Thailand Thailand 2023 - Rückkehr ins Land der Pragmatikweltmeister

doclec

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01 Abreise


Am Tag der Abreise nach Thailand, knapp vor 17h, machte ich einen letzten Kontrollgang durch die Wohnung und mir schoss, wie immer in diesen Momenten der Gedanke durch den Kopf: „Was haben wir vergessen einzupacken? Wir werden jetzt 4 Wochen lang nicht mehr in diese Wohnung zurückkehren. Letzte Chance.“ Mir fiel nichts ein, aber ich war überzeugt davon, irgendetwas haben wir sicher liegen lassen. Das ist immer so :). Egal. Wir haben die Pässe, das Geld und die Handys, darauf gespeichert über die Cloud alle Buchungen und alles andere lässt sich ersetzen. Türe zu, alle Schlösser versperren und los geht’s Richtung Bahnsteig, um den Zug Richtung Flughafen Wien zu erreichen.

Wir wissen bereits durch vergangene Erfahrungen, wie sich ein Direktflug nach Thailand in der Holzklasse anfühlt und auch diesmal war es nicht anders als sonst. Fast nicht anders. Wir hatten einen Platz ganz hinten im Flugzeug und stellten fest, dass dort der Gang zwischen den Sitzreihen etwas breiter ist als in der Mitte. Das war angenehm. Ansonsten war es wie immer. Eingepfercht für 10,5 Stunden auf nicht einmal einem Quadratmeter. Aber diese Erfahrung besagt ebenso: man überlebt auch das.

So war es auch und die offizielle Einreise in das Land der Pragmatikweltmeister stellte sich dieses Jahr als besonders problemlos heraus. Es gibt im Flughafen Suvarnabhumi vor der Passkontrolle eine Stelle, wo nationale und internationale Reisende getrennt werden. Links diejenigen mit einem Foreigner-Pass, rechts diejenigen mit einem Thai-Pass. Aranaa erinnerte sich daran, was ihr ein Beamter letztes Jahr sagte: Farang-Ehemänner dürfen mit ihren Thai-Ehefrauen auch in die Warteschlange mit den Thaipässen. Wir sahen den Vorteil dieser Regelung klar vor den Augen: diese Warteschlange war signifikant kürzer. Die Passkontrolle selbst war unspektakulär. Die Beamtin interessierte sich nur für meinen Pass und meine Boarding-Karte und fragte weder nach einer Hotelbuchung noch nach einem Rückflugticket. Dann noch kurz warten auf die Koffer und schon waren wir draußen.

Tochter Nene und Neffe Jen hatten angekündigt, uns abzuholen. Es waren paar Line-Calls zur örtlichen Synchronisierung notwendig und dann wir gingen gemeinsam ins Tiefgeschoss, wo es die Wechselstuben mit den besten Kursen gibt. An der Stelle flogen kurz die Funken zwischen Aranaa und mir. Nachdem sie letztes Jahr Probleme beim Geldabheben mit ihrer Bankkarte bekommen hatte, habe ich ihr von Wise eine Visa-Karte bestellt. Damit kann sie jene Bath abheben, die ich vor 2 Monaten bei einem guten Kurs auf dieses Konto überwiesen hatte. Aber was machte liebe Frau? Nein, sie hatte diese Karte nicht mitgenommen. Absichtlich. Sie hat nur Euros als Bargeld mitgenommen, die sie jetzt zu einem nicht besonders guten Kurs umtauschen musste. 
Ich war etwas sauer, schließlich hatte ich ihr zuvor alles genau erklärt. Aber mit dieser Thematik dürfte sie intellektuell doch etwas überfordert gewesen sein.

Die fast 4-stündige Autofahrt nach Phimai startete. Auf dem Weg holten wir in Korat noch Aranaas Mutter ab und gegen 22h trafen wir im Heim von Aranaas Familie ein. Man sollte meinen, dass wir todmüde ins Bett fielen. Falsch. Es gab im Umkreis noch eine Thai-Veranstaltung mit Tanz und Musik. Koffer schnell abgestellt und los ging’s.
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Gegen 1h früh kehrten wir zurück und diesmal wurde wirklich geschlafen.
 
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Schön, dass du schreibst.
Ich habe mal gestartet. Mal schauen, wie gut bzw. schnell ich vorankomme. Schließlich arbeite ich ja immer noch und meine nächsten Reisen stehen auch schon wieder vor der Türe.
die Geschichte mit der Wise… kann mir gut vorstellen, wie ich mich gefühlt hätte. Ich glaube, das gehört in die Schublade „Verantwortung für den Anderen übernehmen“ und „Thai: up to me“.
Tja, leider gab es letztes Jahr das Problem, dass bei ihrer Bankkarte ein Limit existierte, welches wir im Vorfeld nicht mehr wussten und so funktionierte ihre Karte nicht mehr. Das hat wohl ihr Vertrauen zu Karten stark in Mitleidenschaft gezogen und daher ihre diesmalige Haltung: nur Bares ist Wahres. Ich habe ihre Bedenken bedauerlicherweise zu spät mitbekommen.

Schaun ma mal, wie es nächstes Jahr bei der nächsten Thailandreise läuft. Vielleicht lässt sie sich dann überzeugen.
 
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mit der Wise Kreditkarte nur ein Mal im Monat maximal 200€ in der Landeswährung am ATM abheben darfst?
Ja, ist mir bekannt.

Ich habe das Bath-Konto Ende Oktober 2022 gefüllt, wo der Kurs auf Wise kurzzeitig mal nahe bei 38 lag. Mitte Februar lag er in der Wechselstube im Keller des Flughafens bei 35,irgendwas (und bei anderen Wechselstuben noch deutlich tiefer, bsi 32,xx). Ich habe mir ausgerechnet, dass in dem Fall der Verlust durch die Kursdifferenz beim Wechseln von EURO-Bargeld größer ist als die Gebühr. Aber sonst hast du schon recht, da muss man aufpassen. Das übersieht man schnell.
 
