Thailand Bangkok, Siem Reap, Pattaya, Koh Samet und Pattaya - Reisen im Grenzland

#36 - #46: THX - es wird ja doch mitgelesen. Bevor morgen die Sklaverei wieder losgeht, haue ich noch mal ein bisschen in die Tasten.

Tag 6 - Ankunft in Siem Reap

Am nächsten Morgen esse ich noch eine Nudelsuppe bei der nahe gelegenen Garküche. Ich bin hier im Viertel fast der einzige Farang (nur einmal begegnete ich einem Farang-Päärchen), fühle mich aber gut aufgehoben und habe mir bei ihm jeden Abend ein „Mitternachts-Süppchen“ gegönnt. Er hat sich immer sichtlich gefreut, wenn ich bei ihm auftauchte. Ich bedeute ihm mit Handzeichen, dass ich heute abfliege, wobei er mir mehrmals auf die Schulter klopft und einige Zeit auf Thai auf mich einspricht. Er wünscht mir wohl gute Reise.


Mit der MRT Richtung Norden, dann am Zubringer zum Flughafen ausgestiegen und ein Taxi geschnappt. Ruckzuck bin ich am Don Mueang Airport.


Das ist in Bangkok eigentlich das Wichtigste, sich vorher klar zu sein, was man vorhat (und wo man danach hin will), und erst dann das dafür bestgelegenste Hotel aussuchen. Ich musste in den vorherigen Tagen nicht ein einziges Mal Taxifahren und hatte mit den üblichen Staus etc. daher auch nichts zutun.


Am Airport begebe ich mich mehr oder weniger vertrauensvoll in die Hände von AirAsia, einer malaysischen Billigfluglinie mit Ableger in Thailand. Nicht erst seit dem Unglücksfall vom letzten Jahr steht sie in dem Ruf, die Sicherheitsvorschriften nicht mit unnötiger Verbissenheit zu behandeln.


Habe mir daher bei der Reservierung einen Platz am Notausstieg gesichert.:hehe:


Die Airline ist voll auf Kostenoptimierung getrimmt. Die Hälfte des fabrikhallenähnlichen Flughafens ist von ihren kleinen Boxen (ich hätte fast gesagt Verrichtungsboxen) belegt. Je nach Kundenaufkommen werde diese mit ihren Angestellten bestückt. Es gibt keine Einteilung nach Flugzielen, der Fluggast reiht sich einfach in die Schlange ein, an deren Ende er von einer grimmig blickenden Angestellten zu der gerade frei gewordenen Box gescheucht wird.


Vorher darf der Fluggast zu meiner großen Überraschung selber Hand anlegen. Die Kontrolle des Hauptgepäckes beginnt bereits hier. Der Fluggast wuchtet dieses auf das Rollband, dann erfolgt die Durchleuchtung, dann zerrt der Fluggast selbiges wieder vom Band. Geschickt, denke ich und frage mich, ob der Gründer des bekannten schwedischen Möbelkonzernes sich hier beteiligt hat und das Motto seiner Gesellschaft - „Hier darfst Du alles selber machen“ - gleich mitgebracht hat.


Die ruppig aussehende ältere Schweizer Travellerin neben mir, deren überdimensionierter Rucksack immer bedrohlich über meinem Haupte schwebt, frage ich, wie es jetzt weitergehe. Ob der Fluggast auch für die Verladung seines Gepäckes in den Flieger zuständig sei. Sie entgegnet mit unbewegter Miene, dass ihr dieses nicht bekannt sei, und sie fliege schon seit 10 Jahren mit dieser Linie. Aha.

Ein paar Fotos vom Flughafen:

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Im Flieger selber kommt keine Langweile auf. Der Flug dauert nur 50 Minuten, und während dieser Zeit ist man vollauf damit beschäftigt, vier überreichte Formblätter auszufüllen. Neben dem üblichen Immigration Office wollen alle möglichen Behörden den üblichen Kram von mir wissen.


