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PattayaSkinnylover, die SLT und Achterbahn - ein bunter Bericht von März 2018 bis heute
Nach gefühlten 500 Taxis ohne sie, stoppte gegen 23:30 Uhr endlich das einzig wichtige Fahrzeug des Abends und ich konnte ihr weißes Lächeln bereits durch die verdunkelten Scheiben sehen. Endlich waren wir wieder zusammen! Es fühlte sich himmlisch an sie nach den langen Wochen wieder im Arm zu halten und festzustellen, dass sie in der Zwischenzeit nicht zugenommen hatte. Ihre schlanke Taille war unverändert super!
Sie war von dem Condo schwer begeistert und hüpfte erstmal unter die Dusche, leider in dem Fall ohne mich. Dann hatten wir uns erstmal ganz schrecklich lieb und genossen hinterher den Ausblick vom Balkon aus dem 19. Stock bei lauem Nachtwind. Es war ein Traum, mit ihr da zu stehen, sie wieder lächeln zu sehen, sie zu fühlen, zu riechen und zu schmecken und diese ätzende Trennung erstmal wieder hinter sich zu haben. Wir waren beide megahappy – mein Kumpel den Geräuschen nach, die aus seinem Zimmer kamen, ebenfalls. Pim begrüßte ihn dann herzlich, als seine Nana-Nymphe nach erbrachten Dienstleistungen am Gehen war. War eine ganz Süße um die 20 mit Pagenschnitt und U50, aber anscheinend nur ein ST-Abenteuer. Schade, hätte mit Pim ganz gut gepasst zu Viert.
Wir waren dann noch kurz was essen in der Soi 4 und haben dann irgendwann innige Zweisamkeit im Doppelbett genossen. Es war paradiesisch nicht mehr allein im Bett zu liegen, sondern Pim wieder neben mir im Arm zu halten und sie atmen zu hören. Halleluja!
Am nächsten Morgen gegen 11 Uhr schlug Pim vor, doch ihre Familie noch vor der Abreise nach Samui besuchen zu gehen. Sie hatten ein neues, großes und auf 2 Jahre angelegtes Bauprojekt in einer PTT-Raffinerie in Rayong. Gerne wollte ich ein bisschen aus Bangkok raus (sie mag Bangkok nicht so), mein Freund wollte ohnehin lieber allein auf die Pirsch und ich wollte den Trip gern mit einem Kurzaufenthalt in Patty verbinden, wo auch gerade zwei gute TAF-Freunde waren. Eine gute Idee also und gebongt!
Wir machten uns also erstmal auf den Weg um was zu essen – in Thailand ja immer megawichtig nach dem Aufstehen; die Mädels haben ja auch weniger Reserven als ich. Es wurde dann aber doch früher Nachmittag bis wir vor dem Condo standen – es hatte im Bett noch etwas gedauert – und waren dann im Terminal 21 in einem Shabushi gelandet. Es galt, die durch den intensiven Bettsport etwas ausgelaugten Reserven wieder auffüllen.
Während des leckeren Essens habe ich bei Avis für den Folgetag einen Mietwagen zu sehr günstigen Konditionen klar gemacht und wir waren noch ein bisschen bummeln.
Der Tag verflog im Rausch der glücklichen gemeinsamen Zeit wie im Flug. Den Abend haben wir dann sehr harmonisch und zweisam auf dem Talaat Rot Fai in der Ratchadapisek Road verbracht. Ein sehr großer, bunter, kurzweiliger Abend- und Nachtmarkt mit allem was man sich so vorstellen kann inkl. jeder Menge Essen und Trinken. Madame liebt Seafood genauso wie ich und so passte es hervorragend, dass das entsprechende Angebot reichhaltig und preiswert war.
Am nächsten Tag dann erstmal zu Avis. War unweit der deutschen Botschaft, die dann natürlich auch Thema wurde. Schließlich wollte sie schnellstmöglich zu mir nach Deutschland was mir genauso ging. Diese ständigen temporären Trips, das elende Vermissen dazwischen und die emotionalen, nichts ersetzenden Videocalls, so sollte es nicht mehr ewig weitergehen. Schließlich werde ich ja auch nicht jünger und so einen Schatz wie Pim würde ich nie mehr wiederfinden. Wenn es passt, dann sollte man auch nicht ewig rumeiern und sein Glück bei den Hörnern packen. Der Parkplatz vor dem Avisbüro wurde also schlussendlich zum dem Ort, wo wir gemeinsam und final beschlossen zu heiraten. Nicht gerade romantisch, aber es hatte sich einfach so ergeben und war eigentlich sowieso längst klar. Wir saßen dann glücklich und zufrieden, dass alles geklärt war im Auto, sind kurz „heim“ zum Condo, haben unser Zeug geholt und sind am frühen Nachmittag nach Patty gedüst.
Eingecheckt hatten wir diesmal im Nature View Hotel in der Soi Buakhao, da das Diamond City Place voll war.
War auch nett, top gelegen, mit Balkon und mal was anderes. Preis war knapp unter 1000 Baht inkl. Tiefgarage. War schön, mal wieder im Städtle zu sein, wo man sich bestens auskennt und wo einem alles so vertraut ist. Gegen später gabs dann zu sechst ein supernettes & sehr leckeres Mukata in Jomtien. Es war schön, mal wieder meine Jungs zu sehen und es wurde ein netter und sehr kurzweiliger Abend.
Ich war irgendwann ziemlich platt, auch durch das relativ frühe Aufstehen, die Fahrt und einen insgesamt langen Tag. Pim war aber noch aufgekratzt und stürzte sich noch auf irgendeine Party mit Freundinnen im Hollywood. Wir machten aus, dass ich sie gegen 3 Uhr dort wieder abhole; ich hatte keinen Bock auf Thai-Remmi-Demmi mit Sauferei und megalauter Thai-Mucke. Ich habe ein bisschen die Ruhe genossen, war noch im 7/11 und war irgendwann eingeschlafen. Gegen 3:30 Uhr dann ging das Handy und ich bin zurück zum Hollywood, um eine happy Pim wieder einzusammeln. Sie hatte wohl viel Spaß, hatte nicht allzu viel getrunken und alles war bestens zurück im Zimmer. Sie wollte dann unbedingt zusammen mit mir duschen was dann noch zu einer geilen Doggynummer im Stehen unter der Dusche führte.
Wir waren beide ziemlich fertig, als um 11 Uhr der Wecker klingelte. Aber der Check-out um 12 Uhr war fix und wir wollten ja auch weiter nach Rayong. Also es half nix, keine Schmuserunde an diesem Morgen. Kurz nach 12 Uhr sind wir dann los und die Fahrt verlief problemlos – Hollywood ließ grüßen und Pim hatte die meiste Zeit gepennt.