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02 bei der Familie in Phimai

Irgendwann am Vormittag erwachte ich und begann mich langsam zu orientieren.
Es begann mit einer Vorstellungsrunde bei den Hunden. Aranaas Familie hat ein 5-köpfiges Hunderudel, dieses musste den Neuankömmling zuerst mal ausreichend beschnuppern und begutachten. Einer war sichtlich ängstlich, einem schien ich egal zu sein, die anderen fanden aber schnell Gefallen an mir: eine neue Streichelmaschine ist angekommen :)



Erst danach wurden die Menschen begrüßt, allen voran Aranaas Vater und ihre Schwester. Später kam der Rest, ihre Nichten und Neffen und die sonstige Verwandtschaft. Aranaas Sohn Nobi war nicht anwesend, er befindet sich aktuell in Nakhon Sawan bei seinem Cousin.

In der Zwischenzeit bin ich draufgekommen, was ich zu Hause vergessen hatte. Um meine Apple Watch wieder aufzuladen, benötigt man bekanntlich ein ganz eigenes Kabel, was im Lieferumfang mit dabei ist. Ich kaufte damals gleich noch ein zweites Kabel, da ich solche Dinge gerne vergesse oder verlege. Vor einem Jahr vergaß ich bei einer Reise beide Kabeln und musste mir dort vor Ort ein drittes Kabel besorgen. Nun habe ich alle drei Kabeln zu Hause liegen gelassen und werde mir daher demnächst ein viertes Kabel besorgen müssen. Gut gemacht, DocLec </sarkasmus>


Es hat sich dort gegenüber dem Vorjahr nicht allzu viel verändert. Neu für uns waren nur der prächtige Golden Retriever namens Sesaan, den wir Nene letztes Jahr schenkten
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und das zu Jahresbeginn geborene Kalb, welches mehr oder minder frei auf dem Grundstück herumlief.
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Natürlich wurde alle Besitztümer meiner Frau von uns gecheckt. Auf ihrem kleineren Grundstück, wo einmal ihr Haus stehen soll, befanden sich in den beiden Teichen wie immer Fische, ich übernahm gleich mal deren Fütterung.
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Das große 20-Rai Grundstück, welches sich Aranaa letztes Jahr kaufte, ist derzeit vermietet. Dort werden aktuell von Nachbarn Wassermelonen angepflanzt. Ab Juni wird die Familie dort wieder Reis anpflanzen.
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Den beiden Eltern von Aranaa geht es derzeit offensichtlich verhältnismäßig gut. Der Vater mit seinen 88 Jahren ist aber schon sichtlich vom Alter gezeichnet, meistens lag er in seiner Hängematte und grinste mich jedes Mal breit an, wenn ich bei ihm vorbeikam. Lt. Aranaa ist das ein gutes Zeichen, er mag mich.
Aranaas Mutter ging es sichtlich besser als noch vor einigen Monaten. Damals rechnete sie mit ihrem baldigen Ableben und telefonierte alle ihre Kinder durch, um sich von ihnen zu verabschieden. Inzwischen hat sie sich wieder erholt. Von einem baldigen Sterben aktuell keine Rede.

Tochter Nene lachte und strahlte den ganzen Tag so vor sich hin. Sie hatte ihre Mutter wieder um sich und genoss das entspannte Verhältnis zu ihr. Sie lernt aktuell Deutsch per Online-Kurs. Klar, dass sie sich mir gegenüber in ihren Deutschkenntnissen versuchte und begann mich immer wieder auf Deutsch anzusprechen. Ich machte es ebenso, nur spiegelverkehrt. Ich packte meine geringen Thai-Kenntnisse aus und versuchte auf Thai zu antworten. Das ergab die skurrile Situation, dass die Thai Deutsch und der Österreicher Thai redete. Es muss recht erheiternd für alle anderen gewesen sein. Aranaa und Google Translator fungierten als Übersetzer, wenn es mit unseren Sprachkenntnissen doch nicht so funktionierte, wie wir es gerne gehabt hätten.

Es wurde auch über ihre vagen Pläne, zum Studieren irgendwann einmal nach Österreich zu gehen, gesprochen. Sie muss in Phimai jetzt noch ein Jahr in die dortige technische Schule gehen, dann hat sie lt. ihrer eigenen Aussage die Berechtigung dafür erlangt, in Thailand auf eine Universität gehen zu dürfen. Parallel dazu will sie die A1-Deutschprüfung nachholen und mit dem Lernen für A2 beginnen. Chancen gebe ich ihren Österreich-Plänen keine, da sie leider, wie zuvor schon von mir befürchtet, so gut wie überhaupt keine Englischkenntnisse hat. Mit nur einem A1-Zeugnis in Deutsch und ohne Englisch wird sie hier keine Schule finden, die sie als Schülerin nimmt. Aber das sprach ich nicht aus. Es macht keinen Sinn, sie jetzt mit düsteren Prognosen zu entmutigen. Nene soll so viel wie möglich lernen und auf die harte Realität wird sie ohnehin noch früh genug von selbst draufkommen.

Ihrer Mutter gegenüber war nichts von den früheren Verwerfungen zu bemerken. Aranaa und Nene verstanden sich gut, sie lachten und scherzten um die Wette. Mir war aber klar, dass sich ihre doch sehr gegensätzlichen Charaktere nicht verändert haben werden und war gespannt, wie lange die Harmonie anhalten wird.

Ich weiß noch von früher, dass sich Tochter Nene für Fotografie interessiert und bot ihr daher an, dass sie mit meiner Zweitkamera, einer Nikon Z50, Fotos machen kann. Wenn sie denn will. Ja, sie wollte. Ich erklärte ihr die wichtigsten Handgriffe. Ja. Ist ok. Das versteht sie. Ab dem Zeitpunkt lief sie regelmäßig mit der Nikon herum und knipste, was das Zeug hielt.


