Phnom Penh - gestern und heute

Anhang anzeigen IMG_2491.jpg Anhang anzeigen IMG_2465.jpg Vom Flughafen nehme ein Taxi, es ist ein brandneuer weißer Toyota Crown, zum Hotel Cambodiana. Alles ist organisiert. Am Schalter holt man sich das Taxi Ticket. Festpreis 9 USD.

Die Accor Gruppe und damit die Marke Sofitel hatte den Vertrag 2001 gekündigt, der General Manager danach mehrfach gewechselt. Erst gerade versucht sich wieder jemand neues.

Der Flughafen ist groß, neu und nicht fertig. Überall wird gehämmert und gearbeitet.

Der Russian Federation Boulevard führt vom Flughafen in die Stadt. Auf der Fahrt zum Hotel sehe ich neue Gebäude, die ich nicht kenne.
Der gerade fertiggestellte Vattanac Tower dominiert die Skyline mit 188 Metern und einem Leerstand von 70%.

Koreanische und russische Investoren.

Sihanouk und Norodom Boulevard. Altes Phnom Penh.

Es fängt plötzlich heftig zu regnen an. Der Scheibenwischer des Toyotas läuft leise auf Maximum, die Klimaanlage ebenso. Alles steht still. Der Verkehr kommt zum erliegen. Junge Männer mit schönen komplizierten Frisuren auf Mopeds versuchen erfolglos sich und ihre Mobiltelefone vor dem Regen zu schützen. Die Frauen waren schlauer. Sie sind nicht zu sehen.

Die Ankunft verläuft wie damals. Es hat sich nichts verändert. Ich sei vor vielen Jahren schon einmal hier gewesen, erzähle ich. Damals, als es noch ein Sofitel gewesen sei.
Da habe sie auch schon hier gearbeitet, entgegnet die freundliche Dame am Empfang. Ich kann mich leider nicht an sie erinnern und bekomme ein Zimmer in der fünften Etage mit Blick auf den Fluss für 100 USD die Nacht.

Eine Konferenz findet im Hotel statt. Es geht um globalen Umweltschutz und Wasserwirtschaft. Später werde ich die Teilnehmer lange Zeit am schönen Pool mit Blick auf den Fluss liegen sehen. Man hat die crucial issues des Treffens scheinbar schon im Vorfeld geklärt. Ein Italiener beeindruckt, wie schon seit 50 Jahren, 2 Mädels mit seinen Wasserspielen. Ich zolle ihm echte stille und ein wenig neidische Bewunderung.


Die Aufzüge sind neu. Das ist alles. Im Flur des fünften Stocks sind die Fenster offen. Die Flure sind unendlich lang, leer und einsam. Der Teppich war früher grün. Jetzt erinnert die Farbe an die Brille des Tänzers.
Die Beleuchtung ist grell und unheimlich. Die Vorhänge wehen lautlos im Wind. Ich schließe meine Zimmertür ab.
Das Zimmertelefon klingelt. In einer Woche solle ein Oktoberfest im Hotel stattfinden, ob ich teilnehmen möchte? Ich sei doch Deutscher. Dann bin ich schon weg.
 
  • Like
Reactions: 3 users
Zum Frühstück gehe ich in die Lounge in der
1
2
3
4
fünften Etage.

Ich bin

alleine.

mit dem Kellner. Ich versuche mir einen Kaffe am Automaten zu holen. Keine Chance. Er bedient den Kaffeautomaten für mich und entschwindet, um mir das bestellte Rührei zu holen. Ich trinke den Kaffee und warte.

Wo mag er sein?

Es ist so kalt hier.

Ich regle die riesigen mobilen Klimaautomaten hinunter. Der Kellner erscheint eine halbe Stunde später mit dem kalten Rührei und regelt die Klimaanlage wieder hoch.

Ich schaffe es, ihn zu überlisten und mir einen neuen Kaffee am Automaten selbst zu holen.

Das hat ihm nicht gefallen.
 
  • Like
Reactions: 2 users
Selber.
Danke!
 
Noch mindestens 5, dann werde ich befördert und darf Nolan weiterlesen. Woanders schreibt er ja nicht mehr.
 
20:00
Die Uferpromenade, der Sisowath Quay des Tonle Sap wird gesäumt von Costas Coffee, The Pizza Company und Dairy Queen.

3 in a row.

Davor, im Dunkel der Nacht, Straßenbeleuchtung und Lärm trotzend, die Tuk Tuk Fahrer, dösend und auf Kunden und Dollars wartend.
 
22:00

Der KIWI Mart auf der 136, Rtg 51St., gleicht nachts aus der Ferne einem Diamanten aus Licht. Die hässlichste Neonreklame der Welt, es ist tatsächliche eine Scheibe KIWI abgebildet, hat einen grellen neonweißen Grundton mit grünen und roten Anstrichen. Rechts und links davon sind jeweils 4 ungelenke Vögel zu erkennen.
Meine Augen schmerzen. Ich kaufe mir ein Magnum Eis. Die Nebenstrassen sind leer und dunkel.

Unter einem blauen Schild mit der Aufschrift „Samsung“ schläft ein Mann in seinem Tuk Tuk.
 
Die Musik im Heart of Darkness ist so

LAUT

dass ich den Titel nicht zu erhören vermag. Ich flüchte in die erste Etage und beobachte von dort, wie ein junger Mann mit Dreadlocks einen aberwitzigen Tanz mit sich selbst aufführt. Er zuckt und hat die Augen wie irre geschlossen.

He looks like him:

"Unchain my heart, baby let me go
Unchain my heart, 'cause you don't love me no more
Every time I call you on the phone
Some fellow tells me that you're not at home
Unchain my heart, set me free"

Aber welche Musik in seinem Kopf dazu spielen mag?

Die Gäste schauen ihm leise zu.

Es ist 1:30.

Irgendwann.

Im Pontoon Club nebenan ist es sehr voll. Die Gäste sind nicht leise. Angebot und Nachfrage. Businessmen and Businesswomen. No business, thank you. me pleasure.
Ein bärtiger Mann wird plötzlich sehr laut. Scheinbar hat jemand die zuvor von ihm geschlossene Vereinbarung mit einer grell weiß geschminkten Frau nicht beachtet.
Vielleicht gab es auch gar keinen Grund.
Der Bärtige wirft den Jemand nieder. Die Security entfernt den Niedergeworfenen.

Irgendwann spät.

Ich entferne mich ins Bett. Auf dem Weg zum Hotel, durch die vom Müll gewürzte Nachtluft trinke ich mir ein großes kaltes Bier. Am Ufer entlang wird die Luft ein wenig besser.
 
Menü
Zurück
Oben Unten