Thailand Zwischen Euphorie und Abgrund --- ab morgen ändere ich was

Ghostrider_75

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23.09.2013
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16 Tage ist es nun her, dass ich wieder in Deutschland gelandet bin, und ich habe hin und her überlegt, ob ich einen Reisebericht verfassen sollte.
Aber ich glaube, dass es für einige informativ, amüsant oder auch Kopfschütteln-verursachend sein kann. Für mich erhoffe ich mir ein paar Tips und vor allem auch eine therapeutische Wirkung (wieso wird im Laufe des Berichts klar). Ich versuche etwas umfassender zu erzählen, bei der Planung angefangen bis hin zur momentanen Situation in Deutschland.

Um mein literarisches Erstlingswerk zu beginnen, meine persönliche Vorgeschichte und Reiseplanung:
Ich bin 38, frisch geschieden und wohne in Köln. Da meine Ex nicht so sehr für Reisen zu begeistern war, hatte ich mir nach der Trennung vorgenommen, mal wieder einen schönen Urlaub zu verbringen. So wartete ich die Scheidung und die daraus resultierenden Kosten ab ("Wir machen das fair und Geld ist unwichtig...aber zahl gefälligst meinen Anwalt?!?!"), um mir dann recht kurzfristig Mitte September Gedanken über einen Urlaub im Okt/Nov zu machen.
Im Freundeskreis wurden mir verschiedenste Vorschläge unterbreitet: Gruppenreise nach Sardinien, Cluburlaub in der Türkei und und und...unter anderem auch Thailand, im speziellen Samui (der Tip kam von einer Frau...daher vielleicht keine konkreteren RTL2-Klischee-behafteten Vorschläge für alternde Singlemänner). Da mich Südostasien grundsätzlich reizte und ich dort auch noch nicht war...ja, ich bin/war ein First Timer...informierte ich mich mittels der modernen Medien über mögliche Ziele. Dabei stieß ich auf dieses Forum.

Tja, scheiße...da dachte ich, ich finde einen Tip á la "Du bist 38, frisch geschieden und möchtest einen tollen Urlaub erleben? Dann buche DIESEN Flug, DIESES Hotel und unternehme DIESES und JENES!"...von wegen.
Gerade hier begann schon die Reizüberflutung und ich fühlte mich wie eine Frau vorm Schuhregal: "Eigentlich will ich alles...aber das geht nicht...was mache ich nur?!?".
Nun gut, mir blieben mittlerweile noch ca. drei Wochen, um mich für ein schönes "Paar Schuhe" zu entscheiden. Es sollte entspannend am Strand sein, bei Bedarf auch Spaß machen und beim Tragen auch "sexy sein". Achja, und ich wollte es am ersten Tag anziehen und erst nach 17 Tagen wieder ausziehen. Sprich, ich wollte nicht umherreisen....einfach ankommen, Koffer auspacken und genießen.


Also nach Deichmann, RENO, Görtz usw. blieb ich dann am TAF-Schuhregal hängen und betrachtete die engere Auswahl:

Pattaya?
Von vielen als bestes Ziel (auch oder gerade für First Timer) empfohlen...aber Berichte von Überforderung durch das Angebot und die nicht vergebenen fünf Sterne für Strand&Meer schreckten den kleinen Newbie ab. Und schließlich wollte ich ja NICHT NUR die "süßen Früchte" naschen und Party machen. ABER möglicherweise Betreuung und Einweisung durch nette Forenmitglieder, die vor Ort sind.

Pukhet?
Das Geschriebene dazu interpretierte ich eher als "Ziel für weitere Reisen" oder "Teil-Trip". Und da ich zur Regenzeit unterwegs sein würde, sorgte ich mich auch ein wenig aufgrund diesbezüglich getroffener Aussagen.

Samui?
Schöne Strände, Party/Spaß je nach Intensitätswunsch wählbar und ein paar süße Früchte auch zum Pflücken da.


Ok, es sollte Samui werden. Flug war schnell gebucht (Düsseldorf - Abu Dhabi - Bangkok - Koh Samui). Nach Empfehlung und kurzer Recherche wurde das Lamai Inn 99 angeschrieben und nach kurzer Korrespondenz auch gebucht.

Vorfreude kam auf...endlich wieder ein schöner Urlaub (hoffentlich)...Abflug 22.10.2013...Rückflug 09.11.2013



Nächster Teil: "Reisevorbereitungen und Anreise"




Anm. des Autors: Ich hoffe, ich mache es nicht zu zäh durch die Geschichten um den eigentlichen Urlaub herum.
 
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Erstmal danke für das Interesse.
Da bekomme ich schon Lust auf den nächsten Teil.
Da ich aber gerade in Richtung Arena zum Eishockey bin, muss das bis heute Abend und/oder morgen warten.

@Carradine
Nein, einen Garden Bungalow...wollte zumindest keine dünne Wand zum Nachbarzimmer. ;)
 
Hmm, dachte, ich hätte den Anti-DEG-Filter angemacht.:mrgreen:

Bin mit Sieg im Gepäck gut gelaunt auf dem Rückweg und werde gleich nochmal "die Feder schwingen".
 
Reisevorbereitungen Teil 1:

"Am 22. geht's los...juhuuu...Moment...was brauche ich eigentlich alles für den Urlaub?"

Ab ins Internet und Onkel Google gefragt:

Reisepass (mind. sechs Monate noch gültig)
"Leck mich doch am Senkel, wo ist das Teil?" Ich überlegte, wann ich den das letzte Mal brauchte....2006. Seitdem war ich viermal umgezogen. "Scheiße, wenn ich den überhaupt finde, keine Ahnung, ob der noch gültig ist." Also durchforstete ich meine Schubladen und Schränke...und fand ihn auch...noch gültig bis Ende 2014. Ha, es konnte losgehen.