Die ersten Tage waren von Ruhe geprägt. Es war ein biederes und, wie ich immer zu sagen pflege, langweiliges Leben dort in der Einöde. Das war mir anfänglich sehr recht. 6 Stunden Zeit- und 30 Grad Temperaturunterschied müssen auch erst verkraftet werden. Nach ein paar Tagen wurde es mir jedoch schon zu ruhig. Mich begann zu stören, dass ich dort nichts alleine unternehmen konnte. Weit und breit gab es dort nichts anderes als ein paar Häuser und Phimai ist ca. 20 Fahrminuten entfernt. Ich war immer davon abhängig, dass jemand aus der Familie nach Phimai fuhr und mich/uns mitnahm und wieder zurückbrachte. Um etwas unabhängiger zu sein, wollte ich mir von der Familie ein Motorrad ausleihen, um damit selbst in die Stadt zu fahren. Nein, geht nicht. Aranaa hat Angst. Um mich. Es könnte mir im Verkehr ja was passieren. Das führte sogar so weit, dass sie mich in Phimai immer an der Hand zu nehmen begann, bevor wir eine Straße überquerten.

Hä???

Aber hallo, meine liebe Thai-Frau!!! Ich bewegte mich in der Vergangenheit oft wochenlang und mutterseelenallein durch verschiedene Länder von Südostasien, kam immer wunderbar zurecht und jetzt sollte ich hier nicht einmal selbständig eine Straße überqueren können? Meine Frau begann sich wie ein Glucke zu verhalten, eine Verhaltensweise, die recht untypisch für sie ist. Aber das macht sie eigenartigerweise nur hier in Phimai. Anderswo nicht. Gott sei Dank, denn ich merkte schnell, wie das Gefühl der Gängelung und Bevormundung in mir hochkam. Auf Dauer würde diese Verhaltensweise von Aranaa schnell zu einem Problem werden. Es war jedoch ohnehin geplant, dass Aranaa, Nene und ich in der zweiten Urlaubswoche in den Norden fahren. Es zahlte sich also gar nicht aus, irgendwelche Grundsatzdiskussionen vom Zaun zu brechen. Ich blieb also ganz ruhig und machte gute Miene zum nervigen Spiel.

Nach einer Woche Phimai war es wieder an der Zeit aufzubrechen. Mein Jetlag war kaum mehr spürbar, an die Hitze hatte ich mich auch schon gewohnt und die Batterien waren wieder aufgeladen. Nicht nur die meines iPhones, auch meine persönliche Energie war zurück. Also auf geht’s. Nächste Reisestation. Jemand aus Aranaas Familie brachte uns, Aranaa, Nene und mich, zum Bahnhof in Korat
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wo uns ein Zug direkt zum Flughafen Don Mueang, Bangkok brachte.

Das klappte wunderbar und am späten Nachmittag landete der Flieger in Chiang Rai.
 
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und würde dich da eher als Pragmatikweltmeister sehen
*lol* Ja, mir ist die Lebensphilosophie »Pragmatismus« auch nicht fremd. Ich gebe aber zu, Thais überraschen mich trotzdem immer wieder.

Wenn du Aranaa Kreditkarten gibst, dann kannst du sie als Backup auf deinem Handy bei Google- odere ApplePay hinterlegen. Dann ist's auch nicht so schlimm wenn sie vergessen oder verloren wird. Zumindest um dann damit zu bezahlen.
Ja. Gute Idee. Danke. Das kommt auf meine Checkliste für Reisevorbereitungen.
 
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03 im Norden - Chiang Rai

Einige Wochen vor Urlaubsantritt hatte Nene bekannt gegeben, dass sie noch nie im Norden von Thailand war und den Wunsch geäußert, Chiang Rai sowie Chiang Mai besuchen zu wollen. Na gut. Aranaa und ich, wir kannten die Gegend zwar schon und hätten sie nicht unbedingt nochmals besuchen müssen, aber wenn jedoch Töchterchen den Wunsch äußerte, warum nicht. Mir war zwar klar, dass ich das bezahlen werde müssen, aber man ist ja schließlich bemüht, ein braver Farang-Stiefvater zu sein. Ich stellte jedoch eine Bedingung. Nach Chiang Mai kehren Mutter und Tochter alleine zurück nach Phimai. Ich mache mich selbständig und fliege weiter nach Vietnam, wo ich die restlichen beiden Wochen bis zum Urlaubsende verbleibe. Das wurde akzeptiert. Ich hatte also im Vorfeld der Reise die Flüge Bangkok -> Chiang Rai, Chiang Mai —> Don Mueang sowie Hotels in den beiden Städten gebucht. Der Zeitplan für diese zweite Urlaubswoche war:


  • Ein Tag für die Anreise nach Chiang Rai per Flugzeug
  • Ein voller Tag in Chiang Rai
  • Ein Tag für die Busfahrt nach Chiang Mai
  • Zwei volle Tage für Chiang Mai
  • Abreise aus Chiang Mai per Flugzeug.

Ich war sehr gespannt, wie diese Tage gemeinsam mit Mutter und Tochter verlaufen werden.


Der Flieger landete am späten Nachmittag am kleinen Flughafen in Chiang Rai und ein recht netter Taxifahrer brachte uns zum Hotel. Meine beiden Thais ergriffen die Gelegenheit am Schopfe und engagierten ihn gleich für den ganzen nächsten Tag. Gut gemacht. An dem Abend tat sich nicht mehr viel, etwas in Zentrum spazieren, essen und zurück ins Zimmer.

Am nächsten Tag holte uns der Taxifahrer wie vereinbart vom Hotel ab. Chiang Rai/Chiang Mai war der Wunsch der Tochter, also haben wir ihr grundsätzlich das Vorrecht bei der Entscheidung, was und wohin wir uns dort anschauen, zugestanden. Das erste Ziel war aber ausnahmsweise mein Wunsch: ich wollte unbedingt nochmals zu meinem Lieblingstempel. Wat Rong Khun, der weiße Tempel.

 Dass Aranaa den Tempel nicht besonders mag „das ist ein Tempel für Farangs zum Schauen“, das wusste ich. Erstaunlicherweise reagierte Nene ebenso. Die beiden blieben daher außerhalb des Geländes und ich ging als einziger hinein. Wie schon gesagt, ich liebe diesen Tempel. Zuletzt sah ich ihn 2015 und seit dem wurde auf dem großen Gelände einiges hinzugebaut.