Die PTT-Raffinerie war gigantisch groß, eigentlich eine komplette Stadt! Überall haushohe Tanks, ein Gewirr von Röhren, Unmengen chemischer Großanlagen, viele LKWs und dazwischen das eine oder andere Verwaltungsgebäude.
Der ganze Komplex lag direkt am Meer und es dauerte trotz Google maps eine ganze Weile, bis wir Pims Mutter gefunden hatten. Komplett eingehüllt in Arbeiterklamotten und kaum zu erkennen. Nach einer herzlichen Begrüßung empfahl sie uns, erstmal zu dem Haus zu fahren, das die Familie im Rahmen dieses Langzeitprojekts unweit von PTT angemietet hatte. Da sie für PTT eine LPG-Abfüllanlage in den nächsten 2 Jahren auf der grünen Wiese zu bauen hatten und das Ganze extrem gut gezahlt war, hatten sie sich dieses Häuschen gegönnt. Wir sind dann also, gelotst durch ihre Schwägerin – die ganze Family arbeitet immer irgendwie zusammen – zu diesem hellblauen, schnuckeligen Häuschen gefahren was mit den früheren Labour-Camps nicht zu vergleichen war. Nicht luxuriös, aber sehr nett mit viel Grün drum rum, Klimaanlage und mehreren separaten Zimmern. Zugegeben wenig Möbel, aber allzu lange waren sie auch noch nicht dort und mit normalen Möbeln haben es ja die meisten einfachen Thais eh nicht so.
Pim freute sich, ihre Hündin namens „Chanel“ wiederzusehen und dies beruhte ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Die beiden tobten rum und ich genoss die Ruhe und Harmonie.
Später relaxten wir beide ein wenig im Schlafzimmer der Eltern mit funktionierender Klimaanlage - leider ohne kleidungsfreie Zweisamkeit - und irgendwann am Nachmittag kamen dann alle Familienmitglieder nach und nach von der Baustelle. Man freute sich sehr über das Wiedersehen und es wurde ein bunter, höchst geschwätziger Spätnachmittag. Mit der Dämmerung ging es dann zusammen mit ihren Eltern und der Schwägerin nach Rayong ans Meer, wo erstmal für ein zünftiges Barbecue bei diversen Straßenhändlern ordentlich eingekauft wurde.
In der Zwischenzeit wurde auf der Terrasse des Hauses der Holzkohlegrill angeworfen. Bepackt mit zig Tüten und einigen 1l-Flaschen Chang gab es dann ein langes, nettes und kurzweiliges Familienbarbecue bis in den späten Abend.
Es wurde über Pims und meine Zukunft in Deutschland schwadroniert, die Eltern gaben mir offiziell ihren Segen und auch der Rest der Großfamilie war zu meiner Überraschung höchst zufrieden mit Pims Wahl. Seltsam alles! Wieso stört es keinen, dass ich das dreifache wiege und mehr als doppelt so alt bin wie sie? Manchmal denke ich, ich werde Thailand wohl nie verstehen bzw. ich denke immer noch zu deutsch.
Wir sind dann gegen 23:00 Uhr, als die letzte Kippe geraucht und die letzte Flasche geleert war, dank Google maps in ein nettes, modernes Stadthotel gefahren und waren dann dort nicht mehr sehr lange wach. Wir waren an dem Abend beide zu kaputt, um uns unseren bzw. meinen durchaus vorhandenen Trieben hinzugeben. Es wurde aber eine schöne Kuschelnacht in einem mördergeilen Boxspringbett.
Am nächsten Tag war Valentinstag! Zuerst ging es zum blauen Haus, um nach einigen Schmuseeinheiten mit Chanel die moppelige Schwägerin samt kleiner Tochter abzuholen.
Dann in den Ort, Pim wollte einige Dinge zugunsten ihrer Eltern besorgen. Ich habe dann auch an einem der vielen Kitschstände ein rotrosiges Plastikgesteck mit Love, Herzchen und viel Lametta besorgt, worüber sie sich echt freute. Im Ort dann lecker gefuttert und die Kleine (ca. 3 Jahre) mit Kinderschokolade aus dem nahen 7/11 beglückt. Dann hat Pim für ihren Vater an einem offenen Handyshop eine chinesische Billigkopie eines iPads gekauft; ich habe trotz größter Bemühungen den tieferen Sinn dieses Kaufs nicht herausgefunden. Naja, ich muss ja auch nicht alles verstehen. Fakt war, dass es Schrott war und mangels WLAN im blauen Haus ohne Sim-Karte auch nicht wirklich nützlich. Aber egal, es war ihr Geld, zumindest zum größten Teil.
Ich habe mich lieber um wirklich nützliche Dinge gekümmert und einen riesigen 50kg-Sack mit gutem Reis nebenan gekauft und in den Kofferraum gewuchtet. Bei der großen Familie machte der Einkauf von Naturalien in meinen Augen mehr Sinn. Als Pim, Schwägerin und Kind vom Handyshop zum Auto zurückkamen und den Reissack im Kofferraum sahen, wurde das Lächeln von Julia Roberts mal kurz in den Schatten gestellt: Djai dii maak – jaja, ich hab halt schon auch manchmal ein gutes Herz. Dann noch einige Gemüse- und Obststände mit Bargeld versorgt und die Klimaanlage im Auto auf die höchste Stufe gedreht.
Bei gefühlten 50 Grad Außentemperatur sind wir dann zur Baustelle, wo es dann in einem blau überdachten Wellblechverhau das übliche „Schwätzchen“ gab.
Ich hatte in der Zeit zusammen mit anderen Bauarbeitern zum Gaudium der Truppe als einziger Farang weit und breit in einer genau definierten Smoking-Area die Luft verpestet. Der Reis wurde umgeladen, Gemüse & Obst, Schrott-Tablet wurden übergeben und dann sind Pim und ich eine Stunde später nach einer sehr herzlichen Verabschiedung zurück nach Bangkok, wo wir spät am Abend geschafft, aber happy wieder in unserem Condo ankamen.
Mein Freund erzählte dann von seinen sehr bescheidenen Erlebnissen bei der vergeblichen Suche nach einer passenden Begleitung für Samui und es wurde noch ein langer Abend. Superschade, dass er sich aufgrund zu hoher Ansprüche, Zweifel und Unentschiedenheit ständig selbst im Weg stand und trotz mehrerer Angebote in der Hoffnung, immer noch eine Bessere zu finden, am Ende der Bangkokzeit nun doch allein dastand. Das zweite Schlafwagenticket hatte er somit umsonst gekauft und anstatt zu viert sollte es am nächsten Tag nur zu Dritt in Richtung Samui losgehen. Was war ich froh, Pim zu haben und nicht mehr suchen zu müssen!
