Am nächsten Morgen sind wir dann gegen 8:20 Uhr runter zum Frühstück. Der Speisesaal war natürlich nicht riesig und auch das Buffet war eher überschaubar, schließlich handelt es sich um ein kleines Hotel. Aber ich muss sagen, das Frühstück war wirklich richtig gut. Selbst Sweetie war begeistert. Es gab überwiegend einheimische Gerichte, dazu die üblichen Würstchen, Spiegeleier, Rührei und gekochte Eier, wie man es eben kennt. Der Kaffee war gut, lediglich der Instant-Saft war nicht so mein Fall. Wir bestellten uns beide noch die täglich wechselnde Nudelsuppe, die im Frühstück enthalten war, aber separat bestellt werden musste. Dazu gab es ein paar einheimische Leckereien und am Ende waren wir uns beide einig, dass das Frühstück wirklich gelungen war. Satt waren wir jedenfalls mehr als genug.
Anschließend ging es wieder hoch aufs Zimmer, Koffer geschnappt und ab nach unten. Wie erwartet stand unser mittlerweile schon zum Stammtaxifahrer gewordener Fahrer bereits vor dem Hotel. Der nette Mitarbeiter, der einem auch immer die Tür aufhielt, sah uns mit den Koffern und kam sofort angelaufen, um das Gepäck zum Taxi zu bringen. Ich erledigte währenddessen den Check-out. Man bat mich noch, einen Moment zu warten, da das Zimmer kurz kontrolliert werden müsse. Ich sagte, dass ich draußen warten würde, schließlich konnte ich dort noch gemütlich eine rauchen. Irgendwann sah ich durch die Scheibe, wie der Mitarbeiter zu mir schaute. Als er merkte, dass ich ihn ebenfalls sah, winkte er und zeigte den Daumen nach oben. Alles klar, Zimmer in Ordnung, wir können los.
Kurz vor 10 Uhr waren wir am Flughafen in Vientiane. Also mehr als pünktlich, denn das Boarding sollte um 11:10 Uhr beginnen und der Abflug war für 11:40 Uhr vorgesehen. Die Kofferaufgabe ging erwartungsgemäß schnell. An so einem kleinen Flughafen ist ja nicht sonderlich viel los und nach ungefähr zwei Minuten Wartezeit waren wir unser Gepäck bereits los.
Danach setzten Sweetie und ich uns noch ein bisschen hin. Irgendwann sagte ich ihr, dass ich noch schnell eine rauchen gehe. Am Flughafen in Vientiane herrscht allerdings praktisch überall Rauchverbot. Irgendwo außerhalb soll es wohl eine Raucherecke geben, aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, danach zu suchen. Also bin ich einfach ein paar Meter den Gang hochgelaufen, wo sowieso nichts mehr kam, und habe mir dort eine Zigarette angezündet.
Das war allerdings keine besonders brillante Idee. Es dauerte nicht lange, bis zwei Polizisten vor mir standen. Mir war sofort klar, worauf das hinauslaufen würde. Jetzt wird kassiert.
Die beiden nahmen mich mit in ihr kleines Polizeihäuschen, das ich jetzt einfach mal als Kassenhäuschen bezeichne. Ich muss allerdings sagen, sie waren beide ausgesprochen freundlich und der Umgang war völlig entspannt. Sie wollten natürlich meinen Reisepass sehen. Ich erklärte ihnen, dass ich weder meinen Pass noch Geld bei mir hätte, weil alles bei meiner Freundin sei, die drinnen am Flughafen wartet.
Dann kam die große Überraschung. Einer der beiden erklärte mir, dass er gerne 100 Dollar von mir hätte.
Da musste ich erst einmal schlucken. Ich erklärte ihm noch einmal, dass ich überhaupt nichts bei mir hätte und alles bei meiner Freundin sei.
Zwischendurch musste ich etwas schmunzeln, weil ich mir die Pistolen der beiden Polizisten genauer anschaute. Da ich mich mit Waffen ein bisschen auskenne, fiel mir auf, dass es sich um uralte Modelle handelte, auch die Munition war aus Kriegszeiten. Solche Konstruktionen kenne ich eigentlich nur von sehr alten Waffen. Jedenfalls sah das Ganze für mich aus, als wären die Pistolen schon seit Jahrzehnten im Dienst.
Irgendwann erklärte ich den beiden, dass meine Freundin Laotin sei. Daraufhin schien die Sache plötzlich etwas interessanter zu werden. Also rief ich Sweetie an und bat sie, zu mir zu kommen.
