Indien Über Umwege zu Jay Jagannath und wieder zurück

In Bidar kann man sich gut auf die muslimisch geprägte Architektur einstimmen, die in Hyderabad ihren Höhepunkt findet. Abgesehen davon hat hier die Pracht der ehemaligen Regenten und ihrer Bauwerke die Zeit vergleichsweise gut überdauert. Hyderabad war unter der britischen Kolonialherrschaft die wohlhabendste Region Indiens und lange Zeit weitgehend eigenständig.


Durch welche Religion die Region geprägt ist, lässt sich leicht am Straßenbild erkennen. Das Epizentrum des Geschehens ist gewiss das imposante Charminar. An dessen Fuß befindet sich einerseits ein Markt mit zahlreichen Perlen- und Edelsteinhändlern, andererseits aber auch viele Heiratsvermittler, bei denen indische Familien für ihre Nachkommen passende Ehepartner suchen können.


Ich habe am Abend eine der größten Moscheen Indiens besichtigt, die Mekka-Moschee beim Charminar. Ihr Name rührt daher, dass angeblich einige ihrer Ziegel aus Erde gebrannt wurden, die aus Mekka stammt.


Ansonsten kann man sich rund um den Markt beim Charminar gut verpflegen, natürlich mit dem berühmten Hyderabadi Biryani. Besonders glücklich war ich in Hyderabad jedoch auch mit dem Frühstück: Gleich bei meiner Unterkunft hatte ich einen Straßenhändler, der vorzügliches Masala Dosa – eine weitere südindische Spezialität – verkaufte.

Der Hussain-Sagar-See ist das Herzstück der Stadt. Er wurde künstlich angelegt, hat eine markante Herzform und verbindet Hyderabad mit der Zwillingsstadt Secunderabad. Auf der Seite von Hyderabad gibt es zudem einen weißen Hindu-Tempel, den Birla Mandir, von dem aus man eine viel bessere Aussicht auf den See hat. Ich bin nun mit der Besichtigung des Stadtzentrums fertig


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Weil Fanni Fi Allah einfach die bessern Aufnahmen macht poste ich ein weiteres Video der Gruppe, nämlich das Epic Qawwli, vielleicht das beste Tabla Spiel das ich kenne.





///https://www.youtube.com/watch?v=BpB9mIfxjR8&list=RDBpB9mIfxjR8&start_radio=1///
 
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Das Golconda Fort wäre auch setwas das man sich in Hydrabad ansehen könnte. Es ist besser erhalten als die Ruinen im zuvor besuchten Bidar und zeichnet sich angeblich durch seine Akustik aus. Ich hatte mir ein wenig mehr als nur Ruinen erwartet und will hier nicht als virtueller Reiseführer dienen, aber scheinbar wurde es an einem Ort errichtet, an dem ein Hirtenjunge ein Götterbild fand, woraufhin das Fort erbaut wurde (der Name ‚Gollakonda‘ bedeutet im Telugu tatsächlich ‚Hügel des Hirten‘). Man kann vieles glauben, was die Mythologie wiedergibt, aber vom einstigen Glanz ist leider nicht viel übrig geblieben. Als Abschluss sieht man noch die Tore mit ihren Eisenspitzen, die der Elefantenabwehr dienten; sie sollten verhindern, dass die Tore durch die Dickhäuter eingerannt werden.

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Unweit des Forts befinden sich die Gräber der Qutb-Shahi-Könige. Deren Mausoleen sind vergleichbar mit jenen, die ich mir in Bidar nicht angesehen hatte. Die Besichtigung bezieht sich im Prinzip auf die überaus markanten Mausoleen von Herrschern, die es sich leisten konnten, sich ein Mahnmal zu errichten, um Nachwelt und Untertanen von ihrer Macht zu beeindrucken.