*klick*klick*klick*klick*klick*klick*klick*klick*

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Wenn ich mal im Flow bin, vergesse ich die Zeit. Irgendwann sah ich auf mein iPhone … oje, schon über 4 Anrufe in Abwesenheit. Das hat Aranaa und Nene zu lange gedauert. Ja, das kenne ich schon. Das ist die Bürde eines Fotografen und genau deswegen bin ich am liebsten alleine unterwegs. Ich ging zurück zum Taxi und holte mir den zu erwarteten Rüffel von den wartenden Damen ab. Ab dem Zeitpunkt hielt ich mich zurück. Aranaa und Nene sprachen mit dem Taxifahrer die nächsten Ziele ab. Das waren

der goldene Löwe im Singha Park,
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Big Buddha beim Tempel Wat Huay Pla Kung,

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der Blaue Tempel,
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die Teeplantage Choi Fong
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und ganz am Schluss kam der Höhepunkt. Wir fuhren zu einem Bruder von Aranaa, der in der nördlich von Chiang Rai gelegenen Stadt Mae Sai lebt. Dieser hatte keine Ahnung, dass wir kommen und das machte die Überraschung perfekt. Aranaa und ihr Bruder hatten sich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen, entsprechend freudig waren die Reaktionen.



Gegen Abend kamen wir zurück nach Chiang Rai, wollten uns noch den Nachtmarkt ansehen und uns dann eine Fußmassage gönnen. Ausgemacht war, dass Aranaa und Nene beim Eingang des Nachtmarktes aussteigen und warten. Ich fahre einstweilen weiter mit dem Taxi zum Hotel, lege alles Mitgenommene und Gekaufte ins Zimmer, bezahle den Taxifahrer und komme zu Fuß zu ihnen zurück. Ja, so taten wir und ich ging vom Hotel Richtung Nachtmarkt los. Da kam mir auf der Straße Tochter Nene entgegen. Hääää??? Wieso das? Sie möchte auf’s Zimmer. Na gut. Ich gehe zum vereinbarten Treffpunkt. Aranaa war nicht da. Ich rufe sie an. Einmal, zweimal, erst beim dritten Mal hebt sie ab. „Wo bist du?“ Sie ist herumgegangen und hat sich dabei verlaufen. Sie nimmt jetzt ein Taxi zurück ins Hotel. Ohhh? Keine Fussmassage? Nein, will sie nicht. Na gut. Gehe ich eben alleine.



90 Minuten später ging ich zurück in Richtung Hotel. Knapp vor dem Hotel kam mir Aranaa entgegen und ich sah es sofort an ihrem Gesicht. Sie war grantig. „Was ist los?“ Sie blickte nur böse und sprach kein Wort. Erst nach einiger Zeit bekam ich aus ihr heraus, was los war. Sie hatte am Nachtmarkt Streit mit ihrer Tochter gehabt. Der Streitgrund? Wie immer, es ging um das liebe Geld. „Sie will immer Geld haben. Mehr, mehr, mehr“ schimpfte Aranaa auf der Straße so vor sich hin. Oh, welch „Überraschung“.

Am Zimmer würdigten sich die beiden keines Blickes. Aranaa ging unter die Dusche und dann ins Bett. Ihre Tochter saß am Tisch und tippte wie wild auf ihrem iPhone herum. Stimmung: frostig. Dann stellte Nene eine Frage an mich, die ich im ersten Moment nicht einzuordnen wusste. Sie zeigte mir ihren Bildschirm und dann klickte es bei mir. Ich sah dort so eine Art von Test, der aus Multiple-Choice-Fragen bestand, wobei meist 4 Möglichkeiten zur Auswahl waren. Die Fragen konnte ich nicht lesen, sie waren in Thai geschrieben, aber anhand erklärender Bilder bzw. diversen Fachausdrücke in Englisch begriff ich, um was es dabei ging: das waren alles Fragen aus dem Bereich der IT. Es wurde dort nach HTML- und Java-Begriffen gefragt, wie z.B. nach dem Gültigkeitsbereich von Variablen. Da fiel bei mir der Groschen. Ich soll ihr bei ihrer Hausaufgabe helfen. Ein kurzer Blick auf die Uhr: es war 23h und ich war ziemlich müde. Ich sagte ihr, dass wir das morgen machen. Nein, geht nicht. Sie muss das heute noch abgeben, in der nächsten Stunde also.

Ja, das war mir noch von meinen Töchtern wohlbekannt. Alles Aufschieben bis zur allerletzten Minute und dann soll Papa bzw. jetzt der Stiefvater es in letzter Minute noch richten. Grrrrrr….

Na gut. Die Fragen betrafen für mich als IT-Entwickler zwar mein Fachgebiet, aber deren exakte Formulierung war in Thai geschrieben, was die Sache enorm erschwerte. Ich tat mein Bestes und ging 30 Minuten später zu Bett, schließlich ging am nächsten Tag unsere Reise weiter nach Chiang Mai, da sollte ich wieder fit im Kopf sein.
 
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04 innerfamiliärer Zickenkrieg

Das Programm für den Vormittag war vorgegeben: Aufstehen, zusammenpacken, den Check-Out im Hotel machen und sich anschließend zum Busbahnhof begeben, wo am frühen Nachmittag unser Bus von Chiang Rai nach Chiang Mai losfährt. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn Mutter und Tochter nicht miteinander reden und einander strikt ignorieren.

Die Beiden würdigten sich keines Blickes. Na ja. Es war zu erwarten, dass dies irgendwann passieren wird. Überraschend war nur, dass es so lange dauerte, bis es zwischen den beiden krachte. Sie haben, wie ich früher schon öfters beschrieben hatte, ziemlich unterschiedliche Charaktere und Lebensphilosophien und das wird immer wieder vorkommen, dass sie sich wegen ihrer unterschiedlichen Weltanschauungen in die Haare bekommen.