In dieser letzten Nacht in unserem Condo in Bangkok ließen wir es nochmal richtig krachen, probierten verschiedene Stellungen aus und hatten es auch beim wachwerden am Mittag in keinster Weise eilig. Wir genossen einfach die zügellose und vertraute Zweisamkeit und hatten echt keinen Bock aufzustehen. Es ist doch traumhaft mit einem tollen Mädel im Bett rumzutoben und sich unheimlich liebzuhaben. Der Zug ging erst um 17:30 Uhr und wir hatten einen Late Checkout für 16:00 Uhr ausgehandelt – natürlich nicht umsonst aber immerhin. Erst am frühen Nachmittag quälten wir uns aus dem zerfledderten Lotterbett und packten den ganzen Kram, der sich im Laufe der Zeit komplett im Zimmer verteilt hatte.
Noch Wäsche abholen, ein Süppchen und um 15:45 Uhr standen wir zu Dritt unten auf der Soi 4. Die Fahrt mit zwei Taxen aufgrund des vielen Gepäcks verlief zügig und wir hatten dann in Hua Lamphong noch jede Menge Zeit für Besorgungen wie Getränke, Snacks, Spießchen und Zigaretten. Der Zug stand schon bereit, als wir zum Gleis kamen und unsere Plätze hatten wir dank freundlicher Schaffner auch schnell gefunden.
Es waren für den ersten Teil der Strecke jeweils zwei gegenüberliegende breite Sitze, die dann später zu zwei komfortable Betten inkl. Bettzeug umgebaut wurden.
Das Rauchen verhielt sich total entspannt, da die Türen zwischen den Waggons die meiste Zeit offen standen und man dort problemlos und freundlich geduldet soviel rauchen durfte wie man wollte. Die Fahrt war echt schön bis zur Dunkelheit. Viel Grün, eine sehr entspannte Atmosphäre im Zug und immer mal wieder leckere Snacks zu geringeren Preisen. Pim saß mir strahlend wie immer im Schneidersitz gegenüber, die Klimaanlage tat ihren Dienst und es kehrte nach einer Weile eine wunderbare Mischung aus Ruhe, Zufriedenheit und Entspanntheit ein. Ich hätte ewig so weiterfahren können.
Gegen 20:00 Uhr wurde von freundlichen und bienenfließigen Zuggeistern in Windeseile umgebaut; Pim lag oben und ich auch genau gegenüber. Es gab Vorhänge, Leselämpchen und am Ende des Waggons ein Art von Badezimmer, wo man sich zumindest grob waschen und die Zähne putzen konnte. Bereits gegen 21:30 Uhr wurde es ruhig im Zug und Madame war schon um 22:00 Uhr ins Land der Träume entschwunden.
Ich hab noch mit meinem Freund gequatscht, war noch lange zwischen den Waggons beim Rauchen, genoss den warmen Fahrtwind, der durch die Tür hereinströmte und relaxte einfach nur. Gegen 23:30 Uhr bin ich dann auch schlafen gegangen. Kurz vor 6 Uhr morgens kamen wir dann in Surat Thani an, wo es erstmal in einem Bahnhofscafé ein thailändisches Frühstück gab. Fried rice, Reissuppe, Kaffee, Tee und Toast. Sogar um die Uhrzeit war Pim bester Laune – sie ist dahingehend echt ein Phänomen!
Nebenan in einem Ticketbüro gab es dann verschiedenfarbige Armbändchen, je nachdem auf welche Insel man wollte und gegen 8 Uhr fuhr der Bus die eine Stunde nach Don Sak, von wo aus die Fähren losgingen. Viel hatte sich seit 1995 nicht verändert. Wir warteten auf einem überdachten Fussgängerweg, zwischendurch gestärkt durch Mango, Wassermelone und eiskalte Cola Light. Diverse Farang-Traveller-Pärchen fragten sich offensichtlich wie ich an Pim gekommen bin, warum sie bei mir war und was sie von dieser schrägen Kombi halten sollen, aber außer bösen Blicken à la böser Sextourist kam wenig. Da steh ich sowas von drüber - sollen die doch glotzen und lästern. Mitleid kriegt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.
Die Schiffsfahrt ging dann bei bestem Wetter nur knapp 2h und trotz der Müdigkeit war die Stimmung bestens.
Am Pier wurden wir von unserem Vermieter bzw. dessen Fahrer abgeholt und direkt in die Villa gefahren. Zwar ziemlich weit oben am Hang, aber ein echtes Schmuckstück. Pim und ich nahmen das separate Nebenhaus, mein Freund blieb im Haupthaus, wo sich auch Küche und Wohnzimmer befanden. Alles sehr geschmackvoll und inseltypisch eingerichtet und Platz ohne Ende.
Obwohl Corona noch weit weg war, stellte sich leider in der nächsten Zeit heraus, dass Samui komplett tot war! Dank unserer über den Vermieter gemieteten Mopeds waren wir sowohl tagsüber als auch abends überall auf der einst quirligen Insel unterwegs
und es war überall dasselbe: Kaum Touristen, kaum Leben, alles ziemlich teuer, kaum Nightlife, kaum Mädels und kaum Fun. Chaweng glich abends einer Geisterstadt, von Lamai, Maenam oder Bophut mal gar nicht zu reden. In Chaweng, wo früher ab 19:00 Uhr die Hauptstraße so voll war, dass man kaum bis an die zahlreichen Läden herankam, waren wir fast allein und sogar in der einzigen Barstraße vor dem Green Mango Pub war komplett tote Hose. Auch der einst unüberhörbare und jede Nacht mit Freelancern rappelvolle Reggae Pub war tot und leer, wenn auch offen.
In der Beerbar-Straße vom und zum Reggae Pub, wo man früher vor lauter Mädels kaum durchkam, herrschte ebenfalls Tristesse und die wenigen Schwalben waren alt, fett, hässlich oder alles zusammen. Die Laune meines Freundes sank mit jeder Stunde auf Samui, denn schließlich war er nicht nach Thailand gekommen, um jeden Abend allein zu pennen. Auch für Pim und mich war dies Samui bei aller Schönheit der Natur, der Strände und der Landschaft nicht das was wir uns erhofft hatten. Wir wollten zu viert Spaß haben und nicht als verliebtes Pärchen mit einem gefrusteten Begleiter durch leere Straßen ziehen.