Hmm, Impfungen?
"Meine Fresse, wo ist DER Lappen denn jetzt? Junge, Du solltest Deine Unterlagen mal sortieren!" (Anm. des Autors: Das Genie lebt im Chaos!) Also wieder an die Schubladen und Schränke und hoppla, da fand ich gleich zwei. Das Ergebnis war: Typhus abgelaufen, Hepatitis A+B abgelaufen. "Du bist echt der King! Alles gebucht und bezahlt, aber null bereit!"

Geld, Traveler Checks oder Kreditkarte
Gut, das hatte ich hier im Forum auch schon gelesen. Die DKB-Visa wurde gelobt und empfohlen. Na, wenigstens etwas hatte ich schon und musste mir da keine weiteren Gedanken machen. (Wer's glaubt, wird selig. Dazu später mehr)

Internationaler Führerschein
"What the fuck?!" Ich hatte noch den schönen rosa Lappen. Die Website der Stadt Köln verriet mir, dass ein internationaler Führerschein direkt ausgestellt werden kann...aber nur in Verbindung mit diesem neuen Plastikdingens (EU-Führerschein). Hierfür beträgt die Wartezeit ca. 4-6 Wochen, informierte mich mein Bildschirm in bestem Beamtendeutsch. Für beides benötigte man jeweils ein biometrisches Passfoto. Und außerdem wollen die mein Bild als knackiger 18jähriger auf rosa Hintergrundpapier einbehalten. "Kann doch alles nicht wahr sein! Den Roller kannst Du Dir an die Backe schmieren!" Da entdeckte ich die Lösung: Legale Korruption...für ein geringes Entgelt wäre eine Express-Lieferung innerhalb von drei Werktagen möglich, stand weiter unten im Text. Da musste ich mich zwar ranhalten, aber alles kein Ding.

Das war die Pflicht, nun zur Kür:
Da ich Brillenträger bin und ich die ein oder andere Aktivität im Urlaub vorhatte, bei der ein Vierauge etwas minderbevorteilt sein kann, wollte ich mir noch Kontaktlinsen besorgen. Zum Hintergrund: Ich brauche seit acht Jahren eine Brille, hatte aber noch nie Kontaktlinsen! Auch diese "Kleinigkeit" sollte ich unterschätzt haben.
Des Weiteren hatte ich seit mehreren Wochen bereits das Gefühl wieder mal eine Zahnwurzelentzündung mit schwankendem Schmerzpegel zu haben. Ich muss zugeben, dass ich dem Berufstand "Zahnarzt" nicht gerade Begeisterung entgegenbringe, aber mir einen knapp dreiwöchigen Urlaub -weit ab von der ach so tollen medizinischen Versorgung Deutschlands- durch Zahnprobleme zu vermiesen, wollte ich nicht riskieren.

Zu meinem bereits erwähnten Budget/Taschengeld:
Auch hier orientierte ich mich an Beiträgen und Umfragen im TAF. "100,- € pro Tag....naja, da sind ja auch täglich mehrere Thaimädels eingerechnet und tägliche Alkohol-Infusionen ebenfalls...das brauchst Du nicht. Erstens willst Du nicht täglich die Vorzüge der käuflichen Liebe in Anspruch nehmen und Alkohol verträgst Du eh nicht viel...18 Tage...da sollten 1000,- € locker reichen. Das sind mehr als 50 Tacken am Tag. Das gibst Du ja nicht mal hier aus und in Thailand ist ja alles so billig." Meine DKB-Card hatte ich aufgrund eines Betrugsfalls im letzten Jahr auf 1.500,- € im Monat beschränkt. Aber das würde ja ohne Probleme meine Kosten abdecken...war ich mir sicher........

Weitere Dinge, wie Auslandskrankenversicherung, Kopien der wichtigen Unterlagen, Sonnenschutz usw. usw. möchte ich hier nicht weiter ausführen, da diese weniger meine Vorbereitungen beinflusste.



Direkt am nächsten Tag führte mich mein Weg zu unserem Betriebsarzt. Das dumme Grinsen, nachdem ich ihm mein Vorhaben und meine Situation erklärt habe, hätte er sich sparen können. Aber brav nach Hippokrates stellte er mir die entsprechenden Rezepte aus. Da er gleichzeitig Reisemediziner war und ich der brave, absicherungsbewusste Deutsche, ließ ich mir noch eine Tollwut-Impfung aufschwatzen. Ich hatte ja gehört, dass im LoS überall Hunde rumrennen. Und weil ich ein absoluter Hundemensch bin, dachte ich mir "sicher ist sicher".
Und wo ich schon mal da war, konnte der gute Mann seine ganze Fachkompetenz an den Tag legen und empfahl mir noch ein Super-Duper-Hyper-Schutzgel gegen Moskitos. Dengue-Fieber...bla bla bla..."Ist ja schon gut. Schreiben Sie es mir auf."
Am Nachmittag bin ich gleich zur Apotheke und habe das Komplettpaket abgeholt. Beim Blick auf die Rechnung schrumpfte vor meinem geistigen Auge das Urlaubsbudget. "Fast 400 Öcken...ich wollte mich nicht zum 7-Millionen-Dollar-Mann machen lassen!" Aber es sollte nicht die letzte ungeplante Ausgabe bleiben...
 
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Bin brav bei der Arbeit, aber heute Abend werde ich wieder den Hemingway geben. ;)
 
@Jackpot Bilder wird es (vielleicht) sehr wenige geben. Das entscheide ich dann beim Schreiben des jeweiligen Beitrages.