Meine Haltung dazu war klar: nur nicht einmischen. Ich schlug mich auf keine Seite, ich startete keinen Vermittlungsversuch, ich tat so, als ob gar nichts wäre. Das ist eine Sache zwischen Mutter und Tochter, die müssen sich das mit sich selbst ausmachen. Als Farang kann man da nur unter die Räder kommen.

Mein Job war nicht der eines Friedensstifters, mein Job war als kommunikative Zwischenstation zu agieren. Wenn eine der anderen etwas zu sagen hatte, sagte sie es laut zu mir, damit es auch die andere hörte. Es war fast wie im englischen Parlament, dort reden die beiden Parteien immer auch nur mit dem Speaker. Standen irgendwelche Entscheidungen an, war es mein Job, diese zu treffen. Ich fragte nicht lange nach, ich tat es einfach. Danach holte ich mit Blickkontakt von den beiden Streithennen das Einverständnis ein. Das klappte erstaunlicherweise so halbwegs.

Der Auszug aus dem Hotel funktionierte in Anbetracht der Umstände dann doch noch verhältnismäßig flott und so hatten wir am Busbahnhof noch etwas Zeit. Ich ging mit Aranaa essen und währenddessen machte sich Tochter Nene selbständig und tingelte alleine durch die Stadt. Mir schoss der Gedanke "hoffentlich ist sie rechtzeitig wieder zurück" durch den Kopf, aber meine Bedenken waren unbegründet. 15 Minuten vor der Abfahrt war sie pünktlich zur Stelle und um 18h waren wir in Chiang Mai und checkten im Hotel ein.
Der Beziehungsstatus zwischen Mutter und Tochter war unverändert. Kein Wortwechsel, kein Blickkontakt, zwischen den beiden herrschte ohrenbetäubendes Schweigen. Sie taten sich, wie man so schön in Österreich sagt: „net amoi ignoriern“

Den restlichen Abend spazierten Aranaa und ich etwas durch die Altstadt von Chiang Mai, gingen Essen und ließen uns die Füße massieren. Nene blieb im Hotel. Als wir zurück ins Zimmer kamen, schlief sie bereits. Ich fragte meine Frau, was wir morgen machen werden. Die Antwort war ein unwirsches „weiß nicht. Für mich egal.“ und sie legte sich schlafen.

Na bravo. Ich gebe zu, dass ich an dem Punkt erstmals etwas Ärger bezüglich dieser Situation verspürte. Wir sind eigentlich nur deswegen nach Chiang Mai gefahren, weil Nene sich dies so gewünscht hat und ich habe dafür auch schon einiges Geld hingelegt … Zugfahrten, Flüge, Hotel, Taxi und Essen für 3 Personen kostet einiges. Wenn die beiden glauben, wegen irgendwelcher Kleinigkeiten ausgerechnet jetzt ihre innere Zicke heraushängen lassen zu müssen und deswegen diese Zeit hier sinnlos verplempert wird, könnte es sein, dass ich meine Neutralität aufgebe und möglicherweise, unter Umständen, eventuell und vielleicht auch etwas ungehalten werde. Und zwar beiden gegenüber.



Ich blieb aber nach außen hin ruhig. Noch ist nichts passiert und vielleicht kratzen die beiden morgen ja eh noch die Kurve. Ich ging duschen und ebenfalls schlafen.
 
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05 im Norden - Chiang Mai(1)


Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schlief Aranaa noch. Das Bett von Nene war hingegen leer. Vermutlich war sie alleine frühstücken gegangen. Wir werden lt. Reiseplan diesen und den nächsten Tag zur Gänze in Chiang Mai verbringen. Was wir in der Zeit tun werden? Keine Ahnung. Mich beunruhigte etwas anderes: muss ich jetzt wirklich noch 48 Stunden den beiden bei ihrem blöden Zickenkrieg zuschauen? Diese Aussicht erfüllte mich nicht gerade mit Begeisterung.

Da öffnete sich die Hotelzimmertüre und Nene betrat das Zimmer. Was heißt „betrat“? Nein, sie hat es nicht betreten, sie ist erschienen!! In allerbester Laune verkündete sie strahlend, dass sie heute früh schon draußen war und ein Taxi organisiert hat, welches uns den ganzen Tag herumfahren soll. Sie hat auch schon einen genauen Plan, wohin wir fahren, was wir alles machen bzw. uns ansehen werden. Die inzwischen erwachte Aranaa und ich, wir sahen uns etwas ungläubig an. „Ja. Passt. Ist ok“ stotterte ich etwas herum. Nene strahlte uns an, teilte mit, dass das Taxi in 30 Minuten vor dem Hotel auf uns warten wird und war auch schon wieder draußen aus dem Zimmer. Von „beleidigt sein“ war keine Spur mehr.

Ich gebe es zu, Nene hat mich in dem Moment überrumpelt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war aber für mich ok. Nene hat aus freien Stücken die Initiative ergriffen, sie hat das Heft des Handelns in die Hand genommen und so etwas achte ich. Das war wieder so ein Moment, in dem man bemerkte, dass sie sich nicht nur optisch von einem Teenager in eine Erwachsene verwandelt hatte.

Aranaa war sichtlich ebenso überrascht über diese Wendung wie ich und auch sie akzeptierte das. Wir zogen uns an, ich packte meine Fotoausrüstung ein und als wir hinunter zur Lobby kamen, stand bereits das Taxi vor dem Eingang. Wir fuhren los und es war unübersehbar: bei dem Charmefeuerwerk, welches Nene abfeuerte, fiel es auch Aranaa immer schwerer, weiterhin auf „beleidigte Leberwurst“ zu machen. Entspannung war in Sicht!!

Ich musste innerlich breit grinsen. Ein paar Mal habe ich es ja schon beschrieben, wie üblicherweise Alltagskonflikte im Hause Doclec ablaufen: Aranaa ignoriert mich und ich ignoriere, dass sie mich ignoriert, tue so als wäre nichts und rede mit ihr ganz normal weiter. Irgendwann gibt sie ihr emotionales Verweigerungsverhalten auf und damit gilt der Konflikt als beendet. Nene hat nun genau diese Strategie ebenfalls gewählt und auch durchgezogen. Gut gemacht. Genau so muss man mit Aranaa umgehen. Diese Runde ging eindeutig an Nene.