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Wie ich bereits angemerkt hatte, ist eine Reise in der untersten Klasse der indischen Bahn nie ganz einfach und nachts würde ich davon stark abraten wenn man seien Wertsachen nicht am Körüer tragen kann. Doch diesmal kann ich von einer echten Misere berichten, auf der Strecke von Hyderabad nach Visakhapatnam, wo ich einen Halt geplant machen wollte, hatte ich das ‚Glück‘, in einen völlig überlasteten Zug zu geraten. Neben der extremen Überfüllung des Waggons bot sich mir alles, was Indien in der Bahn zu bieten hat, die bekannten Hijras, transidente Personen, die lautstark um Geld baten. Ebenso wie Musikanten, die für ein wenig Unterhaltung eine Entlohnung verlangten

Als wäre die Strecke nicht ohnehin schon überfüllt genug, kamen später noch Pilger von einem Hindufest hinzu. Gab es anfangs schon wenig Platz, so wurde es später so extrem, dass niemand mehr durch das Abteil gehen konnte, ohne anderen Menschen auf die Füße zu treten, die Leute lagen sogar auf dem Boden. Die Essensverkäufer ließen ihre Waren von den Fahrgästen durch das Abteil weiterreichen und stelzten anschließend mit ‚Spinnenbeinen‘ durch die winzigen freien Trittnischen zum Abteilende. Ich hatte zwar meinen Sitzplatz, saß dann aber für zwei Stunden mit einer 70-jährigen Frau auf dem Schoß da, weil sie eben auch irgendwie sitzen musste. Das Essen, natürlich ein Biryani, wurde mir durch das Abteilfenster hereingereicht. Letztlich war ich froh, als ich wieder allein war und mich in Visakhapatnam endlich ausschlafen konnte.

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Während meiner Reiseunterbrechung vor der Weiterfahrt zur nächsten Destination mache ich einen Ausflug in eine eher abgelegene Region der Eastern Ghats, ins Araku Valley. Der Weg dorthin führt mich entlang der Kothavalasa-Kirandul-BahnLinie, die für ihre spektakuläre Streckenführung mit zahlreichen Brücken und Tunneln geschätzt wird. An deren Endstation leben die indigenen Gruppen der Kondh und Gadaba.

Ich hatte das Glück, dass ich einer Lehrfahrt von Soziologie-Studentinnen beiwohnen durfte, die diese indigenen Gruppen ebenfalls besuchen wollten, aber zuvor noch einen weiteren Zwischenstopp eingeplant hatten. Wie ich erst später realisierte, wollte eine der Studentinnen ernsthaft Kontakt zu mir aufnehmen, und zwar in einer Art und Weise, die für Inder wohl eindeutig gewesen wäre, mir allerdings überaus ungewöhnlich erschien.


Das führte dann auch zu grundlegenden Missverständnissen, die es mit Inderinnen aus größeren Metropolen so nicht gegeben hatte. Zudem war ich schlichtweg nicht an ihr interessiert. Die Gute war dann völlig konsterniert, denn eigentlich wollte sie, dass ich mit der Gruppe weitere Besichtigungen mache, ich war jedoch froh, sie abwimmeln zu können.

Es mag durchaus interessant sein, mit einer Brahmanin aus dem Süden Familienfotos auszutauschen und auf diese Weise eine zukünftige Heirat anzubahnen, wie es bei ihren arrangierten Ehen im Beisein der betroffenen Familien üblich ist. Mir war diese Herangehensweise an eine gemeinsame Zukunft jedoch völlig neu. Ich habe wirklich etwas Zeit gebraucht, um zu realisieren, was sie eigentlich von mir wollte.

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Von den Indigenen, deren Frauen gerne drei Nasenringe tragen, konnte ich eigentlich wenig sehen. In der Endstation gab es eine Demonstration, und mir wurde erklärt, ich solle schleunigst meine Kamera verschwinden lassen, ansonsten würde ich Probleme kriegen. Ich bin dann mit dem Bus nach Visakhapatnam zurückgefahren, die Strecke war vergleichbar mit der Fahrt nach oben durch die Reisfelder geprägt, da Andhra Pradesh eben der Hauptproduzent dieses Grundnahrungsmittels in Indien ist.