Samui hatte sich in den letzten 20 Jahren echt irrsinnig stark verändert. 1995 hatte ich mal mit meiner damaligen Beerbar-Schwutte 4 Monate in Lamai gelebt und es war die verrückteste, geilste, ausgelassenste und kurzweiligste Zeit meines Lebens: Jeden Abend remmi-demmi mit coolen Leuten aus allen Ecken dieser Welt. Frivole Schaumpartys mit fetten Bässen & halbnackten Girls, Barbecue inkl. Massenorgien am Strand, jeden Abend wilde Geburtstage mit Spanferkeln und billiger Island-Sex mit braunhäutigen Girlies an jeder Ecke. Im Februar 2020 war von all dem nichts mehr vorhanden – nur noch Luxusvillen, Boutique-Resorts und Wellness-Hotels. Einfach nur noch teuer, trostlos und langweilig.
Als es dann auch noch anfing, dauerhaft und massiv zu regnen mit Prognose auch für die kommenden Tage, reifte bei uns drei nur noch ein Wunsch: Ab ins lebendige, trockene und (damals noch versaute) Pattaya! Scheiß auf die Villa, die Strände, die Palmen und das Meer – all das gibt’s auch auf Malle. Mein Freund wollte verständlicherweise nicht mehr und endlich wieder horizontale, feminin begleitete Freuden erleben - Pim und ich hatten ohnehin in Pattaya ein Heimspiel. Von der Nähe zu ihrer Familie in Rayong mal gar nicht zu reden.
Leider waren die Flüge voll – offensichtlich hatten Andere regenbedingt dieselbe Idee. Also per Boot aufs Festland, per Bus nach Surat Thani, von Surat Thani per Billigflug (46 EUR) nach Bangkok und von dort per Taxi nach Patty. Es war ein Höllentrip und wir waren echt platt, als wir spät am Abend des 19.02.20 in Patty ankamen; diesmal wieder im Diamond City Place.
Trotzdem sind wir noch am selben Abend auf die rappelvolle Meile und genossen nach dem Totentanz auf Samui die Massen von gut gelaunten Menschen aus aller Herren Länder, gepaart mit Massen von Mädels & Musik ohne Ende! Wir wussten bereits nach Minuten, dass die Entscheidung goldrichtig war und sich die Mörder-Rückreise auf alle Fälle gelohnt hatte. Mein Freund verschwand irgendwann über beide Backen strahlend im tobenden Nachtleben und Pim und ich schlenderten glücklich und zufrieden zurück ins Hotel. Aber natürlich nicht ohne einige Einkäufe auf dem Talaat Wat Djai in der Pattaya Tai Road, der ja besonders nachts alles bietet, was man sich nur vorstellen kann.
Nach einer gemütlichen Schmusenummer schliefen wir am frühen Morgen zufrieden und ineinander verschlungen ein.
Der nächste Tag begann wie immer in Pattaya spät, aber gut. Das Wetter passte, mein Freund war dank mehrfach entleerter Eier - eine 19jährige, 38kg Maus aus dem Pascha hatte ihr LT-Engagement wohl sehr ernst genommen und sich ordentlich ins Zeug gelegt - bester Laune und so beschlossen wir, einen faulen Strandtag in Jomtien zu verbringen. Zunächst ging es in die Soi Buakhao zu meiner Stamm-Moped-Oma, wo meine noch von 2018 gepimpte, schwarze Honda PCX auf mich wartete. Sogar meinen Helm von 2018 hatte sie aufbewahrt! Mein Freund bekam auch einen Bock und so ging es bei strahlendem Sonnenschein nach Jomtien, wo mich mein Liegestuhl-Vermieter sofort wiedererkannte und herzlich willkommen hieß. Back in Patty war echt wie nach Hause kommen!
Die Zeit raste und es gab in Sachen Zukunft noch viel zu besprechen und zu planen. Damals noch unabhängig von Corona war bereits klar, dass ein normales Besuchervisum angesichts der erforderlichen Nachweise, um die Rückkehrbereitschaft zu beweisen und auch wegen unseres großen Altersunterschieds extrem schwierig für Pim zu bekommen wäre. Schließlich hat sie weder ein Kind oder eine eigene Firma noch sonstige echte und schwerwiegende Verpflichtungen in Thailand. Außerdem, was hätte uns ein Besuch von 4-6 Wochen wirklich gebracht? Außer wieder eine schöne Zeit zusammen, um sich dann wieder erneut für länger zu trennen. Und die ganze Scheiße mit Line, Vermissen und Videocalls wäre von vorne losgegangen. Darauf hatten wir beide kein Bock und es war ja auch beiderseits beschlossen, dass wir heiraten wollen, falls es Pim in Deutschland gefällt, sie mit Land, Leuten und Sprache zurechtkommt und natürlich auch mit mir in Deutschland.
Ich hatte sie bis dahin zig Mal gefragt, ob sie das echt will, ob sie wirklich in einem komplett anderen Land leben könne und ob sie sich mit mir sicher sei. Die Antworten waren immer dieselben: Ja, ja und ja! Hauptsache wir sind zusammen - sie käme überall zurecht solange wir zusammen sind und wegen ihrer Familie ein Mal im Jahr nach Thailand auf Besuch kommen! Sie wollte es unbedingt und war auch bereit Deutsch zu lernen; schließlich gibt’s kein Heiratsvisum ohne bestandene und nicht gerade einfache A1-Prüfung im Goethe-Institut.
Wir hatten also geplant, dass sie ab März neben der beiden Jobs 2 Mal pro Woche eine Sprachschule besuchen würde, um bis zum Sommer/Herbst das A1-Zertifikat in der Tasche zu haben. Parallel dazu wollte ich meine Papiere für eine Heirat in Deutschland besorgen – was sich als schwieriger herausstellte als damals vermutet – und sie würde ebenfalls den ganzen Papierkram besorgen – was sich als noch schwieriger herausstellen sollte.
Nach einem Beratungsgespräch in der sehr bekannten Easy-ABC-Sprachschule in Naklua (www.easy-abc-th.com) war klar, dass es dieser Laden definitiv nicht werden würde: Eine extrem arrogante und unfreundliche, fast schon ignorante Tuss mit Chefgehabe & Mondpreisen und angesichts von Pims Arbeitszeiten sehr unflexiblen Unterrichtszeiten – der totale Griff in die Schüssel! Das kann ja heiter werden, dachte ich, als wir diesen Drecksladen wieder verließen. Pim stand bedröppelt, enttäuscht und mutlos neben mir und was macht man in Thailand, wenn einen was ankotzt? Man geht erstmal was essen. Das taten wir dann auch sehr lecker an der Hauptstraße von Naklua und ich warf mein Smartphone an. Nach kurzer Zeit fanden wir eine kleine, bereits langjährig betriebene Privatschule in Pratamnak, die speziell und nur Deutsch für Thailänderinnen anbietet (www.deutschlernen-pattaya.com ). Wir riefen dort sofort an und sprachen beide, erst ich auf Deutsch und danach Pim auf Thai mit der supernetten Inhaberin, die uns spontan einlud vorbeizukommen.