Das Polizeihäuschen hatte von außen getönte Scheiben. Als ich Sweetie kommen sah, zeigte ich einem der beiden Polizisten, der selbst etwas kräftiger gebaut war, dass sie dort vorne sei. Er schaute Sweetie an, dann mich, dann wieder Sweetie und meinte nur grinsend: „Oh, Bro!“ Dazu gab es einen Daumen nach oben.
Ich musste lachen. Offenbar fand er meine Freundin ziemlich hübsch. Wie gesagt, menschlich waren die beiden wirklich nett.
Dann kam Sweetie herein und es begann eine längere Diskussion auf Laotisch. Ich verstand natürlich kein Wort. Irgendwann sah ich, wie sie ihre Tasche öffnete und dachte mir: Alles klar, jetzt wird das Schmiergeld ausgepackt.
Aber Sweetie wäre nicht Sweetie, wenn sie nicht auch bei so etwas versuchen würde, den Preis möglichst weit nach unten zu drücken.
Sie bot den beiden zunächst einen deutlich kleineren Betrag an. Damit waren die natürlich überhaupt nicht einverstanden. Es wurde weiterdiskutiert, Sweetie wurde langsam etwas ungehalten und irgendwann merkte man auch den Polizisten an, dass sie offenbar keine große Lust mehr hatten, sich mit ihr anzulegen.
Am Ende einigten sie sich tatsächlich auf jeweils 100.000 Kip, also insgesamt 200.000 Kip. Bei meinem Wechselkurs sind das gerade einmal knapp acht Euro. Von den ursprünglich geforderten 100 Dollar war also nicht mehr besonders viel übrig.
Damit war die Sache allerdings noch nicht ganz erledigt. Wie ich später erfuhr, wollten die Polizisten das Geld nicht in ihrem Häuschen entgegennehmen, sondern Sweetie sollte es ihnen draußen geben. Darauf hatte sie nun überhaupt keine Lust. Sie machte ihnen wohl ziemlich deutlich klar, was sie davon hielt, und verwies auch darauf, dass in dem Bereich, in dem ich geraucht hatte, kein entsprechendes Verbotsschild zu sehen gewesen sei.
Was sie sonst noch alles erzählt hat, weiß ich nicht. Aber selbst ohne ein Wort zu verstehen, konnte man deutlich erkennen, dass sie sich von den beiden nicht besonders beeindrucken ließ. Da merkte man dann doch, dass sie viele Jahre für das Government in Laos gearbeitet hat.
Irgendwann war die Diskussion jedenfalls beendet und wir durften gehen.
Auf dem Rückweg war ich mir allerdings noch nicht ganz sicher, was mich jetzt erwarten würde. Würde ich einen gewaltigen Anschiss bekommen oder war alles in Ordnung? Das war in diesem Moment tatsächlich meine größte Sorge.
Kaum waren wir wieder im Flughafen und außer Sichtweite der Polizisten, fing Sweetie allerdings an, sich kaputtzulachen. Sie fand die ganze Geschichte offensichtlich ziemlich amüsant. Ich bedankte mich bei ihr und damit war das Thema erledigt.
Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zum Abflugbereich. Die Beschilderung am Flughafen fand ich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Wir mussten zu Gate 6 und es gab Schilder mit „Departure“ und „Departure Lounge“. Also folgte ich zunächst dem Schild „Departure“, obwohl ich eigentlich wusste, dass wir eine Etage höher mussten. Irgendwann wurde aus „Departure“ plötzlich „International Departure“. Da war klar, dass wir falsch waren.
Also wieder zurück und eine Mitarbeiterin am Check-in gefragt, ob wir zur „Departure Lounge“ müssten. Ja, genau dort sollten wir hin. Alles klar, also hoch.
Dort folgte die übliche Sicherheitskontrolle. Zunächst wurden Reisepass und Ticket kontrolliert. Der Beamte saß hinter einem verglasten Schalter, ähnlich wie bei der Immigration, stempelte unser Ticket ab und ließ uns weiter.
Bei der eigentlichen Sicherheitskontrolle wurde mir dann noch mein Feuerzeug abgenommen. Da fiel mir wieder ein, dass mir das bei früheren Flügen innerhalb von Laos auch schon passiert war. Irgendwie hatte ich das komplett verdrängt. Natürlich habe ich mich wieder ein bisschen darüber geärgert, aber was will man machen? Ist halt so. Für den Rückflug würde das jedenfalls wieder lustig werden.
