Für den Moment wusste Martin allerdings auch nichts zu sagen. Es waren in ihren Gesprächen zwar Andeutungen laut geworden, aber Martin hatte nun wirklich nicht damit gerechnet, Wilma tatsächlich noch einmal Vis- a - Vis gegenüberzustehen.
Wilma hatte die Situation ebenfalls erfasst und erkannt, dass sie Martin auf dem falschen Fuß erwischt hatte.
"Nice to meet you Su, Martin told me about you. What did you mean with 'he told you everything'?"
"Everything means everything, also about your special event. Up to that moment I only thought guys just even thinking abvout sex, but you girls do either. You must have been crazy to fuck in a monkey house!"
Su sprach die Dinge aus, wie sie über sie dachte, nahm dabei auch kein Blatt vor dem Mund. Aber die lockere und unbefangene Art wie sie das rüberbrachte in Verbindung mit ihrem strahlenden Lächeln gab dem Gesagten eine befreiende Wirkung mit, die keinen Platz für zweifelhafte oder gar böse Gedanken ließ.
"Yes, it was a little bit crazy, but we enjoyed it."
Martin hatte den Dialog zwischen den Beiden aufmerksam mitverfolgt und auch ihm fiel ob des Verlaufes ein Stein vom Herzen.
"Wilma, would you like to join us?"
Er untermalte seine Worte mit einer einladenden Handbewegung.
"Oh, maybe later, I am waiting for someone, You see that I was released and I have to say thank you to someone who had helped me. And I also need to take care my friend who still remains over there."
Hasso war mittlerweile zurück im Hotel und war etwas erstaunt, Wilma nicht mehr an der Bar sitzen zu sehen. Für einen kurzen Moment hegte er die Befürchtung, dass sie das Weite gesucht hatte um sich vor der Bezahlung zu drücken. Aber er schob den Gedanken schnell wieder zur Seite. Das Mädchen hinter der Bar sah ihn an und deutete mit dem Kopf in Richtung des Restaurants. Jetzt vernahm Hasso auch Stimmen und erkannte darunter auch die von Wilma. Er sah sie mit einem Mann der in Begleitung einer hübschen Thai war zusammen vor einem Tisch stehen. Innerlich fluchte Hasse. Mitspieler oder etwaige Neugierige wollte er nicht haben. Das hätte möglicherweise Fragen zur Folge, die Wilma stutzig machen könnte. Er verzichtete darauf zu der Dreiergruppe zu gehen und zog sich leise an die Bar zurück. Wilma würde sich wohl in Kürze wieder zu ihm stoßen. Er hatte allerdings nicht mit der Aufmerksamkeit des Mädchens hinter der Bar gerechnet. Sie lächelte ihn nur kurz an, verließ dann ihren Platz hinter dem Tresen und ging ins Restaurant.
Wilma hatte kurz überlegt, die Einladung der Beiden anzunehmen. Aber im Moment gab es für sie Wichtigeres zu tun. Just in diesem Moment kam die Bedienung von der Bar zu ihr.
"Sorry, Mam, your friend just come back."
Sie lächelte Wilma dabei mit der Freundlichkeit an, die nach ihren Beobachtungen wohl typisch und allgegenwärtig in Thailand war.
"Sorry, Martin, I have to do some things. Maybe, I see you later."
Martin hatte von Wilma erfahren, dass sie in dem gleichen Hotel wohnte und er wunderte sich einen kurzen Moment über diesen Zufall, der sie wieder zusammengeführt hatte.
"Das ist schon okay, wir sehen dich später."
Wilma ging zurück zur Bar wo der Botschafter schon auf sie wartete.
"Entschuldige bitte, der Zufall wollte es wohl, dass ich den jungen Mann wiedertreffe, der scheinbar unschuldig eine Nacht im Gefängnis verbringen durfte."
"Kein Problem, ich habe mein Telefon aufgeladen und ich würde vorschlagen, dass du das Telefonat von deinem Zimmer aus führst. Möchtest du das Telefonat alleine führen oder soll ich dich begleiten? Mir macht es nichts aus, hier zu warten."