Gesagt, getan, eine halbe Stunde später saßen wir in einem kleinen Unterrichtsraum in einer schönen Privatvilla in einer ruhigen Soi und unterhielten uns zweisprachig sehr nett mit der Besitzerin und ihrem deutschen Ehemann.
Sie hieß Khun Som und war unglaublich herzlich und lieb zu Pim. Sie hatte bereits unzählige Newcomerinnen durch A1 gebracht (www.deutschlernen-pattaya.com/start-deutsch-pruefung.html) und nach Aussage ihres Mannes ein unglaubliches pädagogisches Talent für diese schwierige Sprache gegenüber Thailänderinnen. Sie unterrichtet ganz flexibel, wenn die Schülerin Zeit hat, arbeitet mit gut gemachten Bild-Lernbüchern & Flipchart und legt Wert auf eine familiäre, freundliche und entspannte Atmosphäre so als ob man privat zusammen wäre und nicht als die strenge, kühle, oberlehrerhafte Matrone, die vorne steht und alles weiß. Eher wie eine Freundin oder Schwester – Pim war nach dem Treffen schwer begeistert, in ihr Lernbuch vertieft, dass wir gleich gekauft hatten und wieder hochmotiviert. Die Preise bei Khun Som lagen bei weniger als 25% von denen, die Easy-ABC aufgerufen hatte und so stand die Entscheidung schnell fest: Pim wird bei und mit Khun Som die Basics in Deutsch lernen, die für A1 verlangt werden.
Wir waren megahappy am Abend, da ein wichtiger Punkt in kurzer Zeit geklärt werden konnte und ließen ihn gemütlich und voller Zukunftspläne in der iBar ausklingen.
Wir wussten beide, dass es ein harter und langwieriger Weg zum Visum werden würde, sich dieser jedoch für uns mittel- und langfristig lohnen würde und uns die Möglichkeit eröffnete, erstmal 4-5 Monate in Deutschland als Paar zusammenzuleben und uns erst dann frei entscheiden zu können, ob wir wirklich heiraten wollen. Es war ein Ticket nach Deutschland für 2 x 3 Monate ohne eine Rückkehrwilligkeit nachweisen zu müssen oder aufgrund des Altersunterschiedes eine Ablehnung zu kassieren. Das Heiratsvisum läuft komplett anders als ein Besuchervisum direkt über die Botschaft und nicht über VFS Global und wird definitiv ausgestellt, sofern die rechtlichen Voraussetzungen nach deutschen Gesetzen dafür vorliegen und die deutsche Ausländerbehörde zugestimmt hat was wiederrum von meiner Bonität und meiner Lebens- und Wohnsituation abhängt.
Klar, ein Riesenaufwand mit Beglaubigungen, Legalisierungen, Sprachprüfung, Standesamt, Oberlandesgericht und Ausländerbehörde in Deutschland, aber für uns der einzige Weg, da wir weder in Thailand noch in Dänemark heiraten wollten, sondern regulär auf einem deutschen Standesamt in Deutschland, sodass Pim gleich einen 2-Jahres-Aufenthaltstitel erhält ohne nochmals nach Thailand zurück zu müssen.
Der nächste Tag war ein Samstag (unser letztes gemeinsames Wochenende…) und es stand mal wieder ein Treffen mit Pims Familie auf dem Programm. Es sollte ein Badeausflug nach Koh Larn werden – geile Idee, denn ich liebe dieses facettenreiche Inselchen total. Treffpunkt war am frühen Mittag am Bali Hai Pier und es waren schon alle da, als Pim und ich noch ziemlich verschlafen bei Traumwetter eintrudelten. Es war schön, die mir inzwischen schon sehr vertraute Truppe wiederzusehen und wir hatten Glück: Kurz nachdem wir am Ende vom Pier angekommen waren, fuhr auch schon der Seelenverkäufer für 30 Baht/Person los. Leider wie üblich ziemlich voll, aber wir fanden trotzdem alle irgendwo einen Sitzplatz. Madame war happy, es wurde wie üblich gelabert ohne Ende und ich genoss einen Großteil der Überfahrt vorne am Bug in Ruhe, mit Sonne, Wind, Meer und Lucky Strikes.
Nach einer Dreiviertelstunde kamen wir an einem Strandabschnitt an, wo ein überdachter Fussweg vorbei an diversen Verpflegungsständen zu einem Songthäo-Sammelpunkt inkl. Toiletten führte. Der weibliche Part der Gruppe verschwand erstmal kollektiv auf dem Klo und irgendwann ging es dann über steile Pisten in einem Songthäo zum Monkey Beach, einer meiner Lieblingsstrände auf Koh Larn.
Wir verteilten uns großflächig über mehrere Liegen und Stühle am Strand und lümmelten dort erstmal ein bisschen rum, in Kürze ausgestattet mit kalten Softdrinks. Es wurde ein herrlicher Nachmittag mit leckerem Beach-Food, viel Geplansche, guter Stimmung und verheißungsvollen Zukunftsplänen was Pim und mich anbelangt. Zum Glück ahnte damals noch keiner was von diesem verfickten Virus…
Das letzte Boot ging um 17:30 Uhr zurück und wir schafften es gerade so. Wir alle waren kaputt, aber auch sehr entspannt, zufrieden und glücklich – der Tag war für alle Beteiligten echt schön.
Leider überkam mich beim monotonen Brummeln des Schiffsdiesels und dem Blick auf eine glückliche Pim zunehmend eine gewisse Melancholie – ein Gefühl, das Ihr wahrscheinlich auch alle kennt: Es passt alles, das Leben ist schön, alles ist genauso wie es sein soll und am Horizont droht die Flughafenkeule und der Horror, wenn man wieder alleine zurück in Deutschland ist.
Genau das ist es, was Thailand (zumindest für mich) von allen anderen Urlaubsdestinationen massiv unterscheidet: Bei anderen Ländern fliegt man hin, hat einen schönen Urlaub und fliegt wieder zurück. Ohne Probleme, ohne Schmerz und ohne Trauer. Der Urlaub ist halt vorbei, man fliegt heim und ok. Bei Thailand ist es jedes Mal komplett anders: Es graut einem schon Tage vor der Rückreise vor allem was mit dem Flughafen zutun hat, man versucht die Zeit irgendwie langsamer laufen zu lassen, um keinen Moment zu verpassen, man schiebt die Taxifahrt soweit wie möglich hinaus und man leidet im Taxi wie ein Hund. Man weiß, alles was jetzt kommt, kann nur schlechter werden, man denkt zurück an alles was war, man denkt bereits auf der Fahrt zum Flughafen daran wann man wiederkommen kann und alles fühlt sich dumpf, leer, trostlos und einsam an. Der deutsche Winter ohne Pim erwartete mich und ich hätte kotzen können.