Die bekannte „Bürokratieformel“ (je ärmer und unterentwickelter ein Land ist, umso mehr wird es von schikanösem Bürokratieschwachsinn beherrscht) scheint also auch hier zu gelten, denke ich. An einem der Folgetage werde ich erfahren, dass das ganze Procedere einen ernsten Hintergrund hat.


Am Airport entlässt uns der Flieger mitten auf der Rollbahn, und der Tross bewegt sich in Richtung des kleinen, hübschen Flughafengebäudes.


An Bangkoks schwül-heißes Klima gewohnt, schlägt mir die Hitze von Cambodias Tiefebene entgegen. Es fühlt sich nicht wie der berühmte „heiße Lappen“an, sondern wie ein Schwinger von Mike Tyson. Alle wollen jetzt nur schnell ins Gebäude.


Da dürfen wir aber erstmal nicht rein. Eine bullige Wächterin wartet mit einem Haufen grellgelber Zettel auf uns. Ach ja, natürlich.


Es ist der große Ebola-Test. Die üblichen Fragen: „woher kommen Sie, Westafrika besucht, wie viele Leute haben Sie heute schon angesteckt etc.“(letzte Frage natürlich nicht). Wer jetzt einen grippalen Effekt hat, sollte diesen tunlichst unterdrücken. Der ganze Tross wird gesammelt erst dann in das Gebäude entlassen, als auch jeder den Wisch ausgefüllt hat.


Langsam beschleicht mich das Gefühl, hier nicht wirklich willkommen zu sein.


Im Gebäude selber dann das übliche Verfahren (Fotosession etc.) Allerdings werden einem hier auch Abdrücke sämtlicher Finger abgenommen, peinlichst genau.


Die Pässe werden in einem Waschkorb vor dem Chef der ganzen Truppe auf einem Podest ausgekippt, wobei dieser wohlgefällig auf seine Untertanen und die Heerschar der ihm anvertrauten Touris herabblickt. Er schnappt sich dann lässig aus dem Haufen einen Pass heraus, blättert manchmal noch ein bisschen grinsend darin herum und bellt den Namen. Der betreffende Fluggast hastet nach vorne und nimmt dankbar seinen Pass entgegen.


Erinnert mich ein bisschen an Tierfütterung im Zoo, denke ich. Meinen Namen bellt er dreimal, ehe ich kapiere, dass ich gemeint bin. Er hat nämlich versehentlich meinen Vornamen genommen, und mit dessen Nennung haben es die Asiaten schwer.


Uff, geschafft. Mein Trolley ist auch schon da. Schnell eine kleine SIM-Karte besorgt und raus aus dem Gebäude.


Dort soll der Tuk-Tuk-Fahrer des Hotels auf mich warten. Tut er aber nicht. Mein Namensschild ist nicht dabei. Oh Mann, denke ich, geht das schon wieder los (war beim meinem SOA-Erstauftritt in Bangkok genau so). Nach 15 Minuten rufe ich im Hotel an. Der Manager meint, das könne nicht sein, sein Fahrer sei ganz sicher da (na schön, aber wo), ich solle doch mal links zu der Gruppe wartender Fahrer gehen. Das mache ich auch, und sofort stürmt eine Horde "Tuk-Tuk-Sir“ brüllender Männer auf mich zu. Mein Fahrer ist natürlich nicht dabei. Dann schreite ich unter allgemeinem Gegrinse wieder das Spalier ab. Irgendwann reicht es mir: mit Kasernenhofstimme rufe ich: „Is there anybody from the Siem Reap Green Home Guesthouse to pick up Mr.....)“. Ein zweites Mal. Wieder nichts. Dann beginnen einige der auf ihre Gäste wartenden Fahrer leise mit einem Refrain: „Is there anybody …..“. Ich weiß nicht, ob ich jetzt lachen oder so richtig sauer werden soll, mache aber dann mit den Fahrern erst mal „gimme five“.