Dann mache ich mich mal an den nächsten Teil.
 
Reisevorbereitungen Teil 2:

Gegenüber von der Apotheke gibt es einen Apollo-Optik. Ich hatte ja noch meine Kontaktlinsen im Visier (nettes Wortspiel). Also bin ich gleich da rein und entdeckte als frisch Geschröpfter ein Angebot: "Kontaktlinsen kostenlos beim Kauf einer Brille". Nachdem ich mir unverbindlich ein Angebot für eine neue Brille erstellen lassen habe, fragte ich nach Kontaktlinsen. Eine kurze Augenprüfung später wurden die (ersten) Testlinsen bestellt. Ich bekäme eine SMS, sobald diese abholbereit wären. "Na, das lief ja glatt!"

Ich überlegte kurz, mir im Fotostudio biometrische Passbilder für die noch zu beantragenden Führerscheine machen zu lassen. Aber mein Arbeitgeber macht für innerbetriebliche Ausweise selber biometrische Fotos der Mitarbeiter und man kann diese für 50 Cent das Stück nachmachen lassen. "Supi, ungefähr n ST gespart!" Ich begann, schon langsam in anderen Währungseinheiten zu denken.

-14 Tage bis Abflug-

Am nächsten Tag direkt auf der Arbeit zwei Passfotos nachbestellt. Es waren noch gut zwei Wochen bis zum Abflug und in der Regel dauert das 1-2 Tage.

Mit meiner Familienpackung an Impfungen bin ich dann zum Betriebsarzt weitergezogen. In freudiger Erwartung zukünftiger Unverwundbarkeit machte ich meinen Oberarm frei...doch der Arzt hatte noch Einwände. "Wir werden die Impfungen aufteilen. Sie bekommen heute zwei und nächste Woche weitere zwei. Dann haben Sie erstmal den Schutz für den Urlaub. Die restlichen verabreichen wir Ihnen nach dem Urlaub, um die Langzeitwirkung zu erzielen.", erklärte er mir. Nachdem er die zwei Ampullen (Typhus und Tollwut No.1 waren es, glaube ich) wie ein "rein durch Ernährung und Training aufgeblähter" Bodybuilder in den Muskel gespritzt hatte, machte er mich noch auf mögliche Nebenwirkungen aufmerksam..."Wie, grippeähnliche Symptome? Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber usw.?! Yeah, ich möchte n geilen Urlaub und komme da erstmal völlig im Arsch an!" Das Angebot, die übrigen Impfstoffe im dortigen Kühlschrank aufzubewahren, nahm ich dankend an.

Meine To-Do-Liste war in Bearbeitung und ich voll im Zeitplan.

Als Freund des gepflegten Kurzhaarschnittes machte ich noch einen Friseurtermin als letzte "Amtshandlung" für den Tag meiner Abreise aus (der Flug sollte erst um 21:30 Uhr gehen). Ich machte mir zwar kurz über die Anwendung meiner eigenen Schermaschine Gedanken, verwarf die Idee aber wieder und schob sie auf, bis das Knie deutlicher durchkommt.

Da ich seit meinem letzten Umzug noch keinen neuen Zahnarzt in der Nähe hatte, half Onkel Google wieder nach. Einzig möglicher Termin vor meinem Urlaub beim auserwählten Doc meines Nicht-Vertrauens war der letzte Freitag vorm Abflug. "Passt schon. Fünf Tage bevor ich fliege. Da kann die Wundheilung noch ihre Arbeit tuen, so dass mir nicht bei 10.000m Reisehöhe das Gebiss zu bluten anfängt."

-11 Tage bis Abflug-

Am Ende der Woche fragte ich wegen meiner Passfotos nach. Keine Fotos, sondern folgende Auskunft erhielt ich:"Die Fotografin war nicht da. Deswegen sind die Fotos noch nicht fertig. Ich rufe Sie an, sobald sie fertig sind." Ich blieb freundlich und bedankte mich für die Auskunft. Schließlich würde es zu Beginn der nächsten Woche auch noch reichen...knapp...aber es würde reichen. Dennoch fragte ich mich, ob man mittlerweile ein Diplom des MIT of Photography brauche, um ein vorhandenes digitales Bild zweimal auszudrucken. Scheinbar schon.

Im Laufe des Tages meldete sich mein Handy mit einer SMS von Apollo. Also ging ich direkt nach Feierabend hin. Ich möge die Linsen doch sofort einsetzen und eine halbe Stunde durch die Gegend laufen, um zu testen, wie das Ergebnis sei. Ich wurde zum Hände waschen gebracht und mir wurde erklärt, wie ich die Teile einzusetzen habe. Etwas nervös aufgrund der Operation am offenen Auge gelang es mir doch recht fix, die Linsen einzusetzen. Da ich Hunger hatte, stiefelte ich zum nächsten China-Imbiss (ein bisschen asiatisches Feeling aufkommen lassen) und bestellte...die Nummer 6...das war das Einzige, was ich auf der übergroßen Speisekarte hinter dem Tresen erkennen konnte. Es sah aus wie gebratene Nudeln, aber die Bezeichnung konnte ich nur erahnen. Als ich den Teller gereicht bekam, dachte ich "auch ein blindes Huhn...". Frisch gestärkt schlenderte ich weiter an den Läden vorbei, aber die Sicht wurde nicht besser und ständig hatte ich das Gefühl, jemand hätte mir eine Prothese für Özil-Augen eingesetzt.
Zurück im Apollo verlieh ich meiner Enttäuschung Ausdruck. Eine weitere Augenprüfung später wurden neue Linsen mit anderen Werten und anderem Fabrikat bestellt. Same procedure as every year.