Als ich so im Boot saß und wusste, dass mir genau das Beschriebene am Folgeabend blühen würde, bekam ich einen Kloß im Hals, schaute aufs Meer und drückte Pim ganz fest, die sich wahrscheinlich wunderte aber egal. In Patty angekommen verabschiedete sich Pims Familie sehr herzlich von mir und die Eltern bestätigten mir nochmals, dass sie morgen Abend um 21:30 Uhr Pim vom Diamond City Place pünktlich abholen kämen. Ich wusste nicht wann ich den Rest der Familie wiedersehen würde, aber ich wusste, dass der Tag irgendwann definitiv kommen würde – leider vermutlich erst Sommer/Herbst 2021.
Wir fuhren heim, liebten uns erstmal sehr intensiv – ich konnte an dem Abend kaum genug von ihr bekommen und es wurde eine Wahnsinnsnummer – und waren dann noch einige Besorgungen auf dem Talaat Wat Djai erledigen. Ich wollte vor allem noch frisches Obst mitnehmen und es am Sonntag in Ruhe in alte Zeitungen verpacken. Hat sich für den Transport von frischen Sachen gut bewährt. Diese besorgten wir auch noch genauso wie Klebeband und einige Mitbringsel wie Motivseifen und Tiger Balm. Die Stimmung war gut, aber auch ein wenig gedrückt, denn wir wussten, dass dies das letzte gemeinsame Mal auf diesem Markt war, zumindest für ne Weile.
Mein Freund hatte Pattaya bereits am Nachmittag gen Bangkok verlassen und so verbrachten wir den letzten Abend zu Zweit am Strand von Patty. Wir redeten über die kommenden Monate, über den Deutschunterricht und dass sie dafür Durchhaltevermögen, Fleiß und Geduld brauchte, über die verschiedenen Papiere, die wir beide zu besorgen hatten und über ein mögliches gemeinsames Zusammenleben in Deutschland. Auch wenn mir klar war, dass sie trotz vieler Bücher, die sie sich inzwischen über Deutschland besorgt hatte, niemals wirklich verstehen konnte was es bedeutet tatsächlich als Thai in Deutschland zu leben und wie es dort wirklich ist, erzählte ich ihr von Deutschland – ungeschminkt und ehrlich Positives & Negatives. Wir sprachen über eine große Wohnmobil-Tour durch Deutschland, über einen Besuch bei ihrer Schwester in Frankreich, über eine eher rationale Eheschließung auf dem deutschen Amt und eine emotionale Hochzeitsfeier einige Monate später in Thailand mit ihrer Familie, über Asiashops & Thairestaurants in Deutschland, über das jährliche, große Thaifestival in Bad Homburg, über meinen Arbeitsalltag und die dann erstmal anstehende Volkshochschule für sie und über Millionen andere Dinge.
Wir waren uns zu 100% einig miteinander und wir wollten den jeweils anderen trotz aller Steine, die auf dem Weg dorthin lagen. Es war ein magischer Abend am Flutlicht-beleuchteten Strand von Patty mit Musik, Menschen und Verkehr im Hintergrund.
Lieber Tom1510,
wunderschöne, eine traumhafte Begegnung zweier Menschen die anscheinend für einander bestimmt sind.
Aber dann - Corona ?? Wie geht es Dir / Euch damit?
Liebe Grüße
Gerhard
Vielen Dank! Corona konnte uns bisher nichts anhaben, es haben sich lediglich viele Dinge verkompliziert und verzögert. Zwischen uns passt nach wie vor kein Blatt.
Der letzte Tag! Wie sehr ich diese Abreisetage hasse!
Schon beim Aufstehen lag Traurigkeit in der Luft. Natürlich genossen wir noch einige Zeit das gemeinsame Kuscheln, jedoch war die bisherige Leichtigkeit und Unbeschwertheit weg. Es war wie die Henkersmahlzeit vor dem elektrischen Stuhl. Egal wie lecker das Essen auch sein mag, man kann es nicht mehr genießen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Dragon Restaurant in der Soi Diana Ecke Soi Buakhao besorgten wir noch einige frische Lebensmittel für Deutschland und gaben dann meine treue PCX bei meiner untröstlichen Moped-Oma ab, die meinte, ich solle einfach in ein paar Monaten wiederkommen. Niemand ahnte etwas von geschlossenen Grenzen.
Auf dem Rückweg zum Zimmer besorgten wir für Pim noch eine große Reisetasche; in den gut zwei Wochen hatte sich doch dank häufiger Marktbesuche insbesondere hinsichtlich ihrer Klamotten einiges angesammelt. Zurück im Zimmer fingen wir beide dann an zu packen – meine Stimmung war auf dem Totpunkt. Schnell dämmerte es und den letzten Abend wollten wir zu Zweit im Zimmer verbringen. Wir gingen nochmals die Pattaya Tai runter, besorgen uns etwas Street Food und aßen auf sprichwörtlich gepackten Koffern ein letztes Mal gemeinsam.
Wir versuchten uns gegenseitig Mut zu machen und uns auf das zu freuen was geplant war. Wir sprachen nochmals über die nächsten Schritte bezüglich Sprachschule, Dokumente und Co. und versicherten uns nochmals, die erneute Trennung nur als Vorbereitung der gemeinsamen Zukunft zu sehen und nicht als Abschied.
Um 21:15 Uhr kam der Anruf ihres Vaters, dass sie unten stehen würden. Als wir mit ihrem Gepäck auf die Straße traten und ich es auf der Pritsche des Pickups verstaute, schossen mir gegen meinen Willen die Tränen in die Augen. Wir drückten uns ein letztes Mal auf dem Gehweg, ich dankte ihren Eltern nochmals für alles, küsste Pim ein letztes Mal und winkte tränenüberströmt bis der schwarze Pickup am Ende der Straße verschwunden war.
Ich war so unglaublich traurig und leer. Sämtliche Lebenskraft schien aus meinem Körper gewichen zu sein. Obwohl ich seit Tagen wusste, dass der Moment unvermeidbar kommen würde, konnte ich es zunächst nicht fassen, wieder ohne meinen stets gut gelaunten Sonnenschein zu sein. Ich saß noch eine Weile auf einer Mauer an der Straße, rauchte, beobachtete den Verkehr und beantwortete die zahlreichen Line-Nachrichten von Pim, die bereits Minuten nach ihrer Abfahrt auf meinem Handy eintrudelten. Das sollte von nun an unsere einzige Verbindung sein – was für ein müder Ersatz!
