Irgendwie hat sie die Kurve dann doch noch gekriegt und sind dann durch die Boutiquen gezogen. Während sie Chanel & Co. abgeklappert hat, habe ich mir bei Patek Philippe die Nase platt gedrückt (ich war mal ein Uhrenverrückter, hat sich aber zwischenzeitlich gelegt). Beide fanden wir glücklicherweise keine Beute, sie, weil ihr nichts gefallen hat, ich aus Budgetgründen. Dann sind wir nach unten gegangen durchs Schlemmerparadies. Allerdings gehe ich lieber in den Außenbereich, da gibt es ein paar nette Restaurants und die Atmosphäre ist auch ganz nett. Ihr hat es auch ganz gut gefallen, bis, wie sollte es auch anders sein, sich eine attraktive Thai-Lady am Nachbartisch platzierte. Es fielen zwar keine Worte, aber sofort war eine Versteifung deutlich bemerkbar (leider nicht bei mir). Ich zahlte umgehend, nur weg. Da ich merkte, wie sie langsam wieder in Fahrt kam, ging ich das Risiko gar nicht mehr ein, zur Skytrain zu laufen. Wenn es auch mit dem Taxi zur Wireless Road deutlich länger dauert, war mir im Hinblick auf den heutigen Abend aber egal, zumal wir noch Zeit hatten. Also zum Seiteneingang, wo sich die reichen Tussis abladen lassen und ein Taxi genommen. Ich hatte sowieso Bauchschmerzen, da der Neujahrsempfang mit Damen war.
Im Hotel wartete schon ein Kollege, sie ging schon hoch ins Zimmer. Ich sprach mit ihm noch ein paar Details durch, bat ihn dann aber schon mal vor in den Ballsaal zu gehen. Im Zimmer ging´s dann los mit dem berühmten „was soll ich denn anziehen?“. Ich fragte sie, wie viele lange Abendkleider sie denn dabei habe? Jedenfalls hatte ich weder Zeit noch Nerv mich auch noch mit diesem Firlefanz rumzuschlagen, zumal das Handy permanent klingelte mit „wichtigen“ Fragen. Ich sagte ihr, dass ich jetzt duschen müsse und schon mal vorgehe. Damit habe ich schon wieder ein Knöpfchen gedrückt: „glaubst Du ich gehe da allein rüber?“. Ich versprach ihr jemanden zu schicken, der sie abholt. Sie maulte zwar noch, aber ich verschwand im Bad. Als ich gerade pitschenass aus der Dusche kam, klingelte es an der Tür. Nach dem zweiten Mal fragte ich sie, ob sie nicht öffnen könne. „Ich weiß ja nicht wer das ist, Du musst gehen!“. Da ich keine Zeit für Diskussionen hatte wickelte ich mir schnell ein Handtuch um und öffnete. Es war eine Hotelbedienstete, die mir den Smoking brachte, den ich zum Aufbügeln gegeben hatte (Das hatte ich im Stress total vergessen, dass ich auch was anziehen muss).
Natürlich war das für sie wieder ein willkommener Anlass, Terror zu schieben. Das hätte mir wohl Spaß gemacht, nackt ein Mädchen zu empfangen, wahrscheinlich kannte ich sie schon vorher und, während ich mich anzog, Dummgelaber ohne Ende. Ich fragte sie nur noch, es musste mehrmals sein, wann sie fertig ist. Als sie mir endlich antwortete, machte ich mich sofort vom Acker. Ich war wieder so geladen, dass ich meine Notizen vergaß. Glücklicherweise hatte ein Kollege wenigstens die Liste der zu Begrüßenden. Klar, ich hätte sie anrufen können, damit sie mir die Notizen mitbringt. Aber ich wusste auch, wenn sich Madam drapiert, hat sie keinen Kopf frei, für „Nebensächlichkeiten“. Und keinesfalls wollte ich riskieren, dass sie durch so was den Abend verhagelt.