-8 Tage bis Abflug-

Es war Montag meiner letzten Arbeitswoche. Nachdem ich von den ersten Impfungen keinerlei Nebenwirkungen gespürt hatte, ging ich frohen Mutes zum Betriebsarzt...und stieß gegen eine verschlossene Tür. "Von 14.-16.10.2013 geschlossen", prangte ein einfach ausgedrucktes Schild vor meiner Nase. "Wie jetzt? Na gut, gehe ich halt zu nem normalen Doc."...ratter, ratter, ratter..."Ja, scheiße...die Impfstoffe liegen da drin irgendwo!" Kurz starrte ich auf die Glastür wie ein Kind durch das Schaufenster auf ein Spielzeug, für das das Taschengeld nicht reicht. "Am Donnerstag bin ich selber nicht vor Ort. Da bleibt nur der Freitag!" Zur moralischen Unterstützung entdeckte ich ein weiteres Schild "18.10.2013 - Augenuntersuchung". "Ok, dann muss ja jemand da sein." Als gläubiger Atheist noch ein kurzes Stoßgebet im Geiste sprechend machte ich kehrt und versuchte später mein Glück bezüglich der Passfotos.

Ich VERSUCHTE mein Glück. Sie waren natürlich nicht fertig! Immer noch freundlich, aber anscheinend doch nicht überhörbar gereizt, machte ich der Dame verständlich, dass ich die Fotos spätestens am nächsten Tag bräuchte. Auch freundlich, und dennoch ebenso wenig überhörbar gereizt, bekam ich das Versprechen zurück, sich zu bemühen.
 
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@AndreasT Bin ja auch nur Immi hier in Köln und außer der KEC-DEG-Feindschaft pflege ich keine üblichen Kölner "Gesetze" ;)

@Hanky Dann besorg Dir mal Nachschub, denn Fussball ist langweilig, also gibt's noch was zu lesen heute Abend *an der Kulispitze leck*
 
Reisevorbereitungen Teil 3:

-7 Tage bis Abflug-

Ich brauchte unbedingt die Fotos, um wenigstens mit der Express-Lieferung noch an die nötigen Führerscheine zu kommen. Somit war ich früh bei der Kollegin und siehe da: sie hatte zwei kleine bunte Geschenke für mich. Zu den Kosten von 1,- € dachte ich über ein Tip nach...Moment, das hatte ich zwar im Forum gelesen, war aber, glaube ich, für andere Situationen gedacht. Nun gut, glücklich mit den beiden Bildern bewaffnet ging es schnurstracks zu meiner zuständigen Stadtverwaltung. Unterwegs betrachtete ich die Bilder nochmals, ob die Fertigungsdauer gegebenfalls auf eine Bearbeitung durch Photoshop zu meinen Gunsten begründet werden konnte. Negativ!
In der -wie gewohnt- einladend gestalteten Vorhalle einer deutschen Behörde angekommen, meldete ich mich bei der Information. Hier zur Vereinfachung der Dialog mit der Dame aus dem Gedächtnis:
"Guten Tag!"
"Hallo, ich möchte gerne einen EU- und einen internationalen Führerschein beantragen."
"Das dauert 4-6 Wochen!"
"Ich dachte, das ginge auch per Express-Lieferung für einen zusätzlichen Obulus?!"
"Ja, richtig. Haben Sie denn zwei Passfotos dabei?"
"Jep!"
"Ihren alten Führerschein?"
"Jep!"
"Ist Ihr alter Führerschein in Köln ausgestellt worden?"
-kurzes Stutzen meinerseits-
"Nee, in Karlsruhe."
"Dann brauchen wir einen Karteikartenauszug!"
"Was?"
"Wir brauchen einen Karteikartenauszug von der Stelle, wo Ihr Führerschein ausgestellt wurde!"
"Bitte? Wozu das denn? Ich hatte mich extra vorher im Internet erkundigt, was ich benötige, und da stand nix davon!"
"Wir haben keinen Zugriff auf Ihre Daten und benötigen daher einen Karteikartenauszug!"
Bevor ich mein spontan designiertes persönliches Unwort 2013 "Karteikartenauszug" nochmal hören musste, drehte ich mich um und zog mit einer Mischung aus Unverständnis, Wut und Ratlosigkeit von dannen. "So eine verfi..*piep* Scheiße. Ich glaub's ja nicht. Den Roller kann ich mir doch in die Haare schmieren. Zum Glück liegt das Lamai Inn laut Karte und Bewertungen so gut, dass alles fußläufig zu erreichen ist, und zur Not nehme ich n Taxi."

Am Nachmittag erhielt ich wieder die Benachrichtigung von Apollo. Tadaa, da stand ich wieder...zum dritten Mal in kurzer Zeit...vor dem dritten Mitarbeiter. Dieser drückte mir nur die Kontaktlinsen in die Hand und ließ mich mit einem "Auf Wiedersehen" alleine. Na gut, wie sie reingehen, weiß ich. Das Rausmachen wird wieder ein Akt (ich hatte im letzten Teil vergessen zu erwähnen, dass ich beim Rausfummeln unter Aufsicht des Verkäufers kurz davor stand, meine Augäpfel soweit reinzudrücken, dass ich sie als Mandel Nr. 3 und 4 im Rachen hätte begrüßen können. Und der Verkäufer mich mit neunmalklugen, aber nicht hilfreichen, Sprüchen bis aufs Blut reizte).