Dann rufe ich wieder den Manager an. Um die „Planke des Wohlwollens“ nicht bereits vor Erscheinen im Hotel zu zerdeppern, betreibe ich erst mal den üblichen esoterischen Selbstberuhigungsquatsch. „Ich bin ganz entspannt im Hier und Jetzt. Alles ist perfekt. Das Universum sorgt für mich“.- Ja, aber dann soll dieses blöde Universum endlich dafür sorgen, dass der Fahrer auch erscheint!!!


Der Manager meint, der Fahrer MÜSSE vor Ort sein. Jetzt reicht es mir. Ich lasse an ihm meine Neigung zur Abhaltung sarkastischer Tiraden voll aus und bitte ihn scheinbar freundlich, doch seinen Fahrer anzurufen und ihm meine Personenbeschreibung durchzugeben. In den folgenden Minuten wird auch das Aussehen meines Trolleys genau beschrieben, inkl. der hellgrauen Seitenumrandung. Der Manager hört sich dass alles kommentarlos an und entgegnet am Ende: „Yes Sir, I will tell it to him“. Plack. Aufgelegt.


Unterhaltungswert hat dies ja schon, muss ich eingestehen.


Dann erscheint Siron, der Fahrer, ein ausgemachtes Schlitzohr. Wo ich denn gewesen wäre, er habe die ganze Zeit nach mir gesucht. Ich beuge mich zu ihm herunter, lege ihm sanft meine beiden Hände auf die Schultern und blicke ihm lächelnd tief in seine haselnussbraunen Augen. "Okay, okay Sir, I´m sorry!" Ist die Reaktion. Ich muss lachen, er auch, und wir gehen zu seinem Fahrzeug.


Auf der Fahrt ins Hotel frage ich mich, ob ich nicht versehentlich in Timbuktu (Sahelzone) gelandet bin. Rote staubtrockene Erde. Wovon leben die, die nicht in der Touristenbranche arbeiten, eigentlich in der Trockenzeit, frage ich mich.

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Wir kommen am Hotel an, ein mit Liebe zum Detail, aber nicht immer professionell eingerichtetes Hotel am Rande des Zentrums. Bis Pub Street, Night Market etc. sind es nur fünf Gehminuten.

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Im Hotel darf ich mit ansehen, wie sich der Manager gerade mit „Spider-Gate“ herumschlägt. Eine junge US-Touristin ist sehr aufgebracht. Sie hat in ihrem Zimmer eine Spinne entdeckt. Gestern ist auch schon eine Ameise dort herumgelaufen. Ich verbeiße mir mit Mühe einen Lachanfall. Eine Spinne in einem tropischen Land!


Sie vermutet, dass sich im Zimmer ein „Nest“ befindet. Ich denke an Siegmund Freud und seine Überlegungen über den Zusammenhang von Phobien und sexuellen Neurosen. Der Manager sagt, er werde mal nachsehen lassen, aber das könne eigentlich nicht sein, weil beim morgendlichen Reinigen entsprechende Schutzmittel aufgebracht würden. Autsch, denke ich, das hättest Du besser nicht gesagt. Eine Tirade über Umweltvergiftung und Gesundheitsschäden ist die Antwort, die der Manager mit eisigem Schweigen quittiert.


Die US-Tante wendet sich jetzt hilfesuchend an mich. Ich stimme allen ihren Ansichten scheinheilig zu und teile ihr mit, dass man von einem Hotel dieser Preiskategorie (20 $) doch eigentlich erwarten könne, dass nächtens an jedem Bettpfosten hoteleigene Spinnenwächter ihren Dienst versehen.


Nun ist sie auch auf mich sauer. Komisch, verstehe ich nicht, wie ich immer wieder mit einem hilfreich gemeinten Kommentar meine Mitmenschen so rasch gegen mich aufbringe.:lach:


Ihr die Treppe herunterpolternder Ehemann, so ein US-Navy-Unsympath reinsten Wassers, beendet das Ganze. Er herrscht seine Frau an, ob sie das endlich geklärt habe. Sie bejaht kleinlaut. Er befiehlt ihr, mitzukommen. Jetzt tut mir mein bissiger Kommentar fast schon wieder leid. Das arme Girl.