"Ich würde das Gespräch lieber alleine führen. Ich weiß allerdings nicht, wie eine Überweisung gemacht werden muss. Brauche ich da besondere Bankdaten, so etwas wie eine Bankleitzahl von dieser grünen Bank?"
Hasso hatte ja ebenfalls ein Konto bei dieser "grünen Bank", wie Wilma sie nannte. Er holte seinen Kuli aus der Tasche und bat die Bedienung um einen Zettel.
"In Thailand gibt es keine Bankleitzahl oder IBAN wie es in Deutschland oder Europa demnächst üblich sein wird. Für internationale Überweisungen gibt es andere Daten. Die "grüne Bank" ist die Kasikorn Bank, früher hieß sie einmal Thai Farmers Bank. Für internationale Überweisungen benötigst du den S.W.I.F.T.- Code, in Verbindung mit deiner Kontonummer, dem Namen der Bank und einer einfachen Adressangabe, die eigentlich nicht nötig ist, landet das Geld auf deinem Konto. Der S.W.I.F.T.- Code der Kasikorn Bank lautet KASITHBK. Wo ist deine Bank, an welcher Straße?"
Wilma musste kurz überlegen, erinnerte sich daran, dass es irgendwo in südlicher Richtung war.
"Ich weiß nicht mehr so genau. Da in der Nähe der Bank war ein großes Kaufhaus für Elektronik-Krempel und Telefone."
"Okay, das ist die Filiale an der Pattaya Tai, es reicht dann aus, wenn du als Adresse Pattaya, Pattaya Tai, Thailand angibst. Keine Ahnung, weshalb Banken das noch wollen, es ist eigentlich nicht nötig, typisch deutsche Gründlichkeit."
Er schrieb Wilma die Daten auf und reichte ihr den Zettel. Zusätzlich hatte er ihr noch ein paar Infos zur Überweisungsart draufgeschrieben.
"Achte bei der Überweisung darauf, Kostenteilung und Überweisung in Euro anzuweisen!"
Wilma nahm das Handy von Hasso entgegen, bedankte sich und ging auf ihr Zimmer. Hasso drückte die Daumen, dass alles laufen würde wie geplant. Er bestellte sich ein weiteres Heineken. Er musste knapp eine halbe Stunde warten bis Wilma wieder auftauchte.
"Nun, hat alles geklappt?"
Hasso musste sich etwas bemühen, gleichgültig zu wirken.
"Ja, diese Zicke von Sachbearbeiterin war etwas störrisch, aber letztendlich hat es geklappt, das Geld ist angewiesen und sollte wohl am Donnerstag verfügbar sein."
Wortlos übereichte Wilma Hasso einen Briefumschlag.
"Ich habe meine Schulden bei dir nicht vergessen. In dem Briefumschlag sind 45.000 Baht. Wir hatten noch etwas Geld im Zimmersafe und ich habe gestern noch Geld mit meiner Kreditkarte gezogen. Nochmals Danke, dass du mich da rausgeholt hast. Ich hoffe nur, dass es für Christel auch gut ausgehen wird."
"Das vermag ich nun leider nicht zu sagen, bin aber guter Dinge, dass es für sie noch einmal glimpflich ausgehen wird. Ich würde sagen, wir gehen Christel jetzt besuchen und werden sie etwas aufbauen. Der Tag und die Nacht dürften für sie deutlich angenehmer verlaufen jetzt wo diese schreckliche Kerl nicht mehr da sein wird."
Vor dem Hotel passten sie einen Bahtbus ab, der an der Seite Plastikfolie angebracht hatte. So waren sie zumindest vor direkten Wasserattacken geschützt. Sie setzten sich direkt hintern an die Trennwand zum Fahrer und an die Straßenseite. Sie würde es wohl am sichersten sein. In der Tat kamen sie trocken an der Polizeistation an. Überall auf den Straßen und an den Bars lieferte sich ein Jeder eine Wasserschlacht mit jedem, der auch nur in Reichweite der Pumpen und Wasserpistolen kam. Selbst die Polizisten blieben nicht verschont. Mit Ausnahme der Beamten, die Innendienst hatten, zeigten die anderen Polizisten deutliche Spuren. Wilma konnte es allerdings kaum abwarten zu Christel zu kommen. Sie machte sich Sorgen um sie.