-6 Tage bis Abflug-

Morgens rein mit den Kontaktlinsen, die Brille zur Sicherheit auch eingepackt und ab zur Arbeit. Die Linsen waren ein bisschen besser, so dass ich nicht vollkommen unbeholfen durch die Gegend torkelte, aber das Gelbe vom Ei war das ganz sicher nicht. Also wartete ich auf die Ladenöffnung und stand auch pünktlich wieder im Apollo-Geschäft. Huch, da erwartete mich ein neues Gesicht....vierter Besuch...vierter Verkäufer. Ich ratterte die Historie runter und versuchte nicht zu verschleiern, dass ich genervt und mit dem Service nicht zufrieden war. Ich mach's kurz: erneute Augenprüfung (allerdings wesentlich umfangreicher), Hilfe bei der Entnahme der Linsen (nachdem ich wieder aussah wie 90% der Kinobesucherinnen von "Titanic") und ein Namensschild mit dem Zusatz "Filialleiter" (was ich mit Brille dann erkennen konnte). Ohne viel Hoffnung den Tag hinsichtlich Reisevorbereitungen abgehakt.

-4 Tage bis Abflug-

Der Zahnarzttermin stand an. Um Euch nicht die Lust am Weiterlesen zu nehmen, verzichte ich an dieser Stelle auf Einzelheiten der Prozedur. Ergebnis war die Behandlung der sich bewahrheiteten Entzündung und eine neue provisorische Füllung, wo später eine Krone rübersoll. Grundsätzlich fühlte ich mich diesbezüglich gut für den Urlaub vorbereitet...zu diesem Zeitpunkt...

Im Anschluss noch den letzten Tag bei Arbeit rumbringen, aber vor allem auch noch die ausstehenden Impfungen abholen...das war mein Ziel für den Tag. Als ich dann beim Betriebsarzt erschien, empfing mich eine Schlange wartender Menschen. "Klar, die Augenuntersuchung...wenn es was umsonst gibt, sind sie alle vorne mit dabei...hmm...nur Kollegen und Vorgesetzte, die mind. das Doppelte von mir verdienen...typisch. Aber hier zwei Stunden anstehen, tue ich nicht. Der Doc wird mir doch wohl die zwei Spritzen mal kurz nebenbei reinjagen können." Dumme Gesichter begleiteten mich durch den Flur bis ich mich in die einzige offene Tür drängte. Ich erklärte der Arzthelferin, dass ich keine Augenuntersuchung benötigte (nein, wirklich nicht nach den letzten Tagen), und machte meinen Wunsch nach Impfungen deutlich. "Der Arzt ist krank." Kurzzeitig kam mir der Gedanke, ob eine höhere Macht nicht möchte, dass ich den Urlaub antrete. "Können Sie mir die Spritzen verpassen? Zur Not mache ich das auch selber! Heute ist der letzte mögliche Tag, bevor ich in den Urlaub fliege!" Meinem gekonnten Dackelblick konnte sie wohl nicht widerstehen und willigte ein, wenn ich ihr unterschreibe, dass ich sie nicht verklage, falls ich mich danach in amphibischen Urschleim verwandeln sollte. Also kritzelte ich etwas Entsprechendes auf ein leeres Blatt Papier (meiner Handschrift nach hätte ich selber Arzt oder Jurist werden sollen). Zack, rein mit dem Stoff und wieder an den dummen Gesichtern vorbei.

-1 Tag bis Abflug-

Der Sohn des Zeus meldete sich per SMS. Kurz zusammengefasst: 100% Sehstärke und kostenloses Pflegemittel trugen zur euphorischen Vorfreude auf den nächsten Tag bei...aber noch war ich ja nicht am Ziel meiner (feuchten) Träume...



Demnächst in Ihrem Kino: Tag des Abfluges und Anreise
 
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Tag des Abfluges und Anreise:

Dienstag, 22.10.2013. Da war er, der große Tag.
Um 21:30 Uhr sollte meine Maschine in Düsseldorf abheben und von Köln aus hatte ich nicht wirklich eine weite Anreise. Ein Freund wollte mich fahren, musste mich aber schon um 16:30 Uhr abholen. Das war mir aber egal. Zum einen hatte ich keine Lust, mich mit dem Koffer in öffentlichen Verkehrsmitteln rumzuquälen, und zum anderen bin ich gerne an Flughäfen.

Ich erwachte am Morgen, immer noch im Rhythmus des Arbeitstrotts, mit Blick auf meinen gepackten Koffer und musste Grinsen, wie ein Kind, dass sich an Heiligabend fragt, ob der Weihnachtsmann schon da war und die Geschenke abgeliefert hat. Bis zu meinem Friseurtermin am Mittag überprüfte ich nochmal meine To-Do-Liste:
Reisepass - check
Kreditkarte (+200,-€ in bar als Notreserve) - check
Int. Führerschein - "Karteikartenauszug...Da krieg isch Plack!...Egal, packe ich halt den rosa Lappen ein. Vielleicht akzeptieren die den auch."
Impfungen - check
Kontaktlinsen - check
Zähne - check
...
Ich war bereit!