Der „Kriegsheld“ und ich tauschen noch kurz unsere Blicke aus und führen dabei einen freundlich-wortlosen Dialog: „Du Arschloch, was guckst Du so blöd“ - „Loser, das geht Dich gar nichts an“.


Endlich darf ich einchecken und beginne das übliche Ritual: Turbo-Auspacken, Dusche + Umziehen, Foto von Zimmer und Umgebung, und raus. Wir haben es schon 17:00 Uhr, und bevor ich mir die Tempel vorknöpfe, will ich natürlich auch das Städtchen sehen.
 
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Siem Reap ist im Zentrum überraschend grün und gepflegt, kein Vergleich zum Drecksloch Pattaya. Schattige Alleen, Parks, ein kleines Flüsschen mit vielen Parkbänken, herausgeputzte Häuser, historisierend nachgebaute Märkte, viele günstige und gute Restaurants, Geschäfte, Massagesalons, und im Tourist-Office bekommt man eine 200seitige Hochglanzbroschüre mit vielen guten Infos. Alles ist hier wirklich hübsch. Die Gäste sollen sich wohlfühlen. Security-Personal wacht über die Sicherheit, Bettler sind keine zu sehen (zu dem Thema komme ich noch später).

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Ich laufe in dem üblichen Tempo herum und gucke mir alles an, gehe am Abend gut Essen und dann in die Pub Street, das Zentrum des Nachtlebens. Hier ist echt was los, das hätte ich nicht erwartet. Kneipen, Musikklubs, Discos etc. und anscheinend auch keine Sperrstunde. Erstaunlich.

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Nur eines gibt es nicht (Monsignore Grubert hat in seinem „Spaß-Blog“ darüber bereits in betrübtem Tonfall berichtet): geeignete Möglichkeiten für Spaßtouristen. D. h. keine A-Gogo- und Beerbars mit dem ortsüblichen Personal und auch die Massagesalons sind wie von den Stadtvätern gewünscht keimfrei.

Das ist das Vorzeigestädtchen von Cambodia! Und es soll das auch bleiben.

Hinter der Fassade gibt es für den, der es unbedingt braucht, dennoch Möglichkeiten. Einige Tuk-Tuk-Fahrer am Ende der Pub Street sind auch als Loddel („Girls, Sir, you want girls?“) tätig. Und am rechten Flussufer befindet sich nördlich des Hard Rock Cafes eine kleine, offenbar geduldete Freelancer-Zone. Ich lande natürlich ahnungslos, aber punktgenau mitten drin, als ich mich mit einem Bier auf eine Parkbank setze, kann aber der beginnenden „Kesselschlacht“ noch rechtzeitig entgehen, indem ich mich in die angrenzende „Familienzone“ rette, wo Khmer-Mittelschichtsfamilien ihren Abend genießen.

Abends ist es sehr stimmungsvoll am Ufer, Grillen etc. zirpen, es ist auch nicht mehr so heiß, und ein Hauch von Magic liegt in der Luft.

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Eines ist mir hier sofort aufgefallen.

Die Khmer haben eine total andere Mentalität als die Thais.

Sie wirken zuerst verschlossen, nicht so geschäftstüchtig-freundlich-zugewandt wie die Thais, fast mürrisch. Dass eine Serviererin das Essen wortlos mit unbewegter Miene auf den Tisch stellt, ist hier nicht ungewöhnlich. Der Blickkontakt beim Vorübergehen ist aber sehr intensiv und länger als in DACH. Vor allem Frauen schauen mir manchmal mit ihren Glutaugen so direkt ins Gesicht, dass ich denke, Uff!

Sanuk scheint hier nicht weit verbreitet zu sein. Z. B. hätte sich ein durchschnittlicher Thai-Manager nach Überstehen von „Spider-Gate“ kaputt gelacht und wir hätten gemeinsam noch ein bisschen abgelästert. Hier nichts davon. Der Manager checkte mich wortlos ein.