Eine letzte Dusche, ein trauriger Check-out und ich saß im Taxi zum Flughafen. Zum Glück hielt der Fahrer seinen Mund und so konnte ich nochmals alles, was ich in den letzten zwei Wochen erlebt hatte, reflektieren und vor meinem geistigen Auge nochmals ablaufen lassen. Es war eine unbeschreiblich wunderbare, innige, harmonische und liebevolle Zeit. Eine Zeit, die mich zu einer glasklaren Erkenntnis gebracht hatte: Mit Pim möchte ich meine Zukunft verbringen und sonst mit keiner!
Am Flughafen das Übliche und ich traf meinen Freund am Gate wieder. Auch er war nicht glücklich zurückzufliegen, jedoch war sein Gemütszustand mit meinem nicht zu vergleichen. Flug, Abu Dhabi, nochmal Flug und die Fahrt zurück vom Münchner Flughafen - am Abend des Montages, den 24.02.20 saß ich wieder in meiner kleinen Post-Scheidungs-Bude unweit von Stuttgart.
Der Kontakt mit Pim lief in den folgenden Wochen zunächst sehr gut, wenn sie auch nie so schnell antwortet, wie ich es mir wünschen würde. Aber sie begann Anfang März wie geplant mit dem Deutschunterricht bei Khun Som und alles lief wie geplant.
Als erstes fiel der Sprachunterricht auf unbestimmte Dauer aus und bereits im April verlor Pim ihren Zweitjob im Termin 21. Dank der Tatsache, dass die Besitzerin des Bungalow-Resorts, wo sie ja ihren Erstjob hatte, mit ihrer Mutter verwandt ist, konnte sie zunächst dort weiterarbeiten. Es ist ein reines, sehr einfaches Thai-Resort mit vielen Dauer- und Langzeitgästen, sodass es trotz geschlossener Grenzen auch weiterhin was für sie zu tun gab. Hin und wieder schicke sie mir einige Bilder, aber meistens kommunizierten wir schriftlich oder gleich per Videocall.
Im Laufe des Aprils fuhr sie nach Kampaeng Phet, ihrem eigentlichen Heimatort, um sich um die benötigten Heiratspapiere zu kümmern. Aus der zunächst geplanten Woche wurden dank Provinz-Reisesperre, Ausnahmezustand und Ausgangssperre ab 22 Uhr über 2 Monate. Erst nach der extremen Anfangszeit, in der auch alle Ämter geschlossen waren, konnte sie Ende Juni zu ihren Eltern nach Rayong zurückkehren. Die Familie hatte dank des Großprojekts in der Raffinerie unverändert Arbeit und ein stabiles Einkommen. Da das Resort inzwischen Pims Hilfe nicht mehr benötigte, zog sie bis auf Weiteres in das hellblaue Haus in Rayong. Zum damaligen Zeitpunkt die einzig richtige Entscheidung.
Im Juli wurde die Ausgangssperre sowie die Reisesperre zwischen den Provinzen aufgehoben und Pim fuhr erneut nach Kampaeng Phet; das Amt sollte wieder eingeschränkt arbeiten. Irgendwann hatte sie auch dank ihrer Mutter, die zur Hilfe zeitweise ebenfalls in Kampaeng Phet war, die wichtigsten Papiere zusammen. Was war ich froh! Ein elender Marathon, der extrem viel länger gedauert hatte als ursprünglich geplant. Ich hatte nach intensiven Gesprächen mit dem örtlichen Standesamt und irre viel bürokratischem Aufwand Ende Juli auch meine Papiere komplett und bereits alles eingereicht.
Den Pass hatte Pim dann über Umwege Rayong, Kampaeng Phet und Pattaya auch irgendwann und es fehlte nur noch der Zentralregisterauszug des Bangkoker Eheregisters.
Da ein guter TAF-Freund in der Vergangenheit nur beste Erfahrungen mit CTA in Pattaya (www.ctapattaya.de/startseite/) gemacht hatte, kontaktierte ich die deutsche Inhaberin diese Agentur, Frau Carolin Wiangwang und entschied mich nach extrem positiver und höchst kompetenter Korrespondenz dazu, die kommenden bürokratischen Aufgabenstellungen dank CTA ein wenig zu entschärfen. Pim und ich hatten uns das CTA-Büro im Februar bereits angeschaut und sie wusste somit Bescheid wer oder was CTA war.
Khun Carolin, die Inhaberin von CTA und Pim telefonierten sich zusammen und trafen sich im August erstmalig persönlich, um alle weiteren Schritte abzuklären. Den Zentralregisterauszug aus Bangkok konnte CTA besorgen und Pim musste dafür nicht extra nach Bangkok - hurra!:)
Pim war völlig von den Socken wie perfekt Khun Carolin Thailändisch spricht und dass sie sich bei ihr in besten Händen fühle. Endlich mal was Positives nach all der Corona-Scheiße!
Pim und Carolin verstanden sich bestens und ich schöpfte nach langen, ermüdenden und frustrierenden Corona-Monaten endlich wieder ein wenig Hoffnung. Auch das anfangs von CTA dramatisch geschilderte Problem der beiden notwenigen Unterschriftsbeglaubigungen (Pims Passkopie und die Vollmacht zur Anmeldung der Eheschließung), die Corona-bedingt bis auf Weiteres von der Deutschen Botschaft nicht durchgeführt wurden, konnte dank meiner eindringlichen Korrespondenz mit dem Oberlandesgericht Stuttgart zufriedenstellend gelöst werden. Da das OLG als zuständige Behörde letztendlich nicht auf eine Beglaubigung durch die Deutsche Botschaft bestand, sondern auch die eines deutschen Konsulates akzeptierte, war der Weg frei, die beiden Unterschriftsbeglaubigungen zeitsparend auch durch Konsul Hofer in Pattaya durchführen zu lassen. Eine Alternative, die uns zig Monate sparen würde.
Pim hatte durch CTA, durch Khun Som und durch meine Wenigkeit inzwischen begriffen wie wichtig und notwendig das A1-Zertifikat war. Sie machte dann ab Anfang August das, woran ich doch insgeheim die ganze Zeit über größte Zweifel hatte: Sie paukte Deutsch wie eine Wahnsinnige – sowohl per Präsenzunterricht bei Khun Som als auch per Online-Unterricht mit Khun Som und Hausaufgaben von Rayong aus. Die beiden kamen gut miteinander klar und ich war immer wieder überrascht über das Niveau insbesondere was die Vokabeln angeht.
zeitweise sogar mit auf der Baustelle, aber Prio 1 war das Lernen der völlig fremden Sprache von Null. Ihre Aussprache war von Beginn an gut und klar verständlich, nur die Grammatik, die Deklinationen und Konjugationen, die Zeitformen und das Du & Sie waren und sind hammerhart für eine Thai, wo es all das nicht gibt.
