So Leute,
vorgestern habe ich noch mit meiner Bekannten aus Bangkok geschrieben. Sie kommt mich ja am ersten Wochenende in Pattaya mit ihrer kompletten Familie besuchen, insgesamt acht Personen. Sie freut sich riesig darauf, weil sie mit ihrer Familie noch nie so einen gemeinsamen Ausflug gemacht hat. Normalerweise wäre so etwas aus finanziellen Gründen gar nicht drin. Umso mehr freut es mich natürlich, dass wir das jetzt gemeinsam hinbekommen und sie ein paar schöne Tage mit ihren Eltern, Geschwistern und den anderen Familienmitgliedern verbringen kann.
Am meisten habe ich mir ehrlich gesagt Gedanken über die ganze Logistik gemacht. Mit neun Leuten inklusive mir wird das mit Bolt und normalen Taxis nämlich schnell sportlich. Da fängt man direkt an zu rechnen. Wer fährt mit wem, braucht man zwei Autos oder sogar drei, wer wartet wo und wie lange? Gerade in Pattaya kann das schnell unnötig kompliziert werden.
Aber manchmal spielt einem das Leben die Karten genau richtig zu.
Ihr Vater hat früher Klimaanlagen repariert. Irgendwann hatte er darauf aber keine Lust mehr. Stattdessen wollte er lieber Schulkinder zur Schule fahren. Warum auch immer, manchmal haben Menschen eben ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie gerne machen möchten.
Jedenfalls hat Joy deshalb einen neuen Toyota-Minibus mit 15 Sitzplätzen gekauft, damit ihr Vater damit Schulkinder fahren kann. Als ich den Preis gehört habe, musste ich erst einmal nachfragen. Umgerechnet ungefähr 12.500 Euro, neu wohlgemerkt.
Da kann man als Deutscher eigentlich nur den Kopf schütteln, wenn man sieht, was hier mittlerweile für Autos aufgerufen wird. Und wenn ich mir den Toyota so anschaue, würde ich wetten, dass der auch in 20 oder 30 Jahren noch seinen Dienst verrichtet. Da ist nicht die ganze unnötige Elektronik verbaut, kein AGR-System, kein Rußpartikelfilter und kein sonstiger Schnickschnack, der ständig irgendwelche Fehlermeldungen produziert. Wahrscheinlich fährt das Ding noch zuverlässig durch die Gegend, während bei manchen unserer modernen Autos längst die Elektronik verrücktspielt und die ersten teuren Reparaturen anstehen.
Für mich bedeutet das jedenfalls, die Transportfrage ist komplett gelöst. Der Bus wurde direkt für den Familienausflug beschlagnahmt und wir können alle zusammen unterwegs sein, ohne ständig überlegen zu müssen, wie wir von A nach B kommen.
Dann gibt es aber noch die andere Baustelle.
Mona ist mittlerweile schon in Bangkok angekommen. Sie hatte vor kurzem mit Joy telefoniert und Joy hat sich wohl etwas verplappert. Mona wusste zwar, dass ich wieder nach Thailand fliege, aber sie kannte das genaue Datum nicht.
Eigentlich war das auch gar kein Problem, denn Mona und ich haben nie den Anspruch gehabt, ständig miteinander zu telefonieren. Mal sprechen wir zweimal die Woche, mal viermal, meistens irgendwo dazwischen. Manchmal ruft sie mich an und ich melde mich erst einen oder sogar zwei Tage später zurück. Sie ist dann zwar immer ein bisschen traurig und sagt mir natürlich, dass sie mich vermisst, aber ernsthafte Diskussionen oder Stress gab es deswegen nie.
Deshalb bin ich ehrlich gesagt fest davon ausgegangen, dass ich die erste Woche in Thailand erst einmal ganz entspannt alleine verbringen würde. Einfach ankommen, den Kopf freibekommen, wieder in den Rhythmus kommen, ein bisschen durch Pattaya laufen, die ersten Gespräche führen und einfach genießen, dass man wieder da ist. Danach hätten wir uns dann wie immer ganz unkompliziert getroffen.
Dank Joy sieht der Plan jetzt allerdings etwas anders aus.
Mona hat offenbar beschlossen, auf Nummer sicher zu gehen und ist vorsichtshalber schon nach Bangkok gereist. Jetzt wartet sie dort natürlich auf meine Ankunft. Da muss ich mal schauen, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme. Einerseits freue ich mich natürlich, sie wiederzusehen. Das steht außer Frage. Andererseits hätte ich wirklich gerne wenigstens die erste Woche komplett für mich gehabt, einfach um in Ruhe anzukommen und den Schalter von Deutschland auf Thailand umzulegen.
Aber wie so oft im Leben kommt es eben anders, als man denkt.
Eigentlich ist das ja auch genau das, was Thailand für mich immer ausmacht. Man plant etwas, glaubt einen groben Überblick zu haben und am Ende entwickelt sich alles völlig anders. Und wenn ich ehrlich bin, sind genau daraus oft die besten Geschichten entstanden.
Gestern habe ich außerdem noch kurz mit Stephan vom Bramburi Biergarten in Naklua geschrieben, um abzuklären, was er definitiv noch an Mitbringseln braucht. Ich habe bei Condor einen 20-Kilo-Koffer dabei, den ich für mich selbst eigentlich gar nicht benötige. Außer ein paar Klamotten nehme ich ohnehin nicht viel mit. Das meiste bekommt man dort günstiger als hier und deshalb halte ich es für Unsinn, den halben Hausstand mitzuschleppen. Der Koffer ist deshalb praktisch komplett für Mitbringsel und Sachen von anderen reserviert.
Außerdem habe ich noch mit der Tante von Joy telefoniert. Sie möchte ihrer Nichte noch ein paar Dinge mitschicken. Die werde ich am Montag abholen. Dann wird am Montag und Mittwochmorgen ganz entspannt gepackt.
Anschließend geht es nach Frankfurt. Dort kann ich mein Auto wie immer bei einem guten Freund abstellen, der dort ein Haus hat und freundlicherweise immer einen Parkplatz für mich freihält.
Besonders freue ich mich darauf, dass noch ein Kumpel aus dem Motorsport vorbeikommen wird. Er ist bei der Bundeswehr und aktuell in der Nähe stationiert. Deshalb nutzen wir die Gelegenheit, uns vor meinem Abflug noch einmal zu treffen. Er holt mich bei meinem Freund ab und dann schauen wir einfach, wie viel Zeit bis zum Check-in noch bleibt. Auf jeden Fall werden wir noch gemütlich ein Bier zusammen trinken. Darauf freue ich mich besonders, weil wir uns schon länger nicht mehr gesehen haben.
Es fügt sich also langsam alles zusammen. Noch ein paar Erledigungen, noch ein paar Treffen mit netten Menschen und dann geht es endlich los.
Ihr seht also, selbst wenn man versucht, möglichst wenig zu planen, kommt am Ende doch alles anders. Aber egal wie es läuft, ich bin mir ziemlich sicher, dass es wieder super wird.
Hauptsache raus aus dem Wahnsinn, rein ins Flugzeug und ab unter die Palmen.

Anhang anzeigen IMG_3252.jpeg