Ist schon ein etwas merkwürdiges Volk, denke ich, bei der Vergangenheit (Völkermord durch die Roten Khmer etc.) und der auch nicht rosigen Gegenwart in Cambodia (übrigens: do not say „Kambodscha“) aber auch kein Wunder.

Dass sich die Menschen hier aber auch ganz anders verhalten können, werde ich in den nächsten Tagen erfahren.

Nach einer stark verbesserungsfähigen foot-massage in einem der Salons laufe ich noch etwas herum, sitze am Flussufer und gehe dann ins Hotel zurück.

Morgen wartet auf mich der „Iron-Man-Contest Nr. 1“.
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Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
So, ehe das auch ein Schreib-Contest wird, für heute ist jetzt Schluss.

Wie diese Miniaturansicht da reingelangt ist, keine Ahnung. Krieg ich auch beim "Bearbeiten" nicht wieder raus. Hat einer der "Technik-Freaks"einen Tipp?

Schönen Sonntag

Gruss

Cavigliano
 
@johnny thai und @bert66: Danke für das feed-back.
Habe noch keine Lust auf die Sklaverei (kann mir meine Arbeitszeit zum Glück relativ frei einteilen) und werde daher heute noch ein bisschen weiter machen. Würde mich eh nerven, wochenlang, wie es einige Member tun, an meinem Bericht herumzuwerkeln. Am liebsten "kloppe" ich die Sache einfach runter.

Tag 7 - Siem Reap/1

Am nächsten Morgen stärke ich mich mit der köstlichen Nudelsuppe, die man im Hotel unter den Frühstücksvarianten auswählen kann.


Dann übergibt mir der Manager ein Fahrrad. Ich habe ihn gestern gefragt, ob er die von mir geplante Tour ins Tempelgelände Angkor Wat angesichts der für heute zu erwartenden Hitze von über 40 Grad für riskant halt. Nach Blick auf meine Statur meint er, ich könne den Small Circuit (mit Hin-und Rückfahrt ca. 35 km) ruhig machen, den Grand Circuit (ca. 55km) eher nicht. Nach Blick auf die Map entscheide ich mich für einen Kompromiss zwischen beiden Varianten (ca. 45 km).


Der Manager hat aus seinem beeindruckenden Fuhrpark zweifellos das „Flaggschiff“ für mich ausgesucht. Luxuriöses Shimano-Schaltwerk mit Spezialbremsen,unkaputtbare Vredestein-Bereifung, ein Elektromotor für den Fall der Erschöpfung und viele weitere mir bisher unbekannte Details versetzen mich in großes Erstaunen. Dabei bin in DACH mit einem Koga-Myata-Randonneur schon ein gewisses Niveau gewohnt. Hier muss selbst ich in Ehrfurcht verharren. Es ist ein „Prachtstück“:

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Zuerst denke ich, der Manager habe ganz entgegen meinem bisherigen Eindruck tatsächlich einen Sinn für schrägen Humor. Er meint jedoch, es fahre gut und er sei selbst bereits damit gefahren.


Na gut, 45 km wird es wohl machen, denke ich, und die Fahrt beginnt. Es ist ein zähes Gegurke, und nach ca. 300 m zwackt es mir in der linken Hüfte. Ich spiele mit dem Gedanken, mir einfach für 5 $ ein gutes Rad zu leihen und diese Gurke dort abzustellen, aber ich kenne keinen Fahrradladen hier und will jetzt auch einfach keine Zeit mehr verlieren. Ich bin ohnehin schon zu spät dran. Es ist 09:00 Uhr.