Später beim Friseur bat ich um einen "luftigeren" Schnitt als sonst und verließ mit kaum erkennbaren Haupthaar zufrieden den Salon.
Noch ein bisschen stärken war angesagt. Knapp 100 Kilo wollen versorgt sein. Im Kühlschrank geschaut, was noch weg kann, und rein damit. Als ich fertig war, hatte ich noch irgendwelche Fleischreste zwischen den Zähnen. Vor dem Fernseher noch ein wenig rumgelungert und mit der Zunge versucht, mein Gebiss von dem Fremdkörper zu befreien. Irgendwann entschloss ich mich doch, die Unterstützung eines Zahnstochers in Anspruch zu nehmen. "Wunderbar...raus ist es.......ups........WAS IST DAS??.......verfluchte Scheiße!!!" Ich hatte die neue, provisorische Füllung in zwei Teilen im Mund und spürte mit der Zunge das Loch, gefühlt so groß wie ein Vulkankrater. Mein panischer Blick auf die Uhr --> 15:30 Uhr, eine Stunde bis Abfahrt. Ich wusste gar nicht, ob die Zahnarztpraxis noch geöffnet hatte, und eilte dorthin. Laut Beschriftung wird dienstags nur nach vorheriger Terminvereinbarung behandelt. Ich trat ein und machte der Zahnarzthelferin mit meinem unwiderstehlichen Charme meine besondere Situation klar. Zumindest konnte ich schon mal bleiben. Im Wartezimmer textete ich meinem Freund und hoffte, dass er gegebenfalls für mich seinen Termin sausen lassen würde. Kaum abgesandt, wurde ich einen Behandlungsraum gebeten. Dort direkt dem Doc auch nochmal die, doch leicht unter Zeitdruck befindliche Situation, erklärt. "Kein Problem!" Zack, vier geschickte Hände machten sich ans Werk und ich war um 16:00 Uhr fertig. In der Hoffnung, dass es diesmal länger als fünf Tage halten würde, ging es zurück nach Hause, kurz noch unter die Dusche, die Sachen geschnappt und wieder vor die Tür. Da stand auch schon mein Freund...wie selbstverständlich begrüßte er mich...die Trantüte hatte meine Texte gar nicht gelesen. Als er sich aufgrund eines Staus dann für einen Umweg entschied, der uns im Endeffekt noch mehr Zeit gekostet hat, war ich tiefenentspannt. Schließlich hatte ich jetzt mehr Zeit als genug. Kurz vor 18:00 Uhr schmiss er mich am Flughafen Düsseldorf raus. Erstmal auf den Koffer gesetzt und genüsslich eine geraucht. "Jetzt kann es losgehen und eigentlich auch nur besser werden!"

Im Terminal informierte ich mich erstmal. Check-In ab 19:30 Uhr, da konnte ich noch gemütlich einen Milchkaffee schlürfen. Nachdem ich meine Koffeindosis intus und mit musikalischer Untermalung durch meinen iPod die Leute beobachtet hatte, machte ich mich zum Check-In-Schalter auf. Dort angekommen, begrüßte mich ein Stewardess von Etihad Airways. "Ja, bitte den Koffer bis Koh Samui durchchecken!" Ich hatte geplante Aufenthalte in Abu Dhabi und Bangkok, die zu kurz waren, um dort den Transferbereich zu verlassen. Vor allem kannte ich mich dort auch nicht aus. Sie klimperte auf Ihrer Tastatur..."hmm?"...klimperte wieder..."hmm?". Ich hatte nur den Emailausdruck von meinem E-Ticket und erwartete schon die Frage nach einem "ordentlichen" Ticket. Aber das war es nicht. "Ich kann Sie nicht für den Flug von Bangkok nach Koh Samui einchecken." "Und das heißt?" "Das weiß ich jetzt auch nicht." Nachdem sie erfolglos einen Kollegen um Hilfe gebeten hatte, vertröstete sie mich und dampfte mit meinem Reisepass und dem Ausdruck ab. "Ich ruf mal für Sie in Abu Dhabi an und kläre das." Als Newbie fing in der halben Stunde, die ich wartete, das Kopfkino wieder an. "Was mache ich, wenn das mit dem Weiterflug nicht klappt? Stehe ich auf der thailändischen Terrorliste? Wie kontaktiere ich das Hotel, dass ich erst einen Tag später anreise? Kann irgendwas mal glatt laufen?!?! Gleich kommt die Tussi zurück, hat meinen Reisepass nicht mehr und behauptet, sie hätte ihn nie gehabt." Schließlich kam sie wieder zurück...mit meinem Reisepass und dem Ticketausdruck. "Der Flug ist im System, aber ich kann sie nicht einchecken. Die Kollegen in Abu Dhabi konnten mir auch nicht weiterhelfen. Sie müssten dann in Abu Dhabi zum Transfer Desk." "Ok, danke."

Zumindest würde ich schon mal bis nach Bangkok wie geplant kommen. Bevor ich durch die Sicherheitskontrollen ging, wollte ich nochmal was essen. Das Leberkäs-Brötchen wurde dann nur einseitig gekaut, um ein erneutes Missgeschick zu vermeiden. "Hey süße Bedienung, was kostet ShortTime?" Ja, meine Stimmung wurde wieder besser.

Sicherheitskontrolle, Wartebereich, boarding und ich saß auf meinem gewünschten Fensterplatz. Ich weiß nicht, welcher Typ Maschine das war, aber die Reihen war in 2-3-2 Sitzen aufgeteilt. Also war neben mir ein Platz zum Gang. Es waren nicht alle Plätze restlos belegt, soweit ich das überschauen konnte, und über die Lautsprecher konnte man vernehmen, dass das boarding abgeschlossen war. "Hey, sehr geil. Erste Teilstrecke schon mal seitlich etwas Platz." Es liefen noch ein paar weniger Passagiere durch die Gänge, aber das Glück hatte ich mir verdient...da kam in meinem Gang die mit Abstand dickste Passagierin des Fluges immer weiter durch. "Nein, bitte, nicht hierhin! Bin doch selbst nicht der Schmalste, aber das muss wirklich nicht sein." Plumps, quetsch und noch ein bisschen Nachdruck bis der Oberschenkel zur Hälfte unter der Armlehne durchkam...hallo Sitznachbarin. "40.000 im Stadion und wer kriegt den Ball an den Kopf?!?"
Jedem das Seine, aber mein Ding ist es nicht, mich an einen wohlig weichen Oberarm anzulehnen. Also war in den ersten 6,5 Stunden Flug nicht an Schlaf oder wenigstens Entspannung zu denken.