Visakapatnam hat zwar einen schönen Sandstrand und die Einheimischen nutzen ihn gerne für ein Bad aber die gesamte bengalische Küste hat eine starke Brandung und macht das Schwimmen gefährlicher. Ansonsten hat die Stadt nichts zu bieten und ich mache mich zu einem meiner Höhepunkte meiner Reise auf, Odisha.

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Was mir Odisha noch bieten würde, war mir bei der Ankunft in Bhubaneswar noch nicht bewusst, aber bereits als ich nach dem Umsteigen am Bahnhof in Richtung Puri unterwegs war, hatte ich Gefallen daran gefunden. Für mich war allein die Landschaft entspannend, kleine Siedlungen, die sich um Wasserreservoirs ausdehnen und von Palmen umringt sind. Dieser Eindruck von Abgeschiedenheit und Naturbelassenheit war es, was mich innerlich tief durchatmen ließ und die Hastigkeit, die wir in Europa aus dem Alltag kennen, vergessen ließ. Denn Indien mag vielleicht zurückgeblieben sein, aber die schiere Bevölkerungsdichte kann ebenso als unangenehm aufgefasst werden.

Es ist vielleicht so, dass die Hektik und das geschäftige Treiben Mumbais durch den Umstand entstehen, dass es die finanzielle Metropole des Landes ist. Dagegen ist Odisha sicher sehr arm, aber total entspannt, getreu dem Motto: „as there is nothing just the people and the land“.


Puri ist eigentlich ein ziemlich entspannter Ort, außer zu Zeiten, an denen das bekannte Rath Yatra Festival stattfindet, weil man zu dieser Zeit Monate im Voraus buchen muss. Weil damals sowieso alles an Unterkünften frei war und sonst nur die gottverdammten scheiß Hippies diese Destination aufsuchen oder eben erfahrene Reisende, bekam ich eine für Indien fürstliche Residenz in Strandnähe. Bereits an der Rezeption konnte ich die ikonischen Figuren vom Hindugott Jagannath erblicken und habe dann erst mal meine Sachen abgelegt.

Gleich gegenüber vom Hotel gab es einen Governmental Bhang Store, weil damals in Puri der Verkauf von Gras legal war. Da wurden zu einem sensationellen Preis tolle Blüten an die Interessenten ausgegeben. In Indien gab es damals noch diese richtigen „Hole in the wall“-Shops, wo man sich einen Lassi, Chicken Tikka oder wie hier ein wenig Gras holen konnte – dort gab es immer die besten Deals.

Ich hatte auch das Bedürfnis, nach der doch schon langen Reise ein wenig zu entschleunigen. Also habe mir mal ein paar Joints gedreht, mir englischsprachige Serien im indischen TV über den Gott Hanuman angesehen und gedöst.

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Ob man die rituelle Bedeutung von Puri als Westler so rasch verstehen kann, will ich hier nicht behandeln; und alles, was man so auf der Besichtigungstour zu sehen kriegt, gibt es auch anderswo. Den Jagannath Tempel darf man als Ausländer ohnehin nicht betreten und am lokalen Markt wird das Essen, das dort rituell zubereitet wird, verkauft. Ansonsten kannst du dir eben die Stadt ein wenig ansehen, ihre rituellen Verbrennungen beobachten und an abgelegenen Stränden vielleicht mal etwas schwimmen. Wenn du dich in die ausschließlich vegetarischen Restaurants begibst, kannst du auch die richtigen Reisenden treffen, die manchmal nur zwischen den Philippinen und Odisha hin und her wechseln, wenn eben das Wetter in der einen oder anderen Region passender ist.

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