Die Straße zum Tempelgelände führt ca. 7 km schnurstracks geradeaus, eine Tortur. Unterwegs werde ich von einer kleinen Gruppe junger Leute mit schnieken Mountain-Bikes überholt. Als sich eine junge Frau nach mir umdreht, um dem Gesamtkunstwerk aus meiner Person und dem Fahrrad noch einen fassungslosen Blick zuzuwerfen, kommt es fast zu einer Kollision.:hehe:

Beim Eingang erwerbe ich ein Dreitagesticket. Irgendwie habe ich mich jetzt an die Karre gewöhnt. Dann geht es zum Parkplatz bei dem Haupttempel Angkor Wat. Dort die zu erwartenden Reisebusse und Touristenhorden. Es ist schon jetzt so unglaublich heiß, dass die Menschenmassen wie in Trance über den Damm zum Tempel schleichen.

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Drinnen erst einmal im Schatten. Uff. Ich habe im Basket 5x1,5l-Wasserpullen gebunkert und unter einer Plastiktüte versteckt. Sollte jemand von meinem Wasser klauen, hoffe ich, dass er mir wenigstens noch was übrig lässt (es wird an dem Tag nix geklaut). Eine der Pullen führe ich ständig mit. Das ist hier das Wichtigste, ständig trinken. Viele Touris machen das nicht und sind dann auch entsprechend schnell außer Gefecht gesetzt.


Die Anlage ist riesengroß und ungeheuer beeindruckend.

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Es werden sogar Zeremonien abgehalten.

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Im Zentrum der Anlage befindet sich der Hot Spot, zu dem manche der Besucher sofort nach ihrer Ankunft eilen. Es gibt in dieser Riesenanlage viele Möglichkeiten für tolle Ausblicke, teilweise ist dort niemand, aber der Touri-Herdenzwang treibt hier wieder tolle Blüten. Es wird immer nur eine bestimmte Anzahl auf den Turm gelassen, man muss sich vorher registrieren lassen, wird in Gruppen eingeteilt und wartet dann. OMB. Warum machen die das? Ich werde es nie verstehen. Na ja, was ich hier so veranstalte, ist vermutlich noch bekloppter, nur halt das andere Extrem.

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Ich erkunde das ganze Gelände.

Dann bin ich wieder draußen. Aha, es ist noch ein bisschen heißer geworden.

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Ein Blick auf die Uhr: Ich liege gut in der Zeit. Das Programm werde ich jetzt voll durchziehen und Gefangene werden nicht gemacht! Anhang anzeigen yes.gif

 
Weiter geht es Richtung des berühmten Bayon Tempels in der alten Königshauptstadt Angkor Thom.

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Der Bayon ist erheblich kleiner als Angkor Wat und zur Zeit noch etwas "belagert". Aber langsam beginnt die Mittagshitze, die Leute zu zermürben und Aufbruchsstimmung macht sich breit. Ideales Timing. Ich habe mir schon immer gerne die ruppigstens und unmöglichsten Besuchszeiten ausgesucht, dann sind die ganzen Weicheier alle verschwunden.:ironie:

So auch jetzt, nach 30 Minuten bin ich in dem Tempel fast allein und darf ungestört die unglaubliche Magie und Energie, die dieser Bau ausstrahlt, genießen, was durch das fahle Mittagslicht noch verstärkt wird. Grillen und anderes Getier lärmen in ohrenbetäubender Lautstärke. Ich fühle mich fast wie im Rausch. Dabei bin ich stocknüchtern.

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.....Bitte nicht falsch verstehen. Wer Sich (so wie Du hier) durch solch einen Bericht "outet" macht sich eben angreifbar, aber ich gehe davon aus, dass Du damit umgehen kannst. Ausserdem ist sarkastische Selbstbetrachtung ja überhaupt nix schlimmes...

Voll in Ordnung, @ogeretla. Das ist natürlich oft so, nach einiger Zeit denkt man, neh, was war ich damals naiv. Es sind ja immer nur Momentaufnahmen. Meine derzeitige "Momentaufnahme" ist der Abschied vom "Spaßtouristen". Für einige wird es vielleicht aus dem Bericht selber schon nachvollziehbar werden, für andere vielleicht aus dem Fazit, und viele werden sicherlich denken, der @Cavigliano hat einen "Knall". :lach1:
 
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