Verflucht, was wollte die jetzt schon hier? Ich fing an zu rennen und überlegte verzweifelt, wie ich sie aufhalten konnte. Vielleicht hatte ich mich ja auch geirrt und es war gar nicht Nele-Imke. Aber ich wusste es besser. Sie war es ganz sicher. Ich rannte, wie ich nie zuvor gerannt war. Einzig mit der vagen Hoffnung, die drohende Katastrophe irgendwie abwenden zu können, aber ohne den Hauch einer Idee, was ich tun oder sagen sollte, wenn ich sie eingeholt hatte.
Aber diese Frage stellte sich gar nicht mehr. Als ich die letzten Stufen zu unserer Etage hinaufstolperte, konnte ich gerade noch sehen, wie Nele-Imke unser Zimmer betrat.
Auf das Schlimmste gefasst und mit weichen Knien legte ich die letzten Meter zum Zimmer zurück. Mir gingen die wildesten Gedanken durch den Kopf, während ich mit zittrigen Händen versuchte die Tür zu öffnen.
Noi nackt im Bett, strampelnd, weil sie versuchte Nele-Imke zu entkommen, die auf ihr saß und ihr ein Kissen aufs Gesicht presste. Vielleicht hatte Nele-Imke Noi auch in der Dusche erwischt und drosselte sie gerade mit dem Duschschlauch. Möglicherweise schlugen sie aber auch nur aufeinander ein. Noi wäre sicher unterlegen, sie wog ja kaum die Hälfte dessen was Nele-Imke auf die Waage brachte. Bestenfalls schrien sie sich nur an. Ich nahm kurz wahr, dass es ungewöhnlich still war. Es war nichts zu hören. Hatte Nele-Imke gar zum Obstmesser gegriffen, Noi bereits überwältigt und wartete nun hinter der Tür auf mein Eintreffen? Ganz so schnell ginge das wohl nicht, denn Nele-Imke war erst wenige Sekunden im Zimmer.
Aber warum war kein Laut zu hören? Egal, ich musste mich dem Stellen und ich würde zu Noi halten. Darüber brauchte ich seltsamerweise gar nicht nachzudenken. Mit Nele-Imke war ich nun über zwei Jahre zusammen. Sogar fast glücklich, wie ich dachte. Noi kannte ich kaum zwei Tage und doch musste ich keine Sekunde überlegen, für wen ich mich entscheiden sollte. War das richtig so? Logisch? Vernünftig? Wenigstens verständlich? Vermutlich nicht. Ganz sicher sogar nicht, aber es fühlte sich gut an. Viel besser als die Alternative und darauf kam es an.
Zaghaft öffnete ich die Tür und lugte hinein. Das hatte ich nun nicht erwartet. Alles andere, aber das nicht.