Danach warteten wir noch ungefähr eine Dreiviertelstunde, bis endlich das Boarding begann. Das ging dann allerdings alles gewohnt schnell. Ticket kontrolliert, Treppe runter und ab Richtung Flugzeug.
Unten stand eine Mitarbeiterin, die Regenschirme verteilte, weil man ungefähr 150 Meter über das Vorfeld bis zur Maschine laufen musste. Wir verzichteten darauf und liefen die paar Meter einfach so. Dann die Flugzeugtreppe hoch, Plätze gesucht und hingesetzt.
Wie das an solchen kleinen Flughäfen eben ist, ging anschließend alles ziemlich zügig. Wir starteten pünktlich und landeten sogar ungefähr eine Viertelstunde früher als geplant.
An Bord gab es noch einen kleinen Snack, bestehend aus einer Flasche Wasser und ein paar Trockenfrüchten. Kaum hatte man sich richtig hingesetzt, war der Flug gefühlt auch schon wieder vorbei.
In Pakse angekommen, war ich dann zum ersten Mal auf dem dortigen Flughafen. Der ist tatsächlich noch einmal deutlich kleiner als der in Vientiane, was allerdings auch nicht besonders überraschend ist. Es gibt gerade einmal ein einziges Gepäckband. Wir warteten ungefähr zehn Minuten und schon kamen unsere Koffer. Alles völlig unkompliziert.
Hier muss ich noch sagen, das es der erste Flug für Sweetie war.
Entsprechen erstaunt war sie wie schnell und einfach das ging.
Im Gegensatz zu ihrer ständigen Bus Fahrerei.
Für Pakse hatte ich bereits im Vorfeld einen Mietwagen organisiert. Dazu muss ich allerdings eine kleine Vorgeschichte erzählen.
Ich hatte Sweetie schon von Deutschland aus gebeten, sich einmal nach Mietwagenpreisen in Pakse zu erkundigen. Irgendwann erzählte sie mir beiläufig, dass sie mit einem Bekannten gesprochen hätte, der bei einer Autovermietung arbeitet. Der Preis sollte bei ungefähr 45 Dollar pro Tag liegen.
Das hatte ich später allerdings nicht mehr wirklich auf dem Schirm.
Als ich mit unserem Hotel in Pakse Kontakt hatte, fragte ich dort ebenfalls nach einem Mietwagenangebot. Das Angebot lag bei 50 Dollar pro Tag. Ich zeigte Sweetie die Nachricht und sie meinte, das sei ohnehin dieselbe Firma und alles wäre in Ordnung.
Also fragte ich sie ausdrücklich, ob ich den Wagen buchen solle. Ihre Antwort war sinngemäß: Ja, mach, wie du möchtest.
Gesagt, getan. Ich buchte den Mietwagen über das Hotel.
Erst später stellte sich heraus, dass Sweetie darüber ziemlich sauer war. Schließlich hatte sie bereits mit ihrem Bekannten gesprochen und ich hatte jetzt einfach etwas über das Hotel organisiert. Dass ich mich an die ursprünglich genannten 45 Dollar überhaupt nicht mehr erinnert hatte, machte die Sache natürlich nicht unbedingt besser.
Naja, shit happens.
Kurz vor unserer Ankunft hatte das Hotel mir noch geschrieben, dass ein Fahrer am Flughafen auf mich warten würde und ich ihnen bitte meinen Namen mitteilen solle.
Also stand ich nach der Gepäckausgabe am Flughafen und suchte nach jemandem mit einem Schild, auf dem mein Name stand.
Sweetie fragte mich irgendwann, was ich denn da eigentlich mache. Ich erklärte ihr, dass ich unseren Fahrer suche.
Sie fing an zu lachen und meinte nur, sie hätte ihn doch längst am Telefon. Ich solle mal schauen, dort hinten würde er stehen.
Und siehe da, es war tatsächlich ihr Bekannter von der Autovermietung.
Also Gepäck eingeladen und losgefahren. Da mir am Flughafen in Vientiane mein Feuerzeug abgenommen worden war, hatte ich mittlerweile schon ziemlichen Bedarf nach einer Zigarette. Wir hielten deshalb kurz an einem kleinen Tante-Emma-Laden, ich kaufte ein Feuerzeug, rauchte erst einmal eine und dann ging es weiter zum Hotel.
