Hampelmännisch
23.1.20 – Mittags beim Frühstück im Central treffe ich oft einen Deutschen in meinem Alter. Er isst immer Thunfisch aus der Dose. Seine Thaifreundin muss ihn stützen, er hatte vor paar Jahren einen Unfall. Vor kurzem ist er gefallen und hat sich den linken Arm gebrochen, der nun operiert werden muss. Gestern erzählte er von einem Bekannten, der in den 80ern aus der DDR nach Thailand geflohen war und von 400 € monatlich leben musste. Weil es ihm so gut gefiel, blieb er illegal, was lange Zeit nicht auffiel. Schließlich wurde er abgeschoben mit Einreiseverbot, schaffte es aber irgendwie doch wieder nach Thailand. Das wiederholte sich mehrmals. Ich sagte, das sei doch ein beschissenes Leben mit 400 € und immer die Angst im Nacken aufzufallen. Da lebe es sich mit Hartz4 doch bequemer in Deutschland. Er ganz empört, er könne den verstehen, er wolle auch nie wieder zurück nach Deutschland. Unter anderem weil man in Deutschland keine Wohnung bekomme. Ich hingegen glaube, es bedarf einer besonderen psychischen Verfassung, wenn man so lebt, Masochismus beispielsweise.
Bei solchen Gesprächen wundert mich, dass mir nicht mal ein bisschen recht gegeben wird. Das muss an meiner Ausstrahlung liegen, ich wirke auf andere wie das Gegenteil von charismatisch. Was ist das? Hampelmännisch? Ich muss mich mal beim Reden filmen lassen, dann werde ich sehen, was ich falsch mache. Vielleicht muss ich grimmiger gucken oder die Stimme senken. Oder ich höre auf, Leute anzuquatschen. Irgendwann sehe ich sie vor mir davon laufen: Da kommt er wieder …