ich drehte mich um und er verzog grinsend das Gesicht, schüttelte seine Hand vor der Brust, als hätte er sich gerade die Finger verbrannt, und gab mir damit ziemlich eindeutig zu verstehen: „Oh, oh, mein Freund, die Frau hat ordentlich Feuer!“ Ich musste lachen. Offenbar hatte Sweetie bei den beiden einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
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