Dort wurde der Mietvertrag fertig gemacht und plötzlich musste ich doch etwas staunen.
Auf einmal kostete der Wagen nur noch 43 Dollar pro Tag. Und die ganze Sache lief jetzt direkt über die Autovermietung und nicht mehr über das Hotel.
Sweetie grinste mich nur an und zwinkerte mir zu.
Da hatte sie also tatsächlich wieder irgendetwas gedeichselt. Obwohl sie vorher ziemlich sauer auf mich gewesen war, hatte sie sich offenbar trotzdem noch einmal darum gekümmert. Ich muss sagen, da war ich schon ein bisschen stolz auf sie.
Am Ende hatten wir dadurch ungefähr 30 bis 40 Dollar gespart. Für uns vielleicht kein Vermögen, aber hier in Laos kann man damit durchaus etwas anfangen.
Der Mietwagen selbst ist ein relativ neuer Kia, welches Modell genau, müsste ich noch einmal nachschauen. Jedenfalls ist er in einem guten Zustand, fährt sich angenehm und macht insgesamt einen vernünftigen Eindruck.
Während ich im Hotel eincheckte, fuhr Sweetie noch schnell Geld wechseln. Das hatten wir vorher nämlich vergessen und wir hatten nicht mehr genügend Kip dabei, um den Mietwagen wie vereinbart bar zu bezahlen.
Als sie zurückkam, bezahlte sie ihren Bekannten und es gab gleich die nächste positive Überraschung. Die ursprünglich schriftlich über WhatsApp vereinbarte Kaution von 350 Dollar musste ich ebenfalls nicht hinterlegen.
Also alles tipptopp. Günstigerer Mietpreis, keine Kaution und ein vernünftiges Auto. Was will man mehr?
Danach gingen wir erst einmal kurz aufs Zimmer, duschten, machten uns frisch und fuhren anschließend zu Sweeties Familie.
Darauf hatte ich mich tatsächlich schon richtig gefreut. Die Kinder kannte ich mittlerweile natürlich schon, aber ich war auch sehr gespannt darauf, ihre Schwester und deren Mann endlich persönlich kennenzulernen. Mit beiden hatte ich schon öfter über Video telefoniert, wenn ich mit Sweetie gesprochen hatte.
Durch die Videotelefonate wusste ich auch, dass das Haus ziemlich groß sein musste. Und ich muss sagen, mein Eindruck hatte mich nicht getäuscht. Es ist wirklich ein großes, schönes Haus. Natürlich alles ein bisschen lao-like, aber für laotische Verhältnisse durchaus beeindruckend.
Zur Familie gehören außerdem jede Menge Katzen und zwei Hunde. Der eine ist einfach nur komplett durchgeknallt, allerdings auf eine ausgesprochen liebenswerte Art. Ich nenne ihn jetzt einfach mal Ding Dong. Der Name passt perfekt.
Der andere Hund ist dagegen offenbar der selbst ernannte Sicherheitschef des Hauses. Er soll schon mehrere Leute gebissen haben und trägt deshalb ständig eine Art Maulkorb. Entsprechend respektvoll wollte ich ihm zunächst begegnen. Ich wusste allerdings, dass er normalerweise neben dem Haus angekettet ist.
Als wir vorfuhren, stand tatsächlich die ganze Familie auf der Terrasse und wartete auf uns. Die Schwester, ihr Mann, die Kinder und sogar den kranken Vater hatten sie in seinen Rollstuhl gesetzt und nach draußen gebracht, damit er uns ebenfalls begrüßen konnte.
Das fand ich wirklich schön.
Ich wurde natürlich sofort empfangen, als wäre der König persönlich angereist. Die Schwester hatte offenbar schon jedem erzählt, dass jetzt der Farang zu Besuch kommt. Entsprechend klingelten ständig irgendwelche Telefone und Freunde meldeten sich, die ebenfalls vorbeikommen wollten.
Es dauerte nicht lange, bis das erste Bier auf dem Tisch stand. Sweetie fing an zu kochen wie eine Verrückte und nach und nach trudelten immer mehr Leute ein.
Irgendwann saßen wir dann in einer wirklich interessanten Runde zusammen. Unter anderem waren Ärzte dabei, der Nai Ban und noch einige andere Leute. Insgesamt war das schon eine ziemlich gehobene Gesellschaft, gleichzeitig aber völlig locker und ausgelassen.