Unsere Fahrt führte uns aus Chiang Mai heraus. Die Situation begann mir Spaß zu machen. Normalerweise bin ich es, der alles plant, der alles unter Kontrolle hat und der genau weiß, wohin wir fahren. An dem Tag war ich aber nur Passagier. Aranaa und ich, wir hatten absolut keine Ahnung, wohin wir jetzt fahren und was uns alles erwarten wird. Und das war auch gut so.

Das Taxi bog nach etwa 15 Minuten Fahrzeit von der Hauptstraße ab und wir kamen zu einem See mit Hütten am Ufer. Es war der Huay-Tung-Tao-See und ich erfuhr, dass die Stadtbewohner hierherkommen, sich in ihrer Freizeit entspannen und in den Hütten gemeinsam essen.

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In dem Gelände auf einer Wiese waren riesige Gorillas, Elefanten, Löwen oder Büffeln aus Stroh. Der perfekte Ort, um Fotos zu machen! Gut gemacht, Nene.
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Aranaa in den Fängen von King Kong. Die Schöne und das Biest in der Thai-Version.
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Die Fahrt ging weiter.
Nächste Station: ein Tempel, der ⁨Wat Pa Dara Phirom⁩. Ja, er war ok, er riss mich aber nicht von den Socken. Daher auch kein Foto. Wenn man schon so viele Tempel gesehen hat wie ich, wird man immer anspruchsvoller ;-).


Die Fahrt ging weiter. Der nächste Stop, ein Holzhaus irgendwo im Wald, etwas abseits der Straße. Ich konnte nicht erkennen, um was es da ging. Nene sagte, dass sie das unbedingt machen will und fragte uns, ob wir auch mitmachen. Aranaa sagt sofort “Nein“, aber ich antwortete, ohne lange nachzudenken mit „Ja, klar“. Nein, ich wusste in dem Moment immer noch nicht, um was es hier ging. Und das war auch gut so. Hätte ich es gewusst, ich hätte es nie und nimmer getan.

Nach der Bezahlung bekamen wir beide eine Art Bergsteigergestell umgeschnallt. Mir begann langsam Übles zu schwanen: "auf was habe ich mich hier eingelassen?"

Aber zu spät. Ich denke, die wissen schon, warum sie gleich nach dem "Ja" kassieren.

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Anschließend setzten wir uns auf die Ladefläche eines Jeeps und zwei junge, sehr sportlich aussehende Thai-Männer fuhren uns etwas bergauf. Der Wagen blieb neben einem Baum stehen. In ca. 15 m Höhe sah ich dort oben eine Plattform und neben mir war eine Leiter, die dort hinaufführte. Ich begann es zu ahnen, ich werde da jetzt gleich hinaufklettern müssen *würg*. Na gut, das schaffe ich noch. Wir, die beiden Thais, Nene und ich, kletterten die Leiter nach oben. Auf der Plattform angekommen, begann mir zu dämmern, auf was ich mich da eingelassen hatte. Bevor ich lange Erklärungen formuliere, zeige ich es einfach, was einer der beiden Thais nun vormachte und wir so ganz locker vom Hocker einfach jetzt nachmachen sollten.


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Was treibt einen 66 Jahre alten, leicht übergewichtigen und überdies mit Höhenangst ausgestatteten 6-fachen Großvater dazu, bei so einer Aktion freiwillig mitzumachen und auch noch einen schönen Batzen Geld dafür hinzulegen, sich anschließend in Baumwipfelhöhe per Seil von Plattform zu Plattform zu rollen?

Ich. habe. keine. Ahnung.

Was ich jedoch schon wusste: dies war ein klarer Fall von SSKM (selbst Schuld, kein Mitleid). Ich wurde ja nicht mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen, da mitzumachen. Im letzten Moment zu kneifen wäre jedoch in dem Moment nie im Leben für mich infrage gekommen. Dazu bin ich viel zu stolz. Nein, das ziehe ich jetzt durch und ich wusste, wenn ich mich ausreichend konzentriere und ruhig bleibe, wird mein Kopf die Höhenangst im Griff haben. Also los geht’s. Erst Nene, dann folgte ich und am Ende kam auch der zweite Thai nach.

Angekommen auf der einen Plattform ging es schon weiter zur nächsten. In Summe waren es 32 Plattformen, die man zu bewältigen hatte. Es blieb jedoch nicht immer beim Rollen. Gelegentlich musste man auf einem Brett "surfen", sich über einen schmalen Steg bewegen, über Holzbretter gehen oder gleich mit einem Fahrrad von einem Baum zum anderen fahren. Und all das in ca. 10-15 Meter Höhe. Ok. Auch wenn ich selbst schuld war, ich bitte dennoch um ein klein wenig Mitleid ;-)

Nene und ich, wir haben einander mit unseren Handys gefilmt und alles, was sie machte, habe nachher auch ich gemacht. Hier ein kleiner Zusammenschnitt von den Leiden des nicht mehr ganz so jungen D.

Anhang anzeigen Flight of the Gibbon.mp4


Als wir zu Aranaa zurückkehrten, war mein T-Shirt mindestens 2x durchgeschwitzt, ich hatte schlotternde Knie und mein Kreislauf drohte verrückt zu spielen. Aber ich hatte es geschafft. Der Kopf hatte über die Angst gesiegt. Ein hervorragendes Gefühl.


Die nächste Station war für mich wesentlich einfacher. Wir fuhren zum Tiger Kingdom, ein Streichelzoo, um einmal im Leben auch Tiger die Eier kraulen zu können. Das machte Nene alleine. Ich war vor einigen Jahren schon mal bei diesen Tigern im Käfig und musste das nicht nochmal machen.