Ende August hatte CTA den Zentralregisterauszug besorgt, alle Dokumente ins Deutsche übersetzt und Anfang September gingen endlich alle Unterlagen erstmal zwecks Legalisation zur Botschaft – Zeithorizont 6-10 Wochen Bearbeitungszeit!!! Meine Fresse, ich hätte Beamter werden sollen!
Naja, zumindest ging endlich was voran und Pim hatte Zeit zum Deutschlernen. Es hatte sich bei uns inzwischen eine mehr oder weniger regelmäßige Kombination aus Line-Nachrichten und Line-Videocalls etabliert was die Verbindung erstaunlicherweise gut und lebendig hielt. Vor allem natürlich durch die Videocalls, wo ich jedes Mal innerlich jauchze, wenn sie mich anstrahlte. Sie ist einfach meine Traumfrau und es tut jedes Mal so unendlich gut sie zu sehen und zu hören.
Live wäre natürlich ungleich schöner gewesen, aber was nicht geht, geht eben nicht. Ich hätte im Nachhinein nie gedacht, dass wir unsere Beziehung über so viele Monate hinweg und über die mega Entfernung so gut am Leben hätten erhalten können. Seit Februar sind immerhin 8 Monate vergangen und junge Hühner sind ja in Thailand nicht gerade für ihre Treue, Zuverlässigkeit und Geradlinigkeit bekannt.
Ich hatte inzwischen nach langer Suche und unzähligen Besichtigungen eine schnuckelige, bezahlbare 2,5-Zimmer-Wohnung mit Balkon, Tageslichtbad, Tiefgarage und schöner Küche für uns gefunden und das nur 10 min von meinem Büro entfernt mitten im Zentrum einer mittelgroßen Stadt am Rande des Nordschwarzwaldes. Alle Läden inkl. Wochenmarkt direkt vor der Tür, die Volkshochschule nur 5 min zu Fuß entfernt und gute ÖPNV-Verbindungen nach Stuttgart, falls Madame in Zukunft mal mit irgendwelchen Thai-Freundinnen shoppen oder bummeln wollte.
Wir hatten in den letzten Wochen gemeinsam per Videocall die wichtigsten Möbel miteinander ausgesucht – aus meiner kleinen Single-Post-Scheidung-Bude sollte ja nun im Frühjahr 2021 ein gemeinsamer Haushalt werden. Und schließlich wollte ich ja nicht alles allein entscheiden und aussuchen. Ziel war ja, dass es unsere neue Wohnung wird und nicht meine, in der sie nur Gast wird.
Dank Otto, Amazon und Videocalls klappte die gemeinsame Entscheidungsfindung und Farbauswahl bestens und so langsam dürfen wir uns auf die Zukunft freuen. Der entsprechende Zeitplan sieht folgendermaßen aus, wenn auch unter Vorbehalt, denn das Meiste hängt ja von zahlreichen, stets bienenfließigen Beamten ab:
Pim wird zeitweise in Rayong und zeitweise in Pattaya weiterhin Gas geben in Sachen Deutsch mit dem Ziel, die A1-Prüfung am 22.12.20 in Bangkok zu bestehen. Wenn alles gut läuft, erhalte ich von CTA Mitte November die legalisierten Unterlagen samt beglaubigter Passkopie und Anmeldevollmacht. Zusammen mit meinen Papieren reiche ich dann alles beim hiesigen Standesamt ein. Dieses schickt dann unser beider Unterlagen zur Prüfung an das OLG Stuttgart. Diese Prüfung soll dann wohl 2 Monate dauern!!! Wenn diese positiv geprüft beim Standesamt zurückkommen, erhalte ich sie zurück und zwar zusammen mit einem superwichtigen amtlichen Dokument: Der Bescheinigung über die Anmeldung zur Eheschließung in Deutschland. Dieses Papier ist neben dem A1-Zertifikat die Grundbedingung, damit Pim in Thailand das Heiratsvisum überhaupt beantragen kann. Somit ist damit zu rechnen, dass die Papiere erst Ende Januar 2021 zurück bei CTA sein werden.
Dann kann Pim mithilfe von CTA das Visum auf der Botschaft beantragen. Der Antrag geht dann zurück nach Deutschland zu meiner zuständigen Ausländerbehörde, die mich dann zwecks Überprüfung von Ernsthaftigkeit, Bonität und Wohnraum verhören wird. Nach deren OK darf dann die Botschaft Pim das Heiratsvisum ausstellen. Der ganze Visumsantrag soll nochmals 4-6 Wochen dauern. D.h., wenn alles optimal läuft, könnte sie Ende März 2021 - rechtzeitig zum Frühling - tatsächlich herkommen. Eine Mörderprozedur, die nicht nur viel kostet, sondern einem wartenden Farang auch den letzten Nerv raubt. Aber es gibt leider keinen anderen Weg.
Abschließend ist zu sagen, dass ich mir mit einer Thai noch nie sicherer war als mit Pim und es waren sehr, sehr viele in den letzten 30 Jahren. Natürlich weiß heute keiner was bis März 21 noch passiert oder ob das Ganze in Deutschland überhaupt funktioniert. Mir ist vollkommen klar, dass die ganze Geschichte große Risiken birgt und Stand heute absolut nichts in trockenen Tüchern ist. Aber rückblickend betrachtet sind wir doch seit März 2018 einen langen und nicht einfachen Weg bis hier hin gegangen und wenn es einem von uns beiden nicht absolut ernst wäre, hätte sich die ganze Verbindung längst in Luft aufgelöst – insbesondere in 2020 ohne jede Chance sich zu treffen.
Wir wissen beide nicht was kommen wird, aber ist es nicht wert, um eine Liebe zu kämpfen? Ist die Chance, als einsamer, desillusionierter, mittelalter und übergewichtiger Durchschnittstyp mit einer stets positiven Traumfrau wie Pim zusammenleben zu können nicht alle Risiken wert? Ist es nicht ein riesiges Glück, dass wir uns zufällig begegnet sind? Und ist es nicht genial wie weit wir schon gekommen sind?
Ich hatte nach der Scheidung und der Rückkehr aus Thailand in Sachen Mädels echt nichts mehr erwartet – vor allem nichts Ernsthaftes mehr. Ich hätte niemals mehr gedacht, nochmal eine zu finden, die meinem superschwierigen Geschmack (dünn, jung, schön, gewisse Bildung plus guter Charakter) entspricht und die genauso auf mich steht wie ich auf sie. Und wenn es am Ende nicht klappt und sie nach 2 Monaten wieder im Flieger sitzt, dann haben wir es wenigstens zusammen versucht. Ein einziger Tag mit Pim ist mehr wert als 1000 Tage ohne sie und am Ende gilt bei allen schönen Dingen des Lebens: No risk, no fun!