Es wurde gelacht, erzählt, gegessen und natürlich auch das eine oder andere Bier getrunken. Die Stimmung war wirklich hervorragend.
Irgendwann war das Bier alle und der Mann von Sweeties Schwester schnappte sich kurzerhand den Roller, um noch einen weiteren Kasten zu besorgen. Am Ende hatten wir mit ungefähr sechs Leuten rund anderthalb Kästen vernichtet.
Ich weiß, jetzt werden wahrscheinlich wieder einige aufschreien, aber ich bin später trotzdem noch selbst zurück zum Hotel gefahren. Wir sind halt in Laos. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt auch noch topfit, wobei das natürlich nichts darüber aussagt, ob man nach Alkohol noch fahrtüchtig ist.
Nebenbei beschäftigte mich immer wieder die Sache mit den beiden Hunden.
Ding Dong war irgendwann angekettet worden, weil er wirklich jedem auf die Nerven ging und permanent um Essen bettelte. Der angeblich gefährliche Hund dagegen lief mit seiner Maulkorbkonstruktion frei herum.
Wobei man dazu sagen muss, dass es kein klassischer Maulkorb war. Das Ding war vorne offen und verhinderte im Grunde nur, dass er seinen Unterkiefer weit genug öffnen konnte, um richtig zuzubeißen.
Irgendwann nahm ich mir einen Fleischspieß und ging zu ihm hinüber.
Sweetie sprang natürlich sofort auf und rief: „Nein, nein, nein!“
Aber ich komme eigentlich mit Hunden ziemlich gut klar und wollte einfach mal schauen, wie er reagiert. Also machte ich kleine Fleischstücke vom Spieß ab und gab sie ihm vorsichtig ins Maul, da er es ja nicht besonders weit öffnen konnte.
Und siehe da, kurze Zeit später saß der angeblich so gefährliche Hund neben mir und ließ sich streicheln.
Irgendwann lag er sogar auf dem Rücken, teilweise auf meinen Füßen, und genoss es offensichtlich, ausgiebig gekrault zu werden.
Ich fragte Sweetie schließlich, ob man ihm dieses Ding nicht einfach abnehmen könnte. Sie meinte sofort, auf gar keinen Fall. Alle hätten Angst vor ihm, weil er angeblich jeden beißen würde.
Das konnte ich in diesem Moment ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen. Der Hund lag völlig entspannt bei mir und freute sich seines Lebens.
Natürlich kann es sein, dass er in bestimmten Situationen aggressiv reagiert oder tatsächlich schon Leute gebissen hat. Das kann ich überhaupt nicht beurteilen. Aber mir gegenüber war er bis dahin wirklich ein absolut lieber Hund.
Als irgendwann alle Gäste gegangen waren und nur noch die Familie da war, nahm ich ihm schließlich die Maulkorbkonstruktion ab.
Und was passierte?
Nichts.
Er biss mich nicht, knurrte nicht und zeigte auch sonst keinerlei Aggression. Im Gegenteil, er blieb die ganze Zeit bei mir liegen, ließ sich weiter kraulen und legte mir irgendwann sogar seine Pfote aufs Bein.
Sweetie und die Familie konnten es kaum glauben. Sie erzählten immer wieder, dass er normalerweise jeden beißen würde.
Keine Ahnung, vielleicht hatte ich einfach Glück oder wir beide konnten uns aus irgendeinem Grund besonders gut leiden. Jedenfalls war er an diesem Abend mein neuer bester Freund.
Überhaupt war es ein wirklich schöner Abend. Viel gegessen, viel getrunken, unglaublich viel gelacht und einfach eine richtig angenehme, familiäre Atmosphäre.
Genau solche Abende sind es, die ich in Asien so liebe und die ich ehrlich gesagt schon eine ganze Weile nicht mehr in dieser Form erlebt hatte. Keine große Veranstaltung, kein besonderes Programm, sondern einfach mit netten Menschen zusammensitzen, gemeinsam essen, trinken und Spaß haben.
Irgendwann verabschiedeten wir uns dann und fuhren zurück zum Hotel.
Dort ging es noch schnell unter die Dusche und anschließend ziemlich direkt ins Bett. Wir waren beide müde und schliefen auch recht schnell ein.
Den Wecker stellten wir auf 9 Uhr, denn am nächsten Morgen, womit wir dann auch schon beim heutigen Tag wären, wollten wir erst einmal gemütlich frühstücken gehen.
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