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Der nächste Stop war harmlos, eine Farm mit Butterflys und Reptilien.
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Anschließend besuchten wir den Canopy Walks im Queen Sirikit Botanic Garden. Das war auf einem Stahlgerüst stehender Fußweg mitten durch den Wald. Na ja. Hat mich mäßig begeistert.
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Den Abschluss des Tages machte der Jungle Coaster. In Österreich würden wir einfach „Sommerrodelbahn“ dazu sagen.
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Dort wurden offiziell Fotos gemacht und diese nachher per Automaten zum Kauf angeboten. Ich habe dieses Foto einfach vom Bildschirm abfotografiert.


7 verschiedene Aktivitäten. Von wegen Zeit verplempern, das ist ein sehr ausgefüllter Tag geworden. So kann man sich täuschen. Als wir ins Hotel zurückkamen, sprachen Nene und Aranaa wieder ganz normal miteinander. Passt :) Für den restlichen Abend galt: essen gehen, duschen und dann ab ins Bett. Nene hatte angedroht angekündigt, dass sie sich morgen wieder um das Taxi und das Tagesprogramm kümmern wird und insgeheim hoffte ich, ohne jedoch daran zu glauben, dass dieses etwas ruhiger werden wird als das heutige. ;-)
 
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06 im Norden - Chiang Mai(2)



Dieser Morgen brachte auch so seine Schwierigkeiten mit sich, wenngleich diese von ganz anderer Natur waren als jene vom Vortag.

Tochter Nene war, wie gestern von ihr angekündigt, bereits ziemlich früh wieder auf Taxisuche gegangen und stürmte mit ihrer Energie einer 20-jährigen ins Zimmer, um uns noch schlafenden, vom ereignisreichem Vortag noch erschöpften Erwachsenen aus dem Bett werfen zu können.

Mit ihrem fröhlichen „Aufstehen, aufstehen! Taxi wartet“ trieb sie uns beide mit ihrer jugendlichen Energie unerbittlich aus den noch so schön warmen Federn. Aranaa öffnete ihre Augen und sah sie an. Wenn Blicke töten könnten, wäre der nächste, darauf folgende zweite Blick wohl schon Leichenschändung gewesen. Aber schlussendlich beugte sie sich dieser Situation und erhob sich. Nene genoss sichtlich diesen Moment. Sie trieb gerade ihre Mutter aus dem Bett und diese konnte sich nicht dagegen wehren. Normalerweise machen dies Mütter mit ihren Kindern. Beglich Nene soeben klammheimlich irgendeine uralte Rechnung? Also, ich würd’s nicht ganz ausschließen 😂😂😂

Es blieb jedoch alles friedlich. Aranaa und ich, wir machten uns so gut es ging etwas frisch und schleppten unsere müden Körper zum Taxi hinunter. Aha, diesmal hat sie eine Taxilenkerin engagiert, die recht jung und sympathisch aussah und mit der sie sich sichtlich gut verstand. Die inzwischen zur Reiseleiterin mutierte Tochter sprach mit ihr ein paar Worte und verkündete anschließend, dass wir jetzt ca. eine Stunde fahren werden. Aranaa war begeistert, hieß dies doch, dass sie noch eine weitere Stunde schlafen wird können. Es war zwar im Taxi nicht ganz so bequem wie im Bett, aber Thais können bekanntlich ja überall schlafen.



Nach der tatsächlich ziemlich genau einstündigen Fahrt Richtung Osten kamen wir in den District Mae On an. Darin befand sich das entzückende kleinen Bergdorf Mae Kampong Village. Das Taxi fuhr durch den Ort, noch etwas weiter und hielt in einem kleinen Tal am Straßenrand an. Ich konnte es deutlich sehen: jede Menge Stufen warteten darauf, von uns erklommen zu werden *schluck*

Zuerst stiegen wir einmal bergab ins Tal hinunter, runter zum dort fließenden Bach. Dort wartete in ziemlich romantischer Umgebung das Cave Cafe&Eatery auf uns.
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Jaaaa… ich rieche den Duft von Kaffee. Fantastische Idee. Ich bestellte mir einen Kaffee mit Eis und vermeinte es anschließend regelrecht zu spüren, wie das Koffein als Lebenselixier durch meine Adern floss. Da war das anschließende Bergauf-gehen danach gar nicht mehr so schlimm.

Oberhalb bewegten wir uns über einige touristensicher gemachte Hängebrücken. Die wilde Umgebung lud natürlich zu Fotoshootings für Instagram und Co. ein, was von Aranaa und Nene ausgiebig wahrgenommen wurde.

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Nächste Station: der Mae Kampong Wasserfall.
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Dieses Ambiente lädt natürlich für weitere Fotoshootings ein. Die Taxifahrerin ging diesmal mit uns dorthin und übernahm die Rolle der persönlichen Fotografin für Nene.
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Anschließend war wieder ein Cafe-Besuch angesagt. Dieses lag etwas oberhalb des kleinen Dorfes, was somit zu unseren Füßen lag.
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Bei so einer tollen Aussicht war ein erneutes Fotoshooting für Nene selbstverständlich unvermeidbar.
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Es hat inzwischen bereits der frühe Nachmittag begonnen und unsere Körper begannen, nach Kaloriennachschub zu verlangen. Wir gingen hinunter in das malerische Dorf

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und bestellten uns in einem romantisch gelegenen Restaurant ein gutes Essen.
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Dabei diskutierten wir darüber, was wir die restliche Zeit hier noch machen könnten. Dabei stellte sich heraus, dass der gestrige Tag bei uns allen seinen Tribut gefordert hat. Das Ergebnis lautete einstimmig: nicht mehr viel. Wir beschlossen nach Chiang Mai zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin machte ich jedoch noch einen Vorschlag. Ich hatte im Internet gelesen, dass es in Chiang Mai das 3D-Museum „Art in Paradise“ gibt und das wollte ich mir ansehen.