Zwei Filme und ein paar Folgen Big Bang Theory später landeten wir in Abu Dhabi. Trotz allem gewann das Urlaubsfeeling immer mehr die Oberhand. "Uuuuurlaaaaauuuub...hoffentlich wird es so, wie ich es mir vorstelle." Bevor ich meine Nikotinsucht befriedigen konnte, wollte ich erstmal zum Transferdesk. Ok, ein unbekannter Flughafen und keine Information gesichtet. Aber ich bin ja schon 3x6 Jahre alt und fand dann auch irgendwann den Transferdesk von Etihad Airways. In meinem eingerosteten Englisch erklärte ich dem Herren das Problem. "Sorry, dass ich Dich anspreche und anscheinend als dummer Tourist es nicht hätte wagen dürfen, Dich um die Durchführung Deiner Arbeit zu bitten." Er hackte kurz auf seiner Tastatur rum und ärgerte sich dann anscheinend, dass er kein Leben mehr für Pacman über hatte. Zumindest kam nur die Antwort, dass ich das in Bangkok klären müsste. "Ok, dann hätte ich auch die männliche Klofrau auf Deutsch fragen können..."
Als ich nach gefühlten zwei Kilometern Fußmarsch so eine Raucherkabine entdeckte und eintrat, überlegte ich -selbst als Raucher und nach ca. 10 Stunden Nikotinentzug-, ob ich mir noch eine anstecken sollte. Trotzdem getan...dummer Suchti...und ab zum Gate. Dort wartend entdeckte ich den Brummer vom vorangegangen Flug, augenscheinlich war sie auf dem gleichen Weiterflug gebucht. Ich stellte mich schon darauf ein, wieder die A-Karte zu ziehen, so konnte ich keine böse Überraschung erleben. "Die kriegt nach der LongTime dann aber kein Tip!"

Warten, boarding und am Gang hingepflanzt. Keine Erschütterung spürbar. Der Brummer musste woanders sitzen. Letztendlich hatte ich dann ein junges Pärchen neben mir sitzen. Außer, dass sie das Klischee "Frauen müssen jede Stunde pinkeln" erfüllte, war es ok. Nur die Klimaanlage im Flieger schien auf "ganz schön frisch" eingestellt gewesen zu sein. Nachdem die Hälfte der Passagiere schon vor dem Start in ihre Decke eingemummelt waren, fragte ein Mann nach, ob das denn so kalt bliebe. Das wäre normal so, gab sie freundlich Auskunft (das war es nicht, sollte ich auf dem Rückflug mit der Etihad-Maschine feststellen). Ich hielt als natürliches Heizkissen recht lange durch, aber wollte mich dann doch nicht erkälten, so dass auch ich irgendwann meine Kapuzenjacke überzog und die Decke zusätzlich nutzte. Schlafen war wieder nicht angesagt...zu kalt und ständig die Konfirmandenblase neben mir.

Bangkok war erreicht. Ich betrat zum ersten Mal Boden im so hochgelobten LoS. Nach kurzer Orientierung hatte ich das Gefühl, dass der Architekt des Flughafens sich an kanadischen Highways orientiert hatte...immer geradeaus bis zum Horizont. Zwischendurch hatte ich dann schon eine nette Begegnung mit einem thailändischen Flughafenmitarbeiter, der sich mit mir eine Raucherlounge teilte. Am anderen Ende des Flughafens angekommen, ging ich zum Schalter von Bangkok Airways. Mein Flug sollte um 20:00 Uhr Ortszeit abheben. Nebenan stand ein Pärchen und ich bekam nur Bruchstücke des Gesprächs mit: "cancelled"..."next flight"..."tomorrow". Als ich dem Herrn hinter dem Tresen meine Unterlagen reichte (er hat mich erwartungsgemäß mit einem Lächeln begrüßt), teilte er mir mit "The same problem". Mein Flug war gestrichen worden und nach seiner Aussage ginge jetzt mein Flug um "seven fourtyfive". Leicht geschockt fragte ich nach: "My flight is cancelled and i have to wait til tomorrow?". Weiterhin freundlich lächelnd konnte er mich beruhigen. Mein neuer Flug ginge eine Viertelstunde früher, also um 19:45 Uhr. "Puh, da hatte ich mich wohl nur nebenan verhört."

Warten, boarding und Fensterplatz besetzt. Der Flieger war -selbst aus zwei Flügen zusammengelegt- noch nicht einmal halb voll (scheinbar das Los der Nebensaison?). Aber so hatte ich zumindest einen 3er-Sitz für mich allein.
Die ein oder andere Gewitterwolke ließ das Flugzeug ein wenig hüpfen, aber ansonsten alles gut. Im Anflug auf Samui leuchteten die Straßen und Bars bunt. "Irgendwie bin ich jetzt gefühlt 20 Stunden im Dunkeln unterwegs gewesen." Jeden Moment sollte ich da sein. Irgendwie war ich positiv aufgeregt und freute mich auf die feuchte Wärme. (Jaja, ich war ERregt und freute mich auf die feuchte Wärme. Nene, das kam später.)