Ja, es hat mir gut gefallen. Man ging barfuß durch etliche Räume, die alle mit riesigen, fotorealistischen Gemälden bemalt waren. Befindet man sich an der richtigen Stelle, sieht das auf einem Foto so richtig cool aus.
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Den Abschluss des Tagesausflugs stellte ein Spaziergang am Mae Kha Canal, das ist so eine Art von Einkaufmeile direkt an einem Wasserkanal.
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Zurück im Hotel stellten wir fest, dass es in der Innenstadt der Old Town so eine Art von Straßenfest gab. Wir gingen hin, nahmen an einem der vielen Stände das Abendessen zu uns, ließen uns massieren und gingen anschließend zu Bett. Morgen geht der Flieger um 8h30, da heißt es bald aufstehen.
 
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07 Abschluss und Heimkehr


An nächsten Tage trennten sich, wie bereits angekündigt, unsere Wege. Gegen 8h30 startete für Aranaa und Nene der Flieger nach Bangkok, Don Mueang. Ich fuhr mit den beiden zum Flughafen mit, um eingreifen zu können, falls noch etwas schiefgeht und ja. Fast wäre tatsächlich etwas schiefgegangen. Nenes Handgepäck war um fast 2 kg zu schwer. Nach einigen Diskussionen drückte die Frau am Schalter jedoch beide Augen zu und akzeptierte. Glück gehabt. Das passiert nicht allzu oft.

Wir setzten uns danach noch in ein kleines Café. Die Beiden mussten später vom Flughafen selbständig den Weg zur Bahnhofsstation finden und den richtigen Zug zurück nach Korat nehmen. Zugkarten haben sie bereits, sie müssen nur noch zum richtige Gleis gehen. Schon bei der Anreise hatte ich beiden nahegelegt, sich den Weg von der Zugstation zum Flughafen zu merken. Den müssen sie jetzt wieder gehen, nur in umgekehrter Richtung. Aranaa war etwas ängstlich, ich machte mir jedoch dennoch keine Sorgen. Sie hatten dafür genug Zeit und ich wusste, Nene kann das. Das bekommt sie locker hin.

Wir verabschiedeten uns, die beiden gingen durch die Türe Richtung Personenkontrolle und mich überkam ein Gefühl der großen Erleichterung. Ich war wieder „frei“. Vor mir lagen 2 Wochen Vietnam. Alleine in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, niemand kannte mich, ich musste keine Diskussionen über Befindlichkeiten anderer führen, ich brauchte keinerlei Rücksichtnahme auf irgendwelche andere Personen nehmen, ich konnte tun und lassen, wonach mir gerade war. Herrlich. Das verschaffte mir ein so richtiges Freiheitsgefühl. Es gehört für mich zu den ganz großen Pluspunkten von Aranaa, dass sie meine alleinigen Reisen akzeptiert, ohne irgendwelchen Stress zu machen. Das ist nicht bei jeder Frau so.

Die folgenden zwei Wochen in Saigon und Hanoi sind ein anderes Thema, das gehört nicht in diesem Thailand-Bericht.


Aranaa und ich haben in der Zeit gelegentlich per Line einen Videocall gemacht und einander Fotos gesendet. Während sich Nene nach Phimai begab, war Aranaa die meiste Zeit über bei ihrem Bruder am Stadtrand von Korat. Sie war dort gemeinsam mit ihrer Mutter und fuhr, wie jedes Mal bei ihren Thailand Aufenthalten, für ein paar Tage nach Loburi zum Tempel ihres Vertrauens. Dort meditierte sie einige Tage lang und kehrte danach wieder zurück nach Korat. Mit Nene traf sie noch einmal, als sie alle gemeinsam zu einem Tempel fuhren. Lt. Aranaa gab es keinen weiteren Streit mehr mit Nene, sie verstanden sich gut.

Nach Ablauf der 2 Wochen trafen sich Aranaa und ich wie vereinbart am Flughafen von Suvarnabhumi wieder. Ihr Bruder und dessen Frau haben sie hingebracht. Nene ist nicht mitgekommen. Der Hintergrund: normalerweise werden die restlichen Bath vor dem Heimflug unter den Familienmitgliedern verteilt. Ich hatte jedoch angekündigt, dass nur noch Aranaas Bruder Pana Geld von mir bekommen wird. Ich hatte die Reise nach Chiang Rai und Chiang Mai gezahlt, die wir nur wegen Nene gemacht hatten. Das hielt ich für ausreichend. Lt. Aranaa dürfte sie daraufhin etwas beleidigt gewesen sein und fuhr nicht mit.

Der Heimflug verlief ohne Probleme. Ich zog wie immer als Vorbeugung gegen die Gefahr einer Reisethrombose meine Kompressionsstrümpfe an und nahm darüber hinaus auch noch eine Tablette zur Blutverdünnung. Meine Entscheidung, mir auch eine leichte Schlaftablette mitzunehmen, war Gold wert. Nach ca. 3 Stunden Flug nahm ich sie zu mir. Ich erinnere mich, dass ich noch auf die Toilette ging und als Nächstes nahm ich die Stimme des Piloten wahr, der uns mitteilte, dass der Landeanflug auf den Wiener Flughafen jetzt eingeleitet wird. Ich hatte 2/3 der Flugzeit tief geschlafen. Herrlich.

Als wir nach der Ankunft in Wien-Schwechat durch den Zoll gingen, zitterte Aranaa etwas. Sie hatte in ihrem Koffer jede Menge thailändisches Gemüse, Gewürze und Obst mitgenommen und sie wusste, dass ein paar Freundinnen von ihr nach einer Zollkontrolle alles wegwerfen mussten. Es ging aber alles gut und wir nahmen den Zug nach Hause. Bei der Gelegenheit sprachen wir darüber, wie wir es mit den künftigen gemeinsamen Reisen nach Thailand halten werden. Aranaa hatte dazu eine klare Meinung. Solange zumindest ein Elternteil von ihr am Leben ist, wird sie jedes Jahr nach Thailand reisen. Wenn beide tot sind, wird das nur noch alle zwei- bis drei Jahre sein. Ok, passt.

Ein paar Stunden später waren wir wieder Zuhause. Das war’s.
Unsere Thailand Reise 2023 und dieser Bericht hier sind hiermit beendet. 🙂
 
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