Der Transfer vom Flieger zum Terminal war schon witzig mit dieser Erlebnispark-Tram und der komplett offene und kleine Terminal ließ mich die ersten Eindrücke aufsaugen. (Jaja, ich wollte einen reindrücken und es aufsaugen lassen. JETZT ist aber gut!!!)
An der Gepäckausgabe stand schon ein niedliches Thaimädel und hielt ein Schild mit meinem Namen in die Luft. Ich hatte im Vorfeld den Transfer zum Hotel über selbiges gebucht. "Na, das klappt ja wunderbar. Und gleich so eine niedliche Chauffeuse!" Ich ging auf sie zu und sie erklärte mir, dass mein Gepäck aus Bangkok nicht mitgekommen sei. Ich solle doch mitkommen, um ein paar Dinge zu klären. "Nix Chauffeuse und auch kein Gepäck. Renn ich halt 3 Tage bei 30° mit der gleichen langen Hose rum...Nee, muss ich mir halt morgen gleich n paar Klamotten kaufen, soll ja auch billig sein." Zumindest hatte ich bereits die zweite Chance, mich mit dem Thai-Englisch anzufreunden. Während ich ein Formular ausfüllte, erklärte sie mir, dass noch ein Flug an diesem Abend ankäme und normalerweise das Gepäck dann dabei sein sollte. Es würde dann ins Hotel nachgeliefert werden.

Ich dackelte dann wie ein Schuljunge nur mit meinem Rucksack zu den ausgeschilderten Abholplätzen. Mir wurde auch freundlich der Weg gewiesen, wo ich die bereits vorbestellte Transfers finden würde. Da stand dann auch meine Mitfahrgelegenheit. "Shit, vielleicht hätte ich aufs Gepäck warten sollen, in der Hoffnung mit dem Mäuschen mitzufahren. Das hier ist jedenfalls kein Mäuschen!" Mein Fahrer wirkte auch etwas verwundert, dass ich nur mit einem kleinen Rucksack vor ihm stand, aber er fragte auch nicht weiter nach. Der dumme Deutsche wollte dann erstmal als altes Gewohnheitstier vorne rechts einsteigen, als der Taxifahrer die hintere linke Tür für mich öffnete. "Ok, jetzt kannst Du auch das FirstTimer-Schild an die Stirn pappen!" Während ich im Dunkeln versuchte, so viel wie möglich an ersten Eindrücken aufzunehmen, sagte ich, dass ich noch Geld bräuchte. Sein Englisch war anscheinend nicht sehr ausgeprägt, aber "ATM" verstehen sie ja alle. Also hielt er an einem beleuchteten Geldautomaten neben einem...ich würde sagen...Kiosk aus Holz und Pappe. Auch eine interessante neue Erfahrung für den Newbie. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es so gut war. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte oder was passiert wäre, wenn er mich an einem Geldautomaten direkt zwischen einem Massagesalon und einer Bar rausgelassen hätte. Direkt mal 10.000 Baht abgehoben, um einen Grundstock für die nächsten Tage zu haben...dachte ich.
Am Hotel angekommen konnte ich dem Taxifahrer kein Tip geben, weil der Automat nur 1000er ausgespuckt hatte. Daran hatte ich nicht gedacht. Typische Newbie-Erfahrung wahrscheinlich? Der Check-In verlief problemlos und ein Sicherheitsmitarbeiter führte mich zu meinem Bungalow. Auch ihm konnte ich kein Trinkgeld geben. Nachdem er auch ein paar Momente in Erwartung des Tips stehen blieb und ich ein wenig in Verlegenheit kam, versuchte ich ihm zu erklären, dass ich kein Geld hätte. "No popem...come" Und schon dackelte die quarkbraune Langnase hinter dem Sicherheitsmitarbeiter her. Er schwing sich gleich auf einen Roller und deutete mir aufzusteigen. "Hatte ich nicht irgendwas wegen Helmpflicht gelesen?" Egal, druff und ab ging die Reise zu einem Geldautomat (im Laufe des Urlaubs stellte ich fest, dass es nicht der nächste war. Auch nicht der zweitnächste....warum auch immer). Ran an den Automat, Karte rein und einen krummen Betrag eingegeben. Der Automat erzählte irgendwas von ungenügender Deckung. "Hä? Ist wohl nicht mehr drin als 10.000 Baht am Tag." Die Blöße wollte ich mir nicht geben und zeigte ihm die Tausender im Portemonnaie und sagte, dass ich es wechseln müsste. "No popem" Und wieder aufgestiegen, ein paar Meter weiter und an einer Wechselstube sagte er etwas zu der Dame hinter der Scheibe. Ich reichte ihr einen Tausender und bekam kleinere Scheine. "Mensch, wirklich freundlich und dienstleistungsorientiert hier." Zurück am Hotel überlegte ich, wieviel ich ihm geben sollte. Noch überhaupt kein Gefühl für die Währung und die üblichen Trinkgelder, gab ich ihm 200 Baht. Er machte mir noch klar, dass, wenn ich eine weibliche Begleitung haben wolle, er mir da gute Mädels besorgen könne...1500 ST und 2000 LT. Ich lächelte und verwies auf die nächsten Tage vielleicht. Später im Bungalow dachte ich mir, dass das Trinkgeld gar nicht wenig war. Naja, ich sollte noch etwas Zeit brauchen, um ein Gefühl für die Währung zu bekommen.

Kurz in Deutschland für 3 Euro/Min. angerufen, um meine Ankunft durchzugeben, und schon hatte ich ne SMS "15,- Euro für 24 Stunden Internet". "Ist klar! Die haben den Schuss doch nicht gehört. Irgendwas hatte ich im Forum wegen ner Thai-SIM gelesen. Morgen erstmal zu nem Inet-Cafe und nachlesen." Da klopfte es an der Tür...mein Koffer. "Jawoll, endgültig angekommen. Umziehen und noch ne Runde drehen!" Trotz jetzt nahezu 40 Stunden ohne Schlaf wollte mich meine jugendliche Neugier unbedingt nochmal Richtung Nachtleben bewegen. Also kurz frisch gemacht, was anderes übergeworfen und los ging's.........
 
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